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Vollständige Version anzeigen : PBFD-Forschung



Bea
18. June 2006, 14:09
Hallo,

an der Uni Leipzig wird in einem Forschungsprojekt ein Impfstoff gegen diese Schnabel -und Federkrankheit erprobt.

Laut eines Berichtes in der letzten AZ-Nachrichten AZN 6/2006 sollen die Forschungsergebnisse voraussichtlich Ende 2006 vorliegen.

Divana
18. June 2006, 22:14
Hallo

habe ich auch gelesen, aber was da noch steht.

*Die Suche nach einer PBFD freien Tiergruppe, welche zur Durchführung der Versuche unerlässlich war, gestaltete sich schwierig, da in allen bis auf eine Tiergruppe das PBFD-Virus isoliert wurde. Dieser Umstand spiegelt die unerwartet weitflächige Verbreitung des PDFD-Virus innerhalb der Wellensittichpopulation wieder und untersteicht somit gleichzeitig, wie wichtig das durchgeführte Forschungsprojekt im Kampf gegen die PBDD ist. *

Vielleicht haben wir es alle ohne es zu wissen????

Gruß

Divana

Bea
19. June 2006, 01:00
Hallo,



Vielleicht haben wir es alle ohne es zu wissen????

Wahrscheinlich nicht ausgeschlossen. Aber wie will man unter allen Haltern und Züchtern eine Durchseuchung des Vogelbestandes feststellen?

Da würde nur eine gesetzlich vorgeschriebene Untersuchung aller Vogelbestände in Frage kommen, was aber auch heißen würde, dass PBFD meldepflichtig gemacht werden müßte. Da sie aber nicht auf den Menschen übertragbar ist, fiele sie schon wieder aus dem Tierseuchengesetz raus.

Sicherlich sollte jeder Halter von Sittichen und Papageien seine Tiere untersuchen lassen, aber dann kommt wieder die Frage auf, welcher Test ist sicher?

Bestimmmung der Circovirus über das Blut oder nur per Federanalyse? Ist bei einer Feder genügend Genmaterial vorhanden um diesen Test (genetischer Fingerabdruck des Virus) durchzuführen?

Fakt scheint leider wohl zu sein, dass PBFD vor keiner Papageien -und Sittichart halt macht.

Das wirft aber für mich die Frage auf, kann das Virus sich so verändern, dass es auch andere Vogelarten infiziert?

Welches Horrorzenarium haben wir zu erwarten, wenn kein Impfstoff dagegen gefunden wird?

Leider gibt es ja auch hier in den Foren genug Beispiele wieviel Leid diese Krankheit über die Vögel und die Besitzer gebracht hat.

Auf jeden Fall sollte jeder Vogelliebhaber, egal ob Halter oder Züchter, vorsichtig beim Kauf oder Aufnahme von Sittichen und Papageien sein und wenn möglich beim nächsten Tierarzt Besuch einen Test auf PBFD machen lassen.

Divana
19. June 2006, 07:48
Sicherlich sollte jeder Halter von Sittichen und Papageien seine Tiere untersuchen lassen, aber dann kommt wieder die Frage auf, welcher Test ist sicher?


sicher wäre das das beste, aber würde das auch ein Wellensittichbesitzer machen der über 100 Paare hat? Was sollte ihm sein Hobby denn kosten? Und wann sollte er es testen lassen? Einmal? Einmal im Jahr? PBFD ist auch über den Gefiederstaub übertragbar. Dann darf dieser Züchter nicht mehr in die Nähe von fremden Sittichen oder Papageien?



Das wirft aber für mich die Frage auf, kann das Virus sich so verändern, dass es auch andere Vogelarten infiziert?


bei Schweinen gibt es einen ähnlichen Virus, und bei Raben hat man ihn auch schon gefunden.



Welches Horrorzenarium haben wir zu erwarten, wenn kein Impfstoff dagegen gefunden wird?


es soll ja schon einen Impfstoff geben wie ich gehört habe, den einige Züchter aus Belgien bestellen können.



Auf jeden Fall sollte jeder Vogelliebhaber, egal ob Halter oder Züchter, vorsichtig beim Kauf oder Aufnahme von Sittichen und Papageien sein und wenn möglich beim nächsten Tierarzt Besuch einen Test auf PBFD machen lassen.

sicher, aber was nützt das???
Nur wenn man 100%tig sicher sein kann das man diesen Virus nicht im Bestand hat nutzt auch ein Test der einen davor schützt. Da aber sehr viele Sittiche und Papageien diesen Virus haben ohne das man Krankheitszeichen bemerkt müsste man von Zeit zu Zeit seine eigenen Sittiche testen lassen.

