Berlin: Halsbandsittich Pärchen im abgedeckten Käfig vor Pizzeria

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Anna Gigi

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Hi! Ich bin eine von den hier verschiedentlich erwähnten "zentnerweise taubenfütternden Omas", nur dass ich u40 und einigermaßen gut vernetzt bin :) . Es kommen auch nicht "nur" Tauben, sondern fast sämtliche in Berlin noch vertretene Vogelarten an meine Futterstellen.

Zum Thema: ich bin die "ökologische Quelle" für 2 seit 1 Monat in Berlin Kreuzberg freilebende Halsbandsittiche und ich suche hier Hilfe für die Tiere.

Wo kommen die Tiere her? Anfang Mai 2024 stand nachts beim Zuschliessen meiner Pizzeria in Berlin Kreuzberg (Mehringplatz) ein Halsbandsittich Pärchen in einem abgedeckten Käfig vor der Pizzeria-Tür. Die beiden Tiere klebten am Gitter des winzig kleinen Käfigs. In dem Käfig war nichts drin, nur grüne Federn lagen am Boden. Ich nahm sie erstmal mit zu mir nachhause nach Neukölln und meldete sie sofort beim Veterinäramt. Das Veterinäramt sagte, ich solle sie gerne an "fachkundige erfahrene Halter vermitteln". Ich könne sie auch behalten, das sei egal. Das half mir ehrlich gesagt überhaupt nicht weiter. Eine befreundete Tierärztin meinte am nächsten Tag anhand von Bildern die ich ihr schickte, die Tiere müssten ca. 3 Jahre alt sein, 1 Männchen und 1 Weibchen. Es gehe Ihnen gesundheitlich noch verhältnismäßig gut und ich solle sie schnellstmöglich beim Berliner Tierheim abgeben. Das Tierheim reagierte wochenlang nicht.

Wie haben die Tiere bis zu ihrem Entkommen bei mir gelebt? Es würde mit dem Tierheim also wohl kurz dauern. Ich holte den beiden für die Zwischenzeit bei ebaykleinanzeigen 2 Käfige, verband die Käfigtüren für etwas mehr Platz, holte Zeug für sie zusammen und quartierte sie auf meinem Südbalkon in Neukölln ein. Die beiden zogen aus ihrem Spielzeugkäfig in die beiden Balkonkäfige um und trennten sich interessanterweise sofort auf. 1 Tier besetzte den linken und das andere Tier den rechten Käfig. Futter und Wasser hatten sie immer in beiden Käfigen drin, damit es keinen Ärger darum gibt. Ich glaube sie mochten sich gar nicht so gerne (ich kenne mich aber wie gesagt überhaupt nicht aus!). Der Balkon hat für seinen Standort verhältnismäßig viel Grün, als Deckung für andere freilebende Vögel die täglich auf dem Balkon Futter kriegen. Diese freilebenden Vögel beobachteten die beiden Tiere im Käfig, es gab aber keine "Attacken" auf die Käfige. Ich hoffe, dass die beiden Gefangenen ihre Kollegen ebenfalls ausgiebig beobachtet haben... sie bekamen Körnchen, Obst und Gemüse und fraßen ganz schön viel (gefühlt alle 2 Stunden waren sie an den Näpfen dran).

Die Tiere mussten Tag und Nacht, bei jedem Wetter, draußen in diesen beiden Käfigen bleiben. Immer halb abgedeckt mit Decken. Ich habe einen alten Straßenhund, der Vögel zum Fressen gern hat...

Gezwitschert bzw. kommuniziert haben die beiden Halsbandsittiche nur, wenn ich nicht da war, bei geschlossener Balkontür. Das weiß ich von meinen direkten Nachbarn. Sie waren sehr scheu, beobachteten mich und den Hund genau und versteckten sich sofort im abgedeckten Bereich wenn wir in Sichtnähe kamen.

