Gezielte Zucht auf umgänglichen Charakter - Was denkt ihr darüber?

Diskutiere Gezielte Zucht auf umgänglichen Charakter - Was denkt ihr darüber? im Amazonen Forum im Bereich Papageien; Bei meinen Recherchen bin ich auf eine sehr interessante Idee in der Papageienzucht gestossen. Seit 20 Jahren hat es sich ein grösserer Züchter...

  1. Sandra W

    Sandra W Mitglied

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    Bei meinen Recherchen bin ich auf eine sehr interessante Idee in der Papageienzucht gestossen.

    Seit 20 Jahren hat es sich ein grösserer Züchter von Papageien in den USA zum Ziel gemacht, deren "Eigenschaften als "Haustiere" durch gezielte Zucht zu verbessern. Das heisst Selektion und gezielte Zucht nach Charaktereigenschaften.

    Das heisst er setzt nun seit einigen Generationen nur Zuchtpaare ein, die einen sehr umgänglichen und auch flexiblen Charakter haben. Je nach Papageienart kommen dabei natürlich andere Kriterien zum Zug.
    Bei Graupapageien und Kakadus wird besonders aufs Rupfen geachtet. Zudem versucht er sehr unsichere Vögel die schnell Stress empfinden aus der Zucht aus zu schliessen.
    Bei den Amazonen züchtet er gezielt mit Elterntieren die möglichst wenig Aggressionspotential haben. So hat er zum Beispiel nur Zuchttiere, die selbst in der Paarungszeit umgänglich bleiben und ihre Jungen selbst während der Aufzucht von Menschen händeln lassen.

    Mit diesen Auswahlkriterien hat er bei allen von ihm gezüchteten Papageiensorten enorme Erfolge erzielt und auch gezielte Studien gemacht mit Hilfe der Käufer und verkauften Vögel.

    Ich finde diese Idee sehr interessant und auch Begrüssenswert. Denn bei Hunden und Pferden wir ja schon seid jahrhunderten auf diese Art gezüchtet! In der Schweiz (ich komme Ursprünglich aus der CH) muss zum Beispiel jeder Hund einen Wesentest bestehen, bevor er zur Zucht eingesetzt werden darf. Das macht Sinn, denn man weiss, dass sich das Verhalten der Eltern genetisch und auch lerntechnisch auf die Jungtiere überträgt.

    Traurig ist, dass besonders aggressive und schwierige Papageien oft bei Züchtern landen und dementsprechend dann oft mit den "falschen" Tieren gezüchtet wird.

    Ja, ja ich weiss, Papageien sind keine domestizierten Tiere und Artgerechte Haltung sollte immer (Egel welchen Charakter das Tier hat) an erster Stelle stehen, aber trotzdem würde eine solche gezielte Zucht mit Sicherheit auch etwas zum Wohlbefinden der Papageien und ihrer Besitzer beitragen.
    Happy Papagei, Happy Besitzer nicht wahr - und automatisch auch einige Wandervögel weniger...

    Ich züchte seit Jahren Hunde und Pferde und arbeite sehr stark mit dem hiesigen Tierschutz zusammen. Zudem ist es als Züchter mein Ziel ausgeglichene, umgängliche und Wesenstarke Tiere zu züchten die sich gut in ihrem Umfeld zu Recht kommen und ihren Besitzern Freude machen. Da spielt die gezielte Selektion der Elterntiere (auch wegen Erbkrankheiten) eine eben so grosse Rolle wie die Art der Aufzucht und Sozialisierung.

    Solche Grundsätze wären wohl auch in der Papageienzucht nicht verkehrt, denn keiner der hier gezüchteten Papageien wird wohl je in die Wildnis entlassen werden!

    Was denkt ihr?
     
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  3. Stephanie

    Stephanie Foren-Guru

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    Schwer zu sagen.
    Einerseits gut, da den Tieren Stress erspart bleibt.
    Andererseits schlecht, da ihre Bedürfnisse vielleicht von weniger kundigen Haltern zu spät gesehen werden.
     
  4. Geierhirte

    Geierhirte Der Echte

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    Moin.

