Handaufzuchten …. (Goffinkakadus)

Diskutiere Handaufzuchten …. (Goffinkakadus) im Forum Kakadus im Bereich Papageien - Ich wollte schon immer Goffinkakadus halten, leider habe ich nie, in meinem Umkreis, einen Züchter gefunden, bis jetzt. 150 Km entfernt von mir...
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Engelmann

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Ich wollte schon immer Goffinkakadus halten, leider habe ich nie, in meinem Umkreis, einen Züchter gefunden, bis jetzt. 150 Km entfernt von mir gibt es einen Züchter. Er verkauft den Schlupf von 3 Paaren, eine blutsfremde Paarerstellung wäre möglich. Sie werden ab der 4. Woche von den Eltern getrennt und von Hand aufgezogen.

Hier im Forum habe ich nur schlechtes über die Handaufzucht gelesen, anscheinend zu Recht.

Jetzt meine Frage; Werden die von handaufgezogen Kakadus dann auch verkorkst und fehlgeprägt wenn sie die ersten 4 Wochen bei den Eltern aufgewachsen und erst ab der 4. Lebenswoche von den Eltern, zur Handaufzucht, separiert wurden?

Naja, durch die Handaufzucht wäre das Handling viel einfacher wie z.B Wiegen oder die Krallen schneiden und auch das abtasten zur Vorsorge.

Ich würde mich sehr über eure Antworten freuen.
 
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Hallo,
Werden die von handaufgezogen Kakadus dann auch verkorkst und fehlgeprägt wenn sie die ersten 4 Wochen bei den Eltern aufgewachsen und erst ab der 4. Lebenswoche von den Eltern, zur Handaufzucht, separiert wurden?
die Antwort auf deine Frage ist ein klares JA! Es macht keinen Unterschied, ob die Handaufzucht direkt nach dem Schlupf beginnt oder "erst" nach 4 Wochen. Die Jungvögel dann während der Aufzuchtsphase durch die Altvögel aus dem Nest zu nehmen um weiter eine Handaufzucht zu betreiben, ändert mMn nichts am späteren verkorksten und fehlgeprägten Verhalten der Vögel.
Was das händeln betrifft....dies ist auch bei einer Naturbrut kein Problem, denn diese können genauso zutraulich und zahm werden, Voraussetzung dafür ist, dass der Halter mit Zeit und Geduld zwischen sich und seinen Vögeln eine Vertrauensbasis schafft. Ich selbst habe neben einer kaputten Seele durch Handaufzucht, auch eine Naturbrut hier sitzen, ihr Vertrauen zu gewinnen ging relativ schnell, obwohl sie bei der Anschaffung kein Jungvogel mehr war.

Krallen schneiden, Abtasten, Check-Up u.s.w. überläßt man am besten seinem vogelkundigen Tierarzt, dieser ist dafür zuständig und weiß wie es geht, darüber sollte man sich anfangs weniger den Kopf zerbrechen.
Viel viel wichtiger ist es, sich einen gut sozialisierten Vogel ins Haus zu holen, der mit seinem Partner zeitlebens ein glückliches, zufriedenes, ausgeglichenes Vogelleben leben/erleben kann und darf!

Um es ganz klar auf den Punkt zu bringen...................es gibt absolut KEINEN Grund sich für eine Handaufzucht zu entscheiden, bitte....Finger weg davon!!!
 
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Noch eine kurze Frage.....hast du deine Nymphensittiche noch?
Du weißt schon, dass sich deren Haltung mit Kakadus recht schwierig gestaltet bzw. fast nicht möglich ist, es sei denn, das Platzangebot stimmt und du kannst beide Arten strikt auf Dauer räumlich voneinander trennen.
 
Im Alter von 4 Wochen sind die Vögel noch immer in der ersten Sozialisationsphase, in welcher sie lernen, dass sie ein Papagei sind, wie sie sich gegenüber Geschwistern durchsetzen und die Bindung an die Elterntiere baut sich auf, was sich später massiv auf die Paarbindung auswirkt. In der zweiten Sozialisationsphase lernen sie mit gleichaltrigen Artgenossen außerhalb der Familie umzugehen. Als hochgradig soziale Vögel sollten Papageien diese beiden Phasen auf jeden Fall durchlaufen können um später eine stabile und ausgeglichene Paarbindung eingehen zu können.
Schlecht sozialisierte Papageien erleben während ihres restlichen Lebens viel Streitigkeiten innerhalb der Paarbeziehung und das verursacht nicht nur für die Vögel immensen Stress sondern auch für den Halter. Blutige Auseinandersetzungen sind dann viel wahrscheinlicher als bei Tieren die Artgerecht sozialisiert sind. Und diese Aggression zeigt sich spätestens nach Eintritt der Geschlechtsreife auch gegenüber der menschlichen Hand.