Wie entkamen die Tiere? Das Tierheim stellte sich immer noch tot. Auf dem Balkon war es mittlerweile sehr heiß, was mir Sorgen machte. Ich kontaktierte eine Spezialistin für Papageien (ja, ich weiß, hier wäre ich besser aufgehoben gewesen, ich wusste das damals aber noch nicht und war überfordert). Diese Spezialistin sagte mir sehr eindringlich, dass die Tiere täglich mind. 4-5 Stunden Freiflug in der Wohnung bräuchten. S o f o r t. Das stellte mich vor einige Probleme. Sie wollten nicht aus ihren Käfigen bzw. schienen noch nie geflogen zu sein (?). Mein Versuch, sie in der Wohnung frei fliegen zu lassen endete in einem Desaster. Als sie endlich aus ihren Käfigen raus waren saßen sie über 24 Stunden reglos auf einer Gardinenstange, bei ca. 40 Grad (Dachgeschoss, schlecht isoliert). Sie hatten auch Angst vor mir. Ich bekam langsam Panik, weil sie nun über 24 Stunden lang nichts getrunken und gefressen hatten und ich den Hund nicht mit ihnen alleine lassen konnte aber wieder arbeiten gehen musste. Also versuchte ich jetzt, sie zurück in ihre Balkon-Käfige zu scheuchen. Zuletzt mit einem Besenstiel (8o). Dabei stellte ich mich in der Nachschau einigermaßen dumm an. Ich hatte die Käfige direkt an die Balkontür geschoben und große Decken drumrum aufgehangen, sodass ich dachte sie würden automatisch in dem mit Decken abgehangenen oberen Bereich bleiben und in die geöffnete Käfigtür flüchten. Stattdessen donnerten sie in Panik gegen die übrigen Balkonfensterscheiben und fielen zu Boden. SIE zuerst. Die aufgehangenen Decken reichten nicht ganz bis zum Boden herunter, unten war eine kleine Lücke... Vom Boden aus berappelte das Weibchen sich Gottseidank und hüpfte nun auf den Balkon. Vom Balkonboden schaffte sie es auf das Balkongeländer. Dort saß sie nun. Ich wusste nicht was ich tun soll und meine größte Sorge war, dass ER allein zurück bleibt. Denn er schien mir um einiges ungeschickter und - sorry to say - dümmer als SIE. Also scheuchte ich ihn nun sehr mit dem Besen, damit er ihr hinterher kommt und die beiden sich wenigstens draußen noch treffen. Das war sehr ekelig, weil er schrecklich in Panik war (ich auch). Es dauerte 30 min, bis auch er gegen die Scheibe donnerte, sich berappelte und draußen war.

Das war am 26.05.2024 gegen 20:00 Uhr. Ich wusste nicht, ob die beiden verletzt sind und ob sie sich draußen noch getroffen haben. Um sie nicht noch mehr zu stressen schloss ich die Balkontür. Ironischerweise hatte genau vor 30 min, an einem Sonntag!, das Tierheim geantwortet. Ich hörte aus einem anderen geöffneten Fenster der Wohnung eins der beiden Tiere aus dem Straßenbaum "zwitschern", der seinen Wipfel direkt unter meinem Balkon hat, das andere Tier hörte ich nicht.

Natürlich mache ich mir schreckliche Vorwürfe. Einen schlechteren Start in die Freiheit konnten die beiden nicht haben. Ich schreibe hier, um andere Menschen auf die beiden aufmerksam zu machen und ihnen ggf. Hilfe zu organisieren. Vielleicht weiß jemand von Euch, wie ich sie an ihrem jetzigen Standort unterstützen kann.

Wo sind die Tiere jetzt?
Erstmal waren sie spurlos verschwunden. Ich habe die darauffolgenden Tage alles abgesucht auf Federn, Laute und grellgrünes Gefieder in der unmittelbaren Umgebung. Meine Nachbarn auch. Nichts. Dazu muss man wissen, dass hier sehr vogelunfreundliches Terrain ist. Viel Verkehr, Natur verachtende Menschen und nahezu durchgängige Versiegelung mit Ausnahme kränkelnder Straßenbäume.

Die Käfige stellte ich nach dem Freiflug Gate so um, dass die beiden für den Fall ihres Besuches bestens versorgt wären. Aber sie kamen nie wieder und ich denke sie mochten mich nicht für 1 Cent. Ihre letzte Begegnung mit mir war ja auch besonders schlimm, ich hab sie immerhin mit Gewalt herausgeschmissen :traurig: . Das tut mir in der Rückschau wirklich sehr leid. Ich habe mir auf YouTube ihre Vogelstimme angehört und sie lange laut abgespielt, weil ich nicht wusste, was ich sonst tun könnte. Deshalb weiß ich jetzt genau wie sie sich anhören :). Aber sie kamen nie wieder zurück.

Der alte Straßenhund mag keine Neukölln Straßen und braucht täglich ein bisschen Natur. Aber immer an dieselbe Stelle Natur und auf demselben Weg möchte er dahin, sonst wird er ärgerlich. Das Stück Natur ist in Kreuzberg. Den Weg zu diesem Stück Natur kann man als scheuer und Flug untrainierter Vogel entlang der Straßenbäume, also von Baum zu Baum hüpfend von Neukölln nach Kreuzberg zurück legen. Die Straßenbäume stehen entlang dieses Weges in kurzen Abständen. Es sind ausnahmslos Stadt-Platanen. Kommt man am Stück Natur an, hat es dann "ordentliche" Bäume, eine verkehrsberuhigte Zone, ein totes Spree-Ufer, den Görlitzer Park und einen kleinen Hundeauslauf. Und genau da haben die beiden sich hingerettet.

Ich dachte erst ich halluziniere. Aber mittlerweile haben auch Anwohner die beiden gehört und ich konnte sie sogar sehen, fotografieren und ihr Gezwitscher aufnehmen. Sie sind immer am selben Standort, auf getrennten Bäumen und haben sich mit einem Eichelhäher zusammengetan. Eine Krähe jagt sie oder spielt mit ihnen (wie gesagt, ich kenne mich nicht aus). Wie sie sich ernähren und wie es ihnen geht weiß ich leider nicht.

