Kirschlorbeerblüten & Spatzen

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blackpeter

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Hallo, wir haben einen Kirschlorbeer unmittelbar vor dem Fenster; er blüht gerade heftig. Heute habe ich beobachtet, dass einige Spatzen gezielt die Blüten angeflogen haben, um dann systematisch ganz kurz in die Blüten zu picken. Deutlich zu sehen, weil nur 20 oder 30 cm Abstand.

Ich dachte, Kirschlorbeer wäre "unbeliebt" und hätte nie gedacht, dass Vögel irgendwas mit Pollen oder Nektar machen. Wisst ihr da was?

Grüsse,
Peter
 
Es handelt sich oft um die Suche nach frischem "Grünzeug" nach dem Winter, Feuchtigkeit oder bestimmten Vitaminen.
Beobachte ich auch oft bei unseren Obstbäumen
 
Kirschlorbeer ist eine frühe und ergiebige Nektarquelle für Bienen und andere Insekten. Da es so viel Nektar ist, den er spendet, naschen auch Vögel gerne mal davon - oder von den Insekten darin.
Zusätzlich bieten die vielen extrafloralen Nektarien des Kirschlorbeers Ameisen und anderen Insekten ganzjährig Nahrung. Im blütenarmen Sommer sind sie auch eine wichtige Bienenweide. Manche Vögel fressen auch die Früchte. Das dichte Laub bietet Deckung und Temperaturisolation- vor allem im Winter hilfreich- und die Aststruktur eignet sich gut zum Nestbaú- was verschiedene Voglearten gerne nutzen.
Wir haben einen 5 Meter hohen Kirschlorbeer im Garten und er sprüht vor Leben.

So schlimm, wie er immer gemacht wird, ist er eben gar nicht. Gerade im Frühjahr ist der Kirschlorbeer für Insekten und Vögel sehr wertvoll.
Da er nicht heimisch ist, sollte es aber in der Tat verhindert werden, dass er sich jenseits der Gärten ausbreitet.
...zumindest vorerst. Der nächste natürliche Standort ist ja auch nur rund 1000km entfernt und im Zeitalter von Global warming verschieben sich Verbreitungsgrenzen oft rasch.
 
Kurzer Einwand: Unser "geerbter" Kirschlorbeer/ Lorbeerkirsche (ein letztes Fragment durfte an der NordMauer aus Sicht und Lärmschutzgründen stehen bleiben) blüht aktuell bzw. ist schon fast am Verblühen. Im Sommer ist davon nichts mehr zu sehen.( Nur die schwarzen Beeren falls man nicht hinterher ist. Und die zwar gefressen werden, aber dann neben schwarzen Ausscheidungen auch viele Sämlinge liefern )
Lorbeerkirsche – Wikipedia
Möglicherweise hast du ein anderes Gewächs: den portugiesischen Kirschlorbeer/ Lorbeerkirsche? Sieht ähnlich aus, aber...
Wären dann aus Erfahrung ca 2000 km...
 
Ich weiß es nicht :zwinker: aber ich freue mich ehrlich, mal was Positives von dieser wunderbaren Pflanze lesen zu dürfen.
Unsere Amseln lieben diesen meterhohen Busch über alles und das in jeder Jahreszeit :zustimm:
 
Bestätigt auch meine Beobachtungen. Der Kirschlorbeer bei uns ist ein Magnet für alles was kreucht und fleucht. Die Früchte werden sehr gern gefressen von Amseln, Ringeltauben etc und die Blüte ist eine hervorragende Tracht für meine Bienenvölker. So schlecht wie er geredet wird ist er garnicht :)
Auch der Efeu, die Früchte sind doch für die Vögel im Winter ein Geschenk und die Blüte ist der Wahnsinn für alle Fluginsekten zu einer Jahreszeit wo es eigentlich nichts mehr so ergiebiges gibt.
 
@Ingo
Was bist du denn gleich so angefressen und schlägst um dich?
Schön , dass du Biologe bist. Verzeih mir, dass ich mich so despektierlich geäußert habe und deine Reputation anscheinend in Frage gestellt habe. ( Hier fehlt mir doch jetzt tatsächlich ein Emoji)

Ansonsten freue mich über deine lehrreichen Beiträge.
Allerdings hast du oben geschrieben:
"Im blütenarmen Sommer sind sie auch eine wichtige Bienenweide..."
Und genau darauf bin ich eingegangen .

Leicht irritierte Grüße ob solcher Reaktion
Iris
 
Sorry, sollte nicht aggressiv klingen. Und ja,"Im blütenarmen Sommer sind sie auch eine wichtige Bienenweide...", eben weil die Bienen sich auch gerne an den extrafloralen Nektarien bedienen.
 