Um es ganz klar auf den Punkt zu bringen...................es gibt absolut KEINEN Grund sich für eine Handaufzucht zu entscheiden, bitte....Finger weg davon!!!

Genau so ist es. Die Zeit, welche man investiert um das Vertrauen aufzubauen, bekommt man tausendfach zurück. Wer diese Zeit nicht investieren kann oder will (ich unterstelle hier niemandem etwas!), sollte allgemein keine Tiere halten, schon gar keine hochsozialen wie Papageien.
 
Hier im Forum habe ich nur schlechtes über die Handaufzucht gelesen, anscheinend zu Recht.
Gerade bei Goffins komplette Katastrophe. Und du musst bedenken: Die Vorteile der Handaufzucht währen 3-4 Jahre, danach kehren sie sich quasi um (Vogel hat keine Distanz zum Menschen: Gilt fürs Kuscheln, aber eben auch für Aggression). So ein Vogel wird aber locker 50.

Naja, durch die Handaufzucht wäre das Handling viel einfacher wie z.B Wiegen oder die Krallen schneiden und auch das abtasten zur Vorsorge.
Das hat nichts mit dem Vogel, sondern mit den Fähigkeiten des Halters zu tun. Abtasten und Krallen Schneiden setzt Fixierung voraus, dabei ist es egal, ob der Vogel zahm ist oder nicht. Ob man ihn auf die Hand rufen kann oder mit dem Kescher fangen muss: das danach folgende Handling + Fixierung musst DU können und hat nichts mit Zahmheit des Vogels zu tun (Stress ist es so oder so). Unbedingt vom Züchter oder Tierarzt zeigen lassen.

Kannst du den Züchter nicht fragen, ob er die Jungvögel einfach bei den Eltern lassen kann? Und zwar lange, mindestens 3 Monate. Dann spart er sich ja auch Arbeit.
 
Noch eine kurze Frage.....hast du deine Nymphensittiche noch?
Du weißt schon, dass sich deren Haltung mit Kakadus recht schwierig gestaltet bzw. fast nicht möglich ist, es sei denn, das Platzangebot stimmt und du kannst beide Arten strikt auf Dauer räumlich voneinander trennen.
Jaa ich habe noch ein paar Hobbyräume, da würde ich dann auch die Voliere einrichten, die Nymphensittiche sind im Wohnzimmer.
 
Kannst du den Züchter nicht fragen, ob er die Jungvögel einfach bei den Eltern lassen kann? Und zwar lange, mindestens 3 Monate. Dann spart er sich ja auch Arbeit.
Nein, sie wurden bereits vor 4 Wochen getrennt, also sie sind momentan in der 8. Woche.
 
Handaufzuchten machen zwar mehr Arbeit, aber sie lassen sich auch leichter verkaufen, da sie ja so "zahm" sind. Lass es einfach bleiben! Dazu haben Dir hier alle geraten. Mit Handaufzuchten sind die Probleme vorprogrammiert. Jetzt hast Du noch die Chance, das zu verhindern. Also, such besser neu, falls Du es wirklich ernst meinst mit solch einer Erwerbung. Du liest doch bestimmt in den Nachbarthreads, wie kompliziert diese Kakadus sind.
Für solch eine tiefgreifende Entscheidung, solche anspruchsvollen Geschöpfe zu sich ins Haus zu holen, kann man auch länger suchen und weite Entfernungen in Kauf nehmen.
 
Also, dann wird das wohl vorerst nichts. Vielen Dank für eure zahlreichen Antworten.
Besser ist das.

OT: Nur schade, dass da wieder einige verkokste Wandervögel auf den Markt kommen, welche in ein paar Jahren von ihren jetzigen Käufern abgegeben werden, da sie Probleme machen.
Wann wird diesen skrupellosen, profitsüchtigen Vogelvermehrern endlich das Handwerk gelegt? Eigentlich gehören die angezeigt.
 