    Worauf solch´ eine Zucht (und somit der fortschreitende Versuch der Domestikation) hinausläuft, wissen wir doch ganz genau: Der perfekte, zahme Kuschelvogel wird irgendwann das Ergebnis falsch verstandener Tier- respektive Papageienhaltung sein.

    Richtiges und wichtiges Ziel muss es sein, wesensfeste Papageien zu züchten, die Papageien SIND und dementsprechend gehalten werden. Der Trend in den USA ist nach wie vor die kuschelzahme Handaufzucht sowie Einzelhaltung, auch wenn mehrere Vögel verschiedener Arten zusammengewürfelt gehalten werden. Und wenn man sich hier durchs Forum liest, ist auch hier der Trend klar zu erkennen, wie er ebenso weiter Richtung Kuschelvogel geht.

    Ob DAS ein Ziel der Zucht von Psittaciden sein sollte wage ich stark zu bezweifeln. Aber solange der menschliche Egoismus nach dieser Form schreit, wird der Markt selbstverständlich durch o.g. Züchter bedient. Wo die Vögel früher oder später enden, brauchen wir nicht zu diskutieren.

    Das System krankt nach wie vor.

    Traurig, aber wahr.



    Geierhirte
     
  5. #4 Art, 23. Februar 2011
    Zuletzt bearbeitet: 23. Februar 2011
    Art

    Art Stammmitglied

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    Sehr schwierige Frage. Ich glaube nicht, dass man das abschätzen kann und sehe das ähnlich wie Geierhirte. Hinzu kommt noch, dass bis heute noch nichtmal bei Menschen geklärt ist ob Charaktereigenschaften vererblich sind oder erzogen werden oder ein Mix aus beidem und wenn, in welchem Verhältnis.
    Wie sich das bei Papageien verhält ist demnach noch sehr viel unschlüssiger.
    Vergleich mit Pferden und Hunden finde ich etwas unangebracht. Beides sind nutztiere für den Menschen gewesen oder sind es noch. Papageien sind jedoch reine Zierde.
     
  6. Tiffani

    Tiffani Vögel ohne Lobby

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    Wo die Polizei nicht tot über'm Zaun hängen möchte
    Zahme Kuschelpapageien die ganz auf den Menschen geprägt sind, sind ja ganz nett 8), aber eigentlich seelische Krüppel, die dazu verdammt sind, wenn man sie nicht "braucht" irgendwo abgestellt, zu warten....
    Ich will dem Geierhirten nicht nach dem Munde reden :D, aber er hat recht.
    Man sollte sein Augenmerk auf wesensfeste Papageien legen, der mit Seinesgleichen umgehen kann, und stabil genug ist ein "Verhältnis" zum Menschen und seinen Allüren aufzubauen.
    Der Mensch will immer alles für sich haben....
    Das man bei Hund, Katze, Pferd... auf umgängliche Wesen achtet, leuchtet ein...:D
    Aber einen Papagei muss ich ja nicht unbedingt anfassen und kraulen...oder reiten! Es reicht wenn er mir Gesellschaft leistet und ich ihn händeln kann :zustimm:
    Außerdem immer diese Rumknutscherei...:+shocked:
     
  7. maggyogau

    maggyogau Foren-Guru

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    Hallo

    schließe mich der Meinung von Geierhirte 100%-ig an!

    Warum muß man eigentlich alles umzüchten - umgestalten - einfach, damit es "menschlicher" wird - eigentlich sollten wir uns besser der Natur anpassen, als die Natur an uns!

