Handaufzucht - Typische Verhaltensweisen?

Diskutiere Handaufzucht - Typische Verhaltensweisen? im Allgemeines Vogelforum Forum im Bereich Allgemeine Foren; Hallo Allerseits, mich beschäftigt seit einiger Zeit die Frage, welche typischen Verhaltensweisen Handaufzuchten im allgemeinen zeigen. Wie...

  1. #1 Suppenhuhn, 31. Januar 2003
    Suppenhuhn

    Suppenhuhn Guest

    Hallo Allerseits,

    mich beschäftigt seit einiger Zeit die Frage, welche typischen Verhaltensweisen Handaufzuchten im allgemeinen zeigen.

    Wie mögen sie den Menschen, bzw. die Hand sehen? Als eine Art Muttertier?

    Junge abgesetzte Vögel sitzen doch auch nicht ständig neben der Mutter, wieso machen Handaufzuchten das beim Menschen? Das verstehe ich irgendwie nicht.

    Welchen Unterschied habt ihr festgestellt bei Handaufzuchten ab 1. Tag, ab 10. Tag und Handaufzuchten ab 28. Tag ?

    Ist die Gefahr der Fehlprägung bei einer Handaufzucht ab 28. Tag vorbei und hat diese Art der Handaufzucht keine negativen Auswirkungen auf den Vogel, sondern dient einfach nur dem Abbau der Angst bzw. gar nicht aufkommen lassen von Scheu? Die Scheu vor dem Menschen entwickelt sich ja eh erst nach dem Verlassen des Nestes, oder?

    Mich würden Eure Erfahrungen sehr interessieren. Ich kann mir denken, daß es von Vogelart zu Vogelart sehr variiert, aber das Thema interessiert mich auch allgemein und nicht nur artspezifisch.
     
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  3. Petra.S

    Petra.S Guest

    Hallo Suppenhuhn,

    ich war vor einigen Wochen gezwungen, Schönsittiche per Hand zu füttern bzw. aufzuziehen. Aber nicht, weil ich sie zahm bekommen wollte, sondern deshalb, da die Mutter neue Eier legen wollte, sich darauf hin nicht mehr um den Nachwuchs kümmerte und der Vater sich wohl irgendwie nicht zuständig fühlte. Alle fünf Küken waren zu dem Zeitpunkt schon älter. Drei hatten sich schon mal aus dem Nest getraut, konnten aber noch nicht richtig selber fressen. Zwei waren noch im Nest und wurden auch nicht mehr versorgt. Diese beiden fütterte ich im Drei-Stunden-Takt.

    Alle fünf Schönsittiche sind trotzdem scheu und keineswegs von mir begeistert :D Nur das kleinste - mein Sorgenkind, von dem ich dachte, er schafft es nicht - sieht die Sache eigentlich ganz gelassen, wenn ich ihm mit der Hand nahe komme. Trotzdem würde er nie draufsteigen. Ich habe es aber während der Handaufzucht nicht provoziert, dass er sich in seinem Verhalten diesbezüglich von den anderen unterscheidet bzw. ihn zutraulich zu machen.

    Von Fehlprägung ist hier keine Spur. Bei einer "richtigen" Handaufzucht, ab dem 3. Tag, ist die Gewöhnung an den Menschen ja das Ziel.
     
  4. Raven

    Raven De omnibus dubitandum

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    Hallo Suppenhuhn,

    aus meiner Erfahrung mit Wellensittichen möchte ich behaupten, daß die soziale Entwicklung des Jungvogels mit Verlassen des Nestes noch lange nicht abgeschlossen ist. Ich meine damit, daß er auch danach noch sehr viel von den Eltern an artspezifischen Verhaltensweisen lernt. Die Laut- und Körpersprache, das Kraulen, Füttern, ***ualverhalten zum Beispiel. Das kann ihm ein Mensch nicht beibringen.
    Wellensitticheltern scheinen ihre eigenen Jungen bis zum Alter von etwa 3 Monaten noch als solche zu erkennen, befindet sich so ein Jungvogel in einer (aus Vogelsicht) Gefahrensituation, kommen sie ihm zu Hilfe.
    Ich halte nichts von Handaufzucht, Notfälle ausgenommen, oder davon, die Jungen zu früh von den Eltern zu trennen, nur um einen lieben, zahmen Vogel zu bekommen. Erfahrungen mit Großpapageien habe ich nicht, könnte mir aber gut vorstellen, daß es auch hier möglich ist, den Jungen die Scheu vor dem Menschen auch ohne Handaufzucht zu nehmen, damit es nicht zur Fehlprägung kommt.
     
