solte man in die natur eingreifen oder nicht

Diskutiere solte man in die natur eingreifen oder nicht im Allgemeines Vogelforum Forum im Bereich Allgemeine Foren; Niemand läuft doch durch die "Natur" und versucht, jeden Wildvogel zu retten. Was aber die Stadt, wo Tiere überfahren oder von gut genährten...

  1. #21 Vogelklappe, 17. Juli 2008
    Vogelklappe

    Vogelklappe Foren-Guru

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    Niemand läuft doch durch die "Natur" und versucht, jeden Wildvogel zu retten. Was aber die Stadt, wo Tiere überfahren oder von gut genährten Hauskatzen erbeutet werden, mit "Natur" zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht. "Natur" ist auch, daß der Mensch, der ein hilfloses Wesen findet, helfen will. Unsere Natur. Die, die uns von den meisten Tieren unterscheidet. Zum Glück. Im übrigen regulieren Jäger- und Beutetiere auch in den Städten ihre Population völlig unabhängig davon, ob der Mensch die wenigen, die überhaupt gefunden werden, mitnimmt oder liegen läßt.

    Ein Tier in Gefangenschaft, das nicht einmal die Chance auf erlösende Erbeutung hat, würde ich nicht zum Sterben liegen lassen. Dieses potentiell längere Leiden kann man unschwer abkürzen. So wie ein Wildvogel nach Aufnahme die Stressphase überwindet, nachdem er ruhig gesetzt wurde, ist dies beim Tier, das nichts anderes als Raumbegrenzung kannte, erst recht der Fall. Einfach verrecken lassen kann ich im einen wie im anderen Fall nicht nachvollziehen.

    Interessant ist, wie ganz einfache Menschen, die mir einen noch nackten und blinden Vogel bringen, dies ausdrücken: "Ist doch auch ein Lebewesen. Den kann man doch nicht so kalt und achtlos liegen lassen". Apropos: sterbende Warmblüter frieren. Man kann es ihnen wenigstens mit (Hand-) Wärme erleichtern, wenn es zum Tierarzt nicht mehr reicht. Mich hat noch nicht 'mal ein angefahrener - wilder - Waschbär gebissen. Er starb mit ruhiger werdendem Herzschlag in meinen Armen, den Kopf die ganze Zeit (mehrere Minuten) an meine Brust gelehnt.
     
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  3. klumpki

    klumpki Vogelgouvernante

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    Schön geschrieben, Almut :trost:
     
  4. #23 Hexe Elstereule, 18. Juli 2008
    Hexe Elstereule

    Hexe Elstereule Foren-Guru

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    Frage: wo findet man hier speziell in Deutschland noch Natur?.......Bis auf ein paar kleine von Naturschutzverbänden erworbene Gebiete nirgends mehr. Die Wälder werden selbst in FFH-Gebieten bewirtschaftet, ebenso Wiesen und Auen. Echte Natur habe ich nur an einer Stelle gesehen: im Naturpark Bayerischen Wald; da gibt es ein Waldgebiet, das vollkommen in Ruhe gelassen wird. Wo Bäume altersschwach hinfallen, bleiben sie liegen, Moose und Farne wuchern dort und ein dichtes Unterholz - ein echter Urwald eben. Hier ist ein Gleichgewicht unter den Lebewesen, aber es ist halt nur ein begrenztes Gebiet.
    Ich behaupte ganz provokant: wir haben hier keine Natur mehr, da überall der Mensch seine >regulierenden< Hände dazwischen hat, meist nicht zum Wohle der Geschöpfe, die darin leben. Wir Menschen breiten uns hemmungslos aus, verderben Wildtieren ihre natürliche Umgebung mit Beton und Asphalt, belasten sie mit Pestizidien, Düngemitteln, Müll und Lärm.

    Daher ist es nur rechtens, wenn in Not geratenen Lebewesen geholfen wird, wir sind es ihnen schuldig. Ein lebensfähiger Wildvogel, der ein Handicap hat, darf trotzdem leben, wenn auch in einer Voliere. Wer sind wir, dass wir schon wieder zu wissen glauben, dass solch ein Leben nicht lebenswert ist? Das Tier kann mit Worten keine Antwort geben, aber ein geduldiger Beobachter wird feststellen, dass in den meisten Fällen auch ein behindertes Wildtier in einem Gehege/Voliere Lebensfreude und vor allen Dingen Lebenswillen entwickelt. Wie bei uns Menschen herrscht auch bei Tieren der Wille zum Leben vor, auch unter Einschränkungen. Meine Devise: wer frißt, will leben!

