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Vollständige Version anzeigen : Staatlich diktierte Rasseausrottung



Andrea
26. December 2001, 12:22
Hallo,

Uli hat das Thema schon im vorletzten Thread kurz angesprochen, für alle die die Geflügel-Börse 24/2001 nicht gelesen haben nochmal eine kurze Zusammenfassung:
Das Bundesministerium für Verbraucherschutz , Ernährung und Landwirtschaft will demnach sogenannte "Qualzuchtrassen" verbieten. Dazu sollen folgende Rassen gehören:
- Rassen mit Federhauben
- Rassen mit Fußbefiederung
- kurzschnäblige Taubenrassen
- Kropftauben
- Rassen mit Letalfaktoren
Ich weiß nicht ob es hier Züchter dieser vom Qualzuchtverbot betroffenen Rassen gibt, mich würde aber Eure Meinung zu diesem Thema intressieren.
Ich finde, daß hier mit einer ungeheuren Doppelmoral vorgegangen wird. Einerseits sollen Rassen wie die Araucanas, wegen des Letalfaktors verboten werden , andererseits werden aber in Deutschland Millionen gesunder Hahnenküken sofort nach dem Schlupf getötet, weil ihre Aufzucht wirtschaftlich nicht intressant ist. Irgendwie ziemlich pervers ......
Das Ansehen der Taubenzüchter ist leider besonders schlecht, woher kommt das eigentlich ? Im Moderatorenforum hat zum Beispiel mal jemand behauptet 2 noch ganz nackte Taubenküken mitten im Winter unter einem Baum gefunden zu haben, die dort von einem Züchter ausgesetzt worden seien , damit sie erfrieren. Wie kommen die Leute eigentlich auf solch einen Gedanken ????

Ziemlich nachdenkliche Grüße
Andrea

Christian Rose
26. December 2001, 13:16
Hallo Andrea,
Also ich halte das für ein bisschen übertrieben.
Gehen wir mal die einzelnen durch,

- Rassen mit Federhauben
Die Hauben werden häufig von den Züchtern aus dem Gesicht geschnitten,somit können die Tiere genausogut wie andere Tauben sehen.

- Rassen mit Fußbefiederung
Es hindert die Tiere nicht am Fressen,Brüten oder fütetrn der Jungen.

- kurzschnäblige Taubenrassen
Man kann einen Tausch der Eier machen,denn die Kurzschnäbler können die Jungen der Normalschnäbler versorgen.

- Kropftauben
Kropftauben können sogar noch gut Fliegen.Selbst die Altdeutschen Kröpfer obwohl es die schwersten Kropftauben sind.

- Rassen mit Letalfaktoren
Wenn man die Tiere passend verpaart,sind es keine Qualen für die Tiere.

Also ist das für mich persöhnlich "Kappes".


Zum schlechten Image der Taubenzüchter,dass kommt haupsächlich von den Brieftauben-Züchtern,da diese ja alles in dei Tiere in dei Tiere hineinpumpen und die Tauben als Sportgeräte ansehen.