Sie ist auch keine wichtige Bienenweide , ähnlich wie Sommerflieder. Sie locken zwar Insekten an, die Blüten des Kirschlorbeer bieten aber Hummeln, Wildbienen und Schmetterlingen lediglich ein mäßiges Nektarangebot.

Amseln und Drosseln fressen im Herbst zwar die Kirschen, verbreiten dabei aber die Kirschkerne, die sie mit dem Kot ausscheiden, und tragen dadurch die invasive Pflanze in die heimischen Ökosysteme.

Es gibt besseres für die Umwelt.
 
Google:
Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) wird aufgrund seiner Einstufung als invasive gebietsfremde Art (Neophyt) verboten, insbesondere in der Schweiz (seit Sept. 2024), da er heimische Pflanzen verdrängt und ökologisch wertlos ist. Er verbreitet sich schnell in Wäldern, ist stark giftig und schwer kompostierbar.
 
Na dazu möchte ich aber Daten sehen, damit ich es glaube. Ich werte sowohl Blüten als auch extraflorale Nektarien als zumindest gleichwertige Nektarquelle, wie die der üblichen Obstbäume.
Last not least steckt das Ding ja auch in der Gattung Prunus, was würde ihm eine Apomorphie zu gehaltarmem oder weniger Nektar als ihn die Gattungsgenossen haben, bringen?
Honigbienen sind zudem nicht doof. Schlechte und unergiebige Nektarquellen lassen sie schon bald links liegen- einige Hummelarten fallen allerdings auf sowas rein.
Und die fast ganzjährig aktiven reichlich vorhandenen exgtrafloralen Nektarien des Kirschlorbeers sind auf jeden Fall ein echtes Plus für die Insektenwelt.

Ja, er ist ein Neophyt und sollte sich nicht ausbreiten. Aber wie aggressiv tut er das? In meinem Dorf gibt es ne Menge Kirschlorbeer...seit Jahrzehnten. Im angrenzenden Wald habe ich immer noch keinen einzigen gesehen. Zur Kompostierbarkeit kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Nicht ganz so schnell wie anderes Laub, aber am Ende wird ebenso effizient Humus daraus. Im Terrarium zersetzt er sich zB bei mir schneller als Eichenblätter.

Es ist sehr richtig, zu verhindern, dass Neophyten invasiv werden, ganz generell. Aber in diesem Fall glaube ich, dass dem Kirschlorbeer einige Eigenschaften angedichtet werden, um die Warnung eindrücklicher zu gestalten. Einmal geschehen machen diese Angaben ungebremst die Runde.
Diese meine Ansicht beruht zugegebenermaßen weitgehend auf Augenschein und anekdotischer Erfahrung. Aber ich habe keine peer reviewed Daten gefunden, die diese immer wiederholten negativen Aussagen belegen und meine Beobachtungen negieren....im gegenteil (s.u.)
Als Wissenschaftler bin ich aber für alles offen und lasse mich von Daten überzeugen.
Also zeigt sie mir doch. Mein Anspruch: Peer reviewed und 1:1 Vergleich mit heimischen Prunus Arten.

Interessant dazu auch:


Oder:

Chwil, M., Kostryco, M. & Matraszek-Gawron, R. Comparative studies on structure of the floral nectaries and the abundance of nectar production of Prunus laurocerasus L.. Protoplasma 256, 1705–1726 (2019)

Zitat daraus: "The nectar sugar weight indicates a significant apicultural value of the cherry laurel,"

und:
Kautz S, Williams T, Ballhorn DJ (2017) Ecological importance of cyanogenesis and extrafloral nectar in invasive English laurel, Prunus laurocerasus. Northwest Sci 91:214–221.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wobei man sagen muss, dass der Nektarertrag für die Bienen zumindest nur 50% der Miete ausmacht. Nicht zu verachten ist der Pollenertrag, denn ohne Pollen nützt aller Nektar den Bienen nichts. Und der Pollenertrag von Kirschlorbeer ist verhältnismäßig hoch im Gegensatz zu vielen anderen Trachtpflanzen. Man kann die Bienen sogar dabei beobachten gezielt nur pollen aufzunehmen, indem sie die Dolden auf und ab laufen ohne zu rüsseln und nach 2-3 Runden alles zusammenputzen auf die Beine.
Bienen sind alles andere als dumm, Schmetterlingsflieder fliegen sie kaum an, da der Nektar sehr dünn ist.
Auch interessant finde ich, dass unter den Stöcken gern verschiedene Wildvögel nach verlorenen Pollenpäckchen suchen. Auch Mäuse suchen gezielt danach.

Jede mittelmäßige Nektarquelle ist besser als garkeine :)
 
Thema: Kirschlorbeerblüten & Spatzen

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