Wenn man es sich so überlegt, gibt es eigentlich viele, sehr sehr viele Haltungen, die nicht optimal sind. Vielleicht muss es auch gar nicht optimal sein? Vielleicht ist ein "genügend" ja völlig in Ordnung. Solange die Vögel nicht unter Stress stehen, ist alles im Lot. Das ist wohl der Knackpunkt.
Unsere nicht optimale Haltung hat durchaus nicht nur Nachteile für die Vögel und für uns. Es gibt auch Vorteile: Wir müssen uns nicht sorgen wegen krankhaftem Eierlegen oder Legenot oder wohin mit dem süßen Nachwuchs. Die Vögel haben nicht den Stress, ihren Partner unter Einsatz ihres Lebens schützen und verteidigen zu müssen.
Ich denke, es gibt auch bei Menschen viele solche Partnerschaften - die nicht auf heißer Liebe beruhen, sondern eher auf Zweckgemeinschaft, nicht alleine zu sein oder gemeinsam das Leben besser gestalten zu können oder zu wuppen.
Ich kenne ein Graupapageienpärchen, das sich zwar mag, aber ambivalent - sie rupfen sich gegenseitig.
Ein anderes Pärchen, Mohrenkopfpapageien, war nur vermeintlich ein Pärchen - so lange, bis nach Jahren der eine den anderen angriff und körperlich schwer verletzte.
Richtig schöne, innige Beziehungen habe ich selten erlebt. Auf Anhieb fallen mir nur zwei Amazonenpärchen ein, die sich wirklich ganz arg mochten.
Wenn unsere beiden sich unbeobachtet wähnen, dann sieht man, dass sie sich gegenüber sitzen und chillen. Wenn geschrien und getöst wird, macht der andere irgendwann mit. Ist Partystimmung angesagt, lässt sich einer vom anderen anstecken. Passiert einem ein Missgeschick, lacht der andere gehässig (Chico macht das wirklich). Also sie interagieren miteinander. Das ist doch klasse, auch ohne Liebe. Wenn wir weg sind oder keine Zeit für sie haben, sitzen sie nicht stier auf einer Stange, sondern wissen "ich bin nicht allein" und können gucken, was der andere macht. Ist das nicht schön? Vielleicht machen wir uns manchmal viel zu viel Gedanken