Gruß

Divana

Christian
19. June 2006, 18:08
Hallo,

ich muß gestehen, ich bin SEHR erstaunt über das, was ich hier lese.

Denn einen Impfstoff gegen PBFD gibt es bereits seit fast 10 Jahren 8o ... siehe HIER (http://numbat.murdoch.edu.au/caf/pbfd.htm#vaccine) ... man beachte das Datum dieser Site, 1997 :+klugsche

Entwickelt wurde der Impfstoff in Australien, ist aber anscheinend in Deutschland immer noch nicht freigegeben. Aber selbst wenn, würde das kaum weiterhelfen, denn bislang ist es nicht gelungen, diesen speziellen Circovirus im Labor zu züchten. Somit ist das Kernproblem die hinreichende Beschaffung von Lebend-Material aus dem dann der Tot-Impfstoff entwickelt werden kann.


sicher, aber was nützt das???


Eine sehr berechtigte Frage, denn eine Studie der Uni Herdecke hat ergeben, daß etwa 40% der deutschen Vogelbestände durchseucht sind ... Stand der Daten ist 2003, wenn ich mich recht entsinne ... bei Agaporniden schätzt man übrigens ca. 90% Durchseuchung. Bedenkt man dann noch, wie hoch ansteckend diese Seuche ist ... vor allem weil sie per Kleidung des Menschen verschleppt wird ... geht mir der Ar... auf Grundeis, denn ich sehe vor allem auch die Arterhaltungszuchtprogramme als auch freilebende Bestände gefährdet. Bislang will niemand diese Gefahr wahr haben ... weder die meisten Züchter, noch Regierungen.

Lediglich Australien hat bislang einen Krisenplan (http://www.deh.gov.au/biodiversity/threatened/publications/tap/beak-feather/index.html) erstellt.

Fakt ist, es ist 5 vor 12 ... hoffentlich kommen die Götter in Weiß mal langsam aus'm Quark.

Divana
19. June 2006, 18:25
Hallo,
Eine sehr berechtigte Frage, denn eine Studie der Uni Herdecke hat ergeben, daß etwa 40% der deutschen Vogelbestände durchseucht sind ... Stand der Daten ist 2003, wenn ich mich recht entsinne ... bei Agaporniden schätzt man übrigens ca. 90% Durchseuchung. Bedenkt man dann noch, wie hoch ansteckend diese Seuche ist ... vor allem weil sie per Kleidung des Menschen verschleppt wird ... geht mir der Ar... auf Grundeis, denn ich sehe vor allem auch die Arterhaltungszuchtprogramme als auch freilebende Bestände gefährdet. Bislang will niemand diese Gefahr wahr haben ... weder die meisten Züchter, noch Regierungen.


ich denke das es mehr wie 40 % sind. Viele Leute machen ja den Test erst gar nicht.
Aber es würde mich interesieren wie hoch die Prozentzahl der erkrankten Tiere ist. Also bei wieviel Tieren es letztendlich zum Tode führt.



Fakt ist, es ist 5 vor 12 ... hoffentlich kommen die Götter in Weiß mal langsam aus'm Quark.


Das ist wohl auch wieder ein finanzielles Problem.
Da fehlen doch sicher wieder Gelder für die Forschung.

Schade.

Gruß

Divana

Christian
20. June 2006, 19:25
Hi again!



ich denke das es mehr wie 40 % sind.

Davon gehe ich auch aus ... ich schätze die 50%-Marke ist längst überschritten. Man muß ja auch sehen, daß die Studie schon drei Jahre zurückliegt und die Infektionsgefahr enorm hoch ist.



Aber es würde mich interesieren wie hoch die Prozentzahl der erkrankten Tiere ist. Also bei wieviel Tieren es letztendlich zum Tode führt.

Das sind zwei Paar Schuhe. Die Anzahl der infizierten Vögel ist sicherlich viel größer, als die der erkrankten Vögel. Es muß auch nicht zwangsläufig zum Tode führen. Wenn man die richtigen Maßnahmen ergreift, überleben erkrankte Vögel u.U. noch mehrere Jahre. Man geht inzwischen auch davon aus, daß es verschiedene Circo-Virenstämme sind, die es zu bekämpfen gilt, denn die Verlaufsformen unterscheiden sich teilweise doch erheblich.



Das ist wohl auch wieder ein finanzielles Problem.

Möglich, aber es ist vor allem medizinisch betrachtet eine harte Nuss. Die Leipziger versuchen jetzt wohl einen gen-technischen Ansatz, da die Züchtung des Virus, um einen Tot-Impfstoff in hinreichender Menge herzustellen, bislang nicht gelungen ist ... und die Forschung läuft hier ja weltweit seit über 10 Jahren.