UliB
26. December 2001, 15:11
Hallo Ihr!
Ein schönes Weihnachtsfest gehabt zu haben. Leider haben wir am Rhein wie immer keinen Schnee, aber dafür ist es auch ziemlich warm hier.
Zu dem Problem mit den Qualzuchten:Zu den Federhauben, kann ich nichts sagen, damit sind glaube ich die Haubenenten und Hühner gemeint, habe ich keine Erfahrungen mit. Aber zu den Tauben.
Rassen mit Fussbefiederung:
Ich habe seit Jahren ein paar Altholländische Tümmler, als Dropper. Ich schneide ihnen immer die Federn, weil sie mit Fussbefiederung wirklich behindert sind. Sie stolpern laufend über ihre Federn (Füsse). Ohne Federn an den Füssen sind sie ganz normale Tauben, wach, aktiv, suchen auf der Wiese rum u.s.w., mit Fussbefiederung stehen sie eigentlich nur apatisch rum. Wirken auf mich schon behindert.
kurzschnäblige Taubenrassen:
Ich finde sie überhaupt nicht schön, diese Tauben "ohne Schnäbel", aber sicherlich hat Christian recht, das durch umlegen der Jungtiere beide Rassen "ihre " Jungen gut füttern können und die Jungen auch recht gut gross werden.
Kropftauben:kenne ich auch wenig von. Ich weiss nur von Freunden, das es schwierig ist mit der Fütterung, da es schnell zu Kropfentzündungen kommt.
Letalfaktor: ist totaler Blödsinn, da jeder verantwortungsvolle Züchter die Tauben nur so verpaart, das kein Letalfaktor auftritt. Es bringt ja nichts anders zu paaren.
Die politischen Reaktionen auf dieses Thema sind sicherlich Blödsinn, ABER ich glaube nicht das es so sehr von den Brieftaubenzüchtern herkommt, dieser schlechte Ruf. Auch die Rassetaubenzüchter haben sehr dazu beigetragen. Die Standards, bei einigen Rassen wurden so auf die Extreme hin ausgelegt, das einige Rassen für mich schon sehr behindert wirken. Warum muss die Fussbefiederung so lang werden? Die Argumente mit Kulturgut ziehen da kaum. Wenn ich Fotos der Rassen vor 40 Jahren anschaue. sahen diese Rassen häufig noch sehr anders aus. Warum müssen die Schnäbel immer kürzer werden. Vor Jahren hatte ich Altdeutsche Mövchen, mit kurzen Schnäbeln, die zogen ihre Jungen problemlos gross. Oder die Kropftauben. Was haben die mitlerweile für riesen Kröpfe. Ist das noch schön?
Ich finde nein. Wir Menschen neigen dazu alles bis zum geht nicht mehr hin zu treiben. Ich habe vor Jahren auf Kanarienausstellungen Gibber Italicus gesehen. Das waren ärmlichste Kreaturen, halbbefiedert, epeleptische Anfälle waren ihnen angezüchtet. Da hört es einfach auf.
Nach meiner Meinung ist es der Grund, das der Standard immer extremer wird und das Tiere die nach dem Standard hohe Bewertungen bekommen, viel Geld bringen. Eine Grenze muss her. Scheinbar sind die Züchter nicht allein in der Lage dafür zu sorgen. Und dann kommt die Politik und schert alles über einen Kamm. Was sicherlich nicht gut zu heissen ist, aber was ist der Weg wenn wir nicht selber in der Lage sind für einen vernünftigen Tierschutz zu sorgen.
Ich denke das uns diese Fragen die nächsten jahre noch sehr viel beschäftigen werden, aber an einem bestimmten Punkt ist unsere züchterische Tierliebe gefragt, und da haben diese Extreme nichts zu suchen.
Tschau Uli

soay
26. December 2001, 17:14
Hallo

Ich stimme Ulis Beitrag zu.
Ein Problem ist, dass alles irgendwie extrem ausfallen "muß". Zuerst die Standards (Unabhängig ob Tauben, Hühner, Enten - Noch steiler (Haltung), noch kürzer (Schnäbel), noch länger (Fußbefiederung), usw.) und dann die Gegenreaktion ("Alles über einen Kamm.").
Und wer sagt, dass nur Züchter und Halter die Tiere in die Finger bekommen, die damit verantwortungsbewußt umgehen (Federn schneiden, Eier tauschen, etc.)?
Kannst Du das garantieren, Christian? Wohl kaum.

Viele Grüße

Christian Rose
26. December 2001, 21:11
Hallo,
Ich höre immer wieder von Taubenzüchtern einen Spruch der von einem Taubenzüchter aus der Nähe stammt.Er hatte vor 20 Jahren Eistauben belascht und seine Tiere waren gut doch sie hatten nicht genug Belatschung und deswegen wurden seine Tiere immer schlecht bewertet.Er sagte:"In 20 Jahren müssen die Belatschten so ausehen,ihr werdet es mir noch danken."Dabei war damals der Trend die Latschen immer größer zu züchten und alle hielten ihn für dumm,doch heute wäre so etwas richtig gewesen.

