• Der Erlenzeisig - Über seine Haltung und Zucht

    (Quelle: AZ-Nachrichten 08/99)

    spinus (Linne=175 - engl.: Siskin

    Allgemeines

    Zu den beliebtesten heimischen Volierenvögeln gehört zweifelsfrei
    der Erlenzeisig.

    Wegen seiner relativ einfachen Haltung und auch Zucht
    ist er geradezu ein idealer Vogel für den Anfänger. Durch seine Zahmheit und
    Munterkeit ist er schon vielen Vogelzüchtern ans Herz gewachsen. Ich möchte
    in diesem Artikel über eigene Erfah*rungen mit diesem beliebten Singvogel berichten.

    Vorkommen

    Er kommt in ganz Europa vor. In einigen Bereichen ist
    er allerdings nur als Wintergast anzutreffen. Weiterhin lebt er in Teilen Asiens
    und Nordafrikas. Zur Brutzeit bevor*zugt er Nadel- und Mischwälder. Er ist aber
    auch in Parks, in Gärten und auf Fried*höfen anzutreffen.

    Im Winter vermischen sich Trupps von Stieglitzen, Birkenzeisigen
    und Erlenzeisigen, um Birken- und Erlenbestände nach Nahrung abzusuchen. Bei
    uns an der Nordsee*küste kann man nicht selten Schwärme von über fünfzig Vögeln
    dieser vermischten Trupps beobachten.

    Beschreibung

    Die Länge dieses kleinen Vogels beträgt etwa 12 cm. Die
    Männchen besitzen eine schwarze Kopfplatte. Einige Exemplare zeigen auch einen
    schwarzen Kehlfleck. Die Brust, die Kehle, der Hals und die Kopfseiten sind
    hell grüngelb. Ebenso sind der Bürzel, die Oberschwanzdecken und die Querbinden
    auf den sonst schwarzen Flügeln, lebhaft gelb gefärbt. Die Oberseite ist dunkelgrün
    und der Bauch grauweiß, beides mit dunkler Längsstrichelung.

    Die Weibchen besitzen keine schwarze Kopfplatte und keinen
    Kinnfleck. Weiterhin sind sie wesentlich stärker längsgestrichelt und wirken
    insgesamt grauer als die Männchen. Sie zeigen kaum gelbe Töne in ihrem Gefieder.
    Die Jungvögel ähneln dem Weibchen. Sie sind aber stärker gestrichelt.

    Unterbringung

    Erlenzeisige werden sowohl in Volieren als auch in Käfigen
    gehalten und auch gezüchtet. Ich persönlich ziehe eine Volierenhaltung vor.
    Gerade in biotopmäßig eingerichteten Freivolieren zeigt der Erlenzeisig sein
    natürliches Verhalten und es macht einfach Spaß ihn hierbei zu beobachten. Ob
    Käfig oder Voliere, in beiden Fällen sollte man auf eine Ausstattung mit Nadelholzzweigen
    nicht verzichten. Kiefernzweige eignen sich hier besonders, da ihre Nadeln nach
    dem Vertrocknen nicht abfallen.

    Ich möchte den Erlenzeisig als einen sehr verträglichen
    Insassen bezeichnen. Ich hielt in bereits paarweise in kleinen Volieren und
    auch in Gemeinschaftsvolieren. Auch kann man mehrere Paare des Erlenzeisigs
    zusammenhalten. Vergesellschaftet habe ich diesen Zeisig mit fast allen heimischen
    Cardueliden, egal ob Stieglitz, Bluthänfling oder Kirschkernbeißer. Weiterhin
    mit einigen Ammernarten und auch mit Sperlingen. Auch die Haltung in der Gesellschaft
    mit Insektenfressern machte keine Probleme, ob Grasmücken, Rotschwänzchen, Stelzen
    oder Meisen.

    Zur Zeit stehen mir Volieren von sechs, neun und fünfzig
    Quadratmetern zur Verfü*gung. Die Höhe beträgt bei allen Volieren 2,60 m. Die
    kleinen Volieren besitzen einen wettergeschützten Unterstand, die große Gemeinschaftsvoliere
    einen frostfreien Schutzraum.

    Da die Volieren Naturboden besitzen und nur teilweise
    überdacht sind, bietet sich eine Bepflanzung der Gehege an. In erster Linie
    verwende ich Fichten, Kiefern, Ho*lunder, weiterhin verschiedene Gräser, Kräuter,
    Disteln, Brennnesseln, Schilf und Bambus. Freivolieren haben den Vorteil, dass
    die Vögel dem natürlichen Jahreszyklus ausgesetzt sind. Da die Vögel jederzeit
    einen geschützten Bereich aufsuchen können, macht auch das schlechteste Wetter
    den Vögeln nichts aus, im Gegenteil, alle Vögel sind kräftig und robust.