    LG
    Maggy
     
  8. Ingo

    Ingo Herpetophiler Geierfreund

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    Also erstens mal tut das im Prinzip jeder Züchter. Denn es schreiten ja generell nur Paare zur Zucht, die mit den Haltungsbedingungen klar kommen. Und sie sind umso erfolgreicher dabei, je stressresistenter sie sind und -vor allem bei weissen Kakadus- je geringer ihr Aggressionspotential ist.
    Mit der Zeit (aber s.u.) und wenn der Wildfangnachschub dauerhaft ausbleibt, wird das dazu führen, dass die in Gefangenschaft erhaltenen Papageienarten an die üblichen Haltungsumstände besser angepasst sind als an das Freileben. Dazu gehört dann sehr wahrscheinlich geringere Stressanfälligkeit, flexibleres Verhalten sowie gleichermaßen reduzierte Aggressivität und Scheu. Ganz ohne dass ein Züchter sich hier überhaupt bewusst Mühe zu geben braucht.
    Ansonsten bin ich anderer Meinung als mancher hier: Ein angeboreneweise menschenfixierter Kuschelvogel ist natürlich Blödsinn, aber auch kaum erreichbar. Es geht aber doch vor allem um den Gefangenschaftsbedingungen besser angepassten Vogel. Und das finde ich absolut sinnvoll. Es ist IMHO für die Tiere - vor allem natürlich für spätere Wohnungsvögel -aber das sind und bleiben die meisten- in der Tat besser, wenn sie eine Prädisposition dafür haben, Menschen als Schwarmgenossen zu akzeptieren und ihr Aggressionspotential reduziert ist.
    Zum einen müssen sei nunmal mit Menschen zusammenleben, zum anderen ist jede Unterkunft in menschlicher Obhut größenbegrenzt und Aggressionen kann vom Gegenüber nicht in der gleichen Art ausgewichen werden, wie im Freiland.
    Auch bedingt die relative Reizarmut viel leichte reinen Agressionsstau als im Freileben.
    Zur Anschaung: Ein Wolf, der genauso wie ein Haushund gehalten wird, leidet geradezu zwangsweise unter erheblichem Dauerstress und ist immer eine Gefahr für sein Umfeld. Für den Hund trifft keines von beidem zu.
    Trotzdem bin ich skeptisch, was den oben genannten Züchter angeht. Das ist schon zeimlich blauäugig. Eine gezielte Selektion braucht erstmal eine nachweisbare Mutation oder zumindest einen passenden Genotyp als Basis. Da diese selten sind, bräuchte es schon einige hundert Vögel zur Auswahl , um das richtige Ausgangsmaterial zu finden. Dazu kommt, dass es bei der Komplexität des gewünschten Verhaltens bei Vögeln heterogenen Ursprungs unmöglich ist, festzustellen, was auf einer angeborenen Prädisposition beruht und was auf der Ontogenese des Individuums. Daher braucht es eine extrem breite Zuchtbasis (einige hundert Paare) und standardisierte Aufzuchtbedingungen bsi zur Geschlechtsreife um statistisch relevante ererbte Verhaltensmuster erkennen und selektionieren zu können. Das ist für einen einzelnen Züchter absolut illusorisch und für eine großes Konsortium eine Jahrhundertaufgabe.
    Zudem ist bei Großpapageien kaum eine Generationsfolge unter 5 Jahren zu erzielen. Vor 20-50 Generationen ist aber kaum ein statistisch relevanter Effekt zu erwarten. Wir reden also von 100-250 Jahren intensivst kontrollierter Zucht auf breiter Basis.
    Fazit: Der Kerl hat einfach Glück mit seinen Tieren, ein Händchen für die Sozialisierung oder er lügt sich was in die Tasche. Es könnte natürlich auch schlicht eine pfiffige Werbestrategie zum hochpreisigen Absatz seiner Nzten sein. Meine Vermutungen gehen stark in diese Richtung.
     
  9. Micky&Ralf

    Micky&Ralf Stammmitglied

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    Hallo Zusammen,

    ich kann jetzt nur von meinen beiden Amazonen reden.
    Sie kommen aus einer menschenbegleitende Aufzucht, kurz Erklärt: Der Züchter hat zahme Bruteltern wo er ans Nest dran gehen kann.
    Sie hatten von klein auf also Menschenkontakt und gelernt das man vor dem Menschen keine angst haben brauch. Dazu kommt das die Beiden 2 und 3 Jahre lang in einem Schwarm händelbare Amazonen gelebt haben bevor sie nach uns kamen.
    Sie sind keine Kuschelvögel die ich auch nie haben wollte aber sie sind sehr gut Händelbar, was gerade in der Wohnungshaltung wichtig ist.
    Letztes Jahr habe ich den Beiden das erste mal eine Brutgelegenheit geboten und ich konnte mit ihm auf der Schulter an den Nistkasten ran gehen bzw. er guckte mit mir rein.
    [​IMG]