Angelo
27. December 2001, 03:06
hi alle miteinander
also das mit den hauben ist quatsch gibst in der freien natur auch
ohne menschliches dazu tun

kurzschnäbler
ich hatte vor ein paar jahren usbeken kurz und mittel schnäblig
beide rassen konnten ihre jungen selbst aufziehen kein unterschied

kropftauben
auch diese hatte ich zwei jahre zum einkreuzen (altdt.kröpfer)
keine hatte jemals schwierigkeiten mit dem kropf auch nicht mit dem fliegen sicher sie fliegen nicht lang aber sie können fliegen
auch ist es nicht das gewicht wie christian meint sondern die länge ihrer feder

belatschung

diese tiere sind wirklich ein wenig behindert wenn sie nicht geschnitten werden beim brüten beim fressen am trog beim laufen aber bei mir ist noch nie eine verhungert deswegen
da ist der sv gefragt etwas weniger ist oft mehr

lockentauben wurden auch schon betitelt sie könnten nicht fliegen
kam von der hessischen dame
jeder der das glaubt darf mal bei mir im schlag versuchen eine zu fangen
aber nicht weinen wenn ihr mit leeren händen dasteht

das mit den zwei taubenküken kann ich nicht glauben
kein taubenliebhaber würde so etwas tun


schluss punkt um warten wirs ab wann der mensch mal wieder dran ist
mfg Angelo

Andrea
27. December 2001, 07:26
Halllo zusammen,

fasse mich ganz kurz, denn mich hat leider die Grippe erwischt.

Nach meiner Meinung gibt es schon einige Rassen , die dringend züchterisch verändert werden müssen.

Extrembeispiel Bucharische Trommeltaube, für mich sind das keine Tauben mehr sondern traurige Kunstobjekte.

Um 1750 sah die Rasse so aus :

http://bokharas.org/images/birds/1750.jpg

heute sehen die Tiere so aus :

http://bokharas.org/images/birds/champ1.jpg


Viele Grüße
Andrea

Christian Rose
27. December 2001, 07:41
Hallo zusammen,
Bei den Machenero-Kröpfern sieht es so aus ob,der Kopf vom Kropf heruntergezogen würde,doch es ist nur die normale Haltung.

Christian Rose
27. December 2001, 07:55
Hallo,
Hier ist ein Bild von einem Machenero Kröpfer,im Austellungskäfig wirkt es schlimmer.

Christian Rose
27. December 2001, 07:57
Hallo,
Hier ist noch ein Bild von einem Brünner Kröpfer,die brauchen wirklich nicht verboten werden,die die ich hatte flogen sogar auf unser 5m hohes Scheunendach.

Christian Rose
27. December 2001, 08:01
Hallo,
Wenn man das so sieht müssten ja auch die Warzentauben wie Carier verboten werden.
Wenn es wirklich dazu kommt,wird der BDRG einige Züchter verlieren.

moevchen
27. December 2001, 13:58
@All

als jahrelanger Züchter von "Qualzuchten" kann ich nur schreiben:
zu 95% Blödsinn.

Weder meine Altdeutschen Mövchen (mit knapp mittellangem Schnabel und Haube), noch meine Italienischen Mövchen haben und hatten noch nie Probleme ihre Jungen aus anatomischen Gründen aufzuziehen. Die Federfüßigen Zwerghühner von meinem Vater hatten auch nie Probleme beim Laufen.

So short

bendosi
27. December 2001, 16:38
Mal gleich vorne weg
Ich habe absolut keine Ahnung von "Rassezucht"
Schreibe hier also als blutiger Laie.
Aber ich finde es schon eigenartig wenn man z.B. Nacktkatzen züchtet oder Hunde deren Augen so hervorquellen das sie bei kleinsten Gelegenheiten schwer verletzt werden, oder solche
Hunde deren Fell so groß ist das es seinen besitzer beim bewegen hinderlich ist
Genauso eigenartig finde ich es wenn sich jemand freut das seine Taube es schafft auf ein 5m hohes Dach zu fliegen.
Wie weit fliegt eine normale Taube?
Wozu dienen solche Züchtungen
Tragen sie zum Wohlbefinden der entsprechenden Tiere bei ?
Oder dienen sie nur der Stärkung des Selbstbewustseins der Züchter?
Ich freue mich wenn meine Nymphen gesunde Nachkommen haben. Wie die aussehen ist mir sch... Egal. Wichtig ist doch das sie körperlich und auch genetisch gesund sind.
Bei uns gegenüber gab's mal einen Kaninchenzüchter der Hat Lohfarbene kaninchen gezüchtet .
Es ist mir bis heute ein Rätsel warum für den eine Welt unterging wenn seine Kaninchen Fellhaare der falschen Farbe an ihren Pfoten hatten.
Aber vielleicht bin ich da zu doof zu.