    Und was das Sterben von Vögeln anbelangt: ich separiere diese Tiere immer von ihren Artgenossen, denn auch für sie, besonders bei Rabenvögeln beobachtet, herrscht oft große Verwirrung und Ängstlichkeit beim Tod eines Artgenossens.
    Ich setze die sterbenden Vögel ruhig und abgedunkelt und auf ein Wärmekissen. Ich habe feststellen können, dass bei einer solchen Behandlung die Vögel beim Sterben nicht krampfen und versuchen, wegzuflattern, sie gleiten ganz ruhig hinüber.
    Anders beim Tod in der Voliere, wo die Sterbenden oft sehr unruhig und ängstlich sind.
    LG
    Angie
     
  5. Elgrin

    Elgrin Benutzender Registrator

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    Danke für deinen Beitrag!

    Auch an "Vogelklappe", insbesondere für den letzten Abschnitt.
     
  6. #25 schwan, 18. Juli 2008
    Zuletzt bearbeitet: 18. Juli 2008
    schwan

    schwan Stammmitglied

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    Hallo Hexe Elstereule!
    In deinem ersten Abschnitt kritisierst du die Menschheit mit allem was sie mit der Natur macht und gemacht hat ! Da gebe ich dir 100 prozentig recht!
    In deinem zweiten Abschnitt ist es für dich selbstverständlich ein krankes oder behindertes Wildtier in ein Gehege oder eine Voliere umzusetzen !
    In der Natur dienen solche Tiere zur Ernährung von Marder,Fuchs,Greifvögeln u.s.w.
    Wie rechtfertigst du es den Tieren gegenüber die davon leben, wenn du ihnen das Futter wegnimmst ?

    Grüße schwan
     
  7. NaPa

    NaPa Katzenguru

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    Du rechtfertigst deine Meinung auch nur die ganze Zeit mit solchen Sätzen:~
     
  8. schwan

    schwan Stammmitglied

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    Hallo NaPa !
    Ich rechtfertige nicht mich sondern versuche die Natur ein bisschen besser zu verstehen !

    Grüße schwan
     
  9. #28 tellingstedt, 18. Juli 2008
    tellingstedt

    tellingstedt Stammmitglied

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    Eine Sumpfohreule im Stacheldraht hängen lassen???? Irgendwann findet der Fuchs die auch.....
    Ich unterscheide hier. Wenn es in meinen Händen liegt. Aber es wird ja alles angeschleppt. Letzte Woche "rettete" eine junge Frau eine Taube vor einem Sperber. Der war schon lecker am essen und wurde verjagt... Die Taube starb bei mir und der Sperber musste sich ein neuen Vogel suchen. Auch blöd oder???
     
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  11. zocker

    zocker Mitglied

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    bei uns war heute mittag auch was los. in unserem zeitungskasten brütet wieder mal das rotschwanzpärchen. leider hatten sich wohl bei der zweiten brut die jungen in den haaren, welche die altvögel zum nestbau verwendeten, verheddert. als einer der altvögel zum füttern kam und wieder den zeitungskasten verließ, blieb er wohl mit dem fuss an den haaren hängen und zog die jungvögel heraus. die beiden klatschten mit ihren kleinen nackten körpern auf die steintreppe und das kleinere der beiden hat es nicht überlebt. mein sohn bemerkte die beiden, welche durch die haare miteinander verknotet waren und rief mich. ich nahm die beiden kleinen scheisser und trennte den großen vom kleinen. dann wärmte ich ihn erst einmal in meiner hand und setzte ihn in der hoffnung das ihn die altvögel wieder annehmen werden wieder ins nest. danach war warten angesagt...und siehe da kaum war er drinnen kam der hahn und schaute. kurz danach kam die henne und ging rein zum füttern. :zustimm:
    ich hatte auch erst überlegt ob ich ihn mit der hand aufziehen sollte falls die alten eventuell die aufzucht verweigern sollten. hätte mich aber dann dagegen entschieden und der natur ihren lauf gelassen. vorallem glaubte ich fest an den erfolg da uns die altvögel schon lange kennen und zweitens sich noch ein ei im nest befindet. die rotschwänzchen halten uns ständig auf trab. letzthin hat wieder mal einer der zeitungsbuben wieder eine zeitung rein gestopft und als unsere mittlere die zeitung raus geholt hat fielen fast die eier raus weil wohl das nest umgefallen war. mein mann schnappte die eier und das nest und packte alles zusammen wieder in den zeitungskasten. immer unter den prüfenden augen der altvögel.:D
    der zeitunskasten ist für die beiden der einfachste und bequemste platz. es ist immer warm und windgeschützt da drinnen und daher können beide futter suchen und müßen net ständig die jungen oder eier wärmen. da kann man mal wieder sehen das die tiere net dumm sind.:zwinker:
     