    Auch dieses Jahr kann ich ohne Probleme die Voliere betreten, am Kasten ran gehen ohne das ich Angst haben muss, dass er mich anfällt.
    Ich sage ihm halt vorher was ich machen will, ob ich die Voliere sauber mache oder ob ich mal gucken will, beim gucken beziehe ich ihn meistens mit ein.
    Auch sie ist absolut Umgänglich und kommt wenn sie draussen ist meistens kurz zu mir.

    Ich denke eher, dass es nicht an der Selektion liegt sondern an die Methode wie sie aufgezogen wurden und was sie in der Zeit gelernt haben und wie das Verhältnis zwischen dem Züchter und den Elterntiere ist.

    LG

    Ralf
     
  10. maggyogau

    maggyogau Foren-Guru

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    Hallo Ralf

    Glückwunsch - so muß das sein - und nicht anders!!! :-)) Toll sozialisierte Vögel durch Züchter, die sich liebevoll um ihre Tiere kümmern und nicht solche,
    die Zuchtmaschinen ohne Bezug im Keller sitzen haben.

    Ganz Toll

    Gruß Maggy
     
  11. Sandra W

    Sandra W Mitglied

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    Erst mal vielen Dank an alle die sich hier beteiligen. Ich finde es sehr Begrüssenswert wenn solche Themen in der Papageienwelt sehr bewusst diskutiert werden.

    @Art: Es ist durchaus bewiesen, dass sich gewisse Charaktereigenschaften (und auch Intelligenz) vererbt werden. Bei Menschen so wie bei Tieren! Bei Menschen weiss man zum Beispiel das gewisse Neigungen zu psychischen Problemen wie z.B. Schizophrenie vererbbar sind.
    Bei Pferden weiss man zum Beispiel, dass sich die Tendenz zum Koppen (Stereotypisches Verhalten das durchaus mit dem Federrupfen von Papageien verglichen werden kann) vererbt werden kann. Das kann dann dazu führen, dass ein Pferd anfängt zu Koppen, obwohl es eigentlich artgerecht gehalten wird. Diese Tiere sind genetisch bedingt stressempfindlicher und neigen dann dazu ihren Stress durch stereotypisches Verhalten ab zu bauen. In nicht idealen Haltungsbedingungen äussert sich diese "Schwäche" natürlich viel schneller und häufiger als bei artgerechter Haltung.
    Auch wenn artgerechte Haltung also immer an erster Stelle stehen sollte, sollte man es unbedingt vermeiden mit Charakterschwachen Tieren zu züchten.
    Es ist auch so, dass ich bei meinen Welpen immer mal wieder ein "charakterschwaches" Jungtier habe, obwohl ja alle Tiere genau gleich aufwachsen und gleich sozialisiert werden. Diesem Tier widme ich dann natürlich besonders viel Aufmerksamkeit, stelle aber gleichzeitig sicher, dass es in Zukunft nicht zur Zucht eingesetzt werden wird. Ich wähle einen dementsprechenden Besitzer aus...

    @Ralf: Was du (und damals auch der Züchter deiner Vögel) machst ist natürlich absolut Spitze und mit Sicherheit die optimale Art der Aufzucht! Einfach Super! Ja sehr viel hängt natürlich von der Aufzucht und der richtigen Sozialisierung der Jungtiere ab. Leider geben sich längst nicht alle Züchter solche Mühe mit ihren Tieren (ist ja auf zeitaufwendig!). Auch gibt es nach wie vor Leute die es unnötig finden, dass sich Papageien händeln lassen. Das finde ich den späteren Haustieren (auch bei guter Haltung) gegenüber sehr unfair, denn auf diese Weise werden sie auf keiner Weise auf ihr zukünftiges Leben vorbereitet. Find ich also super wie du das machst!
    Ich bin überzeugt, dass gute Sozialisierung wichtiger ist als selektive Zucht auf Charakter, selbst bei domestizierten Tieren. Das sieht man ja auch bei anderen Tierarten. Schlecht oder gar nicht sozialisierte Hundewelpen bleiben oft ein leben lang ängstlich, ja werden oft sogar aggressiv! Man kann also durchaus einige Vergleiche zu anderen Tierarten ziehen, denn das sogenannte Sozialisierungsalter ist bei jeder Tierart vorhanden, wenn auch zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt.