UliB
28. December 2001, 18:50
Hollo Ihr!
Ich denke Bendosi hat in vielen Punkten einfach nur recht. Leider neigen einige Menschen dazu die Extreme zu lieben. Der Hauptgrund ist das Geld oder das Geltungsbedürfniss. Es ist einfach interessant auf kleinen Austellungen mal nur so in den Gängen zu stehen und Leihen zuzuhören, wie sie unsere Lieblinge "bestaunen". Oft habe ich gedacht mögen die "Züchter" solch armer Geschöpfe da mal zuhören und ihre Schlussfolgerungen ziehen. Es geht mir nicht darum Rassen zu verbieten, aber wir können die überzüchteten Rassen wieder so züchten, dass die Tiere ein bedeutend angenehmeres Leben leben können.
Zu Moevchens Anmerkungen:
Altdeutsche Mövchen oder Italienische Mövchen sind damit nicht gemeint, weil sie fliegen, füttern ihre Jungen selbst, haben halt nur einen kürzeren Schnabel, völlig ok. Aber Wiener Kurze, Orientalische Mövchen, Short Faced Tümmler? Das ist doch kein Schnabel mehr. das ist Tierqälerrei. Auch nicht alle Federn an den Füssen sind hinderlich, aber Tauben mit langen Latschen sind mit geschnittenen Latschen ganz andere Tauben. Oder Perückentauben, die einen Sichtradius von 20° haben, ist das schön? Bucharische Trommeltauben, die weder laufen noch sehen können. Das ist nicht mehr schön. das sind zwar züchterische Meisterleistungen, aber an die Tiere denkt niemand. Wie wäre es mit am ganzen Körper nackten Tauben aber mit riesiger Haube, Kropf und exterm belatscht. Wäre doch praktisch für die Gastronomie, wenn sie auch noch frohwüchsig und 800 gramm schwer wären. Spass beiseite.
Es gibt da noch vieles zu bedenken. Aber ich glaube wir brauchen Grenzen. Punkte an denen wir aufhören müssen. Wenn wir Tierzüchter so viel Verantwortungsgefühl nicht selber aufbringen, dann ist der Gesetzgeber gefordert. Leider geht der dann, weil er keine Ahnung hat mit dem Holzhammer los.
Tschau Uli

Oli
28. December 2001, 21:47
Hallo zusammen

Lieber Uli :D ich habe sicherlich schon mehr Gibber Italicus gesehen, einer mit Anfällen aber noch nie !! Die abgeschlossene Untersuchung im Rahmen des §11b über den Gibber befreit ihn auch von diesen Vorurteilen, kann dann wohl nicht so weit her sein mit Deiner Einschätzung. Mit anderen Worten, daß was Du optisch wahrnimmst und sich geschmacklich äußert, ist keine Bestandteil des §11b - ENDE !!! Kein Fachurteil, kein Tierschutz, sondern reine Geschmackssache von Deiner Seite.

Angelo
29. December 2001, 19:40
hi allerseits

ich komm nochmal auf die freie wildbahn zurück
beispiele Pfau, fregattvogel , riesentrappen ,hornvögel, es gibt sicherlich hunderte von qualtieren in der natur sollen wir die auch ausrotten abgesehen davon sind wir ja sowieso dabei dies zu tun
uli sprach 800g tauben an
meine cauchois haben zwischen 700 und 900 g und glaube mir die können sehr gut fliegen
viele leute auf schauen sind laien und sie würden nicht so daher reden wenn sie sich etwas mehr als nur reinschauen um die rassen erfragen würden

mfg Angelo

bendosi
29. December 2001, 21:03
Hi Angelo

Also unter Qualtiere verstehe ich Tiere die ohne menschliche Hilfe
in ihrer natürlichen Umgebung nicht mehr Lebensfähig sind oder solche die auf grund ihrer züchterischen Gestaltung Leiden erdulden müssen
Dies kann man von Beispielen Pfau, Fregattvogel , riesentrappen ,Hornvögel wohl kaum sagen .
Dann könntest Du ja Pinguine und Strauße(sind Vögel -können nicht fliegen) Robben und Wahle (sind Säuger und können nicht laufen) gleich mit einbeziehen.
Nein hier geht es ja wohl um durch menschliche Zucht so "umgestaltete" Rassen das sie auf Grund bestimmter Merkmale Qualen erleiden müssen. und zum Teil zu einem selbständigen Leben kaum mehr fähig sind
Übrigens gehöhren dazu sicher auch solche uralten Kulturrassen wie Kamele (können sich ohne Menschliche Hilfe nicht mal mehr vermehren) und Milchkühe.:?