  5. #4 Suppenhuhn, 31. Januar 2003
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 31. Januar 2003
    Suppenhuhn

    Suppenhuhn Guest

    Hi

    meine Frage ergibt sich einerseits aus dem generellen Interesse an dem Verhalten von Handaufzuchten und andererseits daraus, daß ich selbst seit einer Woche ein not-handaufgezogenes Bourkesittich Mädel bei mir habe.

    Das Küken wurde, ich glaube schon am Schlupftag von den Eltern nicht warmgehalten und nicht versorgt, deshalb mußte die Züchterin es von Hand versorgen. Sie hat es 4 Monate in der Wohnung gehalten, mußte es aber nun aus Zeitmangel und um für eventuelle auftretende Notfälle wieder frei zu sein, abgeben.

    Es zeigt Interesse an meinen anderen Bourkesittichen, sitzt aber mit Vorliebe auf meiner Hand/Schulter und immer wenn es ihr zu wild im Zimmer wird (ich habe noch 12 weitere Vögel, alles Naturbruten) kommt sie zu mir geflogen und fühlt sich bei mir wohl sicherer.

    Mich würde einfach interessieren, wie sie mich sieht und warum Handaufzuchten scheinbar immer die Nähe zum Menschen suchen. (Außer jetzt mal die von PetraS ;)) Aber ich glaube in den meisten Fällen ist es doch so.

    Es scheint ja auch fast egal zu sein, welcher Mensch es ist. Sie kannte ja bisher nur die Züchterin mit Familie. Mir ist sie aber schon dort auf die Schulter geflogen und auch hier war keine Scheu vor mir zu erkennen. Sie hat mich gleich als neuen Partner, Versorger, Freund oder was weiß ich akzeptiert.

    Wie kommt das? Naturbruten sitzen doch auch nicht ständig an der Seite ihres ehemaligen Ernährers.

    Es ist mir ein Rätsel

    Daß sie Handaufzuchten keine Angst vorm Menschen haben, ist ja klar, aber warum suchen sie immer so intensiv die Nähe?
     
  6. Petra.S

    Petra.S Guest

    Hallo Suppenhuhn,

    bei Deiner Henne ist das irgendwie klar. Sie kennt ja, seit sie sehen kann, nichts anderes als einen Menschen und hält den deshalb für einen Artgenossen. Es ist ein großes Vertrauen zum Menschen entstanden und somit selbstverständlich für den Vogel, seine Nähe zu suchen. Da die Kleine ja vermutlich eine Einzelhandaufzucht war (oder ist sie mitsamt Geschwistern großgezogen worden?) orientiert sie sich nicht an anderen Vögeln, sondern geht den von ihr erlernten Verhaltensweg, nämlich zum Menschen. An die Anwesenheit anderer Vögel muss sie sich erst einmal gewöhnen.

    Es ist nicht immer so wie bei ihr, dass es egal ist, um welchen Menschen es sich handelt. Oft sind solche Vögel auch entweder frauen- oder männerbezogen oder bevorzugen eine bestimmte Haarfarbe.

    Nein, Naturbruten sitzen nicht an der Seite ihres Ernährers, die meisten kleineren Arten haben mit ihren Eltern später überhaupt nichts mehr zu tun. Sie sitzen aber beieinander. :) Da sie einen Menschen für einen Artgenossen hält, ist ihr Verhalten logisch. Sie hält Menschen für Schwarmmitglieder.
     
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