    @Ingo: Sehe das wie du, es ist wichtig das wir in Zukunft Papageien Züchten die gut mit dem menschlichen Umfeld zu Recht kommen. Durch Selektion sowie auch durch gute Aufzucht und Sozialisierung. (Artgerechte Haltung natürlich immer als Voraussetzung!!!).
    Natürlich hast du Recht, um durchgehende Selektion zu erreichen reichen 20 Jahre gezielte Zucht nicht aus. Dies muss natürlich über einen noch viel längeren Zeitraum durchgeführt werden. Jedoch hat besagtes Zuchtzentrum bereits mit 4'000 Papageien Studien durch geführt und es ist schon mal eine Interessante Grundlage und ein guter Start.
    Leider kenne ich viele Züchter (vor allem Grosszüchter) die keineswegs gute Selektion betreiben. Ich sehe hier sehr viele gerupfte Zuchtpaare und viele Züchter nehmen so ziemlich jeden Abgabevogel auf, solange er sich gut verpaaren lässt und nicht viel kostet. Kleinzüchter mögen zwar oft auf gut "händelbare" Vögel Wert legen, aber viele Züchter haben nichts dagegen ihre Zuchttiere mit dem Käscher ein zu fangen wenn’s mal nötig sein sollte.

    @all: Ich bin ganz eurer Meinung, möglichst artgerechte Haltung sollte immer an erster Stelle stehen, aber das sollte bei allen Tieren so sein die wir Menschen uns halten und nicht nur bei Papageien.
    Da ist auch bei Tieren wie Pferden, Frettchen, Kaninchen und Meerschweinchen vieles im Argen. Von den armen Nutztieren gar nicht zu reden. Ich hoffe, dass sich alle die sich hier voller Leidenschaft für die gute Haltung von Papageien einsetzen auch für die artgerechte Haltung von anderen Tierarten stark machen, denn was die armen Hühnern in den Legekäfigen und die armen Kühe/Kälber in der Milchwirtschaft aushalten müssen ist einfach nur furchtbar!!!!

    Artgerechte Haltung und gezielte Zucht widersprechen sich meiner Meinung jedoch in keiner Weise. Ich versuche zwar umgängliche Hunde zu züchten, suche ihnen dann aber trotzdem verantwortungsvolle Besitzer die ihnen ein gutes Leben bieten können und wollen. Darin sehe ich keinen Widerspruch!

    Die ganze Diskussion um den sogenannten Schmusevogel mag zwar auch ihre Berechtigung haben und Fehlprägungen sollten auf jeden Fall verhindert werden, aber ich sehe nichts schlechtes darin, dass wenn jemand Vögel haben möchte die einem vertrauen und die man gut händeln kann. Das heisst aber noch lange nicht, dass ich deswegen einen fehlgeprägten Schmusevogel haben möchte! Ich finde es etwas schade, dass Leute die gerne ihren Vogel ohne unnötigen Stress händeln möchten, gleich als abartig und egoistisch bezeichnet werden.

    Ps: Ich habe übrigens eine Krähe (und andere Wildvögel) von Hand aufgezogen die nun bereits den zweiten Winter als Schwarmvogel in der Natur überlebt hat, erfolgreich einen Krähen-Partner gefunden hat und mich trotzdem noch regelmässig besuchen kommt. Selbst Handaufzuchten müssen also nicht zwangsläufig Fehlgeprägt werden. Das passiert nur, wenn die Jungtiere keinen Kontakt zu Artgenossen haben und sich komplett auf den Menschen fixieren müssen. Leider passiert dass viel zu oft, aber es geht auch anders...
     
  12. Raven

    Raven De omnibus dubitandum

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    Hallo Sandra,
    Kann man darüber irgendwo etwas nachlesen?
     