UliB
29. December 2001, 23:18
Hallo Ihr! Interessant hier!
Ich möchte was zu Oli`s Anmerkungen zum Gibber loswerden. das Du mehr Gibber gesehen hast als ich glaube ich Dir gerne. Ich gehe auch nicht mehr gerne auf Ausstellungen, weil es mich nicht interessiert ob die Kopfform der gewünschten Rundung entspricht, die Haube einen exakten Mittelpunkt hat, oder sonst der Farbton optimal ist. Aber falls Gibber zu sehen sind, schaue ich sie mir nicht mehr an. Was soll schön sein an federfreien Schenkel und Brust, an einer Körperhaltung die an eine Hinrichtung erinnert, nicht aber an einen Vogel. Warum soll ein Vogel eine Haltung wie eine nach unten zeigende 7 haben?????????? Das verstehe ich nicht, wenn ich dann auch noch sehe wenn dieses Tier "arbeitet", sich mit einem Fuss auf der Stange hällt , den anderen Fuss an die Stäbe krallt damit er nicht abstürzt, hat das mit einem epeleptischen Anfall mehr zu tun als mit einem gesunden Vogel. Das das meine Meinung ist, stimme ich Dir zu, aber muss alles gemacht werden was möglich ist? Ich denke nein. Und verantwortungsvolle Züchter sollten sich zu Wort melden und nicht nur immer das Geschrei von man will uns unser Hobby zerstören. Wir erstören unser Hobby und unsere Lobby selber.
Tschau Uli

Andrea
30. December 2001, 09:33
Hallo Ihr,

es sollte bitte bei dieser Diskussion nicht vergessen werden, daß es sich um Haustiere handelt, d.h. man sollte hierbei nicht Kriterien ansetzen wie kann das Tier in freier Wildbahn ohne die Hilfe des Menschen überhaupt noch überleben. Sogesehen müßte man dann ja sogar Brieftauben verbieten, die erwiesenermassen in freier Natur auf Dauer auch nicht überleben können . Oder man müsste dann auch die meisten unserer Hühnerrassen, sowie die Legehybriden, denen ja der natürliche Bruttrieb abgezüchtet verbieten . Entscheidendes Kriterium muß sein, daß die Tiere keinen gesundheitlichen Schaden davon tragen und das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit für jeden tierliebenden Menschen sein. :( Deshalb finde ich schon , daß etwas mehr Selbstkritik angesagt wäre. Damit nicht irgendwann von Laien alle Züchter über einen Kamm geschert werden.
Viele Grüße
Andrea

Oli
30. December 2001, 10:07
Hi zusammen

@Uli: Was sollte dann an der Musik von Modern Talking schön sein ??

Wie gesagt, reine Geschmacksache, reine Empfindung, als Grundlage des persönlichen ICH.
Keinesfalls aber fachlicher Bestandteil des §11b.

So mag sich mancher beim Anblick einer Spinne, einer Maus oder Ratte ekeln. Es mag mancher die teilweise Haltung eines Reihers eines Storches usw. usw. usw. usw. als nicht schön "empfinden".
So ist es im Leben !

Vom Hobby verbieten habe ich nicht gesprochen, nur glaube ich an die richtige Adresse zu appelieren, daß Vorurteile, rein persönliches Empfinden und Vermenschlichung nichts in einer sachlichen Diskussion um den §11b zu suchen haben.

Dein
Olaf

bendosi
30. December 2001, 13:31
Ich möchte hier mal allen bisher an diesem Thema beteiligten ein Lob für die gezeigte Disziplin aussprechen.
Das war bisher immer ein großes Problem bei solchen Themen
Im übrigen finde ich dieses Thema sehr interessant und hoffe, daß es nicht zu "Entgleisungen "kommt.
Ja wie gesagt ich denke es geht hier nicht un in ihrer natürlichen Umgebung lebensfähige Tiere sondern um von menschlicher Hand umgezüchtete Rassen die Merkmale aufweisen die sie an einem "normalen"Leben hindern normal setze ich hier in Anführungszeichen weil das zu definieren währe.