OT: Nur schade, dass da wieder einige verkokste Wandervögel auf den Markt kommen, welche in ein paar Jahren von ihren jetzigen Käufern abgegeben werden, da sie Probleme machen.
Wann wird diesen skrupellosen, profitsüchtigen Vogelvermehrern endlich das Handwerk gelegt? Eigentlich gehören die angezeigt.
Volle Zustimmung!!!

@Engelmann da es dir um die Frage nach Handaufzuchten ging, hier mal ein Link über dieses so wichtige Thema, in welchem einige von uns User mal die eigenen Erfahrungen zusammen getragen haben, wie problematisch es ist (oftmals auf Dauer), wenn man sich handaufgezogene Vögel ins Haus holt. Solltest du es schon gefunden und gelesen haben, umso besser. :)

 
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Vieles was in dem zitierten Thread über Handaufzuchten geschrieben steht, gilt auch für Coco. Und die ist garantiert ein Wildfang gewesen, so scheu und ängstlich wie die damals vor 40 Jahren war als sie zu uns kam. Gegenüber Fremden ist sie das bis heute geblieben, nur innerhalb der Familie lässt sie die Sau raus.
Und sie denkt ebenfalls, wir wären nur dazu da, sie den ganzen Tag über nonstop zu kraulen, kuscheln und gute Sachen zum Fressen zu bringen...

Also, Naturbrut ist keine Garantie dafür, dass sich später nicht dieselben Verhaltensweisen wie bei Handaufzuchten entwickeln.

Gruß Gerd
 
Hallo Gerd,
Also, Naturbrut ist keine Garantie dafür, dass sich später nicht dieselben Verhaltensweisen wie bei Handaufzuchten entwickeln.
sicher hast du damit nicht Unrecht...

nur, solch eine Verhaltensweise einer Naturbrut oder einem Wildfang entsteht, wenn die Vögel ihr ganzes Leben nur allein mit ihrem Menschen verbringen, dadurch meist extrem vermenschlicht werden. Eine Naturbrut, die mit einem Partner vergesellschaftet ist, die Vögel die Möglichkeit bekommen ihr Vogelleben leben zu können/dürfen, bleibt von ihrem Verhalten her eine Naturbrut, ist sozialisiert, NICHT auf den Mensch bezogen, oftmals zutraulich (liegt natürlich am Halter), weniger handzahm......ich denke, dies muss man unbedingt unterscheiden, sonst besteht die "Gefahr", dass weiterhin viele Leute sich immer wieder Handaufzuchten anschaffen und durch die Nachfrage es weiterhin solche Züchter es so handhaben.....um mit HZ möglichst viel Kohle zu verdienen versteht sich.

Stimmt, es gibt in der Vogelhaltung für vieles keine Garantie, für eines allerdings schon.....nämlich die Garantie, dass ein nicht mit der Hand aufgezogener Vogel weiß, dass er ein Vogel ist, dies sich in seiner Verhaltensweise widerspiegelt...geht das aber in eine völlig andere/falsche Richtung, hat dies mMn nur einer zu verantworten....nämlich der Mensch selbst.
 
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Bei einet Handaufzucht ist praktisch garantiert, dass spätestens zur Geschlechtsreife größere Probleme auftreten. Da kann man als Halter kaum zuverlässig gegensteuern.
Bei Naturbruten und Wildfängen kann der Halter das durch arrgetechte Haltung meist mit großer Sicherheit verhindern. Durch falsche Haltung - einzeln, zu enger Menschenkontakt- aber natürlich ebenso provozieren.
 