  13. Sandra W

    Sandra W Mitglied

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    Hallo Dagmar

    Ich glaub wir kennen uns bereits von einem anderen Forum?
    Ich habe vor allem über Interviews (Animalplanet) und diverse amerikanische Zeitschriften von diesem Züchter gehört. Hier der Link zu einem Hörinterview mit dem Gründer des Zuchtcentrums: http://www.libertywings.com/wp-content/uploads/2010/08/Steve-Hartman-Episode-5.mp3

    Leider habe ich keine geschriebenen Texte aufbehalten. Die Zuchtstätte hat auch eine Homepage, aber ich wollte diese erst nicht hier rein stellen zu Beginn der Diskussion, weil dann gleich wieder die Handaufzuchtsdebatte los geht, denn sie verkaufen dort auch handaufgezogene Jungpapageien.

    Ich habe die Zucht besucht und die Zuchtpaare leben dort in riesigen Flugvolieren zu mehreren Paaren mit sehr viel Platz und super Betreuung. Auch wird dort sehr viel Aufklärung über gute Papageienhaltung gemacht, denn sie haben ein grosses Besucherzentrum für Schulen, Gruppen und auch Privatbesucher.
    Was ich gar nicht gut finde, ist dass sie auch Papageien in Einzelhaltung abgeben oder an Leute die ganztags arbeiten. Das heisst die Besitzer werden meiner Meinung nach nicht seriös genug durchläuchtet. Im Vergleich zu anderen Züchtern in den USA ist dieser jedoch sehr fortschrittlich, denn häufig werden hier Zuchtpaare in winzigen Käfigen untergebracht (0.5 m x 0.5 m x 1.0 m). Nicht überall natürlich, aber noch viel zu oft!
    Gut finde ich auch, dass sie sich vehement gegen das Flügelstutzen einsetzten, was hier in 80% der Fälle noch immer an der Tagesordnung ist. Ob Fluggeschirre die ideale Lösung sind, darüber lässt sich streiten, aber es ist sicher besser wie Vögel die 24 Stunden pro Tag in winzigen Käfigen sitzen zu lassen.
    Ihr müsst wisssen, hier drüben ist in Sachen Tierhaltung noch sehr vieles im Argen und manchmal muss man die Bevölkerung in kleinen Schritten aufklären. Das braucht auch von meiner Seite sehhhhhhr viel Geduld, denn ich bin sonst auch eher extrem und habe noch nie Vögel in Käfigen gehalten. Aber wer will, dass man einem Zuhört muss manchmal in kleinen Etappen die Welt verbessern.

    Mich hat in erster Linie die Idee von der selektiven Zucht interessiert. Ich bin sicher, dass dies für die Papageien die in Menschenfamilien Leben langfristig durchaus Vorteile haben wird.

    Liebe Grüsse
    Sandra
     
  14. Amazon2

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    Hallo
    Ich habe es mir jetzt mehrfach durchgelesen und schwanke zwischen Befürwortung und Ablehnung hin und her ob es wirklich gut isst auf Genügsamkeit hin zu züchten da ja so viele Menschen die Not vieler Papageien nicht sehen selbst wenn sie alle Anzeichen Zeigen(zb Rupfen)

    Ich glaube das gezielte Zucht und Richtige Aufklärung über die Bedürfnisse der Tiere und evtl Gesetzliche Regelungen (zb Schweiz wo Einzelhaltung verboten ist) wohl eher der Richtige weg sind

    Züchter müssen verpflichtet werden Käufer richtig aufzuklären nur wollen die das nicht,da sonst weniger Tiere verkauft werden weil die Leute sich über die Konsequenzen Bewusst sind

    Hätte ich das wissen von Heute,damals bei der Entscheidung führ Amazonen gehabt hätte ich heute keine,leider sind die Informationen aus Büchern nicht ausreichend und damals hatte ich noch keinen PC

    Mein Fazit ist Gezielte Zucht nur unter den Richtigen Grundbedingungen dh erst wenn die Menschen Bereit sind Tiere richtig zu Halten,kann man mit gezielte Zucht beginnen, ansonsten ist die Gefahr das noch mehr Tiere Dahinvegetieren durch verantwortungslose Halter zu groß