Im übrigen bin ich der Meinung das es nicht sein kann das Züchter ihre Tiere so "Zuzüchten "können wie es ihnen beliebt . Es muß da Grenzen geben.
Es gibt jede menge Menschen die sich über Gentechnologie furchtbar erregen. Dort werden auch grenzen verlangt und mit Recht auch geschaffen.
Züchterische Arbeit ist meiner Meinung nach "gentechnologie" in sehr kleinen Schritten denn auch hier werden Erbanlagen verändert. Zwar nicht so rigoros und auch nicht so geziehlt wie in der Genforschung und -industrie aber immerhin.

Christian Rose
30. December 2001, 14:18
Hallo Bendosi,
Ich finde sowas schon gut,da das Tier ist einer Voliere aufgewachsen ist und schon die letzten 10-20 Generationen in einer Voliere waren.Zum Beispiel die Straßer aus bestimmten Zuchten schaffen es gerade in eine 1m hohe Zuchtzelle,doch diese sollen nicht verboten werden.

UliB
30. December 2001, 19:32
Hi Ihr alle! hallo Olaf!
Habe schon vermutet das hinter Oli Olaf steckt. Aber genau wie an der Musik von Modern Talking nichts schön ist, ist an einigen Rassen auch wirklich gar nichts schön. Aber wirklich gar nichts. Da ist der Gibber so ein Extrembeispiel. Als ich seinerzeit noch intensiver Kanarien gezüchtet habe, hat der Werner B. mal gesagt, er würde den Preisrichter für Positurkanarien nicht machen weil er dann auch Gibber richten muss. Er müsste dann Vögel hoch bewerten, die als Vogel nicht zu bewerten sind. (meiner Meinung nach).
Womit Du aber sicherlich recht hast, ist das persönliche Vorlieben oder Abneigungen nicht mit dem 11b in Zusammenhang gebracht werden dürfen. Mich ärgert nur das in unseren Fachorganen immer nur das Geschrei gegen die anstehenden Zuchtverbote gross ist. Selbstkritisch mal unsere Züchterpraxis beleuchten tun die wenigsten. Es ist schon längst an der Zeit mal anders auf unsere Zuchtergebnisse zu schauen. Ich habe vor Jahren als ich wieder Tauben halten konnte mit Usbekischen Tümmlern begonnen. (Klatstümmler die nach oben mehrere Überschläge machen). Die Tauben flogen und überschlugen sich vereinzelt. Einzelne Tiere konnten von meinem Hausdach, welches ca 6 Meter hoch ist, nicht mehr auf dem Gartenschlag landen weil sie immer wieder hochpurzelten. Der Züchter, von dem ich die Tauben bekommen habe, sagt mir ich solle ihnen den Schwanz ausziehen, dann wäre das vorbei. Ich habe mich schnell von den Usbeken getrennt. Das sind Qualzuchten, zumindest diese Linie.
Tschau Uli

Andrea
31. December 2001, 09:49
Hallo zusammen,

wo wir jetzt schon mal beim Flugtaubensport sind habe ich doch noch eine Frage. Heinz Kaupschäfer spricht in seinem Buch Flugtaubensport ( ihr seht ich habe mich mal ganz vorsichtig mit der Materie beschäftigt ;) ) von den sogenannten Totrollern, Bodenpurzlertauben, die sich irgendwann das Genick brechen, weil sie sich nicht mehr rechtzeitig vor Erreichen des Bodens abfangen können. Kommt so etwas öfter vor ?