Ich möchte einmal etwas zum Thema Handaufzucht zum Nachdenken beisteuern. Ich habe tatsächliche eine andere Einstellung zur Handaufzucht bzw. Teilhandaufzucht. Ich hatte sowohl Sperlingspapageien als auch Lovebirds aus Naturbrut und Handaufzucht. Die Naturbruten habe ich bei aller Geduld und Liebe nicht zahm bekommen, außer es gab schon einen zahmen Vogel, an dem sie sich orientiert haben. Die Handaufzuchten waren für eine Haltung im Haus die besten Vögel überhaupt und alle Partner, die ich aus Naturbrut dazu bekommen habe, sind auch ganz schnell zahm geworden, weil der junge Vogel sich am Älteren orientiert hat. Federn rupfen habe ich tatsächlich nur bei einem Sperlingspapagei aus einer Naturbrut erlebt. Selbst mein Tierarzt ist für Teilhandaufzucht, weil die Tiere viel angstfreier leben und es für sie nicht traumatisch ist, wenn man sie mal behandeln muss.
Ich finde es eher diskussionswürdig, ob es artgerecht ist, Papageien und andere Vögel im Wohnzimmer zu halten. Ich habe in Australien gelebt und wenn man die Vögel in der Natur sieht, kommt man schon ins Grübeln, welches Privileg man ihnen nimmt. Dazu reicht auch ein Blick in den heimischen Garten. Mir ist es absolut klar, dass Vogelhaltung in erster Linie dem eigenen Wohl und Hobby dient. Mir geben die Tierchen unendlich viel Lebensqualität, aber ich bilde mir nicht ein, dass ich sie artgerecht halte, bloss, weil sie bei ihren Eltern aufwachsen. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich das okay finde, wenn ich alles nur mögliche tue, um den Vögel ein tolles Leben zu bieten. Und tatsächlich haben zahme Vögel in diesem Fall ein aus meiner Sicht schöneres Leben, den "nicht zahm" bedeutet nichts anderes als Angst - vor dem menschen, vor der Hand. Sehr frustrierend für alle Beteiligten. Meine genießen das tägliche Mittagsschläfchen an meinem Hals und Streicheleinheiten. Ansonsten haben sie ein tolles großes Zimmer und sind zu zweit und haben Abenteuerspielplätze zum Zerlegen und alles andere. Sie sind den ganzen tag draußen, denn weil sie zahm sind kann ich sie jederzeit zum Beispiel zum Lüften in den Käfig sperren. Daher: Artgerecht ist eine Naturbrut im Wohnzimmer auch nicht. Was die Wegnahme der Jungen angeht, sollte man die Tiere da nicht vermenschlichen. Das ist für die Vögel ein Job und zwar ein sehr Kräfte zehrender. Ich bin mit Vogelzucht (Kanarienvögel, Zebrafinken, Zwerghühner) aufgewachsen und ein Vogel nimmt es nach meiner Beobachtung noch nicht mal zur Kenntnis, wenn er auf einmal nur noch 4 statt 7 Junge im Nest hat. Mit Pech fallen die Übrigen sowieso aus dem Nest und das Futter reicht nicht. kann man auch im Garten sehen, wenn man mal ein Vogelnest hat.
Es ist auch nicht artgerecht, wenn unsere Heimvögel nie Nachwuchs produzieren können, man ihnen die Eier weg nimmt oder durch Kunsteier ersetzt, auf denen sie dann umsonst wochenlang sitzen. Dagegen ist die Teilhandaufzucht bei einem liebevollen Züchter meiner Meinung nach das geringere Übel. Von Zoohandlungen will ich mal gar nicht reden. Die Züchter sind auch nicht geldgetrieben. Damit verdient wirklich keiner Geld. Ich habe 50 Euro pro handaufgezogenen Sperlingspapagei in Deutschland und 50 Dollar für einen Lovebird in Australien gezahlt. Und die Züchter waren die größten Vogelliebhaber überhaupt und haben sehr viel Zeit in die Aufzucht gesteckt. Ich werden den Züchtern ein leben lang dankbar sein für meine beiden fantastischen Vögel und ich bedauere es sehr, dass man in Deutschland kaum noch jemanden findet, der sich die Mühe macht. Und mit tun alle Leute leid, die nicht verstehen, warum es ihnen nicht gelingt, ihre Vögel - Agaporniden und Sperlingspapageien zahm zu bekommen, während Instagram voll von zahmen Vögel ist - alle aus anderen Ländern oder Handaufzuchten. Es gibt allerdings auch die Handaufzucht mit der Kropfnadel. Danach werden die Vögel wieder zu den anderen gesetzt und sind kein bisschen zahmer als eine Naturbrut. ich rede von der Handaufzucht von einem liebevollen Hobbyzüchter.
 