    Sitzgelegenheiten sollten in allen Höhen angebracht werden.
    Diese müssen so ange*bracht werden, das weder der Volierendraht, noch die Pflanzen
    durch den Kot be*schmutzt werden können.

    Bei ausreichendem Platz in der Voliere können auch Findlinge,
    Baumstümpfe und ähnliches eingebracht werden. Wichtig ist, dass die Voliere
    nicht überbesetzt wird. Zu viele oder unverträgliche Arten verhindern ein harmonisches
    Miteinander unter den Vögeln und die Chancen auf eine erfolgreiche Nachzucht
    schwinden ebenso.

    Zur Ausstattung gehört auch ein leicht zu reinigendes
    Badebecken. In meinen Volie*ren ist das Trinkwasser gleichzeitig das Badewasser
    und so stelle ich meinen Vögeln selbsterstellte Becken zur Verfügung. Da sie
    einen Zu- und Ablauf besitzen sind sie sehr schnell und einfach zu reinigen.

    Hat man seine Voliere ausreichend bepflanzt und auch die
    Seiten mit Kiefernzweigen bestückt, so haben die Vögel schon eine Reihe von
    Nistgelegenheiten, denn die Erlen*zeisige bauen ihre Nester gerne freistehend.
    Aber trotzdem sollten Nisthilfen angebo*ten werden. Ich biete meinen Cardueliden
    Drahtkörbchen, Holz-, Kunststoff-, und Me*tallkaisernester, Nistklötze und Halbschalen
    aus Metall und verschiedenen anderen Materialien. Wenn man diese verschiedenen
    Nisthilfen mit etwas Grün, wie z. B. Kie*fernzweigen, verkleidet, werden sie
    ausgesprochen gerne angenommen.

    Als Nistmaterial biete ich Kokosfasern,
    trockene Grä*ser und Kräuter, Moos, Scharpie, Sisal, Autopolitur*watte,
    Federn, Tierhaare, Schilfblätter, Wurzelfasern, Birken- und Fichtenzweige.
    Durch das Einbringen von Waldboden kommt zusätz*lich allerlei Nistmaterial in
    das Gehege.

    Wie in der Natur, werden auch in der Voliere gerne Spinnweben
    verbaut. Vor vielen Jahren hielt mein Vater in unserer alten Volie*renanlage
    im Vorraum einige Zuchtkaninchen. Die Türen der
    Boxen waren mit Spinnweben ver*netzt. Zur Brutzeit kamen die Zeisig- und Stieglitzweibchen
    sehr gerne in den Vor*raum geflogen, um die Spinnweben auf*zunehmen. Mit den
    Spinnweben wurden dann die Nestwände stabilisiert.

    Das feine Nistmaterial wird in einem Drahtbehälter angeboten.
    So wird es vor Verschmutzungen verschont. Das grobe Material wird auf dem Boden
    gereicht.

    Außenvolieren sollten möglichst gegen Raubzeug gesichert
    werden. Grundsätz*lich sollte ein ausreichend tiefes Funda*ment in den Boden
    eingelassen werden. Meine jetzigen Volieren habe ich mit einem 0,8 m tiefen
    Betonfundament gesi*chert. Auf dieses Fundament wurde eine 30 cm Klinkerschicht
    gesetzt.

    Weiterhin habe ich auf den Volieren Spiegelkugeln angebracht.
    Diese sollen Greifvögel von der Voliere fernhalten. Gegen Katzen ist die Voliere
    mit einem elektri*schen Weidezaun ausreichend gesichert. Nachdem die Katzen
    einmal mit dem Wei*dezaun in Berührung gekommen sind, machen sie in Zukunft
    einen weiten Bogen um das Gehege. Auf doppelte Verdrahtung habe ich verzichtet,
    obwohl es ratsam ist, die*sen Schutz anzubringen. Vielleicht werde ich dieses
    noch nachholen. Nachtgreife und Sperber sind die einzigen, die meinen Vögeln
    noch gefährlich werden können. Zuletzt verlor ich im Herbst in einer Nacht je
    einen Jungvogel meiner Bachstelzen, Gartenrot*schwänze, Bartmeisen und Kirschkernbeißer.