Meine Frage: kann ich etwas für die beiden tun? Sie vielleicht irgendwo melden? Oder kann mir jemand sagen, wie ich die drei bis zum Winter an eine Futterstelle locken kann, die ich ihnen einrichten würde, damit sie den Winter überleben? Sollte ich einen Aushang an ihrem neuen Standort machen, oder gefährde ich sie damit?

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Oh je, da hast Du echt was mitgemacht. Ich selbst habe Wellensittiche und einer ist mir auch zugeflogen. Echt krass, die Vögel einfach im Käfig ohne Futter vor einer Pizzeria abzustellen. Du könntest auf jeden Fall eine Futterstelle mit Obst aufstellen, da die meisten einheimischen Vögel eher Körner im Winter bevorzugen. ( Wegen wegfressen von den einheimischen Vogis) Nüsse essen sie bestimmt auch gerne, wenn der genannte Eichelhäher nicht alles für sich beansprucht.
Ich füttere übrigens auch viele Vögel draußen und habe sogar ein zahmes Krähenpaar, das täglich kommt. Einen Ring als Geschenk für mich und 50 Cent gab es auch schon. Ich wünsche Dir und den wilden Sittichen alles erdenklich gute. Du hast getan, was für Dich möglich war.
 
PS: Ich wohne auch in Neukölln, vielleicht kannst Du mir die Stelle zeigen, wo die Sittiche sind. Würde dann auch gerne helfen.
 
Wahrlich, eine traurige Geschichte! Jedoch seit ich weiß, dass Menschen ihre Neugeborenen in Containern entsorgen beziehungsweise in der Babyklappe abgeben, (was ja noch human ist) habe ich aufgehört mich zu wundern. Ich wundere mich schon lange über einige Dinge nicht mehr. Seit ich weiß, dass Menschen ihre Kinder in den eigenen vier Wänden verhungern lassen, sie qualvoll verdursten lassen, seit Menschen ihre Hunde an der Autobahn aussetzen, seit ich weiß, welches Elend viel schlimmer ist als das dieser Halsbandsittiche, wundere ich mich über gar nichts mehr.
Ich habe einfach aufgehört, mich zu wundern, nehme zur Kenntnis und fühle oftmals einen tiefen Schmerz. Und oftmals fühle ich gar nichts mehr.
Tröstlich ist es zu lesen, wie viel Tierliebe in einigen Menschen ist. Entsetzlich ist es zu lesen, wenn weder das eine noch das andere in einem Menschen wohnt. Ich spreche jetzt von der Liebe zu der Kreatur und natürlich der Liebe zu den Menschen.
Noch immer habe ich Schwierigkeiten damit, an einem Bettler, ohne ihn zu beachten vorbeizugehen. Noch immer keimt in mir der Wunsch, allen helfen zu wollen.
Es mag herzlos klingeln, wenn ich sage, es gibt Einrichtungen für derartige Fälle beziehungsweise Kreaturen, welche ausgesetzt werden. Es gibt Tierheime, ich weiß es aus meiner Region, ein Tierheim, dem ich schon lange die Treue halte und es unterstütze mit regelmäßigen Beiträgen. Ich weiß auch, dass man nicht alles füttern muss, was einem vor die Füße läuft.
 
Da hast Du etwas wahres geschrieben.
Alles Gute für Dich und ich kenne Gott sei Dank einige Menschen, die vor allem den Tieren wohl gesonnen sind.
 
Hallo, heute ist der 08.03.25.
Gestern ging ich mit meinem Hund spazieren und sah zwei grüne Sittiche in einem Baum in der Nähe des "Studentenbades" sitzen. Quietschvergnügt und Liebe machend. Denen scheint es gut zu gehen. Zu fressen haben sie genug, denn hier gibt es auch viele Grünfinken, die gemeinsame Verwandte haben. Also: keine Sorge!!
 
Die beiden Sittiche sind wohlauf und quietsch (oder kreisch) vergnügt, wenn es dieselben sind, von denen hier die Rede ist, was ich annehme, denn meines Wissens gibt es bis dato nur ein Pärchen Halsbandsittiche in Berlin.
Ich sehe sie jedes Mal, wenn ich an "ihrem" Baum im Park am Landwehrkanaldreieck vorbeigehe, zwischen der Tischtennisplatte und dem Ufer.
Ich wünsche ihnen viel Glück, hoffentlich schaffen sie es durch den Berliner Winter
 
Den beiden scheint es gut zu gehen, habe sie heute das erste Mal etwas südlich vom Görlitzer Park am Kanalufer gesehen und dann diesen Beitrag gefunden :)

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Die Geschichte ist eineinhalb Jahre alt, und den beiden gehts offensichtlich prima. Sie kamen durch alle Jahreszeiten und wurden von vielen Leuten gesehen. So eine schöne Story :freude:
 
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