Ich sehe da einige Halbwahrheiten in Deinem Text.
Meine Zeit ist gerade begrenzt, aber ich versuche, auf das wichtigste einzugehen.
Es ist auch nicht artgerecht, wenn unsere Heimvögel nie Nachwuchs produzieren können, man ihnen die Eier weg nimmt oder durch Kunsteier ersetzt, auf denen sie dann umsonst wochenlang sitzen.
Aufgrund welcher Datenlage behauptest Du das? Oder ist es gar einfach Deine Meinung?
Wie sieht es denn wirklich aus?
Auch bei wildlebenden Vögeln bleiben viele Brutversuche erfolglos. Die meisten diesbezüglichen Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass rund 25% der bebrüteten Eier unbefruchtet sind. Aber auch aus vielen befruchteten schlüpft nichts. Wetter, Nahrungsverfügbarkeit, Fressfeinde und viele weitere Faktoren spielen da eine Rolle.
Siehe dazu zB

Savage, J.L., Crane, J.M.S., and Hemmings, N. (2022), Low hatching success in the critically endangered kākāpō is driven by early embryo mortality not infertility. Anim. Conserv., 25: 352-360

Assersohn, K., Marshall, A.F., Morland, F., Brekke, P. and Hemmings, N. (2021), Why do eggs fail? Causes of hatching failure in threatened populations and consequences for conservation. Anim. Conserv., 24: 540-551

Aldredge, R.A., Leclair, S.C. & Bowman, R. (2012). Declining egg viability explains higher hatching failure in a suburban population of the threatened Florida Scrub-jay Aphelocoma coerulescens. J. Avian Biol. 43, 369–375.

Aber auch von den geschlüpften kommen viele nicht zum Ausflug und sterben vorher. Parasiten, Infektienen, Fressfeinde, Nahrungsmangel, Wetter...
Untersuchungen dazu gibt es viele. Siehe zB:

Seress, G.; Hammer, T.; Bókony, V.; Vincze, E.; Preiszner, B.; Pipoly, I.; Sinkovics, C.; Evans, K. L. & Liker, A. (2018): Impact of urbanization on abundance and phenology of caterpillars and consequences for breeding in an insectivorous bird. Ecological Applications 28: 1143-1156

Hinzu kommt, dass ein erklecklicher Anteil aller Vögel mangels Partners, Erfolg bei der Territoriumsabsteckung, Kranheiten oder anderen Problemen nie auch nur zur Brut kommt.

Das Bebrüten lassen toter oder künstlicher Eier in menschlicher Obhut befriedigt den Bruttrieb und verlängert die Pause bis zum nächsten Gelege. Aber ja, es befriedigt nicht den Pflegetrieb und manche Vögel leiden tatsächlich darunter.
Aber ob sie wohl weniger leiden, wenn man die Jungvögel noch vor dem Ausfliegen zur Handaufzucht entfernt?
Und zur artgerechten Haltung gehört auch, unnötiges Tierleid der Nachzuchten zu vermeiden. Das ist ethisches Handeln Leider landen schon jetzt viele Nachzuchttiere in nicht artgerechten Haltungen udn die überwiegende Merheit der Handaufzuchten erleben lebenslanges Leid. Wieviel schlimmer wäre das wohl noch bei völlig unkontrollierter Vermehrung
 
Zuletzt bearbeitet:
Und tatsächlich haben zahme Vögel in diesem Fall ein aus meiner Sicht schöneres Leben, den "nicht zahm" bedeutet nichts anderes als Angst - vor dem Menschen, vor der Hand
Ja, das stimmt. Es stimmt aber auch, dass Naturbruten nahezu aller Vogelarten in jungem Alter gut an den Menschen gewöhnt werden können und die nötige Zahmheit - oder sollte ich besser sagen- Furchtlosigkeit erlangen. Natürlich muss man dabei kompetent und fachgerecht vorgehen und das kann man nicht, wenn man sich nicht im Vorfeld ausführlich informiert hat. Leider hapert es da aber meist.

Zur Aussage, Handaufzucht richtet keinen Schaden an: Je mehr des arteigenen Verhaltens angeboren ist und je weniger erlernt werden muss, umso besser kommen Handaufzuchten im späteren Leben zurecht. Das trifft für viele Kleinvögel aus den meisten Verwandtschaftsgruppen zu, verlangt aber auch für diese eine frühe Sozialisation auf den Artgenossen. Deine Kleinpapageien fallen in diese Kategorie. Daher ist hier Handaufzucht unter bestimmten Bedingungen in der Tat vertretbar.