    Weil Menschen Denken das Tiere nicht Fühlen,müssen Tiere Fühlen das Menschen nicht Denken
     
  15. papugi

    papugi Foren-Guru

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    Hallo,
    ich habe ein paar Weisshaubenkadus . Den hahn (17 jahre) habe ich mit 3 1/2 monaten gekauft.
    Die henne kam, sie war ungefahr 10 jahre alt, als der hahn 3 jahre alt war. Si muss also um die 25 sein.
    Seit 14 jahren sind die beiden zusammen. Die henne ist sehr sanft, der hahn ist nie agressiv gewesen in hormonphasen wie meine anderen kakadus.
    Sie haben mehrere junge selbst hochgezogen die die gleiche eigenschaften haben. Der erste sohn, handaufzucht 1997 von mir (anders ging es damals nicht) ist noch bei mir und hat der eltern eigenschaften...

    Ich kann mit den eltern, hahn oder henne auf der schulter, oder wenn sie im nest sind, die eier oder kuken manipulieren.

    Alle nachkommen von diesem paar scheinen ohne die gewohnlichen probleme, die man meistens bei kakadus, sieht wie rupfen oder agressionen, zu sein.
    Ich kann vergleichen weil ich mehrere WHK hahne habe und einen hahn, Kashmir, eine nachzucht von Paco (19 jahre) der ein rupfer ist, sehr nervos, und auch ein ganz schlimmer mutilator war.

    Ich habe das gefuhl das eine selektive zucht moglich ist aber ab wann man sagen kann was vererbt ist oder angelernt ist eine sehr schwierige sache.

    p.s.
    ein frohliches hallo an Sandra W au sQuébec. Vielleicht sind wir nachbarn?
     
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  17. Sandra W

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    @Moni: Sehe ich auch so! Aufklärung ist das A und O zur guten Tierhaltung! Dabei spielt der Züchter auch eine gaaaanz wichtige Rolle. Züchter die Tiere an Leute verkaufen, obwohl sie merken dass diese dem Tier nicht gewachsen sein werden und ihm auch nicht das ideale Umfeld schaffen können / wollen, denken sehr kurzsichtig. Mal von dadurch entstehenden Tierleid abgesehen hat es noch andere Nachteile. Denn auf Lange sicht, machen genau solche Käufer dann äussert schlechte Werbung für den Züchter, weil es wohl schon bald Probleme geben wird mit dem Tier.
    Nur als Beispiel: Ich lehne 80 % der Anfragen für einen Hundewelpen ab, weil ich schon im voraus weiss, dass die Anwärter dem Hund nicht gerecht werden können oder sich evt. für eine Rasse entschieden haben (Optik) die gar nicht zu ihrem Lebensstil passt. Leider trifft dies nicht auf jeden Züchter zu!
    ...Aber wie gesagt, meiner Meinung nach schliesst das eine das andere keineswegs aus.

    @Papugi: Wow, das ist ja ein Zufall!!! Damit habe ich ja echt nicht gerechnet! Hey, im kleinen Québec sind wir ja alle Nachbarn :zwinker:
    Wo wohnst du denn? Wir sind in der Region "Centre du Québec" in St-Ferdinand du Halifax. Von wo kommst du ursprünglich? Züchtest du noch andere Papageien oder nur Kakadus?
    Deine Story mit deinem Zuchtpaar ist sehr interessant!
    Oh mann, wenn du hier in Québec gute Plätze suchst für deine Nachzucht ist das sicher nicht ganz einfach :? Viele Papageien werden ja echt schlecht gehalten!
     
  18. Raven

    Raven De omnibus dubitandum

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    Hallo Sandra,

    danke für den Link, irgendwann höre ich mir das auch zuende an, aber ist anstrengend... mit dem Lesen englischer Texte hab ich keine Probleme, aber hören ist was anderes ;)
    Schau mal bitte in deine PN (Link "Benachrichtigungen" ganz oben).
     
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Gezielte Zucht auf umgänglichen Charakter - Was denkt ihr darüber?

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