Saskia137
13. February 2007, 10:57
Ich dachte mir, ich hol diesen Thread mal wieder ein wenig hoch, weil mich interessiert, ob von Euch jemand was neues bgzl. des Impfstoffes mitbekommen hat. Ich hab grad zwar etwas gegoogelt, aber nicht wirklich viel entdecken können. :(

Bea, Du hast in einem Posting auch folgende Frage in den Raum gestellt:

Das wirft aber für mich die Frage auf, kann das Virus sich so verändern, dass es auch andere Vogelarten infiziert?
Hierzu hab ich auf den Seiten der Uni-Leipzig zwar was entdeckt (Pressemitteilung (http://db.uni-leipzig.de/aktuell/index.php?modus=pmanzeige&pm_id=1025) und Uni-Protokoll (http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/13536/) zwei identische Berichte - einmal mit, einmal ohne Bild), aber wirklich ne Aussage, ob es sich bei den hier beschriebenen Krähen wirklich um PBFD-infizierte Vögel handelt, wollten die Wissenschaftler noch nicht machen.
Allerdings scheint der Circo-Virus auch bei Tauben vorhanden zu sein Quelle Presselink (http://db.uni-leipzig.de/aktuell/index.php?modus=pmanzeige&pm_id=1025) "Allerdings konnten bisher noch keine Viren mit der üblicherweise benutzten Papageien- und Tauben-Circovirus PCR nachgewiesen werden."

Was auch ich verherend für die Psittacidien finde, ist dass in Australien schon der Wildbestand PBFD hat (hier (http://www.vogeltierarzt.de/Gesundheit/PBFD_und_Polyoma/pbfd_und_polyoma.html)).

@Christian, Deinen ersten Link bzgl. dem Impfstoff konnte ich gerade leider nicht öffnen (ich schätze es ist ein vorübergehendes Server-Problem, da der Link aktuell auch noch über Google zu finden ist).
Aber ich habe bzgl. PBFD noch eine Dissertation (http://wwwlib.murdoch.edu.au/adt/pubfiles/adt-MU20050705.135219/02Whole.pdf) von der gleichen Uni entdeckt. Auch wenn ich die 157-seitige Dissertation noch nicht mal richtig angefangen zu lesen habe, wollte ich Sie Euch nicht vorenthalten (außerdem find ich sie selbst so schneller wieder).

Wäre schön, wenn Ihr neue Erkenntnisse auch hier postet.

Christian
13. February 2007, 20:11
Hi Saskia!


Ich dachte mir, ich hol diesen Thread mal wieder ein wenig hoch, weil mich interessiert, ob von Euch jemand was neues bgzl. des Impfstoffes mitbekommen hat.

Gute Idee. Bei der APN (http://www.papageien.org/) war letztens auf der Leitseite ein Artikel, daß in den USA derzeit mit Hochdruck an einem DNA-basierten Impfstoff gearbeitet würde. Mmh, klingt nach Gen-Technik, aber Details waren leider nicht verfügbar. Dummerweise finde ich den Artikel nicht wieder, da die Homepage ziemlich unglücklich umstrukturiert wurde.

Was mich viel mehr interessieren würde ist, ob die Leipziger mit ihrem Enzym-basierten Ansatz weitergekommen sind. Ich hatte da vor ein paar Wochen mal wieder recherchiert, aber leider nichts Neues finden können.


Ich hab grad zwar etwas gegoogelt, aber nicht wirklich viel entdecken können. :(

Ich fürchte da gibt's auch nicht viel Neues.


..., aber wirklich ne Aussage, ob es sich bei den hier beschriebenen Krähen wirklich um PBFD-infizierte Vögel handelt, wollten die Wissenschaftler noch nicht machen.

Die Berichte über Circo-Viren bei Krähen sind schon recht alt und auch hier im Forum schon öfter zur Sprache gekommen ... auch hier nix Neues.


Allerdings scheint der Circo-Virus auch bei Tauben vorhanden zu sein ...

Das ist schon sehr lange bekannt. Allerdings handelt es sich hier um einen ganz anderen Virenstamm. Ebenso gibt es Circo-Viren bei Säugern. Am bekanntesten ist hier wohl der bei Schweinen auftretende Stamm.

All diese Stämme unterscheiden sich dermaßen, daß eine Übertragung auf eine andere Art nicht möglich ist. Deshalb sind ja auch nur Papageienvögel von PBFD betroffen und auch hier gibt es artspezifische Unterschiede hinsichtlich der Anfälligkeit des Organismus gegen diesen Virenstamm. Bei Kakadus z.B. richtet der Virus verheerende Folgen an, während bislang noch kein Ara bekannt wurde, bei dem PBFD ausgebrochen wäre. Zudem hält sich das Gerücht, daß bei südamerikanischen Arten nach einer akuten Phase des Ausbruchs die Symptome überwunden und anschließend sogar Resistenzen ausgebildet werden.