Aber so ganz allgemein gilt das eben auch nicht, denn Probleme können auch hier auftreten. Siehe dazu zB:

Kazumasa Ebisawa, Satoshi Kusuda, Shunya Nakayama, Chungyu Pai, Rie Kinoshita, Hiroshi Koie,
Effects of rearing methods on feather-damaging behavior and corticosterone metabolite excretion in the peach-faced lovebird (Agapornis roseicollis Vieillot),
Journal of Veterinary Behavior,
Volume 54,
2022,
Pages 28-35,



Und in jedem Fall ist umfassende Sachkunde unerlässlich, denn Fehler bei der Handaufzucht führen rasch zum Tod oder zu lebenslangem Leid. Das ist eher die Regel als die Ausnahme bei all den leider vielen Vögeln, die vom Züchter als Nestlinge "zur weiteren Handaufzucht" an den meist sachunkundigen Privathalter abgegeben werden.
Leider aber hört man auch von "erfahrenen" Handaufzüchtern immer noch teils schlimmes über ihre Vorgehensweisen, auf die sie auch noch stolz sind.
Aber auch in wirklich fachkundiger Obhut haben Handaufzuchten im Vergleich zu Naturbruten eigentlich immer ein komproittiertes Immunsystem und eine reduzierte Lebensdauer. Der so wichtige Einfluss der Micorbiome der Eltern auf dei sich aufbauenden Microbiome der Küken fällt ja hier völlig oder teilweise weg. Erst in den letzten Jahren beginnt man zu verstehen, wie wichtig die Zusammensetzung des persönlichen Microbioms für Gesundheit und Lebensdauer ist.

Siehe dazu zB

Pereira H, Chakarov N, Hoffman JI, Rinaud T, Ottensmann M, Gladow KP, Tobias B, Caspers BA, Maraci Ö, Krüger O. Early-life factors shaping the gut microbiota of Common buzzard nestlings. Anim Microbiome. 2024 May 14;6(1)

Perlman D, Martínez-Álvaro M, Moraïs S, Altshuler I, Hagen LH, Jami E, et al. . Concepts and consequences of a Core gut microbiota for animal growth and development. Annu Rev Anim Biosci. (2022) 10:177–201.

In den Vogelforen geht es im übrigen meist nicht um die Handaufzucht von Kleinvögeln, sondern um die kognitiv sehr hoch stehender Arten mit einer sozialen Intelligenz, die anerkanntermassen auf der Höhe derer von Primaten und Cetaceen liegt.
Ich rede von Großpapageien, Corviden, Gänsen etc. Das Verhalten dieser Vögel ist sehr plastisch und ein großer Teil ist nicht angeboren, sondern muss erlernt werden. Das geht nur über die Eltern. Elternlos in Gruppen aufgezogenen Jungtiere solcher Arten können voneinander kein Verhalten lernen, das sie nicht kennen.
Es gibt nun aber auch eine intensive Verzahnung angeborenen und erlernten Verhaltens. Vor allem im Bereich sozialer Interaktionen und Paarverhalten. Vögel , die elternlos aufzogen, kommen mit der Geschlechtsreife nahezu immer in ernste Konflikte, da sie für das erwachende angeborene Paarverhalten keine passenden Verhaltensweisen können. Das führt öfter als nicht und vielfach dokumentiert zu massiven Verhaltensstörungen und lebenslangem Leid.
Dass die Aufzucht eines Menschen durch einen extrem nahe verwnadten Bonobo nicht zu Verhaltensstörungen führen würde, wird wohl kaum jemand behaupten. Aber bei den intellektuell gar nicht so weit zurückstehenden genannten Vögeln soll das nicht gelten, selbst nicht, wennd ei Aufzucht eine völlig andere fernstehende Art übernimmt`? Das ist ebenso unwahrscheinlich wie anthropozentrisch gedacht


Siehe dazu zB :

Schmid, Rachel & Doherr, Marcus & Steiger, Andreas. (2006). The influence of the breeding method on the behaviour of adult African grey parrots (Psittacus erithacus). Applied Animal Behaviour Science. 98. 293-307.

J.C. Colette et al.
Neonatal handling of Amazon parrots alters the stress response and immune function
Appl. Anim. Behav. Sci.
(2000)

C.S. Davis
Parrot psychology and behaviour problems
Vet. Clin. North Am. Small Anim. Pract.
(1991)

J.P. Garner et al. 2003
Stereotypies in Caged Parrots, Schizophrenia and Autism: Evidence for a Common Mechanism

Ich könnte noch viel viel viel zu diesen udn weiteren von Dir angesprochenen Aspekten schreiben. Doch das muss für heute erstmal reichen. Ich habe meine freie Zeit verbraucht -und einen Großteil meienr Motivation, denn erreichen werde ich bei Dir damit ja doch nichts.
 
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