    Zucht

    Die beste Möglichkeit zur erfolgreichen Verpaarung, stellt
    die freie Partnerwahl dar. Dazu werden mehrere, farbig beringte, Erlenzeisige
    zusammen in einer Voliere gehal*ten. Nun hat man die Möglichkeit harmonierende
    Vögel zusammenzusetzen.

    Hat sich erst einmal ein Paar gefunden, sind sie sehr
    zuverlässige Brutvögel. Die Männchen tragen schon sehr früh im Jahr ihren einfachen,
    aber ausdauernden Gesang vor. Je nach Witterung, meist im April, beginnen sie
    mit dem Brutgeschäft.
    Vor allen Dingen in der Freivoliere hat man nun die Möglichkeit
    das Balzverhalten der Zeisige zu beobachten. Haben sie sich für einen Nistplatz
    entschieden geht der Nestbau rasch von statten. Ich konnte die Männchen noch
    nie direkt beim Nestbau beob*achten, aber sie begleiten stets ihre Weibchen
    bei der Nistmaterialsuche. Fast alle oben genannten Nistmaterialien werden verbaut.
    Nach der Fertigstellung des Nestes wird auch rasch das erste Ei gelegt. Das
    Gelege besteht meistens aus vier oder fünf Eiern. Dreier- oder Sechsergelege
    bilden die Ausnahme. Nach einer Bebrütungsdauer von durchschnittlich 13 Tagen
    schlüpfen die Jungen in der Regel innerhalb von zwei Tagen. In den ersten drei
    bis vier Tagen werden die Jungen nur vom Weibchen gefüt*tert. Das Männchen füttert
    das Weibchen auf dem Nest und diese gibt das Futter an die Kleinen weiter. Nach
    spätestens vier Tagen füttert das Männchen die Jungen auch direkt.

    Nach etwa 14 Tagen verlassen die kleinen Zeisige das Nest
    und kehren dorthin nicht wieder zurück. Nun werden sie weiterhin sehr zuverlässig
    von den Eltern versorgt. Das Weibchen beginnt nach einigen Tagen schon wieder
    mit dem Nestbau. Zwei bis drei Bruten bilden die Regel bei Erlenzeisigen in
    der Voliere. Die Jungvögel beließ ich stets bei den Eltern. Sollten aber die
    Jungen die brütenden Altvögel stören, müssen diese nach dem Selbständigwerden
    aus der Zuchtvoliere entfernt werden.

    Etwa am sechsten Tag können die Jungen mit 2,5 mm Ringen
    beringt werden. Nach sechs Tagen ziehen die Jungen schon sehr gut die Beine
    unter den Leib, so dass die Elterntiere die Ringe nicht sehen können. Man sollte
    aber trotzdem die Ringe mit Leukoplast bekleben, dunkel anmalen oder ein Ventilgummi
    überziehen. Gute Erfah*rungen habe ich auch mit den hornfarbenen Ringen des
    WVP gemacht.

    Fütterung

    Als Grundfutter reiche ich zwei Waldvogelmischungen der
    Firma Blattner. Beide mi*sche ich im Verhältnis 1:1. Diese Mischungen enthalten
    unter anderem Salatsamen, Negersaat, verschiedene Grassamen, kleine Fichtensamen,
    Zichorien, Mohn, Sesam, geschälte Sonnenblumenkerne und Perilla. Diese Futter
    wird sehr gerne angenom*men. Es besteht aber auch die Möglichkeit eine speziell
    auf den Erlenzeisig abge*stimmte Futtermischung zu bekommen.

    Sehr wichtig zur Jungenaufzucht ist das Anbieten von einem
    guten Keimfutter. Diese stelle ich meinen Vögeln vom Frühjahr bis zum Herbst
    zur Verfügung. Auch hier wer*den sehr gute und auch 100 % keimfähige Saatenmischungen
    angeboten.

    Meine Methode, zur Herstellung des Keimfutters, stellt
    sich folgendermaßen dar: Man benötigt drei Plastikschüsseln und ein feinmaschiges
    Küchensieb. Die benötigte Men*ge Keimfutter wird morgens in eine der Schüsseln
    mit Wasser gegeben. Am Abend wird das Futter in das Sieg geschüttet und gut
    durchgespült. Nun muss das Futter sehr gut gesiebt werden, damit möglichst viel
    Flüssigkeit verloren geht. Die Schüssel wird gereinigt und das gesiebte Futter
    zurück in die Schüssel gegeben. Das Keimfutter soll*te an den Seiten der Schüssel
    hochgezogen werden, damit es gleichmäßig abtrocknet. Am Nachmittag des zweiten
    Tages wird das Futter durchgerührt und bleibt noch einen Tag in der Schüssel.
    Das Futter muss wieder an den Seiten der Schüssel hoch*gezogen werden, damit
    es gleichmäßig trocknen kann. Am dritten Tag kann das Keimfutter verfüttert
    werden. Bei höherer Temperatur ist es auch schon möglich das Futter am zweiten
    Tag zu geben. Die Körner sollten gerade aufgesprungen sein und die Keim*linge
    ca. 1 mm herausstehen.