Viele Grüße
Andrea

UliB
31. December 2001, 16:48
Hallo Andrea!
Das sind 2 Dinge. Erst mal die Bodenpurzler: Das ist eine uralte Taubenrasse die ich zu den Qualzuchten zählen würde. Ich habe noch nie welche purzeln sehen, aber gelesen das die Tauben auf dem Boden sitzen, der Züchter gibt ein Zeichen, z.B. Klatschen und die Taube rollt mit Überschlägen über den Boden. (Für mich sind auch dieses epeleptische Anfälle). Bodenpurzler sind keine Flugtauben sondern Tauben die auf dem Boden purzeln. Ich glaube die fliegen fast gar nicht.
Zu den Todrollern. Das gibt es. Bei einigen Rassen z.B Birmingham Rollern, Orientalische Roller oder auch Kelebek kommt es bei einzelnen Tieren dazu das sie ihr Flugspiel, Rollen oder Drehen nicht mehr steuern können. Ich sage die "werden" gedreht. Sie rollen dann immer weiter und schlagen auf dem Boden auf. Im DFC führt dies bei einem Wettkampf zur Disqualifikation (nicht nur das Aufschlagen sondern jeglicher Bodenkontakt). Meine Erfahrungen damit sind folgende. Als ich mit Kelebek anfing fielen immer einzelne Tiere die ihre Drehungen nicht unter Kontrolle hatten. Ich bin dann so vorgegangen das ich aus Tieren die nicht sicher drehten nie gezüchtet habe. Das war schon mal das wichtigste. Aber auch bei den Kelebek fallen Junge die sehr viel und eng/schnell drehen und solche die wenig drehen aber sehr hoch und schnell fliegen. Das sind für die Zucht die richtigen Partner. Wenn man immer solche Tauben verpaart die eng und viel drehen fallen irgendwann nur noch Tauben die ihre Drehfiguren nicht mehr kontrolliern können. Das ist vielleicht ähnlich wie mit den Extremrassen. Nur das bei den Flugtauben die Grenze von den Tauben gesteckt werden. Ob es sich bei den Rollern (Birmingham und Orientalischen) mit der Zucht ähnlich verhällt weiss ich nicht genau. Ich gehe aber davon aus.
Überigens zum Schluss noch, nachdem ich in den Paarungen wie oben beschrieben verfahren bin, hatte ich die letzten 4 Jahre nicht mehr eine Taube die sichtbar den Boden berührt hat. Und das bei Flugergebnissen die schon besonders gut waren.
Bei den Sturzflugtauben habe ich es noch nie davon gehört oder gesehen das sie aufschlagen.
Tschau und einen guten Rutsch und ein frohes neues Jahr Euch allen. Uli

Merline
01. January 2002, 10:30
Hallo,

Im Buch "Taubenzucht" von Joachim Schütte, Landbuchverlag, steht zu Bodenpurzlern folgendes:

[...]Die Parlowtümmler, die bei uns einfach Bodenpurzler genannt werden, wurden aus Amerika eingeführt. Es sind kleine Tauben, stets glattfüßig und glattköpfig und sie kommen in allen Farben vor. Die Bodenpurzler fliegen als junge Tauben noch ein wenig, bis zu einem Alter von etwa 10 Wochen, dann beginnen sie zu purzeln und verlieren gleichzeitig ihr Flugvermögen. In jeder Lage, in der normale Tauben auffliegen würden, fangen sie an, sich nach rückwärts zu überschlagen. Die Tauben müssen auf dem Erdboden gefüttert werden, ihr Trinkgefäß muß am Erdboden stehen und ihre Nester müssen am Erdboden errichtet werden. Infolge ihrer Flugunfähigkeit können die Tauben in sehr kleinen Taubenschlägen gezüchtet werden, praktisch würde schon eine große Kiste oder ein großer Kaninchenstall für sie reichen. Man kann diese Tauben also ohne große Schwierigkeiten unterbringen, auch da, wo eine normale Taubenhaltung unmöglich ist. Abgesehen von ihrer Flugunfähigkeit benehmen sich die Tauben vollkommen normal, und sie vermehren sich gut. Bei Wettbewerben im Bodenpurzeln werden die Leistungen der einzelnen Tiere bewertet. Es gibt bei ihnen Einzelpurzler, die nur einen Salto zeigen, dann Doppelpurzler, die zwei Saltos hintereinander zeigen, und Dauerpurzler, die wirbelnde Purzelbäume schlagen und wie ein Ball bis zu 10 Meter weit herumwirbeln. [...]

Einen Kommentar dazu verneife ich mir lieber... :(

Merline

UliB
01. January 2002, 15:51
Hallo Merline
Habe von den Bodenpurzlern aber auch gehört, das sie auf kräftigere Geräusche mit Panik und Überschlägen im Schlag reagieren. Muss doch schrecklich sein, dir fällt etwas auf den Boden und deine Tauben überschlagen sich im Schlag. Furchtbar!!
Dann fällt es mir schwer mir einen Komentar zu verkneifen. Ich denke auch nicht das ich das sollte.
Tschau Uli