Was auch ich verherend für die Psittacidien finde, ist dass in Australien schon der Wildbestand PBFD hat.

Deshalb gibt es ja in Australien als bisher einzigem Land der Welt einen entsprechenden Krisenplan ... siehe Link oben vom 19.06.06.

Ich denke, das liegt daran, daß in anderen Ländern keine Gelder für entsprechende Programme zur Verfügung stehen. Zudem scheinen Kakadus am anfälligsten gegen den Virus zu sein. Vorkommen wird der Virus auf jeden Fall weltweit in freier Natur, zumindest hatte ich auch mal von erkrankten Graupapageien in freier Natur gelesen. Allerdings gibt es in freier Wildbahn insgesamt betrachtet wohl nur wenige Ausbrüche.

Man darf aber auch nicht übersehen, daß es bislang so gut wie keinerlei Forschung hinsichtlich des Auftretens von PBFD in freier Natur gibt.


... ich schätze es ist ein vorübergehendes Server-Problem ...

Sieht so aus.


Auch wenn ich die 157-seitige Dissertation noch nicht mal richtig angefangen zu lesen habe, ...

Ich hatte sie vor Monaten schon mal angelesen und fand sie für PBFD-Interessierte relativ wertlos, da sie sich vornehmlich mit dem Circo-Virus bei Schweinen beschäftigt.

Saskia137
14. February 2007, 11:53
Hallo Chris,

Danke für den Input, jetzt sehe ich das ganze schon mal deutlich klarer bzgl. den div. Circo-Virenstämmen (für Papas und andere Tiere) und der unterschiedlichen Art des Krankheistausbruches innerhalb der Papa-Arten.

Ähm, bzgl. dem Krisenplan Australiens, können daher auch die Vorsichtsmaßnahmen in den Fliegern (irgendwelches Desinfektionsmittel, mit dem die Passagiere eingesprüht werden und die schriftliche Bestätigung, keinen Dreck an den Schuhen mit einzuführen) kommen?
Bzgl. dem eingesprüht werden im Flieger und dem Fragebogen zum Dreck an den Schuhen, das hat gestern abend meine Tante beim gemütlichen beisammensitzen über ihren Flug nach Australien erzählt.

Christian
14. February 2007, 14:04
Hi again,

mal schnell von der Arbeit aus ... ;)


..., können daher auch die Vorsichtsmaßnahmen in den Fliegern (irgendwelches Desinfektionsmittel, mit dem die Passagiere eingesprüht werden und die schriftliche Bestätigung, keinen Dreck an den Schuhen mit einzuführen) kommen?

Das mit den Vorsichtsmaßnahmen bei Fluggästen höre ich zum ersten Mal ... mmh ... kann man das irgendwo nachlesen? Ich vermute, das gilt nur für eingehenden Flugverkehr? Da müßte man mal recherchieren ... höchst interessant.

Gruenergrisu
14. February 2007, 15:08
Hallo,
bereits vor ca. 20 Jahren war es normal, dass zu Beginn von Flügen nach Australien und Neuseeland Insektenschutzmittel versprüht wurden. Das ist heute auch noch so. Der Kontinent ist malariafrei durch diese Maßnahmen. Ist diese Maßnahme gemeint?
Darüber hinausgehende Maßnahmen dürften am ehesten eine Vorsichtsmaßnahme wegen der Geflügelpest darstellen?
Grüße

Christian
14. February 2007, 19:18
Hi again!



Darüber hinausgehende Maßnahmen dürften am ehesten eine Vorsichtsmaßnahme wegen der Geflügelpest darstellen?


Denke ich auch, denn auch wenn der Threat Abatement Plan sicherlich ernst genommen wird, kann ich mir nicht vorstellen, daß die Maßnahmen bereits so weit gehen ... wenn's auch an sich sinnvoll wäre, da der Circo-Virus bis zu drei Jahre außerhalb des Wirts überlebensfähig ist, über die Kleidung übertragen werden kann und zudem gegen die meisten Desinfektionsmittel resistent ist :(

Saskia137
15. February 2007, 09:08
Danke Gruenergrisu, ich denke das war das Zeugs, mit dem meine Tante auch eingesprüht wurde, allerdings wußte sie eben nicht was es war und ob jetzt Insektenschutz oder Desinfektion, ich denke, das kann man als Laie ohne weitere Ahnung darüber nicht feststellen, oder? Aber jetzt habe ich wieder was gelernt und kann auch meiner Tante die Info geben, womit sie da eingesprüht wurde. :zustimm: