Vollständige Version anzeigen : "Massentötung von Rabenvögeln" (unkommentierter Info-Thread)
Vogel-Mami
08. May 2005, 22:26
Hallo @ all!
Dies ist ein erneuter Versuch, etwas Ordnung in dieses komplexe Thema zu bringen!
Is zwar im Moment a bißl nervig, weil dadurch der xte, ähnlichlautende Thread aufgemacht wird, aber wohl unvermeidlich.
Da mein bisheriger "Berichte-Thread" ja leider geschlossen wurde, werden weitere Berichte/Infos hier gesammelt -und zwar nur (!!!) Berichte und Infos, ohne Kommentare!!!
Als Kompromiss können ja die hier eingestellten Beiträge kopiert und -versehen mit eigenen Kommentaren- in den anderen Thread eingefügt werden.
Oder man setzt den Bericht samt Kommentar gleich in den "Diskussions-Thread" und ich -oder wer sich sonst bereit erklärt (dolfoo?)- kopiere ihn dann unkommentiert hierher.
Is dann zwar "doppelt-gemoppelt", aber immer noch besser, als daß hier wieder alles drunter und drüber geht!
Auf diese Weise gibt es wenigstens eine Stelle, wo man sich informieren kann, ohne erst `n Haufen "Müll" beiseite räumen zu müssen!
Die Berichte, die sich bereits im anderen Thread befinden, werde ich ebenfalls hier sammeln...
:+klugsche Warnung: Zuwiderhandlungen werden rigoros geahndet!!!
Sprich: Persönliche Kommentare werden ohne Ansehen der Person gelöscht!!!
Vogel-Mami
08. May 2005, 22:42
#16 von "tukan-world" (http://vogelforen.de/showthread.php?t=84101&page=2&pp=10) (Ausschnitt)
Ostfriesen-Zeitung 02.05.2005 (S. A 12)
Jäger befürchten negative Auswirkungen von Biogasanlagen auf Natur
VERSAMMLUNG - Vorsitzender Claas Janssen: Maisanbau verändert Pflanzen-
und Tierwelt / Auricher unterstützen Krähenprojekt
Hat die Tötung der Raubvögel Erfolg, will man nachziehen. Sorge bereiten
auch die Graugänse.
AURICH / NI - Die Auricher Jäger stehen ohne Wenn und Aber hinter dem
Versuch im Landkreis Leer, durch Krähen- und Elsternfang die Population
anderer Tiere zu erhöhen. Diese Untersuchung dürfe nicht abgebrochen
werden, bekräftigte Claas Janssen, Vorsitzender der Jägerschaft Aurich,
bei der Hauptversammlung am Freitagabend im Piqueurhof. "Sollte die
Tötung von Raben und Elstern den Bestand an Wiesenbrütern, Hasen und
Fasan deutlich positiv beeinflussen, werden wir bei uns auch damit
beginnen." Erkenntnisse von Naturschutzverbänden, nach denen die
Beutegreifer keinen großen Einfluss auf die Anzahl von Wiesenbrütern
haben, nannte Janssen einseitig.
Sorgen bereitet den Auricher Jägern die zunehmende Anzahl von
Biogasanlagen, für deren Betrieb Mais notwendig ist. Die großen
Anbauflächen würden zu massiven Veränderungen in der Pflanzen- und
Tierwelt führen, befürchtete Janssen. Er könne aber Landwirten nicht
verdenken, dass sie nach neuen Einnahmequellen suchen würden.
Widersprüchliches Verhalten warf der Vorsitzende der Jägerschaft der
Bundesregierung vor. Während man den Abschuss von Wildsäuen forciere,
werde ein großes Gänseschutzprogramm aufgelegt. "Es ist unverständlich,
Millionen von Euro für eine Wildart auszugeben, deren Anzahl die der
Kaninchen um das 100fache übersteigt", so Janssen.
Im vergangenen Jahr haben die Auricher Jäger mehr als 3400 Fasanen
erlegt. Das sei die bislang höchste Strecke für diese Wildart gewesen,
berichtete Kreisjägermeister Wilke Siebels. 469 Füchse wurden
geschossen. Bei den Graugänsen, die aufgrund ihrer Anzahl immer mehr zu
einer Problemwildart würden, kamen die Jäger auf 424, so Siebels. Beim
Rehwild war man mit 854 erlegten Tieren erfolgreicher als in den
Vorjahren.
(Schlagwort "Der Versuch darf nicht abgebrochen werden" CLAAS
JANSSEN
(Fettgedruckte Hervorhebungen von "Vogel-Mami")
Vogel-Mami
08. May 2005, 22:45
Illegale Falle bringt Jäger in Verlegenheit
Angeblich für Krähen ausgelegt
WANGERLAND / HBU - "Ja, was wir gemacht haben, ist nicht legal", räumte
gestern Abend einer der Betroffenen ein. Das Aufstellen von zwei
Tierfallen in der Schonzeit, vor zwei Wochen von einem Augenzeugen bei
der Polizei angezeigt, bringt einige Jäger im Wangerland in arge
Verlegenheit. War die Universalfalle, die Waidmänner in Bassens und
Grimmens aufgestellt haben und die die Polizei aufgrund der Anzeige
aufspürte, dazu da, Marder zu fangen, wie einer der Ertappten sagt? Oder
sollte sie zum Krähenfang dienen, wie Naturschützer mutmaßen, die den
Fall an die Öffentlichkeit brachten?
Der Krähenfang ist ein heiß diskutiertes Thema - in Leer läuft ein
umstrittener Modellversuch, Naturschutzverbände laufen Sturm dagegen.
Doch auch das Fangen eines Marders wäre in dieser Jahreszeit nicht legal
gewesen. So läuft nun ein Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen zwei
Beschuldigte, wie ein Sprecher der Polizei in Jever gestern Abend
bestätigte, ohne Namen und Umstände zu nennen. Herauskommen wird am Ende nicht mehr als ein Bußgeld.
Brisanz gewinnt der Fall dadurch, dass der
Wattenrat Ost-Friesland des Holtgaster Aktivisten Manfred Knake ihn
gestern öffentlich machte samt Namensnennung eines nicht ganz
unbekannten Beteiligten. Der wollte sich gestern nicht näher äußern, das
werde die Jägerschaft der Jagdbezirke Grimmens und Funnens zu gegebener
Zeit tun. Die steht offenbar hinter der Fallen-Aktion und ist auch
Eigentümerin der Geräte.
(Bildunterschrift: )
Das Corpus Delicti, vom Augenzeugen fotografiert.
Vogel-Mami
08. May 2005, 23:10
"Die am 15. April von einem Augenzeugen hinzugezogene Polizei hat Aufnahmen von zwei Fallen gemacht, in der auch Lockkrähen in der Falle sitzen."
Bild 1 = eine der entdeckten Fallen / vom Finder fotografiert / 2 weitere Fallen - mit Lockkrähen bestückt = Polizeiaufnahmen (mir, Anmerkung von "Vogel-Mami": gemeint ist "VolkerM", - jedenfalls momentan - nicht verfügbar )
Bild 2 und 3 = herkömmliche Marder-Lebendfallen
Nach RS mit einem Jäger ist die Falle (Bild 1) für den Marderfang äußerst ungewöhnlich konstruiert. Dies gelte insbesondere für die nicht bodengleiche Aufstellung. Selbst für den Fang des Baummarders (Anmerkung: In dieser Gegend kommt hauptsächlich der Steinmarder vor) sei eine solche Konstruktion nicht gängig.
Vogel-Mami
08. May 2005, 23:21
"04.05.2005
Niedersächsisches Ministerium für den ländlichen Raum,
Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Herrn
Roland Adam
xxx
xxx
Sehr geehrter Herr Adam!
Vielen Dank für Ihre kritischen Fragen zum Krähenfang in Leer.
Die hier angegebenen Längen und Größen zum "Norwegischen Krähenfang" sind Anhaltswerte, die nicht zwingend vorgeschrieben sind. Bei dem norwegischen Krähenfang handelt es sich um eine volierenartige Falle mit einer Grundfläche von 2m Breite und 3m Länge und deiner Höhe von 2m an den Endseiten und 1,5 m im Bereich der Einflugöffnungen.
Der norwegische Krähenfang muss bestimmte Voraussetzungen zum selektiven Fang erfüllen. Die quadratischen Einstiegsöffnungen haben eine Kantenlänge von 32 cm. Auf jeder Seite ragen mittig ca. 8 cm lange zur Vermeidung von Verletzungen abgerundete Stänbe in die Einflugöffnung. Die Maschenweite beträgt ca. 40 mm, damit kleinere Vögel selbständig die Falle verlassen können und Beutegreifer, z.B. Marder nicht den Fang bedrohen.
Gelockt wird mit pflanzlichen Produkten wie z.B. Getreidekörnern oder Mais. Tierische Produkte sollen nicht verwendet werden, damit keine Greife und Eulen angelockt werden.
Kontrolliert wird 2x täglich, auch damit Fehlfänge unversehrt aus der Falle entlassen werden.
Den Tieren wird ausreichend Wasser und Futter angeboten. Dieses wird zur Vermeidung der Mäuseanlockung nicht zu üppig ausgebracht. Sitzstangen ermöglichen das Aufbaumen. Die Fallenwerden z.T. verblendet und versteckt aufgestellt, um wegen möglicher Beunruhigung Menschen fern zu halten.
Die Betäubung und Tötung der Rabenvögel und Elstern erfolgt nach einer tierschutzgerechten Methode. Sie wird in der Dämmerung durchgeführt, weil die Tiere sich dann ruhig verhalten. Dieses Verfahren wurde vom Tierschutzbeirat akzeptiert.
Mit freundlichen Grüßen
Mehls"
Vogel-Mami
08. May 2005, 23:24
"Historische Fallen
Krähenfang
Bilder Kroll, Der Fasan, Verlag Neumann-Neudamm, Melsungen
Die Falle wurde aus Kanthölzern und Maschendraht von 5 cm Weite gefertigt. Länge mindestens 3 m, Breite 1,20 m, Höhe 1,50 m. Die diagonalen Verstrebungen waren etwa 3,20 m lang. Dort, wo sie sich schnitten, war der leiterähnliche Einschlupf aufgelagert. Das Innere der Falle wurde mit Schlacht und Küchenabfällen sowie mit Wildgescheide beködert.
Durch eine in der Mitte des (trichterförmig gestalteten) oberen Teiles eingelegte Leiter konnten die Krähen in den Innenraum der Falle gelangen, aber nicht wieder entweichen.
Im Innern wurden ständig zwei Lock-Krähen gehalten. Sie waren ausreichend mit Trink und Badewasser zu versorgen. Außerdem wurden für die gefangenen Krähen genügend Sitzstangen angebracht.
Sollten sich Greifvögel oder Saatkrähen fangen, waren diese anlässlich der täglich zweimaligen Kontrollen freizulassen.
Die Falle wurde auf freier Fläche oder in der Nähe einzelstehender Bäume aufgestellt. Die fangärmste Zeit war die Brutzeit.
Nach neuerem Jagdrecht ist diese Fallenart verboten. "
Vogel-Mami
08. May 2005, 23:27
Deutsche Jagdzeitung:
2005-04-29
Krähen-Versuch polarisiert
Die von der Tierärztlichen Hochschule Hannover durchgeführte wissenschaftliche Untersuchung und von den Jägern der Kreisjägerschaft Leer unterstützte Fang- und Tötungsaktion von Rabenkrähen entwickelt sich zu einem handfesten Streit unter Wissenschaftlern und Politikern.
Im Dienst der Wissenschaft werden im Kreis Leer Rabenkrähen in Nordischen Krähenfallen gefangen und getötet. Sie stehen unter Verdacht, die Nester geschützter Tierarten wie Kiebitz, Rebhuhn und Goldregenpfeifer zu plündern und wesentlich zu deren Aussterben beizutragen.
Die hannoversche Hochschule begleitet die Aktion und will wissenschaftlich genau prüfen, ob bei einem Rückgang der Rabenvögel geschützte Bodenbrüter bessere Überlebenschancen haben. Es wurden bereits hunderte Krähen gefangen und von Jägern getötet.
Für den Ökologen Hans-Wolfgang Helb von der Technischen Universität Kaiserslautern eine Aktion, die „unseriös und völlig daneben“ ist. „Ein Skandal, dass das Projekt nicht gestoppt wird“. Umwelt- und Tierschützer sprechen von „Massenmord an Vögeln unter dem Deckmantel der Forschung“ und stellten Strafanzeige gegen Institutsleiter Klaus Pohlmeyer. Längst hat sich ein übler Streit entwickelt. Auch Bundesumweltminister Jürgen Trittin schaltete sich ein und forderte Niedersachsens Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen zum sofortigen Stopp auf. Laut Trittin ist das Töten der Krähen „unnötig und wissenschaftlich zweifelhaft“. So argumentiert auch das Bundesnaturschutzamt.
Minister Ehlen hält dagegen: Die Zahl der Rabenkrähen müsse reduziert werden. Die Tierärztliche Hochschule will weiter forschen. Für sie scheinen die Rabenkrähen in einigen Regionen für bis zu siebzig Prozent der Gelegeverluste verantwortlich zu sein. Krähenforscher Helb sieht das anders: Die Jäger benützten die Forschung als Feigenblatt, um ihre Interessen durchzusetzen. Institutsleiter Pohlmann wirft er vor, als Präsident der niedersächsischen Landesjägerschaft parteiisch zu sein und einseitig die Jägerinteressen durchzusetzen.
Im Versuch wurden rund 140 Krähenfallen aufgestellt. Damit soll großflächig und systematisch das Krähenvorkommen reduziert werden. Für die Projektgegner sind Krähen weniger Schuld am Rückgang der Bodenbrüter. Biologe Ulrich Mäck, Gutachter des Bundesamtes für Naturschutz: „Nachtaktive Jäger wie Fuchs und Marder setzen den Wiesenvögeln stärker zu.“
-eb-
Vogel-Mami
08. May 2005, 23:30
Quelle: http://www.birdnet-cms.de/cms/front_content.php?client=1&lang=1&idcat=49&idart=300&m=&s=
Vogelschützer empört: Krähen werden massenhaft erschlagen
Mit Strafanzeigen wollen Tierschützer die umstrittene Krähenjagd im Rahmen eines Forschungsprojekts im ostfriesischen Kreis Leer stoppen. Dort wurden mit so genannten Norwegischen Krähenfallen rund 5.500 Rabenvögel gefangen und mit einem Stockschlag auf den Kopf getötet. Einen (pseudo-)wissenschaftlichen Anstrich erhält die Krähenjagd durch die wissenschaftliche Begleitung durch das Institut für Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. Davon halten wissenschatliche Ornithologen allerdings nicht viel.
Untersucht werden soll, ob sich durch eine Verringerung der Zahl von Rabenkrähen und Elstern die Populationen gefährdeter Wiesenbrüter erholen. Ein Kritikpunkt des Deutschen Tierschutzbundes ist, dass auch andere Vögel in die Fallen geraten und unter Stress zu Tode kommen können.
Nach Angaben von Andreas Grauer vom Institut für Wildtierforschung wurden seit dem Start des Projekts im Februar 2004 bis einschließlich Oktober rund 5000 Rabenkrähen und 500 Elstern gefangen und getötet. Zudem seien 110 Saatkrähen, 50 Dohlen, 11 Bussarde, 6 Eulen, 4 Habichte und 2 Falken in die Fallen geraten und wieder frei gelassen worden. Nur 11 Tiere seien tot in den Fallen gefunden worden. Das entspreche einer normalen Sterberate. Im Leeraner Kreisgebiet stünden derzeit zwischen 120 und 140 dieser Vogelfallen.
Namhafte Biologen, darunter Privatdozent Dr. Hans-Wolfgang Helb von der Universität Kaiserslautern (Fachbereich Biologie, Abteilung Ökologie; Rabenvogelgutachter des Landes Rheinland-Pfalz), Dr. Ulrich Mäck (Biologe, Rabenvogelgutachter der Bundesregierung) und Dr. Wolfgang Epple (Biologe & Ethologe, freier Gutachter, Buchautor von "Rabenvögel - Göttervögel - Galgenvögel") laufen inzwischen dagegen Sturm. Sie verweisen auf der Grundlage eigener Untersuchungen und wissenschaftlicher Studien darauf, dass der Einfluß von Rabenvögeln auf Wiesenvögel deutlich überschätzt wird und diese häufig zu Unrecht in den Verdacht kommen, die Bestände der Wiesenbrüter zu bedrohen. Biologen konnten z.B. mit Hilfe von Wärmesensoren in den Nestern in mehreren hundert Fällen belegen, dass die Gelege nächtens durch andere Beutegreifer ausgeräubert werden.
Rabenvögel schlafen nachts und scheiden somit als "Hauptverdächtige" für den europaweiten "Wiesenvogelschwund" aus. Zudem zeigen beispielsweise begleitende Verhaltensstudien, dass sich die Wiesenbrüter tagsüber durch entsprechendes Abwehrverhalten durchaus gegen Beutegreifer und auch Rabenvögel zu wehren wissen, während sie gegenüber Nachträubern praktisch keine Chance haben.
Hinzukommt, dass die Bedrohungssituation heimischer Wiesenvögel in viel stärkerem Maße auf Lebensraumveränderungen und intensivierte Landnutzungen zurückzuführen ist (Mangel an Rückzugsgebieten, Verlust von Grünland, wodurch der Druck von Beutegreifern wie Fuchs und Marder zunimmt). Einsatz von Pestiziden und Insektiziden in der Landwirtschaft u. a. Faktoren sind zusätzliche Belastungsfaktoren.
Die Untersuchung des Institutes für Wildtierforschung erscheint deshalb für viele seriöse Wissenschaftler in einem äußerst fragwürdigen Licht.
Was ist an neuen Erkenntnissen zu erwarten, was über das hinausgeht, was bereits bekannt ist und in Lehr- und Schulbüchern Eingang gefunden hat?
Wo liegt der vernünftige Grund, der das Töten tausender Wirbeltiere rechtfertigt und dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Tierschutz inzwischen Eingang gefunden hat ins Grundgesetz?
Ist das fragwürdige Handeln das Ergebnis einer Abwägung mit der ebenfalls im Grundgesetz verankerten Freiheit von Forschung und Lehre?
All das sind Fragen, die sich nicht nur Tierschützer stellen. Inzwischen hat sich auch die Bundesregierung in die Diskussion in die Leerer-Krähenforschung eingeschaltet. Bundesumweltminister Jürgen Trittin kritisierte im Juli scharf den Sinn der groß angelegten Feldstudie und bezeichnete die Untersuchung als "wissenschaftlich zweifelhaft" und "unnötig". Darüber hinaus verweist Trittin in einem Brief an den niedersächsischen Landwirtschaftminister Heinrich Ehlen auf ein bereits laufendes Forschungsvorhaben des Bundesamtes für Naturschutz "Umweltfaktoren für den Bruterfolg von Wiesenvögeln", in dem der Einfluss u. a. der Rabenvögel untersucht wird und dessen Abschlussbericht Anfang des kommenden Jahres vorliegt.
Vogelschützer wollen eine Wiederholung der Massentötung verhindern: zur Petition! (http://www.thoki.net/petition/main.php?page=0&language=German&guestbook_id=0&gmt_ofs=0)
Die Stellungnahme der Wissenschaftler im Wortlaut, hier! (http://www.thoki.net/petition/index.html)
Vogel-Mami
08. May 2005, 23:33
Minister: Möglicherweise mehr Krähen getötet als bisher gemeldet
Hannover (lni) - Für ein Forschungsprojekt im Landkreis Leer sind möglicherweise weit mehr Krähen getötet worden, als bisher bekannt gegeben wurde. Das hat Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) am Freitag im Landtag eingeräumt. Die Abgeordnete Meta Janssen-Kucz (Grüne) hatte von bis zu 10 000 getöteten Vögeln gesprochen. „Die Zahlen könnten richtig sein, das sind aber Spekulationen“, sagte Ehlen. Bislang seien 5600 Tötungen dokumentiert, der erste Teil der Studie sei aber noch nicht abschließend ausgewertet.
Mit dem auf drei Jahre angelegten Forschungsprojekt soll untersucht werden, ob sich die Bestände von Wiesenvögeln und Feldbrütern erholen, wenn massenhaft Krähen getötet werden. Die Vögel werden in Fallen lebend gefangen und dann erschlagen. Im März endete die erste Phase der Studie, die das Landwirtschaftsministerium mit 64 000 Euro unterstützt.
Naturschützer hatten das Projekt als unwissenschaftlich kritisiert und die Krähentötungen als „sinnlos“ bezeichnet. Das Landwirtschaftsministerium hatte den Kritikern Gespräche über das Projekt angeboten. Sie sollen am 30. Mai stattfinden.
Freitag, 22.04.2005
(Hervorhebungen von Vogel-Mami)
Vogel-Mami
08. May 2005, 23:37
Tierschutzgesetz (http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/tierschg/__4.html) (Auszug)
TierSchG § 4
(1) Ein Wirbeltier darf nur unter Betäubung oder sonst, soweit nach den gegebenen Umständen zumutbar, nur unter Vermeidung von Schmerzen getötet werden. Ist die Tötung eines Wirbeltieres ohne Betäubung im Rahmen weidgerechter Ausübung der Jagd oder auf Grund anderer Rechtsvorschriften zulässig oder erfolgt sie im Rahmen zulässiger Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen, so darf die Tötung nur vorgenommen werden, wenn hierbei nicht mehr als unvermeidbare Schmerzen entstehen. Ein Wirbeltier töten darf nur, wer die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat.
...
Vogel-Mami
08. May 2005, 23:50
Zitat Grauer (per E:Mail am 15.02.05), im übrigen aber auch in diversen Presseberichten nachzulesen:
"Erlauben Sie mir abschließend eine Anmerkung zur Tötungsmethode: Die Tötung der Vögel erfolgt im Anhalt an die Tierschutzschlachtungsverordnung und ist somit analog der Methode, die Kleingeflügelhalter aus tierschutzrechtlichen Gründen anwenden müssen."
Zitat aus einem Antwortschreiben des Niedersächsischen Ministeriums an mich* (vom 09.03.05):
"Bei Schlachthühnern ist der Kopfschlag die tierschutzgerechteste Tötung. Deshalb ist diese Maßnahme auf die Krähen übertragen worden, auch wenn diese – wie Sie festgestellt haben – erheblich intelligenter sind. Das hessische Jagdgesetz bezieht sich beim Töten mit Schusswaffen nur auf die grundsätzlich erlaubten Lebendfangfallen."
*gemeint ist "Vogelklappe" (Anmerkung von "Vogel-Mami")
südwind
09. May 2005, 13:17
In der EU strikt verboten, in Deutschland dennoch im Einsatz
Lebendfallen für die Vogeljagd
Von Christina Gerlach
Bei jeder Sitzung der Internationalen Walfang-Kommission ist die Aufregung groß. Der kommerzielle Walfang ist zwar seit 1986 verboten, Länder aber wie Norwegen und Japan und neuerdings auch Island setzen trotzdem die Jagd auf Großwale fort. Das Ganze geschieht unter dem Deckmantel der Wissenschaft. Denn zu wissenschaftlichen Zwecken ist die Jagd erlaubt. Allerdings sind sich fast alle Tierschutz- und Umweltschutzgruppen einig, dass beispielsweise das umfangreiche Forschungsprogramm in Japan nichts anderes als eine Tarnung ist für den kommerziellen Fang. Doch man muss gar nicht in die Ferne schweifen, um sich über derart spitzfindige Auslegungen und Begründungen zu wundern oder gar zu ärgern. Genau die gleiche Diskussion findet nämlich auch in Deutschland statt, und zwar bei der Vogeljagd mit Lebendfallen, die eigentlich innerhalb der Europäischen Union strikt verboten ist. Wie gesagt, eigentlich.
Die ostfriesischen Jäger im Landkreis Leer schwören auf die norwegische Falle. Sie sieht aus wie eine große Voliere und funktioniert wie eine Fischreuse. Was einmal drin ist, findet nicht wieder raus. Sieben schwarze Krähen flattern nervös gegen den Maschendraht. Dass das kein schöner Anblick ist, weiß auch der Jäger, dem das Feld mit der Falle gehört:
Sie gehen mir da nicht ran, und ich gebe keine Auskunft. Da nicht rangehen. Und untersteht Euch nicht, dass ihr auf die Weide geht.
Die Jäger kommen jeden Abend, erschlagen die Krähen mit Knüppeln und werfen sie weg. Das passiert ganz fachmännisch, versichert der Leeraner Kreisjägermeister Jan-Wilhelm Hilbrands:
Die werden tierartschutzgerecht getötet. Das heißt mit einem Rundholz und einem Schlag auf den Kopf, dass ein Genickbruch eintritt.
Alles im Dienste der Wissenschaft. Denn vorgeblich geht es darum, dass das Töten Teil einer Studie ist, die zeigen soll, ob Rabenvögel wirklich Schuld sind, dass es so wenig Wiesenbrüter gibt. Denn die Krähen oder Elstern gelten als Nesträuber.
Naturschützer sind empört. Sie vermuten, dass es den Jägern einzig darum geht, möglichst viele Krähen zu töten, ohne dabei teure Munition zu verschießen. Matthias Bergmann vom Naturschutzbund Ostfriesland:
Dass hier massenhaft die Krähen gefangen und mit dem Knüppel totgeschlagen werden, das ist für mich keine wissenschaftliche Studie und hat mit Wiesenvogelschutz nichts mehr zu tun.
Die wissenschaftliche Studie ist fest in Jägerhand. Die Leeraner Kreisjägerschaft gab den Auftrag. Und trotz der rigorosen Vorschriften für Lebendfallen war auch die Genehmigung für Kreisjägermeister Hilbrands kein Problem. Er erteilte sie sich nämlich gleich selber:
Ich, in meiner Funktion als Kreisjägermeister, habe in Absprache mit dem Kreis Leer diese Aktion genehmigt.
Und obwohl es sich ja um eine wissenschaftliche Studie handelt, weiß er nicht einmal, wie viele Fallen überhaupt aufgestellt sind. Und wie viele Vögel bisher gefangen und erschlagen wurden:
Kann ich Ihnen noch nicht genau sagen, wir sind ja in der Versuchsphase, hätte ich fast gesagt, in der Anfangsphase. Ich mache ja nicht die wissenschaftliche Begleitung. Die macht das Institut für Wildtierforschung.
Das genannte Institut hat seinen Sitz in Hannover. Sein Chef ist passionierter Jäger und zweiter Vorsitzender der Niedersächsischen Landesjägerschaft. Finanziert wird die Studie vom Landwirtschaftsministerium mit 22.000 Euro pro Jahr. Sie ist auf drei Jahre angelegt und die will man auch durchhalten, sagt Dr. Gert Hahne, Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums:
Wir sind eigentlich optimistisch, dass wir das weitermachen werden, weil das für uns erst mal ein wirklich wissenschaftlicher Beweis ist, ob Krähen so schädlich sind, wie behauptet wird. Es kann auch dabei herauskommen, dass die Krähen nicht so schädlich sind, wie behauptet wird, aber wir brauchen fundierte Daten.
Dabei sind schon zahlreiche, wissenschaftliche Studien zu dem Ergebnis gekommen, dass keineswegs die Krähenvögel Schuld sind, wenn Wiesenbrüter aussterben. Das meint auch Matthias Bergmann vom NABU. Die Krähen spielen die geringste Rolle. Den größten Schaden verursacht die intensive Landwirtschaft: Massive Entwässerung, intensive Bewirtschaftung und zu frühe Mahd vertreibt die Wiesenbrüter und obendrein zieht Güllen Rabenvögel an. Matthias Bergmann:
Es müssen Lebensräume wieder hergestellt werden, das ist ja unser Hauptanliegen. Es muss nasse Feuchtwiesen geben, die auch extensiv bewirtschaftet werden, und dann haben die Wiesenbrüter auch langfristig einen Erfolg.
Wegen der Tötung der Krähen wird der Naturschützer Anzeige erstatten. Er fordert die sofortige Beendigung der zweifelhaften Aktion.
© DEUTSCHLANDRADIO
Alle Rechte vorbehalten
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Vogel-Mami
12. May 2005, 21:06
Bundesministerium
für Umwelt, Naturschutz
und Reaktorsicherheit
Bonn, 27. April 2005
Herrn
Volker Munkes
x
x
Geschäftszeichen N II 1 - 07023/0 II M
Projekt zur Reduzierung von Corvidenbeständen im LK Leer (Ostfriesland)
Ihr Schreiben vom 15. April 2005
Sehr geehrter Herr Munkes,
Herr Bundesminister Trittin hat sich zweimal mit Schreiben an den niedersächsischen Landwirtschaftsminister Ehlen gewandt, um diesen zu bewegen, eine Einstellung des Projektes zur Reduzierung von Corvidenbeständen zu veranlassen. Damit sind die Möglichkeiten des BMU erschöpft, auf eine Einstellung des Projektes hinzuwirken.
Das BMU hält an seiner Haltung fest, dass dieses Projekt nicht notwendig und darüber hinaus wissenschaftlich zweifelhaft ist.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Dr. von Gadow
Vogel-Mami
12. May 2005, 23:21
*** Pressedienst des Wattenrates Ost-Friesland ***
____________________________________________________
Ostfriesen-Zeitung (Online) 01.04.2005
Krähenfallen
Als "Landplage in Ostfriesland" und als "schlimmste Feinde der
Bodenbrüter und Wiesenvögel" hatte der CDU-Landtagsabgeordnete Ulf
Thiele die Rabenvögel bezeichnet. Er befürwortet das auf drei Jahre
angelegte Forschungsprojekt, das nicht aus Steuermitteln, sondern von
den Jägern über die Jagdabgabe finanziert wird.
Als "ausgemachten Unsinn" hatte die Grünen-Landtagsabgeordnete Meta
Janssen-Kucz in der OZ die Äußerungen von Thiele zurückgewiesen. Für sie
ist das Projekt "bereits vom Ansatz her sehr fragwürdig". Die
massenhafte Tötung von Rabenvögeln ist für sie "der eindeutig falsche
Weg". Der Naturschutzbund Niedersachsen (NABU) ist der Überzeugung, dass
der Einfluss von Rabenvögeln auf die Population von Wiesenvögeln
deutlich überschätzt wird. Er hat eine Protest-Postkartenaktion gegen
die Genehmigung der Krähenfallen gestartet.
Das Deutsche Tierhilfswerk, nach eigenen Angaben mit 210 000 Mitgliedern
eine der größten Artenschutzorganisationen Deutschlands, hat jetzt den
sofortigen Abbau der Fallen gefordert. "Dieses Projekt entbehrt jeder
wissenschaftlichen Notwendigkeit und ist ethisch verwerflich", empört
sich Ursula Bauer, Diplom-Biologin des Tierhilfswerks, in einer
Pressemitteilung. Vor allem die Zerstörung der Lebensräume sei schuld am
Rückgang der Wiesenvögel.
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Ostfriesen-Zeitung (Online) 01.04.2005
Ab heute bleiben die Krähenfallen dicht
Von Wolfgang Malzahn
FORSCHUNGSPROJEKT Vorsitzender der Jägerschaft geht bereits von
deutlicher Zunahme der Kiebitze aus
Im Herbst soll das wissenschaftlich begleitete Vorhaben im Landkreis
Leer fortgesetzt werden. Es seien immer noch "erschreckend viele
Brutpaare" vorhanden.
Leer - Krähen sind nützliche Tiere, weil sie Aasfresser sind. Das weiß
auch Manfred Willms, Vorsitzender der Leeraner Kreisjägerschaft.
Trotzdem steht Willms voll hinter dem Forschungsprojekt, bei dem : unter
wissenschaftlicher Begleitung der Tierärztlichen Hochschule Hannover :
bislang schon an die 6000 Rabenvögel getötet worden sind. "Die
Überpopulation dieser Vögel ist enorm", hat Willms beobachtet.
Die Jägerschaft ist davon überzeugt, dass die Rabenvögel die
Hauptverantwortlichen für den Rückgang der Wiesenvögel sind. Sie räubern
die Nester von Kiebitz, Rebhuhn und Goldregenpfeifer leer, so dass diese
Vögel auszusterben drohen. Deshalb finanzieren die Waidmänner das sowohl
vom Landwirtschafts- wie vom Umweltministerium unterstützte
Forschungsprojekt, bei dem die Rabenkrähen in Lebendfallen gefangen und
anschließend getötet werden.
161 Reviere gibt es im Kreis Leer. Rund 150 dieser Lebendfallen dürften
die Jäger aufgestellt haben, vermutet Willms. Die genaue Zahl kennt er
nicht. Das sei auch schwer zu schätzen, weil die tägliche Betreuung der
Fallen "eine unheimlich aufwändige Arbeit" sei.
Regelmäßig müssen die Jäger nachschauen, wer sich in die Maschen der in
der EU normalerweise nicht genehmigten Lebendfallen verirrt hat. Für ihr
Forschungsprojekt haben die Jäger aber eine Ausnahme-Genehmigung
bekommen. Die Art der Tötung der Rabenvögel erscheint Manfred Willms
noch am humansten: "Das geht nach der Geflügelschlachtverordnung mit
einem Schlagholz." Der 55-jährige Polizeibeamte glaubt, dass die
Rabenvögel "schneller und effektiver getötet" werden als die meisten
Hähnchen in professionellen Geflügelschlachtereien.
Am 13. März, morgens um 9 Uhr, haben die Leeraner Jäger in allen
Revieren zeitgleich die Krähen gezählt. Das Ergebnis der Auswertung
liegt Willms noch nicht vor; die Meldebögen gehen erst nach und nach
ein. Doch eines kann er bereits sagen: "Trotz des Projekts gibt es noch
erschreckend viele Brutpaare."
Eine Auswirkung des seit einem halben Jahr laufenden Forschungsprojekts
will der Vorsitzende der Kreisjägerschaft zudem festgestellt haben: "Ich
wage zu behaupten, dass die Population der Kiebitze in den Hammrichen
spürbar zugenommen hat." Jetzt sollen die Nester dieser Wiesenvögel
kartiert und überwacht werden.
Mit Beginn der Hauptjagdzeit im Oktober/November sollen die Krähenfallen
wieder aktiviert werden. Willms: "Wenn man uns Jägern glauben würde,
bräuchten wir das ganze Projekt nicht. Aber man glaubt uns ja nicht."
_______________________________________________________
Übermittelt vom Wattenrat Ost-Friesland
26427 Esens-Holtgast/Ostfriesland
Copy (http://www.manuelas-arche.de/phpBB/viewtopic.php?t=261&start=15)
Vogel-Mami
13. May 2005, 03:15
26.10.2004 -Teil 1
In die Falle gegangen - Rabenvögel im Norwegischen Krähenfang - Die Grünen gegen die Schwarzen
Im Landkreis Leer läuft seit einigen Monaten eine wissenschaftlich begleitete Studie zum Einsatz des Krähenfanges. Diese Studie wird kontrovers und je nach Weltanschauung nicht immer sachlich diskutiert.
Ein Aufschrei geht durch die Menge. Es spielen wieder die Grünen gegen die Schwarzen. Die Grünen liegen vorn. Doch die Schwarzen haben ein Heimspiel, und die komplette Fangemeinde ist erschienen. Foul- und Buh-Rufe begleiten die Grünen, wenn sie an der Reihe sind. Das Spiel heißt: die Bösen gegen die Guten. Es verbirgt sich dahinter allerdings kein spannendes Fußballspiel. Vielmehr ist der alte Streit zwischen den grünen Jägern und ihren Kritikern um die schwarzen Rabenvögel bzw. deren Bejagung erneut entbrannt.
Seit der Novellierung des Landesjagdgesetzes 2001 ist in Niedersachsen die generelle Bejagung von Rabenkrähe und Elster durch eine per Verordnung festgesetzte Jagdzeit vom 1. August bis 20. Februar (Rabenkrähe) bzw. bis 28. Februar (Elster) legalisiert. Diese Möglichkeit der Einflussnahme auf den Besatz an Rabenvögeln beschränkt sich für den Jagdausübungsberechtigten auf Kugel und Schrot. Die Reduktion von Rabenvögeln mit der Waffe ist jedoch nicht so einfach.Der Jäger kennt das: Die intelligenten Rabenvögel lernen nach den ersten Abschüssen von Artgenossen schnell, die entsprechenden optischen Reize (Jäger, Jagdbekleidung, Waffen, Fernglas) und akustischen Reize (Schussknall) zu meiden und sind so nur noch erschwert mit der Waffe zu erlegen.
http://www.ljn.de/neu/AdvHTML_Upload/Kraehe.jpgFoto: Manfred Danegger
Gewisse Kreise nicht jagender Naturschützer lehnen eine Reduzierung von Prädatoren – besonders der Rabenkrähe – ab. Ihrer Meinung nach sei das nur Symptombekämpfung, für den Erhalt gefährdeter Arten nicht sinnvoll und daher abzulehnen.
Daher stellt sich für Gebiete mit einer akuten Gefährdung von Niederwildarten und Bodenbrütern durch Prädatoren die Frage, ob es nicht andere, adäquate Mittel für eine Reduzierung gibt. Die Zeiten der unselektiv wirkenden Gifteier, die auch keinesfalls eine diskutierbare Alternative darstellen, sind vorbei. Allerdings ist die Frage nach der Einsetz- und Vertretbarkeit des Norwegischen Krähenfangs wieder belebt worden. Bei diesem handelt es sich um eine Lebend-Kastenfalle in einer Größe von 2 x 2 x 3 m, in der mittels Lockvogel oder Futter Rabenkrähen gefangen und durch einen Fangberechtigten bei den täglichen Kontrollen in der Dämmerung bzw. eintretenden Dunkelheit entnommen werden.
Vogel-Mami
13. May 2005, 03:17
Teil 2
Der Norwegische Krähenfang im Einsatz
Die Jägerschaft Leer hat im Februar 2004 unter wissenschaftlicher Begleitung durch das Institut für Wildtierforschung (IWFo) an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover eine dreijährige Studie zum Einsatz des Krähenfanges gestartet. Gefördert wird das Vorhaben mit Jagdforschungsmitteln des Landes Niedersachsen, die bekanntlich keine Steuergelder sind. Vorrangiges Ziel ist es zu prüfen, ob der Fang von Rabenkrähe und Elster mit der Falle effizient und praktikabel ist. Gerade durch den großflächigen Fang auf Kreisebene innerhalb der Jagdzeiten ist eine Verringerung des Gesamtbesatzes, d. h. von Brutvögeln und Nichtbrütern, zu erwarten. Damit wird auch das Auffüllen der Brutpaarbestände aus dem Nichtbrüterpool verringert, denn insbesondere die Reduktion der Umhervagabundierenden Nichtbrüter wird angestrebt. Die Revierinhaber im gesamten Landkreis protokollieren nicht nur Fallen und Fänge, sondern führen in jedem Frühjahr auch eine Brutpaarkartierung durch und schätzen Schwarmgrößen der Nichtbrüter sowie Rebhuhn-Paardichten ein.
http://www.ljn.de/neu/AdvHTML_Upload/Falle.jpgEinzelfallen mit Eiern als Köder zum Fang von Elstern.
Des Weiteren wurden drei Untersuchungsgebiete mit einer Gesamtgröße von knapp 15 000 ha festgelegt, in denen zusätzlich Feldhase und Kiebitz erfasst sowie weitere Daten zu Wiesenbrütern durch Naturschutzvereine bzw. die Vogelschutzwarte erhoben werden.
Die Besatzentwicklungen dieser potenziellen Beutearten werden während des Einsatzes des Norwegischen Krähenfangs in einem weiteren Schritt beurteilt, sofern Effizienz und Praktikabilität der Methode nachgewiesen werden können. Im Ergebnis werden sicher keine monokausalen Schlussfolgerungen von einem möglichen Reduktions-Nachweis der beiden Rabenvogelarten auf die Populationsentwicklung der Wiesenbrüter und des Niederwildes gezogen werden können. Es dürfte jedoch möglich sein, Zusammenhänge aufzuzeigen. Soviel zu den Spielregeln, doch die Fangemeinde schmeißt von den Tribünen mit faulen Tomaten.
Vogel-Mami
13. May 2005, 03:19
Teil 3
Der alte Streit um die Rabenvögel wieder da
Trotz der nachgewiesenen existierenden Bedrohung von Bodenbrütern und Niederwild durch Prädatoren wird das Problem sehr unterschiedlich bewertet. Warum müssen bzw. sollen Rabenvögel überhaupt bejagt werden? Eine immer wiederkehrende Frage der Fraktion der nicht jagenden Naturschützer. Sie werden nicht müde, die vorrangig in der intensiven Landschaftsnutzung und dem Verlust an Lebensraum begründeten Ursachen für den Rückgang vieler Bodenbrüter zu betonen. Die Reduzierung von Prädatoren – besonders der Rabenkrähe – sei nur Symptombekämpfung und daher für den Arterhalt nicht sinnvoll und abzulehnen.
Tatsache ist jedoch, dass die vielerorts aktuell gefährdeten Besätze von z. B. Rebhuhn, Kiebitz, Uferschnepfe, Bekassine, Rotschenkel, Goldregenpfeifer, Brachvogel wie auch anderer Niederwildarten nur durch zeitnahe Taten, nicht aber allein durch Grundlagenforschung zu schützen sind. Dies entspricht natürlich keinem umfassenden Naturschutz, sondern eher einem gezielten Artenschutz. Wird dieser nicht praktiziert, so müssen sich langfristig nicht nur die Jäger von heimischen Wildarten, sondern auch andere Naturschützer von lieb gewonnenen, öffentlichkeitswirksamen Vogel- und "Flaggschiffarten" verabschieden. Voltaire hat es deutlich formuliert: "Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun!"
Was ganz eindeutig fehlt, ist eine übereinstimmende Zielvorgabe. Prozessschutz kontra Artenschutz? Welche Arten sollen erhalten werden, welche Mittel sind dafür akzeptabel und sinnvoll und wo müssen Kompromisse geschlossen werden?
Die Vorstellungen vom Ökosystem sind verschieden. Zwar herrscht heute endlich Einigkeit darüber, dass es bei uns keine natürlichen Ökosysteme mehr gibt, da die anthropogenen Eingriffe, wenn nicht primär, zumindest sekundär allgegenwärtig sind. Wer aber bestimmt über das Design der heutzutage meist uniformierten Ökosysteme? Häufig wird gefordert, die Natur solle sich selber regulieren und der Mensch deren Stabilität nicht weiter gefährden. Maßnahmen wie aktive Biotoppflege und neuerdings auch die Fuchsbejagung sind dabei durchaus gern gesehene Aktivitäten, die unzweifelhaft definitionstechnisch gesehen Eingriffe darstellen. Von Selbstregulation kann wohl kaum die Rede sein. Ein Nichteingreifen ist in unserem heutigen Wirtschafts- und Nutzungssystem pure Illusion.
Wo soll der Weg also hinführen? Wenn das Ziel nicht heißt, dem Arten- und Populationsschwund tatenlos zuzusehen, so ist es nahe liegend und zwingend logisch, die hohen Populationsdichten – vor allem von nicht brütenden Rabenkrähen und Elstern sowie die der Haarraubwildarten – als einen Faktor in der Summe aller Gefährdungsursachen für Gelege- und Jungvogelverluste zu reduzieren. Dieser Faktor ist als einer der wenigen überhaupt beeinflussbar. Witterung und Krankheiten sind es nicht. Unbestreitbar mag regional die intensive Landwirtschaft den Haupteinflussfaktor darstellen. Eine großräumige und langfristige Veränderung der landwirtschaftlichen Bearbeitungsmethoden für eine Verbesserung des Lebensraumes bleibt aber unrealistisch. Nur auf den Faktor Prädation kann effizient und ganz wesentlich auch kurzfristig Einfluss genommen werden. Ebenfalls unbestreitbar ist die Prädatorenregulation sicher vielfach nur eine Symptombekämpfung und ein paralleler Wandel in der Landnutzung wäre wünschenswert. Wird diese Regulation aber als ein Glied in der Kette der Rettungsversuche boykottiert, so kann die Devise für alle, die sich dem Naturschutz verschrieben haben, nur noch lauten: Lasst die Arten in Würde aussterben.
Vogel-Mami
13. May 2005, 03:23
Teil 4
Vorgebrachte Kritik an der Krähenfalle
Die Spielmittel sind begrenzt und heftig umstritten. Hoch im Kurs steht die Kritik an der scheinbar nicht gegebenen Selektivität der Fänge. Dieser hat Prof. Spitzer von der Universität Wien jedoch Interessantes entgegenzusetzen. Im Ergebnis seines "Gutachtens über den Einsatz des Norwegischen Krähenfangs im weidgerechten Jagdbetrieb betreffend Selektivität und tierschutzrelevante Aspekte" fasst er Folgendes zusammen: "Der Krähenfang ist unter bestimmten Konstruktionsvorgaben wie Gestaltung und Weite der Einstiege sowie entsprechende Maschenweite, die ein ungehindertes Entkommen von kleinen Vögeln ermöglicht, für Rabenvögel (…) der offenen Feldflur eine selektiv wirksame Falle, wobei eine gewisse Attraktivität für andere aasfressende Arten oder Mäusejäger nicht auszuschließen ist." Eine nicht auszuschließende gewisse Gefährdung von Greif- und Kleinvögeln kann aber durch die empfohlene Bauweise der Falle, die Wahl der Farbe und Drahtstärke des Maschendrahtes sowie durch Verhängen der Fallenwände ausreichend minimiert werden. Die Selektivität ist zum Zweiten durch die Endkontrolle des Fangberechtigten gegeben, der alle Individuen von Arten, die nach gesetzlichen Vorgaben nicht in Besitz genommen oder getötet werden dürfen, in die Freiheit entlässt.
http://www.ljn.de/neu/AdvHTML_Upload/N-Falle.jpg
Der Norwegische Krähenfang, wie er derzeit im Landkreis Leer zum Fang von Krähen eingesetzt wird. Durch bestimmte Konstruktionsvorgaben ist der Nor-wegische Krähenfang als eine selektiv wirksame Falle einzustufen. Unabhängig davon wird die Selektivität durch die Endkontrolle des Fangberechtigten gegeben, der alle Individuen von Arten, die nicht in Besitz genommen oder getötet werden dürfen, in die Freiheit entlässt. Foto: Manfred Willms
Bei entsprechender Gestaltung und Aufstellung wird der Krähenfang – auch entsprechend Anhang IV Pkt. a der EG-Vogelschutzrichtlinie 79/409/EWG im Zusammenhang mit Art. 8 Abs. 1 dieser Richtlinie (RL) sowie Anhang VI FFH-RL 92/43/EWG – als eine selektive Falle zum gezielten Fang von Corviden bei Minimierung von Stresssituationen und Verletzungsgefährdungen für im Fang befindliche Vögel angesehen. Die Abteilung Agrarrecht im Amt der Niederösterreichischen Landesregierung merkt zu dem Gutachten u. a. an, dass ein Zusammentreffen von Vögeln, die in natürlicher Feindschaft leben, im Fang ausgeschlossen ist. Wer meint, es entstünden für die Krähen innerhalb der Falle quälerische Angstsituationen, müsse sich vor Augen halten, dass Krähen vor Raubwild im Fang sogar sicherer sind als außerhalb und das Halten eines Vogels im Käfig im Haushalt bei gleichzeitiger Haltung einer Hauskatze eine ebensolche Tierquälerei sei. Gerade die viel zitierte und herangezogene EG-Vogelschutzrichtlinie legt im Artikel 1 eindeutig und unmissverständlich fest, dass die Richtlinie nicht nur dem Schutz der Vögel, sondern auch deren Regulierung und Bewirtschaftung dient. Außerdem können die Mitgliedstaaten zum Schutz der Pflanzen- und Tierwelt laut Artikel 9 von den Artikeln 5, 6, 7 und 8, die den Vogelschutz beschreiben, abweichen.
Der Tötungsvorgang – ein gezielter Kopfschlag mit einem starken Rundholz, der dem Tier durch sofortigen Tod kein Leiden bringt – ist des Weiteren auch nicht im Widerspruch mit dem Deutschen Tierschutzgesetz (§§ 4, 8, 9) zu sehen. Der Fang und das Töten der Vögel werden ausschließlich von Fallenbeauftragten mit dem erforderlichen Sachkundenachweis vorgenommen. Darüber hinaus ist der Kopfschlag ein in der Tierschutz-Schlachtverordnung (TierSchlV 1997, BGBI. I S. 405; § 13 und Anlage 3) zulässiges Verfahren für Hausgeflügel in Betrieben, in denen nicht mehr als 100 Tiere pro Tag getötet werden.
Vogel-Mami
13. May 2005, 03:27
Teil 5
Öffentlich an den Pranger gestellt
Obwohl der Antrag der Landesjägerschaft vom Landkreis Leer wie auch der Bezirksregierung Weser-Ems geprüft und positiv beschieden wurde und Gesetzeskonformität sicher gestellt ist, sind die Buh-Rufe und Attacken in der Presse gegen das Projekt unzählig und wie gewohnt emotional und reißerisch. Schon in den Überschriften ist von Massentötungen zu lesen und davon, dass Krähen brutal mit Stöcken erschlagen würden. Man urteilt: Die Aktion ist in höchstem Maße verwerflich und illegal. Beim Laien tragen solche Botschaften sicher deutlich schockierende Züge. Die Publizisten haben ganze Arbeit geleistet.
Wer sich allerdings von solchen Zeilen beeindruckt zeigt, dem sei dringend geraten, sich einmal mit dem Werdegang eines folienverschweißten Hähnchenschnitzels, bevor es auf dem Teller landet, auseinander zu setzen. Spannend ist auch der Weg von Futtertieren im Zoo, die den Tisch der Fleisch fressenden Tiere bereichern. Die Tötung durch Kopf- oder Genickschlag ist gängige Praxis in kleineren Schlachtbetrieben wie auch in Zoos. Die Beute- und Tötungsstrategien der wild lebenden Fleisch- und Allesfresser, u. a. die der Rabenvögel, die selten auf "humane" Weise ihre Beute vom Leben zum Tode befördern, seien hier einmal ganz ausgenommen.
Nur fürs Protokoll der Nichtjäger: Jäger bekämpfen nicht aus purer Jagdlust wahllos Krähen und Elstern. Bekämpfung ist ohnehin ein schlichtweg falsch gewählter Begriff, der auf Ausrottung abzielt und mit dem Gedanken einer Regulierung als Mittel zur Sicherung von Wildbeständen nichts gemein hat.
Jeder Jäger hat mit dem Erwerb seines Jagdscheines ein fundiertes, geprüftes Wissen auch um Wildbiologie, ökologische Zusammenhänge sowie das weidgerechte Töten von Tieren nachgewiesen. Jahrelange Erfahrungen im Revier fundamentieren dieses Wissen. Darüber hinaus ist das Vorgehen beim Einsatz des Norwegischen Krähenfanges in Leer systematisch und unterliegt strengen Vorgaben, die bei Nichteinhaltung zum sofortigen Projekt-Ausschluss und Entziehen der Fanggenehmigung führen würden. Es ist in keiner Weise nachzuvollziehen, dass der Jäger heutzutage stets in die Rolle des "Sich-Rechtfertigenden" gedrängt wird. Eines macht dieser Streit aber auch ganz deutlich: Ein hohes Maß an Aufklärung ist notwendig!
Ausschreitungen vor dem Stadion und schlechte Presse werden die grüne Mannschaft nicht in die zweite Liga abdrängen. Daher auch an die Fangemeinde der Appell: fair play!
Dipl.-Biol. Claudia Zahn
Institut für Wildtierforschung an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Artikel überlassen vom "Niedersächsischen Jäger" (http://www.niedersaechsischer-jaeger.de/sro.php?redid=22600)
Vogel-Mami
13. May 2005, 03:51
(Auszugsweise)
Rabenvögel in der Kulturgeschichte
Rabenvögel haben in der Kulturgeschichte der Menschheit schon immer für Kontroversen gesorgt. Besonders die schwarzen Raben waren schon in der Antike ein Zeichen für nahendes Unglück oder gar Tod. Das kommt daher, dass Raben Aasfresser sind und in Kriegen den Schlachtfeldern folgten oder die Gehenkten am Galgen umkreisten. Andererseits verstand man Raben auch als Sendboten der Götter. Heute erwacht überlieferter Aberglauben zu neuem Leben. Bauern machen inzwischen Kolkraben für Tierverluste unter Kälbern in einem Mutterkuhbetrieb verantwortlich.
Wissenschaftliche Untersuchungen haben aber keinen signifikanten Zusammenhang zwischen der Zunahme der Kolkraben- bzw. Krähen population und den Verlusten an Jungtieren in Kuh- und Schafherden feststellen können. Für die gezielte Tötung von Jungtieren gibt es keine Beweise. Bei lebensunfähigen Jungtieren kann es vor-kommen, dass die Raben auf deren Todeseintritt warten. Sie fressen beispielsweise auch die Nachgeburten von Weidetieren.
Rabenvögel gehören zu der Familie der Singvögel, wobei sie nicht so sehr die Stimme auszeichnet, sondern ihre oft eindrucksvolle Gestalt. In Deutschland kommen insgesamt acht Arten vor: Der Kolkrabe, die Aaskrähe, die Saatkrähe, die Elster, die Dohle, die Alpendohle, der Eichelhäher und der Tannenhäher. Sie unterliegen alle den strengen Schutzbestimmungen des Bundesnaturschutz-gesetzes und sind in der Roten Liste für die Bundesrepublik enthal-ten. Es ist verboten, diese Vögel zu fangen, zu verletzen, zu töten, ihre Nester zu zerstören oder ihre Eier zu entnehmen.
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Fazit
Rabenvögel sind im Naturkreislauf ökologisch wichtige Vertreter. Sie vertilgen Mäuse, Raupen, Engerlinge und Drahtwürmer. Sie sind also an der natürlichen Schädlingsbekämpfung in der Forst- und Landwirtschaft, aber auch in Grünanlagen und Kleingärten maßgeblich beteiligt.
Rabenvögel fressen Aas. Sie verhindern üble Gerüche und unter Umständen die Verbreitung von Krankheiten.
Ein Elsternpaar baut zahlreiche Nester, gebrütet wird aber nur in einem. So schafft die Elster Brutplätze z.B. für Turmfalken oder Waldohreulen.
Der Eichelhäher hilft bei der Verjüngung des Baumbestandes. Er legt Nahrungsdepots an, vergisst ihre Standorte und aus diesen Depots sprießen neue Bäume.
Eine negative Bestandsentwicklung anderer Singvogelarten im Stadtgebiet durch Elstern und andere Rabenvögel kann nicht beobachtet werden. Vor allem Saatkrähen und Dohlen stellen aufgrund ihrer Nahrungszusammensetzung in keiner Weise eine Gefährdung für irgendeine Vogelart dar.
Vogel-Mami
13. May 2005, 04:18
Elster und Rabenkrähe
An ihnen scheiden sich die Geister
"Wir haben in unserem Garten gar keine Singvögel mehr!" "Überall gibt es die Elstern; die rotten die Kleinvögel aus!" "Die Krähen sind Schuld am Verschwinden des Niederwilds und der Wiesenvögel!" "Die Krähen fressen die gesamte Saat auf und schädigen die Landwirtschaft!"
Diese und ähnliche Aussagen hört man aller Orten, und besonders als Naturschützer wird man häufig um seine Meinung befragt oder sogar angeklagt. So ist es auch kein Wunder, dass die Änderung des Niedersächsischen Jagdgesetzes, wonach eine Bejagung von Rabenvögeln zugelassen wird, bei vielen Bürgern auf Zustimmung stößt. Bei Naturschutzverbänden und Wissenschaftlern hingegen verursacht sie entschiedene Ablehnung.
Worum geht es bei der äußerst emotional geführten Debatte?
Nach dem neuen "Niedersächsischen Jagdgesetz" vom 14.03.2001 unterliegen die Rabekrähe (Corvus corone L.) und die Elster (Pica pica L.) dem Jagdrecht. Die "Niedersächsische Verordnung über Jagdzeiten" vom 06.08.2001 legt folgende Jagdzeiten fest: Rabenkrähe vom 1. August bis 20. Februar, Elster vom 1. August bis 28. Februar.
Was muss man hierzu wissen?
Die Familie der Rabenvögel gehört zur Ordnung der Singvögel und hat mit ihren heute etwa 117 Arten alle Erdteile und nahezu alle Lebensraumtypen unseres Planeten besiedelt. In Deutschland gibt es acht Arten von Rabenvögeln: Kolkrabe, Aaskrähe mit den Unterarten Raben- und Nebelkrähe, Saatkrähe, Elster, Dohle, Alpendohle, Eichelhäher und Tannenhäher. Aufgrund ihrer Lebensweise und der Ausdehnung der Ortschaften kommen heute viele in der Nähe menschlicher Siedlungen vor. Die Rabenvögel ernähren sich aufgrund ihres Körperbaus hauptsächlich von Wirbellosen, Pflanzenteilen und Aas. Wenn sich die Gelegenheit bietet, erbeuten sie auch Gelege oder Junge von Wirbeltieren.
Zur Historie der rechtlichen Situation
Mit der EG-Vogelschutzrichtlinie von 1979 wurde der Schutz aller Singvögel und damit auch der Rabenvögel gesetzlich festgeschrieben. Absicht der Richtlinie war, die in einigen Staaten der EG noch immer betriebene Singvogeljagd abzuschaffen und gesetzlich in den Griff zu bekommen.
In der Bundesrepublik wurde der Rechtsakt der EG erst sieben Jahre später in innerstaatliches Recht umgesetzt, u.z. mit der Bundesartenschutzverordnung von 1986. Hierdurch erfuhren auch die letzten drei Rabenvogelarten Elster, Eichelhäher und Rabenkrähe (die anderen Rabelvögel waren aufgrund ihrer Seltenheit bereits voher geschützt worden) Schutz nach Naturschutzrecht.
Eine besondere Problematik ergibt sich aus der Tatsache, dass in der Bundesrepublik Arten, die dem Jagdrecht unterliegen, auch von diesem artenschutzrechtlich betreut werden. Die Unterschutzstellung der letzten drei Rabenvogelarten löste 1986 heftigen Widerspruch bei den Jägern aus.
Auf Antrag mehrerer Mitgliedsstaaten wurde der Anhang zur EG-Vogelschutzrichtlinie von 1979 durch eine EG-Richtlinie im Jahre 1994 dahingehend geändert, dass dort aufgeführte Vogelarten in bestimmten Mitgliedsstaaten bejagt werden dürfen. Für Deutschland sind hier Eichelhäher, Elster und Aaskrähe aufgeführt.
Die rechtliche Situation änderte sich allerdings grundlegend, als einzelne Bundesländer, allen voran Rheinland-Pfalz, durch Änderungen im Jagdrecht die Bejagung von Rabenkrähe und Elster zuließen. Ein von den Grünen vorgebrachter und von Naturschutzverbänden unterstützter Protest führte im Dezember 2000 zu einer Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs, der die Bejagung der Rabenvögel als verfassungskonform erklärte.
Der Verfassungsgerichtshof sah keine "offenkundige Verletzung" des Bundesnaturschutzgesetzes durch den Erlass der umstrittenen Rechtsverordnung. Zwar sei es in der Tat widersprüchlich, wenn einerseits das Bundesnaturschutzgesetz die Tötung bestimmter Tierarten verbiete, andererseits das Jagdrecht diese Tiere für jagdbar erkläre. Das Bundesnaturschutzgesetz enthalte jedoch eine Regelung, die den Ländern solche Ausnahmen erlaube. Insoweit stehe das Bundesgesetz auch in Einklang mit dem europäischen Recht. Denn dieses verlange keinen absoluten Schutz der Rabenvögel. In der Urteilsbegründung heißt es weiter, dass die Jagdverordnung deshalb mit der Verfassung übereinstimme, weil die Bejagung der beiden Vogelarten "aus Gründen der Erhaltung des biologischen Gleichgewichts freigegeben worden ist bei gleichzeitiger Festsetzung von Schonzeiten".
Während die organisierte traditionelle Jägerschaft das Urteil begrüßte, hagelte es von Seiten vieler Organisationen, u.a. BUND, Nabu, Ökologischer Jagdverband (ÖJV), Deutsche Zoologische Gesellschaft, heftige Proteste. In der Sogwirkung des Urteils verabschiedeten weitere Bundesländer, so auch Niedersachsen, Gesetze und Verordnungen, die die Bejagung der beiden Rabenvogelarten festschreiben.
Die aktuelle rechtliche Entwicklung ist umso unverständlicher, wenn man die wissenschaftliche Landschaft betrachtet.
So einigten sich der ÖJV und das Bundesamt für Naturschutz (BfN), die oberste Fachbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), die das BMU in allen Fragen des nationalen und internationalen Naturschutzes und der Landschaftspflege berät, im September 2000 auf Empfehlungen zum Umgang mit Rabenvögeln. Als Grundlage diente eine Studie des Bundesamtes, die die flächendeckende Jagd auf Rabenvögel aus ökologischen und naturschutzfachlichen Gründen ablehnt. Folgende Empfehlungen wurden mit der obersten bundesdeutschen Fachbehörde für Naturschutz vereinbart:
1. Eine flächendeckende Jagd auf Rabenvögel ist naturschutzfachlich nicht sinnvoll und dient nicht der Erhaltung der Artenvielfalt. Sie ist daher umgehend einzustellen.
2. Es besteht kein sachlicher Grund, die Rabenvögel aus dem Schutz des Naturschutzrechts zu entlassen oder pauschale Regelungen für ihre Entnahme aus der Natur zu treffen.
3. Politische Entscheidungen über ein Bestandsmanagement bei Rabenvögeln müssen wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigen. Maßnahmen müssen lokal und zeitlich befristet sein und in ihrer Wirkung überprüft werden.
4. Eine lokal und zeitlich begrenzte Tötung von Rabenvögeln kann unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen werden. Dazu gehört, dass erhebliche Schäden in der Landwirtschaft oder eine Beeinträchtigung anderer Arten nachgewiesen werden, dass es keine Alternativen gibt und wissenschaftlich abgesicherte Erfolgsaussichten bestehen. Ist die Erhaltung einer bedrohten Art das Ziel der Maßnahme (z.B. Wiederansiedlung), müssen die naturschutzfachlichen Kriterien erarbeitet werden, nach denen die Zweckmäßigkeit der Reduktion der einen Art zum Nutzen der anderen bewertet werden kann.
5. Bestandsermittlungen von Rabenvögeln sind mit standardisierten Methoden durchzuführen. Populationsökologische Arbeiten sind wissenschaftlich abzusichern, bevor allgemeingültige Schlüsse daraus gezogen werden können.
6. Um ungerechtfertigte Vorurteile gegenüber Rabenvögeln abzubauen, ist seitens des Naturschutzes und der ökologisch denkenden Jägerschaft verstärkte Aufklärungsarbeit zu leisten.
Hierbei handelt es sich um vernünftige, wissenschaftlich begründbare Aussagen und nicht um emotionale, subjektiv gesehene Argumente, wie sie in der Regel für eine Bejagung der Rabenvögel ins Feld geführt werden.
Eine sachliche Diskussion lässt sich nur auf der Basis fundierter Kenntnisse der Biologie der betroffenen Vögel führen; daher einige
Fakten zu Rabenkrähe und Elster*
Aaskrähe (Corvus corone) im Osten die Rasse Nebelkrähe (Corvus c. cornix), im Westen Rabenkrähe (Corvus c. corone):
Habitat (Lebensraum): Offene und halboffene Landschaften mit Wäldern, Feldgehölzen, Bäumen,
Bestand und Bestandsentwicklung: ca. 350.000 Brutpaare (BP) in Deutschland bzw. 0,7 - 1,4 Mio BP in Europa, erkennbare Zunahmen nur noch in Siedlungen, teils deutliche Rückgänge in der Feldflur,
Brutpaardichte und Bruterfolg: im Mittel ca. 1 BP/Quadratkilometer; 1,0 - 3,4 Jungtiere/BP,
Ernährungsgewohnheiten: vielseitiger Allesfresser, hauptsächlich bodenlebende Wirbellose, Wirbeltiere und deren Reste (Aas),
Sonstiges: Frühbrüter (März bis Juli/August); Geschlechtsreife 1jährig - 1. Brut 3-5jährig;
Elster (Pica pica):
Habitat: alle Landschaften außerhalb geschlossener Wälder mit Nist-möglichkeiten,
Bestand und Bestandsentwicklung: ca. 300.000 BP in Deutschland bzw. 1,1 - 1,7 Mio BP in Europa, erkennbare Zunahmen nur noch z.T. in Siedlungen, in manchen Feldfluren bereits fehlend, überall in der freien Landschaft deutliche Rückgänge,
Brutpaardichte und Bruterfolg: im Mittel ca. 1 BP/Quadratkilometer; 1 Jungtier./BP,
Ernährungsgewohnheiten: vielseitiger Allesfresser, hauptsächlich bodenlebende Wirbellose, Wirbeltiere und deren Reste (Aas),
Sonstiges: Frühbrüter (März bis Juli/August); Balz z.T. bereits im Dezember, Jungenführung bis in den Winter; Geschlechtsreife 1jährig - 1. Brut 2-3jährig; Einzugsgebiet von Schlafplätzen 25-70 km.
Im Folgenden sollen einige Ergebnisse eines seriöses wissenschaftlichen Gutachtens von Prof. Dr. J. Martens (Universität Mainz) sowie PD Dr. H.-W. Helb (Universität Kaiserslautern) dargestellt werden**
Das Gutachten beschäftigt sich vorrangig mit folgenden Fragen:
Gibt es Schäden in der Landwirtschaft? - Gibt es Schäden an Singvogel-Populationen? - Gibt es Schäden am Niederwild?
Als wichtigste Nahrungsbiotope der Rabenkrähe stellten sich Dauerweiden und Mähwiesen heraus, wo Gliederfüßler vom Boden aufgenommen wurden. Ackerflächen wurden dagegen nur selten aufgesucht. Die meisten der Fundorte befanden sich im Offenland, gefolgt von Waldrändern und Halboffenland.
Wichtigste Nahrungskomponenten im Winter waren für Elstern Insekten, Pflanzenfasern, Getreide, Wildkrautsamen und Schnecken, für Rabenkrähen Pflanzenfasern, Insekten, Getreide und Regenwürmer. Das Getreide stammt vermutlich von Ernterückständen bzw. Wildfütterungen. Wirbeltier-Reste wurden jeweils in ca. 30 % der Mägen nachgewiesen. Sie gehen vor allem auf Kleinsäuger und vermutlich Aas zurück. Eine Schädigung von Niederwild kann aufgrund der Erlegungszeitpunkte (Februar 1997) ausgeschlossen werden.
Es konnten 335 Nahrungsproben von Elstern und 130 von Rabenkrähen gewonnen werden. Bei beiden Arten wurde das Nahrungsspektrum mit 90,9 % (Elster) bzw. 83,4 % (Rabenkrähe) der Beuteobjekte eindeutig von oberirdisch lebenden Gliederfüßlern dominiert. Demgegenüber sind die übrigen Nahrungsbestandteile von ihrer Anzahl her fast bedeutungslos. Innerhalb der Gliederfüßler dominieren die Insekten mit 85,3 % (Elster) bzw. 78,4 % (Rabenkrähe), wobei den Käfern mit alleine 67,2 % (Elster) bzw. 45,2 % (Rabenkrähe) eine herausragende Bedeutung zukommt.
Wirbeltiere wurden nur in geringen Anzahlen nachgewiesen. Dabei handelte es sich überwiegend um Wühlmäuse (sowie andere Kleinsäuger) und Eidechsen. Der Anteil an Vögeln (bzw. Eiern und Nestlingen) war sehr gering. Reste von Niederwild konnten nicht nachgewiesen werden.
Im Rahmen des Teilprojekts „Bestandsentwicklung von Indikatorarten" konnten vier umfangreiche Untersuchungen aus Rheinland-Pfalz ausgewertet werden. Die Ergebnisse zeigen, dass nahezu alle betrachteten Offenland-Vogelarten in ihrem Bestand langfristige Abnahmen aufweisen. Die Bestandsrückgänge sind bei den meisten Arten bereits seit den 1960er Jahren nachweisbar. Hierfür kann die in Rheinland-Pfalz erst ab 1991 unterlassene Bejagung von Rabenvögeln nicht verantwortlich sein. Konkret nachgewiesene Fälle von Nestplünderungen durch Elster und Rabenkrähe liegen nur in Einzelfällen vor. Es ergeben sich keinerlei Hinweise auf negative Auswirkungen von Elster und Rabenkrähe auf die Bestände anderer Vogelarten. Die Bestandsrückgänge lassen sich in der Regel auf Veränderungen in der landwirtschaftlichen Bodennutzung zurückführen.
Weder im Rahmen der eigenen Untersuchungen noch durch Fremd- bzw. Literatur-Angaben konnten erhebliche landwirtschaftliche Schäden durch Elster oder Rabenkrähe bestätigt werden. Schäden in Zusammenhang mit der Schafhaltung existieren nachweislich nicht, sondern sind ein Produkt der Sensationspresse. Elstern spielen in Zusammenhang mit landwirtschaftlichen Schäden überhaupt keine Rolle.
Konkrete Untersuchungen zur Schadwirkung der Rabenvögel an Niederwild und Wiesenvögeln in Niedersachsen liegen aus der Wümmeniederung bei Bremen vor. So wird dort einerseits festgestellt, dass sich seit 1987 der Bestand der Rabenkrähe in der Wümmeniederung verfünffacht hat, was auf die Extensivierung der Landwirtschaft in diesem Gebiet und die Unterschutzstellung der Rabenvögel zurückgeführt wird. Andererseits wird nachgewiesen, dass von den zeitlich zuzuordnenden Gelegeverlusten im Bremer Raum 67 % in der Nacht und 21 % in der Dämmerung stattfanden, und nur bei dem geringen Anteil (12 %) der am Tage ausgeraubten Nester kommt die Rabenkrähe in Frage. Zudem gab es auch einzelne am Tage ausgeraubte Nester, an denen Spuren von Raubsäugern gefunden wurden.
Die Ergebnisse der angeführten Untersuchungen werden auch durch den Bericht des Bundesamtes für Naturschutz (Mäck und Jürgens 1999) bestätigt. Es liegt nach diesem Bericht wissenschaftlich absolut kein vernünftiger Grund für das Töten von Elstern und Rabenkrähen vor. Die Gesamtanalyse der von den Befürwortern der Rabenvogeljagd vorgelegten Daten und Argumente zeigt, dass es für eine flächendeckende Bejagung der drei Rabenvogelarten Rabenkrähe, Elster und Eichelhäher in Deutschland oder in einzelnen Bundesländern keinerlei wissenschaftliche Rechtfertigung gibt.
Auch die Berichte über Schädigungen der Singvogelpopulationen im dörflichen und städtischen Bereich durch die Elster lassen sich objektivieren. In Siedlungen und Stadtgebieten übernimmt insbesondere die Elster die Regulation häufiger Vogelarten wie etwa Amsel, Meisen, Buchfink, Sperling u.a.. Andere Beutegreifer fehlen weitgehend. Auch wenn der Nestraub im Garten für uns Menschen tragisch erscheint, so ist dies eine ökologische Notwendigkeit. Die Gelegezerstörung, sei es durch Rabenvögel, sei es durch Eichhörnchen, Igel oder andere Gelegeräuber (Katzen!) wird von den Beutetierpopulationen seit vielen Jahrzehntausenden wirkungsvoll ausgeglichen. Diese Mechanismen wirken auch heute noch. Nicht zuletzt deshalb legen kleinere Vogelarten viele Eier und machen i.d.R. mehrere, z.T. bis zu 4 oder 5 Nachgelege oder Bruten in einem Jahr.
Und wenn sich einzelne Brutpaare in Folge der Gelegezerstörung zukünftig ihre Brutplätze besser auswählen und in versteckteren Bereichen brüten, ist dies eine der erfolgreichen Strategien der Beutetiere gegen ihre Fressfeinde.
Zudem sind die Eindrücke vieler Bürger in der Regel auf zufällige, punktuelle und damit sehr subjektive Beobachtungen zurückzuführen. Eine Elster, die am Tage unter den Kleinvögeln für Aufruhr sorgt, fällt mehr auf als ein heimlicher Räuber wie das Eichhörnchen oder gar ein nächtlicher Räuber. Und wer käme auf die Idee, wegen der Nesträuberei der Eichhörnchen deren Abschuss zu verlangen?
Häufig sind Gartenbesitzer sogar mitschuld an der Plünderung von Singvögelnestern: ein „ordentlicher, aufgeräumter" Garten, womöglich noch mit Fichtenreihen, erleichtert den Nesträubern die Arbeit; in einem naturnahen, stark strukturierten Garten hingegen lassen sich Nester nicht so leicht finden!
Übrigens: Das angebliche "Problem" einer Zunahme der Elstern im besiedelten Bereich wird nur schwerlich durch eine Bejagung beseitigt werden können – oder werden in Zukunft die Jäger auch im Ort und auf unseren Grundstücken schießen?
Bei der Diskussion um die Bejagung der Rabenvögel muss immer der gesamtökologische Zusammenhang gesehen werden; so ist der wirtschaftliche Schaden durch Rabenvögel in der Landwirtschaft eher gering, der Nutzen beim Vertilgen von Aas, Mäusen und Insekten wird aber häufig vergessen.
Rabenvögel ermöglichen sogar anderen Vogelarten ein Überleben! Verlassene Nester dieser Arten werden gerne von Turmfalken, Baumfalken oder Wespenbussarden genutzt, die Waldohreule ist sogar auf bezugsfertige Krähen- und Elsternhorste angewiesen.
http://www.aknaturschutz.de/mitteil/14/raben.jpgFazit:
Das pauschal legitimierte Töten von Rabenkrähe und Elster widerspricht jeder ökologischen Vernunft. Gutachten belegen, dass der Rückgang des Niederwildes und der Wiesenvogelarten nicht in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem Vorkommen von Rabenvögeln steht. Auch ein Ausrotten oder ein Rückgang von Kleinvögeln konnte nicht bestätigt werden. Vielmehr sind Elster & Co. von einer Verschlechterung des Lebensraumes ebenso betroffen wie die Beutetiere.
Die jetzige Regelung nach dem neuen Niedersächsischen Jagdgesetz ist daher aus wissenschaftlicher und naturschutzfachlicher Sicht abzulehnen. Dass die Bejagung zweier Arten der Rabenvögel trotz besseren Wissens zugelassen wurde, kann nur als Zugeständnis an die Jäger und deren Lobby aufgefasst werden.
Lediglich örtliche und seltene Ausnahmen vom Schutz der Rabenvögel im Hinblick auf wirtschaftlich erhebliche Schäden oder aus Artenschutzgründen sind - nach eingehender Prüfung durch die Bezirksregierungen - vorstellbar.
* aus einer Internet-Veröffentlichung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft, in der die Biologie der Rabenvögel und die Problematik der Bejagung sehr fundiert und ausführlich dargestellt wird: http://www.rabenvoegel.de (http://www.rabenvoegel.de/)
** einzusehen im Internet unter: http://www-user.rhrk.uni-kl.de/~hhelb/rabenvoegel/Rabenvoegel_POLLICHIA.html
Vogel-Mami
17. May 2005, 20:03
NABU reicht EU-Beschwerde in Brüssel ein
Protestieren Sie gegen den 'legalisierten' Vogelmord in Niedersachsen und schicken Sie eine Protest-Mail
13. Mai 2005 Der NABU und der Deutsche Tierschutzbund haben bei der EU-Kommission eine Beschwerde gegen das Töten von Rabenkrähen und Elstern in Niedersachsen eingereicht. Nach der EG-Vogelschutzrichtlinie ist das wahllose und massenhafte Fangen und Töten von Vögeln verboten. Die Richtlinie lässt nur dann Ausnahmen zu, wenn es einen wissenschaftlichen Hintergrund gibt. "Die niedersächsische Landesregierung hat uns bis heute nicht überzeugend darlegen können, dass dieses Projekt den wissenschaftlichen Anforderungen der EU-Vogelschutzrichtlinie entspricht. Wir können nicht über den Vogelmord in Italien lamentieren und vor der eigenen Haustür derartiges zulassen", erklärt NABU-Präsident Olaf Tschimpke.
http://www.nabu.de/imperia/md/images/nabude/tiere/voegel/kraehenvoegel/rabenkraehe/2.jpgIn der gesamten Europäischen Union dürfen Rabenkrähen nicht in Massenfallen gefangen werden, nur Niedersachsen erlaubt diese Tierquälerei.
Der NABU fordert, keine Vogelfallengenehmigung mehr zu erteilen und die wissenschaftliche Begleitung durch das Institut für Wildtierforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover zu stoppen. Eine vom Landwirtschaftsministerium bereits Ende März 2005 zugesagte erneute Fortsetzung des genehmigten Falleneinsatzes von 'Norwegischer Krähenfang' und Larsen-Einzelfallen ab August 2005 lehnt der NABU Niedersachsen strikt ab.
Stoppen Sie den Vogelmord - schicken Sie eine Protest-Mail (http://www.nabu.de/modules/formulare/niedersachsen/rabenmail.htm)
Mehr zum Thema beim NABU Niedersachsen (http://www.nabu-niedersachsen.de/Docs/Projekte/default.asp)
NABU-Stellungnahme zur Jagd auf Rabenvögel (http://www.nabu.de/m05/m05_03/00520.html)
Dokumentation: Illegaller Vogelfang mit Fallen in Deutschland (PDF, 1,1 MB) (http://www.nabu.de/jagd/vogelfallenfang.pdf)
Rabenvögel-Links (http://www.nabu.de/modules/linkkatalog/index.php?kategorie1=Natur+%26+Tiere&kategorie2=Artenschutz&kategorie3=V%F6gel&kategorie4=Rabenv%F6gel)
Vogel-Mami
18. May 2005, 00:30
Mi: 09.11.2005 - Do: 10.11.2005
Camp Reinsehlen, 29640 Schneverdingen
Vogelschutz in Ackergebieten – zwischen Agrarreform und Natura 2000
in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Staatliche Vogelschutzwarte
Veranstaltungs-Nr. 56
Inhalte
Äcker gehören zu den Landschaftsräumen, die nicht unbedingt zuvorderst im besonderen Interesse des Natur- und Artenschutzes stehen. Niedersachsen wird jedoch zu einem großen Teil von Ackerflächen unterschiedlichster Nutzungsweisen geprägt. Einige Vogelarten sind in besonderem Maße auf die Qualität, Bewirtschaftungsintensität und Struktur der Ackerlandschaften angewiesen.
Ortolan, Wiesenweihe oder Rotmilan sind Arten, für deren Erhalt Niedersachsen eine besondere Verantwortung trägt und die fast ausschließlich in Ackerlandschaften überleben müssen.
Sie erhalten Einblick in die Bedeutung von Ackerlebensräumen für die niedersächsische Avifauna mit besonderer Berücksichtigung der Schutzkonzepte für ackerlebende Vogelarten. Anforderungen an die "vogelfreundliche" Bewirtschaftung von Äckern, die Bedeutung des Bio-Anbaus für den Vogelschutz sowie Aspekte der Kooperation mit der Landwirtschaft, mit kommunalen Stellen und anderen Stakeholdern in Ackerlandschaften runden das Programm ab.
Leitung
Peter Südbeck, NLWKN, Staatliche Vogelschutzwarte
Jann Wübbenhorst, NNA
Tagungsgebühr 65 Euro
Quelle: http://www.nna.niedersachsen.de/master/C10099498_N5924194_L20_D0_I5661252
Vogel-Mami
31. May 2005, 22:38
15. September 2000
Kontakt:
Harald Ullmann, Tel. 0711 - 866 6165
Stuttgart -- Würde der Altmeister für spannende Filme, Alfred Hitchcock, noch leben, gäbe es sicher eine Fortsetzung des legendären Kinofilms „Die Vögel", und Karlsruhe könnte als Filmkulisse zu Weltruhm gelangen. Die „Statisten", etwa 5.000-8.000 Krähen, warten nämlich schon auf ihren Einsatz. Allabendlich treffen sie sich vor dem Karlsruher Hauptbahnhof bzw. rund um den Stadtgarten.... allerdings ohne Anstalten zu machen, sich pickend auf die Bevölkerung zu stürzen.
Was als außergewöhnliches Naturereignis neugierige Bewunderung beim Tierfreund erzeugt, lässt weniger tierfreundliche Denker wieder die leider noch immer üblichen Vernichtungspläne aushecken. Nach Ansicht der internationalen Tierrechtsorganisation PETA, People for the Ethical Treatment of Animals, sollte aus der „Not" lieber eine Tugend gemacht werden: „werben statt sterben", so ihre Devise. Denn welche Stadt kann schon ein derart phantastisches Phänomen vorweisen! „Hitchcock-City" – die Stadt der Werbefoto- und Film-Shootings, solange es den Vögeln in Karlsruhe gefällt und sie sich nicht ein neues Revier suchen.
Eine vorübergehende „Krähensolidaritätssteuer" von nur wenigen Pfennigen pro Einwohner könnten die Kosten für die Beseitigung des Kotes zweifelsohne decken. In Anbetracht der aufgewendeten Mittel, wie sie beispielsweise zur Beseitigung von Müllbergen nach Großveranstaltungen aufgewendet werden, die ja ebenfalls als „Attraktionen" Besucher anziehen, können die hier voraussichtlich nur vorübergehend verursachten Kosten jedenfalls nicht das wesentliche Problem sein.
PETA, People for the Ethical Treatment of Animals, ist mit über 700.000 Mitgliedern weltweit die größte Tierrechtsorganisation mit Büros in den USA, England, Italien, Holland, Deutschland und jetzt auch in Indien. Ziel der Organisation ist es, durch Aufklärung, Veränderung der Lebensweise und Aufdecken von Tierquälerei jedem Tier zu einem besseren Leben zu verhelfen
Vogel-Mami
31. May 2005, 22:47
Jäger übergeben 8000 Unterschriften pro Krähenstudie
Niedersachsens Landwirtschaftsminister will Mitte Juni über Weiterführung diskutieren
Hannover (dpa/lni) - 8000 Bürger haben sich mit ihrer Unterschrift für eine Fortsetzung der umstrittenen Krähentötungen im Landkreis Leer ausgesprochen. Vertreter der örtlichen Jägerschaft aus Ostfriesland übergaben die Listen am Donnerstag im Landtag in Hannover an Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU). Die Jäger betonten, große Teile der Bevölkerung vor Ort stünden hinter dem Projekt. Die Tierärztliche Hochschule Hannover untersucht, ob die Wiesenvogel-Bestände wachsen, wenn Krähen massenhaft getötet werden.
Minister Ehlen kündigte an, Mitte Juni werde bei einem wissenschaftlichen Symposium im Umweltministerium in Hannover mit Gegnern und Befürwortern des Projektes über die Weiterführung der Studie diskutiert. Der Minister betonte, er erwarte von den Kritikern umsetzbare Vorschläge, mit denen bedrohte Vogelarten geschützt werden könnten, die durch die Rabenkrähen vom Aussterben bedroht seien.
In der auf drei Jahre angelegten Studie werden Krähen in Fallen lebend gefangen und mit einem Schlag auf den Kopf getötet. Für die Aufstellung der Fallen, die ansonsten europaweit verboten sind, hat das Institut für Wildtierforschung an der TiHo eine besondere Genehmigung des Landkreises Leer.
Der Naturschutzbund NABU hatte bei der EU-Kommission in Brüssel wegen der umstrittenen Tötungen erst kürzlich Beschwerde eingelegt.
(dpa/djv) Hannover, 20.05.05, 10:28
Vogel-Mami
31. May 2005, 22:59
Beitrag #225 und #229 (Auszug) von VolkerM
Genehmigungsbescheid ( exakt: Gestattungsbescheid) erteilt durch:
Kreisjägermeister Hilbrands
am:
06.02.2004
in Wahrnehmung einer durch den LK Leer delegierten Aufgabe
an:
Jägerschaft des LK Leer e.V.
Empfängeranschrift:
Stellvertretenden Kreisjägermeister
"Projektziele:
(...)
Langfristige Freigabe des Einsatzes der Krähenfalle im Landkreis Leer.
Rechtsverbindliche Legalisierung der beiden Fallentypen in Niedersachsen.
(...)"
Vogel-Mami
31. May 2005, 23:54
Hannover, 14. April 2005 --- .05/05
Naturschutz / Jagd
NABU kritisiert nachgeschobene Begründungen zum Vogelmord in Leer
Helm: „Alle sechs Wochen etwas Neues!“
Der NABU Niedersachsen kritisiert nachgeschobene Begründungen zum Rabenfalleneinsatz in Leer. Dies zeigt nach Auffassung des NABU Niedersachsen wie haltlos das Gesamtprojekt ist. Wiesenvogelschutz und Schutz des Goldregenpfeifers sind neuerlich nachgeschobene Begründungen, die sich weder in der Genehmigung des Landkreises Leer vom Februar 2004 noch in der Leistungs- und Aufgabenbeschreibung des Instituts für Wildtierforschung finden.
Ausgewiesenes Ziel des Rabenfalleneinsatzes und Totschlagen mit Knüppeln ist vielmehr die ‚rechtsverbindliche Legalisierung der Fallenjagd in Niedersachsen’, wie es in der Genehmigung nachzulesen ist, betonte der NABU Niedersachsen.
Hans-Jörg Helm, NABU Landesvorsitzender: „Alle sechs Wochen wird etwas Neues zur vermeintlichen Projektnotwendigkeit in die Welt gesetzt. Was ist das für ein Wissenschafts- und Projektverständnis, wenn immer neue Begründungen erfunden werden.“
Seit Anfang April 2005 hatte man endlich die Idee mit dem Goldregenpfeifer. Es sei erfreulich, dass anscheinend der Goldregenpfeifer neuerdings im Landkreis Leer zu finden sei. Mit dieser neuen nachgeschobenen Begründung solle das Vogelmordprojekt eine Substanz erhalten, die es nie gehabt habe und haben kann, so Helm.
„Zunächst wurden seit Februar 2004 insgesamt 5.585 Rabenvögel mit Knüppeln erschlagen, um jetzt den Goldregenpfeifer schützen zu wollen, der im Landkreis Leer überhaupt nicht vorkommt. Der Schutz von Wiesenvögeln kann auch gar nicht Untersuchungsziel des Fallenprojektes sein, da Bestandserfassungen von Wiesenvögeln vor der Fangaktion überhaupt nicht stattgefunden haben“, betonte Hans-Jörg Helm.
Wie in der Genehmigung und der zugehörigen Leistungsbeschreibung nachzulesen, war und ist der Wiesenvogelschutz mit einer Bestandserfassung von Vögeln wie zum Beispiel Kiebitzen, Feldlerchen und Brachvögeln nie Projektinhalt gewesen. Dieses findet sich zuerst in Verlautbarungen des Landwirtschaftsministeriums vom Februar 2005 und des Instituts für Wildtierforschung von Ende März 2005.
Der NABU Niedersachsen erlaubt sich darauf hinzuweisen, wenn dies denn überhaupt ursprüngliches Ziel gewesen wäre, dass Bestandserfassungen vor Beginn des Falleneinsatzes allein schon aus Gründen der wissenschaftlichen und jagdrechtlichen Seriosität notwendig gewesen wären und hätten erfolgen müssen.
Der NABU fordert, keine Vogelfallengenehmigung mehr zu erteilen und die wissenschaftliche Begleitung durch das Institut für Wildtierforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover zu stoppen. Eine vom Landwirtschaftsministerium bereits Ende März 2005 zugesagte erneute Fortsetzung des genehmigten Falleneinsatzes von ‚Norwegischer Krähenfang’ und Larsen-Einzelfallen ab August 2005 lehnt der NABU Niedersachsen strikt ab.
Vogel-Mami
01. June 2005, 00:04
http://www.haz.de/bilder/haz_logo_fraktur_klein.gif
Niedersachsen
Massentötung von Krähen wird zum Politikum
Tierärztliche Hochschule lässt tausende Vögel im Landkreis Leer erschlagen. Naturschützer rufen „Skandal“ aus.
Jäger im Landkreis Leer haben derzeit keinen leichten Stand. Sie töten massenhaft Rabenkrähen im Dienste der Wissenschaft – ein Großversuch, der Natur- und Tierschützer auf die Barrikaden treibt. Die Krähen stehen im Verdacht, die Nester von Kiebitz, Rebhuhn und Goldregenpfeifer zu plündern und damit Schuld an deren Aussterben zu sein. Die Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) will daher überprüfen, ob den seltenen Wiesenvögeln durch massenhaften Krähenfang das Überleben leichter gemacht werden kann.
Das Töten von bis zu mehreren tausend Vögeln ist jedoch zum Politikum geworden. Die gefangenen Vögel werden mit Knüppeln erschlagen. „Es ist ein Skandal, dass das Projekt nicht gestoppt wird“, findet der Ökologe Hans-Wolfgang Helb von der Technischen Universität Kaiserslautern. „Der Versuch ist unseriös und wissenschaftlich völlig daneben.“ Umwelt- und Tierschützer sprechen von „Massenmord an Vögeln unter dem Deckmantel der Forschung“ und haben Strafanzeige gegen den Institutsleiter Klaus Pohlmeyer gestellt. Auch Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat sich eingeschaltet. Unnötig und wissenschaftlich zweifelhaft sei das Töten der Tiere, schrieb Trittin an den für Jagdpolitik zuständigen niedersächsischen Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU).
Das sehen auch Fachleute vom Bundesnaturschutzamt so. Wissenschaftlich sei längst geklärt, was die hannoverschen Forscher per Massentötung erforschen wollten, heißt es. Doch Landwirtschaftsminister Ehlen hält dagegen. Die Zahl der Rabenkrähen müsse reguliert werden, sagt er.
Damit flammt ein alter Streit wieder auf. In den Augen vieler Jäger sind Krähen üble Räuber, deren Zahl möglichst klein gehalten werden müsse. Die Jäger benutzten die TiHo als wissenschaftliches Feigenblatt, um ihre Interessen durchzusetzen, kontert Krähenforscher Helb. Bei Institutsleiter Pohlmeyer, meint Helb, dürften sie dabei kaum auf Widerstand treffen. Pohlmeyer ist nicht nur Leiter des Wildtierinstituts, sondern auch Präsident der Landesjägerschaft.
Mehr als 140 Käfige haben die Jäger im Auftrag der TiHo-Wissenschaftler in Ostfriesland aufgestellt. Ziel des Versuchs ist es, „möglichst viele Krähen in kurzer Zeit zu töten“, erklärt Projektbetreuer Grauer. In einigen Regionen seien Rabenkrähen für bis zu 70 Prozent der Gelegeverluste verantwortlich.
Zwar dürfen Rabenvögel in den meisten Bundesländern geschossen werden – obwohl sie nach EU- und Bundesnaturschutzrecht geschützt sind. Ein „großflächiges, systematisches Töten“ wie in der Region Leer hat es nach Angaben der Projektgegner aber noch nirgendwo gegeben.
Das bestreitet auch die TiHo nicht. Der Abschuss der Vögel sei nicht effektiv genug, um die Wiesenvögel erfolgreich zu schützen. Krähen, berichtet Grauer, seien so klug, dass sie einen Jäger mit Gewehr schon an der Kleidung erkennen und Reißaus nehmen.
Der Anteil der Krähen am Niedergang der Wiesenbrüter wird in den Augen der Naturschützer allerdings überschätzt. Die meisten Nester würden nachts ausgeräumt. „Da schlafen die Krähen“, sagt Biologe Ulrich Mäck, Gutachter des Bundesamtes für Naturschutz. „Nachtaktive Jäger wie Fuchs und Marder setzen den Wiesenvögeln viel stärker zu.“
Margit Kautenburger
Veröffentlicht 29.03.2005 18:27 Uhr
Vogel-Mami
01. June 2005, 20:09
Sich selbst vis-à-vis:
Was Elstern wahrnehmen
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rbin2_00/natur/artikel1/grafiken/titel.jpg Beim Blick in den Spiegel sich selbst erkennen – sogar der Mensch kann das in den ersten Lebensmonaten noch nicht. Ein selbstbezogenes Verhalten von Elstern vor dem Spiegel beobachteten jetzt Biopsychologen der RUB: Erkennt sich die Elster im Spiegel und hat sie vielleicht sogar wie wir eine Vorstellung von sich selbst?
Wie kaum ein anderer einheimischer Vogel beschäftigt die Elster den Menschen seit Jahrhunderten. Ihre große Popularität zeigt sich schon darin, dass die Elster im Deutschen etwa 100 volkstümliche Namen hat. Die meisten davon beziehen sich auf ihre Stimme, wie Gackerhätzel oder Tratschkatel, die wenigsten auf ihren Aufenthalt, Gestalt oder Verhaltensweise, wie Gartenkrähe oder Diebsch. Dies beruht nicht zuletzt auf ihrem Ruf als kluger, lernfähiger, aber auch «diebischer» Vogel.
Die sprichwörtliche Klugheit hat eine biologische Grundlage; das Gehirn der Elster zählt zu den höchstentwickelten unter den Singvögeln. Im Hinblick auf unsere vergleichenden Studien zur Intelligenz bei Tieren machte das diese Vogelart besonders interessant. Da Elstern zudem sehr neugierig sind und gern «auf Entdeckungsreise gehen», erwarteten wir dankbare Forschungspartner hinsichtlich der Aufgaben, die wir den Vögeln im Labor stellen würden. Wir entschlossen uns, junge Elstern aufzuziehen, um ihre Fähigkeiten frühzeitig untersuchen zu können.
An der Ruhr-Universität gibt es viele Elsternnester, sodass wir unsere Versuchstiere quasi vor der Labortür finden konnten (s. Abb. 1). Zunächst beobachteten wir eine Reihe von Nestern, um dann aus einigen - mit behördlicher Genehmigung - Nestjunge zu entnehmen. Als wir endlich acht kleine Elstern aus zwei verschiedenen Nestern ausgewählt hatten, begann für uns ein “Vogelelterndasein” rund um die Uhr: Bis der Hunger von acht kleinen Elstern gestillt ist, vergeht einige Zeit; und wenn man mit der letzten fertig ist, kann man gleich mit der ersten wieder anfangen.
Noch während die Nestlinge von uns aufgezogen wurden, begann die Forschung. Das außergewöhnliche Raumgedächtnis, über das Elstern wie alle futterhortenden Vogelarten verfügen, inspirierte uns zu unserer ersten Studie zur «Objektpermanenz».
Der Begriff Objektpermanenz geht auf den Entwicklungspsychologen Piaget zurück. Er hatte bemerkt, dass für sehr junge Kinder Gegenstände, an denen sie zunächst Interesse zeigen, quasi nicht mehr existent sind, wenn man diese Gegenstände vor ihnen versteckt. Wenn die Kinder etwas älter sind, ändert sich ihr Verhalten, und sie beginnen gezielt zu suchen.
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rbin2_00/natur/artikel1/grafiken/elsterne Abb. 1: Die Elster gehört zu den Gewinnern im Reich der Tiere: “Klug” und anpassungsfähig hat sie ihr Terrain nicht nur verteidigt - ihr Bestand ist mehr als gesichert. Die Abb. zeigt ein Elsternnest mit Eiern und frisch geschlüpften Jungen.
Gezielt suchen will gelernt sein
Piaget unterschied sechs Stufen der zunehmenden Kompetenz in dieser scheinbar so selbstverständlichen Fähigkeit. Für unsere Untersuchungen waren die Stufen 4 bis 6 von besonderem Interesse: Auf Stufe 4 wird ein Objekt erinnert und wiedergesucht, wenn es vollständig versteckt ist. Auf Stufe 5 wird ein Gegenstand auch dann erfolgreich gesucht, wenn man ihn zunächst an einem Ort versteckt und anschließend das Verstecken an einem anderen Ort wiederholt, wobei der Gegenstand beim Ortswechsel vorübergehend sichtbar ist.
Auf Stufe 6 schließlich wird die Ortsverlagerung eines Objektes nachvollzogen, das zwischenzeitlich nicht zu sehen war. Ein solcher Test kann so ablaufen: Der Versuchsleiter zeigt seinem Gegenüber – einem älteren Kind – einen Gegenstand, etwa einen Silberring. Dann steckt er den Ring in eine Schachtel. Anschließend wird die Schachtel in eine von zwei größeren Kisten gesteckt. Nach einer Pause wird die Schachtel wieder hervorgeholt und dem Kind gezeigt, wobei sie nicht geöffnet wird. Schließlich wird die Schachtel in die andere große Kiste gesteckt. Wenn das Kind nun die Frage «Wo ist jetzt der Ring?» richtig beantworten kann, hat es Stufe sechs der Objektpermanenz erreicht.
Geistige Leistungen wachsen nicht nur mit der Entwicklung von Kindern, sondern auch in der Stammesgeschichte der Tiere. Deshalb haben Studien zur Objektpermanenz in den letzten Jahren großes Interesse für vergleichende Untersuchungen verschiedener Tierarten gefunden. Als wir die Studien mit den Elstern begannen, gab es in der Literatur zu diesem Thema nur zwei Arbeiten an Vögeln, beide mit Papageien – dem Graupapagei und dem Kakariki, einem neuseeländischen Laufsittich. Wir erwarteten, dass sich Elstern als futterhortende Vögel bei unseren Versuchen sehr versiert verhalten würden, da das Verstecken und Erinnern von Futter für diese Vögel zum täglichen Lebenserhalt gehört – es stellt gewissermaßen eine natürliche Objektpermanenz-Aufgabe dar (Abb. 2). Dies warf aber auch Fragen auf. Beim Graupapagei und beim Kakariki entwickelt sich die Objektpermanenz erst zu einem Zeitpunkt, zu dem die jungen Elstern sie längst für ihr inzwischen selbstständiges Leben brauchen würden. Wir stellten daher die Hypothesen auf, dass Elstern erstens eine relativ hoch entwickelte Fähigkeit zur Objektpermanenz haben, dass sich zweitens die Objektpermanenz relativ schnell entwickelt, und dass drittens ein Zusammenhang mit der Entwicklung des Futterhortens besteht.
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rbin2_00/natur/artikel1/grafiken/B4abb2a.jpg Abb. 2: Schnell gefunden, hier ein Löffel unter dem Tuch. Als futterhortender Vogel ist das Erinnern von Verstecken für die Elster fast ein “Kinderspiel”.
Geistige Leistungen wachsen in der Stammesgesschichte
Unsere Hypothesen wurden bestätigt (Abb. 3). Die Elstern zeigten eine sehr hohe Kompetenz und erreichten Stufe sechs. Auch bei Versuchen mit Graupapageien wurde diese Fähigkeit mit sechs eingestuft. Bei den Säugern erreichten außer dem Menschen nur noch Menschenaffen und Hunde dieses Niveau. Für viele andere Arten, einschließlich der meisten Affen, gilt dies aber nicht. Die jungen Elstern beginnen genau dann selbstverstecktes Futter wiederzusuchen, wenn sich ihre Fähigkeit zur Objektpermanenz entwickelt. Nach etwa zehn Wochen – wenn sie ihr eigenständiges Leben beginnen – sind sie darin bereits Meister.
Dies ist ein erster Beleg, dass sich kognitive Fähigkeiten genau dann entwickeln, wenn sie von einem Lebewesen in seiner natürlichen Umwelt gebraucht werden. Unsere Untersuchungen zur Objektpermanenz hatten bereits gezeigt, dass Elstern über hohe Repräsentationsleistungen verfügen. Im Übrigen zeigen sie auch ein komplexes Sozialverhalten und erkennen ihre Artgenossen individuell. Könnte es unter diesen Umständen nicht sein, dass Elstern auch eine “Vorstellung” von sich selbst entwickeln? Solche Fragen sind bei Tieren nicht leicht zu beantworten, da wir nur sehr eingeschränkt mit ihnen kommunizieren können.
Es gibt aber experimentelle Wege, zumindest eine Teilantwort zu erhalten. Ein solcher Weg wurde vor 30 Jahren von dem amerikanischen Psychologen Gallup initiiert. Er untersuchte das Verhalten von Schimpansen gegenüber einem Spiegel. Er betäubte die Tiere, damit sie die Versuchsvorbereitungen nicht bemerkten und markierte ihre Körper an Stellen, die sie selbst nicht direkt sehen konnten. Nachdem sie wieder aufgewacht waren, wurde ihr Verhalten genau beobachtet, zunächst ohne Spiegel, anschließend vor dem Spiegel. Wenn sie in den Spiegel sahen, berührten sich die Schimpansen wesentlich häufiger an den markierten Stellen als zuvor ohne Spiegel. Aus diesem selbstbezogenen Verhalten, dass Gerti Dücker und Jürgen Lethmate von der Universität Münster auch beim Orang Utan beobachteten, zog Gallup den Schluss, dass Schimpansen sich selbst im Spiegel erkennen.
Der Markierungstest ist nur einer von mehreren Tests, die zum Verhalten vor dem Spiegel durchführt werden können. Zunächst ist es wichtig zu wissen, wie Tiere sich überhaupt ihrem Spiegelbild gegenüber benehmen. Ignorieren sie das Spiegelbild?
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rbin2_00/natur/artikel1/grafiken/Rubin-s4.gif
Abb. 3: Die Grafik zeigt, wie sich die Fähigkeit des Erinnerns (Objektpermanenz) bei der Elster (oben) im Vergleich zu anderen Vogelarten (unten) entwickelt. In Übereinstimmung mit der futterhortenden Lebensweise entwickelt sich die Objektpermanenz bei jungen Elstern relativ früh, so dass sie Meister im Erinnern versteckter Gegenstände sind, bevor sie unabhängig von den Eltern leben.
Vor dem Spiegel: Ignorieren oder attackieren?
Attackieren sie es? Behandeln sie es wie einen Artgenossen? Stehen sie vor dem Spiegel und bewegen sich, sodass man vermuten könnte, sie betrachten sich selbst? Wir beobachteten das Verhalten unserer Elstern unter zwei verschiedenen Bedingungen: Einmal vor dem Spiegel mit ihrem Spiegelbild (Testvariante) und einmal vor der Spiegelfläche, die durch eine mattgraue Abdeckung «entspiegelt» war (Kontrollvariante). Anders als etwa beim Wellensittich, der auch nach langer Zeit einen kleinen Spiegel in seinem Käfig wie einen Sozialpartner behandelt, nach ihm pickt und ihm zuzwitschert, zeigten die Elstern vor dem Spiegel ein “neugieriges”, das Spiegelbild erkundendes Verhalten: Auf- und Abgehen vor dem Spiegel, vorsichtige Blicke hinter den Spiegel.
Was die Elster vor den Spiegel schleppt
Schließlich präsentierten sich die Elstern mit verschiedenen Gegenständen im Schnabel vor dem Spiegel. Könnte das auf Selbsterkennen hindeuten? Vielleicht – doch präsentieren Vögel auch im sozialen Kontext häufiger Federn oder Zweige. Bei der nächsten Aufgabe ging es darum, nicht direkt sichtbare Gegenstände mithilfe des Spiegels zu unterscheiden und zu orten. Zu diesem Zweck wurde in einiger Entfernung von der Elster eine geöffnete Schachtel so in Richtung Spiegel geneigt, dass die Elster deren Inhalt - zum einen Futter oder einen Ring, zum anderen ein Blatt oder die leere Schachtel – nur im Spiegel sehen konnte. Die Elstern zeigten gute Diskriminationsleistungen, indem sie sich in der überwiegenden Zahl der Fälle nach dem Blick in den Spiegel nur auf die Schachtel zubewegten, wenn sie den für sie interessanten Inhalt hatte – den Ring bzw. das Futter (Abb. 4).
Schließlich machten wir mit unseren Elstern sog. Markierungstests. Dafür bekamen sie zunächst im Kehlbereich, direkt unterhalb des Schnabels, einen farbigen Fleck. Sie können diese Stelle mit ihren eigenen Augen, die seitlich am Kopf sitzen, nicht direkt sehen, hingegen sehr gut im Spiegel, wenn sie vis-à-vis ihrem Spiegelbild stehen. Wir benutzten eine ungiftige, leicht abwaschbare Farbe. Jede Elster wurde zwei verschiedenen Tests unterzogen, einmal mit leuchtend roter und einmal mit schwarzer Farbe. Die schwarze Farbe ist auf dem an dieser Stelle schwarzen Federkleid nicht sichtbar und war eine von mehreren Kontrollbedingungen. Wir wählten diese Art der Kontrolle aufgrund eines Einwandes gegenüber früheren Versuchen von Gallup mit Schimpansen: Die Tiere hätten sich vielleicht beim ersten Test ohne Spiegel noch nicht vollständig von der Narkose erholt seien deshalb vielleicht weniger aktiv gewesen.
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rbin2_00/natur/artikel1/grafiken/Rubin-s5.gif Abb. 4: Ergebnisse der Versuche zur sog. Objektdiskrimination: Wenn sich in einer kleinen Box, die für die Elster nur über einen Spiegel einsehbar ist, attraktive Gegenstände befinden, wird diese Box regelmäßig «angesteuert», eine leere Box oder eine Box mit einem welken Blatt (Kontrolle) wurde nur gelegentlich beachtet.
Der rote Fleck verrät die „Psyche“
Der Verzicht auf eine Narkose verringerte zudem die Belastung für die Tiere. Unter beiden Markierungsbedingungen wurden die Elstern völlig gleich behandelt. Sie wurden in die Hand genommen, mit einem roten oder schwarzen Farbtupfer versehen und dann in den Versuchskäfig gesetzt. Einmal standen sie dann einem Spiegelbild mit rotem Kehlfleck gegenüber, ein anderes mal dem Bild einer mit ihrer schwarzen Kontrollmarkierung normal aussehenden Elster (Abb. 5). Was würden die Elstern tun?
Um ein quantifizierbares Maß für das Verhalten der Elstern zu erhalten, protokollierten wir 18 typische Verhaltensweisen vor dem Spiegel und analysierten den Anteil an Verhaltensweisen, die auf die eigene Kehlregion gerichtet war: D.h., wenn sich das Interesse der Elstern – nachdem sie im Spiegel den roten Fleck gesehen hatten – auf diese Stelle am eigenen Körper richtete.
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rbin2_00/natur/artikel1/grafiken/B4abb5a.jpg Abb. 5: Elstern beim Markierungstest vor dem Spiegel: “Bin ich‘s oder bin ich‘s nicht?“
Verwirrspiel erhöht Versuchssicherheit
Wie Abb. 6 zeigt, war die auf den Kehlbereich gerichtete Aktivität wesentlich höher, wenn die Elstern einen deutlich sichtbaren roten Fleck hatten, als wenn der Fleck nicht zu sehen war.
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rbin2_00/natur/artikel1/grafiken/montage.gif Abb. 6: Nach dem Blick in den Spiegel „sucht“ die Elster den roten Brustfleck am eigenem Körper. Unter Kontroll- bedingungen mit schwarzem – daher nicht sichtbarem – Brustfleck war dies nicht der Fall.
Um zu prüfen, ob die Elstern nicht einfach auf das Bild von einer Elster mit rotem Kehlfleck z. B. mit Putzverhalten reagieren – Putzen kann bei Vögeln auch Folge erhöhter Erregung sein -, unternahmen wir weitere Kontrolltests. U. a. boten wir den Elstern hinter einer durchsichtigen Glasscheibe anstelle des Spiegels - aber bei einer ansonsten identischen Versuchssituation - eine ausgestopfte Elster entweder mit oder ohne roten Kehlfleck an. In einigen Tests saß diese Attrappe ruhig, in anderen wurde sie bewegt.
In weiteren Tests waren hinter der Glasscheibe lebende Elstern, mal mit und mal ohne Kehlfleck. Das Ergebnis war überzeugend, das Interesse der Vögel richtete sich nur dann eindeutig auf den eigenen roten Kehlfleck, wenn sie sich vis-á-vis zu ihrem Spiegelbild befanden.
Spricht das selbstbezogene Verhalten markierter Elstern vor dem Spiegel nun dafür, dass sich diese Vögel im Spiegel erkennen, vielleicht sogar eine Vorstellung von sich selbst haben? Erbringen sie eventuell sogar höhere Leistungen als viele Affen? Die Wahrnehmung der eigenen Person und die Identifikation anderer, bekannter Artgenossen ist ein äußerst komplexes Phänomen mit vielen Teilkomponenten. Wie viele derjenigen Komponenten, die menschliches Selbsterkennen ermöglichen, im hochentwickelten Gehirn der Elster realisiert sind, wissen wir noch nicht.
Es ist bleibt aber festzustellen, dass Elstern vor dem Spiegel ähnlich reagierten wie Schimpansen und Orang Utans in vergleichbaren Tests, die bei diesen Menschenaffen als Hinweis auf Selbsterkennen interpretiert wurden. Bisher ging man davon aus, dass solches Verhalten Arten, die dem Menschen eng verwandt sind, vorbehalten ist. Wie die Elstern zeigen, hat es sich offenbar auch außerhalb der Primaten entwickelt.
H.Prior, B. Pollok, O. Güntürkün
Vogel-Mami
04. June 2005, 03:58
13.05.05
Rabenvogeltötung in Niedersachsen: Deutscher Tierschutzbund und NABU schalten Brüssel ein
Der Deutsche Tierschutzbund hat jetzt gemeinsam mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) beim zuständigen Generalsekretär der EU-Kommission in Brüssel offiziell die Beschwerde gegen die Tötung von Rabenkrähen und Elstern in Niedersachsen eingereicht. Ziel ist, dass die Landesregierung ihre starre Haltung aufgibt und das Vorhaben schnellstmöglich beendet, da die tierschutzwidrige Tötungsaktion weder rechtlich noch wissenschaftlich begründet werden kann.
Seit Januar 2004 werden im Landkreis Leer Tausende von Rabenvögeln gefangen und anschließend von Jägern erschlagen. Das Tötungsprojekt wird vom Institut für Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover wissenschaftlich begleitet. Erklärtes Ziel der Jägerschaft ist es, den dort eingesetzten Fallentyp „Norwegischer Krähenfang“ wieder landesweit zu legalisieren. Der Einsatz dieses Fallentyps ist nach europäischem Recht grundsätzlich untersagt, da er u. a. nicht mit den Vorschriften der EU-Vogelschutzrichtlinie vereinbar ist. Diese lässt nur dann Ausnahmen zu, wenn der Einsatz bspw. aus wissenschaftlichen Gründen absolut notwendig ist. Genau dies wird unter anderem durch ein vom Deutschen Tierschutzbund in Auftrag gegebenes Gutachten vom Dezember 2004 widerlegt. Eine Stellungnahme der bis 2005 existierenden Niedersächsischen Landesanstalt für Ökologie, mehrere Schreiben des Bundesumweltministeriums sowie die massive Kritik anerkannter Wissenschaftler untermauern, dass das Vorhaben weder ethisch, rechtlich noch wissenschaftlich begründet ist.
Ungeachtet der Kritik wird das Projekt von der niedersächsischen Landesregierung inhaltlich und finanziell unterstützt. Ein Einlenken ist trotz aller vorliegenden wissenschaftlichen Argumente bisher nicht erkennbar. Die niedersächsische Landesregierung hält hartnäckig und scheinbar unbelehrbar an der Massentötung von Rabenvögeln im Landkreis Leer fest und begründet dies mit dem angeblichen Schutz bedrohter Wiesenvögel.
„Wenn die Landesregierung alle wissenschaftlichen Beweise und Mahnungen ignoriert, dass das massenhafte Töten von Rabenkrähen und Elstern mit EU-weit verbotenen Fallen mehr als fragwürdig ist, braucht es offenbar das klärende Wort einer höheren Instanz. Es liegt ein Verstoß gegen EU-Recht vor und den machen wir aktenkundig“, begründet Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, die offizielle Beschwerde bei der EU.
Vogel-Mami
04. June 2005, 04:27
WAIDGERECHTE FALLENJAGD
Fallenfang ist immer grausam. Eine besondere Ausformungdieser abscheulichen Jagdvariante sind die so genannten Lebendköderfallen.
Das Prinzip dieser Methode ist es, lebende, in Fallen gesperrte Tiere als Lockmittel einzusetzen. Welche Arten des Fallenfangs erlaubt sind, welche Tiere damit gefangen werden dürfen, was als Tierquälerei gilt - all das ist und bleibt völlig uneinheitlich und somit unüberschaubar. Auch vom kommenden bundeseinheitlichen Tierschutzgesetz bleiben Jagd- und Fischereigesetz ausgenommen und somit weiterhin den einzelnen Landesgesetzen unterworfen. Was das Jagdgesetz so besonders absurd macht, ist die völlige Willkür dessen, was erlaubt ist und was nicht. Denn das richtet sich nach der Waidgerechtigkeit, und die wiederum bestimmt die Jägerschaft.
Ein Beispiel aus der Steiermark
Wie sich oben Beschriebenes in der Praxis auswirkt, wurde uns vor Augen geführt, als uns im Oktober 2003 ein anonymer Hinweis über eine Lebendkrähenfalle in der Steiermark erreichte. Die Anruferin berichtete uns von einer am Waldrand aufgestellten Falle, in der sich immer einige völlig erbärmlich anzusehende Vögel befänden. Diesem offensichtlich tierquälerischen Zustand wollten wir auf den Grund gehen. Vor Ort wurden unsere Befürchtungen bestätigt. In der ca. 2x3m großen Drahtgitterfalle waren 2 Krähen und 1 Elster gefangen. Der Boden des Käfigs, indem die Tiere vergeblich um ihre Freiheit kämpften, war mit Biomüll bedeckt - dem“Futter” der Vögel. Direkt bei der Falle kam es auch zu einer Begegnung mit dem zuständigen Jäger. Völlig überzeugt von Sinnhaftigkeit und Legalität seiner Falle, schilderte er uns stolz, wie sie funktioniert. Eine Krähe setzt er hinein, die anderen folgen dann selbst durch einen Schlitz im Drahtgitter, durch den sie hinein, aber nicht mehr hinauskommen. Sobald ihm genug Tiere „in die Falle gegangen sind” schießt er sie ab. Dass sich die Vögel beim verzweifelten Versuch der Falle zu entkommen, die Flügel verletzen, hielt ihn nicht davon ab zu sagen, dass es den Vögel doch sehr gut gehe, da sie doch zu essen und zu trinken hätten. Weil der Jäger auch sagte, dass Fallen solcher Art „in dieser Gegend doch an jeder Ecke zu finden seien”, wollten wir der Gesetzeslage dieser tierquälerischen Zustände auf den Grund gehen. Bei der Bezirkshauptmannschaft erhielten wir vom zuständigen Beamten - selbst begeisterter Jäger, sein Büro mit längst verbotenen Fallen dekoriert - folgende Auskünfte: Es existiert eine EU-Richtlinie zumSchutz der Vögel. Beim Beschluss derselben wurde „leider” verabsäumt die 3 „schädlichen” Vögel Krähen, Elstern und Eichelhäher aus diesem Programm auszunehmen. Deshalb haben sämtliche steiermärkischen Bezirke eigene Verordnungen erlassen, die das Bejagen dieser Vögel erlauben. Die steiermärkische Jägerschaft befindet die Jagd auf diese Vögel also als waidgerecht! Außerdem, so der zuständige Beamte wörtlich, „ist laut Jagdgesetz ja ohnehin viel mehr erlaubt, als die Öffentlichkeit verträgt”. Lebendfallen dieser Art sind also erlaubt, sofern sie regelmäßig kontrolliert werden. Dafür wiederum, d.h. für den Begriff der Regelmäßigkeit und für die Art der Kontrolle, existiert nicht einmal eine „waidgerechte” Definition. Fazit: Ausrichten konnten wir leider nichts. Die Jägerschaft macht sich nicht nur ihre Gesetze selber, sie steht quasi auch unter ihrer eigenen Kontrolle. Gesetzlich alles völlig gedeckt.
Mag. Susanne Richter
(Hervorhebungen von "Vogel-Mami")
Vogel-Mami
04. June 2005, 05:19
Pressemitteilung:
„Rabenvögel sind eine Landplage“
CDU-Landtagsabgeordneter Ulf Thiele unterstützt Forschungsprojekt
des Landes
Landkreis Leer 30. Juli 2004.-
„Rabenvögel sind eine Landplage in Ostfriesland.“ Das erklärte der CDULandtagsabgeordnete
Ulf Thiele (Landkreis Leer) jetzt zur Forderung seiner
Grünen-Kollegin Dorothea Stein, die Forschung an Rabenkrähen im Landkreis
Leer einzustellen. Ulf Thiele ist Mitglied des Umweltausschusses des Niedersächsischen
Landtages. „In Osnabrück oder Hannover mögen Rabenkrähen ja
als possierliche Tierchen gelten“, so Ulf Thiele, „im Landkreis Leer sind sie die
schlimmsten Feinde der Bodenbrüter und Wiesenvögel.“
Nachdrücklich sprach sich Ulf Thiele für die Beibehaltung des derzeit laufenden
Forschungsprojektes aus, mit dem die Gefahr der Prädatoren für andere
Tiere wissenschaftlich untermauert werden soll. „Wir brauchen diese Forschungen“,
so Ulf Thiele. Es sei wichtig, dass die Untersuchungen in der betroffenen
Region, im Landkreis Leer, durchgeführt würden.
Forschungsergebnisse aus Nordrhein-Westfalen in diesem Bereich seien
„nicht eins zu eins“ für Niedersachsen umsetzbar, betonte Ulf Thiele. Es müssten
die individuellen Umweltbedingungen berücksichtigt werden. Der CDULandtagsabgeordnete
sprach sich deshalb klar für die weitere Finanzierung
des Forschungsprojektes durch das Landwirtschaftsministerium aus.
Vogel-Mami
04. June 2005, 05:26
Pressemitteilung:
Ziel ist der Schutz der Bodenbrüter
Ulf Thiele widerspricht Kritikern des Rabenvogel-Fangprojektes.
Landkreis Leer, 13. Januar 2005.-
Der CDU-Landtagsabgeordnete Ulf Thiele hat die Tötung von Rabenvögeln
im Landkreis Leer im Rahmen eines Forschungsprojektes verteidigt. „Erforscht
wird, welchen Einfluss die Rabenvogelpopulation auf geschützte Bodenbrüter
hat“, erläuterte Ulf Thiele in Reaktion auf die Kritik von Dr. Johan Altmann aus
Brake. Altmann ist Vorsitzender des Tierschutzbeirates der Niedersächsischen
Landesregierung und hatte ‚Zweifel am Sinn, an der Notwendigkeit und am
wissenschaftlichen Charakter’ dieses Projektes geäußert. Ulf Thiele ist Mitglied
des Umweltausschusses des Niedersächsischen Landtages.
Der wissenschaftliche Charakter der Untersuchung sei unzweifelhaft, so der
CDU-Politiker. Er weist auf die Prüfung und Genehmigung des Projektes durch
den Landkreis Leer und die Bezirksregierung Weser-Ems hin. „Immerhin wird
es von der Tierärztlichen Hochschule Hannover (THH) begleitet und die Ergebnisse
von diesen Experten ausgewertet.“ Dass der Kreisveterinär der Wesermarsch,
Dr. Altmann, die wissenschaftliche Kompetenz der THH anzweifelt,
findet Ulf Thiele bemerkenswert.
„Bei dem Forschungsprojekt geht es eindeutig um den Schutz von Bodenbrütern,
deren Bestand durch die Rabenvögel gefährdet erscheint. Die Untersuchung
wird uns hierüber Gewissheit bringen und mögliche Ansätze für
Schutzmaßnahmen geben“, so Ulf Thiele. Es gebe in Niedersachsen viele
engagierte Vogelschützer, die mit hohem persönlichem und auch finanziellem
Einsatz die geschützten Bodenbrüter vor der Ausrottung zu retten versuchten.
„Wir können und wollen nicht dabei zusehen, wie die unkontrollierte Rabenvogelpopulation
dieses Bemühen zunichte macht.“ Die Zahl der Rabenvögel in
Ostfriesland habe in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Das könne
niemand ernsthaft bezweifeln. In keinem Fall habe das Projekt mit einer unbegründeten
und blutigen Hatz auf Rabenvögel zu tun. Die Fallenkontrolle und die
Tötung der Krähen würden von ausgebildeten Fachleuten durchgeführt, erklärt
der Landtagsabgeordnete in einer Pressemitteilung.
Wenn Dr. Altmann fordere, Alter, Gewicht und parasitären Zustand der Vögel
und insbesondere auch den Mageninhalt der getöteten Tiere zu untersuchen,
dann habe das mit der Fragestellung des Projektes nichts mehr zu tun. „Natürlich
kann man das untersuchen und gleich noch die Spannweite, die Schnabellänge
und von mir aus auch die Zahl der Federn erfassen – doch das hilft nicht
bei der Lösung der in Rede stehenden Fragestellung, ob es einen kausalen
Zusammenhang zwischen Rabenkrähenpopulation und der Population geschützter
Bodenbrüter gibt.“
Auch die Unterstellung, durch die Lebendfallen würden andere Vögel gefangen
und dadurch gefährdet, „ist ausgemachter Unsinn“, erklärte Ulf Thiele.
Richtig sei zwar, dass gelegentlich auch ein anderer Vogel in die Lebendfallen
geraten könne. Diese würden aber täglich kontrolliert und „jeder Vogel, der dort
nicht hineingehört, wird sofort wieder freigelassen“.
Vogel-Mami
04. June 2005, 05:49
Tote Vögel als Abschreckung
Winzer sagen gefräßigen Rabenkrähen den Kampf an/Lärm aus Lautsprechern
http://www.main-rheiner.de/bilder/118719153.jpg
Zwei Winzer hängen in ihren Weinbergen bei Hochheim eine tote Rabenkrähe an einen Pfosten, um deren Artgenossen zu vertreiben, die enorme Schäden an den Reben verursachen.
Foto: dpa
Vom 14.06.2004
Korrespondentenbericht von
Britta Schmeis
FLÖRSHEIM-WICKER In den Weinbergen von Reiner Flick sieht es makaber aus: Tote Rabenkrähen hängen zwischen den Reben kopfüber an zwei Meter hohen Holzpfählen. Aus Lautsprechern ertönen in ohrenbetäubendem Lärm abwechselnd die Angstschreie von Vögeln, Hundegebell, Traktorgeräusche und eine Salve aus einer Schrotflinte. Mit diesem Abschreckungsmix hat der Winzer aus Flörsheim-Wicker den Rabenkrähen mit einer Vorliebe für die Rotweinreben den Kampf angesagt. "Ich seh´ das ganz pragmatisch, schließlich haben die Vögel mir im vergangenen Jahr einen Verlust von 5000 bis 6000 Euro beschert", sagt Flick.
Damit steht der Winzer aus Wicker nicht alleine da. Einem von der Staatlichen Vogelschutzwarte Hessen in Auftrag gegebenen Gutachten zufolge verursachten die Vögel den Weinbauern rund um Flörsheim und Hochheim im vergangenen Jahr Schäden von 228000 Euro. Daher gehen die Winzer nun gemeinsam gegen die schwarzen Angreifer aus den Lüften vor. Im vergangenen Jahr hatten die Winzer erlegte Tiere tiefgekühlt. Zum Frühling tauten sie die Vögel auf und hängten sie in ihre Weinberge.
"Es gibt sicher weniger makabre Möglichkeiten", sagt der Leiter der hessischen Vogelschutzwarte in Frankfurt, Klaus Richarz. Attrappen hält er für die elegantere Lösung. Ansonsten aber befürwortet er das Vorgehen der Rheingauer Winzer vor allem gegen "marodierende Junggesellen". "Die Männchen, die kein Weibchen abbekommen haben und daher nicht mit der Brut beschäftigt sind, haben Langeweile und gehen zu Scharen auf Plünderungszüge in die Weinberge", erzählt der Biologe.
Etwa 3000 bis 5000 Raben- und Saatkrähen leben nach Schätzungen der Vogelschutzwarte in den Pappeln am Mainufer gegenüber den Opel-Werken in Rüsselsheim. Ihre Nahrung finden sie nicht nur in den Weinbergen, sondern auch in der benachbarten Mülldeponie der Main-Taunus-Recycling GmbH (MTR). "Diese Überpopulation ist von den Menschen verursacht", sagt Richarz. Denn selbstverständlich ziehe der Müll die Tiere an. Und auf dem Weg zwischen Kolonie und Deponie legen die Vögel gerne mal einen Zwischenstopp in den Weinbergen ein.
Das haben die Verantwortlichen der Recycling GmbH eingesehen und unterstützen die Winzer mit 15000 Euro. "Wir haben auch ein Interesse daran, die riesige Zahl der Vögel zu vergrämen und legen außerdem großen Wert auf eine gute Nachbarschaft mit den Winzern", sagt MTR-Geschäftsführer Gerd Mehler. Für das Geld haben die Weinbauern bislang sechs der mobilen Lautsprecher-Anlagen angeschafft - Kosten pro Stück: 500 Euro, die Autobatterie, über die die Geräte betrieben werden, nicht mit eingeschlossen.
Doch die schlauen Vögel lassen sich nur schwer austricksen. "Die Rabenkrähen sind außerordentlich intelligent", berichtet Richarz. Die Tiere gewöhnten sich schnell an die Attrappen und begriffen, dass von den Geräten keine reale Gefahr ausgehe. Winzer Flick musste das schon leidvoll erfahren. In einem seiner Weinberge haben sich die gefräßigen Vögel schon wieder zu schaffen gemacht. Dort sind 30 Prozent der Triebe beschädigt.
Vogel-Mami
04. June 2005, 05:57
Rabenkrähen und Elstern
Die Rabenvögel sind eine Familie der Singvögel mit besonders eindrucksvollen Vogelgestalten. In Deutschland kommen acht Arten vor: Kolkrabe, Aaskrähe (mit den Unterarten Raben- und Nebelkrähe), Saatkrähe, Elster, Dohle, Alpendohle, Eichelhäher und Tannenhäher. Alle heben sich von anderen Singvögeln allein schon wegen ihrer Größe ab. Selbst der in Gestalt und Verhalten am ehesten an einen kleineren Singvogel erinnernde Eichelhäher wiegt 170 Gramm, etwa das Zehnfache eines Kleinvogels. Die Krähen sind mit 200 bis 400 Gramm etwa so groß und schwer wie mittelgroße Eulen. Der größte Rabenvogel, der Kolkrabe, ist immerhin so groß wie ein Mäusebussard, bei einem Gewicht von über 1,2 kg. Für vogelkundliche Laien ist es deshalb überraschend, dass es sich bei diesen Vögeln um Verwandte von Amsel, Drossel, Fink und Star handelt.
Unglücksrabe oder Götterbote?
Von den Raben geht eine eigenartige Faszination aus. Bis heute überwiegt jedoch bei den meisten Menschen ein Argwohn gegenüber Rabenvögeln, der seine Wurzeln in der frühen Kulturgeschichte hat. In der römischen und griechischen Antike war das Erscheinen der schwarzen "Raben", ob Kolkrabe, Aaskrähe, Saatkrähe oder Dohle, immer ein Zeichen nahenden Unglücks. Besonders Kriegsunglück und Tod konnten die "klugen" Raben in der Vorstellung der Menschen vorausahnen. Raben folgten den Heeren nicht ohne Grund aufs Schlachtfeld: schon damals war bekannt, dass sie Aas fressen. Die Germanen überließen den heiligen Tieren des Kriegsgottes Wotan, den Wölfen und Raben, sogar ganz bewusst ihre Gefallenen auf den Schlachtfeldern. Raben waren Sendboten aus der Welt der Götter. Zwei Raben, Hugin und Kunin, saßen immer auf der Schulter Odins und berichteten ihm, Gedanke und Erinnerung verkörpernd, was in der Welt passiere.
Auch die Elster galt immer als besonders gehasster Unglücksbote: sie verkörperte im heidnischen Mitteleuropa den Vogel der Todesgöttin. Saatkrähen, Dohlen und Aaskrähen waren nicht nur schwarze Unglücksvögel, sondern darüber hinaus auch deshalb schon immer besonders unbeliebt, weil sie den Bauern Samen auf den frischbestellten Feldern oder Früchte "stahlen". Die Krähen wurden deshalb als "Galgenvögel" zur Abschreckung von Artgenossen tot in die Felder gehängt. Bis in die Gegenwart war das "schwarze Gesindel" Ziel intensiver Verfolgung und Vernichtung. So ist es kein Wunder, dass diese zwiespältige Beziehung zwischen Menschen und Rabenvögeln trotz vieler neuer Erkenntnisse der Biologie noch immer nachwirkt. Das zeigt sich besonders, wenn über ihren Schutz diskutiert wird.
Bejagung von Rabenkrähen und Elstern
Wie alle anderen europäischen Vogelarten auch, gehören die Rabenvögel zu den gesetzlich besonders geschützten Arten. Nach § 42 Abs. 1 Nr. 1 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) ist es verboten, wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Entwicklungsformen, Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören.
Bis zur Neufassung des Niedersächsischen Jagdgesetzes war die Bejagung von Rabenvögeln grundsätzlich verboten. Lediglich zum Schutz der heimischen Tierwelt und zur Vermeidung erheblicher landwirtschaftlicher Schäden war eine Bejagung von Rabenkrähen und Elstern als genehmigungspflichtige Ausnahme möglich.
Nach Neufassung des Niedersächsischen Jagdgesetzes vom 16.03.2001 unterliegen Rabenkrähen und Elstern dem Jagdrecht. Außerhalb festgelegter Schonzeiten ist somit eine Bejagung durch den zuständigen Jagdausübungsberechtigten ohne eine erforderliche Genehmigung möglich geworden. Den zuständigen Jagdausübungsberechtigten nennt Ihnen die untere Jagdbehörde (http://www.landkreis-verden.de/index.cfm?content=http://www.landkreis-verden.de/bauen/naturschutz/rabenkraehen-elstern.cfm), die im Ordnungsamt des Landkreises angesiedelt ist.
Gegen die anderen Rabenvogelarten sind im Einzelfall und unter bestimmten Voraussetzungen lediglich Vergrämungsmaßnahmen außerhalb der Brut- und Aufzuchtzeiten möglich. Über diese Anträge entscheidet die untere Naturschutzbehörde (Landkreis Verden).
Kontakt:
Für weitere Fragen nehmen Sie bitte mit uns Kontakt (http://www.landkreis-verden.de/index.cfm?content=http://www.landkreis-verden.de/bauen/naturschutz/rabenkraehen-elstern.cfm) auf.
Vogel-Mami
04. June 2005, 06:09
Schwarze Gesellen - Mythen, Meinungen und Fakten zu den Rabenvögeln
Kurzfassung des Vortrags von Prof. Dr. Josef H. Reichholf, Zoologische Staatssammlung München, gehalten in Gräfelfing am 28.1.2002
Von November bis März fallen in München große Krähenschwärme auf. Sieht man etwas genauer hin, so stellt man fest, dass Saatkrähen überwiegen, darunter mischen sich Rabenkrähen und Dohlen. Die Krähen sind Wintergäste, im Sommer sind sie in Osteuropa. Tagsüber auf Futtersuche in den Feldern, versammeln sie sich abends an ihren gemeinsamen Schlafplätzen im Englischen Garten, im Olympiapark und in Nymphenburg. Das letzte mal wurden die Krähen vor 25 Jahren gezählt, die Vogelkundler kamen auf ca. 50.000 Vögel (Saatkrähen, Rabenkrähen und Dohlen). Doch die Zahlen haben bis heute stark abgenommen.
Zur Biologie der Krähen (Rabenvögel)
Die Familie der Krähen gehört zu den Sperlingsvögeln, sie sind somit Singvögel. Ihre bekanntesten Arten: Alpendohle, Dohle, Saatkrähe, Nebelkrähe, Rabenkrähe, Eichelhäher, Kolkrabe, Elster. Die Krähen sind ausgesprochen intelligent, anpassungsfähig und haben ein kompliziertes Sozialverhalten.
http://natur-5seenland.de/Service/Nachlesen/Kolkrabe.jpg Kolkrabe
Kolkrabe
Der Kolkrabe ist unser größter Singvogel (Länge 65 cm) und hat einen sehr kräftigen schwarzen Schnabel. Er hat so gut wie keine natürlichen Feinde, selbst der Steinadler hat Respekt vor ihm. Vorkommen: in Bayern fast ausschließlich in den Alpen und in größeren Wäldern. Nahrung: Allesfresser, vor allem Aas, in den Alpen verendetes Wild, aber auch Kleinsäuger und vegetarische Nahrung. Der Kolkrabe ist auf der ganzen nördlichen Halbkugel verbreitet. Ende des 19. Jahrhunderts war er in Deutschland fast ausgerottet. Er überlebte in Schleswig-Holstein und im Alpengebiet. Der Kolkrabe ist ganzjährig von der Jagd verschont, dadurch konnten sich die Bestände wieder erholen.
http://natur-5seenland.de/Service/Nachlesen/Rabenkraehe.jpg Rabenkrähe
Rabenkrähe Aaskrähe (Nebelkrähe, Rabenkrähe)
Von der Aaskrähe gibt es 2 Unterarten: Nebelkrähe und Rabenkrähe. Die Nebelkrähe hat graues Gefieder und ist östlich der Elbe beheimatet. Die Rabenkrähe ist der Saatkrähe ähnlich, hat aber rein schwarzes Gefieder und kräftigen schwarzen Schnabel (Länge 47 cm). Nahrung: Allesfresser – Würmer, Schnecken, Insekten, Amphibien, Nestlinge und Eier von Vögeln, vor allem Aas, daneben auch Früchte, Sämereien, Abfälle aller Art.
Brutverhalten: Die Rabenkrähen sind in 2 Gruppen geteilt: in Rabenpaare, die ein Brutgebiet besetzt haben und in Gruppen von Nichtbrütern („Junggesellenschwärme“). Untersuchungen haben ergeben, Rabenkrähen, die ein Brutgebiet haben, verteidigen dieses Gebiet gegen Konkurrenten. Nur wer ein Brutgebiet hat, kann sich fortpflanzen. Die Nichtbrüter-Schwärme besetzen jedoch die besten Nahrungsplätze (z.B. Müllhalden), da sie diese gemeinsam verteidigen. Die nichtbrütenden Rabenschwärme sind Nesträuber, auch bei Rabenkrähen! Dies ist ein starker Regulierungsmechanismus innerhalb der Rabenkrähen.
http://natur-5seenland.de/Service/Nachlesen/Saatkraehe.jpg Saatkrähe
Saatkrähe
Die Saatkrähe ist der Rabenkrähe ähnlich, gleiche Größe, Unterschiede: stärker blauschillerndes schwarzes Gefieder, langer schlanker Schnabel. Bei Altvögeln ist die Schnabelwurzel weißlich unbefiedert. Nahrung: Raupen, Käferlarven, Schnecken, Drahtwürmer, Mäuse, Samen. Saatkrähen sind keine Nesträuber!
Saatkrähen brüten in Kolonien, Rabenkrähen nicht. Saatkrähen sind bei uns als Brutvögel vom Aussterben bedroht. Um 1900 gab es noch ca. 11.000 Brutpaare in Bayern, heute schätzt man sie auf ca. 3.000 Brutpaare. Die Saatkrähe steht auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten in Bayern
Zur Mythologie der Raben
Die Raben haben heute einen schlechten Ruf. Das war nicht immer so. Raben sind bei den Germanen wichtige Vögel – sie begleiten Wotan (= Odin, Vater und Herrscher aller Götter). Seine zwei schwarzen Raben Hugin (Gedanke) und Munin (Gedächtnis) flogen täglich hinaus, um überall auf der Welt Neuigkeiten zu sammeln. Im Mittelmeerraum wurden die Raben als Aasfresser nicht sehr geschätzt. Das Christentum, das ja aus dem Mittelmeerraum kommt, verteufelt die Raben und setzt dagegen die Taube (Friedenstaube).
Was kann man gegen den unbegründet schlechten Ruf der Rabenvögel tun? Vorschlag von Prof. Reichholf: Sobald wir wieder Krähen und Dohlen aufziehen und als Haustier und Kamerad halten, werden wir wieder ein normales ungetrübtes Bild des Raben bekommen – und von seiner Intelligenz überzeugt werden.
Anmerkung zur Jagd
Alte Rabennester sind bei einigen Vogelarten, die selbst kein Nest bauen, sehr begehrte Nisthilfen (Waldohreule, Turm- und Baumfalke). Deshalb ist die alte Jagdpraxis abzulehnen, im Frühjahr Krähennester auszuschießen. (Fotos: Bajohr)
Weitere Informationen finden Sie z.B. unter http://www.rabenvoegel.de
Vogel-Mami
04. June 2005, 06:28
Bedrohte Vogelarten: Saatkrähen, ihr Krach macht die schwarz beschwingten Müllmänner unbeliebt
von Wolfgang Alexander Bajohr
http://natur-5seenland.de/Bedr.Vogelarten/Saatkraehen.verliebt_small.jpg Verliebte Saatkrähen
Rook ist ein riesengroßer Vogel. Wenn er mit vielen seiner dunklen Gefährten auf schmalen schwarzen Schwingen leicht und behände durch die Lüfte gleitet, rudert er selbst bei starkem Sturm so kraftvoll schlagend dagegen an, dass ich nur Achtung vor dem Vogel haben kann. Auch wenn er auf die Wiese einschwenkt, sich senkrecht gegen den Wind stellt und sanft aufsetzt, flößt er Respekt ein, denn er ist fast einen halben Meter lang. Neben ihm hat seine Frau aufgesetzt, und der flüstert er
liebevoll quarrend Freundlichkeiten ins Ohr, die für manche Menschen nur ein hässliches Krächzen sind. Sie sehen auch nicht die Schönheit des mächtigen Vogels, der für sie nur ein Rab’ und damit ein Schädling ist, der nebst Anverwandten nichts anderes im Sinn habe, als Lärm zu machen und die Jungen der Singvögel zu fressen. Für Rook ist das Dummheit, denn er ist ja selber ein Singvogel, und das nicht nur nach Meinung seiner Frau, sondern ganz offiziell nach dem Vogelbuch. Dann müsste man die Amsel ja auch zu den Rabenvögeln zählen, denn die ist viel schwärzer als er, und ihr wunderschönes Flötenlied kann morgens auch ganz schön lästig sein, wenn jemand schlafen will.
Als die Sonne durchbricht, da wird der Rook erst richtig schmuck. Wer jetzt sein Fernglas hebt und ihn genauer ansieht, der muss staunen, wie wunderschön bunt der sonst so schwarze Vogel ist, denn in vielen metallischen Farben schillert sein Gefieder als habe ein Goldschmied es entworfen. Mit wechselndem Farbenspiel erfreut Rook den Vogelfreund. So schrieb schon Löns: "Ein blankes Krähenpaar auf der grünen Aprilsaat, der gelben Auguststoppel oder einem weißen Schneefeld, ein Krähenflug, der unter dem blaugrau und rosenrot getönten Abendhimmel dahinzieht, der zärtliche Balzruf der Krähen im kahlen Vorfrühlingswald, ihr Krächzen im sturmzerzausten Herbstwalde, das alles gehört zur deutschen Landschaft. Behalten wollen wir sie in der Landschaft, die blanken klugen Krähen, Deutschlands interessanteste Großvögel."
Rook versteht die Welt nicht mehr
Wenn die Nachtigall ihr Liebessehnen in der Mondnacht flötet, schluchzt und schlägt, dann hat man ihr Gedichte gewidmet und Musikkompositionen. Vom Frühlingsflöten der Amsel, da schwärmen sie, obwohl der Vogel sie lange vor dem Weckerrasseln weckt. Und das Tirilieren der Lerche ahmen sie mit Geigen nach und bauen sie in die Poesie des Himmels ein. Rook versteht die Welt nicht mehr, denn auch er ist ein Singvogel, der seiner Angebeteten ein Liebeslied singt, wenn auch ein ganz bescheidenes. Rook übt schon im Vorfrühling auf seiner Singwarte und sorgt für Kurzweil. Früher habe ich geglaubt, dass Krähen nur harsche, harte, krächzende Stimmen haben. Heute weiß ich, wie sanft und zärtlich sie reden. Auch wenn seine Frau ganz alleine auf den Eiern brütet, hockt Rook mit eingezogenem Kopf daneben. Ein wenig gluckernd und krächzend klingt sein Stakkatolied, aber er hat halt nichts anderes gelernt als "Krah" in verschiedenen Tonlagen und jene Sammlung von zärtlichen gutturalen Lauten, die nur seine Frau versteht. Und weil nun Rook sein Nest immer in Gesellschaft mit anderen baut und, aus einem Schutzbedürfnis heraus, auch immer in der Nähe von Menschen, denen er traut, geht denen zuweilen das ewige dezente Geplärre auf die Nerven.
Bei uns ist das noch harmlos, infernalisch war es einst, als es die großen Brutkolonien mit bis zu 2000 Paaren noch gab. Aber diese Zeit ist hier längst vorbei. Erst in der Summe wird das dezente "Krah, krah" zum Schmerz, der Ohrennerven fast betäubt. So große Kolonien gibt es in Deutschland nicht mehr. Aber auch wenn in Mecklenburg heute noch 400 Saatkrähenväter gleichzeitig und sanft "Krah, krah" sagen und 400 Ehefrauen sanft und leise "Gahk, gahk" antworten, ist das schon eine Sache, die sich kaum einer vorstellen kann. Jedes Paar zankt mit dem benachbarten um Baumaterial fürs Nest, weil Zweige einer ganz bestimmten Größe bei so vielen Vögeln ein Wertgegenstand sind. Und wenn einer nicht aufpasst, dann stiehlt ihm der Nachbar die Zweige unter dem Hintern weg und gibt seinen Kommentar dazu. Auch der Bestohlene plärrt und krächzt. Wenn bei einer Störung die Wolke schwarzer auffliegender Vögel die Sonne verfinstert, dann steigert sich ihr kollektiver Gesang zu einem infernalischen Krach, der sich verdreifacht, wenn die Jungen geschlüpft sind und die Eltern um Futter anbetteln. Sie rufen noch nach Sonnenuntergang, und sie beginnen zu singen, ehe die Sonne sich wieder erhebt. Nur in der eigentlichen Nacht ist Ruhe, und natürlich, wenn die Brutzeit vorbei ist. Das geht schnell. Denn knapp drei Wochen brüten sie, und weitere 3 Wochen füttern sie ihre Kinder. Dann ist Ende mit dem Krach, der nur in den Riesenkolonien wirklich unerträglich ist.
Saatkrähenvater Rook ist jetzt 20 Jahre alt, das lässt sich an seinem Aluminiumring ablesen. Weil er in dieser kleinen Kolonie, in diesem kleinen Wald, inmitten von Kulturlandschaft und Ort großgeworden ist, weiß er, dass es immer schon eine ganz kleine Kolonie war, mit nicht mehr als 30-40 Horsten. Ganz genau hat man sie in den dichten Fichten niemals zählen können. Zusammen mit einer ebenso kleinen Kolonie bei Haar/Ottobrunn, sind es die einzigen brütenden Saatkrähen im Großraum München. Mehr als 1500 Brutpaare gibt es in ganz Bayern nicht. Mit einem Paar pro 5500 Einwohner sind Saatkrähen noch seltener als der seltene Brachvogel. Darum hätten die Gilchinger stolz auf ihre Saatkrähen sein können. Aber es hat immer schon empfindliche Leute gegeben, die nach der Feuerwehr rufen oder nach dem Jäger. Aber seit 1980 stehen diese Vögel unter Naturschutz und 1986 sind sie gar als Vogel des Jahres ein Symbol für bedrohte Arten geworden, denn in manchen Gebieten sind sie ausgestorben, in anderen auf 1/10 bis 1/20 des alten Bestandes zurückgegangen. Mit dem Absterben der alten Fichten und Ausweisung des Geländes als Baugebiet, verschwindet auch die Kolonie in Gilching. Die Vögel ziehen um nach Hechendorf am Pilsensee.
Profitiert haben sie bei uns von der Kultursteppe des Flughafens aber auch vom weichen Moorboden im Teggermoos. Ihr Wald war so klein wie sie es gerne haben, und die Autobahn hat sie so wenig gestört wie die Häuser der Siedlung, die immer näher herangerückt sind. So mancher Baum wurde umgesägt, denn Wald wurde Baugrund. Mancher Horstbaum stand auf einmal mitten im Garten, weil die Menschen sich inmitten dieser Kolonie angesiedelt haben. Hernach staunen sie nicht schlecht, wenn der ganze Plastikmüll, Bindfäden und Papier, die Saatkrähen in der Landschaft zusammenlesen und in ihre Nester einbauen, von oben auf Dächer und Gärten herabrieselt. Aber die Vögel haben das Plastikzeug ja weder erfunden noch fortgeworfen, und sie haben sich mit den Menschen trotz ihres älteren Wohnrechtes arrangiert und haben die Siedler geduldet, trotz deren Stereoanlagen. Ihr Verderben waren erst die umgesägten Horstbäume. Schlimmer noch war, dass der Sturm auch noch den Rest umgeknickt und der Borkenkäfer sie zum Absterben gebracht hat. Da haben sich die meisten Saatkrähen neue Horstbäume suchen und ganz neue Nester bauen müssen. Die aber stehen in Hechendorf in einem neuen kleinen Wald. Hier müssen Menschen erst lernen, dass bedrohte Vögel auch ein Lebensrecht haben. Jene 6-8 Wochen bleibt den Menschen nur die Wahl, sich mit ihnen anzufreunden oder die Ohren zuzustopfen. Der Jäger, nach dem auch hier gerufen wird, kann nicht helfen, denn er würde seinen Jagdschein verlieren, weil diese Vögel nicht dem Jagdrecht unterliegen, sondern unter Naturschutz stehen.
http://natur-5seenland.de/Bedr.Vogelarten/Saatkraehen.schwarm_small.jpg Saatkrähenschwarm
Eine Krähe, die eigentlich keine Krähe ist
Rook ist allerdings auch der Meinung, dass er gar keine Krähe ist, sondern sich von dem "Gesindel" gründlich unterscheidet. Für ihn spricht nicht nur sein buntes Gefieder, sondern auch sein Speisezettel. Für seinen unglücklichen Namen Saatkrähe kann der Vogel nichts, denn der ist fast Rufmord. Auch die Ornithologen weisen auf viele Unterschiede hin, die Saatkrähen von echten Krähen unterscheiden, und so heißen Saatkrähen in anderen Staaten der EU nicht Krähe, sondern Rook, Roek... etc. So hat auch der Vogel dieser Schilderung seinen Namen Rook bekommen. Rook isst keine Vögel, nicht ihre Eier und auch keine Junghasen. Eigentlich sollten die Bauern ein Denkmal für ihn bauen, weil er sie von Feldmäusen und Schadinsekten befreit, und das ganz ohne Chemie.
Rook ist ein stolzer Vogel, und wenn er mit wiegendem Gang über die Wiesen schreitet, schaut er aus, als hätte er Schlotterhosen angezogen. Sein ganzes Federkleid wirkt drei Nummern zu groß, denn es hängt mit seiner ganzen Konstruktion ein wenig schlapp herab. Im Flug sind Saatkrähen schlanker und die Flügel sind schmaler, der Schwanz ist runder als bei Rabenkrähen. Sie schlagen kräftiger und auch elastischer mit den Flügeln und segeln häufiger. Am deutlichsten unterscheiden sie sich durch den Schnabel. Bei Saatkrähen ist er lang und spitz, und weil sie ihre Nahrung unter der Erde suchen, ist am Ende beim Gesicht kein Federkleid. So steht ihnen die Art des Broterwerbs schon ins Gesicht geschrieben. Wer sie ohne Vorurteil betrachtet, muss sie achten.
Mit seiner Frau lebt Rook in Dauerehe für ein ganzes Vogelleben, und wenn sie nicht gerade brütet, sind beide stets zu zweit unterwegs. Drei Dinge sind es noch, die Rook besonders schätzt: einen Lebensraum mit reichlich Nahrung, hohe alte Brutbäume wo man ihn in Ruhe lässt und eine weite übersichtliche Kultursteppe mit weiter Rundumsicht. Kombiniert man das, dann will er keinen Wald, sondern kleine Feldgehölze und Wiesen mit weichen feuchten Böden. Damit ist Rook Kulturfolger.
http://natur-5seenland.de/Bedr.Vogelarten/saatkraehe.paar_small.jpg Saatkrähenpaar
Eine Mülldeponie im Wald meidet er. In offener Landschaft stürzen sie sich scharenweise drauf. Ihr Leben und Brüten im Sozialverband hat viele Vorteile. Darum will er Gesellschaft, weil viele Augen mehr sehen, als nur vier. Und Feinde lassen sich gemeinsam besser vertreiben. Viele Tiere verständigen sich auch über Futtervorkommen, und sie nutzen es gemeinsam besser, weil immer jemand aufpasst und warnt. Saatkrähen sind sozial hoch entwickelte Vögel, die ihr ganzes Verhalten und ihre Neigungen auf das Gemeinschaftsleben abstimmen, auch auf der Winterreise und in der Brutkolonie.
Anfang März, wenn die Sonne Kraft gewinnt und die Tage länger werden, verspürt Rook ein seltsames Sehnen und beginnt seine Ehefrau zärtlich zu umwerben. Das ganze Jahr über suchen sie gemeinsam Futter und schlafen dicht gedrängt auf dem gleichen Ast. Sie reisen gemeinsam in den Winterurlaub, und nun bessern sie gemeinsam ihr altes von den Winterstürmen zerzaustes Nest aus. Mehr als sonst kraulen sie sich mit dem Schnabel. Er sagt zärtlich "krah" und sie "groh". Manchmal sitzt er auch auf dem Nachbarhorst, entfaltet den Schwanz zu einem Rad wie ein Auerhahn, lässt die gelifteten Flügel herabhängen, streckt den Hals weit vor und singt. Er fliegt zu seiner Frau, und das Spiel wiederholt sich. Streckt er den Hals vor, reckt sie ebenfalls den Hals, und die Schnäbel berühren sich zärtlich. Sie duckt sich, zuckt bettelnd mit den Flügeln, spielt Kind und sagt ganz hell "kruu, kju". Sie bettelt Rook an, und manchmal füttert er sie dann richtig, zuweilen spielt er das auch nur. Bald fliegen sie auf das Nest, und paaren sich dort. Selbst während des Brütens, zuweilen, wenn er sie füttert, verpaaren sie sich immer mal gelegentlich. Vorher verbeugt er sich, spreizt den Schwanz und singt.
Normaler Weise bessern sie ihre alten Nester aus. Sind die herabgeweht, oder muss die Kolonie umziehen, weil die Horstbäume weg sind, pflücken sie sich neue Zweige von den Bäumen. Sehr gerne stibitzen sie sich aber auch gegenseitig das Baumaterial. Fertige Nester sehen wie lockere Reisighaufen aus, die mit Grasbüscheln, trockenem Mist, Moos, Erde, Papier- und Plastikmüll ausgepolstert sind. Nachbarn beachten sich kaum, auch nicht wenn Rook nebst Frau auf dem Nestrand hockt und sie im Rufduett lärmen. Gegen fremde Vögel verteidigen sie den Nestbereich. Aber für manchen Vogel ist so ein Krähennest wichtig. So brüten dort Waldkauz und Waldohreule, oder Turmfalken, die keine eigenen Nester bauen können. Zuweilen siedeln sich auch Reiher an. Keine Baumart wird bevorzugt, und sie wechseln auch von einer auf eine andere. Nur sind bei uns die Nester immer sehr hoch. Ich sah sie in Schweden neben Tankstellen mit viel Betrieb in nur 5 m Höhe, und in Russland haben sie am Boden in einem Schilffeld gebrütet.
http://natur-5seenland.de/Bedr.Vogelarten/Saatkraehe.jung_small.jpg Junge Saatkrähe
Ihre 3-6 Eier legt Frau Rook im Abstand von 2 Tagen und brütet oft vom 1. Ei an zeitweise und vom letzten Ei an ständig. Wenn sie für einen Bewegungsflug vom Nest geht, passt er derweile auf. Nach 16-20 Tagen schlüpfen die Jungen, und die werden nach 28-30 Tagen flügge. Natürlich sagen auch die Kinder schon "kroh", aber viel gequetschter, bettelnder und drängender, dass es zuweilen an Eichelhäher erinnert.
Manche zerschellen vor dem Ausfliegen unter dem Horst, andere fängt tags bald danach der Habicht oder nachts der Uhu. Die Eltern führen sie zwar in das feindliche Leben ein, aber nur 1/3 überlebt. Weil sie erst mit 2 Jahren geschlechtsreif werden, finden sich Jungvögel in Junggesellengemeinschaften mit bis zu 200 Vögeln zusammen. Die schlafen in der Nähe der Brutkolonie und sind besonders zum Lärmen aufgelegt.
Bauern sollten Rook ein Denkmal setzen
Tagsüber durchstreifen Saatkrähen paarweise die Umgebung ihrer Kolonie. Oder ein ganzer Schwarm rückt auf die umliegenden Wiesen aus. Feuchte weiche Wiesen sind ihnen am allerliebsten. Wo Menschen Wiesen umbrechen, um Maisäcker daraus zu machen, müssen Saatkrähen auf die Felder ausweichen. Da gibt es zuweilen dann Schaden an frisch aufgegangener Saat oder herausgepickten Körnern. Auf Wiesen gibt es niemals Schaden. Aber selbst im Umfeld von Großkolonien mit mehreren hundert Paaren ist nie mehr als 0,5 % der Saat ausgefallen, wie Biologen untersucht haben. Aber es ist müßig zu streiten, ob sie nützlich oder schädlich sind.
http://natur-5seenland.de/Bedr.Vogelarten/Saatkraehe.acker_small.jpg Saatkrähe.Acker
Die Saatkrähen bezahlen den Schaden den sie anrichten tausendfältig, weil sie mehr Feldmäuse und Schadinsekten vertilgen, als sie Schaden stiften. Schon in Zeiten vor der chemischen Schädlingsbekämpfung erkannte man, dass der Nützling Saatkrähe eine Massenvermehrung von Schädlingen mit sehr hohen Ernteausfällen biologisch verhindert. Weil man Gewölle und den Mageninhalt untersuchte, weiß man ganz genau, was sie essen.
Das sind Feld- und Wühlmäuse, Drahtwürmer und Engerlinge, Getreidekäferlarven, Erdraupen, Schnecken, Rüsselkäfer, Dung- und Schildkäfer, Ohrwürmer, alle Arten von Heupferden und Maulwurfsgrillen, Feldwanzen, Kohlschnaken, aber auch mal ein Fröschlein.
Ihre Schnäbel sind Spezialwerkzeuge
Ein Beobachter hat mir erzählt, dass die schlauen Saatkrähen auf einem abgeernteten Maisfeld eingefallen sind, wo sie die Raupen des Maiszünslers entdeckt hatten, die sich in die Maisstoppeln zurückziehen. Um an diese Beute zu gelangen, müssen sie ihre ganze Kraft aufwenden und die Stoppeln mit dem Schnabel zerschlagen. Eine auch für diese großen Vögel mühevolle Arbeit, an deren Ende der Lohn von nur einer oder zwei fetten Raupen winkt. Sie wissen aber stets genau, welche Stoppel besetzt ist und welche nicht, denn immer hatten sie Erfolg.
Bevorzugt sucht Rook seine Nahrung unter der Erde, ganz im Gegensatz zur Rabenkrähe, die sie obenauf sucht und bis zu 30 % ihrer Nahrung auch aus Eiern und Jungvögeln bestreitet. Das darf man nicht der Saatkrähe anlasten, die überwiegend von Pflanzen, den aufgezählten Kleintieren und allerhand Abfall lebt. Auch Rook ist ein Generalist, der sich auf den Mülldeponien liebend gerne mit Gummiringen vollstopft, obwohl er die gar nicht verdauen kann. Doch die Jungen zieht Familie Rook vorzugsweise mit der eiweißreichen Insektennahrung auf. Nur im Umfeld von Mülldeponien stiften Saatkrähen, nach Untersuchungen, auf den Feldern verstärkt Schaden. Zwar kennt man nicht den Grund, aber Betreiber von Deponien sind wiederholt zu Schadenersatz verurteilt worden. Mag sein, dass sie die Wintervögel vermehrt anlocken.
http://natur-5seenland.de/Bedr.Vogelarten/saatkraehe_small1.jpg Saatkrähe
Die schmalen spitzen Saatkrähenschnäbel haben an der kahlen Schnabelwurzel keine Federn. Die würden sich auch abnutzen, wenn die Vögel dauernd unter der Erde herumgraben, um Samen und Beutetiere aufzuspüren. Die spitze Pinzette ist hervorragend, wenn es gilt aus schmalen Spalten etwas herauszuziehen. Rook stößt seinen Schnabel in die Erde und pflügt voranschreitend knabbernd den Boden durch. Oder er stößt ihn in das Mäuseloch und pflügt dann rüttelnd den Gang auf, bis er im Nest mit den leckeren rosa Mäusebabys landet. Beim Ackern spreizt er den Schnabel etwas und eggt dann lockernd mit drehenden Bewegungen die Erde, was sicher eine sehr anstrengende Methode ist. Darum lieben Saatkrähen auch lockere feuchte Böden, und sie leiden nicht im Winter Not, sondern im Sommer, wenn die Erde steinhart austrocknet.
Dann kann man nur noch Hälmchen für Hälmchen mit dem Pinzettenschnabel aufheben und schauen, was darunter sitzt oder liest Körnchen und kleine Beutetiere von der Oberfläche ab. Saatkrähenschutz heißt also: Blumenwiesen erhalten. Wenn am Morgen die Wiesen voller Reif und Tau sind, könnte Rook auch im warmen Boden erfolgreich nach Beute graben. Dann aber wandelt er gerne würdevoll schreitend durch das nasse hohe Gras, um kältestarre Insekten einfach von den Gräsern abzupicken.
Saatkrähen auf der großen Winter-Reise
Kaum eine andere Vogelart macht das Phänomen des winterlichen Vogelzuges so bewusst wie die Saatkrähe. Die Vögel sind nicht zu überhören, denn das "Krah krah" mischt sich mit dem "Jack, jack" der im Zug mitziehenden Dohlen. Großen Heerscharen gleich, überfluten sie auch den Großraum München. Das eindrucksvolle Schauspiel vom Zug der oft gleichzeitig fliegenden 10.000, in manchen Jahren auch 25.000 Saatkrähen, kann überwältigend sein. Und weil die Partner vor dem Einschlafen miteinander reden, verstärkt sich der Lärm an dem Hauptschlafplatz in der Aubinger Lohe zu einem Orkan. Dieses Massenauftreten ist für uns verwirrend, denn warum soll der Vogel selten sein? Doch im Münchner Raum gibt es nicht einmal 100 Brutpaare. Sie ziehen im Winter ebenfalls fort, nicht weiter als längstens 400 km nach Südwesten.
Die uns besuchenden Wintergäste haben aus Osteuropa 1500 km hinter sich, jene aus den russischen Steppen sind gar 3000 km weit angereist. Sie ziehen dann 2500 m hoch mit mehr als 50 km/h Reisegeschwindigkeit als eine schwarze Wolke unendlich vieler Vögel. Hier überwinternde Gäste ziehen morgens vom Schlafplatz in breiter Front unter 300 m Flughöhe westwärts auf die Felder im Teggermoos bei Gilching, in das Ampermoos und westwärts zum Lechfeld und darüber hinaus. Abends kehrt sich der Zug um, und sie streben Zwischenrastplätzen bei Freiham zu und dem Aubinger Friedhof. Ganz schlaue, die den Tag in den nahrhaften Anlagen in München verbrachten, sammeln sich im Nymphenburger Park. Wenn dann die Abendsonne ihr schillerndes Gefieder vergoldet, erheben sich auf einmal alle und streben dem Hauptschlafplatz zu. Erst wenn es dunkel wird, herrscht dort Ruhe, und diese Ruhe brauchen sie, denn jedes Auffliegen kostet in der nahrungsarmen Zeit unnötig Energie. Wenn auch bei uns tiefer Schnee fällt und klirrende Kälte einsetzt, zieht die Mehrzahl westwärts in mildere Gefilde. Nur jene, die sich mit den Menschen angefreundet haben und an bestimmten Plätzen Gemüsereste, Kartoffeln und Reis vom Mittagessen abbekommen, bleiben hier, solange die Tierfreunde Spaß an den putzigen und zutraulichen Vögeln haben. Für den Artenschutz mag das bedeutungslos sein. Es hilft auch nicht unseren Brutvögeln, aber es ist immer ein kleines Glück für jene, die Zwiesprache zu einem Wildtier suchen.
Spätestens im März ziehen alle in ihre Brutgebiete zurück. Während die noch ins ferne Russland fliegen, ist auch Rook mit seiner Frau längst wieder in der Kolonie, und er singt ihr von seiner Singwarte sein Frühlingslied vor. Wir müssen nur lernen, dass Saatkrähe nicht gleich Saatkrähe ist, dass also trotz des Massenansturms im Winter, unsere wenigen Brutvögel bei uns eine seltene und bedrohte Art sind. Wir sollten dankbar sein, dass sie bei uns noch brüten und Schutz in unserer Nähe suchen. Ein Vertrauen, das sie nur wenige Wochen von uns beanspruchen. Weder die Feuerwehr, noch der Jäger kann oder darf das ändern. Der will das auch gar nicht, da es nicht seine Aufgabe als Jäger ist, ein Tier nur darum zu vertreiben oder zu töten, weil seine normale Lebensart für unsere Ohren mit Lärm erfüllt ist. Wir dürfen sie nicht unter unseren Vorurteilen leiden lassen. Auch die Saatkrähe Rook ist uns als Mitgeschöpf anvertraut. Darum wollen wir den zutraulichen Vogel in unserer Nähe dulden, um ihn auch für kommende Generationen zu erhalten.
siehe auch: Schwarze Gesellen (http://natur-5seenland.de/Service/Nachlesen/Raben.htm) - Mythen, Meinungen und Fakten zu den Rabenvögeln
Vogel-Mami
04. June 2005, 09:23
Fragwürdige Forschung: Massentötung von Rabenvögeln im Landkreis Leer
Seit Anfang 2004 läuft im Landkreis Leer (Niedersachsen) eine Massenvernichtung von Krähen und Elstern, die der Vorsitzende der Jägerschaft Niedersachsen und Leiter des Institutes für Wildtierforschung (IWFo) der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Prof. Dr. Dr. habil. Klaus Pohlmeyer als „Wissenschaftliche Forschung“ bezeichnet.
http://www.tierschutzbund.de/typo3temp/28286715d5.jpgRabenkrähe © Achim Köpf
Tausende Rabenkrähen und Elstern haben die ostfriesischen Jäger bereits in Krähenmassenfallen gefangen und anschließend erschlagen – in Fallen, die als „Norwegischer Krähenfang“ bezeichnet werden und in der gesamten EU (auch in Deutschland) verboten sind, denn die EU-Vogelschutzrichtlinie verbietet es Fangmethoden einzusetzen, die nicht selektiv sind.
Die Jäger möchten klären, „ob der Fallenfang ein effizientes und praktikables Mittel ist, die Bestandsdichte der Rabenvögel und Elstern zu verringern“. Das Projekt wird vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium finanziell gefördert.
Massive Kritik
Namhafte Biologen, darunter Privatdozent Dr. Hans-Wolfgang Helb von der Universität Kaiserslautern (Fachbereich Biologie, Abteilung Ökologie; Rabenvogelgutachter des Landes Rheinland-Pfalz), Dr. Ulrich Mäck (Biologe, Rabenvogelgutachter der Bundesregierung) und Dr. Wolfgang Epple (Biologe & Ethologe, freier Gutachter, Buchautor von "Rabenvögel – Göttervögel – Galgenvögel“), laufen gegen diese „Freilandforschung“ ebenso Sturm wie die Naturschutzverbände und der Deutsche Tierschutzbund.
Auf Grundlage eigener Untersuchungen und wissenschaftlicher Studien verweisen die Wissenschaftler darauf, dass der Einfluss von Rabenvögeln auf Wiesenvögel deutlich überschätzt wird. Die Vögel kommen häufig zu Unrecht in den Verdacht die Bestände der Wiesenbrüter zu bedrohen.
Biologen konnten z.B. mit Hilfe von Wärmesensoren in den Nestern in mehreren hundert Fällen belegen, dass die Gelege nächtens durch andere Beutegreifer geleert werden. Rabenvögel schlafen nachts und scheiden somit als "Hauptverdächtige" für den europaweiten „Wiesenvogelschwund“ aus.
Begleitende Verhaltensstudien, zeigen dass sich die Wiesenbrüter tagsüber durch entsprechendes Abwehrverhalten durchaus gegen Beutegreifer und auch Rabenvögel zu wehren wissen, während sie gegenüber Nachträubern praktisch keine Chance haben.
Untersuchungen mit Sendern (Telemetrie) konnten nicht belegen, dass Rabenvögel an Kükenverlusten beteiligt sind.
Die Bedrohungssituation heimischer Wiesenvögel ist in viel stärkerem Maße auf Lebensraumveränderungen und intensivierte Landnutzungen zurückzuführen (Änderungen des Landschaftswasserhaushaltes z.B. durch Trockenlegung von Feuchtgebieten, Mangel an Rückzugsgebieten, Verlust von Grünland, wodurch der Druck von Beutegreifern wie Fuchs und Marder zunimmt. Ein weiterer Belastungsfaktor ist der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden in der Landwirtschaft.
Bundesumweltminister Trittin hat das Projekt mehrfach kritisiert. Kritk äußerte auch der Tierschutzbeirat des Landes Niedersachsen, der im Vorfeld nicht eingeschaltet worden war. Auch das Niedersächsische Landesamt für Ökologie, die eigene Fachbehörde des Landes, kam zu dem Schluss, dass die Leistungsbeschreibung nicht die Anforderungen an ein wissenschaftliches Untersuchungsprogramm erfülle.
Wissenschaftliches Gutachten belegt Unsinnigkeit des Projektes
In einem 16seitigen Gutachten „Zur Selektivität und Eignung der Norwegischen Krähenmassenfalle unter Berücksichtigung von Aspekten des Tierschutzes und Artenschutzes“, das sie im Auftrag des Deutschen Tierschutzbundes erstellten, begründen Wolfgang Epple, Hans-Wolfgang Helb und Ulrich Mäck ausführlich, dass „erhebliche Zweifel an methodischer Zieführung und wissenschaftlicher Seriosität des Projektes angebracht“ seien (Hervorhebung durch die Autoren).
Juristische Ermittlungen laufen
Bei der Staatsanwaltschaft Aurich läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachtes der Tiertötung ohne vernünftigen Grund in Verbindung mit Verstößen gegen das Bundesnaturschutzgesetz, die Bundesartenschutzverordnung und die EU-Vogelschutzrichtlinie gegen Prof. Pohlmeyer und andere. Der Deutsche Tierschutzbund hat sich diesem Verfahren angeschlossen. Parallel dazu prüft er, ob erneut Beschwerde bei EU-Kommission eingelegt werden kann.
[i] Mehr zu diesem Thema:
Fragwürdiges Forschungsvorhaben (du und das tier 2/2005) (http://www.tierschutzbund.de/00945.html)
Zurück ins Mittelalter (du und das tier 6/2004) (http://www.tierschutzbund.de/00919.html)
Pressemeldung vom 13. Mai 2005 (http://www.tierschutzbund.de/00954.html)
Pressemeldung vom 9. Dezember 2004 (http://www.tierschutzbund.de/00793.html)
Jagd: Das Tier als Zielscheibe (http://www.tierschutzbund.de/00228.html)
Weiterführende Links
http://petition.thoki.net/
Downloads
Gutachten „Zur Selektivität und Eignung der Norwegischen Krähenmassenfalle unter Berücksichtigung von Aspekten des Tierschutzes und Artenschutzes“ (http://www.tierschutzbund.de/fileadmin/mediendatenbank/PDF/Positionspapiere_Merkbl_tter/Jagd/FallenGutachtenEnd.pdf)
Fragwürdiges Forschungsvorhaben - pdf-Version (du und das tier 2/2005) (http://www.tierschutzbund.de/fileadmin/mediendatenbank/PDF/dudt_artikel/dudt_0502_Fragwuerdiges_Forschungsvorhaben.pdf)
Vogel-Mami
04. June 2005, 09:39
Beitrag #383 von VolkerM
Zur Beseitigung eventueller Unklarheiten:
Per Gestattungsbescheid vom 06.02.2004 wurde die Bejagungszeit für Krähen und Elstern (eine Differenzierung erfolgte nicht) bis zum jeweiligen 31.03. (der Jahre 2004 und 2005) festgelegt.
Elster:
"Meist ab Anfang/Mitte Februar beginnt der Nestbau. (...) Die Eiablage beginnt manchmal schon Ende März."
Aaskrähe:
"Der Nestbau beginnt schon Ende Februar/ Anfang März. (...) Hauptlegezeit ist der April."
Epple, W. (1997): Rabenvögel, G. Braun-Verlag, Karlsruhe
Anmerkung: Klimatische Einflüsse (lange strenge Winter / frühzeitige Wärmephasen) spielen natürlich auch eine Rolle.
Vogel-Mami
04. June 2005, 09:52
Repräsentative Arten
http://cdl.niedersachsen.de/blob/images/C4538295_L20.jpg
Bestandsentwicklung 24 repräsentativer Vogelarten
Über 90 Prozent der Fläche Niedersachsens werden intensiv genutzt. Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Siedlung und Verkehr haben das Gesicht der Landschaft in den letzten 50 Jahren völlig verändert. Kleinstrukturen wie Hecken, Gräben, Säume, Böschungen sind vielerorts dezimiert oder ganz beseitigt worden. Gewässer wurden ausgebaut, Feuchtgebiete entwässert, traditionelle Nutzungsweisen aufgegeben, in Dörfern und Städten wurden Grünflächen bebaut oder "pflegeleicht" umgestaltet. Landschaften und Orte, die früher vielfältig und abwechslungsreich waren, sind heute ausgeräumt und monoton. Verkehrstrassen zerschneiden die Landschaft und führen zu Biotopverinselung. Die wenigen Gebiete, die noch einigermaßen naturnah sind, werden z.T. durch Erholungsverkehr stark beansprucht. Hinzu kommen flächendeckend stoffliche Einflüsse wie Stickstoffeintrag aus der Luft, saure Niederschläge, Düngemittel und Pestizide sowie toxische oder hormonell wirksame Stoffe, die zunehmend im Boden oder Wasser nachgewiesen werden.
Die Bestandsentwicklung repräsentativer Arten ist für die biologische Vielfalt und den Zustand der Landschaft ein guter Indikator: Wie kommen die früher weit verbreiteten, landschaftstypischen Arten mit diesen Lebensraumveränderungen zurecht? Zeigen die Schutzbemühungen der letzten 25 Jahre Erfolg, nimmt die landschaftliche Vielfalt seit Verabschiedung des Bundesnaturschutzgesetzes (1976) wieder zu? Für den Indikator werden 24 repräsentative Vogelarten der Lebensräume Acker, Grünland, Wald, Siedlung, Moor, Heide, Binnengewässer und Küste herangezogen.
Als Zielwert 2010 wurde von einem Expertengremium für jede Art die Bestandsgröße ermittelt, die bis 2010 erreichbar wäre, wenn ab sofort
alle verbindlichen Naturschutzbestimmungen (Schutzgebiets-Verordnungen, internationale Verpflichtungen etc.) eingehalten werden,
Land- und Forstwirtschaft sowie Siedlung, Industrie und Verkehr sich zügig in Richtung auf eine nachhaltige Nutzung entwickeln.
Tendenzen
Seit Beginn der Datenerhebungen im Jahr 1970 sinkt der Index. Dabei ist davon auszugehen, dass auch schon in den 60er Jahren erhebliche Bestandsrückgänge stattgefunden hatten. Ein leichtes "Zwischenhoch" im Jahr 1985 ist auf verstärkte Datenerhebung für den Brutvogelatlas Niedersachsen in diesem Jahr zurückzuführen. Der negative Trend ist in den Bestandsrückgängen weit verbreiteter Vogelarten begründet, die typisch sind für Acker (z.B. Feldlerche, Grauammer), Grünland (z.B. Kiebitz, Kampfläufer) und Siedlung (Gartenrotschwanz, Mehl- und Rauchschwalbe). Die Vogelarten der Normallandschaft in Niedersachsen zeigen also eine ungebrochen negative Entwicklung. Ihre Bestände sind im Mittel nur etwa halb so groß wie um 1970. Ursache für die Bestandsrückgänge ist die intensive Landnutzung in allen Bereichen (Land- und Forstwirtschaft, Verkehr, Siedlung und Freizeit). 20 Jahre nach Inkrafttreten des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes geht der Verlust an landschaftlicher Vielfalt, Biodiversität und Lebensräumen immer noch weiter.
Eine Trendwende innerhalb der nächsten zehn Jahre wird von Experten für möglich gehalten, aber nur, wenn ab sofort das Naturschutzgesetz konsequent umgesetzt wird und alle Flächennutzungen sich zügig in Richtung auf eine nachhaltige Nutzung entwickeln. Im Verhältnis zum Etappenziel 2010 liegt der Wert 1999 bei 74 Prozent.
27.09.2004
Vogel-Mami
04. June 2005, 09:57
Beitrag #391 von "südwind"
Das Bild der Rabenvögel (Corvidae) in
der heutigen Gesellschaft.
Eine Erhebung von Wissen und Einstellungen zu den
Rabenvögeln am Rande einer öffentlichen Diskussion
ein ausschnitt aus der zusammenfassung
Ernährungsbiologie: Trotz belegten Untersuchungsergebnissen, dass nicht mehr als
10% Vögel/Nestlinge/Eier in Nahrungslisten von Rabenvögeln auftauchen, zeigten
sich alle Testpersonen falsch informiert. Besonders Jäger und Förster, Landwirte und
Gartenbesitzer erreichten negative Spitzenwerte. Die Informationen hierfür können
nur aus der Presse stammen, da Fernseh/Hörfunkmedien nachweislich nicht darüber
berichteten (Details s. 4.3.4.), aber von den meisten Testpersonen als
Hauptinformationsquelle über Rabenvögel angegeben wurden. Die „Nutzen –
Schaden“ – Frage im Testbogen, zu sehen als Stellung der Rabenvögel im
Ökosystem, war richtig erkannt. Abweichend davon hielt ein Teil der Landwirte, die
Jüngsten, „Noch Schüler“ und Hauptschüler die Rabenvögel für „schädlich“.
4.13. Welche Erkenntnisse für eine konstruktive Lösung des Rabenvogelstreits
ergeben sich aus der Umfrage?
Um dieses Problem lösen zu können, müsste zweierlei geschehen: Fachleute, wie
Förster, Jäger, politische Entscheidungsträger und Redakteure der Medien sollten
besser biologisch gebildet sein. Nach dem Testergebnis zeigten sich auch bei Jägern
und bei Förstern Wissenslücken im Vergleich zum allgemeinen Kenntnisstand des
interessierten Amateurs. In der Ausbildung biologische Fachkenntnisse zu vertiefen,
zu erweitern, zumindest etwas zu aktualisieren, wird schwerlich durchzusetzen sein,
da auch auf anderen Fachgebieten derartige Notwendigkeiten bestehen. Viel
Unwissen wird dadurch verbreitet, dass alte Überlieferungen kritiklos übernommen
231
werden. Fachveröffentlichungen haben offenbar geringe Chancen, gelesen zu
werden. Dass Jägerprüfungen in Fragen der Ökologie und Populationsbiologie weit
hinter dem aktuellen Wissenstand herhinken, ist hinlänglich bekannt und durch eine
Fülle von konkreten Nachweisen zu belegen.
Auf die Redaktionen von Medien käme die schwierige Aufgabe zu, komplexe
ökologische Zusammenhänge verständlicher darzustellen, wobei durchaus
verkaufsfördernden Interessen durch interessante Aufbereitung gedient sein könnte.
Das Problem liegt hier wohl darin, auf einfache und naive Fragen auch kompliziert zu
antworten, um vernetztes Denken zu fördern.
Das hier diskutierte Problem ist aber auch im Zusammenhang mit der Schulbildung
zu sehen. Insgesamt würde der Umgang mit Natur sachlicher und die
Auseinandersetzungen entschärft, wenn die Ausbildung bei Schülern zu den Themen
Ökologie, Naturschutz besser wäre. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass eine
negative Beurteilung von Rabenvögeln auch mit der Schulbildung zusammen hängt.
Ganz entscheidend zu Lasten der Rabenvögel ging in der Auswertung der Testbögen
die Kombination „viel Aberglauben + wenig Wissen“. Es ist kaum zu erwarten, dass
das Problem der fachlichen Bildung von Jugendlichen in den nächsten Jahren gelöst
werden kann. Der Frust und das Desinteresse der Jugendlichen auch an unmittelbar
wichtig erscheinenden Information zeigt, dass ein weit umfassenderes
gesellschaftliches Problem besteht.
mehr (http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2003/1143/pdf/HerethAntonia-2003-04-18.pdf)
Vogel-Mami
04. June 2005, 10:04
Droht uns eine Elster-Plage?
Es wird oft behauptet, Rabenvögel - vor allem Elstern - hätten in letzter Zeit zugenommen, ja, sie seien schon zu einer richtigen Plage geworden. "Ich sehe immer mehr Elstern in meinem Garten!" ist eine häufige Aussage von verärgerten Anrufern gegenüber LBV-Mitarbeitern.
Dennoch ergeben sich aber aufgrund zahlreicher Befunde und wissenschaftlicher Arbeiten keine Anhaltspunkte für eine generelle, weiträumige Zunahme der Elster im speziellen und der Rabenvögel im allgemeinen. Nur regionale Zu- aber auch Abnahmen der Bestände von Rabenkrähe und Elster sind bekannt. So nahm die Elster etwa im Bodenseegebiet Anfang der 90er Jahre im Vergleich zu den mittleren 80er Jahren um über 40% zu. Diese Bestandsveränderungen bewegen sich allerdings im natürlichen Schwankungsbereich von Vogelpopulationen. Die Gesamtpopulation in Mitteleuropa ist seit vielen Jahren bei allen drei Arten konstant.
Die Elster im Siedlungsbereich
Das gehäufte Auftreten der Elster im Siedlungsbereich des Menschen könnte auf eine allgemeine Bestandszunahme dieser Art schließen lassen. Diese Annahme ist jedoch nicht richtig, vielmehr hat sich bei der Elster vielerorts eine Lebensraumverschiebung vollzogen: Gab es früher in der freien Feldflur mehr Elstern als im Orts-/Stadtbereich, so hat sich das Verhältnis heute eher umgekehrt. Die Elster als sehr anpassungsfähige Tierart nutzt die besseren Bedingungen, wie den besseren Schutz vor natürlichen Feinden, wie z.B. Habicht oder Sperber, sowie die günstigeren Nahrungsbedingungen (Abfälle, Unrat, Deponien...) in der Nähe des Menschen rasch aus. Eine allgemeine Zunahme ist jedoch nicht zu verzeichnen.
Entscheidend für die Selbstbegrenzung der Populationsdichte ist das territoriale Verhalten, also die intensive Verteidigung des Brutreviers gegenüber Artgenossen. Es verhindert eine zu große Brutdichte. Eine geringe Dichte erlaubt genügend optimale Reviere; bei steigender Dichte müssen Reviere mit weniger gutem Nahrungsangebot, höherem Feinddruck usw. besetzt werden. Damit sinkt wieder der Bruterfolg.
Ferner wurde bei der Rabenkrähe festgestellt, dass es durch nicht-brütende, sogenannte Schwarmvögel, (meist im 1. bis 4. Lebensjahr) häufig zu innerartigen Nesträubereien kommt. Zusätzlich trägt auch die zwischenartige Konkurrenz von Rabenkrähe, Elster und Eichelhäher wesentlich dazu bei, die Populationen auf einem bestimmten Niveau zu halten.
Ein weiterer Punkt, der oft zu einer Überschätzung der Elsternbestände führt, ist die Tatsache, dass man jedem Elsternnest ein Elsternbrutpaar zuordnet. Dies ist nicht richtig, da Elstern fast immer mehrere Nester bauen, aber nur eines fertig stellen und zur Brut nutzen.
Auch für Autofahrer sind Elstern und Krähen "sichtbarer" geworden, weil beide Arten als Aasvertilger an Verkehrswegen eine hohe Dichte aufweisen.
Ja: Rabenvögel fressen Kleinvögel. Aber...
Besonders die Tatsache, dass Rabenvögel, vor allem Elster und Eichelhäher, Nester von Kleinvögeln plündern und deren Jungvögel fressen, macht sie in weiten Kreisen der Bevölkerung so unbeliebt.
Allerdings gerät dabei oft in Vergessenheit, dass Elster, Eichelhäher und Rabenkrähe Allesfresser sind. Ihre Hauptnahrung besteht aus Früchten, Beeren, Samen, sowie Insekten und anderen wirbellosen Tieren. Der Anteil von Eiern und Jungvögeln beträgt maximal 7%.
Dieser geringe Prozentsatz, sowie die wenig beachtete Tatsache, dass es neben den Rabenvögeln auch noch andere Beutegreifer gibt, die sehr häufig junge Vögel verzehren - Hauskatze, Marder, Eichhörnchen, Igel oder Spechte -, die aber wegen ihrer heimlichen Lebensweise viel weniger auffallen als die laut "krächzende" Elster, sprechen für die Rabenvögel. Bei verschiedenen Untersuchungen in der freien Landschaft zeigte sich, dass auch in Gebieten mit großen Rabenvogelbeständen die übrige Vogelwelt je nach Lebensraumangebot in beachtlicher Siedlungsdichte vertreten ist, wobei auch seltene Arten vorkommen. Von den Nesträubereien im Siedlungsbereich sind naturgemäß die häufigsten Singvogelarten (z.B. Amsel, Grünling, Meisen) betroffen. Die Amsel, das häufigste Opfer der Elster, hat hier eine fünf- bis zehnfach höhere Siedlungsdichte als in Waldgebieten.
Verluste an Gelegen und Jungvögeln werden durch die hohe Nachkommenzahl und eventuelle Nachgelege leicht ausgeglichen.
Alle einschlägigen Daten und Untersuchungen weisen darauf hin , dass das Plündern von Singvogelnestern durch Rabenvögel mit Sicherheit nicht zu einem wesentlichen Bestandsrückgang bzw. zu einer ernsthaften Bedrohung oder sogar zum Aussterben einer Vogelart geführt hat und auch nicht führen wird. So wurde für ein ca. 24 km² großes Untersuchungsgebiet im Stadtbereich Osnabrücks während knapp zehn Jahren eine Zunahme des Elsternbestandes um 280% (von 60 auf 228 Nester) festgestellt. Trotz dieser massiven Zunahme trat keine Abnahme im Gesamtbestand der erfassten Stadtsiedler ein. Im Gegenteil, die Anzahl der brütenden Arten stieg sogar. Die Brutbestände von Rotkehlchen, Zaunkönig, Gimpel, Amsel, Ringeltaube und Kleiber nahmen deutlich zu, die von Buchfink und Grünling dagegen signifikant ab. Die Bestandsabnahmen dieser beiden Arten könnten möglicherweise auf Elstern zurückzuführen sein. Beide Arten gehören zu unseren häufigsten Brutvogelarten; der größte Teil der Buchfinken lebt zudem in Wäldern. Wäre der Plündereffekt tatsächlich so gravierend, müssten hier also längst alle Singvögel ausgerottet, bzw. extrem stark dezimiert worden sein.
Kurzgefasst kann man sagen, dass Rabenvögel verschiedene Kleinvogelarten oder auch Niederwild niemals in solchem Masse dezimieren, dass sie in ihrem Bestand gefährdet werden oder gar aussterben. Artensterben wird nur durch den Menschen verursacht. Die Rückgangsursachen für die europäischen Vogelpopulationen sind in erster Linie in der Lebensraumzerstörung und im Gifteinsatz zu suchen. Hinzu kommen noch Verluste auf dem Zug und im Winterquartier.
Das Fressen einer jungen Kohlmeise durch eine Elster kann nicht anders gesehen werden als der Verzehr eines Schmetterlings durch ein Rotkehlchen. Der Mensch hat kein Recht, hier eine moralische Gewichtung vorzunehmen!
Vogel-Mami
04. June 2005, 11:58
Rabenvögel
Wer hat die Sonne am Himmel aufgehangen? Ein Rabe, so glauben die Indianer Nordamerikas, denn bei ihnen ist der Rabe Symbol für göttliche Kraft und Schöpfertum, ein mächtiger Held, der die Welt erschuf.
Rabenvögel: pechschwarz, intelligent und sagenumwoben. Geliebt und gehaßt - je nach Kultur und Epoche - sind die schwarzen Himmelsbewohner abwechselnd der Verehrung und der Verfolgung ausgesetzt. Kaum ein anderes Tier löst in den Menschen solch zwiespältige Gefühle aus.
Der Rat der Raben galt als weise. Eichelhäher, Elstern, Krähen, Kolkraben - sie haben die Menschen schwer beeindruckt und Angst ausgelöst. Nicht zuletzt ihr tiefschwarzes Gefieder hat dazu beigetragen, sie als Unheilsverkünder, als Symbol für Leid und Not zu betrachten. Zur Zeit der Hexenverfolgung erst recht: kam eine Krähe einer Frau auf dem Feld zu nahe, war klar: das ist eine Hexe! Die "unheilvolle" Kombination Frau - Tiergesindel kam den Feindbildern des Mittelalters sehr entgegen. Rabenvogels Vorliebe für Aas und Abfall hat dem Aberglauben noch eins draufgesetzt: Vom Todesboten bis zum Seelenräuber erschienen sie in den Phantasien der Menschen.
In England hingegen werden sie gehegt und gepflegt. Die Tower-Raben haben das Schicksal des Königreichs in ihren Krallen. Wenn sie den Tower verlassen, so glauben die Briten, dann geht das Englische Reich unter - Raben mit Macht.
Mit Gesangstaltent sind die Rabenvögel leider nicht gesegnet - sie haben keine Chance, sich in die Herzen der Menschen zu zwitschern, denn was da aus Leibeskräften krächzt und kreischt reicht allenfalls für einen Horrorfilm. Trotzdem sind die Möchtegern-Sänger stimmbegabt.
Die Geschichte von der diebischen Elster, die "klaut wie ein Rabe", ist allerdings eine Mär. Rabenvögel leisten sich den Luxus zu spielen, und aufgrund ihres ausgeprägten Spieltriebs und ihrer hohen Intelligenz suchen und finden die schwarzgewandeten Langfinger - oder besser gesagt "Langschnäbel" - so manches Schnäppchen. Doch bei aller Begabung - ihr Image ist schlecht. Jedes Jahr zur Aussaatzeit klagen die Landwirte, denn an "rabenschwarzen" Tagen sind auch die Felder schwarz von hungrigen Saatkrähen.
Deshalb flackert immer wieder die leidenschaftlich geführte Diskussion darüber auf, ob Rabenvögel nun schädlich sind und bejagt werden dürfen oder nicht! Dabei gibt es echte Raben - also den richtigen Kolkraben - kaum noch. Er wird inzwischen auf der roten Liste der "stark gefährdeten" eingestuft.
Literatur
Wolfgang Epple:
Rabenvögel. Göttervögel - Galgenvögel. Ein Plädoyer im "Rabenvogelstreit".
G. Braun Buchverlag, Karlsruhe 1996
48 Mark, ISBN: 3-7650-8135-3
Vogel-Mami
04. June 2005, 12:10
Kluge Rabenvögel
http://www.wdr5.de/sendungen/leonardo/img/art20030122a.jpg Neue Forschungsergebnisse über die Intelligenz von Elstern
Leonardo vom 22. Januar 2003
Intelligente Tiere - da denken wir an Schimpansen und Delfine, vielleicht noch an unsere Hunde oder Katzen. Vögel fallen uns in der Regel nicht ein. Doch in manchen Disziplinen können sie den intelligenten Säugern durchaus das Wasser reichen. Papageien und Rabenvögel gelten als besonders schlau.
Ein heimischer Vertreter dieser Gruppe ist die Elster, ein Nesträuber, der in unseren Gärten lebt. "Räuberische Tiere haben in der Regel mehr Köpfchen", erklärt der Biopsychologe Onur Güntürkün von der Ruhr-Universität Bochum. Die Arbeitsgruppe von Professor Güntürkün untersucht die geistigen Fähigkeiten von Elstern und anderen Vögeln. Mit behördlicher Genehmigung holten die Forscher Jungvögel aus einem Elsternnest auf dem Unicampus. Schon während der Aufzucht der Jungvögel begann die Forschung. Sofort fiel das außergewöhnlich gute Raumgedächtnis der Vögel auf und die sogenannte Objektpermanenz - ein Begriff, der auf den Entwicklungspsychologen Piaget zurückgeht. "Wenn ich ein Bonbon in einer Schachtel verstecke, dann ist es für kleine Kinder quasi verschwunden", erklärt Onur Güntürkün. Erst mit etwa einem Jahr begreifen Kinder, dass Gegenstände nicht verschwinden, wenn man sie versteckt. Elstern lernen das in nur knapp zwei Monaten. Das gute Erinnerungsvermögen ist für die Vögel eine überlebenswichtige Fähigkeit, denn im Sommer verstecken sie Vorräte für die nahrungsarme Jahreszeit. Würden sie im Winter ihre gehorteten Sämereien nicht wiederfinden, müßten sie verhungern. Insgesamt unterscheiden die Wissenschaftler sechs verschiedene Stufen der Objektpermanenz. Elstern erreichen - genauso wie Mensch und Menschenaffe - die höchste Stufe. "Sie gehören damit zu einem ganz kleinen Eliteclub unter den Tieren", sagt Güntürkün.
Doch sind die Elstern deshalb wirklich besonders schlau? Eine gute Leistung im Versteckspielen allein läßt sicher noch nicht auf eine außerordentliche Intelligenz schließen. Wenn bestimmte Tierarten jedoch bei ganz unterschiedlichen Testverfahren gut abschneiden, gelten sie zu Recht als intelligent. Zu den Spitzenreitern im Tierreich gehören die bekannten Verdächtigen: Schimpansen und andere Primaten. Und unter den Vögeln gelten - neben den Rabenvögeln - die Papageien als besonders schlau. Berühmt sind sie vor allem für ihre Sprachkünste. Aber Nachplappern ist das eine, echte Sprache ganz etwas anderes. Dazu gehört ein gegenseitiges Verständnis. Und auch dazu sind Papageien in der Lage, glaubt die Verhaltensforscherin Irene Pepperberg. Ihr Graupapagei Alex gilt als der intelligenteste Vogel der Welt. Seit über 25 Jahren arbeiten Pepperberg und Alex zusammen.
Der Vogel kann über 100 verschiedene Gegenstände benennen. Er unterscheidet sie nach Form und Farbe. Und er kann zählen. Zum Beispiel zeigt Irene Pepperberg dem Vogel einen Maiskolben und fragt nach der Farbe. "Yellow", antwortet Alex wie aus der Pistole geschossen. Zu den Maiskolben kommt jetzt ein gelber Würfel. Alex soll die Unterschiede benennen: "Shape!" Die Form ist verschieden. Auch das erkennt Alex richtig. Die Leistungen des Graupapageis entsprechen in etwa denen eines fünfjährigen Kindes, sagt Pepperberg - zumindest was seine geistigen Fähigkeiten angeht. Emotional ähnele er eher einem Zweijährigen. Wenn Alex keine Lust hat, ist er nämlich kaum zur Mitarbeit zu bewegen.
Alex weiß, wovon er spricht. Er hat eine klare Vorstellung von der Sache hinter dem Begriff, ein sogenanntes Konzept. "Lange Zeit dachten wir, dass Konzepte nur sprachlichen Lebewesen offen stehen", so Onur Güntürkün. Unter Konzept verstehen die Biopsychologen die abstrakte Vorstellung von einem Gegenstand, z.B. einem Stuhl. So unterschiedlich die verschiedenen Stühle auch aussehen mögen, wir ordnen sie alle dem richtigen Oberbegriff zu. "Das ist eine enorme kognitive Leistung", sagt Güntürkün, "das erkennt man sofort, wenn man beobachtet, wie Kinder Konzepte entwickeln und wie viele Fehler sie dabei machen."
Trotzdem können auch Tiere Konzepte entwickeln. Das zeigte der amerikanische Psychologe Hurnstin bereits in den 60er Jahren. „Seine Experimente waren damals eine Revolution, so Güntürkün. Zum Beispiel brachte Hurnstin seinen Tauben bei, auf Bilder mit Menschen zu picken, Bilder ohne Menschen jedoch zu ignorieren. Die Tiere hatten ein Konzept für den Begriff Mensch entwickelt. Tauben können sogar lernen, ganze Stilrichtungen der Malerei zu unterscheiden, indem sie etwa auf Werke von Impressionisten picken, auf die von Kubisten jedoch nicht. So mancher Museumsbesucher hat damit Schwierigkeiten. Und all das soll ein Vogelhirn problemlos bewältigen? Für Onur Güntürkün ist das kein Wunder. Zwar hätten die Vögel keine Hirnrinde wie Säugetiere, doch ihr Gehirn sei fast 100 Millionen Jahre später entstanden als unseres. "Das heißt, nicht wir sind die neuesten, schlausten und klügsten. Vögel sind die eigentlich modernen Viecher unter den Wirbeltieren."
Wie sieht es dann bei den Vögeln mit einer Fähigkeit aus, die für uns ganz selbstverständlich ist, das Selbstbewusstsein oder noch einfacher, das Selbsterkennen. Die meisten Tiere blicken in den Spiegel, ohne sich selbst zu erkennen. Wellensittiche zum Beispiel attackieren jahrelang den vermeintlichen Rivalen im Spiegel. Sogar die meisten Primaten verhalten sich wie der Wellensittich im Käfig. Nur Menschenaffen erkennen sich selbst - und Elstern. Um das zu testen, haben die Bochumer Forscher die Vögel markiert - und zwar an einer Stelle, die die Elstern nicht sehen können. Ein Mal bekamen die Vögel einen leuchtend roten Punkt auf die Brust. Das andere Mal erhielten sie eine schwarze Markierung, die allerdings auf dem ebenfalls schwarzen Federkleid praktisch nicht zu erkennen war. "Wenn die Elstern im Spiegel die rote Markierung sahen, dann fingen sie sofort an, sich an dieser Stelle zu kratzen", beschreibt Onur Güntürkün das Versuchsergebnis. "Sie kratzten sich selbst, nicht etwa das Spiegelbild."
Die Biopsychologen um Professor Güntürkün arbeiten weiter daran, dass die Elstern in den tierischen IQ-Olymp aufgenommen werden. Als nächstes wollen sie herausfinden, ob sich die Vögel in ihre Artgenossen hineinversetzen können. "Wir ahnen, dass bestimmte Erkrankungen des menschlichen Gehirns, wie z.B. Autismus, zu dem selektiven Verlust von genau solchen Fähigkeiten führen," erklärt Güntürkün. Am Beispiel der Elstern wollen die Forscher den Mechanismen auf die Spur kommen.
AutorIn: Claudia Ruby
Redaktion: Monika Kunze
Vogel-Mami
06. June 2005, 00:19
http://www.abschaffung-der-jagd.de/images/ph50900096270e78ddf.gif
von Dr. Eberhard Schneider, Göttingen
Zoochorie - eine ökosystemare Funktion zu Unrecht Verfolgter http://www.abschaffung-der-jagd.de/images/kraehecd_200.jpg
Die überwiegend stationären Pflanzen haben in ihrer Entwicklungsgeschichte vielfältige Möglichkeiten zur Ausbreitung ihrer Samen, damit zur Verbreitung ihrer Spezies und Besiedlung neuer Areale, gefunden und dementsprechende Ausformungen der Früchte und Samen hervorgebracht. Einer der effektivsten Wege dabei ist offenbar mit den Anpassungen (=Adaptationen) zur Teilnahme an der Zoo-Chorie, der Verbreitung von Pflanzensamen durch Tiere, beschritten worden. Dergestalt, dass im Zuge der Co-Evolution Pflanze und Tier, gemeinsam und zu beiderseitigem Erfolg, ihre zum Teil hoch spezifischen Ausformungen oder Reaktionen hervorgebracht haben. Eine reiche Literatur, schon aus dem Beginn dieses Jahrhunderts, insbesondere aber aus den letzten vier Jahrzehnten bietet zahlreiche Beispiele (s. z.B. RENNER 1987). Deutlich wird dabei die hervorragende Stellung, die in diesen Beziehungsgefügen der Ornitho-Chorie, der Verbreitung von Pflanzensamen durch Vögel, zukommt. Was sicher nicht nur in der Vielfalt der Avifauna mit den vielfältigen Möglichkeiten der Anpassung an Vorgaben der fruktifizierenden Pflanzen, mit denen dieselbe den Vogel geradezu suchen, begründet ist. Hinzu kommt die hohe Effizienz, mit der hier die Vögel im Vergleich zu anderen zoochoren Tieren zu Werke gehen. Sie erreichen fliegend auch die Samen an den äußersten Zweigspitzen, sie benötigen keine aufwendigen Kletterpartien, sie haben einen weitaus größeren Aktionsradius als die Mehrzahl der nicht fliegenden Zoochoren und können leicht auch in von der Pflanze zuvor noch gar nicht besiedelte Areale vordringen. Bergauf wie bergab, unabhängig von Luftströmungen u.a., was den verschiedenen Formen der von Pflanzen benutzten diversen Verbreitungsmethoden zum Teil enge Grenzen weist.
Rabenvögel sind insgesamt, auch mit Blick auf den Nahrungserwerb, generalistisch und es hat keine bestimmte Spezialisierung allein auf Pflanzensämereien oder gar eine oder wenige Pflan-zenarten stattgefunden. Am weitesten spezialisiert hat sich da vielleicht der Tannenhäher Nucifraga caryocatactes in seiner Beziehung zur Arve (=Zirbe) Pinus cembra. ?Dem Tannenhäher kommt ... die bedeutendste Rolle bei der Arvensamenverbreitung innerhalb des Arvenwaldes zu? (MATTES 1990, cit. S. 52). Zumindest für die Zirbenwälder des Engadins ermittelte MATTES bis zu 80% der Verjüngung dieses Baumes als häherbedingt. Und auch nach außerhalb des Arvenwaldes, etwa in die Kampfwaldzone oder anderes offenes Gelände, tragen Tannenhäher die Arvennüsschen ohne sie später alle zu verzehren. Auch die auf ?Hähersaat? zurückzuführende natürliche Verjüngung der Eiche (und Buche) ist in einigermaßen aufgeschlossenen forstlichen Kreisen geläufig. - Aber, dann endet die Geschichte in der allgemeinen Kenntnis schon weitestgehend.
Dabei werden die Diasporen (=Ausbreitungseinheiten) zahlreicher Pflanzenarten von den Vögeln befressen und mehr oder weniger zufällig verschleppt. TURCEK (1961) ermittelte für 186 europäische Arten holziger Pflanzen das Aufscheinen von 156 Vogelarten. In seiner Kategorie I von n = 82 Vogelarten, die sich vorwiegend aus fleischverzehrenden Vögeln rekrutiert, fand er 1 ? 6 Diasporen-Typen - infolge zufälliger Aufnahme (etwa mit dem Beutetierverzehr). In Kategorie II mit n = 40 Spezies der insektivoren oder sonstwie animalisch sich ernährenden Vögel ermittelte er zwischen 7 und 27 Diasporentypen. In der Katagorie III gelistete 34 Vogelarten, die überwiegend und saisonbedingt sich den Diasporen der Holzgewächse zuwenden, werden schließlich die Dia-sporen von 28 ? 112 Arten holziger Pflanzen verzeichnet. Wobei die Mehrzahl der Vogelarten bei mehreren Pflanzenarten als Diasporen-Zehrer und ?Verfrachter auftauchen (bis 27 Spezies für eine Wirtspflanze bzw. bis 112 Pflanzenarten für eine Vogelspezies). Die Möglichkeiten des Verschleppens der Diasporen reichen von bloßem Anhaftem derselben am Vogel bis zur Passage des Verdau-ungskanals. Es sind auch keineswegs allein die Wirtspflanzen mit schweren Diasporen in die Orni-tho-Chorie eingebunden. Selbst solche, die auch der Anemo-Chorie (Verbreitung der Pflanzensamen durch den Wind) u.a. Ausbreitungsmöglichkeiten zugänglich sind, finden sich hier wieder (z.B. Birke).
Gerade mit Blick auf die schweren Früchte und Samen muß man die körperlich leistungsfähigen Rabenvögel besonders würdigen. Kleinvögel verfrachten kaum Eicheln, Bucheckern, Kastanien, und deren Reichweite ist geringer als die der Corviden. Denn hier sind die Zahlen eindrucksvoll: Tannenhäher tragen Arvennüsschen bis 15 km weit, überwinden bis 700 m Höhendifferenz bis über die Baumgrenze; Eichelhäher verfrachten Eicheln bis 4 Kilometer weit und Kolkraben sogar 10 bis 30 km vom Mutterbaum weg. Nach den aus Literaturangaben zusammen-gestellten und hier mitgeteilten Befunden allein über die Diasporen der holzigen Pflanzen sind dem Kolkraben 7 Diasporentypen zugeordnet, der Blauelster 11, der Alpendohle 13, dem Unglückshäher 16, der Alpenkrähe 17, der Aaskrähe 22, der Nebelkrähe 39. Wobei deutlich wird, dass in unterschiedlichem Verbreitungsareal der Vogelart die Diasporen unterschiedlicher Pflanzenarten aufscheinen. Der Saatkrähe sind 44 holzige Pflanzen zugeordnet, ebenso dem Tannenhäher. Die Elster bringt es auf 63 Diasporentypen und der Eichelhäher schließlich greift auf die Diasporen von 93 Strauch- und Baumarten zurück, um sie zu verzehren und mehr oder weniger zahlreich zu ver-schleppen, zu verstecken und keineswegs allesamt später zu verzehren. Das gilt vorrangig für die Anlage der Nahrungsdepots aller Häher. Alle Zahlen sind logisch nur Mindestzahlen aus den jeweiligen Untersuchungsgebieten. Es ist müßig, darauf zu verweisen, dass eiszeitlich nach südlich der Alpen ausgewichene Baumarten, wie etwa die Buche und andere, mit ihren schweren Diasporen sich ohne die maßgebliche Hilfe der Vögel in dem verfügbaren Zeitraum bis heute nicht dorthin hätten verbreiten können, wo wir sie gegenwärtig vorfinden ? als »natürlich«, »standortstypisch«, »standortsheimisch« und was nicht alles ? sogar seit mehreren Jahrtausenden tatsächlich vorkommen. Wenn etwa von Seiten der Vegetationskunde, Pflanzensoziologie, des Forstwesens oder des praktizierenden Naturschutzes dem Phänomen der Zoo-Chorie allgemein, und speziell ihrer wohl bedeutsamsten Komponente der Ornitho-Chorie, bisher wenig oder keine Beachtung entgegengebracht wurde, so ist dies ein kaum entschuldbares Versäumnis. Insbesondere im Zeitalter der rapide fortschreitenden Verinselung von Habitaten kann dieser natürliche Prozess der Erhaltung von Pflanzenarten und Entwicklung von Vegetationsgesellschaften nicht genügend gewürdigt werden.
Mit Blick darauf, dass sich die Überlebenschancen von Populationen mit der Ausbreitung deutlich vergrößern, muß der Verschleppung pflanzlicher Diasporen, nicht nur der Waldbäume etc., durch Tiere ganz anders bewertet werden als bisher geschehen. Insbesondere ist dabei die Bedeutung der Vögel, die noch am ehesten die diversen Barrieren in der Landschaft überwinden können, nicht hoch genug einzuschätzen. Forstwirtschaft, Naturschutz, Landschaftspflege (wenn man denn schon sich pflegend betätigt!) und vor allem der so moderne ?Prozessschutz? müssen sich dieses zu eigen machen. Insbesondere auch die Fragen nach der genetischen Seite, dem Genfluss zwischen Populati-onen u.a., müssen hier ganz neu behandelt werden. Bis hin zu der Praxis des im forstlichen Kunstanbau verwendeten »kontrollierten Saatguts«. Die Liste jener Pflanzenarten, die auf Verschleppung ihrer Diasporen durch Tiere, insbesondere Vögel, setzen ist wohl erheblich länger.
Dass auch die Rabenvögel in Ornitho-Chorie involviert sind, ist unstrittig. Die angeführten Wirtspflanzenarten, Ausbreitungsgebietsgrößen, und Mengen (es wurde z. B. ermittelt: 300.000 Eicheln in 4 Wochen durch 65 Eichelhäher aus einem Eichenbestand von 37 ha, das waren 10% der dort zeitgleich von Menschen getätigten Gesamt-Eichel-Ernte von 2.000 kg) weisen aber die große Bedeutung der Rabenvögel aus ? nicht nur die der Häher.
So wie der Tannenhäher einst zu leiden hatte unter der Verdächtigung den Arvenbestand zu schädigen und er außerdem den die Arven-Nüsschen sammelnden Menschen ein deutlich über-legener Konkurrent war (s. MATTES 1990), er aber tatsächlich der Faktor ist, auf den die Arve in der Co-Evolution gesetzt hat, so leiden bis heute die Rabenvögel insgesamt unter falschen Verdächtigungen. Noch immer, obwohl die Kenntnisse vorliegen und es jedermann besser wissen könnte ? wenn man nur wollte. Selbst sonst dem Tier- und Vogelschutz Verbundene verfallen hier in eine völlig verfehlte und antiquierte Wertung nach »gut und böse«. Die Funktion und bio-zönotische Bedeutung der Rabenvögel in dem Beziehungsgefüge mit den Wirtspflanzen ? abge-sehen von den sich daraus ergebenden Folgebeziehungen ? ist bisher nicht einmal minimal gewürdigt worden. Selbst innerhalb der Naturschutzverwaltungen und -verbände finden sich geistige Irrläufer, mit zwar »Ökosiegel« am Revers, denen dieses gewaltige Potential der Rabenvögel als natürliche Faktoren und Helfer im Naturschutz nicht bewusst ist.
Es ist, gerade mit Blick auf die allfällig beklagte Lebensraumzerschneidung, die Verinselung von Habitaten und Populationen, diese Potential von unschätzbarer, vielleicht auch naturschüt-zerisch zukunftsentscheidender, Bedeutung. Insofern ist es nicht nur ein Beleg für Einfalt und Ein-fallslosigkeit oder pure Unkenntnis der ökosystemaren Beziehungsgefüge, wenn (auch) im Zusammenhang mit Rabenvögeln nur ein Schlagwort die Szene beherrscht:
»Schädlichkeit«, und wenn man sich in einer nicht endenden und nutzlosen Auseinandersetzung um »Schäden« ergeht. Allenfalls dient der Vorgang um die »Regulierung der Rabenvögel« als solcher der Befriedigung der Bedürfnisse der Verwaltung - und vielleicht sogar der behördeninternen Beförderungsdynamik.
Dies mag wohl gerade der deutschen Mentalität gerecht werden. Ebenso auch der Akt, so unliebsamen Elementen erbarmungslos mit Pulver und Blei oder anderen martialischen Mitteln entgegenzutreten und die freilebende Tierwelt »ethnisch zu säubern«. Amtlich verübte Rechtsverstöße eingeschlossen: wie in Mecklenburg-Vorpommern mit seiner, trotz bundesrechtlich bestehender ganzjähriger Schonzeit (Verstoß = Straftat!), angeordneten Kolkraben-Abknallerei wegen der Behauptung, die Vögel könnten mit den im Walde von Jägern hinterlassenen Därmen der abgeschossenen Wildschweine das Virus der Schweinepest verschleppen.
- Anstatt die Jäger zu verpflichten, die Aufbrüche (=Gedärme) getöteter Wildschweine grundsätzlich der ordnungsgemäßen Tierkörperbeseitigung zuzuführen.
Oder der zum Himmel stinkende Verstoß gegen EU-Recht: Wobei vom Agrar-Minsterrat wohl ausdrücklich der deutsche Bundesminister die Ermächtigung erhalten hat, Rabenvögel bundesrechtlich zum »Wild« zu erklären - dazu ist nötig die Änderung des § 2 im BundesJagdGesetz. Aber mangels diesbezüglichen Tätigwerdens im Bundesministerium handeln die Länder auf eigene Faust und widerrechtlich. In einer schier unglaublichen Frechheit erklären sie Rabenvögel zu jagdbaren Tieren. Ganz so, als gäbe es kein EU-Recht und keine EG-Vogelschutzrichtlinie, nach der auch die Rabenvögel besonderen Schutz erfahren sollen. Naturschutzbehörden beteiligen sich willig und handlangerisch an derartigen Rechtsbrüchen.-
Wo dann etwa ein gelernter Landwirt als Referent sitzt und angesichts einer »Eichelhäherplage« in einem Maisacker sich zum ?wise use? der natürlichen Ressourcen bekennt. Dergestalt, dass diese Vögel abgeschossen gehören.
Rabenvögel sind jedoch zweifelsfrei mit unsere besten Verbündeten im Naturschutz. Sie dienen tatsächlich dem natürlichen Geschehen. Wenn schon »Prozessschutz« dann konsequent und unter Einbeziehung der evolutiv erprobten Faktoren. Dazu zählen, abgesehen von ihren weiteren Rollen als »geiergleiche« Destruenten, die Aas beseitigen u.a. m., ganz unzweifelhaft auch die in mehreren ökologischen Nischen präsenten Rabenvögel. Angesichts der, am Beispiel ihrer Bedeutung in der Ausbreitung von Pflanzensamen erkennbaren, ökologischen Bedeutung dieser Vögel sollte es sich jeder Naturschutzbehörde von selbst verbieten, irgendeiner Verfolgung den Weg zu eröffnen. Auch das nutzlose Gerede um »Schädlichkeit« muß ein Ende finden: nicht mit dem Rücken an der Wand stehen und sich das Thema aufzwingen lassen sondern kreativ und in Anwendung der Kenntnisse über ökologische Beziehungsgefüge aktiv operieren! Ansonsten sind Rabenvögel »herrenlos«. Sie begegnen dem, ach so geschützten Eigentum, wie sonst eine »Naturgewalt«, mit der man sich besser arrangieren sollte.
Wenn wir da alljährlich eine Vogelart aus dem heimischen Artenspektrum herausgreifen und zum »Vogel des Jahres« erklären, dann ist es längst überfällig, sich hier auf die ökologische Funktion, die naturschützerische Bedeutung und die »Nützlichkeit« unserer größten heimischen Singvögel zu besinnen.
? Ja, Rabenvögel gehören zu den Singvögeln! Nur, wegen ihres etwas groß geratenen Stimmapparates können sie nicht so melodische Gesänge erzeugen, wie wir es von den kleineren Vögeln gewohnt sind. Rabenvögel sind außerordentlich lernfähige Vögel, die eine hohe Anpassungsfähigkeit besitzen und nur deshalb nicht auch längst auf der Liste jener stehen, die vom Aussterben bedroht sind.
Rabenvögel sind auch schöne Vögel: ist »schwarz« nicht schick, wenn es um´s teure Auto geht oder sonstige exklusiven Modetorheiten gepflegt werden? Ist nicht eine Elster ein herrlicher Vogel in dem Kontrast des rein weißen Bauches mit dem blaugrün-blaumetallisch schillernden schwarzen Gefieder?
Nicht minder der lebhaft gemusterte Eichelhäher mit seinen strahlend hellblau gemustertete Federchen im Flügel.
Ein »Vogel des Jahres« soll Symbolik vermitteln. Die »Schönheit« allein kann da nicht das bestimmende Kriterium sein. Neben der Ästhetik in der Betrachtung muß auch die Funktionsseite ihren Stellenwert erhalten. So bedarf es gar keines langen Suchens, will man nach dem Vogel Ausschau halten, der im ersten Jahr eines neuen Jahrhunderts dieses Symbolik vermittelt. Eines Jahrhunderts, zu dessen Beginn sich längst keine Besserung in der weiterhin fortschreitenden Zerstörung der Lebensräume erkennen lässt.
Er ist der eifrigste »Sämann« unter den heimischen Vögeln und wird auch sonst in jeder Hinsicht der Rolle eines »Vogels des Jahres« gerecht:
der Eichelhäher - ein würdiger Vogel des Jahres 2000
Eberhard Schneider
VsK Vogelschutz-Komitee
http://www.vogelschutz-komitee.de
aus: TIERSCHUTZKALENDER 2000
Vogel-Mami
06. June 2005, 01:38
Rabenvögel: ganz besondere Singvögel
Die Rabenvögel sind eine Familie der Singvögel mit besonders eindrucksvollen Vogelgestalten. In Europa kennen wir vorallem acht Arten: Kolkrabe, Aaskrähe (mit den Unterarten Raben- und Nebelkrähe), Saatkrähe, Elster, Dohle, Alpendohle, Eichelhäher und Tannenhäher.
Alle heben sich gegenüber anderen Singvögeln allein schon durch ihre Größe heraus. Selbst der in Gestalt und Verhalten am ehesten an einen kleineren Singvogel erinnernde Eichelhäher wiegt 170 Gramm, etwa das Zehnfache eines Kleinvogels. Die Krähen sind mit 200 bis 400 Gramm etwa so groß und schwer wie mittelgroße Eulen. Der größte Rabenvogel, der Kolkrabe, ist immerhin so groß wie ein Mäusebussard, bei einem Gewicht von über 1,2 kg. Für vogelkundliche Laien ist es deshalb überraschend, daß es sich bei diesen Vögeln um nahe Verwandte von Amsel, Drossel, Fink und Star handelt.
Rabenvögel
Die Syrinx der Rabenvögel ist sogar noch besonders kompliziert ausgebildet. Alle Rabenvögel beherrschen einen leisen Plauder-Gesang und haben ein großes Stimmspektrum, auch wenn sie gewöhnlicherweise nur krähen oder krächzen. Die Rabenvögel werden normalerweise an die Spitze der Singvögel gestellt. Die Gründe dafür sind ihre für Vögel erstaunlichen geistigen Fähigkeiten, ihre Größe und ihr komplexes Verhalten.
Die Familie besteht aus rund 100 Arten und ist besonders auf der nördlichen Hemisphäre und in Südostasien verbreitet. Sie fehlt nur auf einigen ozeanischen Inseln, in Teilen Südamerikas und in Neuseeland.
In Sprichwörtern, Sprüchen, Redewendungen und Kinderliedern:
Erziehst du dir einen Raben, so wird er dir ein Aug ausgraben
Der Raben Bad und der Hure Beichte sind unnütz
...fällt er in den Graben, fressen ihn die Raben...
Rabeneltern, Rabenmutter, Rabenvater, Rabensohn, Rabentochter, Rabenbrut, Rabenaas
Rabenschwarz, Kohlpechrabenschwarz
von rabenschwarzer varve truogen richiu kleit. Nibelungenlied, 386,3
Rabenstein (ursprünglich der gemauerte Richtplatz unter dem Galgen)
Der Rabe in der griechischen Mythologie
Dem Apollo brachte ein Rabe die Nachricht, dass seine Geliebte, Coronis, sich mit Ischis verbunden habe, was Apollo mit solchem Schmerz erfüllte, dass er Coronis erschoss und den Raben, der vorher weiß gewesen, schwärzte. Darauf sandte er den Vogel mit einem Mischkruge (Crater) aus, um von einer Quelle Wasser zu einem Opfer zu holen. Da aber der Rabe an der Quelle einen Feigenbaum mit unreifen Früchten fand, so wartete er hier, bis die Früchte reif waren, um von ihnen zu naschen. Dann brachte er dem Gott mit dem Wasser eine Schlange, und gab vor, diese habe ihm bisher den Zugang zur Quelle verwehrt. Apollo bestrafte den Lügner mit dem Tode, setzte aber Schlange, Rabe und Becher an den Himmel unter die Gestirne. Die Schlange steht unter den Bildern des Tierkreises am südlichen Himmel, beginnt mit dem Kopf (einem hellen Stern zweiter Größe, Alphard), nahe unter dem Krebs, zieht sich bei dem Löwen und der Jungfrau vorbei und endet bei der Waage, in ihren Krümmungen eine große Zahl kleiner Sterne bergend. Auf ihr steht der Rabe unterhalb des Sternbildes Jungfrau, an vier hellen Sternen kenntlich; gleichfalls unter der Jungfrau, auf dem Rücken der Schlange stehend, befindet sich der Crater, dessen Rand sechs Sterne vierter Größe bilden, die beinahe in einem Kreis stehen. Die drei Sternbilder enthalten zusammen mehrere hundert kleinere Sterne.
Die Corvidae werden in 4 Gattungsgruppen unterteilt: http://www.wicca.ch/Rabeanimatast.gif
Häher
(42 Arten) Die Häher zeigen unter den Rabenvögeln noch die typischsten Singvogelmerkmale. Die einheimischen Arten sind Nucifraga caryocatactes (Tannenhäher) und Garrulus glandarius (Eichelhäher). In Nordeuropa kommt außerdem der Unglückhäher (Perisoreus infaustus) vor. In Nordamerika ist die Gruppe der Blauhäher verbreitet, in Mittelasien der wüstenbewohnende Saxaulhäher (Podoces panderi).
Elstern
(19 Arten) Hierbei handelt es sich um meist Arten mit überwiegend schwarz-weißem, gelb-grünem oder schwarz-blauem Gefieder und einem langem gestuften Schwanz. Gattungen sind Pica (Elster), Cyanopica (Blauelster), Cissa (Jagdelster), Crypsirina (Spatelschwanzelster), Platysmurus, Dendrocitta (Baumelster), Urocissa (Schweifkitta, Blauelster).
Bergkrähen
(2 Arten) Mit der Gattung Pyrrhocorax (Alpenkrähe & Alpendohle) in Gebirgen und an Felsenküsten.
Raben und Krähen
(33 Arten) Meist schwarze, selten graue oder braune Vögel. Hauptsächlich bestehend aus der Gattung Corvus. Systematisch isoliert noch die Gattung Corvultur.
Rabenvögel waren nie beliebt
Von den Raben geht eine eigenartige Faszination aus. Bis heute überwiegt jedoch bei den meisten Menschen ein Argwohn gegenüber Rabenvögeln, der seine Wurzeln in der frühen Kulturgeschichte hat. In der römischen und griechischen Antike war das Erscheinen der schwarzen Raben, ob Kolkrabe, Aaskrähe, Saatkrähe oder Dohle, immer ein Zeichen nahenden Unglücks.
Besonders Kriegsunglück und Tod konnten die klugen Raben in der Vorstellung der Menschen vorausahnen. Raben folgten den Heeren nicht ohne Grund aufs Schlachtfeld: es war damals schon bekannt, daß sie Aas fressen. Die Germanen überließen den heiligen Tieren des Kriegsgottes Wotan, den Wölfen und Raben, sogar ganz bewußt ihre Gefallenen auf den Schlachtfeldern.
Rabenvögel - schlaue, gelehrige und selbstbewußte Kulturfolger
Krähen und Elstern gehören zu den wenigen Tierarten, die sich erfolgreich in unseren Städten ansiedeln konnten. Beide Arten haben gelernt, daß ihnen dort vom Menschen kaum Gefahr droht und ein immer reich gedeckter Tisch auf sie wartet. Neben Insekten, Beeren, Würmern bilden Speisereste im Müll und Abfall eine willkommene Ergänzung des Nahrungsspektrums für die gefiederten Allesfresser. Auch Aas findet sich durch das hohe Verkehrsaufkommen in den Städten weitaus häufiger, als in ihrem natürlichen Lebensraum. Trotzdem sind unsere Städte für die Rabenvögel kein Paradies. Bei der Nahrungssuche geraten sie häufig unter die Räder, und auch Stromleitungen werden ihnen oft zum Verhängnis.
Krähen und Elstern gehören zu den Rabenvögeln, den größten Vertretern der Ordnung der Sperlingsvögel. Sie sind, ihrem krächzenden Ruf zum Trotz, auch Singvögel. Rabenvögel sind gesellige und soziale Tiere. Im Herbst und Winter schließen sie sich gern zu großen Verbänden zusammen. Im Frühjahr finden sich Paare zusammen, besetzen ein Brutrevier und beginnen gemeinsam mit dem Nestbau.
Auch Nichtbrüter, wie z.B Tiere, die keinen Partner oder kein geeignetes Revier finden konnten, und einjährige Jungtiere, brauchen bei den Rabenvögeln nicht auf soziale Kontakte zu verzichten. Sie bleiben weiterhin in Gruppen zusammen. Jungtiere bleiben nach dem Flüggewerden oft bis zum nächsten Frühjahr im Familienverband und haben so die Möglichkeit, nützliche Verhaltensmuster von den Altvögeln zu erlernen.
"Sozialarbeiter" Rabenvögel
Auch die Elstern und Krähen haben in der Natur ihren Platz und erfüllen wichtige Aufgaben. Sie sind "Häuslebauer", Müllmänner und Gesundheitspolizei. So nisten andere große Vogelarten, wie z.B. der Turmfalke und die Waldohreule, häufig in verlassenen Krähen- und Elsternestern. Aas und Kadaver werden von ihnen beseitigt.
Doch warum haben Rabenvögel dann diesen schlechten Ruf? "Fliegt eine Krähe dreimal übers Haus, trägt man bald einen Toten heraus." Solche und ähnliche Volksweisheiten kannten unsere Vorfahren zuhauf. Schon seit jeher umgibt diese Vögel etwas Geheimnisvolles. In der heidnischen Mythologie galt die Elster als Vogel der Göttin des Todes, Kriegsgott Odin hatte zwei Raben auf seinen Schultern sitzen und das Erscheinen von Krähen wurde als böses Ohmen gedeutet. Im Mittelalter waren sie als Hexenvögel verschrieen. Sicherlich kommt dies aus der Beobachtung heraus, daß sowohl Elstern als auch Rabenkrähen häufig an Tierkadavern zu sehen waren. Auch ihr Leichenschmaus auf zahlreichen Schlachtfeldern der Geschichte brachte sie immer mit Gevatter Tod in Zusammenhang. Wen wundert es dann noch, wenn auch in den Volksweisheiten mehr Schlechtes als Rechtes über Rabenvögel verewigt wurde? Auch heute noch stecken diese Ängste und Vorurteile in unseren Köpfen. Geschürt werden sie durch unsachgemäße Berichterstattung in der Presse und durch Filme wie Hitchcocks "Die Vögel".
Krähen und Elstern sind keine Singvogelmörder!
Immer wieder werden Rabenkrähen und Elstern als Sündenböcke für den Rückgang vieler Singvogelarten verantwortlich gemacht. Wissenschaftliche Untersuchungen beweisen, daß kein Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Elstern- bzw. Krähenpopulation und dem Rückgang von Singvogelbeständen besteht. So ergab eine Untersuchung in Osnabrück, die über zehn Jahre hinweg durchgeführt wurde, daß, trotz einer Vervierfachung des Elsternbestandes, eine positive Bestandsentwicklung beim überwiegenden Teil der häufigen Stadtvogelarten zu verzeichnen war.
Weitere Untersuchungen in verschiedenen Gebieten zeigen außerdem, daß die Nahrung von Krähen und Elstern nur zu etwa 3% aus Eiern und Wirbeltieren, wie z.B. Kleinsäugern oder Nestlingen, besteht. Bei diesem geringen Anteil an Vogeleiern und Jungvögeln in der Nahrung von Elstern und Krähen, kann von ihnen nicht als echte Räuber gesprochen werden. Und kaum jemand denkt beim Anblick eines possierlichen Eichhörnchens oder Igels daran, daß auch sie Nester plündern und die Eier fressen. Trotzdem werden beide nicht als Singvogelmörder bezeichnet.
Krähenschwarm reißt Lämmer! Krähen hacken Schafen die Augen aus!
Solche und ähnliche Meldungen geistern in letzter Zeit immer häufiger durch die Presse. Und oft genug zeigte es sich, daß entsprechende Meldungen durch die Presse kräftig aufgebauscht oder Tatsachen verfälscht wiedergegeben wurden. Meist wird sehr genau beschrieben, wie dem "Opfer" zunächst die Augen ausgehackt werden, um das wehrlose Tier anschließend leichter töten zu können. Der entsprechende "Augenzeuge", der diese Grausamkeiten beobachtet haben will, traf jedoch fast immer erst nach der vermeintlichen Tat ein, wenn auch die Krähen den Kadaver entdeckt und sich dort versammelt hatten. Genauere Untersuchungen dieser Vorfälle durch Wissenschaftler ergaben, daß es sich bei den angeblich "gerissenen" Tieren um Totgeburten oder aus andern Gründen, wie z.B. Unterernährung oder Krankheit, verendete Tiere handelte.
Krähen sind keine "Raubvögel", sie haben weder die Schnäbel noch die Krallen von Greifvögeln und verfügen daher nicht über die erforderlichen "Waffen", um gesunde Tiere zu erlegen. Selbst bei bereits verendeten Tieren haben sie große Mühe, mit ihren Schnäbeln die Haut aufzuhacken. Jeder Tierarzt kann bestätigen, welchen Widerstand die Haut eines Schafes einem scharfen Skalpell entgegensetzt. Sofern ihnen nicht bereits ein Beutegreifer, wie z.B. ein Fuchs oder ein Hund, diese Arbeit abgenommen hat, bleiben den Krähen nur die Weichteile. Dies sind z.B. After, Leistengegend, Augen und bei totgeborenen Lämmern auch der noch nicht verheilte Nabel. Für den Menschen mögen besonders die beiden letztgenannten Fälle grausam klingen, für die Krähen ist es oft die einzige Möglichkeit, an ihr Mahl zu gelangen und ihren Aufgaben als "Müllmänner" und "Gesundheitspolizei" nachzukommen.
Vogel-Mami
08. June 2005, 04:57
Tierschutzgesetz
Dritter Abschnitt
Töten von Tieren
§ 4
(1) Ein Wirbeltier darf nur unter Betäubung oder sonst, soweit nach den gegebenen Umständen zumutbar, nur unter Vermeidung von Schmerzen getötet werden. Ist die Tötung eines Wirbeltieres ohne Betäubung im Rahmen weidgerechter Ausübung der Jagd oder auf Grund anderer Rechtsvorschriften zulässig oder erfolgt sie im Rahmen zulässiger Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen, so darf die Tötung nur vorgenommen werden, wenn hierbei nicht mehr als unvermeidbare Schmerzen entstehen. Ein Wirbeltier töten darf nur, wer die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat.
(1a) Personen, die berufs- oder gewerbsmäßig regelmäßig Wirbeltiere betäuben oder töten, haben gegenüber der zuständigen Behörde einen Sachkundenachweis zu erbringen. Wird im Rahmen einer Tätigkeit nach Satz 1 Geflügel in Anwesenheit einer Aufsichtsperson betäubt oder getötet, so hat außer der Person, die die Tiere betäubt oder tötet, auch die Aufsichtsperson den Sachkundenachweis zu erbringen. Werden im Rahmen einer Tätigkeit nach Satz 1 Fische in Anwesenheit einer Aufsichtsperson betäubt oder getötet, so genügt es, wenn diese den Sachkundenachweis erbringt.
(2) Für das Schlachten eines warmblütigen Tieres gilt § 4a.
(3) Für das Töten von Wirbeltieren zu wissenschaftlichen Zwecken gelten die §§ 8b, 9 Abs. 2 Satz 2, im Falle von Hunden, Katzen, Affen und Halbaffen außerdem § 9 Abs. 2 Nr. 7 entsprechend.
Vogel-Mami
08. June 2005, 22:45
12. Mai 2005
Roggwil: Unsinnige Tierquälerei mit Krähenfallen
In Betenwil bei Roggwil/TG hat Fiorindo Bonafiglia, Jagdaufseher und Strassenwärter diese Krähenfalle aufgestellt. Im Gespräch mit dem VgT zeigte sich, dass er keine Ahnung hat von Biologie, Krähen und Populationssteuerung hat:
http://www.vgt.ch/images2/rueckseite_falle.jpg
Die Falle ist so konstruiert, dass Krähen - angelockt durch eine, die schon drin ist - hineingehen, aber nicht mehr herauskönnen. Die gefangenen Krähen werden dann getötet. Auf diese Weise soll der Krähenbestand dezimiert werden. Dass das Fangen, Vergiften und Abschiessen von Krähen keine geeigneten Massnahmen sind, um den Krähenpopulationen zu dezimieren, haben biologische Untersuchungen klar ergeben und ist unter Fachleuten bekannt. Die Verluste werden rasch wieder ausgeglichen.
Die gefangenen Vögel versuchen in Panik zu entkommen. Wenn sie dann dem Käfig "entnommen" werden, geraten sie nochmals in Todesangst. Krähen so zu fangen ist nichts als eine unsinnige Tierquälerei.
Wenn die Aggrolobby glaubt, die Krähen würden auf frisch angesäten Äckern zu viel Schaden anrichten, dann soll sie gefälligst von Biologen intelligente Methoden entwickeln lasssen (allenfalls chemische Regulierung der Fruchtbarkeit, "Antibabypillen", falls überhaupt wirklich nötig).
Rabenvögel, zu denen die Krähen gehören, sind kein "Ungezifer", sondern hochintelligente Wesen. Kürzlich haben Forscher neue, fast unglaubliche Fähigkeiten entdeckt: Rabenvögeln wurde ein Glasröhrchen mit einem Leckerbissen und ein Stück dünner Draht vorgelegt. Mit dem Draht holten die Tiere den Leckerbissen heraus. Hierauf wurde die Aufgabe immer schwieriger gemacht: Ein vertikales Röhrchen, der Leckerbissen unten. Es war nicht möglich, diesen mit dem geraden Draht heraufzuholen. So machte einer der Testvögel - auf Video festgehalten - kurzerhand einen Haken in den Draht und fischte so den Leckerbissen heraus. Und zwar nicht durch langes Pröbeln, sondern durch kurzes Nachdenken und dann rasche, zielgerichtete Verwirklichung des Planes.
In Sachen Intelligenz könnte mancher dumpfe Tierquäler von diesen Vögeln viel lernen. Der VgT wird künftig gegen Krähenfallensteller Strafanzeige wegen sinnloser Tierquälerei erstatten.
Spaziergänger, die sich über obige Krähenfalle in empört haben, schnitten vor ein paar Tagen mit eine Drahtschere ein Loch hinein, so dass alle Gefangenen fliehen konnten:
http://www.vgt.ch/images2/loch_in_falle.jpg
Die Befreier haben richtig gehandelt. Die Sachbeschädigung war in öffentlichem Interesse (Tierschutz) gerechtfertig und ist deshalb nicht strafbar.
Der VgT hat dem verantwortlichen Jagdaufseher eine Strafanzeige in Aussicht gestellt für den Fall, dass die defekte Falle wieder in Betrieb genommen würde.
Vogel-Mami
08. June 2005, 22:58
Gendarmerieeinsatz gegen illegale Krähenfallen
Bezirksjägermeister stiftete bei Jagdleiterbesprechung zum Krähenfangen an
Krähenfallen verboten, weil nicht selektiv
Die EU-Vogelschutzrichtlinie verbietet die Verwendung von Krähenfallen, weil diese nicht selektiv fangen und es immer wieder vorkommt, dass Bussard, Habicht und andere streng geschützte Tiere in solche Fallen geraten und sich dabei verletzen oder zu Tode kommen. Auch Krähen sind geschützte Tiere und dürfen nicht bejagd werden.
Anzeige gegen Jäger
Nach Hinweisen aus der Bevölkerung hat der "Dachverband der OÖ Tierschutzorganisationen" bei der Gendarmerie Schwanenstadt gegen die Fallensteller Anzeige erstattet. Einem Beamten wurden die Standorte der Fallen angezeigt. Schnell stellte sich heraus, dass der Gendarm selbst Jäger ist. Einige der Fallen waren vor dem Eintreffen von Tierschutz und Gendarmerie noch schnell ausgeräumt worden. Andere Jäger konnten nicht glauben, dass die Krähenfallen verboten sind.
Fehlinformiertheit der Jäger
Ein Jagdleiterstellvertreter hat dem Tierschutz vor laufender Kamera angegeben, dass im Herbst bei der Jagdleiterbesprechung in Vöcklamarkt der Bezirksjägermeister und ÖVP-Landtagsabgeordnete Josef Brandmayr aus Manning ausdrücklich erklärt habe, dass "im Bezirk der Krähenfang nicht untersagt sei, auch wenn beim EU-Gesetz etwas versabelt worden sei".
Jäger fühlen sich an Gesetze nicht gebunden
Die Jäger glauben wohl, sie brauchen sich an Gesetze und Vorschriften zum Schutz der Tiere nicht zu halten! Da für die Jagdprüfung offenbar nicht einmal das Notwendigste über Tier- und Naturschutz gelehrt wird, fordert der Tierschutz, dass die Jägerschaft Tierschutzunterricht erhält, bevor sie auf empfindsame Geschöpfe losgelassen wird. Auch Nachschulungen sind dringend erforderlich.
Jagdgesetze müssen EU-konform sein
Es ist höchst an der Zeit, dass das OÖ Jagdgesetz und alle anderen Jagdgesetze in den Ländern daraufhin überprüft werden, ob sie mit den EU-Richtlinien übereinstimmen und ob sie mit den Gesetzen zum Schutz der Tiere vor unnötiger Quälerei vereinbar sind. Wie beim Singvogelfang droht der Republik Österreich auch wegen der Krähenfallen ein EU-Vertragsverletzungsverfahren.
Jäger haben sich nicht unter Kontrolle
Bei dem Lokalaugenschein gab es aggressive Beschimpfungen und Drohungen gegen die Tierschützer durch die aufgebrachten Jäger. Wer zu so wenig Selbstbeherrschung fähig ist, sollte besser kein Gewehr benützen dürfen. Da war es gut, dass die Gendarmerie anwesend war.
Jäger als Tierquäler
Einer Krähe, die als Lockvogel missbraucht, verzweifel in einer der Krähenfallen herumflatterte, waren die Flügel abgeschnitten worden, dass sie nicht mehr fliegen konnte. Das geschundene Tier war in diesem Zustand nicht frei zu lassen. Der anwesenden Gendarmerieinspektor Humberger vom Gendarmerieposten Attnang-Puchheim veranlasste eine Beschlagnahme. Frau Erika Mühlleitner vom Tierschutzverein Vöcklabruck übernahm das Tier. Die Krähe soll ins Konrad-Lorenz-Institut nach Grünau zur Pflege gebracht werden, bis die Flügel wieder nachgewachsen sind.
Jäger gehören überwacht
Der Tierschutz bittet die Bevölkerung alle Krähenfallen den zuständigen Gendarmerieposten anzuzeigen, damit solche Tierquälereien der Jäger bald der Vergangenheit angehören. Die Behörden sind aufgefordert, dafür zu sorgen, dass sich auch die Jäger an die Gesetze halten. Die Rabenkrähe (auch Aaskrähe genannt, lat.corvus corone) darf, wie im Official Journal of the European Communities aufgelistet, in Österreich nicht bejagd werden! Auch das Auslegen von Gift ist verboten.
Bilddokumentation:
Mindestens 16 illegale Krähenfallen wurden der Gendarmerie angezeigt.
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/2002/1.jpg
Die meisten Fallen sind, als hätte es eine Vorwarnung gegeben, ausgeräumt.
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/2002/2.jpg
Bei der Beweisaufnahme finden sich unter Fasanenfedern auch Bussardfedern.
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/2002/3.jpg
Ein Greifvogelexperte zeigt dem Gendarmeriebeamten und Jäger,
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/2002/4.jpg
der eigenartiger Weise die Amtshandlung in zivil vornimmt,
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/2002/5.jpg
Federn, die beweisen, dass auch streng geschützte Tiere in den Krähenfallen gefangen werden.
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/2002/6.jpg
Frau Redakteurin Ebner von der Vöcklabrucker Rundschau setzt sich für den Schutz der Tiere ein.
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/2002/7.jpg
Bei der nächsten Falle wird ein Lockvogel gefangen gehalten.
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/2002/8.jpg
Der Krähe wurden die Flügel gestutzt, sie kann nicht mehr fliegen.
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/2002/9.jpg
Sie wird von der Genarmerie beschlagnahmt
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/2002/10.jpg
und dem Vöcklabrucker Tierschutzverein zur Pflege übergeben.
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/2002/11.jpg
Erst wenn die Federn nachgewachsen sind, kann die Krähe wieder freigelassen werden.
Dr. Friedrich Landa
Tierschutz-Dachverbandspräsident
+43 66 43 43 43 66
Vogel-Mami
08. June 2005, 23:36
Kähenfallen: Jäger als Tierquäler
Bevölkerung erzürnt über tierquälende Jäger
Mitte Dezember hatte Oberösterreichs Landesjägermeister Reisetbauer den Krähen und Elstern den Krieg angesagt (OÖN vom 11. Jänner). Der Oö. Landestierschutzverein eröffnet am Samstag 16. Feb. um 14 Uhr eine Ausstellung zum Thema Krähenfallen. Die Informationstafeln sind bis 26. Feb. im Tierheim Linz zu besichtigen.
Krähenfallen sind Tierquälerei
Mit Hilfe von Lockvögeln und Ködern werden die hoch intelligenten Tiere lebendig in die Fallen gelockt und gefangen genommen. Verzweifelt fliegen die schönen schwarzen Vögel immer wieder gegen die Gitter. Aber ein Entkommen gibt es nur, wenn Menschen sich ihrer erbarmen. Die Tiere kämpfen oft tagelang gegen die Gefangenschaft, manche sterben an Verzweiflung oder Verletzungen, noch bevor der Jäger sie aus der Falle holt, um sie brutal zu töten. In der Nähe des Menschen erleiden die sensiblen Tiere Todesangst!
Jäger können sich's richten
Beim Einfangen wildlebender Tiere handelt es sich um eine besondere Form von Tierquälerei die nach dem Tierschutzgesetz verboten ist. Da aber die Rechte der Tiere um der Interessen der Menschen willen ständig missachtet werden, wurden in einer Verordnung zum oö. Naturschutzgesetz die Krähenfallen legalisiert. Die Jäger waren eine der stärksten politischen Lobbys und konnten es sich richten, Tierquälereien zu begehen, ohne mit Bestrafung rechnen zu müssen.
Kein Verständnis für Tierquälerei
Die Jäger wollen von der Bevölkerung Verständnis für ihre Tierquälereien mittels Krähenfallen. Sie suchen nach einem Vorwand, um ihre Schandtaten rechtfertigen zu können und bezeichnen die Krähen als Nesträuber. Untersuchungen von Universitäten haben aber ergeben, dass nur 0,2 Prozent der Nahrung der verfolgten Tiere von Eiern und Jungtieren anderer Vögel stammt. (siehe Gutachten im Anhang)
Gutachten zu Krähenfallen und Singvogelfang
Tierschutz-Landesrätin Dr. Stöger wird ersucht, dafür zu sorgen, dass nicht irgendwelchen privilegierten Vogelfängern Tierquälereien, die nach dem Tierschutzgesetz verboten sind, durch Verordnungen zum Naturschutzgesetz gestattet werden. Der Tierschutz fordert auch ein Gutachten unabhängiger Experten für den Singvogelfang im Salzkammergut. Bei wissenschaftlichen Untersuchungen zu den Krähenfallen hat sich herausgestellt: Die Jagd auf Rabenvögel ist unberechtigt. Sie schadet sogar dem Naturhaushalt, denn die Tiere haben als Aas- und Insektenvertilger eine wichtige Funktion.
Geschützte Tiere in Krähenfallen
Die Jägerschaft versucht ihren Feldzug gegen die schwarzen Vögel mit der Behauptung zu rechtfertigen, dass es zu viele Krähen gibt. Das ist Jägersanskrit! Die Tiertöter selbst vernichten die natürlichen Feinde der Krähen. In den Krähenfallen werden auch geschützte Greifvogelarten gefangen, verletzen sich dabei oft schwer und gehen elendiglich zugrunde (siehe Bilddokumentation). Die Jäger wollen nicht einsehen, dass die Natur fähig ist, sich auch ohne Eingriffe des Menschen zu regulieren. Es gibt nicht zuviele Vögel, sondern zuviele Krähenfallen und zuviele Jäger. Dieser Missstand gehört behoben.
Ethik und Mitgefühl statt Tiermord und -Ausbeutung
Es ist nicht einzusehen, dass beim Tierschutz ohne Rücksichtnahme auf die Betroffenen immer wieder nicht nachvollziehbare Ausnahmemöglichkeiten zum legalen Quälen von Mitgeschöpfen gesetzlich festgeschrieben werden. Solch anthropozentrische Regelungen gehören geändert! Laut Auskunft vom Büro LR Dr. Stöger werden die Krähenfallen in der neuen Verordnung zum Naturschutzgesetz nicht mehr gestattet sein, da sie "in breiten Bevölkerungskreisen keine Akzeptanz finden".
Krähenfallen nach EU-Recht nicht erlaubt
Der Entwurf zur neuen Verordnung zum O.Ö.NschG sieht laut Schreiben von Mag. Hermann Urban von der Naturschutzabteilung vor, dass nach § 12 Fangfallen, die nicht selektiv sind, nicht mehr angewendet werden dürfen. Auch die Netzfallen der Singvogelfänger im Salzkammergut fangen nicht selektiv. Die Rabenkrähe unterliegt auch dem allgemeinen Schutz nach der EU-Vogelschutzrichtlinie, in der sie in Anhang II gelistet ist und dürfte somit nicht bejagd werden. Nach EU-Recht sind Krähenfallen nicht erlaubt!
Jäger als Tierquäler und Feinde der Tiere
Sie geben sich gerne das Image des Hegers. In der Bevölkerung gibt es kaum Verständnis für die Leidenschaften der Jäger: anderen empfindsame Lebewesen aufzulauern, aus dem Hinterhalt auf sie zu schießen, sie bei Treibjagden zu Tode zu hetzen oder tödlich verletzt verrecken zu lassen. Auch zu den Krähenfallen muss von Seiten des Tierschutzes klar gesagt werden: Jäger betreiben Terror gegen Tiere! Der Gewalttätigkeit der Jäger gegen unsere Mitgeschöpfe wird der für das Tierschutzbewusstsein immer sensibleren Bevölkerung zunehmend unerträglicher.
Jagd ist "Krieg gegen Tiere"
Die Menschen sollten endlich lernen mit sich selbst und allen empfindsamen Geschöpfen auf dieser wunderbaren Erde in Frieden zusammenzuleben. Die Tierrechtsbewegung strebt an, dass die Verfolgung der Tiere generell als nicht mehr zeitgemäß untersagt wird. Wir sollten unsere menschliche Intelligenz nicht dazu missbrauchen, den Tieren nachzustellen und sie auszurotten, sondern unsere Mitlebewesen bestmöglich schützen und behüten.
Bilddokumentation Krähenfallen
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/1.jpg
In dieser Falle sind fünf Krähen gefangen
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/2.jpg
Es gibt kein Entkommen
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/3.jpg
Es denn die erzürnte Bevölkerung lässt die gefangenen Krähen frei
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/4.jpg
Der Weg zurück in die Freiheit ist offen
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/5.jpg
Die hochintelligenten Tiere nützen sofort ihre Chance
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/5-1.jpg
Am Plan ist eine Krähenfalle nach der anderen eingezeichnet:
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/6.jpg
Werden die Krähen in illegalen Schlagfallen gefangen, trennen ihnen die Eisen meist die Füße ab
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/7.jpg
Die Toten dienen wie im Partisanenkrieg der Abschreckung
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/8.jpg
Geschützte Greifvögel in Krähenfallen
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/8-1.jpg
Die natürlichen Feinde der Krähen (ein Uhu) werden zum Anlocken von Krähen missbraucht:
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/9.jpg
Bilder von der Ausstellung im Linzer Tierheim,
die in Zusammenarbeit mit Jugendlichen der "Schule für individuelle Förderung" erstellt wurde:
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/fallen/1.jpg
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/fallen/2.jpg
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/fallen/3.jpg
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/fallen/4.jpg
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/fallen/5.jpg
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/fallen/6.jpg
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/fallen/7.jpg
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/fallen/8.jpg
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/fallen/9.jpg
http://www.tierschutz.cc/bilder/kraehen/fallen/10.jpg
Dr. Friedrich Landa
Tierschutz-Dachverbandspräsident
+43 66 43 43 43 66
Vogel-Mami
08. June 2005, 23:48
http://www.tierheim-linz.at/pages/2-2001-4.jpg http://www.tierheim-linz.at/pages/2-2001-7.jpg
Und wieder Krähenfallen
Jetzt im schönen Monat Mai, werden die Krähenfallen immer mehr. Das Tierschutzgesetz verbietet es, Krähen während der Brutzeit abzuschießen, es verbietet es offenbar aber nicht, sie lebendig zu fangen. Das darf man das ganze Jahr.
Dort sind die Krähenfallen aufgebaut, jene großen, nicht einmal billigen Drahtkäfige, die einen Köder in Form von Aas oder Speiseresten enthalten - in einem belelegten Fall waren es sogar tote Kätzchen. Die schwarzen Vögel können in die Käfige zwar hinein aber nicht mehr heraus.
Zwar,schreibt das Gesetz vor, dass Lebendfallen jeden Tag überprüft werden müssen und die gefangenen Tiere an Ort und Stelle getötet werden müssen, doch wer wird das wohl in der Praxis überprüfen!
So hat das Tierschutzgesetz hier eine Lücke, die es gewissen Menschen ermöglichen ihrer Jagdleidenschaft das ganze Jahr zu frönen, jener Jagdleidenschaft, die bekanntlich schon den Steinzeitmenschen eigen war.
Wenn man im Fruhling am Waldrand spazierengeht und das Maiengrün genießt, ahnt man kaum, welche Tragödien sich an abgelegenen Stellen, gut versteckt, abspielen.
Vogel-Mami
08. June 2005, 23:54
http://www.tierheim-linz.at/pages/berger2.jpg Vorwort
Krähen haben eine schlechte Presse. Sie sind bei vielen Menschen nicht recht beliebt. Besonders Jäger sagen ihnen viel Schlechtes nach - meist zu Unrecht. Die Rabenvögel sind geradezu ein Symbol für negative Vorzeichen geworden. So spricht man von einem rabenschwarzen Tag, von Rabeneltern oder davon, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt.
Dabei sind Rabenvögel schöne, intelligente, ja "witzige" Vögel, die in der Vielfalt der Natur eine wichtige Funktion haben und die wir nicht missen möchten.
Weil Krähen aber solch ein schlechtes Image haben, kann man ihnen anscheinend ungestraft alles Böse antun.
Besonders grausam ist der Brauch, sie rund um das Jahr in Krähenfallen zu fangen. Die gefangenen Vögel müssen dann tagelang ohne Wasser und in Todesangst in Fallen sitzen, bis der Fallensteller vorbeikommt und sie umbringt. Häufig kommt es zu Fehlfängen.
Von kleineren Singvögeln bis zu eigentlich geschützten Beutegreifvögeln geraten viele in solche Fallen.
Weil Krähenfallen nicht selektiv sind, wären sie eigentlich nach EU Recht verboten. Das OÖ Landesjagdgesetz macht jedoch hier eine Ausnahme. Nach der neuen Verordnung des OÖ Naturschutzgesetzes, das noch nicht in Kraft ist, werden Krähenfallen allerdings nicht mehr erlaubt sein.
Der Kampf gegen diese grausamen Fallen ist also noch nicht gewonnen, aber wir haben ihn aufgenommen. Sollten Sie in Zukunft eine solche Falle entdecken, verständigen Sie die Behörde!
Um über die Lebensweise der Rabenvögel aufzuklären, haben wir im Februar im Linzer Tierheim eine Ausstellung gestaltet. Schülerinnen und Schüler der Diesterwegschule haben uns mit viel Freude und Begeisterung dabei geholfen.
Diese Ausstellung wird wahrscheinlich auf Wanderschaft gehen und auch noch an anderen Orten zu sehen sein.
Dr. Hilde Berger
Präsidentin
Vogel-Mami
09. June 2005, 00:06
Einsatz von Krähenfallen
Nach wie vor, werden in Österreich spezielle Fallen eingesetzt, um vor allem Nebelkrähen zu fangen und zu töten. Doch der Einsatz solcher Fallen, geht nach Meinung des Tierhilfswerk Austria, nicht konform mit der, auch für Österreich gültigen, EU- Vogelschutzrichtlinie.
Warum wird die Nebelkrähe so erbittert gejagt?
Aus der Sicht der Jäger erklärt es sich einfach: Nebelkrähen gelten als Nesträuber, die mitunter Eier oder Junghasen fressen und dies ist den Jägern ein Dorn im Auge. Nicht, weil sie die armen Hasen beschützen, hegen und pflegen wollen, sondern simpel, weil sie um ihre Zielscheiben in der nächsten Jagdsaison fürchten, denn Untersuchungen von Universitäten ergaben, dass nur 0,2 Prozent der Nahrung dieser verfolgten Tiere von Eiern und Jungtieren anderer Vögel stammt.
Hinzu kommt noch, dass die Jagd auf Rabenvögel völlig unberechtigt ist. Sie schadet vielmehr dem Naturhaushalt, denn die Tiere haben als Aas- und Insektenvertilger eine wichtige Funktion.
Die weitverbreitet Meinung unter den Jägern, dass es zu viele Rabenvögel gibt und diese den Naturhaushalt stören, ist ebenfalls widersinnig. Denn im Herbst, wenn die Jagdsaison beginnt, wird der Abschuß von 87.429 Hasen (Jagdstatist der Saison 2001/2002) damit gerechtfertigt, dass es zu viele davon gibt. Wo liegt da die Logik?
Was schreibt das Gesetz vor?
Bis 1995, also bevor Österreich der Europäischen Union beitrat, waren solche Fallen österreichweit erlaubt. Doch mit dem Beitritt, hätte sich dies ändern sollen, denn seit 1979 gibt es in der EU eine Vogelschutzrichtlinie, die den Einsatz von nicht selektiven Fallen (siehe nächster Absatz) verbietet. Doch die Umsetzung in die entsprechenden Landesjagdgesetze (in Österreich gibt es hierzu neun verschiedene) ließ zum einen lange auf sich warten oder wurde wie z.B. in Niederösterreich erst im April dieses Jahres verwirklicht!
Doch nach wie vor sind Krähenfallen in den meisten Bundesländer erlaubt. Fachleute der Jägerschaft erstellten entsprechende Gutachten. Die Objektivität solcher Gutachten stellte das THWA in Frage!
Was ist nun eine nicht selektive Falle?
z.B. Eine Falle, wie die hier abgebildete. Die Falle ist unserer Meinung nach nicht selektiv im Fang, weil alle Tiere, die durch dieses Öffnung passen auch hineingelangen, jedoch nicht wieder heraus können. Wenn eine Nebelkrähe sich dorthinein verirrt, dann kann dies auch ein Singvogel – der dann innerhalb von wenigen Stunden verhungert und mit ihm seine verlassene Brut. Auch Bussarde, Falken und sogar Uhus wurden schon aus solchen Fallen gerettet, meist mit schwersten Verletzungen. Zwar schreibt das Gesetz vor, dass alle Vögel, die keine Nebelkrähen, Elstern oder Eichelhäher sind, freigelassen werden müssen, doch wer überprüft dies?
Was unternimmt das THWA dagegen?
Zur Zeit untersuchen das THWA, ob alle Bundesländer die EU Vogelschutzrichtlinie korrekt ins Landesjagdgesetz aufgenommen haben. Sollte dies nicht der Fall sein, wird das THWA nicht zögern, alle notwendigen, rechtlichen Schritte einzuleiten, auch wenn es bedeutet, die Angelegenheit bis zum Europäischen Gerichtshof zu tragen. Aber es darf nicht angehen, dass österreichische Bundesländer EU Richtlinien einfach ignorieren oder nicht korrekt umsetzen!
WICHTIG:
Seit Oktober 2002 gibt es ein vom NÖ Landesjagdverband erlassenes Merkblatt, welches die Bauweise einer solchen Krähenfalle genau vorschreibt. Entspricht eine Krähenfalle nicht diesen Vorschriften, ist sie nicht zulässig! Diese Merkblatt gilt zur Zeit nur für das Land Niederösterreich.
Sollten Sie also eine Krähenfalle finden, die nicht diesen Vorschriften entspricht, können Sie Anzeige bei der zuständigen Gendarmerie machen, die dann dafür sorgen muss, dass der zuständige Jagdleiter den Abtransport der Falle veranlaßt.
Dies ist zwar für das THWA noch nicht als Erfolg zu werten, aber es bietet immerhin die Möglichkeit etlicher dieser Fallen zumindest vorübergehend stillzulegen.
Das Merkblatt erhalten Sie beim THWA unter Telefon: 01 - 585 81 26
Was können Sie machen, wenn Sie eine solche Falle finden? http://www.tierhilfswerk.at/pics/kraehenfalle2.jpg
Bitte informieren Sie uns sofort! Tel.: 01 - 585 81 26
Photographieren Sie die Falle und senden Sie uns die Fotos
Überprüfen Sie in NÖ, ob die Bauweise der Falle den Vorschriften entspricht.
Achtung: Das Freilassen der Tiere ist verboten! Wenn Sie es trotzdem machen, müssen Sie, sollten Sie beobachtet werden, mit einer Verwaltungsstrafe rechnen!
Vogel-Mami
09. June 2005, 00:15
Rabenkrähe & Co.
Rabenkrähen und Wiesenvögel - passt das zusammen?
Als Verursacher für den unzureichenden Bruterfolg von Wiesenlimikolen (Kiebitz, Großer Brachvogel, Uferschnepfe ...) wird neben der intensiven Landwirtschaft, nebst Entwässerung und Witterungseinflüssen, immer wieder in Bevölkerung und Presse (zuletzt: Lingener Ta-gespost vom 10.06.2003) die Rabenkrähe als Hauptschuldiger benannt.
In den letzten Jahren wurden in Nordwest-Deutschland und den Niederlanden intensive wis-senschaftliche Untersuchungen zu Gelegeverlusten von Wiesenlimikolen durchgeführt. Da-bei wurden erstmals Thermologger eingesetzt, die die Temperatur in der Nestmulde zusam-men mit der Uhrzeit aufzeichnen.
Anhand der Temperaturverläufe kann nun exakt festge-stellt werden, ob ein Gelege geschlüpft ist bzw. zu welchem Zeitpunkt das Gelege verlassen bzw. zerstört wurde.
Übereinstimmend zeigen alle Untersuchungen, dass Gelegeverluste durch Prädatoren (‚Räuber’) zum größten Teil nachts und in der Dämmerung geschehen. Nur ein geringer Teil von 10 – 15 % der geplünderten Nester geht tagsüber durch Prädatoren verloren, unter an-derem auch durch die nur tagaktive Rabenkrähe.
Es ist also ein Trugschluss, dass der potenzielle Räuber, den man am häufigsten sieht, die Rabenkrähe, auch für die meisten Verluste verantwortlich ist!
http://www.nabu-emsland.de/bilder/72-13062003112148-01.jpg
Kiebitzküken (Quelle: NABU)
Wie lange wird es wohl noch dauern, bis diese Erkenntnisse sich bei Naturliebhabern, Land-wirten und Jägern durchsetzen und akzeptiert werden? Vielleicht gehört dann auch das ille-gale und strafrechtlich relevante Aufstellen von Krähenfallen durch schwarze Schafe inner-halb der Jägerschaft der Vergangenheit an, ebenso wie das Auslegen von Gifteiern!
Thomas Weber
http://www.nabu-emsland.de/bilder/72-13062003112148-02.jpg
Krähenfalle (Quelle: NABU)
Postkartenaktion gegen "Wissenschaftliches Projekt" im Landkreis Leer
Im Februar 2004 wurde im Landkreis Leer dem Antrag der Kreisjägerschaft stattgegeben, Einzelfallen und Norwegische Krähenfallen aufzustellen, um Rabenkrähen und Elstern zu fangen und zu töten. Bisher wurden über 5.700 dieser Tiere in ca. 200 Fallen gefangen und dann erschlagen. Hinzu kommen Beifänge wie Bussarde, Waldohreulen und Falken, wobei es sich hier um geschützte und gefährdete Arten handelt.
Der NABU Niedersachsen hat eine Protest-Postkartenaktion gegen den genehmigten Vogelmord in Niedersachsen gestartet. Mit den Protestkarten wird die Niedersächsische Landesregierung aufgefordert, die Vogelfallengenehmigung im Landkreis Leer zurückzuziehen und die vermeintliche wissenschaftliche Begleitung durch das Institut für Wildtierforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover sofort zu stoppen. Der NABU Niedersachsen wendet sich entschieden gegen das in der Projektbeschreibung formulierte Ziel ‚rechtsverbindliche Legalisierung der Fallenjagd in Niedersachsen’. Die Fallenjagd auf Vögel ist in Deutschland verboten.
Postkarten zum Download im Netz unter www.nabu-niedersachsen.de (http://www.nabu-niedersachsen.de/) ‚Aktion gegen Rabenfallen’.
aktualisiert: 09.06.2005
Vogel-Mami
09. June 2005, 01:06
10.10.1999
Unsinnige Verfolgung
Wieder Fallenfunde im Kreis Gütersloh
“Greifvogelfallen in einem Wald bei Rietberg – ein Einzelfall? Sich jährlich wiederholende Funde vom illegalen Greifvogel und Krähenfallen im ganzen Gütersloher Kreisgebiet bezeugen etwas anderes”, schreibt Michael Pilarski von der Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz im Kreis Gütersloh e.V. (GNU). Im Kreis GT findet immer noch eine illegale Verfolgung, der in Jagdkreisen unbeliebten Tiergruppen statt. Fast alle Greifvogelarten zeigen europaweit abnehmende Bestände, durch die Intensivierung der Landschaftsnutzung. Umfangreichen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Unverzichtbarkeit dieser Tiere im Naturhaushalt führten zum umfassenden gesetzlichen Schutz der Greifvögel, um eine unsinnige Verfolgung zu unterbinden. Das in Jägerkreisen sachliche Erkenntnisse nicht viel zählen, zeigen regelmäßige Fallenfunde. Traurig wird diese Angelegenheit, wenn eine solche Barbarei von seriösen Jagdverbänden heruntergespielt wird.
Jeder Spaziergänger und Radler sollte auf Fallen in der Landschaft achten, damit die tierquälerische Tötung von Tieren zur Anzeige gebracht werden kann. Traurig ist auch, dass auch immer wieder die Tötung von Rabenvögeln gefordert wird. Auch hier zeigen Hunderte von Untersuchungen keine Beeinträchtigung des Naturhaushaltes, vielmehr erweisen sich diese Vögel als gut eingespielter Bestand der Natur mit einer menschenunabhängig funktionierenden Bestandsregelung. Wer behauptet, die Elster würde sich massenhaft vermehren, informiert falsch, denn der Elsterbestand ist vielerorts seit Jahren rückläufig. Der Grund ist der Verlust reichhaltiger Landschaft durch Intensivlandwirtschaft. Die einzige Ausweichmöglichkeit findet die Elster in den gartenreichen Stadtbereichen, wo sie dann den Menschen häufig auffällt. Durch ihren Nahrungserwerb, der auch Eier und Nestlinge umfasst, bekommt sie ein schlechtes Image und die Gelegenheit wird von Interessengruppen zum Ruf nach Bejagung genutzt. Hauskatzen und Eichhörnchen hingegen fressen nachweislich häufiger Vogelkost, aber niemand käme auf die Idee, eine Tötung dieser Tiere zu fordern.
(Hervorhebungen von "Vogel-Mami")
Vogel-Mami
09. June 2005, 01:22
http://www.gnu-gt.de/Vogeljagd_NBalanceBanner.gif
(Auszug)
...
Die Tötung von Wildtieren beschränkt sich somit nicht mehr auf essbare Arten, sondern es werden auch lästige Konkurrenten getötet und verscharrt. So führt dieser angeblich naturfreundlicher Jäger schon bald einen Privatkrieg gegen “Jagdschädlinge” und das nennt sich dann Wildhege. Dieser Begriff mit langer Jagdtradition hat v.a. im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zur weitgehenden Ausrottung aller ungeliebten Greifvögel durch Vergiften, Fallen und Abschuss geführt. Die derzeit zunehmenden illegalen Verfolgungen – auch wieder mit tierquälerischem Gift und Fallen – gehört regional schon wieder zu den Rückgangsursachen der geschützten Greifvögel.
http://www.gnu-gt.de/Uber_uns/Arbeitskreise/Ornithologie/Vogeljagd/RKFalle.jpg
Diese Art von illegalen Krähen-, Elstern- und Greifvogelfallen finden sich auch im Kreisgebiet noch regelmäßig an versteckten Orten in den Jagdrevieren.
Der Besitzer dieser Falle musste teuer bezahlen und die Falle unter Aufsicht zerstören. Es lohnt sich also, wenn der Naturfreund und Spaziergänger derartige gesichtete Anlagen bei der Unteren Landschaftsbehörde im Kreishaus zur Anzeige bringt – jeder Vogelfang mit Fallen ist illegal und quält und verstümmelt die Wildvögel unserer heimatlichen Landschaft!
Aber als Konkurrenten werden auch die Rabenvögel, insbesondere die Rabenkrähe angesehen. Entgegen den Schutzbestimmungen der EU, die eine Tötung von Tieren ohne sinnvollen Grund (Jägerneid ist keiner) verbietet und die Rabenvögel folgerichtig als geschützte Arten ausweisen, wurde in NRW auf Druck der Jagdverbände eine Ausnahmereglung eingeführt, welche die Rabenkrähe und die Elster für vogelfrei erklärt. Diese Ausnahme führt zu wieder auflebenden Hassreaktionen und äußert sich in solchen Bildern:
http://www.gnu-gt.de/Uber_uns/Arbeitskreise/Ornithologie/Vogeljagd/kraehe2.jpg Ein trauriges Bild, das leider noch nicht der Vergangenheit angehört.
Im Frühjahr 2000 wurden drei illegal in der Brutzeit getötete Rabenkrähen auf einem Spargelacker aufgehängt.
Derartig hasserfülltes Handeln ist kein Einzelfall und v.a. an Silagelagern noch ein gewohntes Bild menschlicher Verrohtheit und antiquierten Denkens.
Einige Jäger und Bauern nehmen es zudem nicht so genau mit der Artenbestimmung und so fallen auch andere geschützte Arten ihnen jetzt zum Opfer. In vergangenen Wintern waren erschossene Saatkrähen im Brockhagener Raum zu sehen und auch Dohlen bei Herzebrock und Rheda-Wiedenbrück.
http://www.gnu-gt.de/Uber_uns/Arbeitskreise/Ornithologie/Vogeljagd/DO.jpg
Ein Opfer der durch Jägerlobby aufgeweichten Vogelschutzgesetze in NRW.
Diese Dohle ist zwar nach wie vor gesetzlich geschützt, wurde aber mit einer zur Jagd freigegebenen Rabenkrähe “verwechselt”, erschossen und vom Landwirt im Getreidefeld aufgehängt.
Weitere Bestrebungen zum Abschuss ungeliebter Arten auch bei anderen Interessengruppen, z.B. Kormorane bei den Anglern, sind im vollem Gange. Teile der Jägerschaft sind sich in solchen Fällen nicht zu schade als bezahlte Erfüllungsgehilfen zu agieren und sich neuer Abschussopfer anzunehmen – aus Tradition, Naturliebe oder Tradition? Das Denken der vorwissenschaftlichen Zeit holt uns offenbar wieder ein und wirft auch international ein schlechtes Bild auf deutsche Jäger, welche durch ihre Einflussnahme die deutsche Naturschutzpolitik zunehmend in Misskredit bringen.
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Vogel-Mami
09. June 2005, 01:30
Sündenbock Krähe - über 5500 erschlagene Rabenvögel
Das Deutsche Tierhilfswerk e. V. fordert sofortigen Stopp des "Forschungsprojekts" in Ostfriesland
Berlin/Leer, 24.03.2005. Unter dem Vorwand, seltene am Boden brütende Vogelarten vor dem Aussterben bewahren zu wollen, läuft in Ostfriesland seit Anfang 2004 eine groß angelegte Tötungsaktion von Rabenvögeln. Verantwortlich für diese Aktion, bei der bisher über 5500 Rabenkrähen und Elstern in so genannten norwegischen Krähenfallen gefangen und anschließend erschlagen worden, zeichnet das Institut für Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Offizielle Begründung für die Hatz: die Rabenvögel wären wegen ihrer Vorliebe für Eier und Jungvögel dafür verantwortlich, dass die Bestände an seltenen Wiesenbrütern immer mehr zurückgehen.
"Dieses Projekt entbehrt jeder wissenschaftlichen Notwendigkeit und ist ethisch verwerflich", empört sich Ursula Bauer Diplom Biologin vom Deutschen Tierhilfswerk in Berlin. "Hier werden Tiere in zwei Lager eingeteilt. Die guten dürfen leben und die vermeintlich bösen werden erbarmungslos vernichtet". Dabei trifft es nicht nur die Krähen und Elstern. In den EU-weit zwar verbotenen, in Ostfriesland jedoch haufenweise eingesetzten Fangkäfigen kommen nämlich auch diverse andere, zum Teil seltene, Greifvögel und Eulen zu Tode.
"Einzelne Vogelgruppen als Sündenböcke zu verfolgen bringt gar nichts", so die Biologin vom Deutschen Tierhilfswerk, "es müssen die tatsächlichen Ursachen für den Rückgang der Wiesenvogelarten behoben werden."
Vor allem die Zerstörung geeigneter Lebensräume und die intensive landwirtschaftliche Flächenbewirtschaftung setzen den seltenen Boden brütenden Wiesenvögeln zu. "Da fallen einige von Krähen gestohlene Eier nicht weiter ins Gewicht", erklärt Ursula Bauer.
Dem Regulierungswahn, verwirklicht durch selektive Tötung bestimmter Tiere, waren bisher nur Waidmänner mit extremer Gesinnung verfallen und bedauerlicherweise ist auch bei diesem Krähenprojekt die Handschrift der Jägerschaft unverkennbar.
Dass sich jedoch offiziell eine tierärztliche Hochschule an einem derart fragwürdigen "Forschungsprojekt" beteiligt, ist unbegreiflich. Wird angehenden Tierärzten hier beigebracht, Leben zu beenden, statt Leben zu erhalten? Haben junge Wissenschaftler wirklich keine sinnvolleren Forschungsinhalte als die mit öffentlichen Fördergeldern finanzierte Massentötung von Rabenvögeln?
Das Deutsche Tierhilfswerk fordert den sofortigen Stopp des ostfriesischen Rabenvogel-Projekts und den Abbau der Fallen, um den sinnlosen Tod weiterer Tiere zu verhindern.
Vogel-Mami
09. June 2005, 02:04
Montag, 05. August 2002
Unterland / Krähenschwärme richten bei einzelnen Landwirten grosse Schäden an
Schlauer, als dem Menschen lieb ist
Sie sind schwarz, schlau und zuweilen sehr gefrässig: die Krähen. An einigen Orten haben sie die ganze Aussaat gefressen. Von einer allgemeinen Plage kann jedoch nicht die Rede sein.
http://www.zuonline.ch/storys/img/050802_1.jpg
Das Aufhängen von toten Krähen schreckt die Spaziergänger eher ab als ihre schwarzen Artgenossen. (Bild: Daniel Stehula)
«Auch die Krähen müssen leben», meint Gemüsebauer Heinrich Nötzli aus Bachs gelassen. Die schwarzen Räuber haben bei ihm kleinere Schäden angerichtet, diese halten sich jedoch im üblichen Rahmen, und deshalb beunruhigen ihn die Tiere nicht sonderlich.
Etwas dramatischer sieht es Ernst Haab, ebenfalls Landwirt in Bachs: «Wir wurden dieses Jahr zwar verschont, aber nur weil wir keine exponierten Kulturen haben. Aber diese Krähen sind eine Plage.» Exponierte Kulturen sind Felder, die nicht an der Strasse liegen, nicht von Hecken durchtrennt sind und von Menschen und anderen Störenfrieden kaum aufgesucht werden. Auf solchen haben die Krähen freie Bahn.
Zweimal gesät
Wie gefrässig Krähen sein können, bekam Theodor Pfister aus Bachs zu spüren. Im Schlatt musste er auf einer Kuppe ganze zwei Hektaren nochmals ansäen, weil die Krähen etwa 50 Prozent der Maissetzlinge gefressen hatten. «Das ist das erste Mal, dass ich einen solchen Schaden habe, aber mich dünkt, dass es von Jahr zu Jahr mehr Tiere hat.» Maissetzlinge sind eine beliebte Leckerei für die schwarzen Räuber, auch Erdbeeren und Gemüsekulturen verschmähen sie nicht. Trotz einiger Schadensfälle leidet das Unterland aber nicht an einer Krähenplage.
Meist kein Problem
Der Gemeinderat und Landwirt von Freieinstein-Teufen, Gerhard Lienhard, hat nichts von Kräheninvasionen gehört. Auch Marc Pfeiffer, dem Gemeindeschreiber von Oberembrach, sind keine diesbezüglichen Probleme zu Ohren gekommen: «Wir sind nicht ständig mit diesem Thema konfrontiert.
Es gibt zwar Krähen, die die Bauern nerven und Elstern, die in Wohnquartieren die Leute verärgern, doch es ist kein grosses Problem.» Kurt Zimmermann, Obmann der Jagdgesellschaft Bülach Nord sieht die Sache ähnlich. Trotz der zum Teil grossen Anzahl Tiere verursachten sie eigentlich keine grossen Schäden. Bisher habe es keine Reklamationen gegeben.
Schadenersatz
Für Schäden an den Kulturen kommen die örtlichen Jagdgesellschaften auf. Der Betrag wird zu einem Drittel vom Wildschadenfonds des Kantons zurückerstattet.
Sind die Krähen einmal da, sind sie schwer wegzukriegen. Das Aufstellen von Vogelscheuchen oder toten Tieren zeigt meist eine kurzfristige bis gar keine Wirkung. Überschreiten die Kulturschäden eine duldbare Grenze, können die Geschädigten die örtliche Jagdgesellschaft ersuchen, den Bestand zu dezimieren.
Um dies tun zu können, muss letztere bei der Volkwirtschaftsdirektion einen Antrag zur Verringerung des Tierbestandes stellen. Meist geschieht dies durch Krähenfallen, in welchen die Tiere gefangen und daraufhin getötet werden, weil der Abschuss auf offenem Feld gefährlich ist. Die Gemeinden können zwar zum Abschussgesuch Stellung beziehen,
die Entscheidungskompetenz liegt jedoch beim Kanton.
Die Jagd ist schwierig
«Die Jagd auf die schlauen Räuber kann sich schwierig gestalten», meint Obmann Kurt Zimmermann. «Hat man eine Krähe abgeschossen, dann kennen die restlichen Krähen nicht nur dich und dein Gewehr, sondern auch dein Auto.» Kürzlich habe er sie an einem Abend auf einem Feld beobachtet. «Ich bin zu meinem Auto gegangen, und als ich drei Minuten später zurückgekommen bin, war keine einzige Krähe mehr da.» (zri/gau/asa)
Vogel-Mami
09. June 2005, 02:48
Der Rabenvogel ist kein Bösewicht
Schaffhausen: Raben werden seit alters und neuerdings wieder für Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen verantwortlich gemacht. An der Versammlung des Schaffhauser Jagdschutzvereins wurde das Problem von Krähenschwärmen zwar jüngst thematisiert, Fachleute wie Bauernsekretär Ernst Landolt wollen aber von einer Plage nichts wissen -dies wohl auch darum, weil der schwarze Vogel im Laufe der Jahrhunderte immer wieder als ein Opfer von Aberglauben verfemt und verfolgt wurde. Zu Unrecht, denn der Rabe ist kein Bösewicht.
Die "Überpopulation der ungebetenen Gäste" müsse dringend reduziert werden, um weitere Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen zu verhüten. In Uster forderten Landwirte gar den Einsatz von "Krähenfallen", einer Art Volièren, in denen gefangene Vögel ihre frei lebenden Artgenossen anlocken sollen. Tierschützer protestierten.
Ornithologe Roost kann jedoch nicht bestätigen, dass im Kanton Schaffhausen die Populationen in den letzten Jahren zugenommen hätten. Auf Anfrage räumte Hans Hakios von der Kantonalen Schätzungskommission für Wildschäden ein, dass die von Rabenkrähen verursachten Schäden in der Landwirtschaft noch nie gross genug für einen Antrag auf Vergütung waren. Hakios wollte die Jäger an ihrer Jahresversammlung lediglich "für das Problem sensibilisieren".
Geringe Schäden auf frisch angesäten Maisfeldern oder Wiesen kommen zwar vor. Aber wichtiger ist ihre Rolle im Ökosystem: Raben sind auch Nützlinge, vor allem Brutvögel vertilgen massenweise Mäuse und Insekten.
Ob gelegentliche Abschüsse die Bestände überhaupt zu dezimieren vermögen, wird von Fachleuten ohnehin bezweifelt. Zumal sie wissen, dass zur Beerdigung einer toten Krähe gleich zwanzig Verwandte erscheinen ... Hintergrund der alten Redensart: Verlassene Reviere werden jeweils umgehend von wartenden und brutfähigen Schwarmvögeln besetzt. Überdies: Rabenvögel, wozu auch die Elstern, Eichelhäher und Dohlen gehören, leisten mit ihrem Sozialsystem selber einen Beitrag zur Regulierung ihrer Bestände.
Und auch die Rabenkrähen haben ihre Probleme: Sie werden nicht selten in der Luft attackiert und gestresst von Greifvögeln, allen voran vom Habicht und vom Wanderfalken.
(Hervorhebungen von "Vogel-Mami")
Vogel-Mami
09. June 2005, 02:53
Nur eine Krähe
Krähen zählen gerade nicht zu den beliebtesten Vögeln, dennoch:
Leser berichten uns, sie würden in Wald oder Flur jetzt häufiger auf Krähenfallen, auch Krähenfänge benannt, stoßen. Diese ist ein Drahtgitter-ummanteltes Holzgestell, also praktisch ein Käfig, meist ca. 2 m lang, etwa 1 m breit und 1 - 1,5 m hoch;, oben ist eine Öffnung ausgespart, die den Einflug, nicht jedoch den Ausflug zuläßt (siehe Abbildung). Eine eingesperrte Wildkrähe lockt andere Krähen an, die dann getötet werden.
Nach amtlicher Auskunft ist die Krähenfalle erlaubt, sofern sie täglich kontrolliert wird. Wir fürchten, sie bedeutet grobe Tierquälerei. Ein freiheitsgewohnter Wildvogel (der Lockvogel) wird wochenlang oder länger auf engem Raum gefangen gehalten, als geselliger Vogel allein.
Ein Jägerhandbuch empfiehlt, den Krähenfang an einer möglichst entlegenen ruhigen Stelle aufzustellen, damit gefangene Vögel nicht von Spaziergängern unnötig erschreckt werden. Doch ist zu vermuten, daß auch Raubwild, Füchse etc. Krähenfänge. inspizieren. Die Annahme liegt nahe, daß dabei, vom Streß der Gefangenschaft abgesehen, für den Vogel, der artwidrig am Davonfliegen gehindert ist, eine besonders quälerische Angstsituation entsteht.
Der Hintergrund: Nach der derzeitigen EU-Rechtslage besteht in Österreich anders als in den meisten anderen EU-Staaten Schußverbot. Die EU schützt die Krähe grundsätzlich, jedoch kann sich jeder Staat durch Erklärung vom Verbot ausnehmen. Die von Österreich seinerzeit abgegebene Ausnahmeerklärung wurde irgendwie verschlampt und daher nicht rechtsgültig. Die Abgabe einer neuen Erklärung ist in Diskussion, Vogelschutzsachverständige sind mit der Prüfung betraut.
Einige Jäger argumentieren, aus der Landwirtschaft werde intensiver Druck ausgeübt, die Krähen zu dezimieren. Sie würden Saaten verwüsten und Siloballen aufpicken und damit unbrauchbar machen. Anders als mit der Falle sei den klugen Tieren, die überhandnähmen, nicht beizukommen. Andere melden Zweifel gegen diese Argumentation an, der landwirtschaftliche Schaden sei gering, im Gegenteil, Krähen könnten eher als Nützlinge eingestuft werden, außerdem führe die Fallenjagd kaum zur Reduzierung der Population.
Der Verdacht liegt nahe, daß Jägern die Krähe vor allem als Jagdkonkurrent mißfällt. Wir haben uns in der Angelegenheit an die für Jagd und Tierschutz zuständigen Politiker der größeren Bundesländer gewandt.
Vogel-Mami
10. June 2005, 03:50
Fehler bei Bestandserhebungen durch Jäger
Vogel-Mami
16. June 2005, 01:23
(Auszug)
(...) Die Geschöpfe Mensch und Tier sind ihrerseits nur ein Teil des großen Gesamtgefüges der Schöpfung. In ihm vollzieht sich das Wunder, daß Leben stetig und ohne das Zutun der Menschen da ist und Bestand hat. Je genauer die Erscheinung des Lebens untersucht wird, desto mehr bietet sie Anlaß zu dankbarem Staunen. In solches Staunen führt gerade auch die Betrachtung der Tierwelt. Allerdings darf es kein flüchtiges Gefühl sein, sondern muß gelernt werden und als bleibende Einstellung Handeln und Verhalten bestimmen. Es gibt Grund für die Erwartung, daß Menschen, die Tiere in der Haltung dankbaren Staunens wahrnehmen, ihnen auch mit mehr Achtung und Scheu begegnen. (...)
(...) Die Sonderstellung des Menschen unter seinen Mitgeschöpfen schließt die Aufgabe ein, in besonderer Weise Verantwortung wahrzunehmen. Allein der Mensch kann die Folgen seines Handelns für Mitmensch und Mitgeschöpf erkennen und daraus Folgerungen ziehen; allein der Mensch kann darum auch an der Schöpfung schuldig werden. (...)
(...) Wenn die Menschen ihre Herrschaft über die Tiere in liebender Sorge und hegendem Bewahren ausüben, ergeben sich konkrete Veränderungen und Verwandlungen in dem zwischen ihnen bestehendem Verhältnis der Gewalt: Sie laufen auf eine Verminderung der Gewalt hinaus. Dabei geht es insbesondere darum, die Zufügung von Leiden und Schmerzen zu begrenzen oder ganz zu vermeiden. Das Gewaltverhältnis zwischen Mensch und Tier ist zwar grundsätzlich unaufhebbar und besteht qualitativ fort. Aber Gewalt kann so und kann so ausgeübt werden, ihr quantitatives Ausmaß läßt sich beeinflussen. (...)
(...) Auf eine Verminderung der Gewalt ist auch die Verpflichtung zur Humanität gerichtet. Nur auf den ersten Blick wirkt es befremdlich, den Umgang von Menschen mit Tieren am Maßstab der Humanität zu messen. Aber die Menschlichkeit des Menschen steht in allem, was er tut, auf dem Spiel. Sie bewährt sich zum Beispiel darin, daß er die Kräfte der Vernunft, die ihm gegeben sind, einsetzt und den Empfindungen des Mitgefühls Raum gibt. Ein gedankenloser oder ein brutaler Umgang mit den Tieren ist nicht menschlich. (...)
(...) Die Aussage, daß der Mensch eine unveräußerliche Würde und ein uneingeschränktes Lebensrecht hat, ist nicht strittig; aber der Begriff der Würde ist nicht auf den Menschen zu begrenzen; die Tiere haben an der allgemeinen geschöpflichen Würde teil. (...)
(...) Nun bedeutet der Tod gewiß für ein Tier etwas anderes als für einen Menschen, schon weil das Tier vom Tod nichts weiß; aber die Frage, ob dieser Unterschied auch ausreicht, eine so gravierende Andersbehandlung, wie wir sie verbreitet erleben, als gerecht anzusehen, ist bisher noch kaum diskutiert worden. (...)
(...) Die Jagd wird verbreitet auch als Freizeit- und Gesellschaftsvergnügen ausgeübt. Das Vergnügen an der Jagd entspringt tiefsitzenden menschlichen Verhaltensmustern. In ethischer Betrachtung stellt sich aber die Frage, ob der Mensch so bleiben soll, wie er ist, oder ob er sich im Sinne der Mitgeschöpflichkeit fortentwickeln, also verändern soll. Dabei geht es darum, ob das Töten von Tieren jemals eine Form der Vergnügung sein kann und sein darf, m. a. W. ob sich das Opfer tierischen Lebens mit dem menschlichen Wunsch nach Freizeit- und Gesellschaftsvergnügen rechtfertigen läßt. Diese Frage ist um so dringlicher, als die Teilnehmer an Jagdgesellschaften nicht immer die besten Schützen sind und Tieren unnötige Schmerzen und Leiden bereiten können. Die problematischen Erscheinungen der Jagd verbinden sich im wesentlichen mit ihrer Organisation als Freizeit- und Gesellschaftsvergnügen: Die Tierbestände werden durch besondere Maßnahmen wie etwa überhöhte Zusatzfütterungen "hochgehegt", um das lange und mühsame Ansitzen zu verkürzen; leergeschossene Reviere werden durch importierte Wildfänge aus anderen Ländern oder durch gezüchtete und kurzfristig ausgewilderte Tiere zur Jagdsaison "aufgefüllt"; der Anreiz, Rekorde und Trophäen zu sammeln, wird verstärkt. Ethisch ist damit die Aufgabe gestellt, die Freizeit- und Gesellschaftsaktivität der Jagd durch Formen der Vergnügung zu ersetzen, die nicht mit dem Töten von Tieren einhergehen. (...)
(...) Aber die menschliche Zivilisation hat Auswirkungen auf das Leben der Wildtiere. In dieser Hinsicht bestehen sehr wohl Pflichten der Menschen: Sie haben alles zu meiden, was die Lebensräume und Lebensmöglichkeiten der Wildtiere zerstört oder beschädigt und die Artenvielfalt bedroht; sie haben darüber hinaus aktiv dazu beizutragen, daß die Lebensräume und Lebensmöglichkeiten der Wildtiere bewahrt und - wo nötig - wiederhergestellt werden und die Artenvielfalt erhalten bleibt. Insofern ist Tierschutz Teil des Arten- und Biotopschutzes. (...)
Quelle: Zur Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf: Ein Diskussionsbeitrag des Wissenschaftlichen Beirats des Beauftragten für Umweltfragen des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland
Vogel-Mami
16. June 2005, 01:36
Jagd auf geschützte Vogelarten
Schleswig-Holstein: Kormorane und andere Vögel sollen wieder geschossen werden dürfen.
Von Ulf B. Christen
Kiel - In Schleswig-Holstein müssen Krähen, Kormorane und weitere geschützte Vogelarten Federn lassen. "Sie sind mancherorts zur Plage geworden", sagte Landwirtschafts- und Umweltminister Christian von Boetticher (CDU) dem Abendblatt. Deshalb werde er in den nächsten Wochen "Bejagungskonzepte" vorlegen. Ziel sei es, einige Arten zu dezimieren, ohne ihren Bestand zu gefährden.
Die Naturschützer wehren sich, Schützenhilfe erhält der Minister dagegen vom Landesjagdverband, der Gewehr bei Fuß steht. Mit einem einfachen "Feuer frei" ist es aber nicht getan. Viele Vögel sind geschützt und fallen teils sogar unter die EU-Vogelschutzrichtlinie. Folge: Das Ministerium brütet derzeit über Einzelregelungen für jede Vogelart.
Kormoran: Der schwarze Tauchvogel, der Fischern zu schaffen macht, darf bisher nur an Teichen und kleinen Seen "vergrämt" werden. Eine Landesverordnung erlaubt den Abschuß von etwa 700 Tieren jährlich. Diese Quote will der Minister deutlich erhöhen. Zudem soll die Einzelgenehmigung von Abschüssen durch eine Pauschalregelung ersetzt werden. Mehr ist kaum möglich. Der Fischräuber ist laut EU-Vogelschutzrichtlinie eine besonders geschützte Tierart und darf nicht bejagt werden. Landesweit brüten 2800 Paare.
Saatkrähe: Der Rabenvogel, der immer häufiger in Städten brütet, krächzt und kotet, genießt den gleichen EU-Schutz wie der Kormoran. Eine Landesverordnung, die Einzelabschüsse erlaubt, gibt es bisher allerdings nicht. Das könnte sich jetzt ändern, vorausgesetzt, man findet einen Weg, wie man den Saatkrähen (25 000 Brutpaare) in dichtbesiedelten Gebieten den Garaus macht, ohne die Anwohner zu gefährden. Der Jagdverband möchte die Tiere in "nordische Krähenfallen" (ca. 4 x 2 x 2 Meter) locken und sie töten. Vogelschützer drohen mit einer EU-Beschwerde, weil in solchen Fallen auch andere Vögel landen.
Aaskrähe und Elster: Die Aaskrähen (Rabenkrähe und Nebelkrähe) und Elstern müssen um ihr Leben fürchten. Von Boetticher will sie zu "jagdbaren Arten" erklären und damit zum Abschuß freigeben. Für beide Arten soll es eine Jagdzeit geben, vermutlich den Winter. Die Rabenkrähe (etwa 13 000 Brutpaare) ist wie die Saatkrähe ein Störenfried in Städten. Elstern plündern Nester anderer Vögel. Beide Arten sind nach EU-Recht nur schwach geschützt und dürfen im Einklang mit dem Bundesrecht erlegt werden. Von dieser Option hat Schleswig-Holstein bisher keinen Gebrauch gemacht.
Wildgänse: Wildgänse, die vor allem an der Westküste über Felder herfallen, dürfen im Rahmen des Bundesrechts von August bis Mitte Januar bejagt werden. Diesen Rahmen hat Schleswig-Holstein nur zum Teil ausgeschöpft. Die Ringelgans (bis zu 100 000 Zugvögel) ist für Jäger ganz tabu, die ebenso zahlreiche Nonnengans teilweise. Bei anderen Arten wie der Graugans (3200 Brutpaare) oder der Weißwangengans (etwa 100 000 Zugvögel) sind die Jagdzeiten in Schleswig-Holstein etwas kürzer (bis Ende Dezember). Von Boetticher will den Bundesrahmen stärker ausschöpfen.
Wildenten: Die Pfeifente, die bei den Bauern besonders unbeliebt ist, verbringt den Winter an der Westküste (bis zu eine Million Zugvögel) und darf wie die Wildgänse nach Bundesrecht bejagt werden. Schleswig-Holstein hat auch hier die Jagdzeiten eingeschränkt. Umstritten ist, ob Gänse und Enten auch in Schutzgebieten abgeschossen werden dürfen.
erschienen am 11. Juni 2005 in Norddeutschland
(Farbliche Hervorhebungen von "Vogel-Mami")
Vogel-Mami
16. June 2005, 01:57
Voss: Jagd auf Rabenvögel beenden
Neue Studie des UBA belegt: Rabenvögel besser als ihr Ruf -Bejagung ist nicht zu rechtfertigen
Nun ist offiziell belegt, dass Rabenvögel besser sind, als ihr vorurteilbehafteter Ruf. Dies begrüßte die naturschutzpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Sylvia Voss, anlässlich der Veröffentlichung der Studie "Aaskrähe, Elster und Eichelhäher in Deutschland - Betrachtungen zu ihrer Rolle im Naturhaushalt sowie zur Notwendigkeit eines Bestandsmanagements" des Bundesamtes für Naturschutzes (BfN) am 14. Dezember ’99.
Die wissenschaftliche Studie zeige, dass die gängigen Urteile über Rabenvögel falsch seien und somit die Bejagung nicht begründen könne. Die Unkenntnis der Ökologie einer Vogelgruppe dürfe nicht dazu führen, dass diese hemmungslos und flächendeckend bejagt werde, so Voss.
Die bündnisgrüne Fraktion lehne die Übernahme der Rabenvögel in das Jagdrecht auch weiterhin ab. Die Unterschutzstellung sei grundsätzlich beizubehalten. Ausnahmegenehmigungen für den Abschuss nach § 20g Bundesnaturschutzgesetz dürfe erst - wenn überhaupt - nach Bestätigung einer Schadwirkung durch wissenschaftliche Freilanduntersuchungen in den betroffenen Gebieten erteilt werden, bekräftigte die Naturschutzexpertin der Grünen. Die Fraktion werde prüfen, ob die Übernahme der Jagderlaubnis in das Landesjagdrecht bundesrechtlich unterbunden werden kann und ob mittelfristig die Rabenvögel aus dem Anhang II der Vogelschutzrichtlinie herauszunehmen sind.
Die gewünschte Artenvielfalt kann durch entsprechende Lebensraumgestaltung oder Unterschutzstellung erreicht werden. Erst wenn alle anderen Artenschutzmöglichkeiten, insbesondere Lebensraumschutz und -optimierung und auch der Verzicht auf die Bejagung der angeblich durch die Rabenvögel bedrohten Arten nicht ausreichen, sollte unter Beachtung genauerer Kriterien und Vorgaben u.U. begrenzt in die Rabenvogelpopulationen eingegriffen werden. Dieses setzt keine Übernahme in das Jagdrecht voraus.
Kontakt:
Sylvia Voß, MdB, Bündnis 90/Die Grünen,
(030) 227 -75 220 /-75 224, -76 506
Vogel-Mami
16. June 2005, 02:00
Vorwürfe gegen Rabenvögel aus der Luft gegriffen
BUND fordert Rabenvogelerlaß beizubehalten
Göttingen/Hannover, 09. Mai 1998 - Die jüngsten Meldungen, wonach Rabenkrähen für den Tod von zehn Lämmern verantwortlich gemacht wurden, erwiesen sich als unhaltbar. Untersuchungen der Tierärztlichen Hochschule Hannover ergaben jetzt, daß die Tiere schon vorher durch streunende Hunde oder andere wildlebende Säugetiere getötet wurden, bevor sich die Krähen auf den Lämmern niederließen.: "Es hat den Anschein, daß die Horrorgeschichte von den Killervögeln bewußt in die Welt gesetzt wurde, um Stimmung gegen die Rabenvögel zu machen", erklärte am Samstag nachmittag der stellvertretende Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Niedersachsen Dr. Reinhard Löhmer auf der Jahresdelegiertenversammlung des Umweltverbandes in Göttingen. Der Zoologe forderte grundsätzlich veterinärärztliche Untersuchungen, bevor solche Meldungen verbreitet würden. "Schon wiederholt haben sich Nachrichten über den Angriff von Rabenvögeln auf andere Tiere als unwahr herausgestellt. Nur genaue Untersuchungen können diese emotionsgeladene Debatte noch versachlichen. Das Umweltministerium darf dem Druck, den vor allem Landwirte und Jäger ausüben, um die Rabenvogelschutzverordnung wieder zu kippen, nicht nachgeben", forderte der BUND-Experte. Das Beispiel zeige einmal mehr, daß die Anti-Raben-Lobby nicht vor "Jägerlatein" zurückschrecke, wenn es darum ginge die Rabenvögel in Verruf zu bringen, so der Vorwurf des BUND-Sprechers.
Verantwortlich:
Robert Exner, BUND-Pressereferent
Tel.: 05 11 - 9 56 59 - 0
Vogel-Mami
16. June 2005, 02:08
Rabenvögel sind besser als ihr Ruf ... sie gefährden keine andere Tierart.
Mit Ausnahme des scheuen Tannenhähers schlossen sich die klugen, lernfähigen Rabenvögel mehr oder weniger eng als Kulturfolger dem Menschen an. Nachdem die Lebensmöglichkeiten für Elstern und Krähen in der Landschaft heute vielfach schlechter werden, folgen diese anpassungsfähigen Vögel der Zivilisation bis in die Siedlungen. Sie nutzen das vielfältige Nahrungsangebot aus, das die Menschen ihnen hier bieten. Es gibt keinen Grund, sie deshalb zu verfolgen.
Die Natur und alle wildlebenden Geschöpfe brauchen vor allem Verständnis. Vorurteilsfreie Naturbeobachtung ist der beste Weg dahin. Rabenvögel in unserer alltäglichen Umgebung sind ideal für die Naturbeobachtung. Wer Rabenvögel nicht pauschal als dreistes, lautes, aufdringliches Gesindel verurteilt, wird sie als interessante, erfinderische und schön anzuschauende Mitglieder der heimischen Vogelwelt kennen und schätzen lernen. Er wird feststellen, dass dort, wo Elstern und Krähen vorkommen, neben Amsel, Drossel, Fink und Star oft noch viele andere Vogelarten gut leben.
Vogel-Mami
16. June 2005, 02:23
http://aktiv.tierrecht.de/fotos/raben.jpg
Landkreis Leer, Friedhof der Rabenvögel
> zusammenfassende Darstellung (http://petition.thoki.net/)
> Petition (http://petition.thoki.net/pop_pet.html)
> Petition unterschreiben (http://petition.thoki.net/main.php)
Kontakt zu Andreas Grauer
Tierärztlichen Hochschule Hannover, Institut für Wildtierforschung
Tel.: 0511 / 856-7396
Fax: 0511 / 856-7696
andreas.grauer@tiho-hannover.de
Hintergrund
Die Tötung der Rabenvögel gehört zu einem Gesamtkonzept der Niedersächsischen Landesregierung zum Schutz der Wiesenvögel. Dieses umfasst die Schaffung von Naturschutzgebieten gegen Flächenverluste, den Schluss von Vertragsnaturschutzprojekten gegen den schädlichen Einfluss der Landwirtschaft und die Bekämpfung natürlicher Feinde der Wiesenvögel.
Vogelmassaker in Norddeutschland
Im Auftrag der Tierärztlichen Hochschule Hannover (Institut für Wildtierforschung) wurden im Landkreis Leer im Namen der Forschung bereits 5700 Rabenvögel getötet.
Es gilt herauszufinden,
1) wie schädlich der Einfluss von Rabenvögeln (Krähen und Elstern) auf die Bestandsentwicklung von Wiesenbrütern, insbesondere dem Kiebitz, ist, und
2) ob der grundsätzlich EU-Weit verbotene Einsatz des norwegischen Krähenfangs (nichtselektive Krähenmassenfallen) und das anschließende Erschlagen der Krähen ein geeignetes Mittel zur Reduktion der Rabenvögel-Population ist.
Ziel ist es, zu beweisen, dass Rabenvögel in Landkreis Leer hauptverantwortlich für die Populationsbedrohung der Wiesenbrüter sind. Gelingt dies, so soll den Jägern in Leer über eine Ausnahmegenehmigung in Zukunft ohne wissenschaftliche Begleitung der Einsatz der Krähenmassenfallen erlaubt werden.
Andreas Grauer ist zuständig für dieses Projekt. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Wildtierforschungs und Diplom-Forstwirt (Förster). In einem Telefonat versicherte er uns, dass es niemandem Spaß mache, Krähen zu erschlagen. Wir könnten froh sein, dass die Jäger die Massenfallen aus eigener Tasche bezahlten und ihre Freizeit opferten, um auf 1000m² Rabenvögel zu töten. So geil auf's Töten seien Jäger nun auch nicht. Aber wenn es niemanden gäbe, dem es Spaß mache, zu jagen, würde Niedersachen Leute dafür bezahlen müssen. Dies sei zu teuer, wie auch alternative Methoden wie das großflächige Einsetzen von Chips mit dem Ziel einer geringeren Geburtenrate bei Rabenvögel.
Somit bestätigte Herr Grauer, dass es Alternativen gibt, um das Raubverhalten der Rabenvögel zu untersuchen. Auch wären Mikrochips zur Überwachung des schädlichen Einflusses der Krähen und Elstern denkbar. Man kann jedoch auch von der anderen Seite Ansätzen und zusammen mit den Wiesenbrütern auf Räuber warten um diese zu identifizieren. Nur schließen all diese Vorgehensweisen weder die Tötung von Raben noch die Legalisierung verbotener Krähenmassenfallen mit ein.
Wir glauben, dass nicht zuletzt das Engagement im Jagdverband des Projektleiters Prof. Pohlmeyer zu einer derart blutigen Art der Forschung geführt hat, die zudem den Jägern mehr Rechte und den Einsatz verbotener Fangmethoden in Aussicht stellt.
Es muss daher nicht nur erreicht werden, dass das Forschungsprojekt umgehend eingestellt wird, sondern es darf auch nicht zu der Genehmigung von Massenfallen ohne wissenschaftliche Begleitung kommen. Vielmehr muss nach alternativen Methoden zum Schutz von Wiesenbrütern gesucht werden, die den Lustmord ausschließen.
Dr. Hans-Wolfgang Helb, Technische Universität Kaiserslautern, FB Biologie, Abt. Ökologie, Dr. Ulrich Mäck, Dr. Wolfgang Epple und Prof. Dr. Hans-Heiner Bergmann haben zu diesem Zweck eine Petition veröffentlicht. Sie verweisen auf der Grundlage eigener Untersuchungen und wissenschaftlicher Studien darauf, dass der Einfluss von Rabenvögeln auf Wiesenvögel deutlich überschätzt wird. Dies könne auch im Landkreis Leer mit ihren unblutigen Forschungsmethoden nachgewiesen werden. Ihre zusammenfassende Darstellung (http://petition.thoki.net/) finden Sie hier (http://petition.thoki.net/). (smn, 30.03.2005)
Vogel-Mami
16. June 2005, 02:48
Rabenvögel und Wissenschaft
Die DJZ sprach im Februar 2002 mit Dr. Hans-Wolfgang Help. Der Ethologe, Biologe und Ökolge hat sich 1998 in einem Gutachten gegen die Freigabe der Jagd auf Rabenvögel ausgesprochen.
DJZ: Herr Dr. Help, Sie sind Ethologe, Biologe und Ökologe – und Gegner einer generellen Rabenvogelbejagung. In einem Gutachten für die rheinland-pfälzische Landesregierung haben Sie sich 1998 gegen die Freigabe der Jagd auf Rabenvögel ausgesprochen. Gibt es aus Ihrer Sicht mittlerweile wissenschaftliche Erkenntnisse, die dazu führen, dass Sie Ihre Meinung ändern?
Dr. Hans-Wolfgang Helb: Seit der Abgabe unseres Gutachtens haben sich sehr viele Stimmen zu Wort gemeldet, sowohl unterstützende als auch scheinbar dagegen stimmende. In der Sache selbst hat sich nichts geändert.
Das Problem ist in unserem Gutachten umfangreich aufgearbeitet worden, fast 700 Seiten machen die drei Bände aus. Wenige Monate später kam ja auch das BfN-Gutachten von Mäck und Jürgens, das eine bundesweite Zusammenschau mit dem selben Ergebnis erbracht hat.
Auch die Jagdrechts-Novellierungstagung im Juni vergangenen Jahres in Bonn hat eigentlich gezeigt, dass an der wissenschaftlichen Seite der Gutachtenergebnisse keine Änderungen vorliegen, leider aber umgekehrt solche Ergebnisse von anderen Personen, die mit diesen Ergebnissen Probleme haben, überhaupt nicht erkannt werden, nicht übernommen und nachvollzogen werden können. Insofern treten wir leider ständig weiter auf der Stelle.
Wo ich hinkomme, wo es um die Frage der Rabenvögel geht, muss ich gegen Falschaussagen ankämpfen. Das war auch in Bonn der Fall. Nach 30 geäußerten Meinungen hatte ich gegen zehn Falschaussagen anzukämpfen, die eigentlich durch die Publikationen und Gutachten schon beseitigt sein sollten.
Die werden aber permanent wiedergekäut. Das ist keine gute Basis, um mit einem zukunftsorientierten, guten ökologischen Verständnis an solche „Problemfelder“ zu gehen.
DJZ: Nach Ihrem Gutachten, dem sich die Landesregierung seinerzeit nicht anschloss und stattdessen die Bejagung von Rabenkrähe und Elster frei gab, wurden Vorwürfe laut, Ihre Untersuchung sei nicht ausgewogen geführt worden. Beispielsweise sollen sie die Mägen der Rabenkrähen nur außerhalb der Brutzeit von Singvögeln und Niederwild untersucht haben. Wie begegnen Sie solchen Vorwürfen?
Helb: Diese witzige Darstellung tauchte schon auf, während wir unsere Untersuchung gemacht haben. Sie hatte sich aus welchen Gründen auch immer selbst in die Redaktion einer großen Jagdzeitschrift eingenistet. Wir werden damit selbst heute noch konfrontiert.
Ihre Frage zeigt das sehr deutlich. Es ist ein absoluter Witz und es ist eine von irgendwoher geführte bösartige Unterstellung, denn das trifft überhaupt nicht zu. Im Umweltministerium in Mainz sind unsere durchzuführenden Arbeiten explizit festgelegt worden.
Wir haben die Sachen abgegeben, die Ergebnisse sind dort gegengezeichnet worden, wir wurden dafür bezahlt. Es hat alles seine Richtigkeit. Die Unterstellung passt dazu, dass man Stimmung macht an irgend einer Stelle. Sie hat sich sofort multipliziert. Es ist eine dieser typischen Rufmordproduktionen.
DJZ: Gab es denn Untersuchungen des Nahrungsspektrums von Rabenvögeln in der Zeit, wenn beispielsweise Niederwild setzt?
Helb: Das war natürlich Bestandteil unseres Auftrags. Und natürlich haben wir dies mit der Halsringmethode untersucht.
DJZ: Sie sprechen von jagdpolitischem Druck, der zur Freigabe der Jagd auf Rabenvögel in Rheinland-Pfalz geführt habe. In Nordrhein-Westfalen und neuerdings auch in Schleswig-Holstein forderten und fordern überwiegend Nichtjäger, dass gegen die „schwarze Landplage“ vorgegangen wird. Erst kürzlich war in der ADR ein beeindruckender Film zu sehen, der die „Landplage“ dokumentierte. Steht für Sie der Schutz einer nicht vom Aussterben bedrohten Art vor dem im weitesten Sinne Bürgerwille?
Helb: Ich sage dazu kein eindeutiges Ja, es muss differenziert betrachtet werden, denn der Bürgerwille basiert auf Verschiedenem und häufig auf keinem fachlich informierten Grund. Das liegt schon daran, dass zum Beispiel wie in Rheinland-Pfalz ein wissenschaftliches Gutachten mit einem anderen Ergebnis von einem Ministerium und der Landesregierung zu einer anderen Entscheidung umgebaut wird. Das kann ja nicht zusammen passen.
Und der Bürger wird mit solchen, aus meiner wissenschaftlichen Sicht politisch motivierten Fehlentscheidungen allein gelassen und fragt sich nun, was ist denn richtig. Haben die Wissenschaftler von den Universitäten was Falsches vorgeschlagen oder warum haben die Politiker anders entschieden? Die Bürger sind über tatsächliche ökologische Zusammenhänge schlecht oder gar nicht oder gezielt falsch informiert. Damit haben wir Wissenschaftler ständig zu kämpfen. Wir müssen jedes mal neu Grundlagenüberzeugung betreiben, das ist ein endloses Verfahren.
Natürlich sieht der einzelne Bürger mal was von der Nahrungsbeschaffung von Rabenvögeln, dass da Jungvögel im Sommer aus dem Nest ausgenommen werden. Das ist Natur, das muss man auch so akzeptieren. Deswegen muss man der Natur doch nicht quasi regulierend den Hals abschneiden.
Von dem ARD-Film habe ich gehört, durch Briefwechsel mit meinen Kollegen kenne ich die Inhalte genau. Wir haben eine Eingabe beim Kontrollrat des NDR und beim Intendanten gemacht. Die Antwort steht noch aus. Nach dem, was mir meine Kollegen gesagt haben, hat der Film Situationen geschildert aus der Sicht von Bürgern, hat aber zur Richtigkeit der Meinung der Bürger überhaupt keine Hilfe geleistet. Insofern ist der Film ganz schlecht einzustufen, denn ein unbedarfter Fernsehzuschauer geht davon aus, dass die Inhalte des Films abgeklärt und sachlich in Ordnung sind. Hier hat das Fernsehen einen Bärendienst geleistet für eine uninformierte, aber interessierte große Bevölkerung.
DJZ: Wenn in einer Gemeinde mit 8000 Einwohnern eine Kolonie von 6000 Saatkrähen lebt, würden Sie das als ökologisch vertretbar ansehen?
Helb: Gezählt wurden wohl rund 2000 Krähen während der Brutzeit. Die Zahl 6000 ist wohl hochgerechnet auf die Zeit nach dem Schlüpfen. Es ist aber wohl viel. Wenn dort Probleme auftreten, dann ist es eine Sache der Landespflegebehörde hier eventuell lenkende Maßnahmen, und zwar schonende, nicht durch Regulation und Abschuss, zu probieren.
DJZ: Ihrer Ansicht nach fehlen „vernünftige Gründe“, um Rabenvögel zu bejagen. Was sind für Sie denn vernünftige Gründe?
Helb: Wenn echte Einkommenschäden trotz aller Vorsichtsmaßnahmen eingetreten sind, können Landwirte einen Antrag auf Abschuss stellen. Es kann vertretbare Einzelfallentscheidungen für den Abschuss einer beschränkten Zahl von Rabenvögeln geben, um vielleicht auch eine Vergrämung zu bewirken. Es gibt keinen vernünftigen Grund für eine generelle, landesweite Bejagung.
DJZ: Sind höhere Niederwildbesätze kein vernünftiger Grund?
Helb: Dass dies ein Resultat der Bejagung sein kann, ist wohl durch Einzelexperimente belegt worden auf Einzelflächen. Großflächig ist das nicht möglich oder sinnvoll.
Hier sollten Fehler der Landnutzung eher ausgemerzt werden und es sollte das Recht zu Leben bei Arten berücksichtigt werden. Also: Die Regulation, um einzelne Arten zu fördern, ist ein hoch komplexes Gebiet. Besser wäre, die Einflüsse des Menschen auf Lebensraumveränderungen zurück zu fahren. Diese Möglichkeit haben wir und sie wird zunehmend auch genutzt etwa durch Pflegekonzepte, Naturschutzgebietausweisungen und ähnliches.
DJZ: Sie kennen die Ergebnisse der beiden englischen Studien, die den negativen Einfluss der Rabenvögel auf Niederwild und Singvögel belegen?
Helb: Die Art der Untersuchung ist eine Möglichkeit, wie man den Einfluss der Rabenvögel untersuchen kann. Und das Ergebnis ist mir schon von vornherein klar, weil es so erzielt werden sollte oder wollte.
Wenn man Prädatoren, nicht nur die Rabenvögel, eliminiert, wird es irgendwelche Veränderungen geben, wovon die Gruppen, die dann nicht mehr prädiert werden, profitieren können. Das ist aber kein Wegweiser, um so landesweit über Gesetze die Jagd als Artenschutzverpflichtung zu etablieren. Das ist unmöglich.
DJZ: Warum ist das Thema Rabenvogelbejagung eigentlich so ideologisch belastet?
Helb: Die Rabenvögel sind zum Stellvertreterschauplatz für unterschiedliche Sichtweisen für die uns umgebende Natur geworden.
Die einen artikulieren sich auch als Naturschützer und am Artenschutz interessiert und das will ich auch gar nicht in Abrede stellen. Aber sie haben auch das Interesse an einer Nutzung.
Auf der anderen Seite stehen die dem Naturschutz zugewandten Gruppierungen, die den Erhalt und das Erleben oder Genießen des Anblicks erreichen wollen. Das hat wohl etwas mit der Bewahrung der Schöpfung zu tun. Und diese beiden Positionen können sich nicht vertragen.
Das Interview führte Tobias Paulsen.
Vogel-Mami
16. June 2005, 02:51
Wissenschaftliche Begleituntersuchung
an Elster (Pica pica) und Rabenkrähe (Corvus c. corone)
in Rheinland-Pfalz
"Rabenvögel-Gutachten"
der Universität Mainz (Prof. Dr. J. Martens)
und der Universität Kaiserslautern (PD Dr. H.-W. Helb)
1996 - 1998
Hans-Wolfgang Helb
Auszüge:
"Außerdem konnte die Ablieferung der erlegten Tiere zu Forschungszwecken verlangt werden.
Dazu waren u.a. intensive Freilandarbeiten durchzuführen, zugleich aber auch Nahrungsanalysen aus Mägen von erlegten Tieren für den Winterzeitraum und aus Futterproben für die Jungvögel im Nest während der Brutsaison im Frühsommer. Außerdem wurden auf Kontrollflächen bei Kaiserslautern unter Einsatz von Telemetriesendern die Raumnutzung, die Zeitnutzung und die Nahrungswahl bei freilebenden Paaren (in der Brutzeit) bzw. bei Schwärmen (in der Winterzeit) der Rabenkrähen untersucht.
Wichtigste Nahrungskomponenten im Winter waren für Elstern Insekten, Pflanzenfasern, Getreide, Wildkrautsamen und Schnecken, für Rabenkrähen Pflanzenfasern, Insekten, Getreide und Regenwürmer. Das Getreide stammt vermutlich von Ernterückständen bzw. Wildfütterungen. Wirbeltier-Reste wurden jeweils in ca. 30 % der Mägen nachgewiesen. Sie gehen vor allem auf Kleinsäuger und vermutlich Aas zurück. Eine Schädigung von Niederwild kann aufgrund der Erlegungszeitpunkte (Februar 1997) ausgeschlossen werden.
Mit der Halsringmethode konnten 335 Nahrungsproben von Elstern und 130 von Rabenkrähen gewonnen werden."
Vogel-Mami
16. June 2005, 03:13
Arbeitkreis Saatkrähe/ Kiebitz
Saatkrähen (Corvus frugilegus) sind seltene, bedrohte Singvögel und brauchen unseren Schutz und unser Verständnis
http://www.lbv-muenchen.de/Arbeitskreise/saatkra.kiebitz/Saatkrhe_small.jpg Saatkrähe
Foto: LBV-Archiv
Saatkrähen haben eine große biologische Funktion und sind wichtig in der ökologischen Landwirtschaft. Saatkrähe ist nicht gleich Aaskrähe! Saatkrähen fressen keine Junghasen, keine jungen Weidetiere, kein junges Niederwild, keine Eier, keine Jungvögel!
Saatkrähen sind in den meisten Bundesländern seltene und gefährdete Rote Liste Vögel! In Bayern gibt es nur noch wenige Brutstätten der Saatkrähe. Saatkrähenbrutkolonien sind die letzten großen ornithologischen Naturschauspiele in der verbauten und ausgeräumten Kulturlandschaft im Binnenland. Diese sehr interessanten Naturdenkmäler müssen unbedingt unseren Kindern erhalten werden
Die Biologie der Saatkrähe Corvus frugilegus
Die riesigen, mit Dohlen vergesellschafteten Winterschwärme der Saatkrähe aus Osteuropa, die unsere kalte Jahreszeit ornithologisch bereichern, lassen oberflächlich betrachtet auf einen sehr großen Bestand schließen. Doch in Bayern gibt es heute nur noch 3000 Brutpaare, die nur in kleineren Kolonien brüten (um 1900 waren es fast 11000 Brutpaare). Die Nachwuchsrate ist sehr gering, bis zu 90 % aller Jungvögel überleben das 1. Lebensjahr nicht.
Außerdem wird die Saatkrähe sehr leicht mit der Rabenkrähe verwechselt, die ein häufiger Brutvogel ist. Realistische Schätzungen zufolge gibt es 40 000 – 80 000 Brutpaare der Rabenkrähe in Bayern. In unserem und in einigen anderen Bundesländern ist die Rabenkrähe nach den Landesjagdgesetzen jagdbar (EG-Vogelschutzrichtlinie im Anhang II Teil 2 mit Jagdzusatz für die BRD).
Die Saatkrähe ist ein Singvogel, der besonders geschützt ist
Die besonders geschützte Saatkrähe ist in der EG –Vogelschutzrichtlinie im Anhang II Teil 2 ohne Jagdzusatz für die Bundesrepublik mit dem Großen Brachvogel, Kiebitz und Feldlerche verzeichnet. Ebenso ist sie in der Bundesartenschutzverordnung, Bundesnaturschutzgesetz und die Naturschutzgesetze der Länder (Bayerisches Naturschutzgesetz) enthalten und unterliegt nicht den Jagdgesetzen.
Unterscheidungsmerkmale der Saatkrähe gegenüber der Rabenkrähe
Die Rabenkrähe hat ein matt glänzendes Gefieder und einen kräftigen, auf der Oberseite gewölbten Schnabel sowie einen befiederten Schnabelanfang.
Die Saatkrähe im 1. Lebensjahr hat ebenso einen befiederten Schnabelanfang, aber der Schnabel ist zarter, spitzer und mehr konisch zum Schnabelende verlaufend als bei der Rabenkrähe.
Erwachsene Saatkrähen können durch ihren unbefiederten weißlich-grau wirkenden Schnabelanfang mit der Rabenkrähe nicht verwechselt werden.
Alle Saatkrähen haben ein sehr stark glänzendes Gefieder (wunderschöner blau, rosa und violetter metallischer Glanz im Sonnenlicht). Der Saatkrähengesang ist viel rauher und weniger energisch als bei der Rabenkrähe. Außerdem besitzen alle Saatkrähen durch ihre abstehenden unteren Gefiederpartien („Federhosen“ und hohe Stirn) und der pummelig wirkenden Gestalt ein Kindchenschema, wie z.B. das Rotkehlchen. Fliegende Saatkrähen haben einen stärker abgerundeten Schwanz als die Rabenkrähe.
Lebensraum und Nahrung
In Bayern entstanden, wie in anderen Bundesländern, durch starke Intensivierung der Landwirtschaft vielerorts landwirtschaftliche Monokulturen. Mit dem damit verbundenen Einsatz von Insektiziden wurde die eigentliche Nahrungsquelle der Saatkrähe, landwirtschaftliche Schadinsekten und andere Insekten wie Feldwanzen, Drahtwürmer, Getreidekäferlarven, Engerlinge, Kartoffelkäferlarven, Kohlschnacken, Schnecken, Würmer, Erdraupen, Maulwurfsgrillen, Schild- und Dungkäfer, Rüsselkäfer, aber auch Feld- und Wühlmäuse, stark dezimiert. In diesen Gebieten kann sie entweder gar nicht mehr ihre Jungen aufziehen oder muss gezwungener Maßen auf pflanzliche Nahrung ausweichen, entscheidend ist die Qualität der Böden. In früheren Zeiten, als es noch keine chemischen Schädlingsbekämpfungsmittel gab, war die Saatkrähe in den landwirtschaftlichen Gebieten, in denen Insektenbefall die Ernte gefährdete, ein gern gesehener Vogel. Denn sie kann als Schwarmvogel eine Insektenplage ziemlich schnell in Schach halten, dies wurde auch wissenschaftlich bewiesen (Ruge 1986). Für die sich ausbreitende alternative Landwirtschaft könnte die Saatkrähe in Zukunft als biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel wieder an Bedeutung gewinnen.
Die Saatkrähe benötigt für die Futtersuche strukturreiche Gebiete mit Wiesen. Wo die Menschen Wiesen umbrechen oder verbauen, müssen die Saatkrähen auf Felder ausweichen. Dabei kann es manchmal Schäden an der frisch aufgegangenen Saat geben. Aber selbst im Umfeld von Großkolonien mit mehreren hundert Brutpaaren ist nie mehr als 0,6 Prozent der Saat ausgefallen. Außerdem ist der landwirtschaftliche Nutzen, den sie durch die Vertilgung einer Unmenge von Schadinsekten und Mäusen erbringt, um das zig-fache höher.
Saatkrähen fressen keinen Junghasen, keine jungen Weidetiere oder Niederwild. Die Saatkrähe ist auch kein Nesträuber. Eier oder Jungvögel gehören nicht zu ihrer natürlichen Nahrung und damit unterscheidet sie sich von anderen Rabenvögeln. Auch der konservative Deutsche Jagdschutzverband (DJV), der in seiner Broschüre „Das Schweigen der Sänger“ die bundesweite Bejagung der drei häufigen Rabenvögel fordert, hat sich gegen die Jagd auf Saatkrähen in Deutschland ausgesprochen.
Die Saatkrähen brüten in Kolonien
Dadurch entsteht der Eindruck bei 60 oder 150 Brutpaaren (kleine Kolonie), es gäbe eine Krähenüberpopulation. Tatsache ist aber, dass größere Kolonien beständiger sind als kleinere und dadurch der Arterhaltung viel besser dienen. 20 Brutpaare sind das absolute Minimum für eine „gesunde“ Kolonie (Ruge 1986).
Dass Saatkrähen in dörflichen oder städtischen Gebieten verstärkt auffallen, hängt damit zusammen, dass sie dort geeignete Nistbäume (alte ausladende Bäume) vorfindet und die Nahrung durch gemähte Wiesen leicht zu erreichen ist. Außerdem wurden sie früher in ländlichen Gebieten stark bejagt und sind somit in befriedete Gebiete eingewandert. Deshalb fällt die Saatkrähe als Schwarmvogel besonders in den wenigen Ortschaften, in denen es Brutkolonien gibt, verstärkt auf. Vogelkot ist eine natürliche Sache und entsteht nicht nur unter den Bäumen einer Saatkrähenkolonie, sondern auch bei Mehl- oder Rauchschwalbenkolonien, und zwar dann direkt am Haus.
Wenn Brutkrähen vertrieben werden und sich die Kolonien aufteilen, entsteht häufig der Eindruck, der Saatkrähenbestand hätte sich vermehrt. Aber in Wirklichkeit entsteht meistens eine Bestandsverminderung.
Neue wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die Saatkrähen während der Aufzucht ihrer Jungen in intensiv bewirtschafteten landwirtschaftlichen Gebieten nicht mehr die notwendigen Mengen an Insekten finden und damit Brutausfälle haben oder abwandern.
Deshalb brüten sie auch gerne in der Nähe von größeren naturbelassenen Wiesenflächen mit hohem Grundwasserstand, um in den trockenen Sommermonaten auch an die im Boden lebenden Insekten zu kommen. Die Mülldeponien werden nur von den überwinternden, aber nicht von den Brutkrähen genützt.
Bestände in Bayern und anderen Bundesländern
Die Saatkrähe ist in mehreren Bundesländern z.B. in Bayern, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern in der Roten Liste der bestandsbedrohten Vögel in der Kategorie 3 ("gefährdet“) geführt, in Hessen in der Vorwarnstufe da nur 450 Brutpaare. In Thüringen ist die Saatkrähe als Brutvogel bereits ausgestorben (Kategorie 0, Dr. Wiesner Jena 1997).
Zusammenfassend kann man sagen, die Saatkrähe braucht viel mehr Schutz als die in den Gärten mit Nistkästen sehr stark geförderten und sehr häufigen kleinen Singvögel wie z.B. Meisen, Kleiber und Star. Saatkrähen brüten außerdem nur einmal im Jahr und sind in Bayern noch seltenere Brutvögel als der beliebte Kiebitz. Der Brutbestand der Saatkrähe in München ist von 1986 mit 384 auf 130 Brutpaare im Jahre 1996 zurückgegangen.
Siehe auch die neue Saatkrähenbroschüre des Bayerischen Landesamts für Umweltschutz und LBV, die hier in der Geschäftsstelle des Landesbunds für Vogelschutz erhältlich ist.
Siehe auch: Schwarze Gesellen (http://www.lbv-muenchen.de/Arbeitskreise/saatkra.kiebitz/schwarze.gesellen.htm) - Mythen, Meinungen und Fakten zu den Rabenvögeln
Robert Reisinger Tel. 089 - 16 60 41
Vogel-Mami
16. June 2005, 03:18
Arbeitskreis Saatkrähe/ Kiebitze
Kiebitze (Vanellus vanellus) sind seltene bedrohte Watvögel und brauchen unseren Schutz
http://www.lbv-muenchen.de/Arbeitskreise/saatkra.kiebitz/Kiebitz.karte_small.jpg Kiebitz
von Rita Mühlbauer, Vogel des Monats Sept. 2002 bei der Hofpfisterei München
Die Hofpfisterei schützt die Natur! Der anerkannt ökologische Landbau schützt nachweislich den Lebensraum der Vogelart auf Wiesen, Weiden, Feldern und Buschland
Steckbrief
Ordnung:
Regenpfeifer, Rote Liste: Kategorie 4 potentiell gefährdet
Vogel des Jahres 1996, Volkstümliche Name: Muttergottestaube
Kennzeichen:
Abstehende Feder am Hinterkopf, auffallender Kontrast zwischen metallisch grüner Oberseite und weißer Unterseite mit scharf abgesetzten schwarzen Brustschild. Schnabel knapp kopflang und schwarz, Füße bräunlich fleischfarben, wunderschöner Vogel
Lautäußerung:
„kie-witt“, Alarmsignal lang gezogenen „pii“, während des Ausdrucksfluges „chä-chuit“ oder „wit-wit-wit“
Nahrung:
Würmer, Insekten, Pflanzensamen
Gelege:
am Boden, meist vier birnenförmige, schwarz gefleckte gelbbraune Eier
Brutdauer:
26 bis 29 Tage
Als typischer Offenlandbewohner profitierte der Kiebitz zu nächst bei uns von der Umwandlung von Wäldern in Wiesen- und Ackerlandschaften. In Mitteleuropa Bewohner von Niederungsgebieten ist er vor allem in der norddeutsch – polnischen Tiefebene ein weit verbreiteter Charaktervogel. Viele seiner Eigenschaften prädestinieren ihn zu einem „Anpasser“ an gewandelte Lebensräume infolge von Nutzungsänderungen. Während seine „Wiesenvogelkollegen“ (die in München schon längst ausgestorben sind) wie Großer Brachvogel und Uferschnepfe durch ihre „Werkzeuge“ (= Schnäbel) viel enger an feuchte Wiesen angepasst sind, schien den Kiebitz die Umwandlung von Feuchtgrünland in Äcker nicht weiter zu beeindrucken. Der kurzschnäbelige Kulturfolger machte den Nutzungswandel mit und baute vielerorts an seiner flachen, spärlich ausgepolsterten Nestmulde weiter, um die meist vier birnenförmigen, olivbraunen, schwärzlich gefleckten Eier fortan auf Mais- und Getreideäckern 26-29 Tage hauptsächlich durch das Weibchen zu bebrüten.
Auch in puncto Feindabwehr besitzt der Kiebitz im Vergleich zu Brachvogel und Uferschnepfe etwas günstigere Karten. Mit seinen runden, breiteren Flügeln ist er ein ausgesprochener Schnellstarter und Kunstflieger, der es sich „leisten“ kann, Luftfeinde näher herankommen zu lassen, ihnen durch Blitzstart und Flugakrobatik auszuweichen, um sie mit dem auffälligen Schwarz – Weiß - Muster im Flug noch zusätzlich zu verwirren. Wo es ihr Lebensraum erlaubt, brüten Kiebitze zusammen in lockeren Kolonien. Gemeinsam können Fressfeinde noch besser verunsichert werden durch wechselseitiges Angreifen mit verwirrenden Flugmanövern.
Der Kiebitzspeiseplan besteht hauptsächlich aus vielartigem Kleingetier, vor allem Insekten, und nur aus wenig Pflanzlichem. Die sozialen Vögel lassen sich außerhalb der Brutzeit bei Zug und Rast auf kurzrasigem Grünland und braunen Äckern, Schlammflächen und offenen Ufern oft in großen Schwärmen beobachten. Diese „Kiebitzschwärme“ die sich hauptsächlich aus Vögeln nördlicher und östlicher Herkunft zusammensetzen, gaukeln uns eine Kiebitz-Fülle vor, die bei uns nicht mehr existiert.
Überall in unserem Land mehren sich die Feststellungen katastrophal schlechter Brutbestände und Fortpflanzungserfolge. (Vogelschutz Heft 1 / 1996)
Situation in München:
Von den Feld- und Grünland - Arten haben gegenwärtig nur Kiebitz (80 – 90 Paare) und Schafstelze (30 – 40 Reviere) einen größeren Brutbestand im Stadtgebiet. Beide Arten haben aber in den letzten Jahrzehnten starke Lebensraumverluste und Bestandseinbrüche in München hinnehmen müssen. Die größere ökologische Flexibilität von Schafstelze und Kiebitz, die nach dem Verlust der ursprünglichen Lebensräume (naturnahes Grünland) auf Äcker als Ersatzlebensräume ausweichen konnten, hat das Aussterben beider Arten bisher verhindert. (Naturschutz Report 1. Halbjahr 2002 , Claus Obermeier)
Robert Reisinger
Leiter des Arbeitskreis Saatkrähenschutz Oberbayern
und Kiebitzschutz Großraum München
Vogel-Mami
16. June 2005, 03:31
Offener Brief von Herrn Dr. Helb mit der ausdrücklichen Bitte um Verbreitung.
"Absender dieses Schreibens:
PD Dr. Hans-Wolfgang Helb
TU Kaiserslautern, FB Biologie
Postfach 3049
67653 Kaiserlautern
Niedersächsisches Ministerium
für den ländlichen Raum,
Hern Staatssektretär Gert Lindemann
Calenberger Str. 2
30169 Hannover
Kaiserlautern, 03.06.2005
Offener Brief
„Wissenschaftlicher Diskurs zum Forschungsprojekt ‚Rabenkrähen- und Elsternfang im Landkreis Leer’“
Bezug: Einladungsschreiben von Herrn Staatssekretär Gert Lindemann vom 20. Mai 2005
Sehr geehrter Herr Staatssekretär,
die Unterzeichner bestätigen dankend den Empfang der Einladung zu Ihrer Diskussionsveranstaltung.
Wir sehen indessen keinen Anlass, uns an dieser Veranstaltung zu beteiligen.
Die allgemeine Rechtslage ist klar. Sie verbietet den Einsatz der Norwegischen Krähenfalle. Rabenvögel als Singvögel sind geschützt. Die Ausnahmegenehmigung zum Betrieb der Falle wurde widerrechtlich erteilt, weil das Projekt nicht wissenschaftlich begründet ist bzw. die wissen-schaftliche Begründung auf zahlreichen Irrtümern und Falschannahmen fußt (vgl. auch das Fallen-Gutachten für den Deutschen Tierschutzbund von Epple, Helb & Mäck 2005). Neben dieser materiellen Rechtswidrigkeit gibt es weitere formelle Rechtswidrigkeiten bei der Erteilung der Ausnahme-genehmigungen, wie wir bereits in div. Schreiben an Minister Ehlen mitteilten.
Die ökologische Sachlage ist in zahlreichen einschlägigen Gutachten und Publikationen analysiert. Rabenvögel beeinflussen die Bestandsentwicklung von Wiesenbrütern nicht in nennenswertem Umfang. An dieser Sachlage, die von den Beteiligten anscheinend noch nicht umfassend zur Kenntnis genommen worden ist, ändern weder Referate noch Diskussionen etwas. Dies umso mehr, als trotz umfangreich vorliegender wissenschaftlicher Unterlagen und unserer gleichsinnigen Schreiben diese bis heute in dem „Projekt“ keine Berücksichtigung fanden. Außerdem hat laut Pressemitteilung Minister Ehlen der Jägerschaft in Leer bereits zugesagt, dass das „Projekt“ wie geplant fortgesetzt würde. Ihr Dienstherr, Herr Minister Ehlen, teilte uns bereits in einem Schreiben vom 16.2.2005 mit, dass der von Ihnen nun eingeladene Diskurs zwar stattfinden soll, doch gehe es dabei nicht um die Erkundung von Argumenten zur Einstellung des „Projektes“, sondern um einen „Diskurs über die Sinnhaftigkeit, die Untersuchungsbreite und die Zeitabläufe des Projektes“.
Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir an einer derartigen Veranstaltung nicht teilnehmen werden. Sie ist, wenn man die juristische und wissenschaftliche Sachlage berücksichtigt, nicht notwendig.
Wir nehmen an, dass Ihre Veranstaltung noch abgesagt werden kann oder doch sehr rasch zu dem Ergebnis gelangen wird, dass der Rabenvogelfang im Landkreis Leer, wie von uns seit über einem Jahr immer wieder fachlich begründet und eindringlich gefordert, tatsächlich endlich einzustellen bzw. nicht wieder aufzunehmen ist.
Mit freundlichen Grüßen
gez. gez.
Dr. Ulrich Mäck Prof. Dr. Hans-Heiner Bergmann PD Dr. Hans-Wolfgang Helb
(Ethologe und Ökologe) (Ethologe und Ökologe) (TU Kaiserslautern)
Gruppe Natur und Ethik
Die Gruppe Natur und Ethik stellt einen freien Zusammenschluss von Gleichgesinnten ohne rechtliche Organisation dar. Sie ist keiner politischen oder weltanschaulichen Richtung verpflichtet. Sie verfolgt ihre Ziele ohne Eigennutz für die Person.
Ziele
1. Anerkennung der Mitgeschöpflichkeit als ethischen Handlungsprinzip.
2. Verankerung des Eigenrechts der Natur im öffentlichen Bewusstsein und in der Gesetzgebung. Dazu müssen die Rechtsgrundlagen in allen Bereichen von Tierschutz, Naturschutz und Naturnutzung harmonisiert oder neugestaltet werden. Dem Tier- und Naturschutzrecht gebührt Vorrang vor dem Jagdrecht und anderen hier greifenden Rechtsbereichen.
3. Das Töten von Tieren muss einen vernünftigen Grund haben (§17 Tierschutzgesetz). Dieses Prinzip muss in allen Rechtsbereichen gelten.
4. Bei Eingriffen in das Eigenrecht der Natur liegt die Beweislast beim Nutzer.
5. Beim Töten eines Tieres ist der vernünftige Grund durch den Nutzer nachzuweisen.
6. Bei einem Eingriff in Natur und Landschaft ist dessen Notwendigkeit nachzuweisen.
7. Im Zweifelsfall gilt der Vorrang der Natur."
Vogel-Mami
16. June 2005, 03:50
Saatkrähe in Niedersachsen und Bremen
Der Bestandsrückgang ist überwiegend durch mehr Verfolgung bedingt
Vogel-Mami
16. June 2005, 04:01
Gelegeverluste der Uferschnepfe
ROT = Anteil von Aaskrähe und Elster
0000000000 0000000000 0000000000 0000000000
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BLAU = Anteil aller Prädatoren
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Gelegeverluste des Kiebitz
ROT = Anteil von Aaskrähe und Elster
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BLAU = Anteil aller Prädatoren
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Vogel-Mami
16. June 2005, 04:11
Gelegeverluste Wiesenlimikolen
Ursache: Prädation aufgeschlüsselt
Bei insgesamt 273 Gelegeverlusten der Uferschnepfe waren Aaskrähe und Elster für 7,10 Gelegeverluste "verantwortlich". An der Gesamtzahl der Gelegeverluste der Uferschnepfe war der Faktor Prädation mit 27,6 beteiligt. Für die restlichen 245,4 Gelegeverluste der Uferschnepfe gab es andere Ursachen.
Bei insgesamt 492 Gelegeverlusten des Kiebitz waren Aaskrähe und Elster für 26,6 Gelegeverluste "verantwortlich". An der Gesamtzahl der Gelegeverluste des Kiebitz war der Faktor Prädation mit 71,8 beteiligt. Für die restlichen 420,2 Gelegeverluste des Kiebitz gab es andere Ursachen.
http://www.sh-landtag.de/infothek/wahl14/plenum/plenprot/1996/14-005_06-96.html
Auszug
Unbestritten ist jedenfalls unter Fachleuchten, unter Wissenschaftlern, daß es bei Rabenvögeln als Kulturfolger und Opportunisten zu erheblichen Bestandszunahmen einzelner Arten gekommen ist, allerdings in Schleswig-Holstein regional sehr unterschiedlich.
Umstritten sind aber die Methodik der unterschiedlichen Untersuchungen und damit dann leider auch die genannten Bestandszahlen. Unbestritten ist sicherlich auch, daß die Rabenvögel, insbesondere Rabenkrähe und Elster, keine reinen Vegetarier sind, sondern eine besondere Vorliebe für Vogeleier und Jungvögel haben. Beobachtungen und Meldungen häufen sich, daß inzwischen auch bodenbrütende Vögel der freien Landschaft, wie zum Beispiel der Vogel des Jahres 1996, der vom NABU als solcher beannnt wurde, nämlich der Kiebitz, aber auch Austernfischer, Flußuferschwalbe und Feldlerche, den scharfen Augen der Rabenvögel nicht entgehen.
Wir müssen akzeptieren, daß wir in einer Kulturlandschaft leben, die nicht mehr in erster Linie von den Gesetzen der Wildnis bestimmt wird. Sicherlich ist bekannt, daß das sozialdemokratisch regierte Rheinland-Pfalz eben den in unserem Antrag vorgeschlagenen Weg bereits eingeschlagen hat und die Bejagung der Rabenvögel mit wissenschaftlicher Begleituntersuchung dort bereits seit Herbst 1995 läuft.
http://www.lonlygunmen.de/krypto/news/index.shtml
Auszug
Krähenalarm in Kiel
Beitrag von PSI am Thursday, 2. June 2005
In der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel sorgt ein neues Verkehrsschild für Aufsehen. Auf dem dreieckigen Achtungsschild flieht ein Mensch vor einem Vogelschwarm. Den Arm hält er schützend über dem Kopf. Daneben ist ein Warnhinweis angebracht, der Fussgänger auffordert, die anderer Strassenseite zu nutzen. Der Warnhinweis kommt nicht von ungefähr. Anfang der Woche waren in der Innenstadt mehrere Passanten von Krähen angefallen und verletzt worden.
Die schwarz gefiederten Vögel brüten derzeit in den hohen Kastanienbäumen vor dem Kieler St. Elisabeth Krankenhaus. Es sei wie im Hitchcock Thriller «Die Vögel» gewesen, berichten die Betroffenen. Die Krähen hätten sich in ihr Genick gesetzt und sie am Kopf verletzt. Selbst Polizisten, die zur Hilfe gerufen wurden, mussten sich gegen Attacken der Vögel wehren, bestätigt Polizeisprecher Uwe Voigt.
Ausgelöst wurde das aggressive Verhalten offenbar dadurch, dass zwei gerade flügge gewordene Jungvögel, die aus dem Nest gefallen waren, von Passanten in ein Tierheim gebracht wurden. «Das Verhalten der Krähen ist nicht anormal, sie folgen nur ihrem angeborenen Trieb ihre Jungen zu schützen», erläutert Rüdiger Albrecht vom Landesamt für Natur und Umwelt in Kiel-Flintbek.
http://www.allgemeine-zeitung.de/rhein-main/objekt.php3?artikel_id=1509652
Auszug:
Einem von der Staatlichen Vogelschutzwarte Hessen in Auftrag gegebenen Gutachten zufolge verursachten die Vögel den Weinbauern rund um Flörsheim und Hochheim im vergangenen Jahr Schäden von 228000 Euro.
http://oesterreich.orf.at/oesterreich.orf?read=detail&id=381760&channel=6
Auszug
Raben geschützt
Die intelligenten Raben holen durch die Abdeckfolien hindurch die Samen tief aus der Erde, reissen Setzlinge aus, picken die Bewässerungsleitungen an. Die Bauern sind machtlos, Rabenkrähen sind geschützt, dürfen nicht bejagt werden.
südwind
16. June 2005, 10:48
2b Vorwürfe gegen Rabenvögel (im Original anderes Layout)
Das Image der Rabenvögel in der Bevölkerung ist sehr negativ. Vermutlich entstammt dieses Bild einfach der für Menschen unangenehmen Gesamterscheinung: Schwarzes Gefieder, steifer Gang und eine krächzige Stimme. Zusätzlich sorgt sicher auch noch die Vorliebe der Tiere für Aas für negative Gefühle. Nachfolgend sind die Vorwürfe gegen die Rabenvögel kurz zusammengefasst:
* Die Rabenvögel werden immer mehr!
* Tatsächlich nehmen die Rabenvögel zahlenmäßig zu. Vor allem aber verlagern sie ihren Lebensraum in Richtung menschlicher Siedlungen. Hauptverantwortlich dafür ist das dort höhere Nahrungsangebot. Landwirtschaftliche Flächen bieten inzwischen durch die raschen Bearbeitungsgeschwindigkeiten nur noch unregelmäßig Nahrung. Zusätzlich ist der Boden durch Hochleistungsgräser und vermehrten Anbau von Wintergetreide schwerer zugänglich. Dadurch ist es für die Tiere schwieriger an die Nahrung im Boden zu gelangen. Rabenvögel töten Nutztiere!
* Rabenvögel können gesunde Nutztiere nicht töten. Dazu ist ihr Schnabel nicht geeignet. Ihnen fehlt aufgrund des ungünstigen Stands und der ungünstigen Hebelverhältnisse die zielgerichtete Kraft des Hackens. Sie sind nicht in der Lage die Haut zu öffnen. Nur an besonders empfindlichen Körperstellen, wie beispielsweise den Augen oder dem After, können Rabenvögel sofort fressen. Das ist natürlich nur bei bewegungsunfähigen Tieren möglich. Der wahre Grund, warum Rabenvögel oft bei Schafherden zu suchen sind, ist ein ganz anderer. Hier nämlich finden die Tiere ein besonders hohes Nahrungsangebot. In der Nähe der Herden befinden sich meist große Mengen an verschiedenen Fliegenarten. Beim Weiden scheuchen die Schafe Insekten vom Boden auf, die von den Vögeln genutzt werden können. Im Kot der Schafe befinden sich außerdem nicht vollständig verdaute Nahrungsteile, die von den Rabenvögeln gefressen werden. Rabenvögel fressen alle Singvögel!
* Auch der Vorwurf, die Singvögel zu fressen, ist nur in den seltensten Fällen gerechtfertigt. Es ist kaum lohnend Singvogelgelege zu plündern. Das Gelege einer Goldammer wiegt beispielsweise nur 12 Gramm. Wahrscheinlicher erscheint es, dass die Singvögel ihre Nester einfach verlegen, wenn sich Rabenvögel in der Nähe ansiedeln. So gehen sie eventuellen Gefahren aus dem Wege. Sie verschwinden also nicht wirklich, sondern verlegen ihre Reviere, die teilweise recht groß sind. Rabenvögel fressen kleine Hasen, Rehe und anderes Wild!
* Dass die Rabenvögel bewegungsunfähige Wildtiere finden, ist sicher eine Ausnahme. Auch jagbare Vögel werden sie, genau wie die Singvögel, kaum schädigen. Die Rabenvögel haben also keinen bedeutenden Einfluss auf wildlebende Tiere. Rabenvögel schädigen die Landwirte!
Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen sind äußerst selten. Sie beschränken sich im Grunde auf die Beschädigung von Silofolien. Diese Schäden traten in den letzten Jahren mit der Eroberung von Lebensräumen in Menschennähe verstärkt auf. Inzwischen schützen fast alle Landwirte ihre Silofolien durch das Aufbringen von Altreifen, über die ein Netz gespannt wird. So wird ein Anpicken der Folie verhindert.
http://www.biologieundpaedagogik.de/beispielmaterialie_b.htm
südwind
16. June 2005, 10:55
Dr. Adelheid Winking-Nikolay [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Alle Jahre wieder oder manchmal auch alle Monate oder noch häufiger wird die Serie von Horrormeldungen per Leserbrief, per Pressemitteilung oder auch im Rahmen von Landtagsanträgen fortgesetzt. Nicht jedes Lebewesen, das sich über Aas beugt, ist ein Töter. Raben und Nebelkrähen werden nicht ohne Grund als Aaskrähen zusammengefaßt. Sie haben als Aasfresser eine sehr wichtige ökologische Funktion.
Übergriffe auf gesunde Haustiere konnten bisher nicht glaubhaft belegt werden. Sicher ist, daß Nachgeburten gefressen werden, gelegentlich auch nicht lebensfähige Jungtiere, wenn sie kein normales Abwehrverhalten zeigen. Es sind also nur Tiere, die unter natürlichen Lebensbedingungen nicht lebensfähig wären.
Auch der zweite Vorwurf, Gelege raubende Rabenvögel seien ursächlich für den Rückgang von Populationen kleiner Singvogelarten, ist bisher nicht belegt. In diversen wissenschaftlichen Untersuchungen, die zum Teil sogar wohlwollend in der Zeitschrift "Jäger und Fischer" zitiert werden - "Jäger und Fischer" ist nun wirklich keine grüne Hauspostille -, ist festgestellt worden, daß es einen so behaupteten Zusammenhang nicht gibt.
Kleine Singvogelarten nehmen von Art zu Art -verschieden sogar in der Populationsdichte - deutlich zu. Hier sei besonders auf Untersuchungen im Saarland im Raum Wahlen seit 1991 auf einem Gebiet von 700 ha verwiesen. Das Ergebnis ist hier: Die Jagd auf Rabenvögel ist kein Regulationsfaktor - weder für diese selbst noch für kleine Singvogelarten. Auch bei hoher Populationsdichte der Rabenvögel bleibt die Zahl ihrer Brutpaare konstant; denn viele Tiere brüten dann nicht.
Es scheint auch keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen der Populationsdichte von kleinen Singvögeln und der von Rabenvögeln zu geben. Zwar wurde im Saarland festgestellt, daß nach der Bejagung - dort war das dann nämlich zugelassen - von Rabenvögeln einige kleine Singvogelarten zahlenmäßig zunahmen. Gleichzeitig ergab sich aber, daß die entsprechende Zunahme kleiner Singvogelarten an den Vergleichsstandorten ohne Rabenvogelbejagung ebenfalls festzustellen war.
In der Literatur wird aber durchgehend festgestellt - im übrigen auch wieder zitiert von "Jäger und Fischer" -, daß die Auffindenshäufigkeit von Gelegen besonders von Bodenbrütern durch Rabenvögel stark abhängig ist von der Bodenbeschaffenheit, sprich der Vegetation. Die Ursache für den Rückgang einiger Kleinvogelarten ist demnach eher in der ausgeräumten Landschaft - ich nenne fehlende Feldraine, Knicks und häufiges Mähen - zu sehen und ebenso im Einsatz von Agrargiften. Es wäre sehr schön, wenn sich die CDU künftig zusammen mit uns dafür einsetzen würde, daß diese Ursachen beseitigt würden.
http://www.sh-landtag.de/infothek/wahl14/plenum/plenprot/1996/14-005_06-96.html
südwind
16. June 2005, 11:32
Punkt 2 der Tagesordnung:
Begrenzte Freigabe der Bejagung von Rabenvögeln zum Schutze der heimischen Tierwelt und Durchführung einer begleitenden Untersuchung
Antrag der Fraktion der CDU
Drucksache 14/70
(überwiesen am 12. Juni 1996 an den Umweltausschuß und den Agrarausschuß)
In der Aussprache über den Antrag betont Abg. Franzen, daß sich die SPD-Fraktion der Problematik durchaus ernsthaft widmen wolle. Dazu müsse sich der Ausschuß über den aktuellen Sachstand informieren, insbesondere auch einen Überblick über die vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnisse gewinnen. Notwendig seien darüber hinaus Angaben des Ministeriums, wie sich die Handhabung mit der begrenzten Freigabe der Bejagung durch die unteren Naturschutzbehörden ausgewirkt habe. Aus ihrer Sicht sei ein kausaler Zusammenhang zwischen der behaupteten größeren Verbreitung der Rabenvögel und der Ausrottung anderer Singvogelarten bisher nicht erwiesen.
Abg. Todsen spricht sich ebenfalls für eine sachgerechte und emotionsfreie Erörterung der Thematik, die immer wieder von der Bevölkerung an die Politiker herangetragen werde, aus. Es gebe eine Fülle von Material und Aussagen, die zum Teil einander widersprächen. Sowohl der Landesjagdverband als auch die staatliche Vogelschutzwarte hätten konkrete Daten erhoben; das Problem liege darin, daß die Untersuchungsmethoden unterschiedlich seien und zum Teil auch kritisch betrachtet würden. Eine sachgerechte Entscheidung setze nach ihrer Ansicht voraus, daß die Politiker auch der Jägerschaft das Vertrauen entgegenbrächten, daß sie ihren Auftrag, der auf gesetzlichen Grundlagen beruhe, verantwortlich wahrnehme. Wenn jedoch zunehmend Privatpersonen zur Selbsthilfe griffen und Elsterfallen illegal einsetzten, könne dies nicht hingenommen werden; vielmehr seien die Politiker gefordert, eine geeignete Lösung zu finden.
Sie, Abg. Todsen, habe sich regionale Daten aus dem Kreis Pinneberg beschafft; dort sei die Problematik möglicherweise gravierender als in anderen Landesteilen. Sie gibt zu überlegen, in einer der nächsten Sitzungen des Ausschusses zumindest je einen Vertreter des Wildtierkatasters und der staatlichen Vogelschutzwarte zu der Problematik anzuhören.
Denkbar wäre aus ihrer Sicht auch, unter Federführung des Ministeriums eine Arbeitsgruppe einzusetzen, der auch Vertreter der Naturschutzverbände und des Landesjagdverbandes angehörten. Diese Arbeitsgruppe könnte in einem gewissen Umfang weitere Untersuchungen durchführen, die nicht notwendigerweise ein umfangreiches wissenschaftliches Programm voraussetzten. Ihr schwebe vor, daß eine solche Arbeitsgruppe zwei oder drei Bereiche im Lande gezielt untersuche. Dazu eigneten sich besonders die Nordseeinseln, in denen die Tiere nicht so sehr Einflüssen von außen ausgesetzt seien. So könnten die Inseln Amrum und Pellworm ins Auge gefaßt werden, wobei in einer ersten Phase die Bejagung auf Amrum zugelassen werden könnte, während auf Pellworm keinerlei Maßnahmen ergriffen würden. Sie würde es begrüßen, wenn sich der Ausschuß in einer der nächsten Sitzungen auf ein solches Programm verständigen und die Auffassungen der Vertreter der genannten Institutionen anhören würde.
Abg. Dr. Happach-Kasan sieht keinen Ansatz für eine einvernehmliche Lösung, weil sich in dieser Frage zwei Grundsatzpositionen gegenüberstünden. Das Parlament könne sich nur bemühen, den Verwaltungsaufwand so gering wie möglich zu halten. Im übrigen genieße nach ihrer Ansicht die Rabenvögelproblematik nicht höchste Priorität.
Der von Abg. Franzen erbetene Bericht des Ministeriums sollte auch den Verwaltungsaufwand umfassen, den die unteren Naturschutzbehörden betrieben. Bisher sei gefordert worden, Saatkrähen und Elstern zu bejagen. Sie bitte um Auskunft, inwieweit aus naturschutzfachlicher Sicht eine Bejagung unterbunden werden müsse.
Mit am gravierendsten sei für sie die Frage, wie die bisher vorliegenden Untersuchungsergebnisse zustande gekommen seien. Es sei unbefriedigend, wenn verschiedene Untersuchungsgruppen unterschiedliche Zahlen ermittelten. Eine Aufgabe des Umweltausschusses könnte sehr wohl darin liegen, auf eine korrekte Zahlenermittlung und einen Abgleich der Daten der einzelnen Untersuchungsstellen hinzuwirken.
Zur Beantwortung der aufgeworfenen Fragen teilt M Steenblock mit, daß bis zum 31.07.96 bei den unteren Naturschutzbehörden insgesamt 144 Anträge auf Bejagung von Elstern gestellt worden seien; davon seien 22 Anträge abgelehnt worden und 35 noch nicht beschieden. 382 Exemplare seien freigegeben worden. Zur Bejagung von Rabenkrähen seien 210 Anträge gestellt worden, davon 5 abgelehnt und 32 noch nicht entschieden worden. Zum Abschuß freigegeben worden seien 823 Exemplare.
Zur Notwendigkeit einer wissenschaftlichen Untersuchung verweist M Steenblock auf die Vielzahl bereits vorliegender wissenschaftlicher Erkenntnisse, die etwa in Band 13 des "Handbuchs für Vögel in Mitteleuropa" zusammengestellt worden seien. Die umfassendste Studie stamme aus England und mache deutlich, daß stadtnahe Bereiche sehr stark von Elstern besiedelt würden und die Population im freien Land zurückgehe. Insgesamt müsse von einer Zunahme der Population ausgegangen werden, wobei die Untersuchungen der staatlichen Vogelschutzwarte und die Zwischenergebnisse des Wildtierkatasters noch differierten.
Eine Lösung auf Landesebene scheitere nach seiner Ansicht daran, daß die rechtliche Entscheidung eine Bundesangelegenheit sei. Der Bundesgesetzgeber weigere sich zur Zeit, das Jagdgesetz entsprechend zu ändern. Damit bleibe den Ländern nur der Weg der Ausnahmeregelung, von der Schleswig-Holstein seit September 1995 Gebrauch gemacht habe.
Er, M Steenblock, sei skeptisch, ob eine neue wissenschaftliche Untersuchung aus dieser Entscheidungsproblematik heraushelfe. Notwendig sei auf jeden Fall eine korrekte Datenlage. Die Anregung, im Ministerium auf eine Lösung unter Beteiligung der verschiedenen Konfliktpartner hinzuwirken, begrüße er. Das Ministerium werde sich dieser Aufgabe auch stellen.
Die Frage nach naturschutzfachlichen Interessen, die einer Bejagung entgegenstünden, stelle sich wegen des geltenden Jagdrechts nach Auffassung von M Steenblock gar nicht erst; sie würde allenfalls bei einer Änderung des Bundesjagdgesetzes relevant.
Gleichwohl werde aber - wie Abg. Dr. Happach-Kasan einwirft - von seiten des Naturschutzes stets auf naturschutzfachliche Interessen verwiesen.
M Steenblock hebt darauf ab, daß das Umweltministerium beide Aspekte zu berücksichtigen habe. Die Naturschutzphilosophie gehe dahin, auf eine Bejagung zu verzichten, weil sich eine Bestandsregulierung auf natürliche Weise ergeben werde. Die typische Reaktion auf Bejagung sei, daß sich die Regeneration einer Population deutlich verstärke. Regional gebe es gerade aus Naturschutzgründen so viele unterschiedliche Einflußfaktoren, daß eine eindeutige Position - auch unter Naturschutzgesichtspunkten - kaum möglich sei.
MR Dr. Rüger schildert in großen Zügen die historische Entwicklung des Naturschutzes, der noch zu Beginn des Jahrhunderts sehr stark mit gefährdeten Arten argumentiert habe. Inzwischen habe sich die Zielsetzung des Naturschutzes stärker vom einzelnen Individuum der Population auf die Entwicklungsprozesse einer Population verlagert. Auch in Kulturlandschaften gehöre die Räuber-Beute-Beziehung zu den wesentlichen Elementen. Diese Prozesse schütze der Naturschutz. Das bedeute zugleich, daß nur dann eingegriffen werden sollte, wenn es unbedingt notwendig sei. Die jagdliche Philosophie und Ethik ziele demgegenüber darauf ab, Tiere nur dann zu töten, wenn sie auch verwertet würden.
In der weiteren Aussprache betont Abg. Todsen, daß es ihr darum gehe, mit dem "Rabenvogelbeirat" ein Gremium zu schaffen, das sachgerecht arbeiten könne und unterschiedliche Richtungen und Sichtweisen aufnehme. Statt etwa Elstern und Saatkrähen auszurotten, gehe es darum, die Fluchtdistanzen, die durch den vollständigen Schutz dieser Arten wesentlich verringert worden seien, auf ein normales Maß zurückzuführen. Ob die Untersuchungen aus England auf die Entwicklung in Schleswig-Holstein in den letzten Jahren übertragbar seien, müsse noch geklärt werden. Dabei sei für sie auch von Interesse, ob sich diese Untersuchungen überhaupt zu einer Bejagung dieser Vogelarten äußerten.
Eine Bundesratsinitiative der Landesregierung hätte nach ihrer Ansicht derzeit größere Erfolgschancen, zumal auch andere Bundesländer, wie Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Hessen bereits aktiv geworden seien und entsprechende Beschlüsse zur Bejagung gefaßt hätten. Im übrigen gebe es auch Vertreter des Naturschutzbundes, die sich für eine Bejagung auf örtlicher Ebene einsetzten.
Sie begrüße die Anregung der Abg. Franzen, den Personaleinsatz der unteren Naturschutzbehörden für solche Genehmigungsverfahren zu erfragen, die durch wichtigere Aufgaben bereits erheblich belastet seien. Deshalb wäre es zweckmäßig, wenn die Rechtsgrundlagen mittelfristig so gestaltet würden, daß die Bejagung der Rabenvögel in die Verantwortung der Jägerschaft fiele, unter Rahmenvorgaben und Begleitung des Landes.
Abg. Dr. Happach-Kasan unterstützt ebenfalls den Aspekt des Arbeitsaufwandes, der um so schwerer wiege, als die Behörden der Kreise bereits erheblich belastet seien. Zum anderen bekräftigt sie die Anregung, Vertreter der staatlichen Vogelschutzwarte sowie des Wildtierkatasters einzuladen, um über die Methoden der Datenerfassung zu berichten, damit eine einheitliche Bewertung des Datenmaterials möglich sei.
Letztlich könne sich eine Entscheidung aber nur daran orientieren, welcher Philosophie der Vorrang eingeräumt werde. Eine Lösung, die beiden entgegengesetzten Standpunkten gerecht werde, sei aus ihrer Sicht nicht denkbar.
Im weiteren Verlauf kommt Abg. Franzen auf den Vorschlag zurück, eine Anhörung zu der Problematik durchzuführen. Sie halte es für erforderlich, dem Ausschuß dafür einen schriftlichen Vorschlag zu unterbreiten und auch die jeweiligen Einzelthemen konkret anzugeben. Im übrigen sollte sich der Ausschuß darauf beschränken, schriftliche Stellungnahmen zu erbitten, wobei sich die SPD-Fraktion vorbehalte, ihrerseits weitere anzuhörende Organisationen oder Verbände zu benennen. Notfalls könnten danach offene Einzelfragen auch noch durch eine mündliche Anhörung vertieft werden.
Sie sei durchaus bereit, die erwähnte Fachliteratur durchzuarbeiten und sehe ihren Wunsch nach Auflistung aller in Betracht kommenden wissenschaftlichen Arbeiten zu diesem Thema mit dem Hinweis der Vertreter des Ministeriums als erfüllt an. Es sollte im übrigen im Interesse des gesamten Ausschusses wie auch des beteiligten Agrarausschusses liegen, die Diskussion dieser Problematik bis zum Ende des Jahres zu beenden.
Der Ausschuß erklärt sich auf Anregung von M Steenblock damit einverstanden, daß das Ministerium auf eine Umfrage bei den unteren Naturschutzbehörden nach dem gesamten zusätzlichen Arbeitsaufwand für Einzelgenehmigungen verzichtet und statt dessen die durchschnittliche Bearbeitungsdauer eines Antrags übermittelt wird.
Abg. Dr. Winking-Nikolay spricht sich unter Bezugnahme auf die Ausführungen von MR Dr. Rüger gegen die Freigabe der Bejagung von Rabenvögeln. Auch der Mensch sei Teil der Natur, der er zutrauen sollte, ihre eigenen Lösungen für vermeintliche Probleme zu finden. Zudem handele es sich dabei häufig nur um lokale, nicht aber flächendeckende Probleme.
Wenn im übrigen eine Abschußgenehmigung sogar telefonisch erteilt werden könne - wenn auch anschließend noch ein schriftlicher Antrag gestellt werden müssen -, so sei eine weniger komplizierte Regelung kaum noch denkbar.
Dem hält Abg. Todsen entgegen, daß der Arbeitsaufwand für den Jagdausübungsberechtigten, der die Populationsdichte darzulegen habe, doch sehr beträchtlich sei. So müsse er das ganze Revier mehrfach abgehen, um belegen zu können, wie viele Horste tatsächlich vorhanden seien.
Viele Diskussionen und Unzuträglichkeiten entfielen, wenn die Bundesregierung diese Tiere in das Jagdrecht übernähme. Auch in der Jägerschaft habe inzwischen ein entsprechender Denkprozeß stattgefunden. Ihr, Abg. Todsen, sei bekannt, daß der Landesjagdverband der Verwendung eines Teils der Jagdabgabe für weitere Untersuchungen, die keineswegs überdimensioniert sein müßten, zustimmen würde.
In einer der nächsten Sitzungen wird der Ausschuß darüber befinden, ob zu dem Antrag der CDU-Fraktion eine schriftliche oder mündliche Anhörung durchgeführt werden soll.
http://www.sh-landtag.de/infothek/wahl14/aussch/umwelt/niederschrift/1996/14-003_08-96.html
südwind
16. June 2005, 11:55
Zusammengefasst:
Abschuss von Krähenvögeln ist biologisch widersinnig. Er würde keinen positiven
Einfluss auf den Bestand anderer Tierarten haben. Die Genehmigung von Abschüssen
wäre ein Rückfall ins unwissenschaftliche Mittelalter. Eine bessere naturwissenschaftliche
Bildung in Deutschland würde manches Scheinproblem gegenstandslos
http://www.ornithologischer-verein-halle.de/Text_Kraehen.pdf
südwind
16. June 2005, 12:11
http://www.loebf.nrw.de/Willkommen/Aktuelles/Publikationen/LOEBF_Mitteilungen/Mitteilung_01_2001/Aus_dem_Inhalt/Seite16_33_ar.pdf
südwind
16. June 2005, 21:27
Krähenvogeljagd in Niedersachsen: NABU und Deutscher Tierschutzbund sagen Teilnahme an Fachgespräch im Ministerium ab
http://www.tierschutzbund.de/00966.html
südwind
16. June 2005, 22:37
PRESSE-INFORMATION
Datum: 6. Januar 2005
Jagd auf Vögel einschränken statt ausdehnen
Bejagung von Rabenvögeln und geschützten Gänsearten - Umwelt
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag verlangen von der Landesregierung Aufklärung über die Auswirkungen der seit 1999 freigegebenen Jagd auf Rabenvögel sowie die geplante Ausdehnung der Bejagung auf seltene Gänsearten. Dazu hat die Fraktion zwei Kleine Anfragen gestellt, wie der umweltpolitische Sprecher Dr. Bernhard Braun (Ludwigshafen) mitteilt. Die Jagd auf Rabenkrähen (Corvus corone corone) und Elstern (Pica pica) sowie Grau- und Kanadagänsen wird von Naturschutzverbänden, dem ökologischen Jagdverband und den GRÜNEN entschieden abgelehnt.
Nach bisher vorliegenden Zahlen stieg die Zahl der zur Bestandsregulierung in Rheinland-Pfalz jährlich getöteten Rabenvögel von 1999 bis 2002 um deutlich mehr als 30 Prozent. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 32.641 Rabenkrähen und 30.423 Elstern getötet, wie aus der Antwort auf eine frühere Kleine Anfrage der GRÜNEN (Drs. 14/1822) hervorgeht. Dabei konnten die vom Land angeführten Schäden, die angeblich durch die Vögel verursacht worden sind, selbst durch ein Gutachten im Auftrag des Umweltministeriums aus dem Jahr 2003 nicht nachgewiesen werden.
Auch die vorgesehene Ausweitung der Jagd auf Gänse ist nach Auffassung der GRÜNEN nicht zu rechtfertigen. Dabei sind von den betroffenen Kanada- und Graugänsen offenbar nur geringe und lokal begrenzte Schäden verursacht worden, deren Höhe das Land bislang nicht einmal beziffern kann. „Vor allem werden der heimische Bestand von rund 90 Brutpaaren und die Bemühungen zur Wiederansiedlung der seltenen Vögel zunichte gemacht“, kritisiert der umweltpolitische Fraktionssprecher.
„Es zeigt sich immer mehr, dass die Bejagung der Rabenvögel das gesteckte Ziel der Bestandsverbesserung bei Singvögeln und Niederwild nicht erreicht hat. Die Tiere wurden also sinnlos getötet. Hieraus sollte die Regierung den Schluss ziehen, die Bejagung von Gänsearten nicht freizugeben und die Einwände der anerkannten Naturschutzverbände zu berücksichtigen“, erklärt Braun abschließend.
http://www.gruene-landtag-rlp.de/cms/default/dok/61/61253.jagd_auf_voegel_einschraenken_statt_ausd.htm
Auszug
Auf der Erkundungsfahrt haben die Filmemacher „Glück”. Sie können filmen, wie eine Häsin ihren Satz Junghasen gegen Krähen verteidigt und schließlich kraftlos am Boden sitzt. Die Krähen haben gewonnen und zerhacken einen Junghasen, den Bauer Enewaldsen in die Kamera hält. Körner- und Aasfresser also, so so!
http://www.djz.de/artikelbeitrag/artikelbeitrag_15478.html
Auszug
Dörte Schipper und Gregor Petersen haben mit ihrem NDR-Team über Monate die Krähen mit der Kamera beobachtet, den Nestbau, das Brüten. Sind die Jungen geschlüpft, kreisen rund 6000 Vögel über die Köpfe der Niebüller, fast so viele wie das Städtchen Einwohner hat.
http://www.ndrtv.de/doku/20011130_kraehen.html
http://vilich-mueldorf.akirch.de/images/wjt/bonn_weltjugendtag_03.jpg
Biotop mit Krähen: Eingezäunt sind die schützenswerten Flächen der Hangelarer Heide, auf der die Naturschützer keinen Fuß eines Pilgers gesetzt sehen möchten.. Foto: GA
Auszug
Die Schadwirkung der Elster auf diese Tiere dürfte aber, verglichen mit der von Rabenkrähen, relativ klein sein, auch wenn von Seiten der Jägerschaft etwas anderes behauptet wird.
http://www.nabu-laatzen.de/Rabenvoegel/Elstern.htm
Auszug
So wurden auf einer intensiv betreuten etwa 500 ha großen Fläche in unserem derzeitigen Rabenkrähenprojekt im Landkreis Leer 70Prozent der Kiebitznester in 2004 nachweislich durch Rabenkrähen vernichtet, die zu einem Junggesellenschwarm gehörten.
In 2005 fielen auf derselben Fläche nur 30Prozent der Nester Krähen zum Opfer, da nach Angaben des Betreuers kein Krähenjunggesellenschwarm mehr existent war!
http://www.jagdnetz.de/aktuelles/naturschutz/index.cfm?session_id=&show=Zur_Situation_nicht_heimischer_Arten\\Pohlmeyer.htm
südwind
17. June 2005, 11:29
Biotop mit Krähen: Eingezäunt sind die schützenswerten Flächen der Hangelarer Heide, auf der die Naturschützer keinen Fuß eines Pilgers gesetzt sehen möchten.. Foto: GA
der vollständige beitrag:
Gegner des Papstbesuches bereiten Klage vor
Naturschützer reichen beim Kreis ihre Stellungnahme gegen die Mammut-Messe auf der Hangelarer Heide ein
Von Klaus Elsen und Holger Arndt (Foto)
Rhein-Sieg-Kreis. Die geplante Abschlussmesse des Weltjugendtages (WJT) mit dem Papst auf dem Hangelarer Flugplatz wird möglicherweise schon in wenigen Wochen die Gerichte beschäftigen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) machte am Mittwoch erneut deutlich, dass er bereit ist, gegen eine Genehmigung der Mammut-Veranstaltung mit bis zu einer Million Pilger zu klagen (der GA berichtete).
"Wenn die Weltjugendtags-GmbH bei Hangelar bleibt, dann bedeutet das für uns den Einstieg in den Rechtsweg", sagte Paul Kröfges, Kreisvorsitzender und stellvertretender Landeschef des BUND. Am Mittwoch reichten Kröfges und sein Sankt Augustiner Vorstandskollege Achim Baumgartner eine umfangreiche Stellungnahme zum Antrag der WJT-GmbH auf Befreiung von den Auflagen des Landschaftsgesetzes beim Kreis ein. Diese Befreiung ist notwendig, damit die Abschlussmesse des Weltjugendtages auf der unter Landschaftsschutz stehenden Hangelarer Heide stattfinden kann.
Der BUND befürchtet die nachhaltige Zerstörung wertvoller Lebensräume für Tiere und Pflanzen durch die Großveranstaltung zu der bis zu einer Million Menschen erwartet werden. "Wenn die Papstmesse kommt, dann können wir die Heidenelke für die nächsten zwanzig Jahre vergessen", sagte Kröfges.
Erneut brachten er und Baumgartner den Standort Bornheim-Sechtem als Alternative zum Hangelarer Flugplatz ins Gespräch. Dort stünden mehrere hundert Hektar Gelände zur Verfügung, auf denen es bei weitem nicht so gravierende ökologische Probleme wie in Hangelar gebe. "Da hoppeln höchstens ein paar Hasen herum", glaubt Kröfges.
Außerdem sei das Areal verkehrsgünstig gelegen, mit einer unproblematischen Anbindung an Köln. Wie der GA berichtete, hat der Bornheimer Rollrasen-Produzent Peter Schmitz seine Flächen bei Sechtem als Alternative zu Hangelar angeboten. "Der Weg nach Bornheim ist frei, die Weltjugendtags-GmbH muss nur nach dem Rettungsanker greifen und die Diskussionen um den Naturschutz wären endgültig vom Tisch", sagte Kröfges.
Den Rettungsanker benötigen die WJT-Planer nach Kröfges Meinung auch dringend. Denn der BUND-Mann schätzte am Mittwoch die Chancen einer erfolgreichen Klage gegen die Papst-Messe als "ausgesprochen gut" ein. "Die Antragsunterlagen der WJT-GmbH sind von dürftiger Qualität, das macht uns die Arbeit leichter."
Unter anderem richtet sich die Kritik des BUND laut Baumgartner gegen die "fehlerhafte und nicht nachvollziehbare Bewertung" der zur Auswahl stehenden Standorte, mangelhafte Aussagen zu bedrohten und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten und nicht ausreichenden Schutz der Tabuzonen.
Gefahr für den Hangelarer Heideboden sehen die Umweltschützer beispielsweise auch darin, dass viel zu wenige Toiletten geplant seien. Statt 9 240 müssten rund 16 000 WC-Häuschen aufgestellt werden. Sonst bestehe durch die unkontrollierte Erledigung menschlicher Bedürfnisse "die Gefahr, dass ganze Pflanzengesellschaften auf Dauer in Hangelar ausgerottet werden".
Am Mittwoch nächster Woche wird sich der Landschaftsbeirat des Kreises mit dem Thema befassen, danach fällt der Kreis seine Entscheidung. Wie die aussehen wird, glaubt Kröfges schon zu wissen: "Es gibt da einen gewissen politischen Druck. Landrat Kühn will die Papstmesse lieber in Sankt Augustin als in Bornheim." Gegen eine entsprechende Verfügung der Kreisverwaltung für Hangelar will der BUND Widerspruch einlegen.
Sollte auch der abgelehnt werden, ziehen die Umweltschützer vor Gericht, kündigten Kröfges und Baumgartner an. Dabei machten sie erneut deutlich, dass der BUND nicht gegen den Weltjugendtag und nicht gegen die Papstmesse sei. Nur eben nicht in Hangelar. "Das haben wir dem Papst auch in einem ausführlichen Schreiben mitgeteilt", sagte Kröfges. Eine Antwort des Heiligen Stuhls steht allerdings noch aus.
Alle Informationen zum XX. Weltjugendtag 2005 im Special.
(14.07.2004)
http://www.general-anzeiger-bonn.de/index_frameset.html?/news/bild.php?id=75216&bid=46861
südwind
17. June 2005, 12:15
Informationen über einheimische Rabenvögel
http://www.ak-wildbiologie.de/index.htm
südwind
17. June 2005, 14:55
Als Beitrag zur aktuellen Diskussion über die Einwirkung von Rabenvögeln auf Avizönosen allgemein und einige Flugwildarten im besonderen werden 148 Siedlungsdichteuntersuchungen von Sommervogelbeständen auf 84 Probeflächen in Schleswig-Holstein und Hamburg analysiert. Rabenkrähe, Elster und Eichelhäher werden als Gruppe "Rabenvögel", Stockente, Fasan, Rebhuhn und Ringeltaube als Gruppe "Flugwild" zusammengefaßt. Flächenstetigkeit und Artenhäufung der drei Rabenvogelarten waren niedriger als die der vier Flugwildarten mit breiterer Habitatpalette. Von 1948 bis 1985 wurden keine außergewöhnlichen Schwankungen der durchschnittlichen Dichten in fünf Zeitabschnitten registriert, ebensowenig erfolgte ein auffälliger Anstieg oder Abstieg. Auch nach vierzehn Jahren ohne nennenswerte jagdliche Regulation während der Kriegs- und Nachkriegszeit hat die Rabenvogeldichte keine auffällige Höhe erreicht. Die Dichten von Rabenvögeln und Flugwild stehen in angepaßter Wechselbeziehung zu unterschiedlichen Gesamtdichten von Avizönosen. Eingriffe in die Landschaft wirken sich entsprechend auf die gesamte Vogelgemeinschaft aus. Thesen der Jägerschaft über bisherige und künftige Bestandszunahmen der Rabenvögel erwiesen sich als nicht haltbar. Aus den Ergebnissen der Untersuchung läßt sich keine Notwendigkeit zur künstlichen Regulation der Rabenvögel durch den Menschen ableiten. Die Erklärung der Rabenvögel zu besonders geschützten Arten durch die Bundesartenschutznovelle ist deshalb nicht nur ein rechts- und europapolitisch begrüßenswerter und längst überfälliger Schritt gewesen, sondern die Umsetzung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse in geltendes Recht. Die Wiedereinführung beschränkter Abschußzeiten für Rabenkrähe und Elster durch eine schleswig-holsteinische Landesverordnung widerspricht in ihrer ökologischen Begründung allen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Feststellungen.
http://www.umwelt.schleswig-holstein.de/servlet/is/7826/inhalt13.html
südwind
18. June 2005, 09:11
Im Kreis Soest wird nach einer Entscheidung des VG Arnsberg kein "Nordischer Krähenfang" aufgestellt. Der Kläger, ein Jäger und Naturschutzwart, hatte den Kreis Soest mit seiner Klage verpflichten lassen wollen, ihm eine entsprechende Ausnahmegenehmigung zu erteilen, um Rabenkrähen zu fangen.
Bei dem "Nordischen Krähenfang" handelt es sich um eine Massenfalle. Hierbei sollen die Krähen mittels Lockvögeln und Futterangebot in ein großes, in der Regel mit Maschendraht bespanntes Gestell - ähnlich einer Voliere - einschlüpfen. Das Entkommen aus dieser Falle ist nicht möglich. Die gefangenen Vögel werden dann vom Fallensteller getötet.
Das Gericht führte unter anderem aus: Dem Kläger fehle die Klagebefugnis. Eine Ausnahmegenehmigung zum Schutz der heimischen Tierwelt nach dem BNatSchG könne ihm nicht erteilt werden. Weil diese Vorschrift dem Tierschutz insgesamt diene, könne der Kläger hieraus keine individuellen Rechte für sich ableiten. Dies gelte auch im Hinblick darauf, dass er Jäger sei. Denn die nach europäischem Recht unter besonderem Schutz stehenden Rabenkrähen seien ein Teil der Natur. Auch wenn sie andere Tiere bedrängten, indem sie etwa Gelege anderer geschützter Vögel plünderten, könne der Kläger nicht gleichsam für diese anderen Tiere Rechtsschutz vor dem VG begehren. Seine Rechte als Jäger seien jedenfalls nicht berührt. Auf wissenschaftliche Zwecke könne er sein Begehren nicht stützen, weil er selbst jedenfalls kein Wissenschaftler sei. Abgesehen davon sei die Versagung der Ausnahmegenehmigung durch den Kreis Soest nicht ermessensfehlerhaft. Rabenkrähen dürften - auch vom Kläger - nach dem in Nordrhein-Westfalen geltenden Recht außerhalb der Brutzeit von Jägern durch Abschuss getötet werden. Die Abschusszahlen von Rabenkrähen in NRW seien beachtlich. Daher bestehe keine Notwendigkeit, den "Nordischen Krähenfang" einzusetzen. Im Übrigen seien in NRW zwei Krähenfänge genehmigt worden, die wissenschaftlich begleitet würden. Der Kläger nahm daraufhin seine Klage zurück.
Entscheidung des VG Arnsberg vom 01.06.2005
Az.: 1 K 2331/03
Quelle: Pressemitteilung des VG Arnsberg vom 08.06.2005
http://www.anwalt24.de/rechtsnews/artikel/69015/2f548fb43698f36dce3f5746c95e2ecc
südwind
18. June 2005, 09:33
Presseinformation des Ökologischen Jagdvereins
zur Berichterstattung über den Bundesjägertag am 3. Juni in Neubrandenburg
Ökologischer Jagdverein Mecklenburg-Vorpommern e.V.
Vorsitzender: Holm- Andreas Lehmann, Dorfstr. 2, 18528 Sehlen, Tel: 03838-25146, Fax: 209890, e-mail: lehmann@oejv.de
Geschäftsführer: Falk Jagszent, Bakendorfer Weg 7, 19230 Radelübbe, Tel/Fax: 038850-74966, e-mail: m-v@oejv.de
Bankverbindung: Kto 33120899, BLZ 13051042 (Sparkasse Rügen)
M-V
Ökologischer Jagdverein M-V e.V., Geschäftsstelle: Bakendorfer Weg 7, 19230 Radelübbe, Tel/Fax: 038850-74966, e-mail: m-v@oejv.de
Ökologischer Jagdverein: Absage an die Bekämpfung von Beutegreifern
Das Märchen vom Jäger als Regulator – Lebensräume fördern statt Beutegreifer vernichten
Auf dem Bundesjägertag am 3. Juni in Neubrandenburg haben sich die Delegierten des Deutschen
Jagdschutzverbandes für eine Regulierung der sogenannten „Neozoen“ Marderhund, Waschbär und
Mink ausgesprochen. Man unterstellt, sie trieben einheimische Arten an den Rand der Ausrottung
und könnten und müssten mit jagdlichen Mitteln reguliert werden. Gestützt wird diese Haltung
ausgerechnet auf Professor Pohlmeyer aus Hannover. Dieser Professor veranstaltet zur Zeit in
Ostfriesland eine wissenschaftlich unhaltbare und noch nie dagewesene Massentötungsaktion von
Rabenvögeln, die in Naturschutzkreisen Entsetzen ausgelöst hat.
Noch immer werden Beutegreifer bekämpft, weil sie andere Tiere fressen, vor allem
diejenigen, die auch die Jäger gerne ernten wollen, das so genannte „Niederwild“. Nach
Untersuchungen von STIER (Technische Universität Dresden) ernährt sich z.B. der von den Jägern
verteufelte Marderhund jedoch zu unter 5% von tierischer Nahrung, Mäuse und Lurche nicht
eingerechnet. Neben diesen sind seine Hauptnahrung Aas, Abfall und Früchte. Ihn als ökologische
Katastrophe zu verdammen, grenzt ans Absurde.
Wer bedrohten Tierarten wirklich helfen möchte, muss sich für eine naturverträgliche
Landwirtschaft und eine vielfältig strukturierte Kulturlandschaft einsetzen. Wo die Lebensräume
stimmen, kommen alle Tierarten unabhängig von der Menge der Beutegreifer in
lebensfähigen Populationen vor.
Zudem ist eine effektive Kontrolle von Beutegreiferpopulationen mit jagdlichen Mitteln überhaupt
nicht zu erreichen. Auf verstärkte Bejagung reagieren die Populationen sehr rasch mit einer
erhöhten Reproduktion. Auch eine Ausweitung der Fallenjagd, wie in vielen Zeitungsüberschriften
der letzten Tage gefordert, ist nicht zu verantworten: Es gibt keine sicher sofort tötenden Fallen,
und z.B. der Waschbär greift mit den Vorderpfoten nach den Ködern und wird von den dann
zuschnappenden Fallen schlimm verletzt. Der Einsatz von Fallen bedeutet hier die bewusste
Inkaufnahme großer Tierquälerei. Zudem können Fallen nicht selektieren: Katzen, Hunde oder
seltene Arten wie der Fischotter können sich in ihnen fangen. Fallenjagd ist ein Anachronismus!
Der Ökologische Jagdverein fordert, dass sich die Jäger vom Selbstverständnis des Regulators im
Bezug auf Beutegreifer und Beute verabschieden.
Gegen eine ehrliche Nutzung der reifen Winterbälge von Fuchs, Marderhund oder anderen
Prädatoren spricht gar nichts: Es handelt sich wahrscheinlich um die ökologischsten
Kleidungsstücke überhaupt. Aber eine sinnlose Verfolgung von Tieren, die hinter her auch noch
auf dem Müll landen, hat mit einem modernen Jagdverständnis nichts zu tun!
Wenden wir uns den wahren Ursachen des Rückgangs vieler Tierarten zu. Jäger und Natürschützer
müssen in der Zukunft gemeinsam für eine umweltverträgliche Landwirtschaft, eine strukturreiche
Landschaft und weniger Flächenverbrauch kämpfen!
- Der Vorstand - Anfragen an die Geschäftsstelle
http://oejv.de/news/download/beutegreifer.pdf
Vogel-Mami
19. June 2005, 00:01
Ministerium nimmt die Krähen ins Visier
Die Jagdsaison naht: Krähen sind für viele Landwirte ein Ärgernis. Über das Ausmaß der tatsächlichen Schäden wird allerdings gestritten.
Kiel – Schwere Zeiten für schwarze Vögel. Noch in diesem Herbst soll die Schonzeit für Krähen und Kormorane enden. Entsprechende Regelungen sind in Arbeit. Jäger und Fischereiwirtschaft freut es. Naturschützer sprechen von einer "Scheinlösung". Insbesondere im ländlichen Raum haben sie nicht viele Freunde. Kormorane picken Forellen und Lachse aus den Teichen. Krähen vergraulen mit ihrem Krächzen – und nicht nur damit – die Touristen. Seltene, aber spektakuläre Attacken wie in Kiel tragen ebenfalls nicht dazu bei, den Ruf der Vögel zu verbessern.
Die Frage, ob man Krähe und Kormoran nicht am besten mit der Flinte begegnet, ist aber dennoch seit Jahren politisch hoch umstritten. Der Ruf der CDU nach schärferen Regelungen verhallte stets im grünen Umweltministerium und sorgte im Landtag nur für hektisches Flügelschlagen. Kein Wunder also, dass die Union jetzt möglichst schnell Nägel mit Köpfen machen will. Die Entwicklung "unbürokratischer Reduzierungskonzepte" ist sogar Teil des 100-Tage-Programms, das Ministerpräsident Peter Harry Carstensen im Rahmen seiner Regierungserklärung vorstellte. Im Landwirtschaftsministerium wird bereits mit Hochdruck an den rechtlichen Rahmenbedingungen gebastelt.
Mit einem einfachen "Feuer frei" ist es dabei nicht getan, denn rechtlich steckt der Teufel im Detail. Selbst bei den Krähen. Geplant ist hier eine Änderung der Jagdzeitverordnung. Konkret: Rabenkrähe und Elster sollen zu jagdbaren Arten erklärt werden. Die Regelung solle noch in diesem Herbst greifen, bestätigte ein Sprecher des Ministeriums, der allerdings auch auf den feinen Unterschied zur Saatkrähe hinwies. Gerade diese Vögel, die in der Nähe von Siedlungen gern größere Kolonien bilden und dort zu wahren Plagegeistern werden können, stehen nämlich unter einem besonderen EU-Schutz. Und daran ist nicht zu rütteln.
Ganz andere Munition muss bei den Kormoranen gefunden werden. Als besonders schützenswerte Art kann der Fischfresser nämlich nicht einfach zur Jagd freigegeben werden. Per Verordnung soll aber die Genehmigung von Ausnahmen erleichtert werden.
Ohne Kritik bleibt der ministerielle Jagdeifer nicht. "Damit werden lediglich Vorurteile bedient", klagt Ingo Ludwichowski vom Naturschutzbund. Wissenschaftliche Erkenntnisse würden dagegen "links liegen" gelassen. Beispiel: Der Vorwurf, Krähen seien Schuld am Rückgang der Singvögel, ist laut Ludwichwoski längst widerlegt.
Der Landesjagdverband ist anderer Meinung. Die geplanten Änderungen seien "überfällig", erklärt Geschäftsführer Holger Behrens, der es am liebsten sähe, wenn Schleswig-Holstein sich am dänischen Modell orientieren würde. Die Jagdzeit für Krähen würde dann im September beginnen und im April enden.
Auf Skepsis stoßen bei den Jägern allerdings die Überlegungen, die Bisams ebenfalls zu einer jagdbaren Art zu erklären. Die berüchtigten Wühler, die in den Deichanlagen ihre Tunnel graben, gingen bisher auf Grundlage eines Erlasses in die Falle. Unterliegt der Nager aber erst einmal dem Jagdrecht, gilt für ihn der Schutz des Muttertiers. Das heißt: In Zeiten des Familienglücks bräuchten Bisams keine Fallen fürchten und könnten weiter graben. Das Problem ist auch im Ministerium erkannt. Die Bisam-Frage wird noch geprüft.
Von Boo Stade
nordClick/Kieler Nachrichten vom 02.06.2005 01:00
Vogel-Mami
19. June 2005, 00:18
Die Krähen sind unsere nützlichen Wintergäste
Liebe Anwohner, in Ihrer unmittelbaren Nachbarschaft, dem Loschwitzer Pappelwäldchen, haben die Krähenvögel wieder ihr Winterquartier bezogen.
Von Anfang November an ziehen die Krähen in großen Schwärmen mit bis zu 15 000 Tieren aus Nord und Osteuropa in unser Gebiet und bleiben bis in den März. Die Elbe ist seit jeher eine Leitlinie für den Vogelzug und die Elbauen, insbesondere das Loschwitzer Pappelwäldchen, werden als Schlaf- und Brutplatz genutzt. Bei den übernachtenden Vögeln handelt es sich meist um osteuropäische Saatkrähen (Corvus frugilegus) und Dohlen (Corvus monedula), die die Dresdner Umgebung als Nahrungsgebiet nutzen.
Kurze Charakteristik von Saatkrähe und Dohle
Die Saatkrähe besitzt als einziger schwarzer Rabenvogel ein nacktes, helles Gesicht, das bei den Jungvögeln bis zum Ende des ersten Winters schwarz befiedert ist. Charakteristisch ist der Purpurglanz des Gefieders. Die deutlich kleinere Dohle besitzt im Unterschied zur Saatkrähe einen grauen Hals. Auch der Ruf beider Vogelarten ist unterschiedlich. Die Saatkrähe ruft tief, heiser "gag" und "krah", wogegen die Dohle "kjack" ruft. Beide Vogelarten sind gesellig und zur Zugzeit gern miteinander vergesellschaftet.
Als Strichvögel, also herumstreichende Vögel, sorgen die Krähen durch das Abräumen von allem Fressbaren in der Umgebung für hygienische Sauberkeit und werden somit als Gesundheitshelfer wirksam. Aus diesen Gründen sollten die Vögel als nützliche Wintergäste toleriert werden.
Das Loschwitzer Pappelwäldchen
Im Rahmen des Dresdner Artenschutzprogramms für die Dohle wurde das Wäldchen als einziger Schlafplatz der städtischen Dohlenpopulation ermittelt. Die Anzahl der im Sommerhalbjahr übernachtenden Tiere ist mit etwa 100 Vögeln zwar wesentlich geringer als im Winterhalbjahr, trotzdem ist es für eine gesicherte Bestandsentwicklung unerlässlich, dass geeignete Schlafplätze zur Verfügung stehen. Hier erfüllt das Loschwitzer Pappelwäldchen eine außerordentlich wichtige Funktion, denn nur wenige Gehölzgruppen im Dresdner Raum sind ähnlich gut für den Aufenthalt solch großer Vogelschwärme geeignet. Die Erhaltung dieses Schlafplatzes ist für die Vögel ebenso wichtig wie die Sicherung von Brutplätzen.
Durch seine Doppelfunktion wird das Loschwitzer Pappelwäldchen zu einem für den Natur- und Artenschutz wertvollen Bestandteil des Dresdner Stadtgebietes. Deshalb wurde es durch das Grünflächenamt, Untere Naturschutzbehörde, als Flächennaturdenkmal ausgewiesen und am 9.05.1996 vom Stadtrat bestätigt.
Der Winteraufenthalt der Krähen könnte mit gewissen Beeinträchtigungen verbunden sein, für die um Ihr Verständnis gebeten wird. Störungen am Schlafplatz sind nicht zulässig. Die berechtigte Forderung nach Schonung unserer Zugvögel in Südeuropa und Afrika gegen Bejagung, Abschuss und Störungen in den Winterquartieren setzt ein eigenes vorbildliches Verhalten in Mitteleuropa voraus. Bitte sind Sie gegenüber unseren imposanten und nützlichen Wintergästen rücksichtsvoll und aufmerksam.
Landeshauptstadt Dresden
Quelle: Landschaftsarchitekt Volker Schenk und Grünflächenamt - Stand: 17.10.00
Vogel-Mami
19. June 2005, 00:57
Senatsverwaltung für StadtentwicklungStand: 12.06.2001
Rabenvögel - müssen sie bekämpft werden ?
Rabenvögel haben bei zahlreichen Mitmenschen keinen guten Ruf. Recht oft erhalten wir Beschwerden, dass Elstern und Krähen immer häufiger und "Singvögel" immer seltener werden. Es wird gefordert, dass "endlich etwas gegen diese Räuber getan werden muss".
Bei genauerer Betrachtung stellt sich die Situation allerdings anders dar:
Elstern und Aaskrähen (in Deutschland zwei Unterarten: westlich der Elbe - Rabenkrähe, östlich der Elbe - Nebelkrähe) sind Allesfresser und Nahrungsopportunisten. Sie ernähren sich aus Quellen, die für sie leicht erschließbar und ergiebig sind. Während der Brutzeit zählen auch Vogeleier und Jungvögel dazu. Häufig fallen ihnen solche Gelege oder Vogelbruten zum Opfer, die aufgrund von großer Konkurrenz um geeignete Brutplätze an ungünstigen Stellen errichtet wurden (z.B. Fenstersimse und Balkonkästen). Auch bereits sehr zeitig (vor der Belaubung) begonnene Bruten werden ausgenommen. Später folgende Zweitbruten bleiben dann den Elstern eher verborgen - ebenso wie dem menschlichen Beobachter. Auf diese Weise kann der uns wiederholt vorgetragene Eindruck entstehen, dass "keine Brut mehr hochkommt".
Eine Bestandszunahme von Elster und Nebelkrähe ist im besiedelten Raum (Dörfer, Städte) in der Tat festzustellen, langfristige Beobachtungen von Ornithologen haben teilweise einen Populationsanstieg um mehr das zweifache beobachtet. Demgegenüber sind die Bestände der Elster in der freien Landschaft rückläufig, was auf die Intensivierung der Landwirtschaft und die Verarmung der Feldflur zurückzuführen ist.
Eine Vermehrung ins "Uferlose" ist durch Konkurrenz der Elstern bzw. Krähen untereinander bzw. zwischen den beiden Arten (Revierstreitigkeiten, Diebstahl von Nistmaterial, Nestraub) ausgeschlossen.
Trotz teilweise deutlicher Zunahmen von Elsternbeständen in den Städten und Ortschaften lassen sich für die meisten anderen Singvögel (Elstern, Aaskrähen und die übrigen Rabenvögel gehören ebenfalls zu den Singvögeln!) keine oder lediglich geringfügige Rückgänge belegen, teilweise haben ihre Bestände sogar gleichzeitig zugenommen. Dies ist in zahlreichen z.T. langjährigen Untersuchungen belegt, z.B. aus Berlin (Witt1989, Schwarz et al. 1993), Schleswig-Holstein (Knief & Borkenhagen 1993), Niedersachsen (Wittenberg 1988) und Osnabrück (Koiker 1991 und 1994) sowie durch die zusammenfassende Arbeit von Mäck & Jürgens 1999 -die Literaturangaben finden Sie im Anhang.
Sicher ist es nicht vollkommen ausgeschlossen, dass auch einmal die Brut einer gefährdeten Art betroffen ist, dies stellt aber die Ausnahme dar, alle häufiger betroffenen Arten sind in ihrem Bestand keineswegs gefährdet. So gehören die mutmaßlich am stärksten betroffenen Arten Amsel und Grünfink nach wie vor zu den häufigsten Vogelarten Berlins.
Wirklich bestandsgefährdende Rückgänge in der Singvogelwelt sind nicht auf eine Dezimierung durch andere Vogelarten zurückzuführen, sondern in aller Regel auf Lebensraumverschlechterungen, für die der Mensch verantwortlich ist.
Helfen Sie deswegen, wenn es Ihnen möglich ist, dabei mit, dass Singvögel und andere Tiere in der Stadt ausreichend Nahrung, Deckung, Brut- und Zufluchtmöglichkeiten finden. Jeder Strauch einer heimischen Art, jeder im Garten oder auf dem Hof geduldete Wildkrautbestand, jede berankte Fassade trägt dazu bei. Ein Zuviel an "Ordnung" im Garten und Kleingarten oder im Grün an den Wohnanlagen lässt für die Natur keinen Platz.
Aus oben stehenden Ausführungen können Sie entnehmen, dass wir keine Veranlassung sehen können, gegen die - im Übrigen auch dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes unterliegenden - Krähen und Elstern vorzugehen. Aufgrund des gesetzlichen Schutzes dürfen die Vögel nicht verletzt, getötet, gefangen oder in Besitz genommen werden; auch ist es verboten, ihre Nester oder Eier zu zerstören oder zu beschädigen. Verstöße gegen diese Bestimmungen können mit der Verhängung von Bußgeldern geahndet werden.
Bei den uns vorgetragenen Klagen handelt es sich eher um emotionale Probleme. Selbstverständlich ist es nachvollziehbar, dass es Tierfreunde empört, wenn das Nest einer Amsel, deren Brutgeschäft beobachtet werden konnte, von Elstern geplündert wird und dabei die Jungamseln bzw. ihre Eltern Warnschreie ausstoßen.
Andererseits käme wohl kaum jemand auf die Idee, die Amsel bekämpfen zu wollen, weil sie aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit in menschlichen Siedlungen eine Siedlungsdichte erreicht hat, die bis zu zehnfach höher ist als in ihrem ursprünglichen Lebensraum, dem Wald, und weil sie unsere "nützlichen" Regenwürmer frisst.
Von einer Einteilung der Tierwelt in "nützlich" und "schädlich" bzw. "gut" und "böse" sollte man sich möglichstfrei machen und versuchen, die Nahrungsbeziehungen (Räuber-Beute-Beziehungen) objektiv zu betrachten. Auch die Rabenvögel stellen eine Bereicherung unserer weithin technisierten Umwelt dar und gehören als charakteristische Vertreter der Vogelwelt in unsere Stadtlandschaft, wo sie auch ihre ökologische Funktion erfüllen. So sind beispielsweise Vogelarten, die selbst keine Nester bauen (wie die Waldohreule oder Baumbrüter unter den Turmfalken oder die sehr seltenen Baumfalken), auf Elstern- und Krähennester angewiesen.
Wir würden uns freuen, wenn unsere Ausführungen ein wenig dazu beitragen können, dass Rabenvögel künftig mit mehr Wohlwollen betrachtet werden.
Literatur
Bastian, H.-V. (1989): Are corvids able to exterminate populations of Whinchats (Saxicolarubetra)? a Computer-Simulation.- Vogelwelt 110: 150-156.
Knief, W. & P. Borkenhagen (1993): Ist eine Bestandsregulierung von Rabenkrähen und Elsternerforderlich? - Ein Untersuchungsbeispiel aus Schleswig-Holstein.- Natur und Landschaft 68,102-107.
Koiker, G. (1991): Untersuchung zum Einfluss der Elster Pica pica auf ausgewählte Stadtvogelarten in Osnabrück.- Vogelwelt 112, 225 - 236.
Koiker, G. (1994): Weitere Ergebnisse zum Einfluss der Elster Pica pica auf Stadtvogelarten in Osnabrück.- Vogelwelt 115: 39-44
Mäck, U. & M.-E. Jürgens (1999): Aaskrähe, Elster und Eichelhäher in Deutschland. Bundesamt f. Naturschutz (Hrsg.), Landwirtschaftsverlag, Münster.
Schwarz, J., St. Fischer, W. Otto, F. Sieste & Th. Tennhardt (1992): Brutvögel 1991 im Märkischen Viertel (Berlin-Reinickendorf) - Mit einem Vergleich zu einer Untersuchung 1977.-Berliner Ornithol. Ber. 2 (2): 103-135
Witt, K. (1989): Haben Elstern (Pica pica) einen Einfluss auf die Kleinvogelwelt einer Großstadt? Vogelwelt 110: 142-150.
Wittenberg, J. (1988): Langfristige Entwicklung einer Population der Rabenkrähe (Corvus c.corone) Bei Braunschweig, ihre Zusammensetzung und ihr Einfluss auf andere Arten.- Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.-Württ. 53: 211-233.
Vogel-Mami
19. June 2005, 01:11
Antrag der CDU-Fraktion (Drs. 3/1735):
Bejagung der Rabenvögel
Mit großer Regelmäßigkeit wird das Thema Rabenvögel von der CDU-Fraktion seit 1994 in Form von Anträgen und Kleinen Anfragen jährlich ein mal auf die Tagesordnung gesetzt.
Oktober 1994 Antrag "Bejagung der Rabenvögel"
November 1995 Kleine Anfrage von Herrn Nägler
August 1996 Kleine Anfrage von Herrn Madl
Oktober 1997 Kleine Anfrage von Frau Wernicke
Februar 1998 Kleine Anfrage von Frau Wernicke
Juni 1999 Antrag "Bejagung der Rabenvögel"
Waren 1994 mit Eichelhäher, Elster, Aas- und Saatkrähe noch 4 Arten in die Schußlinie geraten, waren es 1997 noch drei und im vorliegenden Falle sind es nur noch zwei. Die früheren Befürchtungen haben sich offensichtlich bei Eichelhäher und Saatkrähe als weniger gravierend erwiesen, als daß man ihnen noch ans Gefieder gehen müßte.
Bleiben also Elster und Aaskrähe, deren Bestandszunahme für die Abnahme der Artenvielfalt der Vogelwelt und den Rückgang der Niederwildbestände verantwortlich gemacht werden.
Da das komplizierte Wechselspiel der die Populationsgröße und ihre Dynamik beeinflussenden Faktoren in aller Kürze nicht hinreichend dargestellt werden kann, möchteich nur auf wenige Beispiele aus der einschlägigen Fachliteratur zu dieser Problematik hinweisen.
Eine aktuelle Studie aus dem Saarland stellte fest, daß der Elsternbestand im ländlichen Raum über 20 Jahre hinweg mehr oder weniger gleich geblieben ist. Überraschenderweise führte die Einstellung der Bejagung zu keiner Bestandszunahme!
Eine andere Untersuchung kommt für Schleswig-Holstein zu dem Schluss, daß auch nach 5-jährigem Jagdverbot Elster und Rabenkrähe nur in einer der jeweiligen Landschaft angepassten Dichte brüten. Und wörtlich heißt es weiter: “Eine Bestandsregulierung ... ist nicht notwendig und auf tier- und artenschutzgerechte Weise (keine Verfolgung in der Brutzeit und an den Schlafplätzen, kein Einsatz von ... Gift) auch nicht möglich ist, weil Verluste ... leicht durch einen Anstieg der potentiell viel höheren Fortpflanzungsrate ausgeglichen werden können.” Überdies würde eine Bejagung im Siedlungsbereich auf erhebliche Sicherheitsprobleme stoßen.
Im Gegensatz zum ländlichen Raum hat die Elster in vielen Städten, und hier insbesondere im Bereich der Stadtränder tatsächlich zugenommen. Eine 10-jährige Analysestellt für Osnabrück fest, daß es trotz einer Zunahme der Elsterpopulation um 280 % zu keiner Abnahme im Gesamtbestand der übrigen Stadtvogelarten gekommen ist. Eine Reihe Singvögel zeigten sogar eine Bestandszunahme! Nur bei den sehr häufigen Grün- und Buchfinken zeigte sich ein Bestandrückgang, den man mit der Elster ursächlich in Zusammenhang bringen könnte. Ähnliche, statistisch gesicherte Ergebnisse liegen auch für Berlin vor. Das sogenannte “Elster-Singvogel-Problem” ist somit ein psychologisches bzw. pädagogisches, aber kein ökologisches Problem.
Das vielbändige Handbuch der Vögel Mitteleuropas von Urs Glutz von Blotzheim, gewissermaßen die Bibel für die Ornithologen, kommt auf der Grundlage von zahlreichen Untersuchungen aus ganz Europa zu der Einschätzung, daß Eier und Nestlinge nur einen unbedeutenden Anteil an der Elsternahrung bilden. Und für die Aaskrähe findet sich folgende Wertung: “Die Predation an jagdlich interessanten Tierarten wird gewöhnlich überschätzt. Bedeutung erlangt sie in der Regel nur im Gefolge gravierender anthropogener Störungen (Deckungsmangel, Beunruhigung).”
Stattdessen zeigt sich, daß Elster und Rabenkrähe in der Feldflur gleich dem Feldhasen unter der Intensivierung der Landwirtschaft, durch Schlagvergrößerung, Einsatz von Agrochemikalien, verändertem Technikeinsatz, früheren Ernteterminen, Verringerung des Grünlandanteils, Mangel an Hecken und Gehölzen und Einengung des Kulturartenspektrums leiden. Für den Feldhasen und das Rebhuhn stellen weiterhin die zunehmende Zersiedelung und die Zerschneidung der Lebensräume mit Verkehrs- und Stromtrassen ein existenzielles Problem dar!
Die mit Mitteln der Jagdabgabe geförderte Feldhasen-Studie kommt 1996 für Sachsen-Anhalt zu dem Schluss, daß offensichtlich nur die erhebliche Zunahme des Fuchses Auswirkungen auf die Niederwildbestände hat. Von Rabenvögeln findet sich allerdings kein Wort.
Angesichts dieses Sachstandes sehen wir keinen Grund für weitere Beratungen, sei es in Ausschüssen oder im Plenum.
Sollte allerdings angesichts des Zusammenbruchs der Niederwildbestände den Jägern, die zu 85 % in Niederwildrevieren ihrer Passion frönen, die Möglichkeit geschaffen werden, etwas öfter “zum Schuss” zu kommen, wie es so schön in der Waidmannssprache heißt, wäre das ein anderes Thema.
Wie so oft wird auch in diesem vergleichsweise simplen Fall versucht, Folgen zu kurieren ohne die tatsächlichen Ursachen zu beseitigen. Trotz der Tatsache, daß 1998 mindestens 8 mal so viele Hasen ihr Leben unter Autoreifen, statt im Schrothagel verloren, was immerhin ca. 7,5 % des gesamten Hasenbestandes Sachsen-Anhalts ausmacht, verzichte ich auf den logischerweise nun naheliegenden Änderungsantrag, das Spektrum der zur Bejagung Freizugebenden zu erweitern ...
(Hervorhebungen von "Vogel-Mami")
Vogel-Mami
19. June 2005, 01:26
Bitte selber klicken (ging leider nicht zu kopieren):
http://www.animalnews.de/archiv.php?id=247
Vogel-Mami
19. June 2005, 01:55
aus: TIERSCHUTZKALENDER 2000
http://www.abschaffung-der-jagd.de/images/ph50900096270e78ddf.gif
von Dr. Eberhard Schneider, Göttingen
Zoochorie - eine ökosystemare Funktion zu Unrecht Verfolgter http://www.abschaffung-der-jagd.de/images/kraehecd_200.jpg
Die überwiegend stationären Pflanzen haben in ihrer Entwicklungsgeschichte vielfältige Möglichkeiten zur Ausbreitung ihrer Samen, damit zur Verbreitung ihrer Spezies und Besiedlung neuer Areale, gefunden und dementsprechende Ausformungen der Früchte und Samen hervorgebracht. Einer der effektivsten Wege dabei ist offenbar mit den Anpassungen (=Adaptationen) zur Teilnahme an der Zoo-Chorie, der Verbreitung von Pflanzensamen durch Tiere, beschritten worden. Dergestalt, dass im Zuge der Co-Evolution Pflanze und Tier, gemeinsam und zu beiderseitigem Erfolg, ihre zum Teil hoch spezifischen Ausformungen oder Reaktionen hervorgebracht haben. Eine reiche Literatur, schon aus dem Beginn dieses Jahrhunderts, insbesondere aber aus den letzten vier Jahrzehnten bietet zahlreiche Beispiele (s. z.B. RENNER 1987). Deutlich wird dabei die hervorragende Stellung, die in diesen Beziehungsgefügen der Ornitho-Chorie, der Verbreitung von Pflanzensamen durch Vögel, zukommt. Was sicher nicht nur in der Vielfalt der Avifauna mit den vielfältigen Möglichkeiten der Anpassung an Vorgaben der fruktifizierenden Pflanzen, mit denen dieselbe den Vogel geradezu suchen, begründet ist. Hinzu kommt die hohe Effizienz, mit der hier die Vögel im Vergleich zu anderen zoochoren Tieren zu Werke gehen. Sie erreichen fliegend auch die Samen an den äußersten Zweigspitzen, sie benötigen keine aufwendigen Kletterpartien, sie haben einen weitaus größeren Aktionsradius als die Mehrzahl der nicht fliegenden Zoochoren und können leicht auch in von der Pflanze zuvor noch gar nicht besiedelte Areale vordringen. Bergauf wie bergab, unabhängig von Luftströmungen u.a., was den verschiedenen Formen der von Pflanzen benutzten diversen Verbreitungsmethoden zum Teil enge Grenzen weist.
Rabenvögel sind insgesamt, auch mit Blick auf den Nahrungserwerb, generalistisch und es hat keine bestimmte Spezialisierung allein auf Pflanzensämereien oder gar eine oder wenige Pflan-zenarten stattgefunden. Am weitesten spezialisiert hat sich da vielleicht der Tannenhäher Nucifraga caryocatactes in seiner Beziehung zur Arve (=Zirbe) Pinus cembra. ?Dem Tannenhäher kommt ... die bedeutendste Rolle bei der Arvensamenverbreitung innerhalb des Arvenwaldes zu? (MATTES 1990, cit. S. 52). Zumindest für die Zirbenwälder des Engadins ermittelte MATTES bis zu 80% der Verjüngung dieses Baumes als häherbedingt. Und auch nach außerhalb des Arvenwaldes, etwa in die Kampfwaldzone oder anderes offenes Gelände, tragen Tannenhäher die Arvennüsschen ohne sie später alle zu verzehren. Auch die auf ?Hähersaat? zurückzuführende natürliche Verjüngung der Eiche (und Buche) ist in einigermaßen aufgeschlossenen forstlichen Kreisen geläufig. - Aber, dann endet die Geschichte in der allgemeinen Kenntnis schon weitestgehend.
Dabei werden die Diasporen (=Ausbreitungseinheiten) zahlreicher Pflanzenarten von den Vögeln befressen und mehr oder weniger zufällig verschleppt. TURCEK (1961) ermittelte für 186 europäische Arten holziger Pflanzen das Aufscheinen von 156 Vogelarten. In seiner Kategorie I von n = 82 Vogelarten, die sich vorwiegend aus fleischverzehrenden Vögeln rekrutiert, fand er 1 ? 6 Diasporen-Typen - infolge zufälliger Aufnahme (etwa mit dem Beutetierverzehr). In Kategorie II mit n = 40 Spezies der insektivoren oder sonstwie animalisch sich ernährenden Vögel ermittelte er zwischen 7 und 27 Diasporentypen. In der Katagorie III gelistete 34 Vogelarten, die überwiegend und saisonbedingt sich den Diasporen der Holzgewächse zuwenden, werden schließlich die Dia-sporen von 28 ? 112 Arten holziger Pflanzen verzeichnet. Wobei die Mehrzahl der Vogelarten bei mehreren Pflanzenarten als Diasporen-Zehrer und ?Verfrachter auftauchen (bis 27 Spezies für eine Wirtspflanze bzw. bis 112 Pflanzenarten für eine Vogelspezies). Die Möglichkeiten des Verschleppens der Diasporen reichen von bloßem Anhaftem derselben am Vogel bis zur Passage des Verdau-ungskanals. Es sind auch keineswegs allein die Wirtspflanzen mit schweren Diasporen in die Orni-tho-Chorie eingebunden. Selbst solche, die auch der Anemo-Chorie (Verbreitung der Pflanzensamen durch den Wind) u.a. Ausbreitungsmöglichkeiten zugänglich sind, finden sich hier wieder (z.B. Birke).
Gerade mit Blick auf die schweren Früchte und Samen muß man die körperlich leistungsfähigen Rabenvögel besonders würdigen. Kleinvögel verfrachten kaum Eicheln, Bucheckern, Kastanien, und deren Reichweite ist geringer als die der Corviden. Denn hier sind die Zahlen eindrucksvoll: Tannenhäher tragen Arvennüsschen bis 15 km weit, überwinden bis 700 m Höhendifferenz bis über die Baumgrenze; Eichelhäher verfrachten Eicheln bis 4 Kilometer weit und Kolkraben sogar 10 bis 30 km vom Mutterbaum weg. Nach den aus Literaturangaben zusammen-gestellten und hier mitgeteilten Befunden allein über die Diasporen der holzigen Pflanzen sind dem Kolkraben 7 Diasporentypen zugeordnet, der Blauelster 11, der Alpendohle 13, dem Unglückshäher 16, der Alpenkrähe 17, der Aaskrähe 22, der Nebelkrähe 39. Wobei deutlich wird, dass in unterschiedlichem Verbreitungsareal der Vogelart die Diasporen unterschiedlicher Pflanzenarten aufscheinen. Der Saatkrähe sind 44 holzige Pflanzen zugeordnet, ebenso dem Tannenhäher. Die Elster bringt es auf 63 Diasporentypen und der Eichelhäher schließlich greift auf die Diasporen von 93 Strauch- und Baumarten zurück, um sie zu verzehren und mehr oder weniger zahlreich zu ver-schleppen, zu verstecken und keineswegs allesamt später zu verzehren. Das gilt vorrangig für die Anlage der Nahrungsdepots aller Häher. Alle Zahlen sind logisch nur Mindestzahlen aus den jeweiligen Untersuchungsgebieten. Es ist müßig, darauf zu verweisen, dass eiszeitlich nach südlich der Alpen ausgewichene Baumarten, wie etwa die Buche und andere, mit ihren schweren Diasporen sich ohne die maßgebliche Hilfe der Vögel in dem verfügbaren Zeitraum bis heute nicht dorthin hätten verbreiten können, wo wir sie gegenwärtig vorfinden ? als »natürlich«, »standortstypisch«, »standortsheimisch« und was nicht alles ? sogar seit mehreren Jahrtausenden tatsächlich vorkommen. Wenn etwa von Seiten der Vegetationskunde, Pflanzensoziologie, des Forstwesens oder des praktizierenden Naturschutzes dem Phänomen der Zoo-Chorie allgemein, und speziell ihrer wohl bedeutsamsten Komponente der Ornitho-Chorie, bisher wenig oder keine Beachtung entgegengebracht wurde, so ist dies ein kaum entschuldbares Versäumnis. Insbesondere im Zeitalter der rapide fortschreitenden Verinselung von Habitaten kann dieser natürliche Prozess der Erhaltung von Pflanzenarten und Entwicklung von Vegetationsgesellschaften nicht genügend gewürdigt werden.
Mit Blick darauf, dass sich die Überlebenschancen von Populationen mit der Ausbreitung deutlich vergrößern, muß der Verschleppung pflanzlicher Diasporen, nicht nur der Waldbäume etc., durch Tiere ganz anders bewertet werden als bisher geschehen. Insbesondere ist dabei die Bedeutung der Vögel, die noch am ehesten die diversen Barrieren in der Landschaft überwinden können, nicht hoch genug einzuschätzen. Forstwirtschaft, Naturschutz, Landschaftspflege (wenn man denn schon sich pflegend betätigt!) und vor allem der so moderne ?Prozessschutz? müssen sich dieses zu eigen machen. Insbesondere auch die Fragen nach der genetischen Seite, dem Genfluss zwischen Populati-onen u.a., müssen hier ganz neu behandelt werden. Bis hin zu der Praxis des im forstlichen Kunstanbau verwendeten »kontrollierten Saatguts«. Die Liste jener Pflanzenarten, die auf Verschleppung ihrer Diasporen durch Tiere, insbesondere Vögel, setzen ist wohl erheblich länger.
Dass auch die Rabenvögel in Ornitho-Chorie involviert sind, ist unstrittig. Die angeführten Wirtspflanzenarten, Ausbreitungsgebietsgrößen, und Mengen (es wurde z. B. ermittelt: 300.000 Eicheln in 4 Wochen durch 65 Eichelhäher aus einem Eichenbestand von 37 ha, das waren 10% der dort zeitgleich von Menschen getätigten Gesamt-Eichel-Ernte von 2.000 kg) weisen aber die große Bedeutung der Rabenvögel aus ? nicht nur die der Häher.
So wie der Tannenhäher einst zu leiden hatte unter der Verdächtigung den Arvenbestand zu schädigen und er außerdem den die Arven-Nüsschen sammelnden Menschen ein deutlich über-legener Konkurrent war (s. MATTES 1990), er aber tatsächlich der Faktor ist, auf den die Arve in der Co-Evolution gesetzt hat, so leiden bis heute die Rabenvögel insgesamt unter falschen Verdächtigungen. Noch immer, obwohl die Kenntnisse vorliegen und es jedermann besser wissen könnte ? wenn man nur wollte. Selbst sonst dem Tier- und Vogelschutz Verbundene verfallen hier in eine völlig verfehlte und antiquierte Wertung nach »gut und böse«. Die Funktion und bio-zönotische Bedeutung der Rabenvögel in dem Beziehungsgefüge mit den Wirtspflanzen ? abge-sehen von den sich daraus ergebenden Folgebeziehungen ? ist bisher nicht einmal minimal gewürdigt worden. Selbst innerhalb der Naturschutzverwaltungen und -verbände finden sich geistige Irrläufer, mit zwar »Ökosiegel« am Revers, denen dieses gewaltige Potential der Rabenvögel als natürliche Faktoren und Helfer im Naturschutz nicht bewusst ist.
Es ist, gerade mit Blick auf die allfällig beklagte Lebensraumzerschneidung, die Verinselung von Habitaten und Populationen, diese Potential von unschätzbarer, vielleicht auch naturschüt-zerisch zukunftsentscheidender, Bedeutung. Insofern ist es nicht nur ein Beleg für Einfalt und Ein-fallslosigkeit oder pure Unkenntnis der ökosystemaren Beziehungsgefüge, wenn (auch) im Zusammenhang mit Rabenvögeln nur ein Schlagwort die Szene beherrscht:
»Schädlichkeit«, und wenn man sich in einer nicht endenden und nutzlosen Auseinandersetzung um »Schäden« ergeht. Allenfalls dient der Vorgang um die »Regulierung der Rabenvögel« als solcher der Befriedigung der Bedürfnisse der Verwaltung - und vielleicht sogar der behördeninternen Beförderungsdynamik.
Dies mag wohl gerade der deutschen Mentalität gerecht werden. Ebenso auch der Akt, so unliebsamen Elementen erbarmungslos mit Pulver und Blei oder anderen martialischen Mitteln entgegenzutreten und die freilebende Tierwelt »ethnisch zu säubern«. Amtlich verübte Rechtsverstöße eingeschlossen: wie in Mecklenburg-Vorpommern mit seiner, trotz bundesrechtlich bestehender ganzjähriger Schonzeit (Verstoß = Straftat!), angeordneten Kolkraben-Abknallerei wegen der Behauptung, die Vögel könnten mit den im Walde von Jägern hinterlassenen Därmen der abgeschossenen Wildschweine das Virus der Schweinepest verschleppen.
- Anstatt die Jäger zu verpflichten, die Aufbrüche (=Gedärme) getöteter Wildschweine grundsätzlich der ordnungsgemäßen Tierkörperbeseitigung zuzuführen.
Oder der zum Himmel stinkende Verstoß gegen EU-Recht: Wobei vom Agrar-Minsterrat wohl ausdrücklich der deutsche Bundesminister die Ermächtigung erhalten hat, Rabenvögel bundesrechtlich zum »Wild« zu erklären - dazu ist nötig die Änderung des § 2 im BundesJagdGesetz. Aber mangels diesbezüglichen Tätigwerdens im Bundesministerium handeln die Länder auf eigene Faust und widerrechtlich. In einer schier unglaublichen Frechheit erklären sie Rabenvögel zu jagdbaren Tieren. Ganz so, als gäbe es kein EU-Recht und keine EG-Vogelschutzrichtlinie, nach der auch die Rabenvögel besonderen Schutz erfahren sollen. Naturschutzbehörden beteiligen sich willig und handlangerisch an derartigen Rechtsbrüchen.-
Wo dann etwa ein gelernter Landwirt als Referent sitzt und angesichts einer »Eichelhäherplage« in einem Maisacker sich zum ?wise use? der natürlichen Ressourcen bekennt. Dergestalt, dass diese Vögel abgeschossen gehören.
Rabenvögel sind jedoch zweifelsfrei mit unsere besten Verbündeten im Naturschutz. Sie dienen tatsächlich dem natürlichen Geschehen. Wenn schon »Prozessschutz« dann konsequent und unter Einbeziehung der evolutiv erprobten Faktoren. Dazu zählen, abgesehen von ihren weiteren Rollen als »geiergleiche« Destruenten, die Aas beseitigen u.a. m., ganz unzweifelhaft auch die in mehreren ökologischen Nischen präsenten Rabenvögel. Angesichts der, am Beispiel ihrer Bedeutung in der Ausbreitung von Pflanzensamen erkennbaren, ökologischen Bedeutung dieser Vögel sollte es sich jeder Naturschutzbehörde von selbst verbieten, irgendeiner Verfolgung den Weg zu eröffnen. Auch das nutzlose Gerede um »Schädlichkeit« muß ein Ende finden: nicht mit dem Rücken an der Wand stehen und sich das Thema aufzwingen lassen sondern kreativ und in Anwendung der Kenntnisse über ökologische Beziehungsgefüge aktiv operieren! Ansonsten sind Rabenvögel »herrenlos«. Sie begegnen dem, ach so geschützten Eigentum, wie sonst eine »Naturgewalt«, mit der man sich besser arrangieren sollte.
Wenn wir da alljährlich eine Vogelart aus dem heimischen Artenspektrum herausgreifen und zum »Vogel des Jahres« erklären, dann ist es längst überfällig, sich hier auf die ökologische Funktion, die naturschützerische Bedeutung und die »Nützlichkeit« unserer größten heimischen Singvögel zu besinnen.
? Ja, Rabenvögel gehören zu den Singvögeln! Nur, wegen ihres etwas groß geratenen Stimmapparates können sie nicht so melodische Gesänge erzeugen, wie wir es von den kleineren Vögeln gewohnt sind. Rabenvögel sind außerordentlich lernfähige Vögel, die eine hohe Anpassungsfähigkeit besitzen und nur deshalb nicht auch längst auf der Liste jener stehen, die vom Aussterben bedroht sind.
Rabenvögel sind auch schöne Vögel: ist »schwarz« nicht schick, wenn es um´s teure Auto geht oder sonstige exklusiven Modetorheiten gepflegt werden? Ist nicht eine Elster ein herrlicher Vogel in dem Kontrast des rein weißen Bauches mit dem blaugrün-blaumetallisch schillernden schwarzen Gefieder?
Nicht minder der lebhaft gemusterte Eichelhäher mit seinen strahlend hellblau gemustertete Federchen im Flügel.
Ein »Vogel des Jahres« soll Symbolik vermitteln. Die »Schönheit« allein kann da nicht das bestimmende Kriterium sein. Neben der Ästhetik in der Betrachtung muß auch die Funktionsseite ihren Stellenwert erhalten. So bedarf es gar keines langen Suchens, will man nach dem Vogel Ausschau halten, der im ersten Jahr eines neuen Jahrhunderts dieses Symbolik vermittelt. Eines Jahrhunderts, zu dessen Beginn sich längst keine Besserung in der weiterhin fortschreitenden Zerstörung der Lebensräume erkennen lässt.
Er ist der eifrigste »Sämann« unter den heimischen Vögeln und wird auch sonst in jeder Hinsicht der Rolle eines »Vogels des Jahres« gerecht:
der Eichelhäher - ein würdiger Vogel des Jahres 2000
Eberhard Schneider
bine3474
20. June 2005, 01:11
Ich finde es eine Schande, wie der Mensch mit den Tieren umgeht.
Wer gibt uns eigentlich das Recht zu bestimmen, wann eine Tierart zu viel ist?
Ich finde mittlerweile haben wir so wenige Vögel in unseren Städten, Rabenvögel eingeschlossen, man sieht ja kaum noch welche. Traurig. Und zu behaupten, das es die Krähen sind, die den Fortbestand der Singvögel dezimieren ist eine glatte LÜGE.
Was macht der Mensch denn mit seinen ganzen Pestiziden? Er vernichtet die Nahrungsquelle der Singvögel, bzw. vergiftet sie sogar damit. Brutplätze finden sie ja auch kaum noch, bei der wilden Bauweise der Menschen.
Aber es muß ja immer ein Schuldiger gefunden werden, der es dann mit seinem Leben büsen muß. Hauptsache die Hauptschuldigen sind aus der Schußlinie!!!!!
Auszug mit Hervorhebung:
„Wir sehen uns mit unserer Dienstaufsichtsbeschwerde an den Adressaten Niedersächsisches Wissenschaftsministerium durch die Antwort des ML bestätigt. Wir fordern dazu auf, endlich einzugreifen und für eine wissenschaftliche saubere Arbeit an einer wissenschaftlichen Hochschule des Landes zu sorgen. Schon jeder Student lernt im ersten Semester, zunächst die wissenschaftlichen vorhandenen Grundlagen zu sichten und sich erst danach einem Vorhaben zu zuwenden. Ginge es wirklich um den Wiesenbrüterschutz müsste dann auch der Mageninhalt der getöteten Rabenvögel untersucht werden“, erklärte Hans-Jörg Helm.
http://www.nabu-niedersachsen.de/Docs/Projekte/Jagd6_240205.ASP
südwind
20. June 2005, 11:15
Auszug aus dem Gespräch in der DJZ mit Hans Wolfgang Helb, (Biologe, Ökologe, Ethologe.)
Vollständig nachlesbar hier: http://www.djz.de/artikelbeitrag/artikelbeitrag_15468.html
Wo ich hinkomme, wo es um die Frage der Rabenvögel geht, muss ich gegen Falschaussagen ankämpfen. Das war auch in Bonn der Fall. Nach 30 geäußerten Meinungen hatte ich gegen zehn Falschaussagen anzukämpfen, die eigentlich durch die Publikationen und Gutachten schon beseitigt sein sollten.
Die werden aber permanent wiedergekäut. Das ist keine gute Basis, um mit einem zukunftsorientierten, guten ökologischen Verständnis an solche „Problemfelder“ zu gehen.
DJZ: Nach Ihrem Gutachten, dem sich die Landesregierung seinerzeit nicht anschloss und stattdessen die Bejagung von Rabenkrähe und Elster frei gab, wurden Vorwürfe laut, Ihre Untersuchung sei nicht ausgewogen geführt worden. Beispielsweise sollen sie die Mägen der Rabenkrähen nur außerhalb der Brutzeit von Singvögeln und Niederwild untersucht haben. Wie begegnen Sie solchen Vorwürfen?
Helb: Diese witzige Darstellung tauchte schon auf, während wir unsere Untersuchung gemacht haben. Sie hatte sich aus welchen Gründen auch immer selbst in die Redaktion einer großen Jagdzeitschrift eingenistet. Wir werden damit selbst heute noch konfrontiert.
Ihre Frage zeigt das sehr deutlich. Es ist ein absoluter Witz und es ist eine von irgendwoher geführte bösartige Unterstellung, denn das trifft überhaupt nicht zu. Im Umweltministerium in Mainz sind unsere durchzuführenden Arbeiten explizit festgelegt worden.
Wir haben die Sachen abgegeben, die Ergebnisse sind dort gegengezeichnet worden, wir wurden dafür bezahlt. Es hat alles seine Richtigkeit. Die Unterstellung passt dazu, dass man Stimmung macht an irgend einer Stelle. Sie hat sich sofort multipliziert. Es ist eine dieser typischen Rufmordproduktionen.
DJZ: Gab es denn Untersuchungen des Nahrungsspektrums von Rabenvögeln in der Zeit, wenn beispielsweise Niederwild setzt?
Helb: Das war natürlich Bestandteil unseres Auftrags. Und natürlich haben wir dies mit der Halsringmethode untersucht.
Auszug:
Helb: Gezählt wurden wohl rund 2000 Krähen während der Brutzeit. Die Zahl 6000 ist wohl hochgerechnet auf die Zeit nach dem Schlüpfen. Es ist aber wohl viel. Wenn dort Probleme auftreten, dann ist es eine Sache der Landespflegebehörde hier eventuell lenkende Maßnahmen, und zwar schonende, nicht durch Regulation und Abschuss, zu probieren.
http://www.djz.de/artikelbeitrag/artikelbeitrag_15468.html
Vogelklappe
20. June 2005, 22:50
http://www.waldportal.org/aktuell/news/news.heim.200506152/
Vogel-Mami
21. June 2005, 00:33
http://www.ndr.de/docline/ndr/images/kraehe_160.jpg Krähentötungen: Tagung im Umweltministerium
Die Hälfte der Krähen im Landkreis Leer ist seit Beginn einer umstrittenen Studie im vergangenen Jahr getötet worden. "Nach bisherigen Schätzungen sind das rund 12.000 Vögel", sagte Projektleiter Andreas Grauer nach einer wissenschaftlichen Tagung im Umweltministerium am Montag in Hannover. Mit dem Forschungsprojekt will das Institut für Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) klären, ob sich durch das Töten der Krähen die Bestände der Wiesenvögel und Feldbrüter erholen. Naturschutzbund (NABU), Deutscher Tierschutzbund und zahlreiche Kritiker hatten im Vorfeld bereits ihre Teilnahme an der Tagung abgesagt.
http://www.ndr.de/docline/ndr/images/nabu_160.jpg Tierschützer kritisieren Fangmethode
Unter Tierschützern ist vor allem die Methode des so genannten Norwegischen Krähenfangs umstritten. In Fallen, die europaweit verboten sind, werden dabei die Vögel gefangen und anschließend mit einem Knüppel erschlagen. Das Institut hat aber eine Ausnahmegenehmigung für die Fallen vom Landkreis Leer erhalten. Prof. Klaus Pohlmeyer von der TiHo kritisierte die Verbände, weil diese das Projekt ursprünglich mitgetragen hätten. Vor kurzem hatte der NABU dann aber bei der EU-Kommission in Brüssel Beschwerde gegen das Projekt eingelegt.
Vogelkundler fordert Einstellung der Tötungen
Prof. Franz Bairlein vom Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven bezweifelt, dass die Krähen den Bestand der Wiesenbrüter verringern. "Das ist mitnichten begründet", sagte Bairlein. Der Vogelkundler forderte, die massenhafte Tötung einzustellen und erst wieder zu starten, wenn der Einfluss der Krähen auf die Wiesenvögel geklärt ist. Ursachen für den geringeren Bestand der Vögel lägen auch im Lebensraumverlust durch Straßenbau oder Landwirtschaft.
http://www.ndr.de/docline/ndr/images/saatkraehe_160.jpg Ministerium entscheidet bis August über Projekt
Bis zum 1. August soll über das Fortbestehen des Projekts entschieden werden, kündigte das Umweltministerium an. "Wir haben drei Optionen. Entweder wird das Projekt abgebrochen oder wie bisher fortgesetzt. Oder wir erweitern den Untersuchungsansatz", sagte Gert Lindemann, Staatssekretär im Umweltministerium. Bisher werde nur untersucht, ob mit der Krähenfalle der Rabenvogelbestand tatsächlich reduziert werden kann. Danach soll die Entwicklung der Wiesenvögel und Feldbrüter betrachtet werden.
Vogel-Mami
21. June 2005, 00:45
16.06.2005
NABU und Tierschutzbund gegen Krähenvogeljagd in Niedersachsen
Verbände sagen Teilnahme an Fachgespräch im Ministerium ab
Berlin – Für den kommenden Montag, 20. Juni 2005, hat das niedersächsische Landwirtschaftsministerium zu einem „wissenschaftlichen Diskurs“ über die Tötung von Krähenvögeln eingeladen. Der Naturschutzbund NABU und der Deutsche Tierschutzbund haben ihre Teilnahme am heutigen Donnerstag abgesagt, da „der geplante Ablauf und die bisher bekannte Teilnehmerliste darauf schließen lassen, dass die Veranstaltung keinen ergebnisoffenen Dialog in der Sache ermöglicht“.
Deutscher Tierschutzbund und NABU hatten Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen schon vor Monaten aufgefordert, dass er für den ergebnisoffenen Charakter der Veranstaltung eintritt und dies zusagt. „Doch Minister Ehlen nimmt überhaupt nicht teil. Er hat sich bereits vorab zur Fortsetzung des Krähenfangs festgelegt und will nur Anregungen und Bedingungen hören, mit denen er das Vorhaben ab August fortsetzen kann. Damit ist der so genannte ‚wissenschaftliche Diskurs’ eine Farce. Da machen wir nicht mit", erklärten Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, NABU-Präsident Olaf Tschimpke und Hans-Jörg Helm, NABU-Landesvorsitzender Niedersachsen, gemeinsam ihre Absage. „Wir stehen für einen konstruktiven Dialog. Das Ministerium will den Ablauf aber offenbar so lenken, dass seine rechtswidrige Linie unabhängig von Sachverstand abgenickt wird. Dafür stehen wir und unsere Fachleute nicht zur Verfügung", betonten Apel, Tschimpke und Helm übereinstimmend.
Die Tötung von Tausenden Rabenvögeln im Landkreis Leer steht seit ihrem Beginn im Januar 2004 in der Kritik der Tier- und Naturschützer. Ungeachtet der Kritik wird das Projekt von der niedersächsischen Landesregierung bis heute inhaltlich und finanziell unterstützt, und soll dem Vernehmen nach von August an sogar fortgesetzt werden.
Im Vorfeld der Veranstaltung hatten bereits zahlreiche anerkannte Wissenschaftler eine Teilnahme reihenweise aus Protest abgelehnt. Mehrmals hatten die beiden Verbände im Ministerium den im März erstellten Zwischenbericht des Projektes angefordert, der für die Vorbereitung des Diskurses am 20. Juni von zentraler Bedeutung ist. Dieser Bericht wurde den Verbänden nun derart kurzfristig zugestellt, dass eine detaillierte fachliche Auseinandersetzung nicht mehr möglich ist. Weiterhin ist nach der bisher vorliegenden Teilnehmerliste eine paritätische Besetzung der Teilnehmer nicht erkennbar, so dass die Befürworter der Rabenvogeltötungen hinsichtlich des Rederechtes deutlich bevorzugt wurden. Zudem hatte das Landwirtschaftsministerium immer wieder in den Medien und in der Landtagssitzung vom April seine Zusage für eine ergebnisoffene Diskussion selbst in Frage gestellt.
Die beiden Verbandspräsidenten und der NABU Niedersachsen erneuerten die scharfe Kritik an dem Projekt und am Vorgehen der Landesregierung, erklärten aber zugleich, dass „ein Gespräch auch in der Zukunft möglich ist, wenn sich die Landesregierung eines Besseren besinnt und tatsächliches Interesse an den wissenschaftlich begründeten Argumenten der Tier- und Umweltschützer zeigt“.
Für Rückfragen
Uli Thüre
NABU Niedersachsen
Tel. 05 11-9 11 05-27
Torsten Schmidt
Deutscher Tierschutzbund
Tel. 0 46 42-98 72 53
Vogel-Mami
21. June 2005, 01:27
DIE PRESSE-INFORMATION
PRESSEINFORMATION
anlässlich des sog. „ergebnisoffenen Diskurses„ am 20.06.2005
Wir sehen uns in Übereinstimmung mit dem NABU, dem Vogelschutzkommitee NRW, Dr. Epple, Dr. Bergmann, Dr. Mäck, Dr. Helb, dem Tierschutzbund und zahlreichen anderen renommierten Wissenschaftler/innen ,Natur- und Artenschutzverbänden, universitären Einrichtungen und ornithologischen Fachverbänden veranlasst, mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass der unter dem Etikett „ergebnisoffen„ angebotene Diskurs zum flächendecken Fang von Rabenvögeln und deren anschließender Tötung im Landkreis Leer als Pharse anzusehen ist, weil die Fortsetzung des Projektes lt. Minister Ehlen und den Projektverantwortlichen nicht zur Disposition gestellt wird.
Der als Diskursgrundlage den geladenen Teilnehmer/innen der Kritikerseite erst vor wenigen Tagen zugestellte Zwischenbericht (erstellt bereits im März 2005) bestätigt diese Einschätzung.
Wir fordern die Betreiber auf, das Projekt wegen des offenkundigen Fehlens jeder wissenschaftlichen Grundlage (siehe hierzu die bekannten und zutreffenden Ausführungen von Dr.Epple u.a.), wegen des Einsatzes nicht selektiver (per Eu-Vogelschutzrichtlinie verbotener) Fallentypen, wegen fehlender Kontrollmöglichkeiten und wegen der nicht tierschutzrechtskonformen Tötung zu beenden.
Man ist zwar vordergründig bereit in Hannover über die Studie zu diskutieren ,doch das Fangen und Erschlagen tausender Rabenvögel soll unvermindert fortgesetzt werden, wie den Bekundungen von Minister Ehlen zu entnehmen.
Das ist der nachvollziehbare Grund , weshalb viele Wissenschaftler der Diskussionsrunde fernblieben.
Ihr Ziel ist es diese Studie zu stoppen , nicht über den beschlossenen Tod tausender Vögel in der verbotenen Massenfalle zu diskutieren. Es kann nicht ernsthaft darüber diskutiert werden, wie eine Tötung etwas humaner zu bewerkstelligen wäre...
Inzwischen liegt auch der Zwischenbericht vor; ein Zwischenbericht ,der den Eindruck vermittelt, dass irgendetwas zusammengeschrieben wurde, um dem Erschlagen tausender Rabenvögel den Anstrich von Wissenschaftlichkeit zu verleihen.
Ein Beispiel von vielen ,,Man fand in 70 % der Kiebitznester Eierschalen" und leitet daraus die Folgerung ab, dass die 70%ige Prädationsrate auf Rabenvögel zurückzuführen sei. Aber sind die Kiebitze geschlüpft? Hat das Gelege ein Igel gefunden , oder ein Fuchs oder Marder?
Viele Beutegreifer kommen hierfür in Frage.
Das ohnedies fragwürdige Datenmaterial wurde teilweise falsch interpretiert; man liest gar aus einem Minus ein Plus und so weiter
Der Fang und die Tötung werden u.a. damit begründet , dass nicht genügend Niederwild vorhanden sei. Tatsächlich war man in den letzten Jahren stets erfreut über gewachsene Jagdstrecken im Kreis Leer
Die abnehmenden Kiebitzbestände werden als weiteres Argument in`s Feld geführt.
Es werden allein in Frankreich jährlich etwa 1,2 Millionen Kiebitze von Jägern erschossen - die BRD hat gerade mal 95 000 Brutpaare
So lange noch Millionen Kiebitze während ihres Vogelzugs in Europa geschossen werden ,
so lange in Holland noch die Erstgelege von Kiebitzen abgesammelt werden dürfen , so lange potenzielle Brutflächen intensiv bewirtschaftet werden, so lange der Ausverkauf und die rücksichtslose Verbauung und Entwässerung von Brutgebieten weiterhin betrieben werden,
so lange gibt es keinen Grund eine verbotene Massenfalle durch die Hintertür im Namen der Wissenschaft gegen Rabenvögel einzusetzen, diese zu fangen und sie mit einem Knüppel zu erschlagen, um ihre Körper anschließend der Tierkörperbeseitigungsanlage zuzuführen.
Wir fordern u.a. aus diesen Gründen nach wie vor den SOFORTIGEN STOP DES EINSATZES DER VERBOTENEN MASSENFALLE.
Einzelheiten entnehmen Sie bitte unseren ausführlichen Einlassungen zum Zwischenbericht.
Mit uns haben sich zahlreiche Fachwissenschaftler/innen gegen dieses Projekt ausgesprochen. Zu nennen sind u.a.:
Dr. Herbert Nickel, Zoologe
Dr. Peter Hartmann, Biologe, Lehrstuhl Tierökologie, Universität Bayreuth
Dr. Silke Sorge, Biologin
Jürgen Weckerle, Ornithologische Gesellschaft Bayern
Gernot Hochmüller, Förster
Friedrich Wulf, Biologe, Naturschutzreferent
Dr. Klaus Stahl, Biologe
Dagmar Wolf, Biologin
Frank Püchel-Wieling, Biologe
Immo Vollmer, Biologe
Tobias Stenzel, Biologe
Astrid Völling, Biologin
Dr. Helmut Herrmann, Biologe
Dr. Gerhard Heybrock, Biologe, Landschaftsökologe
Dr. Birgit ten Thoren, Biologin
Dr. Stefan Wellershaus, Biologe
Prof. Dr. Louis Beyens, Biologe
Geert van Houte, Biologe
Thomas Weber, Biologe
Ingo Ludwichowski, Biologe
Matthias Schink, Biologe
Birgit Benzing, Biologin
Julia Neider, Biologin
Dr. Silke Schilling, Biologin
Dr. Bettina Wilkening, Biologin
Eberhard Giese, Biologe
Manfred Knake, Wattenrat Ostfriesland
Petra Deimer, Biologin
Wenke Frederking, Bay. Landesamt für Umweltschutz
Sigrid März, Biologin
ndre Schmidt, Biologe
Dr. Sandra Altherr, Biologin
Ute Schröder, Biologin
Astrid Schmidt, Biologin
Dr. Harry Wild, Bioinformatiker
Thomas Hellwig, Forstwirt
Markus Pfeuffer, Agrarbiologe
Clemens Purtscher, Biologe
Ekkehard Kluge-Johannink, Biologe
Angelika Putsch, Biologin
Dr. Stefan Dröse, Biologe
Kurt Eicher, Biologe
Klaus Schick, Biologe
Christa Joerg-Schroeder, Biologin
Vgl.: http://petition.thoki.net/main.php
Mit freundlichen Grüßen
R. Adam / V. Munkes
(stellvertretend für die IG)
Vogel-Mami
21. June 2005, 03:07
INHALTLICHE AUSEINANDERSETZUNG MIT DEM SOG. "ZWISCHENBERICHT"
Unsere Positionen
Stellungnahme und Fragen zum Zwischenbericht des Institut für Wildtierforschung
Die auf Seite 2 zu findende "Präambel" (Zitat): "Wissenschaft schafft Wissen - und liefert so Grundlagen für politische Entscheidung" gibt zumindest einen Hinweis auf die Projektziele
"Rechtsverbindliche Legalisierung der beiden Fallentypen in Niedersachsen"
"Langfristige Freigabe des Einsatzes der Krähenfalle im Landkreis Leer"
(vgl. Leistungs- und Aufgabenbeschreibung / Anlage zu Gestattungsbescheid vom 06.02.2004)
O.g. Projektziele finden sich nicht (mehr) im Zwischenbericht.
Fragen:
Wird das Erreichen der genannten Projektziele nicht mehr angestrebt?
Ggf.: Was sind die Gründe dafür?
Sollten die Projektziele weiterhin angestrebt werden: Aus welchen Gründen findet sich keine explizite Benennung im Zwischenbericht?
S.4
"In Anbetracht des Rückgangs der Wiesenlimikolen spielt die Größenordnung des Einflusses der jeweiligen Prädatorenart eine nur untergeordnete Rolle für die Entscheidung zur verstärkten Bejagung, da der generelle Einfluss einer Prädatorenart gering, der tatsächliche Einfluss kleinräumig sehr hoch sein kann (Siefke, 1989)"
Diese Aussage ist in sich (und im Kontext des Studienprojektes) durchaus widersprüchlich. Natürlich sind Prädationseinflüsse lokal - und abhängig von den vorkommenden Prädatorenarten und deren Vorkommensstärke (Abundanzen) - unterschiedlich und auch unterschiedlich zu bewerten. Eben so berechtigt kann man die Annahme postulieren, dass der "tatsächliche Einfluss kleinräumig sehr" gering sein kann. Die Notwendigkeit zum "Prädationsmanagement" wird u.a. (auch) mit der (lokalen) Zunahme von Rabenvogelbeständen begründet und nicht etwa (was auch widersinnig wäre) mit Populationsabnahmen.
Frage/n:
Wird eine Relation der Anzahl potenziell prädierender Arten und deren Bestandsdichten mit der Anzahl prädierter Gelege/Nestlinge bestritten? Wird das Verhältnis der Prädationsanteile der verschiedenen prädierenden Arten an der Gesamtprädation als zu vernachlässigende Größe angesehen?
Ggf.: Wie erklärt sich obige Aussage?
S.5
"Aktuell berichtet Löhlein (2005, mündliche Mitteilung), dass in seinem, im Landkreis Leer gelegenen Beobachtungsgebiet, 70 % der Gelegeverluste beim Kiebitz auf Rabenkrähen (Beleg durch Eierschalenfunde) zurück zu führen sind."
Allein das Vorhandensein von Eierschalen-Resten kann keinen verlässlichen Aufschluss über die Identität des Prädators bieten. Es handelt sich bei vorzitierter Aussage um eine Einlassung ohne (bzw. mit sehr geringem) Wert, die nicht mit wissenschaftlicher Methodik abgesichert (und im Nachhinein für diesen konkreten Fall auch nicht mehr abzusichern) ist.
"Im Falle zurückbleibender Spuren ist eine Zuordnung zum Räuber nicht eindeutig, wie auch Brown et al. (1998) sowie Peitz und Granfors (1998) feststellten."
Sell, K. (1998): Dauerbeobachtung von Singvogelnestern mit Hilfe von Videokameras - eine Pilotstudie, Fakultät für Biologie der Universität Konstanz & Forschungsstelle für Ornithologie der Max-Planck-Gesellschaft, Andechs und Radolfzell
Fragen:
Wie hoch ist/war die Gesamtzahl der Kiebitzgelege in dem betreffenden Beobachtungsgebiet?
Wie hoch ist/war die Gesamtzahl der Gelegeverluste in dem betreffenden Beobachtungsgebiet?
In welchem Zeitraum wurden die Beobachtungen getätigt?
Über welche fachliche Qualifikation verfügt der Mitteiler?
Vortrag Prof. Dr. Dr. Klaus Pohlmeyer (Leiter des Institut für Wildtierforschung, Tierärztliche Hochschule in Hannover) auf dem Bundesjägertag 2005 zum Thema Neozeon in Deutschland
Prof. Pohlmeyer im Rahmen dieses Vortrages bereits die Leeraner Studie indirekt bewertend:
Zitat/e:
"So wurden auf einer intensiv betreuten etwa 500 ha großen Fläche in unserem derzeitigen Rabenkrähenprojekt im Landkreis Leer 70Prozent der Kiebitznester in 2004 nachweislich durch Rabenkrähen vernichtet, die zu einem Junggesellenschwarm gehörten.
(...)
In 2005 fielen auf derselben Fläche nur 30Prozent der Nester Krähen zum Opfer, da nach Angaben des Betreuers kein Krähenjunggesellenschwarm mehr existent war! Zwischen 2004 und 2005 wurden Rabenkrähen im Kreis Leer flächendeckend in nennenswerten Größenordnungen gefangen! Vielleicht erklärt dies das Fehlen des vorjährigen Junggesellenverbandes!"
http://www.jagdnetz.de/aktuelles/na...Pohlmeyer.htm
In diesem Zusammenhang nochmals die Frage nach dem wissenschaftlichen Gehalt dieser Angaben (Daten)?
Niedersächsische Vogelschutzwarte, Hannover, zum Thema
Verlustursachen von Gelegen
"Im Unteren Odertal konnte 1999 mit Thermologgern in 7 von 10 Fällen der Gelegeraub auf Raubsäuger zurückgeführt werden, wobei an keinem dieser Gelege ausreichende Schalenreste zur Bestimmung des Prädators gefunden wurden. Nimmt man die Gelege hinzu, die Schalenreste aufwiesen, sind 1999 im Unteren Odertal 14 Gelege durch Füchse und andere Raubsäuger, aber nur drei wahrscheinlich durch Rabenvögel verlorengegangen."
siehe auch: http://www.nimrods.de/Fuchskunstbau...hutzgebiete.htm
S.6
"Vor diesem Hintergrund ist es der primäre Untersuchungsaspekt des Projektes, wissenschaftlich zu dokumentieren und zu analysieren, ob mit dem "Norwegischen Krähenfang" eine gezielte Bestandsreduzierung von Rabenkrähen (Corvus vorone c.) und Elstern (Pica oica) großflächig umsetzbar ist."
S.10
"Zur Abbildung der Populationsentwicklung sind Voraufnahmen im Fanggebiet sowie Daten aus Vergleichsgebieten, in denen nicht gefangen wird, notwendig. Sowohl die Wildtiererfassung in Niedersachsen (WTE) als auch das Wildtierinformationssystem der Länder Deutschlands (WILD) (DJV, 2001) liefern Voraufnahmen und überregionale Daten mit zuverlässiger Genauigkeit. Somit können größräumig Entwicklungstrends aufgezeigt werden, die nicht mit dem Fang in Verbindung stehen. (...) Umfangreiche Brut- und Revierkartierungen sowie Nichtbrüterzählungen in den Untersuchungsgebieten "Rheiderland" und (...) auf 9.000 ha kennzeichnen die Situation der Raben- und Elsternpopulation zu Projektbeginn. Die Horst- und Nichtbrüterkartierungen des Jahres 1997 von Prins, dem Naturschutzobmann des Landkreises Leer, im Gebiet Langholt, Klostermoor und Burlage fließen als Voraufnahme ebenfalls mit in die Auswertung ein."
Einschätzungen von vorzitiertem Naturschutzobmann Jonny Prins:
"Bestand an Wiesenvögeln weiter stark gefährdet
Vogelwelt Naturschutzbeauftragter stellt aktuelle Untersuchungsergebnisse aus den Gemeinden des Oberledingerlands vor
Das Problem sei unter anderem die veränderte Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen, sagt Jonny Prins. Gute Ausgangsbedingungen gab es dagegen für Greifvögel und Eulen.
Rhauderfehn - Der Bestand an Wiesenvögeln im Oberledingerland ist weiterhin sehr stark gefährdet. Zu diesem Ergebnis kommt der Naturschutzbeauftragte des Landkreises Leer, Jonny Prins aus Rhauderfehn, nachdem er jetzt seine mehrmonatigen Untersuchungen im Gebiet der Oberledingerland-Gemeinden Ostrhauderfehn, Rhauderfehn und Westoverledingen abgeschlossen hat.
Durch die veränderte Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen bestehe für die Wiesenvögel kaum noch eine Chance, für Nachwuchs sorgen zu können. Durch Walzen, Schleppen und Düngen sowie das Aufbringen von Gülle sei es unwahrscheinlich, "dass Frühbrüter ihr Erstgelege erfolgreich bebrüteten", sagt Prins."
(General-Anzeiger /Ostfriesland/Emsland/Oldenburg/ 03.07.2004)
S.2
"In den allgemeinen Betrachtungen werden unter der Überzeile *Bereich Prädation* Arbeiten zitiert, die als Beleg dafür herhalten sollen, dass auf Flächen des Vertragsnaturschutzes (also ohne eingreifende aus Intensivbewirtschaftung resultierende Beeinträchtigungen für Wiesenbrüter) ausschließlich die Prädation für schlechte Brut- und Aufzuchtergebnisse verantwortlich sei."
Zitat: "Faida et al (2002) kommen auf Grund des oben erwähnten Symposiums in Vechta zum Schluss, dass auf Vertragsnaturflächen die Gelegeverluste durch die Landwirtschaft gering sind und die Schlupferfolge auf diesen Flächen im Wesentlichen durch die Nestprädation limitiert wird."
Vorliegende Arbeiten mit im Ergebnis dazu differierenden Aussagen finden keine Berücksichtigung.
Dabei liegt sogar eine konkrete Arbeit hierzu aus dem LK Leer vor:
Ergebnisse hinsichtlich erheblicher Verbesserung der Situation bodenbrütender Vogelarten in Gebieten innerhalb des Landkreises Leer durch "Feuchtlandgrünprogramme" und ohne begleitende (prädationsreduzierende) Eingriffe:
Zitat:
"Bereits im ersten Jahr nach der starken Vernässung hat der Bestand an Wiesenlimikolen deutlich zugenommen. So lag der Kiebitzbestand auf der Fläche im Frühjahr 2003 bei ca. 5-7 Brutpaaren (...)"
(Quelle: Kruckenberg, H. & A. Schönheim (2004): Ergebnisse der Brutvogel- und Heuschreckenkartierung auf den Pilotflächen "Wilde Weidetiere vor der Stadt" (Teilgebiet Coldam im Vergleich zu Thedingaer Vorwerk) im Frühjahr 2004)
S.12
"Der Landkreis Leer als Projektgebiet (PG) ist insgesamt ca. 106.000 ha groß (..) Im gesamten Projektgebiet darf unter Beachtung bestimmter Vorgaben (...) gefangen werden. (...) In großräumigen Teilgebieten des Landkreises, den so genannten Untersuchungsgebieten (UG) werden detaillierte Erhebungen durchgeführt. (...) Die Fläche der Untersuchungsgebiete (UG) liegt zwischen 4.300 ha und 10.000 ha, insgesamt werden auf einer Fläche von 28.000 ha (27,2 % der Kreisfläche) genauere Daten erhoben."
Die ungerichtete (räumlich nicht festgelegte) Vorgabe der Möglichkeit des Aufstellens von Fallen im gesamten Kreisgebiet verunmöglicht eine verlässliche flächenbezogene Aussage über die Effizienz des Fallenfanges, weil (u.a. wg. der eingesetzten - zu geringen -Fallenzahl*) weiträumige Bereiche des Kreisgebietes zwangsläufig nicht mit Fallen, andere Bereiche (bezogen auf die Flächeneinheit) mit einer unterschiedlich hohen Zahl von Fallen bestückt sind.
Mögliche Einflüsse der Fallenbejagung in "bestückten" Bereichen auf Bestände/Bestandszahlen in benachbarte Lokalitäten (ohne Fallen) sind nicht unwahrscheinlich, weil insbesondere nicht fest ansässige Individuen sich auf Grund des (Fallenbejagungs)Drucks vermehrt in fallenbejagungsfreie Zonen verlagern (könnten). Dies könnte einerseits geringere Fangergebnisse in bestückten Bereichen und höhere Prädation in unbestückten Bereichen nach sich ziehen.
*"Es wird davon ausgegangen, dass zum flächendeckenden Fangeinsatz 1-2 Fallen/100 ha nötig sind. Dies ergäbe in der mathematischen Konsequenz, dass in einem Projektgebiet von gut 1000.000 ha 1000-2000 Krähenmassenfallen gleichzeitig fängisch aufgestellt sein müssten." (vgl. Gutachten im Auftrag des Deutschen Tierschutzbundes: Epple, W., H.W. Helb, U. Mäck (2005): Zur Selektivität und Eignung der Norwegischen Krähenmassenfalle unter Berücksichtigung von Aspekten des Tier- und Artenschutzes, S. 7)
S. 9
unter 2.2.1.1.:
"Die Beteiligung sowie das Engagement der ausführenden Jagdausübungsberechtigten sind Grundvoraussetzung für die organisatorische Umsetzung einer großflächigen Fangaktion. Bei mangelnder Beteiligung oder fehlendem Engagement wird es auf Grund von einer zu geringen Zahl gestellter Fallen nicht gelingen, die Populationsdichten entscheidend zu beeinflussen.
(...)
Als Kenngrößen werden (...) b) die tatsächliche Umsetzung der Maßnahme gemessen an der Kennzahl Anzahl Fallen / Fläche (...) ausgewertet."
Im Zwischenbericht ist keine (zwischen)auswertende Aussage darüber zu finden, inwieweit (und ob überhaupt) die "Kennzahl Anzahl Fallen / Fläche" während des ersten Projektabschnittes den Grundanforderungen zum Erhalt verwertbarer und wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Daten geeignet ist. Die Inhalte des Zwischenberichtes gehen (nicht nur in diesem Punkt) nicht über die Angaben in der "Aufgaben- und Leistungsbeschreibung" hinaus. Sie sind bestenfalls als Ergänzung anzusehen und geben keinen Aufschluss über tatsächliche Zwischenergebnisse nach Abschluss der ersten Projektphase
Fragen:
Wie hoch ist die Anzahl der während der ersten Projektphase abgebauten (oder nicht auf fängisch gestellten) Fallen?
Welche konkreten Gründe waren Anlass für Abbau oder "Nichtfängischstellen" der Fallen?
Zitate:
Hierzu äußerte sich Minister Ehlen anlässlich der Landtagssitzung vom 22.04.2005 wie folgt:
"Es ist schwierig, für 200 Fallen die notwendige Manpower, so möchte ich es einmal sagen, zur Verfügung zu stellen. Auch angesichts der vorher gestellten Fragen glaube ich, dass es wichtig und richtig ist, eine kleinere Zahl von Fallen aufzustellen und diese zweimal am Tag zu kontrollieren, als wenn man die Kontrollen wegen Personalmangel nicht leisten kann und dann Dinge geschehen, die nicht geschehen sollen. Die Reduzierung der Zahl der Fallen hat etwas mit der Zahl der Personen zu tun, die in dieses Projekt eingebunden sind."
Die Abgeordnete Meta Janssen-Kucz äußerte unwidersprochen in der gleichen Landtagssitzung "(...) mittlerweile sind aber nur noch 120 Fallen in Betrieb, also 80 Fallen weniger"
Nach eigenen Angaben wurde im Jahr 2004 von einer notwendigen Anzahl von 200 Fallen (und mehr) ausgegangen (Quelle: Epple, W., H.W. Helb, U. Mäck (2005): Zur Selektivität und Eignung der Norwegischen Krähenmassenfalle unter Berücksichtigung von Aspekten des Tierschutzes und Artenschutzes Gutachten im Auftrag des Dt. Tierschutzbundes)
Die durch die Fallenbejagung indizierte (mögliche) Lokomotion von Rabenvögeln aus fallenfreien Bezirken schränkt zudem die Verlässlichkeit der beabsichtigten Erhebung "genauerer Daten" in den Untersuchungsgebieten (UG) ein.
Die UG werden explizit als Gebiete mit "unbeeinflusste(n) Voraufnahmen" deklariert (S. 13)
Hierzu drängen sich folgende Fragen auf:
1. Was wird in diesem Zusammenhang unter "unbeeinflusst" verstanden? Unbeeinflusst von Fallenbejagung? Unbeeinflusst von konventioneller Abschussbejagung ?
2. Werden im Gegensatz dazu "Voraufnahmen" im übrigen Projektgebiet als "beeinflusst" angesehen? Ggf. Beeinflusst durch welche Faktoren?
Es wird mit Kenngrößen "Relation Abschuss / Fang" gearbeitet.
Hierzu ist zu lesen:
"Es liegen noch keine Ergebnisse vor, da das Jagdjahr 2004/2005 noch nicht abgeschlossen ist" (S. 26)
Frage/n:
Es darf also von der Annahme ausgegangen werden, dass während der laufenden Studie weiterhin in Arealen des Projektgebietes eine konventionelle Abschussbejagung stattgefunden hat?
Ggf.: Wird es als gegeben angesehen, dass der Bejagungsdruck (konventionelle Abschussbejagung) zu populationsökologischen (räumlichen) Verschiebungen in Bezug auf die Bestände von Aaskrähe und Elster führt?
Es dürfte hinlänglich klar sein, dass als schussbejagungsfreie Vergleichsflächen ausgewiesene Areale in räumlicher Nähe zu Arealen mit Abschussbejagung wg. o.g. Bezüge nicht als verlässliche (und zum Erhalt aussagekräftiger Daten taugliche) Vergleichsflächen herangezogen werden können.
Unter der Überzeile "Bejagungsmöglichkeiten" wird (S. 6) ausgeführt:
"Die Reduktion der beiden Corvidenarten ist mit der Schusswaffe auf Grund des ausgeprägten Fluchtverhaltens nur sehr schwer möglich. Im Jahr 2003 lag der tatsächliche Abschuss an Rabenkrähen im Land Niedersachsen mit 1,8 Vögeln / 100 ha (...) unter dem errechneten Zuwachs von 2,3 Jungtiere / 100 ha."
Dieses Zahlenwerk stützt sich (lt. Eigenangabe) auf den Landesjagdbericht für Niedersachsen aus dem Jahr 2003.
Auf S.25 werden erste Ergebnisse hinsichtlich der Falleneffizienz benannt:
"Die flächenbezogenen Fangzahlen liegen somit bei dem vorliegenden Zwischenergebnis von 4,77 Rabenkrähen pro 100 ha (...)"
Diese Angaben beziehen sich logischer Weise auf den Fangzeitraum 2004/05.
Lt. Jagdbericht Niedersachsen für das Jahr 2003 war in den vier Regierungsbezirken eine Gesamtstrecke von 85.103 Rabenkrähen gemeldet. Um die Fallwildzahlen (633) bereinigt ergibt sich daraus eine Zahl von 85.103 Abschüssen. Die Gesamtfläche des Bundeslandes Niedersachsen beträgt 47.616 qkm (= 4.760.000 ha).
(Grafik einfügen a01.jpg)
Der RBZ Weser-Ems verfügt über eine Fläche von 14.965 qkm (= 1.496 500 ha)
Die flächenbezogene Abschusszahl für beispielsweise den RBZ Weser-Ems betrug also im Jahr 2003 = 3,09 Rabenkrähen / 100 ha.
Und auch diese Angaben geben nur Aufschluss über die Abschusszahlen des Jahres 2003.
Wenn schon Abschussdaten als Vergleichsbasis herangezogen werden, so darf hierfür verständlicher Weise kein Landesschnitt (aus einem Jahr), sondern es müssen zwangsläufig und folgerichtig Abschussdaten aus mehreren Jahren für ein vergleichbares Gebiet und zeitgleich mit dem Fallenfang erhoben werden.
Fragen:
Wird das Projektziel des "Effizienznachweises" bereits durch das Zwischenergebnis von 4,77 Rabenkrähen / 100 ha als erreicht angesehen?
Unabhängig von der Frage einer generellen Sinnhaftigkeit der Fallenbejagung von Rabenvögeln und unabhängig davon, dass die Vergleichsbasis (zur Schussbejagung) nicht stimmig ist: Könnte das Vorliegen des o.g. Zwischenergebnisses dazu Anlass bieten, diesen Teil der Studie (Prüfung der Effizienz) als "erledigt" anzusehen?
S.20
"Vor Fangbeginn wurde in den Untersuchungsgebieten "Ihrhove" und "Rheiderland" eine Kartierung der Rabenkrähen- und Elsternnester durch die zuständigen Revierpächter durchgeführt. Die Aufnahmen werden während der gesamten Projektzeit fortgeführt."
S.21
"In den Bereichen des Projektgebietes, in denen keine Kartierung der Brut- und Revierpaare erfolgt, werden qualifizierte Einschätzungen der Brut- und Revierpaare sowie der Nichtbrüter im Rahmen der Wildtiererfassung durchgeführt."
Es wurde/wird nicht flächendeckend mit der gleichen Methodik (und nach gleichen Kriterien) erfasst. Die Unzulänglichkeit flächendeckender Einschätzung durch die Jägerschaft wurde mehrfach anschaulich per Nachkontrolle durch wissenschaftlich qualifiziertes Fachpersonal dokumentiert. Die festgestellten Abweichungen waren gravierend (vgl. Knief & Borkenhagen, 1993)
Gleiches gilt (vgl. hierzu Pohlmeyer, Strauß) für Bestandsschätzungen in Bezug auf die Hasenbesätze. Hier kam es zu einer Unterschätzung der Bestandszahlen um 70 % seitens der Jägerschaft.
Grafik:
http://www.arcor.de/palb/alben/94/3886494/1152_6136396163373366.jpg
Daten zur Rabenkrähe / S. 31
"Landesweit nahm die Dichte der Brut- und Revierpaare von 2000 bis 2003 ab, um dann von 2003 auf 2004 wieder zuzulegen. (...) Im Landkreis Leer stieg die Dichte der Rabenkrähen von 2000 bis 2002 an, fiel dann in 2003 wieder etwas ab und erhöhte sich von 2003 auf 2004 wieder. Dieser Anstieg fiel deutlicher als in Niedersachsen bzw. den Nachbarlandkreisen aus."
Schaut man sich die konkret benannten Zahlen an, so kann man (insbesondere hinsichtlich des letzten Satzes) den Ausführungen nicht so recht folgen.
An konkreten Zahlen (Bp-Dichte) werden benannt:
(Grafik einfügen a002.jpg)
Zwar recht unwesentlich: Aber in den Nachbarlandkreisen gab es lt. diesem Zahlenwerk keinen Anstieg, sondern ausschließlich Abnahmen. Schon insofern macht der Satz "Dieser Anstieg fiel deutlicher als (...) bzw, den Nachbarlandkreisen aus" keinen Sinn. Zudem kann (setzt man die korrekte Erhebung voraus) von einem Anstieg, der maßnahmen-begründend sein könnte angesichts der genannten Zahlen kaum ernsthaft die Rede sein. Bezieht man noch die Schwankungsbreite (von 2000 - 2004) der angegebenen Werte mit ein, so ergibt sich für den Landkreis Leer keineswegs ein wesentlich anderes (Zahlen)Bild als für die benachbarten Kreise.
(Grafik einfügen a003.jpg)
Bei Bildung einer Schnittmenge aus 5-Jahres-Bp-Daten (die Notwendigkeit genügend langfristig Erhebungen und deren Berücksichtigung dürfte wohl kaum mit nachvollziehbarer Grundlage bestreitbar sein) ergibt sich für den LK Leer keineswegs ein "dramatisches" Bild (siehe Tabelle). Im Schnitt der 4 aufgeführten Landkreise belegen die Werte für den Landkreis Leer "Rang 3".
Zur Dokumentation von Populationsgrößen in 3 Gebieten des LK Leer wird
eine Erfassung von Prins aus dem Jahr 1997 herangezogen.
Zitat:
"Die Aufnahmen von J.Prins im Jahr 1997 ergaben eine Rabenkrähengesamtdichte von 11,56 Stück / 100 ha. Die Dichte der Brut- und Revierpaare lag bei 2,11 Paare / 100 ha."
Frage:
Wie wird die Aussagekraft isolierter Daten (ohne Fortschreibung) , die bereits vor 7 Jahren erhoben wurden, bewertet ?
Bei "Vorgaben für den Betrieb der Falle" wird unter Punkt 5 ausgeführt:
"Die Falle muss in Teilbereichen verblendet sein, um den gefangenen Vögeln eine Rückzugsmöglichkeit zu bieten." (S. 19)
Diese Vorgabe wurde offensichtlich nicht (zumindest nicht bei allen Fallen) beachtet. Das bisher zu den Fallen öffentliche Foto- und Filmmaterial dokumentiert anschaulich, dass es sich bei den "gezeigten" Fallen um unverblendete Konstruktionen handelte.
S. 20
unter 2.3.5.:
„Die Tötung der Vögel erfolgt im Anhalt an die Tierschutzschlachtverordnung (TierSchlV, 1997) für Geflügel (...)„
Aus einer Antwortmail des "Niedersächsisches Ministerium für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz" (Unterzeichner: Herr Mehls) an Herrn R. Adam:
"Die Betäubung und Tötung der Rabenvögel und Elstern erfolgt nach einer tierschutzgerechten Methode. Sie wird in der Dämmerung durchgeführt, weil die Tiere sich dann ruhig verhalten."
Frage:
Wird bestritten, dass die Tierschutzschlachtverordnung - auf welche sich das Projekt beruft - nur auf Nutz- und Hausgeflügel anwendbar ist?
Hingewiesen sei auf das im Zwischenbereicht erwähnte „ausgeprägte Fluchtverhalten".
Auf S.2 wird unter „Bejagungsmöglichkeiten" ausgeführt:
„Die Reduktion der beiden Corvidenarten ist mit der Schusswaffe auf Grund des ausgeprägten Fluchtverhaltens nur sehr schwer möglich."
Zum Anwendungsbereich der Tierschutzschlachtverordnung ist klar definiert:
„§ 1 Anwendungsbereich (2)
Die Vorschriften dieser Verordnung sind nicht anzuwenden bei
1. einem Tierversuch, ...
2. weidgerechter Ausübung der Jagd
3. zulässigen Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen, etc.
Anlage 3 Teil II:
Der Kopfschlag darf nur bei anschließendem Entbluten eingesetzt werden."
Frage:
Wird bestritten, dass Corviden hinsichtlich Verhalten und Anatomie nicht mit Haus- und Nutzgeflügel zu vergleichen sind?
In der „Leistungs- und Aufgabenbeschreibung" wird auf S. 4 ausgeführt:
„Die wissenschaftliche Betreuung durch das IWFo schließt die Koordination, Kontrolle und Überwachung der Fänge nicht ein."
Zur Kontrollpraxis ein Auszug aus der Lantagssitzung vom 22.04.2005:
Ina Korter (GRÜNE):
"Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der Landkreis Leer hat zur Auflage gemacht, dass die dort aufgestellten Fallen zweimal am Tag kontrolliert werden, und zwar mittags und abends vor Einbruch der Dunkelheit. (...) Ich frage die Landesregierung: Wie wurden diese Auflagen kontrolliert?"
Hans-Heinrich Ehlen, Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
"Frau Kollegin Korter, die Fangbögen werden mit Uhrzeiten versehen. Sie müssen beim Landkreis Leer gemeldet werden."
Frage:
Die Kontrollen bestehen also ausschließlich in einer Überprüfung dessen, ob die Bögen mit Uhrzeit versehen sind? Ist das zutreffend?
Auf S. 20 des Zwischenberichts wird das Nichtvornehmen der im Gestattungsbescheid geforderten Kontrollen de facto eingeräumt.
Zitat:
„Auf Grund des öffentlichen Interesses des Projektes werden viele Fallen von interessierten Mitbürgern genau beobachtet und teilweise photographiert. Dies ist den Fallenbetreibern bekannt, somit kann den Angaben in den Fallen, insbesondere in Bezug auf die Beifänge vertraut werden."
Frage:
Ist es also zutreffend, dass die vorgeschriebenen Kontrollen faktisch dadurch als gegeben angesehen werden, dass gelegentlich Fallen von „Mitbürgern genau beobachtet und teilweise photographiert„ werden?
http://www.vogelforen.de/showpost.php?p=925016&postcount=110
DIE PRESSE-INFORMATION
PRESSEINFORMATION
anlässlich des sog. „ergebnisoffenen Diskurses„ am 20.06.2005
Wir sehen uns in Übereinstimmung mit dem ....
....
Mit freundlichen Grüßen
R. Adam / V. Munkes
(stellvertretend für die IG)
Nur eine Frage:
Darf man jetzt doch kommentieren, indem man einfach irgendwo anders etwas reinstellt und es dann hierher Kopiert?
Danke Vogelmami, werde mal sehen, ob ich deinem Beispiel Folge.
Wo waren den die beiden Herren (tukkan-world und VolkerM) gestern? Keine Demo? Wo bleibt den der Bericht des USER´s, der an diesem Diskurs scheinbar doch teilgenommen hat? Top Secret?
Karin
21. June 2005, 11:02
Geändert !
Nur eine Frage:
Darf man jetzt doch kommentieren, indem man einfach irgendwo anders etwas reinstellt und es dann hierher Kopiert?
Danke Vogelmami, werde mal sehen, ob ich deinem Beispiel Folge.
Wo waren den die beiden Herren (tukkan-world und VolkerM) gestern? Keine Demo? Wo bleibt den der Bericht des USER´s, der an diesem Diskurs scheinbar doch teilgenommen hat? Top Secret?
vielleicht hat diese zuerst ihren Mann oder jemanden anderes gefragt bevor es diese tat :zwinker:
Vogel-Mami
22. June 2005, 04:22
http://www.vogelforen.de/showpost.php?p=925016&postcount=110
Nur eine Frage:
Darf man jetzt doch kommentieren, indem man einfach irgendwo anders etwas reinstellt und es dann hierher Kopiert? Hallo aday,
wenn auch ungern :p , muß ich Dir dieses Mal zustimmen:
Deine Kritik ist ausnahmsweise völlig berechtigt; mein letztes post ist hier eigentlich deplaziert.
Das war sehr unüberlegt von mir...
Man möge mir im übrigen verzeihen, aber ich war einfach so schockiert von den Ungereimtheiten der Herren "Wissenschaftler" und Jäger in Niedersachsen :nene: und gleichzeitig so fasziniert von den logischen Gedankengängen des "Positionspapieres" :beifall: .
Da hab ich den Bericht fast automatisch hier reingestellt...
Sorry, werd mich bessern!
Man möge mir im übrigen verzeihen, aber ich war einfach so schockiert von den Ungereimtheiten der Herren "Wissenschaftler" und Jäger in Niedersachsen :nene: und gleichzeitig so fasziniert von den logischen Gedankengängen des "Positionspapieres" :beifall: .
Da hab ich den Bericht fast automatisch hier reingestellt...
Sorry, werd mich bessern!
Hallo Vogel-Mami,
Welcher Bericht?
Das einzige was ich dort sehe ist ein zusammengewürfelter Haufen, vermutlich auch noch aus dem zusammenhang gerissen. Wenn du die Rechenleistungen der beiden (des einen) dazunimmst, die er in diesem Zusammenhang gemacht hat, graut es mir um den Wahrheitsgehalt.
Es wäre sicher Sinvoller den Zwischenbericht aus dem die beiden zitieren hier vorzuführen als dieses gehackstügel mit angeblichen ungereimtheiten und schlimmen vergehen. Bin mir sicher, das angebliche Mängel im Zusammenhang mit dem gesammten Zwischenbericht auf einmal gar keine mehr sind.
Was bei Tukan-World für ein "blödsinn" zu finden ist, interessiert mich nicht weiter und ich rege mich darüber nicht auf. Aber hier im Vogelforum sollte man doch schon bei den Tatsachen bleiben.
http://www.nabu-niedersachsen.de/Docs/Projekte/Jagd15_Diskurs_200605.ASP
Naturschutz / Jagd
NABU widerlegt Aussagen von Ehlen
"Pulver und Blei-Methoden".
Auszug mit Hervorhebung:
Nach wie vor möglich ist – speziell bei der zeitweise gesellig nächtigenden Elster – das Jagen an den Schlafbäumen. Bei den Krähen kommt das gelegentliche Schießen von feldernden Vögeln mit einer rasanten, kleinkalibrigen Kugel hinzu. Doch größere Strecken sind mit beiden Jagdmethoden nicht zu erzielen, weil entweder die Schlafplätze sofort gewechselt werden oder die Fluchtdistanz der überlebenden "Augenzeugen" schlagartig zunimmt!
Wenn es die je nach Bundesland unterschiedliche Jagdzeit erlaubt, sollte man die kopfstarken Junggesellenschwärme der Krähen und die Familienverbände der Elstern bereits im Sommer und Herbst beschießen. Damit wird nicht nur der landesweit überhöhte Rabenvogelbesatz vermindert, sondern man bekommt vor allem die nötige Jagderfahrung. Doch hegerisch besonders effektiv wird das Jagen erst, wenn man im ausgehenden Winter und Vorfrühling die standorttreuen Altvögel – und damit deren Brutpaardichte – dezimiert.
(mit freundlicher Genehmigung aus "Unsere Jagd" 2/2000)
http://www.ljv-hessen.de/service9.html
Vogel-Mami
22. June 2005, 20:25
Bericht im Deutschlandfunk (http://www.dradio.de/aod/html/?station=1&day=21&month=06&year=2005&page=4)
mit Originalstimmen/-zitaten von Staatssekretär Gerd Lindemann, Professor Klaus Pohlmeyer und dem Leiter des Instituts für Vogelforschung «Vogelwarte Helgoland», Franz Bairlein:
--> Nr. 38, abzupielen mit dem Windows Media Player o.ä.
(evt. erst in die eigenen Dateien speichern!)
Vogel-Mami
22. June 2005, 20:27
Für Forschungsprojekt der TiHo bereits 10.000 Rabenvögel getötet
20.06.2005
Rund 10.000 Rabenkrähen und Elstern sind im niedersächsischen Kreis Leer für ein Forschungsprojekt der Tierärztlichen Hochschule Hannover gefangen und getötet worden.
Im Rahmen des Projektes, das den Einfluss von Rabenvögeln auf die Bestandsentwicklung von Wiesenbrütern untersucht, habe man seit 10 Monaten Rabenkrähen gefangen und getötet, sagte am Montag Projektleiter Andreas Grauer. In den ersten fünf Monaten habe man 5.057 Rabenkrähen und 526 Elstern gefangen. In den zweiten fünf Monaten seien es nicht wesentlich weniger gewesen.
Der Leiter des Instituts für Wildtierforschung der Hochschule, Professor Klaus Pohlmeyer, betonte nach Abschluss des so genannten "Krähengipfel", einem wissenschaftlichen Symposium, dass den Vögeln ein tierschutzgerechtes Ende bereitet worden sei. Die mit speziellen Fallen gefangenen Tiere würden nachts mit einer Lampe geblendet, ergriffen umd "mit einem Rundholz durch Zerschmettern der Hirnkalotte" getötet, sagte Pohlmeyer.
Nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums ist die Zukunft des Projektes offen. Über Fortsetzung, Modifizierung oder Beendigung werde man nach Auswertung des Symposiums entscheiden, sagte Agrar-Staatssekretär Gert Lindemann. Bislang ist vorgesehen, insgesamt drei Jahre lang Krähen im Kreis Leer zu töten.
Vogel-Mami
22. June 2005, 20:29
Nordwest__________________________________________________ ___________________21.06.2005
12000 Krähen bereits getötet
Hannover (jd-Eb.)
Vor der Tür des Umweltministeriums protestierten Vogelschützer: Das "sinnlose Abschlachten von Rabenvögeln" in Ostfriesland müsse endlich beendet werden, forderten sie am Montag, während drinnen Wissenschaftler Für und Wider des umstrittenen Projekts im Landkreis Leer diskutierten.
Das Institut für Wildtierforschung an der Tiermedizinischen Universität Hannover (TiHo) will herausfinden, ob sich die gefährdeten Bestände von Wiesenvögeln und Feldbrütern wie Kiebitzen und Uferschnepfen erholen, wenn es weniger Rabenvögel gibt. Bis zu 12000 Rabenkrähen und Elstern sind nach Angaben der Projektleiter in zehn Monaten getötet worden - rund die Hälfte der Population im Landkreis Leer, zählt man die in diesem Zeitraum neu geborenen Tiere nicht mit.
Kritiker wie der Naturschutzbund NABU und der Tierschutzbund blieben der Anhörung fern. Das Landwirtschaftsministerium sei an einem ergebnisoffenen Diskurs nicht interessiert, sagen sie. Staatssekretär Gerd Lindemann betonte hingegen, es werde erst im Juli entschieden, ob die Versuche wie geplant oder mit einem "neuen Untersuchungsansatz" fortgeführt oder sogar ganz eingestellt werden. Umstritten blieb, ob es vor allem die Raben sind, die den Bestand der Wiesenvögel verringern. Franz Bairlein vom Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven bezweifelte dies; auch der Verlust von Lebensraum etwa durch Straßenbau und Landwirtschaft sei dafür verantwortlich.
Projektleiter Professor Klaus Pohlmeyer verteidigte die Massentötungen, die mit einem "Abschlachten" nichts zu tun hätten. In speziellen Fallen würden die Tiere mit starkem Licht geblendet und dann mit einem "Rundholz" durch gezielte Schläge auf den Kopf getötet; diese an sich verbotene, für das Projekt aber genehmigte Tötungsart berücksichtige den Tierschutz.
Vogel-Mami
22. June 2005, 20:33
http://www.haz.de/bilder/haz_ueberschrift.jpg
10.000 Krähen und Elstern für die Wissenschaft getötet
Rund 10.000 Rabenkrähen und Elstern sind im niedersächsischen Kreis Leer für ein Forschungsprojekt der Tierärztlichen Hochschule Hannover gefangen und erschlagen worden. Im Rahmen des Projektes, das den Einfluss der Krähen auf die auf Wiesen brütenden Vögel untersucht, habe man bislang 10 Monate lang Rabenkrähen gefangen und getötet, sagte am Montag Projektleiter Andreas Grauer. In den ersten fünf Monaten habe man 5.057 Rabenkrähen und 526 Elstern gefangen. In den zweiten fünf Monaten, die man noch genauer ausgewerten müsse, seien es nicht wesentlich weniger gewesen.
Der Leiter des Instituts für Wildtierforschung der Hochschule, Professor Klaus Pohlmeyer, betonte nach einem wissenschaftlichen Symposium zu dem umstrittenen Projekt, dass den Vögeln ein tierschutzgerechtes Ende bereitet werde. Die mit speziellen Fallen gefangenen Tiere würden nachts mit einer Lampe geblendet, ergriffen umd „mit einem Rundholz durch Zerschmettern der Hirnkalotte“ getötet, sagte Pohlmeyer.
Umstritten war auf dem Symposium, zu dem das niedersächsische Landwirtschaftministeriums eingeladen hatte, ob eine Reduzierung der Bestände an Krähen und Elstern tatsächlich zum Schutz auf Wiesen brütender Vögel wie Kiebitz, Uferschnepfe oder Austernfischer beiträgt. Fachleute des niedersächsischen Umweltministeriums und Wildbiologen der Tierärztlichen Hochschule gingen von einen Zusammenhang zwischen Vermehrung der Krähen und Abnahme der Wiesenbrüterbestände aus. Dem widersprach der Leiter des Instituts für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“, Franz Bairlein.
Nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums, das die Forschungen aus Mitteln einer Jagdabgabe finanziert, ist die Zukunft des Projektes offen. Über Fortsetzung, Modifizierung oder Stopp werde man nach Auswertung des Symposiums entscheiden, sagte Agrar-Staatssekretär Gert Lindemann. Bislang ist vorgesehen, insgesamt drei Jahre lang Krähen im Kreis Leer zu töten.
Der Deutsche Tierschutzbund und der Naturschutzbund, die ebenfalls eingeladen waren, blieben dem Symposium fern.
Am Rande der Veranstaltung demonstrierten Vertreter eines Vogelschutz-Komitees gegen das „Abschlachten von Rabenvögeln in Ostfriesland“.
Vogel-Mami
23. June 2005, 01:35
(Auszüge (http://www.tukan-world.de/board/showpost.php?p=26403&postcount=34))
1. Lt. Jagdbericht Niedersachsen für das Jahr 2003 war in den vier Regierungsbezirken eine Gesamtstrecke von 85.736 Rabenkrähen gemeldet. Um die Fallwildzahlen (633) bereinigt ergibt sich daraus eine Zahl von 85.103 Abschüssen. Die Gesamtfläche des Bundeslandes Niedersachsen beträgt 47.616 qkm (= 4.760.000 ha).
http://www.arcor.de/palb/alben/94/3886494/1152_6439323237366637.jpg
Der RBZ Weser-Ems verfügt über eine Fläche von 14.965 qkm (= 1.496 500 ha)
Die flächenbezogene Abschusszahl für beispielsweise den RBZ Weser-Ems betrug also im Jahr 2003 = 3,09 Rabenkrähen / 100 ha.
2. Entwicklung der Brutpaardichte (Bp-Dichte) von Rabenkrähen in Niedersachsen von 2000-2004:
http://www.arcor.de/palb/alben/94/3886494/1152_3563366563333761.jpg
3. Durchschnittliche BP-Dichte von Rabenkrähen in Niedersachsen von 2000-2004:
http://www.arcor.de/palb/alben/94/3886494/1152_6631393931323137.jpg
Vogel-Mami
25. June 2005, 00:33
Feldversuch: 16 000 Rabenvögel erschlagen
Hannover - Im niedersächsischen Landkreis Leer sind binnen 16 Monaten 16 000 Rabenkrähen und Elstern gefangen und erschlagen worden. Das ist die Hälfte des Bestandes. Ein Treffen von Fachleuten gestern in Hannover hat die Diskussion zwischen Tierschützern und Jägerschaft darüber nicht entschärfen können, ob das ein notwendiger wissenschaftlicher Versuch oder ein sinnloses Abschlachten ist.
Letzteres behaupten Tierschützer und haben ihre Experten gar nicht erst zu dem Treffen geschickt, das vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium organisiert worden war.
Staatssekretär Gert Lindemann bestritt nicht, daß selbst ohne kritische Tierschutzexperten die Meinungen der Fachleute darüber weit auseinandergingen, ob die Tötung mit dem Knüppel in Lebendfallen das richtige Mittel ist. Schon in der Frage, wie sehr Rabenvögel kleine und im Bestand gefährdete Wiesenbrüter wie Austernfischer, Kiebitz und Rotschenkel, aber auch den Nachwuchs von Feldhasen und Rebhühnern dezimieren, gingen die Meinungen auseinander.
Prof. Klaus Pohlmeyer von der Tierärztlichen Hochschule Hannover pocht auf das dreijährige Projekt, um diesen Fragen nachzugehen. Er verteidigt auch die Jagdmethode mit Fallen, in die die Vögel geködert werden. Darin werden sie erschlagen. Ein Abschuß der Vögel wäre schwer und reichte nicht aus, ein weiteres Wachstum der Kolonien zu verhindern.
Bis August will das Landwirtschaftsministerium zwischen drei Möglichkeiten entscheiden: Der Versuch geht weiter wie bisher, wird wissenschaftlich erweitert oder abgebrochen.
fert
erschienen am 21. Juni 2005
Vogel-Mami
25. June 2005, 01:55
Leer/Hannover: Hälfte der Leeraner Raben getötet
Etwa 12000 der Vögel mit dem Knüppel erschlagen
dpa Leer/Hannover. Seit Beginn der umstrittenen Krähentötungen im Landkreis Leer 2004 sind dort mehr als die Hälfte aller Rabenvögel umgebracht worden. „Nach bisherigen Schätzungen sind das rund 12 000 Vögel“, sagte Projektleiter Andreas Grauer. Im Umweltministerium berieten am Montag Wissenschaftler und Tierschützer über das Forschungsprojekt des Instituts für Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover. Man will herausfinden, ob sich die Bestände etwa von Kiebitzen, Rebhühnern sowie Uferschnepfen erholen, wenn es weniger Raben gibt. Viele Kritiker blieben der Diskussion fern. Umstritten ist vor allem die Methode: Die Vögel werden erst in Fallen gefangen, dann erschlagen.
Mehr dazu lesen Sie auf Seite 9 der gedruckten Ausgabe der Ostfriesischen Nachrichten vom Dienstag, 21. Juni 2005.
Vogel-Mami
25. June 2005, 04:48
Niedersächsischer Landtag
Hannover, den 22. April 2005
(Auszug)
Massentötung von Rabenvögeln im Landkreis Leer - eine „wissenschaftlich begleitete Feldstudie“?
Meta Janssen-Kucz (GRÜNE):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren!
Massentötung von Rabenvögeln im Landkreis Leer -eine „wissenschaftlich begleitete Feldstudie“?
Schon im zweiten Jahr werden im Landkreis Leer im Rahmen einer von der Tierärztlichen Hochschule - Institut für Wildtierforschung - wissenschaftlich begleiteten und gemeinsam mit der Jägerschaft Leer durchgeführten so genannten Feldstudie Rabenvögel in Käfigfallen gefangen und dann erschlagen. Die auf drei Jahre angelegte Studie „Krähen- und Elsternfang im Landkreis Leer“ und dieses Vorgehen stoßen in der Bevölkerung und bundesweit in Presse und Fachwelt auch in diesem Jahr wieder auf Proteste und Unverständnis.
Ein monokausaler Zusammenhang zwischen Rabenvogelbeständen und dem Rückgang der Bestandsdichte wiesenbrütender Vogelarten, wie er als Annahme dieser „Feldstudie“ zugrunde liegt, wurde bereits durch Erkenntnisse aus anderen Studien ausgeschlossen. Trotz anhaltender, ernst zu nehmender, fachlich begründeter Kritik an Methodik und Zielsetzung der Studie unterstützt die Landesregierung offensichtlich weiter die nicht zu rechtfertigende Tötung von Rabenvögeln im Landkreis Leer.
Ich frage die Landesregierung:
1. Welche Zwischenergebnisse des Projektes „Krähen- und Elsternfang im Landkreis Leer“ in Hinsicht auf die Anzahl der gefangenen bzw. getöteten Rabenvögel einschließlich „Beifang“ wie Raubvögel und andere geschützte Vogelarten liegen ihr vor?
2. Welche Stellungnahmen mit welchem Inhalt haben Behörden des Landes, wie etwa das inzwischen aufgelöste NLÖ, der Projektträger Tierärztliche Hochschule Hannover und die Kreisjägerschaft Leer bzw. der Landkreis Leer im Rahmen der laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Aurich gegen Verantwortliche dieses Projektes abgegeben?
3. Welche Gründe kann die Landesregierung dafür anführen, dass sie trotz der zahlreichen kritischen Einwände gegen diese Feldstudie im Landkreis Leer an ihrer Unterstützung und Finanzierung dieser wissenschaftlich zweifelhaften Arbeit festhält?
Hans-Heinrich Ehlen, Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
In welchem Umfang Rabenkrähe und Elster als Beutegreifer - für Nichtjäger: Prädatoren - Einfluss auf die seit Jahren rückläufigen Populationen von Wiesenbrütern, wie Rebhühnern, sowie Hasen haben, ist umstritten und wird äußerst kontrovers diskutiert. Der Anteil von Rabenkrähen und Elstern an den Prädationsverlusten wird in vorliegenden Untersuchungen als erheblich eingestuft. Nachtaktive Prädatoren und durch die Landwirtschaft veränderte Lebensbedingungen sind weitere Einflussfaktoren.
Im Landkreis Leer findet seit Februar 2004 ein vom Landkreis genehmigtes Forschungsprogramm statt, mittels dessen wissenschaftlich analysiert und dokumentiert werden soll, ob mit dem „Norwegischen Krähenfang“ eine deutliche Bestandsreduzierung von Rabenkrähen und Elstern großflächig zu erzielen ist.
Das Projekt ist eine Kooperation des Instituts für Wildtierforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover und der Jägerschaft Leer und findet im Einvernehmen mit dem Niedersächsischen Umweltministerium die Zustimmung des Niedersächsischen Ministeriums für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.
Die vorgesehene Laufzeit beträgt drei Jahre, ein erster Zwischenbericht liegt seit März 2005 vor, der Schlussbericht ist für das Frühjahr 2007 vorgesehen. Die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen werden eingehalten.
Parallel zu der Fangaktion erfolgt seit 2000 eine Horst- und Brutkartierung, um die Dichte der Rabenkrähenpopulation möglichst umfassend über einen längeren Zeitraum zu ermitteln.
Da sich Gegner und Befürworter des Projekts mit Unterstützung der Medien heftige Diskussionen liefern, die zum Teil sehr emotional geführt werden, beabsichtigt das Niedersächsische Ministerium für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gemeinsam mit dem Umweltministerium, noch vor der Sommerpause zu einem wissenschaftlichen Diskurs einzuladen, an dem Wissenschaftler aus den verschiedensten Bereichen, u. a. auch auf Vorschlag von Tierschutz- und Umweltverbänden, teilnehmen. Ziel ist eine sachliche und ergebnisoffene Diskussion des Projekts, aus der gegebenenfalls auch Anregungen für das weitere Vorgehen gewonnen werden können.
Dies vorausgeschickt beantworte ich die Fragen für die Landesregierung wie folgt:
Zu Frage 1:
Der bislang erfasste Fangzeitraum endet mit dem Monat Oktober 2004. Die Summe der Fangergebnisse beläuft sich auf 5 057 Rabenkrähen und 526 Elstern. Als Beifang waren vorhanden: 101 Saatkrähen, 113 Dohlen, 19 Eichelhäher, 18 Mäusebussarde, 7 Habichte, 2 Sperber, 2 Turmfalken, 5 Eulen. Das entspricht einem Anteil von 4,8 % des Gesamtfangs. Der Beifang ist in gesundem Zustand wieder freigelassen worden, die Greife und Eulen wurden zuvor noch beringt.
Zur Frage 2:
Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Aurich wurde die Bezirksregierung Weser-Ems zu einer Stellungnahme aufgefordert. Diese wurde aber wegen der Behördenauflösung nicht mehr erstellt.
Im Nachgang ist das LAVES - Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit - zu einer Stellungnahme gebeten worden.
Die Staatsanwaltschaft Aurich verzichtet auf Stellungnahmen von den Projektbeteiligten Tierärztliche Hochschule, Landkreis Leer und Jägerschaft Leer. Es liegt jedoch eine Stellungnahme der JägerschaftLeer vor. Außerdem hat das inzwischen aufgelöste NLÖ eine weitere Stellungnahme auf Anforderung der Staatsanwaltschaft Hannover abgegeben. Die darin geäußerte Auffassung wird vom Umweltministerium nicht geteilt. Das NLÖ war weder für Tierschutzfragen zuständig, noch gehörte es zu seinen Aufgaben, Ermessensentscheidungen anderer Behörden im Rahmen von Genehmigungsverfahren einer rechtlichen Bewertung zu unterziehen.
Zur Frage 3:
Es muss richtig gestellt werden, dass diese Feldstudie nicht mit Steuermitteln finanziert wird. Das Projekt wird gefördert mit einer zweckgebundenen Zuwendung aus den Jagdscheingebühren.
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die Höhe der Prädationsverluste bei Wiesenvögeln durch Rabenkrähe und Elster Literaturangaben zufolge 10 % bis 70 % betragen. Niemand beabsichtigt im Übrigen, die Rabenvögel auszurotten. Das wäre nach dem Jagdrecht auch strafbar. Die Fluchtdistanz dieser Vögel ist aber so hoch, dass der Bestand in diesen Gebieten nicht entscheidend mit der Waffe reduziert werden kann. Bei einer weiteren Abnahme der Wiesenbrüter steht trotz Biotop verbessernder Maßnahmen und gezielter Bejagung des Raubwildes deren Existenz auf dem Spiel.
Ohne Vorliegen überzeugender, anders lautender wissenschaftlicher Erkenntnisse aus dem oben genannten Diskurs beabsichtigt die Landesregierung, dem Projekt nicht vorzeitig die finanzielle Förderung zu entziehen, zumal der wissenschaftliche Beirat der Tierärztlichen Hochschule auch nach intensiver Befassung keinerlei Zweifel an der Wissenschaftlichkeit der Untersuchung geäußert hat.
Hans-Jürgen Klein (GRÜNE):
Die verwendeten Fallentypen sind europaweit aus Tierschutzgründen verboten, in Deutschland meines Wissens seit 30 Jahren. Meine Frage ist: Warum ist das so? Oder anders ausgedrückt: Wie funktionieren diese Fallen, und auf welche Art und Weise werden die Krähen dann ins Jenseits geschickt?
Hans-Heinrich Ehlen, Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
Herr Kollege Klein, es ist sicherlich schwierig, in Worte zu kleiden, wie so ein Ding funktioniert. Für Laien: Es ist eigentlich eine große Voliere mit einem Eingang, durch den die Krähen hineinsteigen, aber nicht wieder hinausfinden. Ich weiß das nicht anders darzustellen. Es ist ein großer Drahtkasten, einfach gesagt.
Ursula Helmhold (GRÜNE):
Ich nehme nicht an, dass in den Volieren darauf gewartet wird, dass die Krähen verhungern. Insofern bitte ich darum, dass der zweite Teil der Frage meines Kollegen beantwortet wird: Wie werden die Krähen dort ins Jenseits befördert?
Hans-Heinrich Ehlen, Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
Frau Helmhold, die Tiere werden mit einem Stockschlag getötet, wobei die Schädeldecke zertrümmert wird.
Meta Janssen-Kucz (GRÜNE):
Herr Minister, ich möchte noch einmal auf die Zahlen zurückkommen. Sie sprachen von 5 850 gefangenen Vögeln. Das haben Sie hier eben dargetan. Sie haben auch sehr detailliert dargestellt, wie der Beifang aussieht. Ich möchte dazu aus einem Interview mit Herrn Grauer von der Tierärztlichen Hochschule in der Ostfriesen-Zeitung vom 9. April zitieren. Dort steht: „Dass bis jetzt keine genaueren Zahlen vorliegen, begründet Grauer mit dem langsamen Rücklauf der Meldebögen. Er will aber nicht ausschließen, dass es bis Ende März an die 10 000 Rabenkrähen und Elstern gewesen sind, die getötet wurden.“ Können Sie die Zahlen von Herrn Grauer bestätigen?
Hans-Heinrich Ehlen, Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
Frau Kollegin Janssen-Kucz, nach dem Programm gibt es zwei Abgabetermine für die Meldebögen. Der eine Termin ist Ende Oktober, der andere Ende März. Die von Ihnen eben genannten Zahlen, die natürlich noch nicht bestätigt sind, könnten richtig sein. Aber das sind jetzt Spekulationen, die ich nicht so genau nachvollziehen kann. Der offizielle Bericht, den wir vorliegen haben, endet mit der Meldung Oktober 2004. Der nächste Bericht für Ende März 2005 wird dann sicher die Zahlen umfassen.
Hans-Joachim Janßen (GRÜNE):
Eine der zentralen Fragen des Projekts ist die Frage nach der tatsächlichen Wissenschaftlichkeit dieses Projekts. Sie sprachen gerade davon, dass bis zu 70 % der Prädationsverluste auf Rabenkrähen und Elstern zurückzuführen seien. Aus dem nicht ganz weit entfernten Landkreis Wesermarsch werden z. B. seit vielen Jahren Untersuchungen auch mit Thermologgern durchgeführt. Diese sind zum Ergebnis gekommen, dass die Gelegeverluste durch Rabenkrähen bei 7 % bis 10 % liegen.
Vor dem Hintergrund frage ich die Landesregierung, ob im Zusammenhang mit diesem Projekt untersucht wurde, wie das Prädationsverhalten bei den Wiesenbrütern im Landkreis Leer bzw. in den betroffenen Projektgebieten ist und welchen Anteil die landwirtschaftliche Nutzung an den Gelegeverlusten in den Bereichen hat.
Hans-Heinrich Ehlen, Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
Ich fange mit der Antwort auf die zweite Frage an. Es ist eigentlicher Sinn dieser wissenschaftlichen Studie festzustellen, welche Prädatoren die größten Anteile haben. Dazu gehört neben diesem Fang natürlich auch die Feststellung auf anderen Wegen. Von der Landesjägerschaft werden die Wildtiere erfasst, in der auch Wiesenbrüter mit aufgeführt worden sind.
Zu Ihrer ersten Frage. Das gibt uns natürlich zu denken. Das ist auch Anlass dafür, dass diese Forschungen weitergeführt werden müssen. Das weite Spektrum von 10 % bis 70 % zeigt uns, dass man sehr wenig über die Geschehnisse in der Natur weiß, was Rabenvögel und Wiesenbrüter anbelangt. Aus diesem Grunde sind letztendlich diese wissenschaftlichen Forschungen angeschoben worden, um mehr Klarheit zu bekommen.
Ulf Thiele (CDU):
Frau Präsidentin! Verehrte Damen und Herren!
Ich stelle meine Frage vor dem Hintergrund einer Aussage des früheren Ministers für Landwirtschaft, Bartels, vom 14. März 2001. Im Zusammenhang mit der Aufnahme der Rabenkrähen und Elstern in den Katalog der in Niedersachsen jagdbaren Vogelarten hat er die Jäger in seiner Rede verpflichtet, zum Schutz der bedrohten Tierarten, insbesondere bedrohter Vogelarten, die Bestände der Rabenkrähen zu regulieren. Ich frage hier in Erinnerung an unsere ehemalige Kollegin Hedwig Pruin - das will ich an dieser Stelle betonen -die Landesregierung und insbesondere, wenn erlaubt, den Umweltminister, ob die Landesregierung die Position teilt, die der damalige Minister geäußert hat, und ob es seit 2001 weitere Erkenntnisse in der Frage der Notwendigkeit der Regulierung der Rabenvögelbestände aus Gründen des Artenschutzes gibt.
Hans-Heinrich Sander, Umweltminister:
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Ich kann bestätigen, dass die damalige Landesregierung - bis auf die Grünen wird das hier im Hause ja auch einheitlich vertreten - eine gute und kluge Entscheidung damit getroffen hat, die Rabenkrähen wieder bejagen zu lassen. Meine Damen und Herren, damit hat die Landesregierung im Grunde genommen eine Entscheidung korrigiert. Sie hat jetzt ein Vorsorgeprinzip eingeführt. Meine Damen und Herren von den Grünen, Sie sind sonst doch immer so für Vorsorge. Die Entscheidung von damals, als man glaubte, durch ein Feuchtgrünlandprogramm die Population der Wiesenvögel verbessern zu können, hat man zurücknehmen müssen. Sie war einfach falsch. Man hat sehr schnell herausgefunden, dass nicht nur Säugetiere, also z. B. der Fuchs, erheblich dazu beitragen, dass die Population der Wiesenvögel zurückging, sondern insbesondere auch die Beutegreifer. Daher hat man, obwohl man viel Geld in das Feuchtgrünlandprogramm gesteckt hat, diesen Versuch mit unterstützt. Ich meine, wir müssen ihn auch zu Ende führen, um gerade diese bedrohten Wiesenvogelarten, die auf der Roten Liste stehen, in ganz Niedersachsen wieder zu stärken. Es betrifft ja nicht nur die Feuchtgrünlandgebiete an der Küste, sondern im ganzen Land.
Andreas Meihsies (GRÜNE):
Frau Präsidentin!
Vor dem Hintergrund, dass der Naturschutzbund Niedersachsen im Februar eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim MWK eingereicht hat, frage ich die Landesregierung, wie dort der Stand der Bearbeitung ist und wie die Landesregierung diese Dienstaufsichtsbeschwerde beurteilt.
Hans-Heinrich Ehlen, Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
Herr Kollege Meihsies, wir haben ein Schreiben eines Mitglieds des NABU erhalten, in dem steht, dass wir diese Forschung unbedingt fortsetzen sollten. Außerdem ist im Landkreis Coesfeld im Nachbarland Nordrhein-Westfalen dieser „Norwegische Krähenfang“ für ähnliche Erhebungen unter der Führung der Grünen-Ministerin Höhn selbst eingesetzt worden.
Ina Korter (GRÜNE):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren!
Der Landkreis Leer hat zur Auflage gemacht, dass die dort aufgestellten Fallen zweimal am Tag kontrolliert werden, und zwar mittags und abends vor Einbruch der Dunkelheit. Bei mehr als 200 aufgestellten Fallen ist das ein enormer Aufwand für die Jagdpächter. Ich frage die Landesregierung: Wie wurden diese Auflagen kontrolliert?
Hans-Heinrich Ehlen, Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
Frau Kollegin Korter, die Fangbögen werden mit Uhrzeiten versehen. Sie müssen beim Landkreis Leer gemeldet werden.
Filiz Polat (GRÜNE):
Frau Präsidentin!
Herr Minister, Sie rechtfertigen das Projekt in Leer zum Erhalt der Wiesenbrüter damit, dass dort staatliche Mittel nicht sinnvoll eingesetzt sind, wenn nicht parallel dazu Prädatorenmanagement durchgeführt wird. Ich frage die Landesregierung bzw. speziell Sie, Herr Minister: Mit welchen Mitteln sind welche Projekte im Landkreis Leer zum Erhalt der Wiesenbrüter durchgeführt worden?
Hans-Heinrich Ehlen, Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
Wir haben seit 2002 allein für ein Programm für Wiesenbrüter im Landkreis Leer 325 000 Euro aufgewendet.
Dorothea Steiner (GRÜNE):
Frau Präsidentin!
Ich möchte noch einmal etwas zu der Auseinandersetzung um die Wiesenbrüter fragen. Herr Minister Ehlen selbst sagte ja, „um die nahe liegende These zu beleuchten, dass die Rabenkrähen mit für das Verschwinden der heimischen bodenbrütenden Vögel verantwortlich seien,“ müsse man das mit diesem Versuch jetzt wissenschaftlich untersuchen. Angesichts dessen frage ich Sie: Welche längerfristigen schon vorher vorliegenden Bestandserfassungen mit welchen Ergebnissen zu Wiesenbrütern, Hasen und Rabenvögeln liegen für den Landkreis Leer vor und stehen als Vergleichsdaten zur Verfügung, um das laufende Rabenvögeltötungsprojekt tatsächlich wissenschaftlich evaluieren zu können?
Hans-Heinrich Ehlen, Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
Frau Steiner, als Grundlage gelten für uns die seit 15 Jahren von der Landesjägerschaft durchgeführten Zählungen. Das Problem, das hier gelöst werden soll, ist, die Population der Rabenkrähen in nennenswerten Größenordnungen einfacher und - ich sage jetzt einmal - tierschutzgerechter zu minimieren. Das ist der oberste Grundsatz, nach dem das erforscht werden soll. Wir müssen feststellen, dass wir das allein durch die Bejagung mit der Flinte nicht schaffen. Anhand von Zahlen aus den vergangenen Jahren haben wir einen Faktor der Vermehrung von 2,3 festgestellt. Mit dem alten jagdlichen Mittel, nämlich der Flinte, kann dieser Faktor letztendlich nur auf 1,8 reduziert werden. Das bedeutet, dass wir vom Faktor 1,8 bis zum Faktor 2,3 eine jährliche Erhöhung des Rabenkrähenbestandes feststellen müssen. Von daher sagen wir ganz klar: Wir kommen mit der einfachen Bejagung mit der Flinte nicht aus.
Zudem - auch das wurde festgestellt - hat z. B. der Goldregenpfeifer die Region, in der dieses Befangen jetzt stattfindet, seit Jahren verlassen. Dort gibt es nur noch sehr wenige. Sie haben sich aus dieser Region bereits zurückgezogen, weil die Rabenkrähenpopulation so hoch war.
Professor Dr. Hans-Albert Lennartz (GRÜNE):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich vermute, dass ich jetzt eine Frage stelle, die auch die CDU-Fraktion schon immer gerne stellen wollte.
(Lachen bei der CDU)
- Das werden wir ja gleich sehen. - Der Landkreis Leer hat im Rahmen seiner Genehmigung für den Einsatz dieser Fallen u. a. die Auflage erteilt, dass die Jagdrevierinhaber gegenüber der Öffentlichkeit keine Aussagen zum Projekt und zum Fangvolumen machen dürfen. Ich frage die Landesregierung, ob sie es für gerechtfertigt hält, dass eine Behörde, in diesem Fall der Landkreis Leer, ein solches Sprachverbot für ca. 200 Personen in diesem konkreten Fall erteilt hat.
Hans-Heinrich Ehlen, Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
Herr Kollege Lennartz, es gibt eine interne Absprache innerhalb der Jägerschaft, dass keine Einzelzahlen herausgegeben werden. Der Landkreis Leer hat letztendlich verfügt, dass diese Zahlen gebündelt und dann auch gebündelt veröffentlicht werden.
Enno Hagenah (GRÜNE):
Ich frage die Landesregierung, welche Gründe seinerzeit dazu geführt haben, dass das hier angewendete Fangverfahren nach dem Tierschutzgesetz verboten wurde, was diesem Fall, der Wissenschaftlichkeit wegen, aber offensichtlich nicht gilt, was wiederum dazu geführt hat, dass es genehmigt werden konnte.
Hans-Heinrich Ehlen, Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
Herr Kollege Hagenah, es ist in der Tat so, dass dieser „Norwegische Krähenfang“ für den normalen Einsatz verboten ist, zu wissenschaftlichen Zwecken diese Methode aber ausdrücklich genehmigt wird.
(Ursula Helmhold [GRÜNE]: Das kennen wir ja vom Walfang!)
Ulrike Schröder (CDU):
Frau Präsidentin!
Ich frage die Landesregierung: Wurden wissenschaftliche Begleituntersuchungen zum Einfluss von Beutegreifern auf Wiesenvogelbestände von der Naturschutzverwaltung in Auftrag gegeben?
Hans-Heinrich Sander, Umweltminister:
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Die Frage kann ich mit Ja beantworten. Die Vorgängerregierung hat in der Stollhammer Wisch eine wissenschaftliche Begleituntersuchung mit in Auftrag gegeben. Diese Untersuchung hat zu dem Ergebnis geführt, dass die Annahme falsch war, durch Programme, späteres Mähen usw. könne man die Population wieder vergrößern. Daraufhin hat man den Sachverstand der örtlichen Jäger und Naturschützer wieder mehr genutzt. Es ist ganz interessant, dass man seitens der Wissenschaft da etwas zurückgenommen hat.
Man hat erkannt, dass große Summen für Subventionen ausgegeben und fehlgeleitet wurden. Nachdem alle an dem Projekt beteiligt wurden, hat man festgestellt, dass durch eine gezielte Bejagung eine Reduzierung möglich ist und dadurch auch die Wiesenbrüter wieder eine Chance haben und die Niedersachsen sich wieder an ihnen erfreuen können.
Ralf Briese (GRÜNE):
Die Landesregierung rechtfertigt diesen angeblichen wissenschaftlichen Versuch mit dem Schutz des Singvogelbestandes in der Region. Nun möchte ich gerne wissen: Wie kommt es, dass gerade die Verbände, die sich seit Jahren für einen anwachsenden Bestand oder für den Schutz der Singvogelpopulation in diesen Regionen stark machen, nämlich der NABU, der BUND, die Deutsche Ornithologische Gesellschaft und die Ostfriesische Ornithologische Vereinigung, nun vehement Stellung dagegen beziehen? Gerade diejenigen Gruppen, die sich immer für den Bestand der Singvögel in dieser Region stark gemacht haben, ziehen gegen Sie zu Felde. Warum machen die das?
Hans-Heinrich Ehlen, Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
Herr Kollege Briese, was Sie vorgetragen haben, ist sehr unlogisch.
Ich weiß auch nicht, welche Emotionen Einzelne dazu veranlassen, jetzt gegen mich oder gegen diese Studie zu Felde ziehen. Letztendlich ist es eine wissenschaftliche Studie, die die Jägerschaft gemeinsam mit der TiHo durchführt. Wenn ich die Zuschriften, die ich als Minister erhalte, betrachte, kann ich sagen, dass sich schätzungsweise 30 bis 40 Zuschriften - ich habe sie nicht genau gezählt - gegen die Studie aussprechen, während über 1 000 fordern, die Studie zu Ende zu führen, damit wir endlich einmal wissenschaftlich fundierte Zahlen bekommen.
Andreas Meihsies (GRÜNE):
Frau Präsidentin!
Meine Frage ist nicht beantwortet worden. Ich wiederhole sie, weil der Briefverkehr des Herrn Ehlen mit irgendwelchen Privatpersonen nicht das Thema meiner Frage war. Ich frage noch einmal konkret: Dem MWK liegt eine Dienstaufsichtsbeschwerde des Landesverbandes Niedersachsen des Naturschutzbundes vor. Wie ist der Stand der Bearbeitung? Welchen Inhalt hat diese Dienstaufsichtsbeschwerde? Ich bitte um Beantwortung dieser Fragen.
Lutz Stratmann, Minister für Wissenschaft und Kultur:
Es ist in der Tat richtig, dass eine Dienstaufsichtsbeschwerde bei uns eingegangen ist. Damit ich jetzt aber nichts sage, was mit dem Sachstand nicht übereinstimmt, bitte ich um Verständnis dafür, dass ich Ihnen den derzeitigen Sachstand schriftlich mitteile. Ich kann Ihre Frage so aus dem Stegreif nicht beantworten.
Meta Janssen-Kucz (GRÜNE):
Ich frage die Landesregierung, ob sie der Meinung ist, dass die Bedingungen für die wissenschaftliche Durchführung noch gegeben sind. In der Genehmigung der TiHo war ursprünglich von 200 Fallen die Rede; mittlerweile sind aber nur noch 120 Fallen in Betrieb, also 80 Fallen weniger. Nach den Gründen für die Reduzierung der Fallen will ich nicht fragen. Ich weiß, dass einigen Jägern die Erlaubnis entzogen worden ist, weil sie ihrer Sorgfaltspflicht nicht nachkamen.
Hans-Heinrich Ehlen, Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
Kollegin Janssen-Kucz, bei Ihrer Frage müssen Sie auch berücksichtigen, inwieweit die Jägerschaft Leer überhaupt in der Lage ist, diesen Versuch so zu begleiten, wie es vorgeschrieben ist. Es ist schwierig, für 200 Fallen die notwendige Manpower, so möchte ich es einmal sagen, zur Verfügung zu stellen. Auch angesichts der vorher gestellten Fragen glaube ich, dass es wichtig und richtig ist, eine kleinere Zahl von Fallen aufzustellen und diese zweimal am Tag zu kontrollieren, als wenn man die Kontrollen wegen Personalmangel nicht leisten kann und dann Dinge geschehen, die nicht geschehen sollen. Die Reduzierung der Zahl der Fallen hat etwas mit der Zahl der Personen zu tun, die in dieses Projekt eingebunden sind.
Dorothea Steiner (GRÜNE):
Herr Minister Ehlen, alle geben an, das eigentliche Ziel der Studie sei die Erforschung der Rahmenbedingungen zum besseren Schutz von Wiesenbrütern. Ich frage die Landesregierung: Wie beurteilen Sie die Befürchtung, dass das eigentliche Projektziel dieser Studie auch sein kann, diese europaweit verbotenen Fallentypen in Deutschland rechtsverbindlich zu legalisieren?
Hans-Heinrich Ehlen, Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
Frau Steiner, diese Überlegung gibt es bei uns nicht. Wir müssen jetzt erst einmal das Ergebnis der Studie abwarten. Ich will noch einmal betonen - ich habe es vorhin schon einmal gesagt -, dass diese Fangmethode des „Norwegischen Krähenfangs“ auch in anderen Bundesländern zu wissenschaftlichen Zwecken eingesetzt wird. Ziel all dieser Studien ist die Beantwortung der Frage: Gibt es Möglichkeiten, mit anderen Methoden als mit der Schrotflinte die Zahl der Rabenkrähen zu dezimieren?
Ihre Frage könnte irgendwann einmal relevant werden; eine entsprechende Regelung müsste dann aber mit Sicherheit auf Bundesebene umgesetzt werden. Von daher gehe ich im Moment nicht davon aus, dass die von Ihnen angedeutete Denkrichtung bei der Studie zum „Norwegischen Krähenfang“ verfolgt wird.
Hans-Jürgen Klein (GRÜNE):
Unter Hinweis auf den Umstand, dass der Leiter des durchführenden Institutes identisch ist mit dem Vorsitzenden der Landesjägerschaft, gibt es den Vorwurf, dass es hier gar nicht um Artenschutz für Wiesenbrüter, sondern um die uralte Konkurrenz zwischen Jägern und Beutegreifern um das Niederwild geht. Wie will die Landesregierung diesem Vorwurf, jagdpolitische Zielsetzungen zu verfolgen, entgegentreten?
Hans-Heinrich Ehlen, Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
Herr Kollege Klein, wir sehen nirgendwo Querbindungen, denn dieses Projekt wurde vor der Amtszeit des jetzigen Jägerschaftspräsidenten genehmigt.
(Hans-Jürgen Klein [GRÜNE]: Da war er Stellvertreter!)
Filiz Polat (GRÜNE):
Frau Präsidentin!
Herr Minister, bis zu 100 % der Gelege werden durch landwirtschaftliche Nutzung, insbesondere durch Schleppen und Walzen, zerstört. Herr Sander, Sie haben gerade in Ihren Äußerungen deutlich gemacht, dass das Feuchtwiesenprogramm falsch bzw. überflüssig war. Heißt das, dass dieses Programm eingestellt wird?
Hans-Heinrich Sander, Umweltminister:
Frau Präsidentin!
Sehr geehrte Frau Polat, das Feuchtgrünlandprogramm war nicht falsch. Wir führen es ja auch fort. Es musste nur ergänzt werden. Man hatte ja geglaubt, dass man das allein mit einem solchen Programm regeln könnte. Das war aber falsch. Denn es ist festzustellen, dass hauptsächlich die Beutegreifer dafür verantwortlich sind. Ihre Aussage, dass diese Gelege bis zu 100 % durch Walzen, Schleppen oder Striegeln zerstört werden, ist absolut nicht richtig.
Annette Schwarz (CDU):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren!
Angesichts der hier laufenden Diskussion frage ich die Landesregierung: Wie bewertet sie generell die Aufforderung von Bündnis 90/Die Grünen, nur aufgrund der öffentlich laufenden Kampagne, aufgrund von Annahmen und Vermutungen ein wissenschaftlich fundiertes Forschungsprojekt einzustellen?
Hans-Heinrich Ehlen, Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
Die Landesregierung nimmt Forschung und Lehre in Niedersachsen sehr ernst. Ich glaube, dass wir uns hier nicht so sehr den emotionalen Dingen zuwenden sollten. Wir brauchen diese wissenschaftlichen Untersuchungen, um Tierschutz und auch Wiesenbrüterschutz durchführen zu können. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen sollte sich einmal überlegen, ob sie sich damit letztendlich nicht selber disqualifiziert.
Ina Korter (GRÜNE):
Am 30. Mai soll ein Experten- und Expertinnengespräch zum Krähenprojekt stattfinden. Ich frage die Landesregierung: Herr Minister Ehlen, Herr Minister Sander, wer wird zu diesem Expertengespräch eingeladen?
Hans-Heinrich Ehlen, Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
Es ist ein wissenschaftlicher Diskurs geplant, zu dem alle eingeladen sind, die sich bislang von der wissenschaftlichen Seite zu diesem Thema geäußert haben: aus den Reihen des Naturschutzes, des Tierschutzes, aber auch aus der Tierärztlichen Hochschule und anderen - ich sage mal - Instituten, die mit der Materie umgehen und etwas dazu zu sagen haben.
Ulf Thiele (CDU):
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Ich frage die Landesregierung, insbesondere den Umweltminister: Wie ewertet die Landesregierung die Tatsache, dass beispielsweise der NABU Nordrhein-Westfalen, aber auch Herr Dr. Helb, der Rabenkrähengutachter des Landes Rheinland-Pfalz, der als ausgewiesener Gegner des Forschungsprojektes im Landkreis Leer gilt, die ja so verteufelte „Norwegische Krähenfalle“ in der Vergangenheit selbst für eigene Projekte eingesetzt haben?
Hans-Heinrich Sander, Umweltminister:
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Herr Kollege Thiele, es ist richtig, Herr Dr. Helb hat diese Falle eingesetzt.
(Zuruf von den GRÜNEN: In welchem Umfang?)
Mir ist nicht erklärlich, warum es bei ihm jetzt zu einem Sinneswandel gekommen ist. Aber vielleicht darf ich noch ergänzen - wir haben in der Stollhammer Wisch schließlich schon Zwischenergebnisse -: Alleine in 2004 kamen 54 von 87 besenderten Kiebitzküken durch natürliche Feinde ums Leben. Das ist eine Verlustrate von 62 %. Wollen Sie, dass diese Küken weiterhin in diesem Ausmaß durch Beutegreifer vernichtet werden? - Wir nicht!
(Beifall bei der FDP und bei der CDU - Hans-Jürgen Klein [GRÜNE]: Wie kann man sich nur so disqualifizieren! - Weitere Zurufe von den GRÜNEN)
Stefan Wenzel (GRÜNE):
Herr Minister Ehlen, Sie haben eben abgestritten, dass es bei den Vorgängen in Leer auch um die Legalisierung eines Fallentyps geht, der nach der Europäischen Vogelschutzrichtlinie verboten ist. Wie können Sie es sich erklären, dass in den Projektzielen ausdrücklich die rechtsverbindliche Legalisierung der beiden Fallentypen in Niedersachsen, und zwar des „Norwegischen Krähenfangs“ und der „Larsen-Falle“, genannt ist?
Hans-Heinrich Ehlen, Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
Herr Kollege Wenzel, ich habe in einer vorherigen Antwort dargestellt, wie die Gesetzeslage momentan ist. Daran haben wir uns zu halten. Das europäische Recht sieht vor, dass Fallen für Vögel zur Abwendung von Schäden eingesetzt werden dürfen. Im Moment ist es aber nicht angestrebt, in Deutschland etwas zu verändern.
Dr. Gabriele Heinen-Kljajić (GRÜNE):
Herr Minister Ehlen hat hier eben vorgetragen, man wolle im Sommer einen Diskurs darüber führen, inwieweit dieses Projekt tatsächlich wissenschaftlich sei. Dieses Vorgehen ist im Zusammenhang mit einem Forschungsprojekt an einer Hochschule eher untypisch. Ich frage daher die Landesregierung, warum man sich diese Frage nicht vor Beginn des Projektes gestellt hat.
Hans-Heinrich Ehlen, Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
Ich weiß nicht, ob Sie das vorhin nicht richtig mitbekommen haben. Der wissenschaftliche Beirat hat dieses Projekt im Vorfeld als ein wissenschaftliches Projekt anerkannt. Da gibt es überhaupt kein Vertun. Was hier jetzt abläuft, ist eine Reaktion auf die Diskussionen in den Medien und auch hier im Hause. Ich bin sehr gespannt, was letztendlich dabei herauskommt. Vielleicht führt der wissenschaftliche Diskurs zu neuen Anregungen, die diese Forschungen dann eventuell befruchten oder begleiten. Darüber würde ich mich sehr freuen.
südwind
25. June 2005, 10:12
Gemeinsam Grillen und Rabenvögel leben lassen!
Als Antwort auf den NOZ - Bericht über die Zusammenarbeit zwischen Jägerschaft und NABU in Vechta merkt der NABU Osnabrück an, dass natürlich auch in Osnabrück eine Zusammenarbeit mit der Jägerschaft möglich wäre. Sicherlich sei ein gemeinsamen Grillabend, wie es der Vechtaraner NABU-Vorsitzende Ulrich Heitmann vorschlägt, denkbar, allerdings sei der NABU Osnabrück nicht bereit, auf seine gut begründeten naturschutzfachlichen Äußerungen z.B. zur Jagd auf Rabenvögel zu verzichten. „Wenn die Jägerschaft zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem NABU bereit ist, werden wir auch gerne mit ihr gemeinsam Grillen oder Nistkästen aufhängen“, äußert sich Andreas Eickhorst, Vorsitzender des NABU Osnabrück. Deutliche Kritik übt der NABU an dem Abschuß von über 1000 Rabenkrähen und Elstern in Osnabrück im letzten Jahr. Das Töten dieser klügsten unserer Singvögel sei gegen jede ökologische Vernunft. „Wir fordern die Abschaffung der Freizeitjägerei, um dass sinnlose Töten von hochintelligenten Singvögeln und Rote-Liste-Arten (u.a. Waldschnepfe und Rebhuhn) endlich zu beenden“, sagt Dr. Gerhard Kooiker, Ornithologe im NABU Osnabrück. Der NABU Osnabrück weist darüberhinaus darauf hin, dass die Natur keinen menschlichen Regulator brauche: Die Bejagung von Rabenvögeln und anderen Beutegreifern ändere gar nichts an der Situation der dringend Schutz und Hege bedürfenden aussterbenden Arten Brachvogel, Birkwild, Feldhase, Feldlerche, Kiebitz, Rebhuhn, Uferschnepfe usw. „Es ist also völlig verfehlt, in der Dezimierung jener die Lösung der Probleme zu sehen, die überwiegend durch die intensive Landwirtschaft verursacht werden. Eine tote Krähe hilft den Wiesenvögeln nicht!“, so Kooiker. Leider hätten große Teile der Jäger auch heute noch der komplizierten Räuber-Beute-Beziehung nichts anderes entgegenzusetzen als Fallen und Gewehre. Das ökologische Gefüge der heimischen Wildbahn funktioniere ohne Fallen und Schießgewehre wesentlich besser und effektiver. Das Töten von Tieren in der Freien Natur sei von der Gesellschaft ohnehin nicht mehr gefragt. Gefragt seien vielmehr das Erlernen ökologischer Zusammenhänge und die Einsicht in die Notwendigkeit der Abstinenz von jagdlichen Eingriffen in das Gefüge unserer Wildarten. Wenn sich Jäger als Heger und Pfleger begriffen, müssten sie sich die Frage gefallen lassen, welchem Ziel die Hege eigentlich diene. Es könne nicht Zweck des Tötens von Beutegreifern sein, die Zahl der Fleischfresser zu reduzieren, um möglichst viele Pflanzenfresser schießen zu können. „Wir möchten wissen: Sind Jäger Naturschützer oder nur Naturnutzer?“, so Eickhorst abschließend.
Quelle: Andreas Eickhorst, Vorsitzender
http://www.nabu-os.de/presse.php?id=65
südwind
25. June 2005, 10:30
Nicht von schlechten Elstern
Der Ruf der Elster könnte schlimmer nicht sein: ein Singvogel, der stiehlt, hässlich kreischt und zudem Eier von kleineren Vögeln frisst. Tatsächlich sind Elstern friedlich, geschickt und höchst intelligent. Ein Plädoyer gegen die Ökonomisierung der Natur
VON CORD RIECHELMANN
"Glauben bedeutet, von einem Teil der Natur einen anderen Teil, der nicht gegeben ist, abzuleiten." Gilles Deleuze in "David Hume"
Die geschätzte Redakteurin hatte sich hinter ihrem Flachbildschirm von ihrem Schreibtischstuhl erhoben, war einen Schritt zur Seite gegangen und skandierte: "Über Elstern lasse ich mir gar nichts mehr erzählen. Selbst von Ihnen nicht. Ich habe in meinen Hof gesehen, was die tun!" Die nickende Bewegung des Kopfes, die mit den letzten Worten einherging, manifestierte sozusagen das aus der Beobachtung geronnene Kausalitätsverhältnis zum Gesetz.
Was sie gesehen hatte, haben viele schon beobachtet, wahrscheinlich sogar Schlimmeres. Elstern stillen manchmal ihren Hunger dadurch, dass sie im Frühjahr brütenden, kleineren Vögeln - mit Vorliebe Amseln - die Eier oder die schon geschlüpften Nestlinge rauben und sie auffressen. Die Meinung, Elstern seien böse Vögel und bedrohten durch ihre Nesträubereien den Fortbestand anderer Vogelarten, ist ein weit verbreiteter Allgemeinplatz. Über Elstern ist vermutlich noch mehr Unfug in der Menschenwelt als über Drogen unter Drogenbenutzern oder über die so genannte Wirtschaft nach dem Ende des New Economy Booms unter Journalisten.
Aber in der Häufung nervt das Vorurteil dann doch. Zumal wenn ein paar Tage später dann noch ein Hundebesitzer seinen Hund ins Gebüsch hetzt, um eine gerade flügge gewordene, noch unerfahrene Elster zu jagen. Und darauf aufmerksam gemacht, dass das erstens verboten und zweitens eine Gemeinheit sei, mit Hund nur zurückkeift, die Biester richteten sowieso nur Schaden an - und so weiter. Zum Glück war der Hund so dämlich wie die Elster schlau.
Dass Elstern intelligent sind und neben einer herausragenden Beobachtungsgabe auch über technisches Geschick verfügen, wird auch von ihren menschlichen Feinden anerkannt. Sie sind zum Beispiel in der Lage, Dachziegeln anzuheben, um darunter portionierte Nahrung zu verstecken und bei Bedarf wieder hervorzuholen. Zum Vorteil haben das die Feinde dem schwarz-weißen Vogel mit dem metallic-schwarzblau glänzenden, langen Schwanz aber nie angerechnet. Im Gegenteil. Die Geschichte ihrer Bestandsentwicklung im 20. Jahrhundert in Deutschland spiegelt auf merkwürdige Art die politische Kultur des Landes.
Von 1900 bis 1920 waren die zuvor überall auf dem Land vorkommenden Vögel durch massive Verfolgung und Bejagung soweit dezimiert, dass die meisten Ornithologen mit ihrem baldigen Aussterben rechneten. Gegen Ende der 20er-Jahre erholten sich die Elsterpopulationen langsam wieder und kehrten in früher verlassenen Gebiete zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg erreichten sie in den waffenlosen Jahren bis 1950 wieder Siedlungszahlen, wie man sie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts kannte. Um nach 1950 mit der wieder einsetzenden Jagd und der zunehmenden Intensivierung der Landwirtschaft abermals unter massiven Druck zu geraten. Dass sie in der Folge ihre Populationsgrößen trotzdem konstant halten konnten, hatte einfach damit zu tun, dass sie die Stadt als Lebensraum entdeckten.
Während sie in ländlichen Gebieten teilweise bis heute immer seltener werden, nimmt ihre Zahl in Städten immer mehr zu. Für die Elstern ist das insofern ein Vorteil, weil ihnen die Jäger dorthin nicht nachkommen können. Bis in die Siebzigerjahre verfolgten sie die Vögel teilweise mit so widerlichen Methoden wie der, mit Schrot oder Kleinkalibergewehren von unten während der Brut- und Aufzuchtzeit in ihre Nester zu schießen.
Die Urteile über ihr angeblich böses Tun, sind ihr trotzdem auch in die Stadt hinterhergeflogen. Das ist wirklich widersinnig. Es gibt nämlich tatsächlich einen wissenschaftlich stichhaltigen Zusammenhang zwischen der Population von Elstern, die wie alle Rabenvögel zu den Singvögeln gehören, und der kleinerer, vermeintlich seltener und bedrohterer Singvögel. Elstern sind immer da besonders häufig, wo auch Amseln, Buchfinken, Grünlinge, Meisen, Zaunkönige oder Nachtigallen besonders zahlreich sind. Es ist ja auch wirklich nicht ganz leicht zu verstehen, dass Elstern in manchen Gegenden tatsächlich einen Großteil der Erstbruten von Amseln fressen und sich trotzdem kein nachweisbarer Einfluss dieser Tatsache auf den Bestand der Amseln finden lässt. Um das aufzuklären, muss man das Spektakel von Fressen und Gefressenwerden auch genau betrachten.
Amseln bringen es in Städten mitunter auf bis zu drei Bruten in einem Jahr und offensichtlich können sie sich den Verlust des ersten Geleges "leisten". Dass Elstern die Zweitbruten wesentlich weniger bis gar nicht angreifen, erklärt sich aus ihren Fressgewohnheiten. Magen-, Kot- und Speiballenanalysen von Elstern ergeben überall - ob in Manchester, Poznan oder Erfurt - ein ähnliches Bild. Sie ernähren sich in der Hauptsache von Samen, Früchten, Insekten und deren Larven, Regenwürmern, Knospen und Haushaltsabfällen aller Art, von Fischschuppen bis Hühnerknochen. Kleinvogelküken- oder Eierreste lagen bei allen Untersuchungen etwa bei drei Prozent.
Das Gezeter um diesen verschwindend geringen Anteil ihrer Nahrung könnte auch mit der Dauerpräsenz der Tiere zusammenhängen, ihrer Größe und Farbe. Elstern sind Standvögel, sie bleiben das ganze Jahr in ihren Revieren, halten sich gern an exponierten Stellen auf und bauen ihre großen Nester unübersehbar in hohe lichte Stellen der Bäume. Wenn sie die Nester, was nicht alle tun, auch noch mit einem Dach versehen, fallen die Kugeln buchstäblich ins Auge. Zudem sind Elstern selten still. Ihr Geschacker und "Tschark"-Geschirk kann sich von Herbst bis in den beginnenden Frühling, wenn sie sich in Städten zu Versammlungen von bis zu vierhundert Tieren treffen, zu Kreischkonzerten ausweiten, deren melodischer Anteil gering ist.
Außerdem spielen sie gern mit glänzenden Gegenständen wie Plastiktüten oder Silberschokoladenpapier. Was ihnen den Ruf des Diebes eingebracht hat. Sie stehlen die glänzenden Gegenstände jedoch nicht, was man auch daran sehen kann, dass sie die Sachen nicht verstecken. Während sie Pflanzenzwiebeln, Käse oder Eicheln so speichern, dass sie kein anderer finden kann, lagern sie Plastiktüten oder Messingdrähte ganz offen für jeden sichtbar am, neben oder auf dem Nest.
Bleibt allerdings die Frage, woher sie dann ihren Ruf haben. Die Ökonomisierung der Natur könnte dabei eine Rolle spielen, die nicht erst im 19. Jahrhundert beginnt, sondern bereits bei Francis Bacon formuliert ist. Jene Sicht, die meint, nur den starken Baum, der auch Früchte trägt, jedes Jahr mehr, und dabei kerngesund ist, gießen zu müssen, und den Strauch der keine schönen Blüten trägt, als Unkraut auszureißen und zu vernichten. Ein Blick in andere Kulturen bestätigt das. In der Mongolei etwa sind Elstern fast heilige Vögel, und an jeder Jurte gibt es auch ein Paar, dessen Flug man aufmerksam verfolgt.
Oder wie in Bombay, einer Stadt, die beispiellos zahlreich von Krähen besiedelt wurde, jeder eine Krähengeschichte kennt und erzählt, die alten und schwach gewordenen sogar im Altersheim versorgt. Es scheint angesichts der Elster fast so, als sei hierzulande selbst der Glaube dabei, im Kalkül von Nützlichkeit zu verbiestern. Den Elstern aber wirds egal sein, in Städten sind sie sicher.
taz Nr. 7418 vom 26.7.2004, Seite 13, 291 Zeilen (TAZ-Bericht), CORD RIECHELMANN - http://www.taz.de/pt/2004/07/26/a0147.nf/text.ges,1
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Der sinnlose Tod der Galgenvögel
Vogelkundler kämpfen gegen Vorurteile und Rabenjagd
Angriffs- und sogar mordlustig, verschlagen und bösartig - so lauten die Vorurteile gegenüber den Rabenvögeln. Eine Projektgruppe der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft versucht bei ihrem Treffen in Stuttgart ein ganz anderes Bild ihrer Schützlinge zu zeichnen.
Von Tine Steinlein
Für Hans-Dieter Wallschläger, Sprecher der Projektgruppe Rabenvögel der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft, sind die meisten Berichte über Raben im Fernsehen oder in Zeitungen ein Albtraum. "Es gibt Landwirte und Jäger, die nutzen die Vorurteile der Leute maßlos aus und machen der Presse gegenüber falsche Aussagen. Denen ist es gerade recht, wenn sie irgendwelche Schäden auf die bösen schwarzen Raben schieben können." Wie vor kurzem in Lörrach: Wanderer hatten bei einer unbeaufsichtigten Herde tote Lämmer entdeckt, denen angeblich Raben die Augen ausgehackt haben. "Da gehen dann blutige Bilder durch Fernsehen und Presse, und alle sehen sich darin bestätigt, dass man Raben erschießen muss, damit sie nicht wieder Herden überfallen und Tiere töten." Dabei hat es sich in Lörrach nicht um Raben gehandelt, sondern um Krähen. Und Krähen, beteuert Wallschlägers Kollege Hans Bergmann, können keine Lämmer umbringen. Nicht einmal kranke.
Kolkraben, mit einer Spannweite von 95 Zentimetern und einer Körpermasse von 1,5 Kilo sind nicht nur die größten, sondern auch die intelligentesten heimischen Singvögel. Ein krankes Lamm können sie - wenn es von der Mutter im Stich gelassen wird - tatsächlich töten. "Aber das ist ja auch ihre Aufgabe. Sie sind so eine Art Gesundheitspolizei, ähnlich den Geiern in Afrika", sagt Bergmann. Selten räubern Raben Nester anderer Singvögel, aber in der Natur sei das einkalkuliert. Deshalb sterbe noch keine Vogelart aus. Normalerweise töten Rabenvögel aber keine Tiere: Weit häufiger fressen sie Aas. Zu den Rabenvögeln gehören neben den Kolkraben und den Raben- und Saatkrähen auch Elstern, Dohlen und Eichelhäher.
"Die Argumente der Landwirte und der Jäger sind nicht haltbar", sagt Wallschläger. "Die Natur ist viel raffinierter, als die Menschen denken. Wenn Rabenvögel erschossen werden, sorgen die übrigen Tiere für mehr Nachwuchs. So bleibt ihre Zahl immer annähernd gleich." Wallschläger glaubt, dass die Jäger und Landwirte das auch wissen. "Aber die schießen einfach gerne. Viele sehen das unter dem jagdsportlichen Aspekt. Es gibt genug Politiker, die auch jagen, deshalb können die das immer durchdrücken. In Niedersachsen werden jedes Jahr hunderttausende Rabenvögel abgeschossen."
Wie viele Tiere es in Baden-Württemberg sind, wissen die Ornithologen nicht. Genehmigungen sind hier nicht so leicht zu bekommen wie in anderen Bundesländern, aber dass Rabenvögel erschossen werden, dessen sind die Vogelkundler sich sicher. "Das widerspricht dem Tierschutzgesetz. Tiere darf man nur töten, wenn es irgendeinen Sinn macht. Und nachdem die Rabenvögel immer für genug Nachwuchs sorgen, kann man ihre Zahl nicht dezimieren. Zu viele wird es auch nicht geben, es gibt so etwas wie einen natürlichen Vermehrungsstopp. Also ist die Jagd auf sie sinnlos", sagt Wallschläger. Bei der Jagd auf die Rabenvögel sind ihre Gegner kreativ. "Es gibt verschiedene Arten von Fallen, in denen die Tiere nicht einmal sofort tot sind, sondern langsam verenden. Außerdem werden vergiftete Köder ausgelegt."
Den Vogelkundlern ist das Image ihrer Schützlinge in der Öffentlichkeit ganz besonders wichtig. "Wenn die Menschen wüssten, was für intelligente und soziale Wesen die Raben sind, dann könnte sie niemand mehr aus reiner Jagdlust töten", sagt Wallschläger.
Aktualisiert: 25.02.2003, 05:33 Uhr
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http://www.menschen-tiere-werte.de/pages/tiere/raben.htm
Ann Castro
25. June 2005, 17:46
Gemeinsam Grillen und Rabenvögel leben lassen!
Ja, man muss eben Proritäten setzen.
Wen juckt es da, dass die Tiere die das Grillfleisch liefern ihr ganzes Leben nur gequält wurden.
0l 0l 0l
Ann.
gina4
25. June 2005, 19:09
Wen juckt es da, dass die Tiere die das Grillfleisch liefern ihr ganzes Leben nur gequält wurden.
Klar , jeder Fleischesser ist ein Mörder , ein unsoziales Wesen , ein Egoist und er zieht immer und in jedem Fall Fleisch aus Massentierhaltung vor. :zwinker:
(Aber Hauptsache die "korrekte", vegane Lebensweise konnte auf diese Weise mal wieder ins Feld geführt werden :+schimpf )
Flocke
25. June 2005, 20:13
Klar , jeder Fleischesser ist ein Mörder , ein unsoziales Wesen , ein Egoist und er zieht immer und in jedem Fall Fleisch aus Massentierhaltung vor. :zwinker:
(Aber Hauptsache die "korrekte", vegane Lebensweise konnte auf diese Weise mal wieder ins Feld geführt werden :+schimpf )
Verstehe ich nicht, stehe total auf dem Schlauch.
Gruß Flocke
Motte
25. June 2005, 21:12
Ja, man muss eben Proritäten setzen.
Wen juckt es da, dass die Tiere die das Grillfleisch liefern ihr ganzes Leben nur gequält wurden.
0l 0l 0l
Ann.
Autsch! Das hat gesessen. ;)
domino
25. June 2005, 23:11
Autsch! Das hat gesessen. ;)
Wie man sich angesichts solchen Tierelends auch noch lustig machen kann.
Als Moderatoren seid ihr schon ein tolles Beispiel!
Was können die Rabenkrähen dafür, daß sich der eine o. andere nicht riechen können?
südwind
25. June 2005, 23:26
Re: Rabenvögel: Die vorsätzliche Irreführung der Öffentlichkeit geht massiv weiter
von am Mittwoch, 22 Mai 2002
Sehr geehrte Damen und Herren !
Zum Thema Rabenvögel allgemein und Eichelhäher im Besonderen möchte ich folgendes bemerken.
Vorweg, das Problem wurde und wird von der konservativen Jagdlobby verursacht, weil die natürlichen Prädatoren dieser Arten und hier im Besonderen der Habicht, auch heute noch durch großzügige Genehmigungen oder illegal bekämpft wird, um das Niederwild zu schützen.
Häher (C)Bajohr Seit 1975 wird eine Langzeitstudie zum Thema Mäusebussard und Habicht auf den Messtischblättern (MTB TK 25) 3715 Bissendorf und 3816 Spenge, seit 1989 auch das MTB 3916 Halle/W und Randgebiete mitbetreut, so dass eine Untersuchungsfläche von ca. 430 qkm entstanden ist. Zur Zeit laufen Projekte der Universitäten Bielefeld und Cambridge zum Thema Mäusebussard und Habicht mit Dr. Oliver Krüger, Cambridge. Verhaltensforschung, Brutbiologie, Reviergrößen, Nahrungsanalysen und Bruterfolge sind die wichtigsten Themen.
Ich selbst habe das Gebiet der MTB Bissendorf und Spenge (250 qkm) 1980 von M.Ostermüller übernommen, der das Gebiet von 1975-1979 untersucht hat und darüber eine Diplomarbeit geschrieben hat. Mein Schwerpunktthema war und ist die Frage, den von der Jagdlobby behaupteten Einfluss des Habichts auf das Niederwild zu untersuchen, da ich selbst seit 1972 Jäger bin und immer wieder höre, das die Greifvögel einen erheblichen Einfluss auf das Niederwild hätten. Leider konnte ich das bis heute nach über zwanzig Jahren noch nicht bestätigen, weil dies auch nicht geht, weil der Einfluss, den der Habicht auf das Niederwild hat, hier so gering ist, das die Behauptungen als völliger Unfug abgetan werden kann. Wer den Vortrag von Prof. Dr. Dr. K. Pohlmeyer „Die Prädatorenfalle" gelesen oder gehört hat, fragt sich, wie der Herr Professor auf die von ihm verbreiteten Thesen kommt? Dazu fällt mir nur ein Zitat von Albert Einstein ein, Zitat: - Vorurteile sind schwerer zu zertrümmern, als ein Atom -.
Die von Dr. 0. Krüger und mir inzwischen gesammelten Beutereste, Gewölle und Rupfungen die jährlich analysiert werden, widerlegen die Behauptungen eindrucksvoll. Inzwischen wurden über 8.000 Beutetiere in 66 Arten nachgewiesen und selbstverständlich sind auch die Niederwildarten darin enthalten, jedoch in einer Größenordnung, die z.B. die Forderung der Jagd auf Greifvögel völlig absurd erscheinen lässt.
Die starke Verfolgung der Habichte in den 80er Jahren auf unserem Untersuchungsgebiet, hat dazu geführt, das wir u.A. auch ein Rabenvogelproblem bekamen. Bei der Auswertung der Beutelisten und anderer Beutelisten von 16 Autoren stellt man fest, das fast alle Rabenvogelarten von denen immer die Rede ist, in den Listen unter den ersten zehn Beutetieren sind.
Auf der aktuellen Beuteliste von 2001 kamen Eichelhäher mit 10-14 Individuen/Jahr auf Platz 4, Rabenkrähe mit 3-4 I/J auf Platz 6 und Elster mit 2 I/J auf Platz 11 vor. Die bevorzugten Niederwildarten kamen mit 2-3 Fasanen auf Platz 8, 2 Hasen auf Platz 12 und 0,34 Rebhühner auf Platz 30 vor, wenn man die landschaftsbiologischen Ordnungszahlen (H.Brüll) mit diesen Werten in Relation setzt, kommt man zu der Erkenntnis, das man den Einfluss des Habichts auf diese Niederwildarten vernachlässigen kann, der Einfluss der traditionellen Jagd ist hier um das mehrfache höher.
Aber was hat die Verfolgung der Habichte mit den Rabenvögeln zu tun ? Ganz einfach Nach meinen Untersuchungen hatte ich auf der Fläche zwischen 17 (1982) und 64 (1977) Habichte (ad.Juv), die im Durchschnitt 12,065 Eichelhäher, 3,45 Rabenkrähen und 2,015 Elstern schlugen. In den Jahren 1975-1979 (5 Jahre) waren es durchschnittlich 579,2 Eichelhäher, 165,6 Rabenkrähen und 97 Elstern, ab 1979/80 setzte eine Verfolgung der Habichte ein, die dazu führte, das im Schnitt der 80er Jahre nur noch 225,5 Eichelhäher, 64,6 Rabenkrähen und 37,4 Elstern geschlagen wurden.
Was passierte mit den Rabenvögeln, die durch den Mangel an Habichten überlebt haben ? Wenn diese nicht auf andere Weise ums Leben gekommen sind, dann haben sich diese so vermehrt, das es zu den Überpopulationen kommen kann oder sogar zwangsläufig kommt, die man heute fast überall sehen kann.
Eine Bemerkung zum Schluss. Ich sehe jedes Jahr, das dort, wo eine Habichtbrut ungestört verläuft, Rabenkrähe, Elster und Eichelhäher fast nur noch auf Rupfplätzen vorkommen, Fakt ist, das dort die Rabenvögel kaum eine Rolle spielen. Die Autoren Busse und Looft haben bei ihren Untersuchungen einen Radius von etwa 1500 m um jeden besetzten Habichthorst errechnet.
Übrigens, nach der langsamen Erholung der Habichtbestände in den 90 er Jahren, bessert sich das Bild schon wieder und das Rabenvogelproblem würde sich von selbst lösen, ohne Jagd auf Singvögel und Greifvögel.
Ulrich Stefener, Melle
http://www.oejv.org/modules.php?name=News&file=comments&sid=150&tid=99&mode=&order=&thold=
Ann Castro
26. June 2005, 00:01
Wie man sich angesichts solchen Tierelends auch noch lustig machen kann.
Lustig machen? LUSTIG MACHEN???
Lustig ist ganz und gar nichts daran. Ich finde diese gesamte Veranstaltung so was von hypokritisch, dass ich nicht weiss ob ich erst kotzen oder erst weinen soll.
Wie kann man so einen Wirbel um 12000 Krähen machen, aber von dem Elend der Massentierhaltung nicht nur kalt gelassen werden, sondern auch noch dazu beitragen?
Das werde ich wohl nie verstehen.
Ann.
gina4
26. June 2005, 00:21
Damit auch Flocke nicht mehr auf dem Schlauch rumstehen muss ;) ;
Hier ein weiteres Beispiel für unzulässige Verallgemeinerung:
Zitat von Ann:
Wie kann man so einen Wirbel um 12000 Krähen machen, aber von dem Elend der Massentierhaltung nicht nur kalt gelassen werden, sondern auch noch dazu beitragen?
Heisst auf deutsch: Jeder Fleischfresser unterstützt Massentierhaltung und hat daher kein Recht sich über den Krähenfang aufzuregen.
Nicht - Fleischfresser sind da natürlich besser dran - denn nur sie haben die moralische Legitimation sich über den Krähenfang zu äussern .
(Selbst wenn sie diesen dann befürworten :k )
domino
26. June 2005, 00:27
Lustig machen? LUSTIG MACHEN???
Wie kann man so einen Wirbel um 12000 Krähen machen, aber von dem Elend der Massentierhaltung nicht nur kalt gelassen werden, sondern auch noch dazu beitragen?
Das werde ich wohl nie verstehen.
Ann.
Hallo Ann, du bist schon sehr selbstgerecht. Wem möchtest du unterstellen daß er zur Massentierhaltung beiträgt u. dem das nicht kalt lässt? Ich kenne hier niemanden der sich für die Rabenkrähen engagiert u. wiederrum zum Elend in der Massentierhaltung beiträgt.
Und hab' ich das richtig verstanden, du meinst das ist nur ein Wirbel um 12 000 getötete Krähen? Ich fände es ganz gut wenn auch du es mal mit ein wenig Clickertraining versuchen würdest. Vielleicht lernst du dann besseres Benehmen anderen Mitmenschen gegenüber. Warum sollte man nur die Vögel dressieren?
Für alle gilt die Nettiquette, man kann darin aber nicht lesen daß Moderatoren davon ausgenommen sind.
mäusemädchen
26. June 2005, 01:39
Lustig machen? LUSTIG MACHEN???
Lustig ist ganz und gar nichts daran. Ich finde diese gesamte Veranstaltung so was von hypokritisch, dass ich nicht weiss ob ich erst kotzen oder erst weinen soll.
Wie kann man so einen Wirbel um 12000 Krähen machen, aber von dem Elend der Massentierhaltung nicht nur kalt gelassen werden, sondern auch noch dazu beitragen?
Das werde ich wohl nie verstehen.
Ann.
_________________________
Handaufzuchten sind Tierquälerei!
Wie kann man so einen Wirbel um Handaufzuchten machen aber von dem Elend der Rabenvögel nicht nur kalt gelassen werden sondern dieses Abschlachten sogar noch tolerieren?
Das werde ich wohl nie verstehen :nene:
Ich finde diese gesamte Einstellung so was von hypokritisch, daß ich nicht weiß, ob ich erst kotzen :+kotz: oder erst weinen :heul: soll.
mäusemädchen
26. June 2005, 01:54
Verstehe ich nicht, stehe total auf dem Schlauch.
Habe ich von Dir auch nicht anders erwartet s-lol !
Heisst auf deutsch: Jeder Fleischfresser unterstützt Massentierhaltung und hat daher kein Recht sich über den Krähenfang aufzuregen.
Das ist sicherlich deine persönliche freie Interpretation, nur um mal wieder gegen Ann zu schießen, oder?
Nicht - Fleischfresser sind da natürlich besser dran - denn nur sie haben die moralische Legitimation sich über den Krähenfang zu äussern .
(Selbst wenn sie diesen dann befürworten :k )
?????
verstehe ich das richtig, es gibt auch "nicht Fleischfresser", die bemerkt haben wie wichtig es ist, der ständig ansteigenden Pobulation der "schwarzen Biester" zum Schutz unserer Artenvielfalt entgegenzutreten? Das hätte ich jetzt beim besten willen nicht gedacht, das jemand mit Vitaminmangelbeschwerden dazu in der Lage ist, so einen geistigen Akt zu vollziehehen.
gina4
26. June 2005, 15:13
Zitat von Aday:
verstehe ich das richtig, es gibt auch "nicht Fleischfresser", die bemerkt haben wie wichtig es ist, der ständig ansteigenden Pobulation der "schwarzen Biester" zum Schutz unserer Artenvielfalt entgegenzutreten? Das hätte ich jetzt beim besten willen nicht gedacht, das jemand mit Vitaminmangelbeschwerden dazu in der Lage ist, so einen geistigen Akt zu vollziehehen.
Das musst du z.B.: Ann fragen , sie ist ein "Nicht - Fleischfresser". :D
Ob Vegetarier unter Vitaminmangelbeschwerden leiden weiss ich auch nicht :D
Ann Castro
26. June 2005, 15:19
Das hätte ich jetzt beim besten willen nicht gedacht, das jemand mit Vitaminmangelbeschwerden dazu in der Lage ist, so einen geistigen Akt zu vollziehehen.
Gell, Andreas,
jetzt habe ich Dich völlig beeindruckt :D :D :D
LG,
Ann.
Motte
26. June 2005, 16:05
Wie man sich angesichts solchen Tierelends auch noch lustig machen kann.
Als Moderatoren seid ihr schon ein tolles Beispiel!
Was können die Rabenkrähen dafür, daß sich der eine o. andere nicht riechen können?
Ich bin in erster Linie eine Userin und nicht "die Moderatoren", nur so nebenbei.
Und mir fällt bei diesem "sich gegenseitig ans Bein pullern" wirklich nichts geistreicheres mehr ein, Du mußt schon entschuldigen.
Ich habe langsam den Eindruck das hier einige garnicht bemerken, was sie selbst aus ihrem Thread gemacht haben. Ich weiß nicht was ich hier als schlimmer empfinde: Das man dies hier dazu missbraucht sich gegenseitig anzusaugen, oder das dies ein glänzendes Beispiel dafür ist wie "Tierschützer" sich alles so hinbiegen wie sie es brauchen, egal ob es in irgendeinem Verhältniss zur Realität steht oder nicht. Was andere machen ist bäh, aber was man selbst tut darf keinesfalls in Frage gestellt werden?
ich werde diesen Thread in Zukunft besser wieder meiden.
domino
26. June 2005, 17:02
Ich bin in erster Linie eine Userin und nicht "die Moderatoren", nur so nebenbei.
Aha, komisch daß bei Dir Moderatorin steht. Mit den Moderatoren im allgemeinen, meinte ich auch daß Du nicht die erste (u. zum ersten mal) Moderatorin warst, die sich hier nur lustig macht.
Und mir fällt bei diesem "sich gegenseitig ans Bein pullern" wirklich nichts geistreicheres mehr ein, Du mußt schon entschuldigen.
Ich habe langsam den Eindruck das hier einige garnicht bemerken, was sie selbst aus ihrem Thread gemacht haben. Ich weiß nicht was ich hier als schlimmer empfinde: Das man dies hier dazu missbraucht sich gegenseitig anzusaugen, oder das dies ein glänzendes Beispiel dafür ist wie "Tierschützer" sich alles so hinbiegen wie sie es brauchen, egal ob es in irgendeinem Verhältniss zur Realität steht oder nicht. Was andere machen ist bäh, aber was man selbst tut darf keinesfalls in Frage gestellt werden?
ich werde diesen Thread in Zukunft besser wieder meiden.
Sorry, aber den letzten Absatz hättest Du Dir wirklich sparen können, bemerkst ja oben schon daß Dir nicht geistreiches mehr einfällt. Was soll den der letzte Absatz darstellen o. mir sagen?
Die Tierschützer hier "biegen" sich hier gar nichts hin, sie stellen die Realität nur so dar, wie sie nun mal für die Rabenvögel ist, nämlich grausam u. absolut unmenschlich. Was ihnen angetan wird, ist eines Menschen absolut nicht würdig.
In einem der letzten Beiträge las ich sogar was von den "schwarzen Biestern". Ist wohl dem Mittelalter mit der Hexenverfolgung entsprungen.
Motte
26. June 2005, 17:31
Die Tierschützer hier "biegen" sich hier gar nichts hin, sie stellen die Realität nur so dar, wie sie nun mal für die Rabenvögel ist, nämlich grausam u. absolut unmenschlich. Was ihnen angetan wird, ist eines Menschen absolut nicht würdig.
In einem der letzten Beiträge las ich sogar was von den "schwarzen Biestern". Ist wohl dem Mittelalter mit der Hexenverfolgung entsprungen.
Was wir als Realität empfinden entspricht nicht selten der subjectiven Sichtweise.
>>Was ihnen angetan wird, ist eines Menschen absolut nicht würdig.<<
Das gilt für viele Lebewesen. Insbesondere für jene die zu unserem Nutzen gehalten und gezüchtet werden
südwind
26. June 2005, 18:00
as gilt für viele Lebewesen. Insbesondere für jene die zu unserem Nutzen gehalten und gezüchtet werden
zu deinem nutzen vielleicht, zu meinem sicher nicht. man kann nämlich beides. grillen, ohne fleisch, und gegen rabenvogelmassaker demonstrieren.
Raven
26. June 2005, 19:53
zu deinem nutzen vielleicht, zu meinem sicher nicht. man kann nämlich beides. grillen, ohne fleisch, und gegen rabenvogelmassaker demonstrieren. Du bist ein echtes Multitalent und so weitsichtig! :beifall:
südwind
26. June 2005, 22:47
An der Schwelle zum nächsten Jahrtausend feiert in Deutschland die Hexenjagd auf „Räuber und Schädlinge" wieder fröhliche Urstände. Die Begründungen für die "Naturschutzpolitik mit der Flinte" sind die gleichen wie vor hundert Jahren. Sobald nur die geringsten ökonomischen oder Hobbyisten-Belange geltend gemacht werden, geben die Behörden "Feuer frei!". Naturschützer, die dagegen halten, bewegen sich auf dünnem Eis. Wissenschaftliche Unterstützung ist zwar zu haben, juristische jedoch kaum. Abgesehen davon sind in den nach „Hausmacherart" geführten Auseinandersetzungen ökologische Fakten als Argumentationshilfe kaum etwas wert und das Beharren auf artenschutzrechtlichen Paragraphen wirkt allenfalls Konflikt verschärfend..........
http://www.nabu-akademie.de/berichte/99manage.htm
mäusemädchen
27. June 2005, 00:15
Was ihnen angetan wird, ist eines Menschen absolut nicht würdig.
Zitat von Motte
Das gilt für viele Lebewesen. Insbesondere für jene die zu unserem Nutzen gehalten und gezüchtet werden
Und was soll diese geistreiche Schlußfolgerung nun den Lesenden vermitteln? So lange die quälerische Nutztierhaltung existiert, so lange es Pelztierfarmen gibt, so lange der Walfang nicht unterbunden ist, so lange die Robben erschlagen werden, so lange sollen und dürfen auch ruhig die Rabenvögel in Fallen gefangen und erschlagen werden - oder WAS ist aus dieser geistreichen Schlußfolgerung abzuleiten? Eines dürfte doch wohl klar sein: EIN einzelner Mensch kann nicht in der Lage sein, sich für das vielfältige Elend auf dieser Welt einzusetzen. Dafür brauchte er einen 48-Stunden-Tag und wenn er damit nicht auskommt, müßte er noch die Nacht hinzu nehmen. Ergo gibt es für jedes Elend auf dieser Welt unterschiedliche Menschen, die sich für eine jeweilige Verbesserung einsetzen. Und WER sich für WAS einsetzt, das solltest Du jedem einzelnen Individuum überlassen. Nur DAS sich ein Mensch für etwas einsetzt und nicht nur dumme Sprüche abläßt, DAS zählt und ist wichtig.
Doch so lange noch die quälerische Nutztierhaltung existiert, so lange es noch Pelztierfarmen gibt, so lange der Walfang noch nicht unterbunden ist, so lange noch Schlangen in unseren Wohnstuben gehalten werden, so lange noch die Robben und die Rabenvögel erschlagen werden und und und, so lange kann und darf auch ruhig die tierquälerische Handaufzucht von Papageien praktiziert werden. Oder erkläre mir bitte den Unterschied zwischen Papageien (die aus Deiner/Euerer Sicht NICHT leiden sollen) und den anderen tierischen Erdenbewohnern. Erkläre ihn!
mäusemädchen
27. June 2005, 01:15
Du bist ein echtes Multitalent und so weitsichtig! :beifall:
Frage: :hahaha: Führst Du hier Selbstgespräche oder willst Du nur die Zahl Deiner (oft nichtssagenden) Beiträge in die Höhe schießen (gilt für manch anderen, sich angesprochen fühlenden User/Moderator (= Raven-Clan) auch) ? Merke: Nicht die Quantität sondern die Qualität des Geschriebenen zählt :jaaa: ! Letzteres läßt zu wünschen übrig - siehe zur Zeit parallel laufenden Thread unter Ernährung :zustimm: .
...
http://www.nabu-akademie.de/berichte/99manage.htm
Warum spricht die Mehrheit der Bevölkerung gegen die Fallenjagd aus, fängt aber trotzdem hiermit Mäuse, sobald sie im eigenen Vorratsraum sitzen?Welche Mehrheit? Unterscheiden auch Gegner der hier besagten Fallenjagd darin, ob es Sie direkt betrifft oder weil es weit weg ist nicht direkt Stört. Die Problematik sehen einzelne ja sowieso nicht, die wenn Sie aus ihrem Wohnzimmerfenster in der Großstadt schauen nicht erkennen was in der "großen weiten Welt" vorgeht, sich aber agresiv, vielleicht aus langeweile (gesellschaftliche Verarmung in der Großstadt) oder ihrer nahrungstechnischen Überzeugung gegen jede Tiertötung aussprechen und hier etwas sehen, wo sie sich mit "ihrem Vermeintlichen Sachverstand" einbringen können.
Am Beispiel der aktuellen Situation um den Kormoran in Brandenburg verdeutlichte Dr. Michael Tautenhahn (Landesanstalt für Großschutzgebiete Brandenburg, Eberswalde) den aktuellen Stand der Auseinandersetzung. Die vom Kormoran insbesondere in den brandenburgischen Karpfenteichwirtschaften verursachten Konflikte resultieren zum einen aus direkten Eingriffen in die Satzfischbestände der Teichwirtschaften sowie zum anderen aus indirekten Beeinträchtigungen wie Verletzungen durch Kormoranschnäbel, dadurch erhöhte Infektionsgefahren oder andauernde Stress-Situationen infolge der hohen Jagddrucks.Zum Glück nimmt man hier weningstens mal eine Gegend, für die der Kormoran typisch ist. Wie sieht es aber aus mit den Gegenden, wo sich aufgrund der Zuwanderung von Kormoranen (bestimmt nich weil sie sich nur einfach mal in der Welt umsehen wollen, sondern weil auch hier eine Überpopulation an einem anderen Ort vorhanden ist und das trotz des erhöhten Nahrungsangebotes durch den Menschen die Nahrungsmenge nicht mehr ausreicht) in andere für diese Vögel ursprünglich nicht Interessanten Gegenden, bzw. in Gegenden wo geschichtlich nie Brutpaare von Kormoranen gesiedelt haben?
Vogel-Mami
01. July 2005, 00:42
30. Juni 2005
Massenvernichtung von Rabenvögeln im niedersächsischen Landkreis Leer
Strafanzeige gegen Landwirtschaftsminister Ehlen
Die Auseinandersetzung um die Massenvernichtung von Rabenvögeln im Landkreis Leer verschärft sich: Der Bundesverband Menschen für Tierrechte hat seine Anzeigenerstattung erweitert und jetzt bei der Staatsanwaltschaft Aurich gegen Landwirtschafts-minister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) und gegen die Verantwortlichen der Genehmigungsbehörde in Leer Strafanzeige wegen massenhafter Vergehen der Tiertötung und der Tierquälerei erstattet.
Der Verbandsvorsitzende und Tierschutzanwalt Dr. Eisenhart von Loeper wirft den verantwortlichen Vertretern des Landkreises Leer vor, sie hätten dem Institut für Wildtierforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover die Ausnahmegenehmigung für Fang, Fangmethode und Tötung Tausender Rabenvögel »in schwerwiegender Weise rechtsmissbräuchlich« erteilt. Zum einen habe die flächendeckende Massentötung der Vögel keinen Ausnahmecharakter, zum anderen sei sie strafrechtlich relevant und darüber hinaus ethisch nicht zu rechtfertigen. Sie verletze aber auch das Staatsziel Tierschutz und die EU-Vogelschutzrichtlinie, die den eingesetzten Fallentyp »Norwegischer Krähenfang« gar nicht zulasse.
Rechtsanwalt von Loeper beschuldigt Landwirtschaftsminister Ehlen, er sei für das schwere Unrecht an der Qual und Tötung der Rabenvögel strafrechtlich mitverantwortlich: Als oberster Behördenchef kenne und billige er seit langem das ihm bekannte rechtswidrige und strafbare Handeln der ihm nachgeordneten Genehmigungsbehörde und könne daher »seine Hände nicht in Unschuld waschen«.
Die Tötung der Rabenvögel findet im Rahmen eines Projektes der Tierärztlichen Hochschule Hannover statt, das vom Land Niedersachsen inhaltliche und finanzielle Unterstützung erfährt. Ein auf drei Jahre angelegter Feldversuch will herausfinden, ob sich die Bestände von Wiesenvögeln und Feldbrütern durch weniger Rabenvögel erholen. Etwa 12.000 Krähen und Elstern sind bereits umgebracht worden. Die Tiere werden dabei in der Regel in spezielle, EU-weit verbotene Fallen gelockt und danach gezielt erschlagen. Seit Beginn des Projektes im Januar 2004 protestieren dagegen namhafte Tier- und Naturschutzverbände sowie weitere anerkannte Experten.
Kontakt:
Dr. jur. Eisenhart von Loeper,
Tel.: 07452 - 4995
Vogel-Mami
01. July 2005, 02:05
RABENVÖGEL IN LANDWIRTSCHAFTLICHEN KULTUREN
Rabenvögel sind intelligente und anpassungsfähige Vögel, die ihre Nahrung gerne im offenen Kulturland, auf Feldern, Wiesen und Weiden suchen. So wird in der Landwirtschaft immer wieder über Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen geklagt, die von Rabenvögeln verursacht werden. Ausserdem befürchten Jäger einen negativen Einfluss auf die Hasenbestände. Die Bejagung der Rabenvögel sei deshalb zur Bestandsregulierung und Schadensbegrenzung in den Kulturen nötig und als Hegemassnahme für das Niederwild anzusehen, argumentieren Landwirtschafts- und Jagdvertreter. So werden in der Schweiz jährlich über 15000 Rabenkrähen, 10000 Eichelhäher, 4000 Elstern und 500 Kolkraben erlegt.
Ungeachtet der fraglichen Wirkung solcher Massnahmen müssen wir uns drei Fragen stellen:
Erreichen die Schäden durch Vögel ein Ausmass, dass sich Abwehrmassnahmen überhaupt wirtschaftlich rechtfertigen lassen?
Sind Abwehrmassnahmen gegen Vögel rechtlich zulässig?
Kann mit den getätigten Massnahmen das Ziel überhaupt erreicht werden?
Rufen Rabenvögel messbare Schäden in der Landwirtschaft hervor?
Rabenvögel ernähren sich von pflanzlicher und tierischer Nahrung. Frisch gesätes Sommergetreide und Maiskörner, auflaufende Keimlinge und frische Salatsetzlinge stehen gerne auf dem Speiseplan von Raben- und Saatkrähe. Eine Umfrage bei den landwirtschaftlichen Beratungsstellen und bei Bauern hat aber ergeben, dass wirtschaftliche Schäden, die durch Krähen hervorgerufen werden, lokal begrenzt und in ihrer Gesamtheit gering sind. So belaufen sich zum Beispiel Verluste im Ackerbau auf weniger als 1 Prozent des ausgebrachten Saatguts. Im Falle von Eichelhäher, Elster und Dohle ist der Einfluss gering und nur in den seltensten Fällen messbar.
Aus dem Reb- und Obstbau ist bekannt, dass Rabenvögel und andere schwarmbildende Singvögel wie Stare und Wacholderdrosseln im Herbst lokal für Einbussen sorgen können, die sich finanziell bemerkbar machen.
Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass Rabenvögel auch oft als biologische Nützlinge agieren und von Landwirten sogar geschätzt werden. So übernehmen zum Beispiel Rabenkrähen undKolkraben eine wichtige ökologische Funktion als Aasfresser und Vertilger von Schnecken und Mäusen. Und der Eichelhäher ist im Volksmund auch als Eichelsäer bekannt. Er sorgt so für die natürliche Verbreitung der Eiche, indem er im Boden Eicheln als Nahrungsvorräte versteckt.
Rabenkrähe
Untersuchungen in der Schweiz haben gezeigt, dass die Nahrungszusammensetzung der Rabenkrähe mit der Art der Bewirtschaftung zusammenhängt: pflanzliche Nahrung dominiert in Gebieten mit intensiv betriebener Landwirtschaft, hohe Anteile tierischer Nahrung sind hingegen bei traditionell bewirtschafteten Gebieten zu finden. Rückfragen bei Bauern haben ergeben, dass messbare Schäden selten sind und im Durchschnitt ein- bis zweimal jährlich vorkommen. Sie treten nur dann auf, wenn verschiedene nachteilige Faktoren wie späte Aussaat und schlechte Witterung oder die Nähe zu einer Deponie zusammenwirken. Betroffen sind vor allem Mais-, Gemüse- und Getreidefelder. Die Schadenhöhe hängt mit der Zeit zusammen, die das Saatgut und die Schösslinge benötigen, um zu keimen und über eine kritische Höhe von 10 bis 15 cm hinauszuwachsen. Generell bleiben die Verluste weit unter 5 Prozent des Gesamtertrags.
Die finanziellen Schäden können etwas höher ausfallen, falls sich Rabenvögel an reifendem Kernobst verköstigen.
Die Brutvögel richten zur Brutzeit kaum Schäden an, da sie sich dann hauptsächlich von tierischer Nahrung ernähren. Die geringen Schäden sind dem Nutzen der Rabenkrähen in den landwirtschaftlichen Kulturen gegenüberzustellen. Dieser ist nicht ohne Bedeutung, da v.a. durch die Brutvögel beträchtliche Mengen von Mäusen und Insekten gefressen werden.
Saatkrähe
Mit einem landesweiten Bestand von rund 600 Brutpaaren gehört die Saatkrähe zu den gefährdeten Vogelarten unseres Landes. Sie steht unter Schutz. Unterscheiden kann man Saat- und Rabenkrähe vor allem am Kopf.
Bei der in Kolonien brütenden Saatkrähe muss zwischen Brutvögeln und Wintergästen unterschieden werden. Die Schweiz liegt am Südrand des Verbreitungsgebiets. Das Brutvorkommen der Saatkrähe beschränkt sich auf wenige Gebiete um die Städte Basel und Bern und die Region des Bieler- und Neuenburgersees sowie der Ajoie. Das wichtigste Überwinterungsgebiet in der Schweiz für Vögel aus Nordosteuropa ist die Umgebung von Basel mit einem Winterbestand von gegen 10000 Saatkrähen.
Aus Deutschland ist bekannt, dass solche Ansammlungen von Wintergästen in Wintergetreidefeldern Ertragseinbussen bewirken können. Bei der pflanzlichen Nahrung nimmt die Vorliebe von Mais und Soja, Weizen und Roggen zu Hafer/Gerste ab (regionale Verschiebungen möglich). Mais ist vor allem gefährdet, weil die Saatmenge mit 10 Körner/m2 klein ist.
Eichelhäher, Dohle und Elster
Der in den letzten Jahren intensivierte Maisanbau dient dem Eichelhäher als zusätzliche Nahrungsquelle. Vereinzelt wurden an Maiskulturen, die in Waldrandnähe liegen, Schäden festgestellt.
Der Eichelhäher ist in der Forstwirtschaftals Eichelsäer äusserst beliebt. Um Vorräte anzulegen, vergräbt er Eicheln. Aus vergessenen Eicheln keimen Jungpflanzen.
Massnahmen gegen den Eichelhäher sind aufgrund der sehr vereinzelt und nur örtlich auftretenden Schäden nicht zu rechtfertigen.
Die in der Schweiz geschützte Dohle steht auf der Roten Liste der stark gefährdeten Vogelarten. Von der Dohle wie auch der Elster sind in der Landwirtschaft keine Schäden bekannt.
Hier soll auch darauf hingewiesen werden, dass es Rabenkrähe und Elster sind, die durch ihren Nestbau den Mäusevertilgern Waldohreule und Turmfalke, die selber keine Nester anlegen, ein Brüten im Kulturland ermöglichen.
Rechtliche Situation und Bejagung
Zu der Gruppe der Rabenvögel zählt man in der Schweiz 9 Arten. Davon sind Tannenhäher, Alpendohle, Alpenkrähe, Dohle und Saatkrähe geschützt. Eichelhäher, Elster, Raben- und Nebelkrähe sowie Kolkrabe sind jagdbar.
Obwohl Abschüsse als bestandsregulierende Massnahme nicht greifen, wird heute immer noch oft zur Flinte gegriffen. Neuere Untersuchungen zeigen aber, dass damit das Ziel der Bestandsregulierung verfehlt wird. Die Ursache ist im Sozialsystem der Arten begründet. Bei Rabenkrähe, Elster und Eichelhäher trägt die Revierbildung zur innerartlichen Selbstregulierung bei. Im Frühling besetzen brutfähige Paare Reviere, die sie gegen andere Artgenossen verteidigen. Da Reviere mit geeigneten Strukturen und genügend Nahrung limitiert sind, beschränkt sich der Nachwuchs auf Reviervögel. Der Rest der Population ist von der Fortpflanzung ausgeschlossen. Ausserdem sinkt bei vielen Vogelarten, u.a. bei der Rabenkrähe, bei hoher Siedlungsdichte der Bruterfolg. Werden nun Rabenvögel aus ihren Revieren weggeschossen, so wird das frei gewordene Brutrevier durch wartende Schwarmvögel ersetzt. Mit anderen Worten hält sich also die Population in einer Grösse, die dem umweltbedingten Angebot an Nahrung und Nistplätzen entspricht. In diesem Sinne sind Abschussprämien mit dem Ziel der Bestandsregulierung nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich verfehlt, da sie den erklärten Zweck nicht erfüllen und nur für einen finanziellen Zustupf bei der Jägerschaft sorgen, was sicher nicht die Absicht der zuständigen Ämter sein kann.
Ein umfangreicher Abschuss von Rabenkrähen kann zudem Auswirkungen auf die Bestände von Waldohreule, Turm- und Baumfalke haben. Diese drei Arten sind nämlich für die Fortpflanzung auf verlassene Nester der Rabenkrähe angewiesen. Auf das Ausschiessen von Nestlingen ist aus dem gleichen Grund unbedingt zu verzichten! Nach dem Jagdgesetz ist der Abschuss von Falken und Eulen ohnehin strafbar.
Vertreiben ist schwierig, vorbeugen ist besser
Allgemein gilt, dass das Ausmass von Schäden an einem Feld mit dem Angebot an alternativen Nahrungsplätzen in der Umgebung abnimmt. Lokale Schäden können durch verschiedene Vorbeugemassnahmen verringert werden:
Strukturreichtum fördern: Rabenvögel bevorzugen ein übersichtliches Gelände, wo sie sich sicher fühlen. Feldgehölze und Hecken am Rande von Ackerflächen bieten den natürlichen Feinden der Vögel Deckungsmöglichkeiten. Dadurch kann sich die Aufenthaltszeit der Vögel auf den Feldern verringern.
Aussaatzeitpunkt: Den besten Schutz erreicht man durch einen gut gewählten Aussaatzeitpunkt, bei dem die gefährdeten Kulturen möglichst kurze Zeit zum Keimen und Auflaufen brauchen. Bei ungünstiger Witterung dauert es lange, bis die Schösslinge eine kritische Grösse von 10-15 cm erreichen, bei der sie nicht mehr gefressen werden.
Exakte Einsaat: Es sollten möglichst wenig Körner oder Samen an der Oberfläche liegen, da sie die Krähen auf die Nahrung aufmerksam machen. Beim Mais ist eine tiefe Saat anzustreben (ev. walzen), damit das Korn möglichst gut im Boden verankert ist.
Pause zwischen Vorbereitungsarbeiten und Aussaat: Die menschliche Tätigkeit und das erhöhte Nahrungsangebot beim Pflügen und beim Eggen locken die Krähen an. Darum sollte zwischen Bodenbearbeitung und Aussaat ein Zeitraum von 1-2 Tagen liegen.
Staunässe: Staunasse Felder sind besonders gefährdet. Dies liegt am erhöhten Nahrungsangebot, da unter diesen Bedingungen wesentlich mehr Bodentiere an die Oberfläche kommen. Daher sollte in überschwemmungsgefährdeten Feldern kein Mais angebaut werden.
Saatgut vergällen: In der Maisproduktion wird praktisch das ganze Saatgut vor der Aussaat durch Vergällen mit Morkit oder Beizen mit Mesurol (beide Bayer) standardmässig geschützt. Aus Gründen des Vogel- und Umweltschutzes ist Morkit klar zu bevorzugen. Mesurol ist regenwurmtoxisch und kann zu Vergiftungen von Vögeln führen! Eine Behandlung des Saatgutes ist aber nur für stark gefährdete Felder notwendig. Da die frassvergällende Wirkung mit der Keimung stark abnimmt, sollten Aktivitäten vermieden werden, die die Krähen nach dem Auflaufen der Kultur auf die gefährdeten Felder locken könnten (Düngen der Äcker mit Mist, Mähen oder Umbrechen benachbarter Wiesen u.ä.).
In der Schweiz setzt sich das Saatgut aus drei Vierteln Importen und einem Viertel Eigenproduktion zusammen. Ersteres ist standardmässig mit einem Insektizid gebeizt und vergällt, letzteres nur gebeizt.
Mülldeponien: Messbare Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen treten vorwiegend in der Nähe von Mülldeponien auf. Solche sind bei uns heute zum Glück selten geworden.
Partielle Abwehrmethoden: Rabenvögel sind äusserst intelligente und anpassungsfähige Vögel. Deshalb sind für wirksame Vertreibungen Phantasie und Abwechslung gefragt. Ansonsten verlieren die Massnahmen innert Tagen ihre Wirkung, da die Vögel den Bluff durchschauen. Vertreibungsmassnahmen nach der Aussaat sind: Gasballone, Plastikbänder, parkierte Autos, Vogelscheuchen, Attrappen, Knallapparate, Imitationen und innerartliche Angstschreie. In Testversuchen waren an 30 m langen Leinen befestigte Gasballone (ø: 0,3-1,0 m) wirksam. Sie hielten die Vögel bis zu zwei Wochen von den Feldern fern. Auch mit von Band abgespielten Angstschreien wurden vereinzelt schon ähnliche Resultate erzielt. Plastikbänder wirken in der Regel 1-3 Tage, parkierte Autos und Knallpatronen rund einen Tag. Vogelscheuchen und tote, aufgehängte Krähen zeigen hingegen keine messbare Wirkung. Am besten ist die Kombination mehrerer Methoden (Abwechslung!).
Knallpetarden und Netze bieten im Obst- und Rebbau einen effektiven Schutz. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, dass die Netze fachmännisch(d.h. satt, keine am Boden liegenden Netzteile) gespannt und regelmässig kontrolliert werden. Auf die Verwendung von Einwegnetzen ist zu verzichten, da diese oft tödliche Fallen für Vögel und Igel darstellen.
Weiterführende Literatur:
AICHMÜLLER, R. (1987): Eichelhäher Eichel-säer. Der Vogel, der Wälder pflanzt. Vogelschutz 2/1987: 8-10.
BAAS-FRANCKE, E. (1993): Rabenvögel: Ein krächzendes Ärgernis? NABU-Sonderdruck. Naturschutzbund Deutschland,Stuttgart.
EPPLE, W. (1996): Rabenvögel: Göttervögel Galgenvögel; ein Plädoyer im "Rabenvogelstreit". Karlsruhe.
GLUTZ VON BLOTZHEIM, U. N. & K.M. BAUER (1993): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Band 13. AULA-Verlag, Wiesbaden.
HÖLZINGER, J. (1987): Die Vögel Baden-Württembergs, Band 1. Ulmer, Stuttgart.
JUILLARD, M. (1990): Evolution des colonies de Corbeaux freux, Corvus frugilegus, en Suisse. Nos Oiseaux 40: 407-422.
KELLER, V. (1998): Hans Huckebein & Co. die Familie der Rabenvögel. Bericht zuhanden der Gemeinschaft der Freunde der Vogelwarte. Sempach.
NAEF-DAENZER, L. (1984): Versuch zum Verjagen von Rabenkrähen (Corvus coronecorone) von spriessenden Maisfeldern. Z.Jagdwiss. 30: 184-192.
RAHMANN, H. et al. (1988): Rabenvögel: Öko-logie und Schadwirkung von Eichelhäher, Elster und Rabenkrähe. Josef Margraf, Weikersheim.
STUDER-THIERSCH, A. (1984): Zur Ernährung der Rabenkrähe Corvus corone in der Schweiz. Orn. Beob. 81: 29-44.
TOMPA, F. S. (1976): Zum Rabenkrähen-Problem in der Schweiz. Teil II: Rabenkrähe und Landwirtschaft: Schäden und Abwehrmassnahmen. Orn. Beob. 73:195-208.
WITTENBERG, J. (1988): Langfristige Entwicklung einer Population der Rabenkrähe (Corvus c. corone) bei Braunschweig, ihre Zusammensetzung und ihr Einfluss auf andere Arten. Beih. Veröff. Natursch. Landschaftspfl. Baden-Württemberg 53:211-223.
Weitere Merkblätter zu verwandtemThema:
ElsternlSaatkrähen Merkblätter für die Vogelschutzpraxis.SVS / Vogelwarte, (gratis, bitte frankiertes Rückantwortcouvert beilegen).
Dank:
Wir danken Gabriel Popow, Landwirtschaftliche Beratungszentrale Lindau (LBL), für die kritische Durchsicht dieses Merkblattes und die wertvollen Kommentare.
Impressum:
Autor: Kurt Bollmann 1998
© SVS & Schweiz. Vogelwarte.
Das Kopieren mitQuellenangabe ist erwünscht.
SCHWEIZERISCHEVOGELWARTE
6204 Sempach
TEL 041 462 97 00FAX 041 462 97 10
(Hervorhebungen von "Vogel-Mami")
Vogel-Mami
04. July 2005, 19:55
Feldversuch: 16.000 Rabenvögel erschlagen
Geschrieben von Administrator
Mittwoch, 22 Juni 2005
Hannover - Im niedersächsischen Landkreis Leer sind binnen 16 Monaten 16.000 Rabenkrähen und Elstern gefangen und erschlagen worden. Das ist die Hälfte des Bestandes. Ein Treffen von Fachleuten gestern in Hannover hat die Diskussion zwischen Tierschützern und Jägerschaft darüber nicht entschärfen können, ob das ein notwendiger wissenschaftlicher Versuch oder ein sinnloses Abschlachten ist.
Letzteres behaupten Tierschützer und haben ihre Experten gar nicht erst zu dem Treffen geschickt, das vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium organisiert worden war.
Staatssekretär Gert Lindemann bestritt nicht, daß selbst ohne kritische Tierschutzexperten die Meinungen der Fachleute darüber weit auseinandergingen, ob die Tötung mit dem Knüppel in Lebendfallen das richtige Mittel ist. Schon in der Frage, wie sehr Rabenvögel kleine und im Bestand gefährdete Wiesenbrüter wie Austernfischer, Kiebitz und Rotschenkel, aber auch den Nachwuchs von Feldhasen und Rebhühnern dezimieren, gingen die Meinungen auseinander.
Prof. Klaus Pohlmeyer von der Tierärztlichen Hochschule Hannover pocht auf das dreijährige Projekt, um diesen Fragen nachzugehen. Er verteidigt auch die Jagdmethode mit Fallen, in die die Vögel geködert werden. Darin werden sie erschlagen. Ein Abschuß der Vögel wäre schwer und reichte nicht aus, ein weiteres Wachstum der Kolonien zu verhindern.
Bis August will das Landwirtschaftsministerium zwischen drei Möglichkeiten entscheiden: Der Versuch geht weiter wie bisher, wird wissenschaftlich erweitert oder abgebrochen. fert
erschienen am 21. Juni 2005
http://www.abendblatt.de/daten/2005/06/21/450083.html
Copyright © 2005 Hamburger Abendblatt
Hamburger Abendblatt (21.06.2005; 08:05 Uhr)
Gegenvorschlag
Geschrieben von admin am 2005-06-22 03:01:57
Aus "wissenschaftlicher Sicht" sollte (mindestens) die Hälfte des "Jägerbestandes" erschlagen werden, um deren Auswirkung auf das Ökosystem im Landkreis Leer hinreichend überprüfen zu können...
Stand der Dinge
Geschrieben von ilse am 2005-07-03 18:12:16
Es hat schon eine Weile gedauert, jedoch jetzt kommt Druck von allen Seiten:
Juristische Ermittlungen laufen
Bei der Staatsanwaltschaft Aurich läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachtes der Tiertötung ohne vernünftigen Grund in Verbindung mit Verstößen gegen das Bundesnaturschutzgesetz, die Bundesartenschutzverordnung und die EU-Vogelschutzrichtlinie gegen Prof. Pohlmeyer und andere. Der Deutsche Tierschutzbund hat sich diesem Verfahren angeschlossen. Parallel dazu prüft er, ob erneut Beschwerde bei EU-Kommission eingelegt werden kann.
Der Bundesverband Menschen für Tierrechte hat eine Strafanzeige gegen den Landwirtschaftsminister
Hans-Heinrich Ehlen (CDU) und gegen die Verantwortlichen der Genehmigungsbehoerde in Leer Strafanzeige wegen massenhafter Vergehen der Tiertoetung und der Tierquaelerei erstattet.
Ilselore
Es gibt Augenblicke, in denen Nichtstun zur Schuld
und Handeln zur Notwendigkeit wird.
Gegenvorschlag
Geschrieben von admin am 2005-06-22 03:01:57
Aus "wissenschaftlicher Sicht" sollte (mindestens) die Hälfte des "Jägerbestandes" erschlagen werden, um deren Auswirkung auf das Ökosystem im Landkreis Leer hinreichend überprüfen zu können...
Stand der Dinge
Geschrieben von ilse am 2005-07-03 18:12:16
Es hat schon eine Weile gedauert, jedoch jetzt kommt Druck von allen Seiten:
Juristische Ermittlungen laufen
Bei der Staatsanwaltschaft Aurich läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachtes der Tiertötung ohne vernünftigen Grund in Verbindung mit Verstößen gegen das Bundesnaturschutzgesetz, die Bundesartenschutzverordnung und die EU-Vogelschutzrichtlinie gegen Prof. Pohlmeyer und andere. Der Deutsche Tierschutzbund hat sich diesem Verfahren angeschlossen. Parallel dazu prüft er, ob erneut Beschwerde bei EU-Kommission eingelegt werden kann.
Der Bundesverband Menschen für Tierrechte hat eine Strafanzeige gegen den Landwirtschaftsminister
Hans-Heinrich Ehlen (CDU) und gegen die Verantwortlichen der Genehmigungsbehoerde in Leer Strafanzeige wegen massenhafter Vergehen der Tiertoetung und der Tierquaelerei erstattet.
Ilselore
Es gibt Augenblicke, in denen Nichtstun zur Schuld
und Handeln zur Notwendigkeit wird.
Ich kann es leider nicht lassen VogelMami,
Hinweis: schon wieder Kommentare, weil Sie gerade dazu passen in deinen Augen?
Den Vorschlag Jäger (also Menschen) zu erschlagen zeigt schon viel von der Gewaltbereitschaft unter den sogenannten Tierschützer.
Es wäre ja auch kein einzelfall wenn ein krankes Tierschützer und Vogelfreundgehirn einen anderen Menschen umbringt, weil er Angst um so irgendeinen Federträger hat.
Am besten gefällt mir das:
ob erneut Beschwerde bei EU-Kommission eingelegt werden kann.
Warum muß den schon wieder erneut Beschwerde eingelegt werden in Brüssel????????
Ist schon komisch, wenn das Recht nicht auf der eigenen Seite steht, versucht man Zeit zu schinden und andere mit Arbeit zu überhäufen und zu beschäftigen.
Bin ja mal gespannt wie oft dann noch erneut Beschwerde eingelegt werden soll.
Vogel-Mami
05. July 2005, 02:46
Nungut, aday,
so will ich Dein post nun doch nicht stehenlassen... :~
Hinweis: schon wieder Kommentare, weil Sie gerade dazu passen in deinen Augen?
Nein, weil sie meiner Ansicht nach irgendwie mit zu dem Bericht gehören.
Aber a bißl ;) muß ich Dir schon wieder recht geben: man kann das zumindest unterschiedlich sehen...
Den Vorschlag Jäger (also Menschen) zu erschlagen zeigt schon viel von der Gewaltbereitschaft unter den sogenannten Tierschützer.
Sag mal, was interpretierst denn Du da Krankes rein?! :nene:
Schau`s Dir nochmal genau an!
Schon mal was von "Sarkasmus" gehört?! :+schimpf
Dennoch: es wär schon intressant, die Entwicklungen in der Natur mal ohne dauernde Eingriffe duch Jäger über längere Zeit zu beobachten! :dance:
...Bin ja mal gespannt wie oft dann noch erneut Beschwerde eingelegt werden soll.Das kann ich Dir ganz genau sagen: solange es notwendig ist! 8(
südwind
05. July 2005, 08:16
Gleichgewicht in der Natur ohne Jagd ?
INTERVIEW MIT BRUNO BASSANO, GRAN PARADISO
In den weiträumigen italienischen Nationalparks wird seit Jahrzehnten nicht mehr gejagt. Gran Paradiso ist der bekannteste und zugleich der größte italienische Nationalpark. Seit 1922 ist in dem 72.000 Hektar großen Waldgebiet die Jagd abgeschafft. Hier ein Interview mit dem Tierarzt Bruno Bassano, der für die gesundheitlichen Belange der Tiere im Nationalpark Gran Paradiso verantwortlich ist.
http://www.alpa.lu/modules.php?name=Sections&op=viewarticle&artid=48
Gleichgewicht in der Natur ohne Jagd ?
http://www.umwelt-schweiz.ch/imperia/md/content/buwalcontent/umwelt/2005-2/de/d-44-47-steinbock.pdf
Die in den Schweizer Alpen praktizierte Steinwildjagd gilt als vorbildlich für eine artgerechte
und nachhaltige Regulation von Wildbeständen. Dennoch sind in letzter Zeit in verschiedenen
Steinbockkolonien Probleme aufgetreten. Sind sie – buchstäblich – ererbt?
1911 erfolgten die ersten Aussetzungen
im Gebiet der Grauen Hörner
im Kanton St. Gallen. Die Kolonien
prosperierten. Die Bestände
vermehrten sich gebietsweise gar zu
wacker, so dass es zum Schutz des
Bergwaldes vor Verbissschäden eine
Bestandesregulation brauchte. Anfänglich
geschah dies, indem man in
zu gross gewordenen Kolonien Tiere
einfing und dann anderswo aussetzte.
Später wurden auch Abschüsse
unumgänglich – ab 1977 im Bündnerland,
in den Jahren danach auch
in anderen Kantonen.
Was passiert wohl, wenn der Bergwald erst mal verschwunden ist / wäre???????
http://www.bergwaldprojekt.ch/
südwind
05. July 2005, 12:38
Denkstück
Den Bock zum Gärtner machen?
Erst machen sie alles kaputt, dann spielen sie sich als Retter auf
So könnte man das Verhalten der meisten Menschen, die in diesem Lande den Naturschutz auf ihre Fahnen schreiben, charakterisieren. Schon die Zerstörung der Natur gleicht einem strategischen Feldzug, nur sind diesmal nicht (bzw nicht nur) Menschen die Gegner, sondern die Natur, ihre Regelkreisläufe und vor allem das undurchschaubare Landschaftsgefüge, das mit Katastrophen auf den Krieg gegen sie reagiert. Es tut das nicht aus Bösartigkeit, sondern als logische Konsequenz der Wirkungsketten, die der Mensch nicht kennt, nicht sehen will oder einfach übergeht. Derselbe Mensch, der diese Zerstörungen auf dem Gewissen hat, greift nur zur zweiten strategischen Tat, der Rettung der Natur. Ob es Jäger, behördliche oder VereinsnaturschützerInnen, Garten- und Häuslebauer oder was auch immer sind, sie alle gleicht eine Grundregel: Die Rettung bzw Heilung der Natur muß durch denjenigen geschehen, der sie vorher zerstört hat. Die Natur selbst ist dafür selbstverständlich zu blöd. Also muß wieder der Mensch ran.
Wir basteln uns die Natur zurück!
Der Mensch, oberster Feind der Natur, arbeitet mit umfassenden Konzepten und viel Geld bzw Arbeitskraft an der Heilung. Genauso, wie in der modernen Medizin nicht die Selbstheilungskräfte des durch Umweltgifte, Rauchen, Nahrungsgifte und vielem mehr geschundenen Körpers geweckt werden, sondern der kranke Mensch an hochtechnische Apparaturen angeschlossen bzw mit künstlichen Produkten vollgeschüttet wird, geht es der Natur. Nichts wird dem Zufall überlassen. Alles wird genau geplant. (Woran natürlich viele PlanerInnen und MöchtegernplanerInnen Geld verdienen.) Dann rücken Horden von BiotopgestalterInnen, PflegerInnen und BiotopmanagerInnen aus, um die Natur in das neue Korsett zu zwingen, das sich der schlaue Mensch für sie ausgedacht hat. "Der Bock wird z um Gärtner" heißt, daß der Mensch, Schinder der Natur, nun selbst meint, alles wieder richten zu müssen, und das nach seinen Vorstellungen. Und, noch schlimmer: Während er die Natur wieder "heilbasteln" will, macht er andersorts bzw global (durch Gifte in Luft und Wasser) immer mehr kaputt, um schließlich wieder als Retter und Wunderheiler mit neuen Gesetzen, Richtlinien und Biotopmanagementkonzepten aufzutreten.
Warum das? Ganz einfach, weil daran viele Leute ihr Geld verdienen, wieder andere ihr Gewissen beruhigen und noch andere einfach ihre Langeweile totschlagen, dh die Freizeit in ihren Pflegeflächen verbringen wie andere kegeln gehen.
Beispiel: Bäche
Niemand wird bestreiten, daß es Menschen waren, die den Bächen jene grausame Gewalt angetan haben, die sie in die heutige Form gebracht hat: verrohrt oder begradigt fristen sie ihr Dasein. Nun kommen die Menschen wieder daher und basteln ihre Heilungskonzepte. Und nicht zuletzt tun das die Wasserwirtschaftsämter selbst, die um ihre Arbeitsplätze bangen, weil es nichts mehr zu begradigen gibt. Jetzt wird dem Bach eine neue Form gegeben: In schönen, natürlich regelmäßigen Kurven (man will ja was für's Auge und für die einfache Nutzbarkeit der angrenzenden Flächen haben), oft mit einem Wanderweg dabei. Und ganz nebenbei auch noch tiefer als vorher, denn die anliegenden Landwirte wollen ihr Wasser bei der Gelegenheit auch noch schneller loswerden. Letzteres wird aber nicht so deutlich gesagt. Warum auch? In bunten Broschüren, Zeitungsartikeln usw ist das geschwungene Bachbett für eine positive Berichterstattung gut genug. Der Planer verdient gut, die örtliche Baufirma auch und der Politiker sackt ein paar Wählerstimmen ein.
Beispiel: Jagd
Unablässig fordern die Jäger Abschußgenehmigungen, verweisen andere Menschen aus den Wäldern und Feldern (um selbst dann mit Jeep, Hund und Flinte in selbigen rumzubrettern) und glauben sich als Regelgrößen in den Ökosystemen. Dabei hat die Jagd ihren Anteil daran, daß alles aus den Fugen geraten ist: Fütterungen verändern die Populationsdynamik und -größe erheblich. Anpflanzungen ausgewählter, oft gezüchteter oder fremdländischer Schutzgehölze fördern nur einige Arten, aber das auf Kosten der anderen. Abschuß und Störungen durch Jäger sind ebenfalls willkürzliche Regelgrößen ohne Rücksicht auf ökologische Prinzipien. Nachdem nun Jagd und (teilweise wesentlich schwerwiegender) andere menschliche Eingriffe die Natur zer- oder gestört haben, wollen die jagenden Menschen nun der Ersatz für die zerstörten Regelkreise sein. Und das heißt: Abknallen, was zuviel wird (weil Freßfeinde fehlen oder, meist der Hauptgrund, Biotopbedingungen verändert wurden). Füttern, was zu wenig ist. Natur wird zum Zoo, der Jäger zum Zoodirektor. Wichtig ist allein: Nur nicht die Natur machen lassen. Am Ende könnte sich noch herausstellen, daß Jagd Unsinn ist und sich die Natur viel besser selbst hilft.
Fazit
Naturschutz muß sich mehr an der Natur selbst orientieren. Lösungen, die das Herumbasteln des Menschen zwingend vorsehen, sind Unsinn und führen zu unvorhersehbaren Nebenwirkungen. Für Hirne mit linearen Denkstrukturen (1 Rabenkrähe abknallen = 1 Rabenkrähe weniger) ist die Natur zu komplex. NaturschützerInnen sollten mehr Mut haben, der Natur zur Selbstheilung zu verhelfen. PlanerInnen, PolitikerInnen und NaturschützerInnen sind nötig, um der Natur den Platz dafür zu geben, (ein Nebeneinander von Flächen, wo die Natur selbst wirkt, und solchen, wo der Mensch nutzt) naturverträglich, versteht sich. Eine dritte Kategorie, wo der Mensch in der Natur bastelt, braucht niemand. Außer vielleicht die Bastler zur Selbstbefriedigung selbst!
http://www.projektwerkstatt.de/biotopschutz/kom_jagd.html
südwind
05. July 2005, 14:39
Drei als Nesträuber bekannte Arten der Rabenvögel treten also gehäuft in der Stadt auf. Zwei haben rückläufige bis stark rückläufige Bestände, und eine Art berührt die Stadt erst am Rande. Vom Nestraub besonders betroffene Kleinvögel sind Amsel und Grünfink. Doch stellen wir mit Erstaunen fest, sie kommen in jedem Frühjahr ziemlich konstant wieder, haben in der Stadt neben Eichelhäher, Elster und Nebelkrähe gute Bestände. Sie puffern ihre Nestverluste vollständig durch spätere Bruten. Im zeitigen Frühjahr sind die Büsche schlecht belaubt. Die Amsel baut ihr Nest sichtbar vor unseren und natürlich den Augen der Elster. Die hat aber genauso Appetit auf Eier wie wir zu Ostern. Also baut die Amsel weiter Nester und legt weiter Eier. Wie unsere Hühner. Einmal im Jahr hat sie eine gute Chance, ihre Jungen hoch zu bringen, wenn wir z. B. Urlaub machen, die Elster mausert und nicht mehr neugierig nach jedem Nest Ausschau hält. In dieser Zeit merken wir das kaum. Nach dem Urlaub können wir wieder flügge junge Amseln entdecken. Wir sehen, dass Eichelhäher, Elster und Nebelkrähe nicht „tabula rasa“ gemacht haben und für Amsel und Grünfink genug Nachwuchs geblieben ist, der ihren Fortbestand in der Stadt sichert.
Dr. Klaus Witt
http://www.naturschutzstation-malchow.de/archiv/blick45rabenvogel.htm
Vogel-Mami
06. July 2005, 01:05
Deutscher Tierschutzbund
Pressemeldungen 16.06.05 Juni 2005
Krähenvogeljagd in Niedersachsen: NABU und Deutscher Tierschutzbund sagen Teilnahme an Fachgespräch im Ministerium ab
Für den kommenden Montag, 20. Juni 2005, hat das niedersächsische Landwirtschaftsministerium zu einem „wissenschaftlichen Diskurs“ über die Tötung von Krähenvögeln eingeladen. Der Naturschutzbund NABU und der Deutsche Tierschutzbund haben ihre Teilnahme heute abgesagt, da „der geplante Ablauf und die bisher bekannte Teilnehmerliste darauf schließen lassen, dass die Veranstaltung keinen ergebnisoffenen Dialog in der Sache ermöglicht“.
Die Tötung von Tausenden Rabenvögeln im Landkreis Leer steht seit ihrem Beginn im Januar 2004 in der Kritik der Tier- und Naturschützer, die nationale und internationale Bestimmungen verletzt sehen. Ungeachtet dessen wird das Projekt von der niedersächsischen Landesregierung inhaltlich und finanziell unterstützt und soll ab August sogar fortgesetzt werden. Für den 20. Juni hat das Ministerium zu einem „wissenschaftlichen Diskurs“ eingeladen, an dem auch der NABU und der Deutsche Tierschutzbund teilnehmen sollten. Die beiden Verbände haben die Teilnahme nun demonstrativ abgesagt.
„Wir stehen für einen konstruktiven Dialog. Das Ministerium will den Ablauf aber offenbar so lenken, dass ihre rechtswidrige Linie unabhängig von Sachverstand abgenickt wird. Dafür stehen wir nicht zur Verfügung“, erklären Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes und Olaf Tschimpke, Präsident des Naturschutzbundes, gemeinsam ihre Absage. Im Vorfeld der Veranstaltung hatten bereits zahlreiche anerkannte Wissenschaftler eine Teilnahme aus Protest abgelehnt. Mehrmals hatten die beiden Verbände im Ministerium den im März erstellten Zwischenbericht des Projektes angefordert, der für die Vorbereitung für den Diskurs am 20. Juni von zentraler Bedeutung ist. Dieser Bericht wurde den Verbänden nun derart kurzfristig zugestellt, dass eine detaillierte fachliche Auseinandersetzung nicht mehr möglich ist. Weiterhin ist nach der bisher vorliegenden Teilnehmerliste eine paritätische Besetzung der Teilnehmer nicht erkennbar, so dass die Jagdbefürworter hinsichtlich des Rederechtes deutlich bevorzugt wurden. Zudem hatte das Landwirtschaftsministerium immer wieder in den Medien ihre Zusage nach einer „ergebnisoffenen“ Diskussion selbst in Frage gestellt.
Die beiden Verbandspräsidenten erneuerten die scharfe Kritik an der Jagd auf Krähenvögel und an dem Vorgehen der Landesregierung, erklärten aber zugleich, dass „ein Gespräch auch in der Zukunft möglich ist, wenn sich die Landesregierung eines Besseren besinne und tatsächliches Interesse an den wissenschaftlich begründeten Argumenten der Tier- und Umweltschützer zeige“.
auch das noch................
laut Projektleiter und Jägerschaftspräsident Pohlmeyer hat sich die Ethikkommission der Tierärztliche Hochschule Hannover nicht vorab mit dem Projekt befasst. "Die Ethikkommission ist in diesem Zusammenhang bedeutungslos, weil es sich um eine jagdliche Frage handelt", meinte der Wildbiologe: "Im jagdlichen Bereich gibt es keine Versuchstiere."
Vogel-Mami
06. July 2005, 01:08
Bundesverband Menschen für Tierrechte
Pressemitteilung, Juni 2005
Massenvernichtung von Rabenvoegeln im niedersaechsischen Landkreis Leer
Strafanzeige gegen Landwirtschaftsminister Ehlen
Die Auseinandersetzung um die Massenvernichtung von Rabenvoegeln im Landkreis Leer verschaerft sich: Der Bundesverband Menschen fuer Tierrechte hat seine Anzeigenerstattung erweitert und jetzt bei der Staatsan- waltschaft Aurich gegen Landwirtschaftsminister
Hans-Heinrich Ehlen (CDU) und gegen die Verantwortlichen der Genehmigungsbehoerde in Leer Strafanzeige wegen massenhafter Vergehen der Tiertoetung und der Tierquaelerei erstattet.
Der Verbandsvorsitzende und Tierschutzanwalt Dr. Eisenhart von Loeper wirft den verantwortlichen Vertretern des Landkreises Leer vor, sie haetten dem Institut fuer Wildtierforschung an der Tieraerztlichen Hochschule Hannover die Ausnahmege- nehmigung fuer Fang, Fangmethode und Toetung Tausender Rabenvoegel "in schwerwiegender Weise rechtsmiss- braeuchlich" erteilt. Zum einen habe die flaechendeckende Massentoetung der Voegel keinen Ausnahmecharakter, zum anderen sei sie strafrechtlich relevant und darueber hinaus ethisch nicht zu rechtfertigen. Sie verletze aber auch das Staatsziel Tierschutz und die EU-Vogelschutzrichtlinie, die den eingesetzten Fallentyp "Norwegischer Kraehenfang" gar nicht zulasse.
Rechtsanwalt von Loeper beschuldigt Landwirtschaftsminister Ehlen, er sei fuer das schwere Unrecht an der Qual und Toetung der Rabenvoegel strafrechtlich mitverantwortlich: Als oberster Behoerdenchef kenne und billige er seit langem das ihm bekannte rechtswidrige und strafbare Handeln der ihm nachgeordneten Genehmigungsbehoerde und koenne daher "seine Haende nicht in Unschuld waschen".
Die Toetung der Rabenvoegel findet im Rahmen eines Projektes der Tieraerztlichen Hochschule Hannover statt, das vom Land Niedersachsen inhaltliche und finanzielle Unterstuetzung erfaehrt. Ein auf drei Jahre angelegter Feldversuch will herausfinden, ob sich die Bestaende von Wiesenvoegeln und Feldbruetern durch weniger Rabenvoegel erholen, wobei die Fangsaison jeweils von vier Monaten Schonzeit, von April bis Juli, für die Aufzucht der Jungvögel unterbrochen wird. Das Ministerium bezahlt die wissenschaftliche Auswertung des Projekts mit 63.000 Euro, die es aus Mitteln der Jagdabgabe zur Verfügung stellt, aus der das Land jagdfördernde und manchmal auch Naturschutzprojekte finanziert. Projektleiter Pohlmeyer nennt das zu Recht eine geringe Summe.Etwa 12.000 Kraehen und Elstern sind bereits umgebracht worden. Die Tiere werden dabei in der Regel in spezielle, EU-weit verbotene Fallen gelockt und danach gezielt erschlagen. Seit Beginn des Projektes im Januar 2004 protestieren dagegen namhafte Tier- und Naturschutzver- baende sowie weitere anerkannte Experten.
Da trifft es sich, dass Pohlmeyer nicht nur das Institut für Wildtierforschung in Hannover leitet, sondern auch die niedersächsische Landesjägerschaft, bei der er mittlerweile vom Vizepräsidenten zum Präsidenten aufgestiegen ist. Das Töten der Vögel und auch die Zählung der Bestände hat die Kreisjägerschaft des Landkreises Leer denn auch kostenlos übernommen.
Vogel-Mami
06. July 2005, 01:17
http://www.noiw.net/fall.jpg Historische Falle:
Die Falle wurde aus Kanthölzern und Maschendraht von 5 cm Weite gefertigt. Länge mindestens 3 m, Breite 1,20 m, Höhe 1,50 m. Die diagonalen Verstrebungen waren etwa 3,20 m lang. Dort, wo sie sich schnitten, war der leiterähnliche Einschlupf aufgelagert. Das Innere der Falle wurde mit Schlacht und Küchenabfällen sowie mit Wildgescheide beködert.
Durch eine in der Mitte des (trichterförmig gestalteten) oberen Teiles eingelegte Leiter konnten die Krähen in den Innenraum der Falle gelangen, aber nicht wieder entweichen.
Im Innern wurden ständig zwei Lock-Krähen gehalten. Sie waren ausreichend mit Trink und Badewasser zu versorgen. Außerdem wurden für die gefangenen Krähen genügend Sitzstangen angebracht.
Sollten sich Greifvögel oder Saatkrähen fangen, waren diese anlässlich der täglich zweimaligen Kontrollen freizulassen. Die Falle wurde auf freier Fläche oder in der Nähe einzelstehender Bäume aufgestellt. Die fangärmste Zeit war die Brutzeit.
Nach neuerem Jagdrecht ist diese Fallenart verboten!
Quelle: http://www.kirchner-raddestorf.de/jagd/hege/bau.htm
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Im Schutze der Nacht:
Nachts blenden die Waidmänner die Tiere mit Taschenlampen und töten sie "tierschutzgerecht" durch Zerschmettern der Hirnkalotte mit einem Rundholz, wie Projektleiter Professor Klaus Pohlmeyer vom Institut für Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover am Montag betonte. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hatte ein Symposium am 20. Juni 2005 in Hannover anberaumt.
Quasi als Beifang erwischte es 234 Saatkrähen, Dohlen und Eichelhäher und zudem 34 Raubvögel, die laut Zwischenbericht allesamt unverletzt wieder freigelassen wurden
Bei der Staatsanwaltschaft Aurich läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachtes der Tiertötung ohne vernünftigen Grund in Verbindung mit Verstößen gegen das Bundesnaturschutzgesetz, die Bundesartenschutzverordnung und die EU-Vogelschutzrichtlinie gegen Prof. Pohlmeyer und andere. Der Deutsche Tierschutzbund hat sich diesem Verfahren angeschlossen. Parallel dazu prüft er, ob erneut Beschwerde bei EU-Kommission eingelegt werden kann.
Der Krähenmassenfang in 150 von 160 Jagdrevieren im Landkreis Leer geht währenddessen unvermindert weiter.
Vogel-Mami
06. July 2005, 01:21
Quo vadis Tierschutz in Deutschland oder: Ist überall Tierschutz drin, wo Tierschutz draufsteht?
Symposium zu(m) Krähenfang(mord) ohne den NABU und den Deutschen Tierschutzbund
Ausgangssituation: Vor Jahrzehnten: Greifvögel – weg! Somit keine natürlichen Jäger, die "Krähen" auf der Speisekarte haben. Heute: Krähen – weg! Somit keine natürlichen Jäger, die Singvögel auf der Speisekarte haben. Morgen: Singvögel – weg! Ganze Kolonien dieser zur frühen Stunde zwitschernden Arten nerven, Vogelkot wohin das Auge schaut, wohin der Fuss läuft. Ein Aufenthalt im Freien – eine Zumutung für Homo sapiens - dem Regulator!
Anfang des Jahres 2004 wurden im Rahmen einer Studie des Institutes für Wildtierforschung an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover Tausende von Rabenvögeln in Massenfallen gefangen und anschließend ermordet. Es soll mit dieser Studie der schädliche Einfluß der Rabenvögel auf Wiesenbrüter untersucht werden. Um diesen Einfluß auszuschalten, werden möglichst flächendeckend Rabenvögel im Namen der "Wissenschaft" zu Tode geknüppelt. Die öffentliche «Hinrichtung» des Tierschutz wird hier auf grauenvolle jedoch anschauliche Weise praktiziert.
Die Tierschutzorganisation NABU (Naturschutzbund) und auch des DTB (Deutschen Tierschutzbund) sagen gemeinsam Teilnahme an dem vom Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium zum 20. Juni 2005 anberaumten wissenschaftlichen Symposium in Hannover ab. Scheut man die Konfrontation, geht es um Schadensbegrenzung? Völlig falsche Annahmen! Beide Verbände befragten ihre «Orakel»! Wie sonst ist die Aussage, die auch gleich zur Absage der Teilnahme führte, zu werten, in der es heisst, Zitat: "Angesichts des geplanten Ablaufs und der angekündigten Teilnehmer sehen sie keine Möglichkeit zu einem ergebnisoffenen Dialog" – Zitat Ende!
Ist der Tierschutz auch in das Grundgestzt aufgenommen worden, so ist die Verbandsklage erfolgreich von den Wissenschaftlern verhindert worden.
Eindrucksvolle Beispiele finden sich auf der URL: http://www.noiw.net/stamm.htm (Wie Wissenschaftler ihre Unterstützung in Regierungskreisen «einjammern» oder das grosse Zittern der Wissenschaftsforschung vor dem Tierschutz)
Diese Beispiele zeigen, wie es um den Tierschutz in Deutschland bestellt ist.
Der Selbstschutz steht ganz oben auf der Agenda vieler Verbände und Organisationen. Ein schmerzhafter Schlag in die Gesichter der Menschen, die an vorderster Front engagiert und couragiert ihr Bestes für den Schutz der Tiere geben.
Ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir uns die Mühe machen und die "Alten Bäume" herausreissen, um uns zu vergewissern, ob diese noch Wurzeln haben!
Weitere Informationen und Petition "Krähenfang": http://petition.thoki.net/index.html
Sag mal, was interpretierst denn Du da Krankes rein?! :nene:
Schau`s Dir nochmal genau an!
Schon mal was von "Sarkasmus" gehört?! :+schimpf
(
http://www.mdr.de/brisant/430163.html
Jäger brutal erstochen
Sendung vom 27.11.2002
Unter großem Medieninteresse hat vor dem Landgericht in Kassel ein Mordprozess begonnen. Dem 50-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, einen Jäger mit 50 Messerstichen in den Kopf bestialisch getötet zu haben.
Der Angeklagte ließ es sich am Morgen nicht nehmen, seinen Auftritt vor dem Gericht medienwirksam zu inszenieren. Vor Prozessbeginn präsentierte der 50-Jährige den zahlreich vertretenen Kamerateams und Fotografen einen Zeitungsartikel mit dem Titel "Jagd soll sich wandeln". Sein Verteidiger versuchte vergeblich, die Gerichtsverhandlung zu Beginn mit einer Flut von Anträgen aussetzen und vertagen zu lassen.
Laut Staatsanwältin Ute Spellbrink soll der mutmaßliche Täter von einem "Hassgefühl auf alle Jäger" besessen sein. Dieses Hassgefühl wurde dem 34-jährigen Jäger zum Verhängnis. Das spätere Opfer war in der Nacht zum 2. Oktober 2001 mit vier Kollegen zur Pirsch aufgebrochen. Als sich die Gruppe getrennt hatte, kletterte der Mann auf einen Hochsitz. Am Morgen fand man die Leiche mit bis zu elf Zentimeter tiefen Stichen im Schädel im Gebüsch. Der Mann wurde mit 50 Messerstichen in den Kopf getötet.
Auf die Spur des mutmaßlichen Mörders kam die Polizei im November vergangenen Jahres. Die Beamten hatten wegen mehrerer Tankstellenüberfälle nach ihm gefahndet. In seinem Auto fand man dann überraschend das einläufige Jagdgewehr des Ermordeten. Der Angeklagte hat bisher zu den Vorwürfen geschwiegen.
http://www.djz.de/artikelbeitrag/artikelbeitrag_19290.html
Prozess hat begonnen
Seit dem 27. November muss sich der 50-jährige Mann vor Gericht verantworten, der am 2. Oktober 2001 einen Jäger erstochen haben soll.
Der Angeklagte soll sein 34 Jahre altes Opfer zunächst mit einem Elektroschocker angegriffen haben, um ihm sein Jagdgewehr abzunehmen. Als dies misslang, streckte der Mann den 34-jährigen Jäger laut Anklage mit einem Messer nieder. Das Motiv des Volgeschützers soll Hass auf Jäger gewesen sein.
Der Jäger war in Trendelburg-Gottsbüren (Landkreis Kassel) mit mehreren Freunden im Revier Veckerhagen auf Jagd gewesen.
Gegen 6 Uhr morgens hatte die Gruppe sich getrennt und der Jäger war allein zu seinem Sitz gegangen. Als er drei stunden später nicht am verabredeten Treffpunkt erschien, suchten ihn die anderen. Schließlich fandne die Jäger ihren Kameraden nahe des Hochsitzes in einem Gebüsch. Der Tote wies zahlreiche Messerstiche im Kopf auf. -hl-
http://www.mdr.de/brisant/499378.html
Tierschützer ermordete Jäger
Sendung vom 10. Januar 2003
Im so genannten Jägermordprozess ist der Angeklagte vor dem Kasseler Landgericht zu mehr als zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht hielt es für erwiesen, dass er im Reinhardswald den 34-jährigen Jäger Uwe Mensdorf erstochen hatte.
Der Vogelschützer wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt.
Verurteilter gilt als psychisch krank
Lothar M., der als psychisch krank gilt, hatte einen Jäger mit 50 Messerstichen in den Kopf getötet. Das hielt das Landgericht Kassel am Ende des Indizienprozesses für erwiesen und verurteilte den Mann zu zwölf Jahren und drei Monaten Haft. Außerdem ordneten die Richter an, den 50-Jährigen in die Psychiatrie einzuweisen. Ein Gutachter hatte dem Verurteilten eine paranoide Persönlichkeitsstörung bescheinigt.
Blutiger Mord im Oktober 2001
Der blutige Mord Anfang Oktober 2001 hatte für großes Aufsehen gesorgt. Der Verurteilte hatte den Jäger im Wald erst mit einem Elektroschocker angegriffen und dann auf ihn eingestochen. Als Tatmotiv gilt ein allgemeines Hassgefühl auf Jäger des 50-jährigen Vogelschützers.
südwind
06. July 2005, 10:37
PRESSEMITTEILUNG
NR. 0106/2000 der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
Datum: 25.02.2000
Keine Rabenvögel im Landesjagdrecht
Anlässlich der heutigen Pressekonferenz des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) in Bonn über die Bejagung von Rabenvögeln in Deutschland, erklärt Sylvia Voß, naturschutzpolitische Sprecherin:
In den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Hessen wurden die Rabenvögel widerrechtlich ins Landesjagdrecht aufgenommen, in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gibt es pauschale Abschussgenehmigungen. Damit
sind die Vögel in diesen Ländern zur freien Tötung (außer in den Schonzeiten) freigegeben – und das, obwohl sowohl Rabenkrähe als auch Elster nach der Bundesartenschutzverordnung zu den besonders geschützten Tieren gehören. Wir begrüßen die Initiative des NABU, in dieser Hinsicht aufklärend zu wirken: "Die Jagd auf Rabenvögel widerspricht geltendem Recht, wissenschaftlicher Erkenntnis und den moralischen Prinzipien des Tierschutzes". Gegen die generelle Bejagung
hat bereits die Landtagsfraktion der GRÜNEN in Rheinland-Pfalz eine Normenkontrollklage gegen das Land eingereicht, mit dem Ziel die Rabenvögel aus der Landesjagdverordnung herauszunehmen.
Leider glauben Teile der Jagd- und Fischereivertreter immer noch, Rabenvögel seien schädlich und müssten bejagt werden. Dass dies nicht so ist, zeigt die jüngst veröffentlichte wissenschaftliche Studie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Die gängigen Urteile über die Rabenvögel sind falsch, ihre Bejagung ist nicht begründbar.
Wir lehnen die Übernahme der Rabenvögel in das Jagdrecht - und damit die Entwertung des Tierschutzes - auch weiterhin ab. Die Unterschutzstellung ist grundsätzlich beizubehalten. Ausnahmegenehmigungen zum Abschuss nach § 20 g Bundesnaturschutzgesetz dürfen erst – wenn überhaupt – nach Bestätigung einer lokal auftretenden Schadwirkung durch
wissenschaftliche Freilandlangzeituntersuchungen in den betroffenen
Gebieten erteilt werden.
Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
Pressestelle
11011 Berlin
Telefon: 030/227-5 72 12/5 72 13
Fax: 030/227 5 69 62
E-Mail: presse@gruene-fraktion.de
http://www.jagd-info.net/pr-erk004.html
PRESSEMITTEILUNG
NR. 0106/2000 der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
Datum: 25.02.2000
Keine Rabenvögel im Landesjagdrecht
Anlässlich der heutigen Pressekonferenz des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) in Bonn über die Bejagung von Rabenvögeln in Deutschland, erklärt Sylvia Voß, naturschutzpolitische Sprecherin:
In den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Hessen wurden die Rabenvögel widerrechtlich ins Landesjagdrecht aufgenommen, in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gibt es pauschale Abschussgenehmigungen.
.... Da kann man mal sehen wie Rechtssicher und unwissent bestimmte Emotional geprägte Personen sind.
Vielleicht haben sie auch einfach nur Beiträge mit inhaltlischen falschen Grundlagen mal überflogen. Selbst der NABU weiss genau, das die Bejagung im allgemeinen nicht gegen geltentes Recht verstösst.
Ich erspare mir jetzt die Aufzählung der Gesetze, da diese schon diverse male hier veröffentlicht wurden, aber scheinbar nicht gelesen wurden, zumindest von einigen.
südwind
07. July 2005, 07:30
Naturschutz ade?
Seit Ende April hat Schleswig-Holstein eine neue Landesregierung aus CDU und SPD ,Ministerpräsident ist Peter Harry Carstensen von der CDU , ein Jäger. Was viele befürchtet haben scheint nun wahr zu werden , schon nach weingen Wochen in der Regierung zeichnet sich ab, das der Naturschutz bei ihm anscheinend keinen hohen Stellenwert hat. Schon eine seiner ersten Handlungen als Ministerpräsident ließ nichts gutes erahnen, kaum gewählt machte er den seinen , der Hauptversammlung des Landesjagdverbandes von Schleswig-Holstein, sein Antrittsbesuch.
Auch seine Regierungserklärung zeigte deutlich welchen Stellenwert der Naturschutz bei der neuen Regierung hat, anscheinend keinen. Es soll gespart werden im Land, und wie immer zeigt sich mal wieder Naturschutz ist was für "gute Zeiten" wenn es kritisch wird läßt man ihn fallen wie eine heiße Kartoffel. So sollen die staatlichen Umweltämtder , das Landesamt für Natur und Umweltschutz soweit wie möglich aufgelöst werden. Den Staat ,und besonders die Landesregierung von Schleswig-Holstein scheint die Natur und Umwelt nicht besonders zu interessieren. Hauptsache man spart Geld ,was intersiert da die Umwelt in der eines Tages unsere Kinder leben,
Auch soll bei den Gesetzen "klar Schiff" gemacht werden und "dereguliert!" werden, welch schönes Vorhaben , aber es verwundert nicht bei welchen Gesetzen , beim Naturschutzgesetz, dem Waldgesetz,dem Jagdgesetz . Wie dies bei Jagdgesetz aussieht zeichnet sich schon jetzt ab, die Jäger dürfen wieder Beute machen.
So soll schon in diesem Herbst die Jagd auf Krähen, Elstern und den Kormoran wieder erlaubt werden,, kein Wunder das der Landesjagdverband Beifall klatscht, sie werden nicht enttäuscht von ihrem Ministerpräsidenten, es ist sogar so wichtig das es im Programm für die ersten 100 Tage steht.
Es scheint keinen in der Regierung zu stören das es inzwischen schon längst widerlegt ist, das z.B Rabenvögel nicht Schuld tragen am Rückgang der Singvögel , wie es z.B auch in einer Studie des Bundesamtes für Naturschutz steht. (ISBN 3-7843-3804-6) Man hält an Feindbildern fest und seien sie noch so unsinnig und falsch..Auf die Idee das der Mensch selber anm Artenrückgang Schuld ist, durch intensive Landwirtschaft und Sauberkeitswahn, ist man im Landeshaus in Kiel noch nicht gekommen.
Wer weiß, was noch kommt, die Jagd auf Greifvögel vielleicht, Herr Carstensen wird sein Naturschützern im grünen Rock bestimmt noch einiges bieten,damit sie wieder was vor der Flinte haben und ihn wiederwählen , die Jagd in Naturschutzgebieten möchte er ja auch einführen , ideal für Jäger, alle normalen Menschen müssen draußen bleiben und sie dürfen dort ungestört ballern, die selbsternannten Naturschützer mit der Flinte.
Wozu der Naturschutz mit der Flinte in der Lage ist, das zeigt ein Massaker im Naturschutzgebiet Anklamer Stadtbruch in Mecklenburg -Vorpommern, dort wurden ohne Rücksicht 6000 Kormorane niedergemacht, mehr Infos dazu finden sie hier. Erwarten uns solche Massaker in Zukunft auch in Schleswig-Holstein? Sind solche Jäger etwa Naturfreunde,oder nur Dummköpfe die von Ökologie keine Ahnung haben. Warum werden solche Menschen nicht zur Rechenschaft gezogen, wer mal in die Jagdzeitschriften schaut, findet dort auch teilweise ädie gleiche Gesinnung,oder in Internet Foren der Jäger, dort wurde z:B in einem Forum zum Thema Kormoran Jägern geraten , die die Freigabe zum Abschuß von 70 Kormoranen hatten , den 69. Kormoran doch100 mal abzuschießen,sowas spricht für sich und zeigt welche Art Naturschützer doch einige Herren in grün sind. Es geht ihnen nicht um Naturschutz sondern schlicht ums Beute machen, und die Konkurenz wie Kormoran , Greifvögel, haben zu verschwinden.
Hier 2 Fotos von den Folgen des Massakers, das auch negative Auswikungen auf andere Vogelarten hat:
http://www.naturbeobachtungen.de/jagd.html
südwind
07. July 2005, 08:19
Hallo Natur
"Rabenvögel - geliebt und gehasst"
Die Jäger Joachim Bollmann und Detlev Kraatz auf Kontrollfahrt in Hohenhameln im Landkreis Peine. 350 Hektar groß ist hier das Jagdrevier, weite Acker- und Wiesenflächen zwischen kleinen Ortschaften. Die Böden gehören zu den besten Deutschlands, beliebte Anziehungspunkte für gefiederte Gäste aus Nordeuropa. Schwärme von Saatkrähen bevölkern jetzt im Februar die Äcker.
http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID885346,00.html
südwind
07. July 2005, 08:52
Deutschland: Über 3 Millionen Vögel geschossen
Deutsche Jäger haben auch 2004 wieder mehr Vögel getötet als in den Vorjahren. Laut offizieller Jagdstatistik wurden im letzten Jahr fast 1,9 Millionen Vögel geschossen - darunter 1,4 Millionen Zugvögel. Nicht mitgezählt sind lediglich angeschossene Tiere und zum Abschuss freigegebene, unter Naturschutz stehende Arten wie Kormorane oder Rabenvögel.
Nach vorsichtigen Schätzungen kann somit von mindestens 3 Millionen tatsächlich in Deutschland geschossenen Vögeln ausgegangen werden.
ca. 400.000 Rabenvögel
Quelle: Komitee gegen den Vogelmord e.V., April 2005
Rabenkrähen dürfen geschossen werden
Anders sieht es da bei ihrem Verwandten, der Rabenkrähe, aus. Diese komplett schwarze Krähe hat einen schlechten Ruf. Als Allesfresser pickt sie nicht nur Würmer aus dem Boden, sondern greift sich auch Jungvögel oder räubert Nester aus. Die niedersächsischen Jäger dürfen die Rabenkrähe deshalb seit drei Jahren wieder abschießen, um die Bestände einzudämmen.
"Wir haben in den Jahren, in denen es verboten war, Rabenvögel zu bejagen, festgestellt, dass sich die Vögel stark vermehrt haben.", sagt Detlev Kraatz, Sprecher der Landesjägerschaft Niedersachsen. "Dort, wo sie in großen Junggesellenschwärmen auftreten, suchen sie im Frühjahr die Flächen ab nach Junghasen und nach Gelegen von Bodenbrütern. Sie können dann großen Schaden anrichten."http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID885346,00.html
südwind
07. July 2005, 10:06
Naturschützer glauben nicht an Schädlings-Theorie
Rabenkrähe
Dass Rabenkrähen die Hasenbestände gefährden können - diese Meinung halten Naturschützer wie der Braunschweiger Zoologe Dr. Jochen Wittenberg für Unsinn. Wittenberg forscht an Rabenkrähen zwischen Braunschweig und Peine seit mehr als 40 Jahren und hat sich dabei auch das Fressverhalten der Krähen angeschaut. Dass die Hasen immer weniger werden, hat andere Ursachen, meint Wittenberg:
"Es ist unter Fachleuten seit langem anerkannt, dass der Feldhase in Mitteleuropa und anderen Ländern durch intensive Landwirtschaft und starken Autoverkehr in die Schwierigkeiten gekommen ist und nicht durch Rabenkrähen."
http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/...D885346,00.html
Der Habicht ist ein besserer Feind
Das Abschießen der Rabenkrähen würde auf Dauer ohnehin nichts bringen, meint Wittenberg. Die Vögel seien viel zu schlau und scheu, als dass man ihre Zahl mit der Flinte effektiv reduzieren könnte. Der Zoologe kennt einen viel besseren Krähenfeind als den Jäger: den Habicht.
"Die Krähen mögen den Habicht nicht, sie fürchten sich vor ihm, obwohl er normalerweise keine Krähen schlägt. Aber sie leben in Unruhe, und die Unruhe lässt sie dann leicht abwandern, so dass im Umkreis von etwa 500 Metern um einen Habicht-Horst keine Rabenkrähe brütet."
http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID885346,00.html
....
Der Habicht ist ein besserer Feind
Das Abschießen der Rabenkrähen würde auf Dauer ohnehin nichts bringen, meint Wittenberg. Die Vögel seien viel zu schlau und scheu, als dass man ihre Zahl mit der Flinte effektiv reduzieren könnte. Der Zoologe kennt einen viel besseren Krähenfeind als den Jäger: den Habicht.
"Die Krähen mögen den Habicht nicht, sie fürchten sich vor ihm, obwohl er normalerweise keine Krähen schlägt. Aber sie leben in Unruhe, und die Unruhe lässt sie dann leicht abwandern, so dass im Umkreis von etwa 500 Metern um einen Habicht-Horst keine Rabenkrähe brütet."
http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID885346,00.htmlLasst uns Nisthilfen bauen für den Habicht, alleine mit der Begründung das die Krähen dann wegziehen. Wir vergessen einfach mal, was es für andere Tierarten bedeuten würde wenn wir uns eine Überpopulation an Habichten "heranzüchten". Bei den Rabenvögeln sehen wir es ja (einige "blinde" auch nicht).
http://www.tierundnatur.de/nisth-14.htm
südwind
07. July 2005, 12:22
"Wir jagen, weil es uns Freude macht, und was wir Hege nennen, ist blanker Eigennutz, gelegentlich Fressneid.
Wir wollen den Habicht nicht fangen, weil uns die armen Fasanen leid tun, weil wir ihnen das ewige Leben wünschen. Wir wollen Habicht, Wiesel, Fuchs und Co. nur ans Leder, weil wir deren Beuteanteile selbst schlagen und kröpfen wollen.
"
Bruno Hespeler, Jagdautor, "Raubwild heute"
http://www.tatort-wald.de/motive.htm
"Wir jagen, weil es uns Freude macht, und was wir Hege nennen, ist blanker Eigennutz, gelegentlich Fressneid.
Wir wollen den Habicht nicht fangen, weil uns die armen Fasanen leid tun, weil wir ihnen das ewige Leben wünschen. Wir wollen Habicht, Wiesel, Fuchs und Co. nur ans Leder, weil wir deren Beuteanteile selbst schlagen und kröpfen wollen.
"
Bruno Hespeler, Jagdautor, "Raubwild heute"
http://www.tatort-wald.de/motive.htm
Frage:
kennst du den Gesamten text und aus welchem Zusammenhang das entrissen wurde?
Tut mir leid, ich vergass, das du an so etwas ja kein Interesse hast. :D :D :D
Es ist so schön, wenn man von seiten die nach aussen anonym und ohne Angabe eines verantwortlichen sind, betimmte sachen etwas freier gestalten und schreiben kann.
Das original findest du hier. Hat schöne Bücher mit gutem Text und Bildmaterial.
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3405146070/302-1865117-2816837
südwind
07. July 2005, 17:38
Rezensionen
Kurzbeschreibung
Bestandsaufnahme zur Situation der Raubwildarten Mitteleuropas: Biologie, Lebensweise, Verbreitung, Zukunftsperspektiven, Jagdmethoden, Einfluss der Jagd auf die Bestände und vieles mehr. pixel
Kundenrezensionen
Durchschnittliche Kundenbewertung: 1.0 von 5 Sternen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1 von 5 Sternen wenig hilfreich, 1. November 2004
Rezensentin/Rezensent: Rezensentin/Rezensent aus Kleve, NRW Deutschland
Eine fast reine Auflistung von Prädatoren, die nicht mal selbst den Anspruch erhebt ein biologisches Nachschlagewerk zu sein.
Dabei wird dem Schakal und Bär fast derselbe Stellenwert eingeräumt, wie dem hiesigem Raubwild.
Die Ausführungen zur Bejagung sind wenig hilfreich, besonders bei der Fallenjagd versucht der Autor seine eigenen (politischen) Ansichten mit allen Mitteln dem Leser beizubiegen.
Schade - ein etwas kritischeres Buch zum Thema Raubwildbejagung wäre mit Sicherheit mal angebracht, und hilfreich - mit diesem Buch ist dieses jedoch nicht gelungen.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3405146070/302-5380871-0702407
südwind
07. July 2005, 19:06
Kontrolle nur bei Dunkelheit, sonst riechen die anderen den Braten. Die Krähen mit einer starken Taschenlampe blenden und entweder ]mit Kopfschuss von der Stange schießen oder mit einem Kescher fangen und draußen töten (harter Schlag des Hinterkopfes gegen eine Kante). Greifvögel auch keschern und frei lassen.
oder:
Da Du ja auch für diese hinterhältige und feige Methode bist, dann erzähle doch auch zu ende......man ziehe sich also am besten gute Handschuhe an, nicht zu dicke um die Beweglichkeit der Hände nicht zu sehr einzuschränken, dann greife man sich das Raubzeug und drehe ihm nach gelernter Art einfach den Hals um. Jäger, die noch nicht zu dick sind, bücken sich und können dann den Kopf von diesem Raubzeug unter die rechte Stiefelsohle schieben. Dann gleichzeitig zutreten und den Rest des Raubzeuges nach oben ziehen. Es gibt noch mehr Möglichkeiten, nur diesen Quatsch mit dem Rundholz nach friesen Art sollte man sein lassen. Man kann sich doch alzu schnell selbst dabei verletzen und außerdem ist diese Art nur für die Tierschützer zur Erfüllung der Tierschutzrichtlinien gedacht.
mehr hier (http://forum.wildundhund.de/cgi-bin/ubb/ultimatebb.cgi?ubb=get_topic&f=49&t=000092&p=)
mäusemädchen
07. July 2005, 19:34
Heutiges Posting von "Roland" (tukan-world):
"Jetzt bauen die BBS-Schüler anstelle der Krähenfallen Insektenhotels.
Leer - Die Schüler der Berufsbildenden Schulen (BBS) II in Leer bauen in Zukunft keine Krähenfallen mehr. Das erklärte Schulleiter Wolfgang Kaldasch auf Anfrage der Grünen-Kreisvorsitzenden Mechthild Tammena, zugleich Mitglied des Berufsbildenden Ausschusses im Kreistag. Die Arbeitsgemeinschaft „Umwelt und Natur“ der BBS II hatte bis vor kurzem so genannte norwegische Krähenfallen für das Rabenkrähen-Projekt hergestellt. Die Kosten für das Material hatte der Landkreis Leer übernommen. Das unter Federführung der Kreisjägerschaft laufende Projekt wird von Umwelt- und Naturschützern in ganz Deutschland teilweise scharf kritisiert. Deshalb sollte, so Tammena, die Schüler-AG nicht in das umstrittene Projekt einbezogen werden. Jetzt bauen die BBS-Schüler anstelle der Krähenfallen Insektenhotels."
Quelle: OZ 6. Juli 2005
südwind
09. July 2005, 08:41
Niedersachsen erklärt Elstern für vogelfrei
Hannover - Niedersachsens Jäger dürfen künftig auch auf Rabenkrähen und Elstern schießen. Das sieht das neue Landesjagdgesetz vor, das der Landtag am Mittwoch in Hannover mit den Stimmen von SPD und CDU angenommen hat. Die Grünen stimmten gegen das Gesetz, weil es ihrer Ansicht nach keine Verbesserungen beim Natur- und Tierschutz bewirkt und die alten Privilegien der Jägerschaft zementiert. SPD und CDU sprachen dagegen von einem "guten Gesetz", mit dem die 60 000 Jäger in Niedersachsen gut leben könnten. Umweltverbände kritisierten: "Das Parlament sagt Ja zum sinnlosen Vogelmord."
http://www.welt.de/data/2001/03/15/480266.html?search=rabenv%F6gel&searchHILI=1
VolkerM
11. July 2005, 17:00
Unsere Kritik = "Ideologie", "Fehlinformationen", "Verbohrtheit" etc.?
Das Projektziel = Wiesenvogelschutz?
Der Projektbetreuer hat das Wort (im Original nachzulesen bei der APN) und sagt GENAU DAS, was WIR vorgeblich völlig unbegründet "behaupten".
siehe Anlage (leider hier wg. KB-Begrenzung - nicht wg. selektiver Auswahl -nur in Auszügen).
Schöne Grüße
Volker
VolkerM
11. July 2005, 17:06
Ein wahrlich sinnvoller Krähenfang!
Der Projektbetreuer benennt zudem exakt die wirklichen Ursachen des Wiesenvogelrückgangs und weist nicht zuletzt darauf hin, dass diese Aktion den Wiesenvögeln keinen Nutzen bringen wird.
Na? Dämmerts?
VolkerM
11. July 2005, 17:14
Die Quelle: Der Wecker / Ostfriesland / Sonntagsausgabe / 10.07.2005
Wir waren übrigens in der Zwischenzeit nicht etwa untätig, sondern haben unsere Energie etwas ökonomischer eingesetzt - als uns hier in den VF der "Falschdarstellungen" (und anderer Dinge) bezichtigen zu lassen.
Einfach lesen.
VolkerM
11. July 2005, 17:20
Ein ideologisch verblendeter Projektbetreuer?
mäusemädchen
11. July 2005, 17:41
Hier mal der komplette Artikel:
"Der Wecker" 10. Juli 2005
Krähen kriegen einfach mehr Junge
Es geht gar nicht um die Wiesenvögel im Landkreis Leer. Wissenschaftler wollen wissen, ob sie mit der Fallenjagd Krähen deutlich reduzieren können. Die Vögel schlagen den Wissenschaftlern ein Schnippchen.
Von Doris Zuidema
KREIS LEER. Wütende Naturschützer verließen am Donnerstag vorzeitig die Sitzung des Ausschusses für Kultur Umwelt- und Naturschutz im Landkreis Leer. Zuvor hatten sie verfrüht und damit unerlaubt ihren Unmut in die Sitzung gekräht. Doch als sie dann Fragen zum Forschungsprojekt "Krähen- und Elsternfang" im Landkreis Leer stellen durften, waren sie längst ausgeflogen.
Die "Grüne" Mechthild Tammena, sprach von "Mord an Rabenvögeln". Landwirt Arnold Venema (FDP) verwahrte sich dagegen, als Mörder bezeichnet zu werden. Dem Wissenschaftler Andreas Grauer wurde von Krähenfang-Gegnern die Wissenschaftlichkeit abgesprochen. Alles in Allem kamen sich Gegner und Befürworter des Projektes keinen Schritt näher.
Um das in die Kritik geratene Projekt "Krähen- und Elsternfang im Landkreis Leer" zu rechtfertigen, hatte die Kreisverwaltung Andreas Grauer vom Institut für Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover eingeladen. Er begleitet das Projekt wissenschaftlich. Doch sein Referat konnte die Zweifel an der Notwendigkeit der Massentötung von mittlerweile rund 12.000 Rabenkrähen nicht ausräumen. Im Gegentei: Das Ziel - das machte Wissenschaftler Andreas Grauer deutlich - sei nicht, bedrohte Wiesenvögel wie Kiebitze, Uferschnepfen und Bekassinen zu schützen. "Oberstes Ziel ist es herauszufinden ob der "Norwegische Krähenfang" für eine gezielte Bestandsreduzierung von Rabenkrähen großflächig geeignet ist", so Grauer.
Dass die Fallen den entsprechenden Erfolg haben werden, glaubt Johnny Prinz, Naturschutzbeauftragter des Landkreises Leer und Vogelexperte, nicht. In seinem, etwa 4.300 Hektar großen Beobachtungsgebiet, hätten die Rabenkrähen seit Einführung der Fallen einfach mehr Junge bekommen: "Es gibt seitdem einen fünf Mal so hohen Brutertrag der Rabenkrähen. Die Natur steuert gegen", so Prinz. Die Populationsdichte bleibe so erhalten.
Und die armen Uferschnepfen und Kiebitze? Die sterben offenbar nur zu einem geringen Prozentsatz daran, dass sie von Rabenkrähen gegessen werden. Das behauptet Wissenschaftler Andreas Grauer. Die Hauptschuld am Aussterben seltener Wiesenvogelarten - etwa 70 Prozent - hätten die Menschen mit ihren Gebäuden und Straßen und unter den Menschen in ganz besonderem Maße die Landwirte mit ihren trampelnden Kühen und walzenden Traktoren. Wissenschaftler Grauer erläuterte weiter, dass von den überlebenden Wiesenvögeln, die ein sicheres Nest zwischen Straßenbeton und landwirtschlichen Maschinen gefunden haben, wiederum 80 Prozent von nachts jagenden Tieren verspeist werden. Rabenkrähen jagen aber tagsüber.
Ob an der Tierärztlichen Hochschule überhaupt ein Hahn nach den armen Uferschnepfen und Kiebitzen kräht, ist seit Donnerstag noch fragwürdiger als vorher. Vermutlich geht es den Wissenschaftlern einzig darum, herauszufinden, ob ihre Fallen funktionieren.
ANDREAS GRAUER: "Der Mensch ist Schuld am Sterben der Wiesenvögel""
südwind
11. July 2005, 18:08
selbst gelesen bei "Wild und Hund im Forum."
die jäger schiessen die rabenvögel in den fallen, von der stange, was auch noch gemacht wird: sie zertreten ihnen unter ihren schuhen den kopf. die jäger schreiben, diese krähenfallen sind das effektivste, was es zur rabenvogeljagd gibt. in kurzer zeit füllt sich die falle.
mäusemädchen
11. July 2005, 19:10
Sonntagsreport 10. Juli 2005
"Das N3-Magazin "DAS!" befaßt sich mit der Krähenjagd im Kreis Leer.
Krähen-Streit live im TV
Leer (hsz) In einer Live-Sendung aus dem Evenburger Schloßpark widmet sich der Norddeutsche Rundfunk (NDR) dem Streit um die Krähenjagd im Kreis Leer. Für die Reihe "DAS! Streitfall", die am 20. Juli von 16.30 Uhr bis 17.00 Uhr auf N3 ausgestrahlt wird, kommt ein Team von 25 Fernsehleuten mit Bühne und Ü-Wagen nach Loga.
An zwei Pulten diskutieren Jan-Wilhelm Hilbrands als Kreisjägermeister, Matthias Bergmann vom Naturschutzbund Ostfriesland, Andreas Grauer vom Institut für Wildtierforschung und ein Öko-Jäger über das umstrittene Forschungsprojekt, bei dem Rabenkrähen und Elstern in Fallen gefangen und mit einem Stockschlag auf den Kopf getötet werden.
"Betroffene sollen zu Wort kommen", sagte der für die Sendung verantwortliche NDR-Redakteur Marcus Hansel.
Unterdessen stehen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Aurich vor dem Abschluß. Im Laufe des Sommers werde über eine mögliche Anklage entschieden, sagte Staatsanwalt Werner Kramer.
Nach seinen Angaben gingen bisher rund ein Dutzend Strafanzeigen wegen der Krähenjagd ein. Sie richten sich unter anderem gegen Jäger, Verantwortliche der Leeraner Kreisbehörde und Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU)."
Karin
11. July 2005, 22:09
ANDREAS GRAUER: "Der Mensch ist Schuld am Sterben der Wiesenvögel""
Wenigstens einer der so etwas wie Courage hat
gina4
11. July 2005, 22:57
In der Tat , Courage hat er , der Herr Grauer!
Desweiteren hat er sich in dem Artikel klar und einfach ausgedrückt.
So einfach , dass nun hoffentlich niemand mehr glaubt , es gehe in der Studie um die bedrohten Wiesenbrüter.
So einfach , dass nun kein user mehr argumentieren muss , er sei gegen die Falle , aber für das Forschungsprojekt - den Wiesenbrütern zuliebe :zwinker:
(Aber wahrscheinlich hat Volker ganz recht mit seiner Vermutung , dass die Projektbetreuer nun selber ideologisch verblendet sind :zwinker: )
domino
11. July 2005, 23:27
Hier mal der komplette Artikel:
Und die armen Uferschnepfen und Kiebitze? Die sterben offenbar nur zu einem geringen Prozentsatz daran, dass sie von Rabenkrähen gegessen werden. Das behauptet Wissenschaftler Andreas Grauer. Die Hauptschuld am Aussterben seltener Wiesenvogelarten - etwa 70 Prozent - hätten die Menschen mit ihren Gebäuden und Straßen und unter den Menschen in ganz besonderem Maße die Landwirte mit ihren trampelnden Kühen und walzenden Traktoren. Wissenschaftler Grauer erläuterte weiter, dass von den überlebenden Wiesenvögeln, die ein sicheres Nest zwischen Straßenbeton und landwirtschlichen Maschinen gefunden haben, wiederum 80 Prozent von nachts jagenden Tieren verspeist werden. Rabenkrähen jagen aber tagsüber.
ANDREAS GRAUER: "Der Mensch ist Schuld am Sterben der Wiesenvögel""
Womit doch diese fragwürdige Studie hinfällig wäre?
VolkerM
14. July 2005, 09:57
Der Landkreis Leer - eine prosperierende Region:
Baugrundstücke für Wiesenvögel?
domino
14. July 2005, 13:06
Und anschliessend beantragen wir eine Studie in wie weit die neuen Baugrundstücke für den Rückgang der Wiesenbrüter verantwortlich sind.
Auf der einen Seite zuerst die Raben für den Rückgang der Wiesenbrüter verantwortlich machen u. auf der anderen Seite neue Baugrundstücke erschliessen wollen. Das ist für mich der blanke Hohn. :?
Auf der einen Seite zuerst die Raben für den Rückgang der Wiesenbrüter verantwortlich machen u. auf der anderen Seite neue Baugrundstücke erschliessen wollen. Das ist für mich der blanke Hohn. :?
Der blanke Hohn?
ich weis jetzt nicht wo jeder einzelne wohnt, aber ich kann mir nicht vorstellen in einem Hochhaus in der City zu hausen, aber irgendwo muß man ja wohnen.
Denk doch mal an die änderungen der Luftströmungen die das Lokale Klima beeinträchtigen können, wenn mal wieder so ein besonders schöner hoher Betonklotz gebaut wird?
Kann mir auch nicht vorstellen, das die Angebotenen Bauplätze in "ökologisch besonders wichtigen" Bereichen liegen. Nunja, die ein oder andere Maus oder Maulwurf wird wohl umsiedeln müssen, aber.....
Vielleicht wäre es ja eine alternative in den Untergrund zu gehen wie unsere Vorfahren, mit ausschließlich künstlicher Beleuchtung.
Schau doch einfach mal hier, vielleicht wäre das ja deine neue Wohnwelt.
http://www.atta-hoehle.de/
Möchte jetzt aber nicht wissen, was die "Tropfsteinschützer" dazu sagen und für alle "Bauwilligen" wäre da sicher auch nicht genug Platz. :D
Und denk dann doch nur mal an die armen Fledermäuse. Wird ihnen doch einfach ihre natürliche Behausung geraubt. :traurig:
südwind
19. July 2005, 21:21
Rabenjagd im Landkreis Leer
Termindatum: Mittwoch, 20. Juli 2005 Startzeit: 18:00h DIV
Enddatum: Mittwoch, 20. Juli 2005 Ende: 20:00h
Kategorie: Jagd Jagd
Beschreibung: Wir werden über das Thema "Rabenjagd im Landkreis Leer" am 20. Juli im Rahmen unserer Livesendung "DAS! Streitfall" mit vier Beteiligten 30 Minuten lang diskutieren.
Es werden u.a. Herr Grauer (TiHo Hannover), Herr
Bergmann (NABU Leer), Herr Hilbrands (Jägerschaft Leer) und Herr Wittenberg (Ornitologe) teilnehmen.
NDR Fernsehen
Veröffentlicht von Admin am 14.07.05
http://xn--kojagd-vxa.de/modules.php?name=Kalender&op=view&eid=207
Ann Castro
19. July 2005, 21:52
Nicht 16.30?
Nimmt das einer von Euch auf, damit die mit ungünstigen Arbeitszeiten es sich auch anschauen können?
LG,
Ann.
20.07.2005 16:30Uhr Das! Streitfall
Thema am Mittwoch, 20. Juli: Rabenkrähen - Naturschutz oder Frevel?
Die Rabenkrähe gilt als ein Symbol des Teufels. Im Landkreis Leer haben Mitarbeiter der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) und Jäger allerdings einen anderen Grund, die Vögel zu fangen und zu töten: Sie vermuten, dass die Rabenkrähen ein wesentlicher Grund sind, dass es schon bald keine Wiesenbrüter wie Kiebitze mehr geben wird. Im Rahmen eines Forschungsprojekts will die TiHo klären, ob sich durch das Töten der Krähen die Bestände der Wiesenvögel und Feldbrüter erholen.
Live-Diskussion aus Leer
Tierschützer schlagen Alarm und verweisen auf das ihrer Ansicht nach sinnlose Töten der Vögel. 12.000 sollen es bislang sein. Am 31. Juli endet die Schonzeit und die Jäger beginnen erneut mit dem Aufstellen der Fallen. Am Schloss Evenburg diskutieren unter anderem Andreas Grauer (TiHo Projektleiter), Matthias Bergmann (Nabu Ostfriesland), Jan-Wilhelm Hilbrands (Kreisjägermeister Leer) sowie der Ornitologe Jochen Wittenberg live im NDR Fernsehen über das Thema.
http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID1583896_REF2400,00.html
Hallo Ann,
du hast recht mit 16:30Uhr. Das Zitat von Südwind kam vom ÖJV und der nimmt einiges nicht so genau.
Hallo,
gerade ist der Streitfall auf dem NDR vorbei. Wie fandet ihr die Sendung?
Ich stelle mir zur Zeit immer noch die Frage, ob dieser "Super Krähen Orni.. dingsda" Dr. Wittenberg sich vor der Sendung noch etwas zuviel Mut angedrungen hat. War etwas verwirrent was er da von sich gab. Am Anfang behauptete er, das die Bejagung der Krähenvögel in Deutschland strikt verboten wäre. Kennt er die Gesetze nicht? Zum Glück hat ihm der Kreisjägermeister darauf aufmerksam gemacht, das es sogar gesetzliche Jagdzeiten gibt. Und dann das schärfste, nachdem er diese "tolle Mäcksche" Zusammenfassung hochhielt, ließ er dann noch etwas los, das die Krähen ja doch bejagt werden dürfen, wenn ein vernünftiger Grund vorliegt. Was für ein Grund ist den noch vernünftiger als der Schutz von gefährteten Tierarten?
Herr Bergmann vom NABU hat sich ja mächtig zurückgehalten und nur mit geplängel und den bisherigen Globalen Meinungen argumentiert wie "Fragwürdigkeit der Studie" und angeblich verbotene Fallen. Ich denke das Thema hatten wir hier schon in diesem Tread und selbst der letzte "Hinterwäldler" dürfte die Rechtmäßigkeit erkannt haben.
In der Anruferaktion mit über 2000 Anrufern ein mehr als einteudiges Ja zur Bejagung, genau wie die Stimmung vor Ort. Das ein Emotionaler angeblicher Jäger (was Jagd der überhaupt, Mäuse mit der Mausefalle? und: angebliche Landwirte hatten wir hier ja auch schon in diversen Treads) vor Ort eine der wenigen Ausnahmen darstellte kommt ja auch schon mal vor.
Vor Ort steht man also zu diesem Vorgehen in Leer. Vom NABU und sonstigen angeblichen "Krähenfreunden" hätte ich ja bei der Vorabwerbung mehr Gäste mit ihren bunten Plakaten erwartet. War ja gar nichts zu sehen von denen.
zu Herrn Grauer:
Sehr sachliche Darstellung des Problems und auch mit den vorzeigbaren wissenschaftlichen Grundlagen / Daten vor Ort, die auch Herr Bergmann nicht wiederlegen konnte.
Alleine die Zahlen 320000€ für Wiesenschutz aufgebracht im Landkreis Leer und dann werden belegbar die Erfolge daraus sprichwörtlich weckgefressen.
Ja zum Wiesenbrüterschutz und damit ja zur Bejagung der Krähenvögel.
Karin
20. July 2005, 21:12
Hallo,
gerade ist der Streitfall auf dem NDR vorbei. Wie fandet ihr die Sendung?
Wenn´s nicht um so eine abstossende und traurige Sache ginge, hätte ich mich über so eine witzige Inszenierung nur noch schlappgelacht, denn es war lediglich eine Vorführung der Gegner und ein in Szene setzen der Jäger
Aday, ich weiß ja nicht, was Du geguckt hast, aber Deine Interpretation dieser Pseudodiskussion mit diesem ach so unparteiischen Moderator ist schlicht und einfach aus´m Ärmel geschüttelt, von falschen Behauptungen, die Du hier aufstellst will ich mal ganz absehen, denn das sind wir ja gewohnt von Dir ;)
Was ich von Herrn Grauer zu halten habe, weiß ich allerdings jetzt. Mit der Courage ist´s wohl doch nicht so weit her.
Die ganze Sendung ging schlicht und einfach nach dem Motto:
Leute esst ....., Millionen Fliegen können nicht irren :zwinker:
südwind
20. July 2005, 21:44
ndr ist für uns nicht erreichbar. ich habe mir einen mitschnitt bestellt.
Karin
20. July 2005, 21:58
ndr ist für uns nicht erreichbar. ich habe mir einen mitschnitt bestellt.
Schade um´s Geld. Ehrlich Südwind, Du hast nichts verpaßt. Lediglich eine Ansammlung von schon vorgebrachten Argumenten, wobei das eigentliche Projektziel mal wieder völlig außen vor war und Herr Grauer ein Kurzzeitgedächtnis zu haben schien, denn er hat ganz vergessen, daß die Krähentötung den Wiesenbrütern eh nicht helfen kann. Ansonsten eine niveaulose, ziemlich parteiische Inszenierung, wie man sie schon in Vergangenheit vom NDR gewohnt war.
Karin
20. July 2005, 22:07
War etwas verwirrent was er da von sich gab. Am Anfang behauptete er, das die Bejagung der Krähenvögel in Deutschland strikt verboten wäre. Kennt er die Gesetze nicht? Zum Glück hat ihm der Kreisjägermeister darauf aufmerksam gemacht, das es sogar gesetzliche Jagdzeiten gibt.
Wittenberg sagt, daß sie nicht dem Jagdrecht unterliegen. Das ist ein großer Unterschied !
http://www.biologische-station-osterholz.de/aktuelles/Rabenvoegel.htm
"
Rechtlicher Hintergrund
Der Kolkrabe (Corvus corax) unterliegt bereits seit Inkrafttreten des Reichsjagdgesetzes (RJG) 1935 dem Jagdrecht; er wurde in Fortführung des RJG in die Liste der jagdbaren Arten gemäß § 2, Abs. 1 des Bundesjagdgesetzes (BJagdG) von 1976 aufgenommen. Die Europäische Union stellte mit der EG-Vogelschutzrichtlinie (79/409/EWG) von 1979 alle Singvogelarten, und damit auch Elster, Rabenkrähe und Eichelhäher, unter Vollschutz. Die Unterschutzstellung von Elster, Aaskrähe und Eichelhäher im deutschen Recht wurde erst 1987 in Anpassung an die EG-Vogelschutzrichtlinie vollzogen. Trotz dieser klaren Rechtslage bezüglich der Rabenvögel und ihres Schutzes wurden die heftigen Diskussionen seit 1986 zwischen Naturschutz, Tierschutz und Jagd weitergeführt, begründet fast ausschließlich durch interessengesteuerte Fehlinterpretationen des Artenschwundes in der Kulturlandschaft. Zwischenzeitlich wurde der Rechtsschutz der Arten allerdings wieder geändert. Im Jahr 1994 wurden die drei genannten Rabenvogel-Arten auf massiven Druck aus der Jägerschaft in Anhang II/2 der EG-Vogelschutzrichtlinie aufgenommen. In Deutschland können seither, wie in den anderen EU-Mitgliedstaaten, für die Arten Eichelhäher ( Garrulus glandarius), Elster (Pica pica) und Aaskrähe (Corvus corone) Jagdzeiten erlassen werden. Im Gegensatz zu anderen EU-Mitgliedstaaten hat Deutschland von dieser Möglichkeit bislang bundesgesetzlich keinen Gebrauch gemacht.
Die drei Arten unterliegen damit in Deutschland nach wie vor dem Naturschutz- und nicht dem Jagdrecht. Die Naturschutzbehörden können aber gemäß Art. 9 der EG-Vogelschutzrichtlinie und § 20 g, Abs. 6 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) "zur Abwendung erheblicher land-, forst-, fischerei-, wasser- und sonstiger gemeinwirtschaftlicher Schäden" sowie "zum Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenwelt" und für "Zwecke der Forschung, Lehre, Zucht..." Ausnahmen zum Abschuss oder Fang zulassen. Auch diese Ausnahmen sind jedoch gemäß Art. 7 der EG-Vogelschutzrichtlinie eingeschränkt : Die Arten dürfen durch Fang oder Abschuss nicht in ihrem Bestand gefährdet werden, die Jagd darf nicht in der Brutzeit ausgeübt werden, und ihre Vermarktung ist verboten. Auch bei diesen Ausnahmeregelungen gilt, dass das Töten der Tiere gemäß § 1 und § 17 des Bundes-Tierschutzgesetzes (BTierSchG) aus einem vernünftigen Grund erfolgen muss."
Soviel zu Deiner Wahrheit Aday !
tamborie
20. July 2005, 22:16
Schade um´s Geld. Ehrlich Südwind, Du hast nichts verpaßt. Lediglich eine Ansammlung von schon vorgebrachten Argumenten, wobei das eigentliche Projektziel mal wieder völlig außen vor war und Herr Grauer ein Kurzzeitgedächtnis zu haben schien, denn er hat ganz vergessen, daß die Krähentötung den Wiesenbrütern eh nicht helfen kann. Ansonsten eine niveaulose, ziemlich parteiische Inszenierung, wie man sie schon in Vergangenheit vom NDR gewohnt war.
ich lach mich schlapp, hat wohl so gar nicht in euer Konzept der "Massentötung"
gepasst, also alles "Schei.....".
Warum wundert mich das jetzt nicht im geringsten.
Tam
Karin
20. July 2005, 22:46
Warum wundert mich das jetzt nicht im geringsten.
Tam
Warum wundert es mich nicht, daß Du Dir anmaßt etwas zu beurteilen, was Du garnicht gesehen hast oder glaubst Du Aday alles blind und unbesehen ?
Der NDR hat seine Gesinnung nicht erst heute preisgegeben.
Ich kann solche Sendungen ebensowenig ernst nehmen, wie Dich ;)
Traurig ist nur, daß Dich der sinnlose Tod von tausenden Tieren immer wieder so unendlich belustigt. Was bist Du nur für ein Mensch ?
südwind
20. July 2005, 22:58
hallo karin,
danke für die aufklärung. dann werd ich den mitschnitt wieder abbestellen, mit dem passenden kommentar dazu.. für das geld kauf ich lieber taubenfutter. :dance:
Karin
20. July 2005, 23:34
Na Aday, garnix mehr zu sagen zu dem Thema Jagdrecht auf Rabenkrähen und Elstern ?
Schlimm genug, daß ein Jäger sich nicht darüber im Klaren ist, was er tut, wenn er diese Tiere tötet und welche Folgen das für ihn haben kann, doch ein Kreisjägermeister sollte es doch wissen, oder ?
tamborie
20. July 2005, 23:46
Traurig ist nur, daß Dich der sinnlose Tod von tausenden Tieren immer wieder so unendlich belustigt. Was bist Du nur für ein Mensch ?
Verdreh nicht die Tatsachen Karin, Ihr seid der Grund der Belustigung.
Zuvor hat niemand geschrieben, dass man vom NDR nichts erwarten darf.
Das der NDR irgendein Sumpf ist ect. etc.
Auf einmal aber hat man es kommen sehen!!!! Warum so plötzlich????
Klar dort wurde ja sehr wenig gezeigt, was in eurem Kram passte.
Was seid Ihr für Menschen, die meinen alle für Blöd verkaufen zu können.
Gruß
Tam
Karin
20. July 2005, 23:52
Verdreh nicht die Tatsachen Karin, Ihr seid der Grund der Belustigung.
Zuvor hat niemand geschrieben, dass man vom NDR nichts erwarten darf.
Das der NDR irgendein Sumpf ist ect. etc.
Auf einmal aber hat man es kommen sehen!!!! Warum so plötzlich????
Wieso pötzlich ? Wer verdreht hier denn mal wieder die Tatsachen ?
Mir war klar, daß vom NDR bzw. Das! nichts anderes zu erwarten war, nur habe ich erst kurz vorher von der Ausstrahlung erfahren. Wenn Du Dich mal in Tukan-World umschaust zu dem Thema, dann wirst Du feststellen, daß das Niveau dieser Sendung nicht erst seit heute bekannt ist.
Also Ramborie, wenn Du weiter nix zu sagen hast, als Unterstellungen abzulassen, lass es lieber und halt Dein Mündchen ;)
domino
21. July 2005, 00:50
Hallo Tamborie,
ich lach mich schlapp, hat wohl so gar nicht in euer Konzept der "Massentötung"
gepasst, also alles "Schei.....".
Warum wundert mich das jetzt nicht im geringsten.
Tam
Verdreh nicht die Tatsachen Karin, Ihr seid der Grund der Belustigung.
Zuvor hat niemand geschrieben, dass man vom NDR nichts erwarten darf.
Das der NDR irgendein Sumpf ist ect. etc.
Auf einmal aber hat man es kommen sehen!!!! Warum so plötzlich????
Klar dort wurde ja sehr wenig gezeigt, was in eurem Kram passte.
Was seid Ihr für Menschen, die meinen alle für Blöd verkaufen zu können.
Gruß
Tam
und Du magst Dich über fehlende Höflichkeit Dir gegenüber aufregen?
Tut mir leid, aber für mich bist Du einfach ein sehr bösartiger Mensch.
Mit Intelligenzallergie sind Deine Beiträge nicht mehr zu rechtfertigen.
Du magst Dich belustigen weil es Menschen gibt, die sich für Tiere wie z.B. die Rabenkrähen einsetzen die keine Lobby haben?
tamborie
21. July 2005, 00:55
Tut mir leid, aber für mich bist Du einfach ein sehr bösartiger Mensch.
Ach es hat also etwas mit bösartig sein zu tun, wenn man an eurer Hatz nicht teilnimmt???
Bisher dachte ich immer es sei umgekehrt, Domingo!!
Ich denke es kann hier gar nicht oft genug darauf hingewiesen werden, dass manche Leutchen eine verdammt kranke Einstellung zur Natur und den Tieren haben.
Tam
tamborie
21. July 2005, 00:58
Wenn Du Dich mal in Tukan-World umschaust zu dem Thema, dann wirst Du feststellen, daß das Niveau dieser Sendung nicht erst seit heute bekannt ist.
Sitzen dort jetzt die renommierten Fernsehkritiker???
Oder wurden gar die falschen Leute eingeladen und deswegen wird die Sendung so runtergeputzt?
Sicher kommt noch mal ne Gelegenheit und wenn es nur bei Vera am Mittag ist.
Gruß
Tam
Raven
21. July 2005, 01:14
Mir war klar, daß vom NDR bzw. Das! nichts anderes zu erwarten war, nur habe ich erst kurz vorher von der Ausstrahlung erfahren. Wenn Du Dich mal in Tukan-World umschaust zu dem Thema, dann wirst Du feststellen, daß das Niveau dieser Sendung nicht erst seit heute bekannt ist.
Klar doch, was auf Tukan World steht ist Gesetz :D
Es stimmt mich sehr nachdenklich, dass auf einmal eine Sendereihe, ja, ein ganzer Sender nichts taugt, weil diese Sendung offensichtlich nicht in eurem Sinne gelaufen ist.
Diesen aus Schwarz-Weiß-Sehen herrührende Anspruch auf die einzig wahre Sichtweise, kenne ich eigentlich nur von Kindern. Kinder sind genauso kompromisslos für irgendwas zu begeistern, hinterfragen nicht, kennen nur ganz oder garnicht - für Erwachsene ist das eine sehr bedenkliche Einstellung.
mäusemädchen
21. July 2005, 03:17
Der Sender "NDR" war mir bisher ein unbekannter Sender. Demzufolge sah ich mir unvoreingekommen diese Sendung an. Die Pro-Einstellung zur Rabenvogeljagd mußte JEDEM Beobachter nach kurzer Sendezeit offensichtlich werden, alleine schon durch die anwesenden (grünberockten) Gäste. Ein neutraler Sender hätte Gäste zur Pro- und Gäste zur Contra-Seite, wie allgemein üblich, eingeladen. Dies war hier eindeutig NICHT der Fall!
Wenn ein Herr Grauer am 10. Juli 2005 äußert, daß der Mensch schuldig am Sterben der Wiesenvögel sei, am 20. Juli 2005 jedoch äußert, daß für den Rückgang der Wiesenvögel u. a. die Rabenvögel verantwortlich seien und sie demzufolge per Krähenmassenfangfalle weiterhin dezimiert werden sollen, wird ein kritisch hinterfragender Mensch SPÄTESTENS zu DIESEM Zeitpunkt sehr aufmerksam. Außerdem darf keinesfalls die Aussage, ebenfalls von Herrn Grauer am 10. Juli 2005 geäußert, außer Acht gelassen werden:
"Der Wecker" 10. Juli 2005
Das Ziel - das machte Wissenschaftler Andreas Grauer deutlich - sei nicht, bedrohte Wiesenvögel wie Kiebitze, Uferschnepfen und Bekassinen zu schützen. "Oberstes Ziel ist es herauszufinden ob der "Norwegische Krähenfang" für eine gezielte Bestandsreduzierung von Rabenkrähen großflächig geeignet ist", so Grauer.
Widerspruch oder nicht? Evtl. ausgelöst durch unterschiedlich an- und hinterfragende Medien?
WETTEN DAS bei einigen gegen die Handaufzucht von Papageien eingestellten Usern spätestens bei DIESEN Widersprüchen dieTastatur heiß laufen würde!!!
Aber Rabenvögel sind nicht grün, nicht grau, nicht blau, nicht gelb, nicht bunt! Rabenvögel sind einfach nur (für den oberflächlichen Betrachter) SCHWARZ, verfügen über keinen krummen Schnabel und Rabenvögel sind einfach NUR "heimische", für unsere Breitengrade keinesfalls "exotische" und demzufolge für den MASSENGEIST "unattraktive" Tiere. Rabenvögel sind einfach nur krächzendes, nervendes und killendes Gesindel, welches demzufolge der Profilierungssucht einzelner hier anwesender User KEINESFALLS dienlich sein kann! Also weiterhin nach dem profilierungsüchtigen Muster: Nieder mit den heimischen Vögeln, egal aus welcher Ecke gerade WIE "geschossen" wird, aber laßt uns AUF JEDEN FALL weiter Gedanken DARÜBER machen, WANN welche Art von Handaufzucht von "exotischen" Papageien eine "Macke" für den Rest des Lebens erfährt oder nicht! Oder steht hier etwa einzig und allein der "leidende", im Grunde selbstverschuldende, Halter im "Vordergrund"? Klar, bei Rabenvögeln KANN das nicht geschehen - zumindest bis dato sind sie von der Heimtierhaltung (Gott sei Dank) noch nicht betroffen. Wäre DIES der Fall, hätten auch die Rabenvögel eine für ihre Art bessere Lobby!
Gruß
MMchen
tamborie
21. July 2005, 06:49
Aber Rabenvögel sind nicht grün, nicht grau, nicht blau, nicht gelb, nicht bunt! Rabenvögel sind einfach nur (für den oberflächlichen Betrachter) SCHWARZ, verfügen über keinen krummen Schnabel und Rabenvögel sind einfach NUR "heimische", für unsere Breitengrade keinesfalls "exotische" und demzufolge für den MASSENGEIST "unattraktive" Tiere. Rabenvögel sind einfach nur krächzendes, nervendes und killendes Gesindel, welches demzufolge der Profilierungssucht einzelner hier anwesender User KEINESFALLS dienlich sein kann! Also weiterhin nach dem profilierungsüchtigen Muster: Nieder mit den heimischen Vögeln, egal aus welcher Ecke gerade WIE "geschossen" wird, aber laßt uns AUF JEDEN FALL weiter Gedanken DARÜBER machen, WANN welche Art von Handaufzucht von "exotischen" Papageien eine "Macke" für den Rest des Lebens erfährt oder nicht! Oder steht hier etwa einzig und allein der "leidende", im Grunde selbstverschuldende, Halter im "Vordergrund"? Klar, bei Rabenvögeln KANN das nicht geschehen - zumindest bis dato sind sie von der Heimtierhaltung (Gott sei Dank) noch nicht betroffen. Wäre DIES der Fall, hätten auch die Rabenvögel eine für ihre Art bessere Lobby!
Klasse!!
Für soviel Polemik und Verdrehungen gebührt Dir der Preis der Woche!
Tatsache ist nun einmal und nicht anders wurde es dargestellt:
Die welche hier beide Seiten beleuchten, sind keine Gegner der Rabenkrähen.
Das ist ausgemachter Blödsinn und soll aber wohl dem User suggeriert werden.
Es wurde von uns lediglich keine einseitige Sichtweise gezeigt, was man von euch ja nun nicht unbedingt sagen kann.
Nun passt diese TV-Ausstrahlung nicht in euer Konzept und schon war es ein wahrscheinlich von Grünröcken inzenierter Streifen.
Selbst ein ganzer Sender wird angegriffen.
Alle Achtung, ich glaube mal es dürfte nun auch nicht mehr schwerfallen Verstrickungen zum MI5 und CIA nachzuweisen.
Tatsache ist nun einmal das was ein Herr Grauer gesagt hat konnte man sehen.
Alles andere stammt aus irgendwelchen Quellen und hier kann es durchaus sein, dass ein Herr Grauer sowas gar nicht geäußert hat.
Was macht Ihr darauss? Klar der Mann ist nun absolut unglaubwürdig.
Nun wird wie bekloppt auf Menschen eingeprügelt welche gegen Papageienhandaufzucht sind.
Der geneigte Leser wird sich fragen was denn dies nun soll.
Macht es vielelicht Sinn wenn ich jetzt von meinen Goldfischen berichte??
Nichts, aber rein gar nichts wird unversucht gelassen den Leuten welche sich bisher kritisch zu diesem Rabenvogelthread äußerten und die ganze Unterschriftenaktion kritisch hinterfragten in Mißkredit zu bringen und sie unglaubwürdig erscheinen zu lassen.
Selbst Themensprünge müssen nun herhalten, obwohl es hier nicht um Papageien geht.
Was ist der Grund eines solchen Vorgehens?
Liegt es vielleicht daran, dass man entdecken könnte was es wirklich ist?
"Viel Rauch um Nichts!"
Tam
Schade um´s Geld. Ehrlich Südwind, Du hast nichts verpaßt. Lediglich eine Ansammlung von schon vorgebrachten Argumenten, wobei das eigentliche Projektziel mal wieder völlig außen vor war und Herr Grauer ein Kurzzeitgedächtnis zu haben schien, denn er hat ganz vergessen, daß die Krähentötung den Wiesenbrütern eh nicht helfen kann. Ansonsten eine niveaulose, ziemlich parteiische Inszenierung, wie man sie schon in Vergangenheit vom NDR gewohnt war.
Tolle Aussage Karin!
Nur weil etwas nicht deinen Persönlichen Vorstellungen entspricht, wird auf einmal behauptet der Sender (NDR) ist parteiisch und Niveaulos.
Stelle nochmals fest:
Bergmann und dieser offensichtlich angedrunkenen haben keine gute Figur gemacht und sich selbst ständig wiedersprochen.
Der Sender "NDR" war mir bisher ein unbekannter Sender. Demzufolge sah ich mir unvoreingekommen diese Sendung an. Die Pro-Einstellung zur Rabenvogeljagd mußte JEDEM Beobachter nach kurzer Sendezeit offensichtlich werden, alleine schon durch die anwesenden (grünberockten) Gäste. Ein neutraler Sender hätte Gäste zur Pro- und Gäste zur Contra-Seite, wie allgemein üblich, eingeladen. Dies war hier eindeutig NICHT der Fall!
Hallo Mäusemädchen,
wie soll man das jetzt verstehen?
Nur zur Aufklärung:
Als "Gäste" waren 4 Personen eingeladen! 2xPro 2xContra.
Die Liveausstrahlung kamm direkt aus Leer und jeder den es Interessierte konnte dort hingehen. Dummerweise hat es die "Abermillionen" :D Studiengegner nicht interessiert und die haben darauf verzichtet ihre "tollen" Plakate und Suppenküchen aufzubauen. Der Antrang der "Riesen-Demo" :D vor dem Ministerium vor einiger Zeit war ja doch auch enorm.
Warum nimmst du es den Betroffenen Bürgern, die mit Belästigungen und Schäden zu kämpfen haben dank der "liebe" Krähen es für übel, das Sie gezeigt haben, wie wichtig es für Sie ist, das eine Reduktion stattfindet,?
Selber lebst und wohnst du ganz offensichtlich weit abseits von solchen Problemen, sonst könntest du die betroffenen vor Ort ja weningstens verstehen.
Wenn Du Dich mal in Tukan-World umschaust zu dem Thema, dann wirst Du feststellen, daß das Niveau dieser Sendung nicht erst seit heute bekannt ist.
Habe mich umgesehen:
nach wie vor fast ausschließlich monologe, verschwörungstheorien,.....
Beispiele
-Tedabstimmung ging nicht mit rechten dingen zu
-2000 Anrufer, davon 1200 Jäger (o.s.ä.)
....
Muß man dazu noch mehr sagen?
Interessant fand ich aber auch, das Bergmann und Wittensberg selbst dort nicht gut wegkamen. Wenn wundert das auch bei ihrer "Fachkompetenz" und ihren wiedersprüchlichen Aussagen.
Vielleicht waren beide ja auch einfach nicht agressiv und militant genug für einige User bei T-W.
Es ist numal aber leider so, das wenn man öffentlich "Lügt und Betrügt", kann man wegen Verleumdung usw. belangt werden. Daher konnten die beiden leider nicht agressiver sein, was anderen Usern in ihrer Anonymität leichter fällt.
In Zeitungsberichten kann man immer noch sagen, man ist falsch zitiert worden usw.. Vor laufender Kamera nicht mehr.
Raven
21. July 2005, 11:01
Der Sender "NDR" war mir bisher ein unbekannter Sender. Demzufolge sah ich mir unvoreingekommen diese Sendung an. Die Pro-Einstellung zur Rabenvogeljagd mußte JEDEM Beobachter nach kurzer Sendezeit offensichtlich werden, alleine schon durch die anwesenden (grünberockten) Gäste. Ein neutraler Sender hätte Gäste zur Pro- und Gäste zur Contra-Seite, wie allgemein üblich, eingeladen. Dies war hier eindeutig NICHT der Fall!
Als "Gäste" waren 4 Personen eingeladen! 2xPro 2xContra.
Die Liveausstrahlung kamm direkt aus Leer und jeder den es Interessierte konnte dort hingehen.
Karin rät öffentlich davon ab, sich den Mitschnitt der Sendung zu bestellen - warum wohl? Nicht etwa, weil es sich nicht lohnt, sondern weil die Sendung nicht in ihrem Sinne verlief und weil sie (und andere) denen gegenüber, die sie gesehen haben, keine Chance mehr hat mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten Meinung zu machen.
Spätestens jetzt dürfte jedem klar geworden sein, um was für eine vor keiner Tatsachenverdrehung zurückschreckenden Gruppe von Extremisten es sich bei den Studiengegnern handelt.
pina.dd
21. July 2005, 11:12
hi zusammen,
die Sendung scheint echt zu polarisieren. Komisch, eigentlich ...
Ich wiederhole hier noch mal die Hauptaussagen:
a) -50 Kiebitzbruthinweise in 18 Jahren.
noch Fragen?
b) Lebensraum verbessernde Maßnahmen helfen
c) nicht ohne Prädatorenmanagement.
d) die Rabenkrähe ist als Prädator akzeptiert, oder??
(Selbst Mäck und Bergmann geben das zu....)
Fazit:
Fuchs jagen, Marder jagen, Rabenkrähe jagen und zwar intensivst!
Mir sind 10 gerettete Kiebitzleben lieber als 1000 tote Krähen!
Weil 10 Kiebitzkücken zum Erhalt einer Art beitragen, während 1000 tote Krähen keine 10 % der Population sind.
Das Rabenkrähen im Gegensatz zu Füchsen Vögel sind und daher einen besonderen Schutz genießen?
Waihai
Pina.dd
Raven
21. July 2005, 11:22
die Sendung scheint echt zu polarisieren. Komisch, eigentlich ...
Nö, die Polarisierung war schon vorhanden. Für die Reaktion auf die Sendung gabs 2 Möglichkeiten:
- entweder die Studienvertreter hätten sich blamiert - dann hätte man mit dem Finger auf sie gezeigt und den Sender gelobt
- oder, wie es der Fall war, die Studiengegner haben sich blamiert - also verurteilt man den Sender.
So einfach ist das.
Möchte nur noch mal feststellen:
von über 2000 Anrufern
78% für die Studie
und nur
22% gegen diese.
In Reihen der Studiengegnern wurde zumindest Deutschlandweit auf die Sendung hingewiesen. Es ist daher anzunehmen, das es sich bei den 22% zu einem großen Teil um Auswärtige stimmen handelte im Gegensatz zu den 78% die sich fast ausschließlich aus der Umgebung zusammensetzen dürften.
Eine bereinigte Statistik würde also noch deutlicher als deutlich für die Bejagung der Rabenvögel stehen.
Karin
21. July 2005, 16:41
Mir scheint eher es paßt EUCH nicht, daß wir so eine "Inszenierung" wie im NDR nicht ernst nehmen, wenn ich mir diese "Statements" so anschaue :D
Karin
21. July 2005, 16:46
Ich denke es kann hier gar nicht oft genug darauf hingewiesen werden, dass manche Leutchen eine verdammt kranke Einstellung zur Natur und den Tieren haben.
Der hätte übrigens von mir sein können !
Wie krank ist es sich zig1000-fach aus niederen Beweggründen an wehrlosen Geschöpfen zu vergreifen, sie leiden zu lassen und sie totzuknüppeln, für nix und wieder nix ?
Karin
21. July 2005, 16:51
Möchte nur noch mal feststellen:
von über 2000 Anrufern
78% für die Studie
und nur
22% gegen diese.
In Reihen der Studiengegnern wurde zumindest Deutschlandweit auf die Sendung hingewiesen. Es ist daher anzunehmen, das es sich bei den 22% zu einem großen Teil um Auswärtige stimmen handelte im Gegensatz zu den 78% die sich fast ausschließlich aus der Umgebung zusammensetzen dürften.
Eine bereinigte Statistik würde also noch deutlicher als deutlich für die Bejagung der Rabenvögel stehen.
Wie niedlich :D
Du scheinst wirklich zu glauben, daß die öffentliche Meinung der Personen im LK Leer eine Rolle spielen ?
Hast Du noch nicht begriffen, daß dieser Landkreis unter anderem deswegen ausgewählt wurde, weil dort die Uhren noch anders ticken ?
pina.dd
21. July 2005, 16:55
Der hätte übrigens von mir sein können !
Wie krank ist es sich zig1000-fach aus niederen Beweggründen an wehrlosen Geschöpfen zu vergreifen, sie leiden zu lassen und sie totzuknüppeln, für nix und wieder nix ?
mal langsam mit solchen Behauptungen! sonst stell ich mal die Frage, aus welchem Material deine schuhe sind, ob du nur Fahrad fähsrt usw.
warum wird man bei solchen dinegen eigentlich immer emotional und beleidigend? Bleib doch mal sachlich:
Fakt ist:
Die kiebitze haben ein Problem, ist doch nun wirklich kein geheimnis! Zustimmung? Ja, oder!
Wie gehts weiter?
Was sollen wir denn machen? Vorschläge bitte! Ostfriesland unter wasser setzten? 1000 Landwirte im Landkreis Leer enteignen und sie dann füre den Wiesenvogelschutz als Rasenmäher anstellen? Oder 100 x 320.000 Euro für Feuchtgrünlandschutz ausgeben? Und dann doch noch mit zusehen, wie die Eier aufgefressen werden?
Also, was nun? Praktikabele Vorschläge bitte!
südwind
21. July 2005, 16:59
ein angetrunkener studiengegner? :k allein diese aussage von aday, ist unglaubwürdig, wie die ganze studie, mitsammt ihren vorgeschobenen begründungen.
Karin
21. July 2005, 17:05
mal langsam mit solchen Behauptungen!
Was für Behauptungen ? Ich stellte eine Frage. Hast Du eine Antwort darauf ?
Fakt ist:
Die kiebitze haben ein Problem, ist doch nun wirklich kein geheimnis! Zustimmung? Ja, oder!
1. Ja sie haben ein Problem, aber keines mit Rabenkrähen oder Elstern
2. Gegenstand der Studie ist in erster Linie, die Fallen-Effizienz bzw. die Legalisierung einer EU-weit verbotenen Falle.
Oder 100 x 320.000 Euro für Feuchtgrünlandschutz
Nur für Wiesenbrüter ? Wem kommt das noch zugute ?
So und jetzt Du !
Karin
21. July 2005, 17:08
Ich trage übrigens Stoffschuhe ;)
pina.dd
21. July 2005, 17:13
Ein neutraler Sender hätte Gäste zur Pro- und Gäste zur Contra-Seite, wie allgemein üblich, eingeladen.
Mädchen Mädchen, der NDR lädt keinen in Sendungen ein. Die Leute kommen, weil Sie interesiert sind, und weil sie jemand darauf hingewiesen hat, es organisiert hat, das sie kommen. Ihr seid doch hier so laut, warum wart ihr dann nicht da?
Wenn ein Herr Grauer am 10. Juli 2005 äußert, daß der Mensch schuldig am Sterben der Wiesenvögel sei, am 20. Juli 2005 jedoch äußert, daß für den Rückgang der Wiesenvögel u. a. die Rabenvögel verantwortlich seien und sie demzufolge per Krähenmassenfangfalle weiterhin dezimiert werden sollen, wird ein kritisch hinterfragender Mensch SPÄTESTENS zu DIESEM Zeitpunkt sehr aufmerksam.
Bleiben wir mal bei der Wahrheit:
a) der Mensch war zu allererst einmal daran schuld, dass wir so viel Kiebitze überhaupt haben.
Ohne Rodung der Küstengebiete und der Eindeichung der Polder gäbe es wesentlich weniger Wiesenvögel, weil keine Wiesen, such easy is it!
b) dem aufmerksammen Zuschauer wird nicht entgangen sein, dass von allen Prädatoren gesprochen wurde und nicht nur der von der Rabenkrähe. Prädatorenmanagement heisst die flankierden Maßnahme! zur Verbesserung des Lebensraumes.
Der Mensch und sein Wille zum Leben verursacht sicherlich den Rückgang.
Aber willst du diese Art reduzieren? Das geht nicht. (versuchs mal! :+party: ich halt mich dabei im Hintergrund, schau aber amüsiert zu!)
Der Shclüssel zu einem praktikabelen Naturschutz heisst: Naturschutz durch die Menschen vor ort, nicht gegen sie.
Die Projektziele sind: a) Testen ob die Falle geht, b) bringt es was die Falle einzusetzten? um Sie dann eventuell auch flankierend in Wiesenvogelschutzgebieten zu nutzen. Wie Mäck es vorsieht, weil die Reduktion von Rabenvögel in einzelfällen als flankierende Maßnahme angezeigt ist.
Waihei
Pina.dd
pina.dd
21. July 2005, 17:16
Ich trage übrigens Stoffschuhe ;)
na, denn. wie ist's mit dem Auto?
dann schau ich mir mal deine Vorschläge an
gina4
21. July 2005, 17:19
Hallo Pina.dd,
Die kiebitze haben ein Problem, ist doch nun wirklich kein geheimnis! Zustimmung? Ja, oder!
Ja , sie haben sogar mehrere Probleme.
1. 1,2 Millionen Kiebitze werden jährlich allein in Frankreich gefangen. Weitere in Italien , Malta , Griechenland...
In anderen europäischen Ländern werden die Gelege abgesammelt.
Brutpaare in Deutschland: ca.95000.
2.Lebensraumzerstörung
3.Prädatoren , dabei in der Haupsache nachtaktive Prädatoren.
Das hatten wir alles schon, irgendwo in diesem verworrenen thread.
Das Töten der Krähen wird den Kiebitzen nicht helfen.
pina.dd
21. July 2005, 17:20
aus niederen Beweggründen
die Behauptung!
pina.dd
21. July 2005, 17:31
1. Ja sie haben ein Problem, aber keines mit Rabenkrähen oder Elstern
doch, zumindestens mit etwa 10% + x!
das reicht in der Situation der Kiebitze! Wir wollen mal erst gar nicht vom Goldregenpfeiffer sprechen!
2. Gegenstand der Studie ist in erster Linie, die Fallen-Effizienz bzw. die Legalisierung einer EU-weit verbotenen Falle.
mal langsam. Die Falle ist nicht durch EU Recht explizit verbodet. Nur durch das Deutsche BJG. EU Weit sind nur Methoden verboten, die in Mengen und nicht selektiv fangen.
Wobei in Mengen bedeutet, dass in einem Fangereignis so viele Tiere gefangen werden können, dass dieses eine Fangereignis die Population gefährdet. (ZB Vogelleim. Die Vögel sind verlezt und müssen getötet werden). Das ist definitiv im Norw. Krähenfang nicht der Fall, der Durchschnittlich wohl etwa 1 Vogel / tag fängt und dieser auch unverletzt ist, so das man/frau ihn wieder frei lassen kann. Die Selektion ist also möglich.
So gesehen, ist das Verbot der Norwegischen Krähenfalle noch mal zu prüfen!
Mal abgesehen, davon, dass in vielen EuropäischenLändern die Falle legal ist.
nur wir deutschen pissen uns mal wider ins Hemd.
Und was die Politik mit den Ergebnissen macht, ist dann Sache der Politiker und nicht von Pohlmeyer und Co. Ehlen ist dann gefragt.
Nur für Wiesenbrüter ? Wem kommt das noch zugute ?
Dem NABU der sich mal wieder profilieren kann??? NAja, nach der gestrigen Sendung gibts wohl eher weniger Spenden als mehr.
Oh, das war nun nicht PC Tschuldigung!
pina.dd
21. July 2005, 17:33
Hast Du noch nicht begriffen, daß dieser Landkreis unter anderem deswegen ausgewählt wurde, weil dort die Uhren noch anders ticken ?
Du meinst also, die Leeraner ticken nicht richtig???
und schon wieder beleidigend und emotional. Bäh!
Karin
21. July 2005, 17:37
Du meinst also, die Leeraner ticken nicht richtig???
und schon wieder beleidigend und emotional. Bäh!
Jepp, nämlich Du ! Denn all die vermeintlichen Beleidigungen kamen nur aus Deiner "Tastatur". Ich kann nicht´s für deine Fehlinterpretationen *schulterzuck*
Zu dem Rest : Ich habe keine Lust den ganzen Schmarrn nochmal aufzuwärmen. Nicht die Hälfte von dem, was DU sagt ist zutreffend, nicht mal ein viertel.
Karin
21. July 2005, 17:44
Verbot der Norwegischen Krähenfalle
Also doch verboten
pina.dd
21. July 2005, 17:45
1. 1,2 Millionen Kiebitze werden jährlich allein in Frankreich gefangen. Weitere in Italien , Malta , Griechenland...
.
Stimmt geh's an und änders, Find ich auch nicht gut! Ich helf dir. Mach ne Petition!
2.Lebensraumzerstörung
.
Stimmt.
wird versucht entgegen zu wirken! Mach was ich helf dir!
3.Prädatoren , dabei in der Haupsache nachtaktive Prädatoren.
.
Stimmt! Jäger machen was dagegen, aber es gäb nen Riesenaufschrei, wenn der Fischreiher nun in die Reihe aufgenommen würde und nach neuesten Studioen aus Holland ist der, wie auch der Bussard, nicht wirklich hilfreich.
Anyway:
Fuchs Marder Dachs Wiesel und Co kann man jagen, wird auch sehr intensiev getan. Die Rabenkrähen (als Nebenursache) kann man auch jagen, also tun wir's. Hilfst du uns??
Das Töten der Krähen wird den Kiebitzen nicht helfen.
nicht alleine, das ist klar dazukommen muss LEbensraumverbesserung! + Fuchsjagd
pina.dd
21. July 2005, 17:46
Also doch verboten
ja im BJG. Bundejagdgesetz für weniger firme!
aber ob das einer gerichtlichen Überprüfung stand halten würde??
Glaub ich fast nicht!
Was ist nun mit dem Auto?
pina.dd
21. July 2005, 17:47
Jepp, nämlich Du ! Denn all die vermeintlichen Beleidigungen kamen nur aus Deiner "Tastatur". Ich kann nicht´s für deine Fehlinterpretationen *schulterzuck*
Zu dem Rest : Ich habe keine Lust den ganzen Schmarrn nochmal aufzuwärmen. Nicht die Hälfte von dem, was DU sagt ist zutreffend, nicht mal ein viertel.
und nun auch noch eingeschnappt sein....
tztztztz
Karin
21. July 2005, 17:49
Sorry Pinadd, aber auf diesem Niveau darfst Du Selbstgespräche führen. Oder frag doch mal Tamborie :D
pina.dd
21. July 2005, 17:54
Sorry Pinadd, aber auf diesem Niveau darfst Du Selbstgespräche führen. Oder frag doch mal Tamborie :D
und nun auch noch nachtreten. Keine Zeit mehr oder was?
hier werden seit etwa 5 mio Zeichen nur sachen aufgewärmt.
und dass seit 1999. da gabs den ganzen Scheiss schon mal.
Damals haben Helb und Co sich wenigsten noch im fernsehn gestellt. Heut laaberen sie ja nur aus dem Hintergrund und kneifen wenn's ernst wird.
Was ist nun mit dem Auto???
Dafür werden schließlich die Feuchtgebiete trocken gelegt....
gina4
21. July 2005, 18:12
Hi Pina.dd,
Anyway:Fuchs Marder Dachs Wiesel und Co kann man jagen, wird auch sehr intensiev getan. Die Rabenkrähen (als Nebenursache) kann man auch jagen, also tun wir's. Hilfst du uns??
Nicht wenn sie mit dem Krähenfang gefangen werden - Jagd kann man das ja wohl auch nicht nennen.
Schiesst sie (ja , ist schwierig) und lasst ein paar mehr Füchse da , die helfen bei der Krähenbekämpfung.
pina.dd
21. July 2005, 18:15
Nicht wenn sie mit dem Krähenfang gefangen werden - Jagd kann man das ja wohl auch nicht nennen.
Schiesst sie (ja , ist schwierig) und lasst ein paar mehr Füchse da , die helfen bei der Krähenbekämpfung.
Was ist denn dann Jagd??
Und die Füchse sollen nun auch nicht intensivst gefangen/geschossen werden?
Karin
21. July 2005, 18:18
Nicht wenn sie mit dem Krähenfang gefangen werden - Jagd kann man das ja wohl auch nicht nennen.
.
In der Tat ist das, mal abgesehen von dieser unsäglichen Studie und ob erschlagen oder erschossen, tatsächlich keine Jagdausübung !
pina.dd
21. July 2005, 18:21
In der Tat ist das, mal abgesehen von dieser unsäglichen Studie und ob erschlagen oder erschossen, tatsächlich keine Jagdausübung !
Super, die Jagdprofies sind zurück!
gina4
21. July 2005, 18:27
Was ist denn dann Jagd??
Na , ich denke doch Jagd ist ein Hobby , ein Sport , manchmal auch ein Beruf .
Der Jäger hat seine Freude daran.
Ich habe nun schon öfter von Jägern gelesen , dass eben der Fallenfang und das töten der Krähen eben keinen Spass macht.
Und die Füchse sollen nun auch nicht intensivst gefangen/geschossen werden?
Warum denn immer intensivst?
Karin
21. July 2005, 18:28
Super, die Jagdprofies sind zurück!
Ja Pinadd, hast Du denn das von Dir zitierte Bundesjagdgesetz nicht gelesen ?
http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/bjagdg/__2.html
Hi,
Ich muss mal was ganz komisches Fragen, haben auch die Rabenvögel
dran schuld , dass wir so wenig Störche haben ? Oder liegt das vielleicht doch an der intensiven Landwirtschaft?
Gruss Hoki
P. S.
bin mir da nicht sicher.
Karin
21. July 2005, 19:08
Rabenkrähe und Elster unterstehen demnach dem Naturschutzrecht, welches besagt :
§41(1) 1. Tiere nicht mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten.
Karin
21. July 2005, 19:11
Apropos Landwirtschaft bzw. der vielzitierte Feuchtgrünlandschutz :
Welche Maßnahmen umfasst dieses Programm und welche davon werden auch tatsächlich vorgenommen ?
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