    Wenn man nun jeden Tag eine Schüssel Keimfutter ansetzt
    und das eben erwähnte Verfahren nutzt, hat man täglich frisches Keimfutter zur
    Verfügung. Es sollte in einer flachen Schale angeboten werden, damit es nicht
    zur Fäulnisbildung kommt. Sehr ger*ne wird ,,Grünfutter" angenommen. Blätter,
    halbreife und reife Samenstände der ver*schiedensten Wildkräuter sollten auf
    dem Speiseplan des Erlenzeisigs stehen. Ich ver*füttere in erster Linie die
    gerne genommene Vogelmiere, das Kreuzkraut, den Sauer*ampfer, den Hirtentäschel,
    verschiedene Wegerich- und Grasarten sowie Löwenzahn. Um nicht täglich Grünes
    sammeln zu müssen, kann man die Kräutersträuße in mit Wasser gefüllte Friedhofvasen
    stellen. So hält sich das Grünfutter mindestens drei Tage frisch. Vogelmiere
    kann man auch sehr gut in die Voliere pflanzen. Am Anfang möglichst mit Draht
    abdecken und gut gießen. So hat man ständig Grünfutter in der Voliere.

    Sehr gerne werden auch Knospen und junge Triebe gefressen.
    Auch sollten zur Reifezeit Birken- und Erlenkätzchen gereicht werden. Süße Apfel
    und Salatgurken werden auch nicht verschmäht.

    Gerade zur Jungenaufzucht ist meines Erachtens Lebendfutter
    sehr wichtig. Ob Mehl*käferlarven, Buffalos, Pinkies, Blattläuse, Ameisenpuppen
    oder Wiesenplankton, alles wird dankbar genommen. Die Mehlkäferlarven, Buffalos
    und Pinkies sollten mit einem Vitaminpräparat behandelt werden, um Mangelerscheinungen
    bei den Vögeln zu vermeiden.

    Eifutter wird auch genommen. Ich stelle meinen Insektenfressern
    ein selbst herge*stelltes Weichfutter zur Verfügung. Hiervon nehmen auch die
    Erlenzeisige sehr gerne. Es gibt aber auch sehr gute käufliche Eifuttermischungen.
    Futterkalk, Vogelgrit, zer*stoßene Eierschalen und Taubenstein wird ebenfalls
    angeboten.

    Zusammenfassung

    Aus den Ausführungen geht hervor, dass der Erlenzeisig
    durch sein angenehmes Wesen und seine leichte Züchtbarkeit sich großer Beliebtheit
    erfreut. Auch seine Zahmheit soll hier nicht unerwähnt bleiben. Rasch nehmen
    sie dem vertrauten Pfle*ger Leckerbissen aus der Hand. Vor Jahren besaß ich
    ein ausgesprochen zahmes Exemplar, dass mir ohne Gabe von Leckerbissen auf die
    Schulter flog. Nach einer Füt*terung hatte ich dieses Männchen nicht auf meiner
    Schulter bemerkt und verließ die Voliere. Als ich vor der Voliere stand, bemerkte
    ich im Augenwinkel den Vogel. Er flog von der Schulter direkt an den Draht der
    Voliere. Durch das Hinhalten von Vogel*miere, konnte ich ihn sehr schnell wieder
    in das Gehege ,,lotsen".

    Leider wird der Erlenzeisig von vielen Züchter zur Mutations-
    und Mischlingszucht eingesetzt. In meinen Augen eine absolut nicht mehr zeitgemäße
    und vor allen Dingen nicht mehr gerechtfertigte Art der Vogelzucht. Glücklicherweise
    mehren sich die Stimmen der Gegner der Mischlings- und Mutationszucht. In verschiedenen
    Fach*zeitschriften (außer einer) sind immer wieder Meinungen gegen dieses Zuchtziel
    zu vernehmen. Die Reinzucht muss für jeden gewissenhaften Züchter höchste Priorität besitzen.

    Copyright: Thomas Wendt, Wilhelmshaven, Deutschland