  12. Riguez

    Riguez Neues Mitglied

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    Hallo zusammen, bin neu hier im Forum und dies wird mein erster (und hoffentlich sinnvoller) Beitrag!

    Ich kann das alles nachvollziehen, sowohl pro ("helfen, aufziehen, pflegen") als auch ("sterben lassen, erlösen"). Dabei stößt mir nur die Formulierung "der Natur ihren Lauf lassen", d. h. gar nichts tun, immer etwas sauer auf. Was denn für einer Natur "den Lauf lassen", wenn alles voller Häuser, Straßen, totgepflegter Vorgärten, zugepflasterter Plätze, Glasfenster und Schachtgitter ist? Also, ich bin ja auch Teil der Natur, und ich helfe nun mal gern. Ein angeschlagenes Lebewesen einfach allein lassen, das dann drauf warten kann, ob nun die Katze kommt oder ein Autoreifen oder die Ameisen, das ist einfach nicht Meins, da geht's mir wie Seriema. Viele hab ich schon zum Tierarzt gebracht, einige sind mir in den Armen gestorben, andere hab ich aufgezogen. Eine Pauschallösung gibt es nicht.

    Vor sechs Jahren hat man mir eine junge Taube gebracht, die hatte man mit einem Besen aus einem Laden in der Innenstadt gescheucht. Mehr hab ich dazu nicht erfahren. Sie hatte verklebtes Brustgefieder, war darmkrank, konnte weder fliegen noch fressen und hatte seit zwei Tagen weder Wasser noch Futter bekommen. Mit ihr hab ich wertvolle Erfahrungen im Füttern von Jungvögeln gesammelt, ich hab sie mit Hilfe des Tierarztes gesund gepflegt. Sie wurde ein stattlicher Tauber, der zur "Untermiete" meinen Balkon bewohnt, mindestens drei Nester gebaut hat, die er alle eifersüchtig verteidigt. Gelegentlich fliegt er mit einem Schwarm weg, kommt aber jeden Abend wieder zurück. Da es mit einer Taube bisher nie geklappt hat, hab ich ihm zwei Kunststoffeier in sein größtes Nest gelegt, die bebrütet er jetzt periodisch. Wegen der Fehlprägung mach ich mir kein schlechtes Gewissen, schließlich hat die Welt so viele Tauben, dass es nicht schadet, wenn bei einem Tauber der Nachwuchs ausbleibt.

    Die Erfahrungen in der Aufzucht, also bei Vögeln, die den Schnabel nicht aufsperren, kamen Jahre später einem Mauersegler zugute. Der Vogel lag nach einer wochenlangen Regenperiode wie tot am Boden, gerade am Verhungern. Nach Beratung mit einer Vogelauffangstation für Wildvögel hab ich ihn sehr mühsam mit Eidotter und Wasser aufgepäppelt (Insekten gab's keine, denn man findet halbtote Vögel natürlich Freitag Abend, wenn kein(e) Tierarzt / Zoohandlung / etc. geöffnet hat und die Leute von der Auffangstation schon stöhnen, weil sie rappelvoll mit Findlingen sind). Der Mauersegler hat's geschafft, ich hab ihn drei Tage behalten und an einem warmen, sonnigen, insektenreichen Tag wieder fliegen lassen. Den hab ich natürlich nicht wieder gesehen.

    Zwei mögliche Lösungen von vielen. Natürlich kann's auch mal schief gehen, mein Tauber kann von einem Falken erwischt werden, dann ist der Spaß zu Ende wie bei klumpkis Mauersegler, und das muss dann auch akzeptiert werden.

    Liebe Grüße an alle, die sich hier Gedanken machen und austauschen
    von Andrea, alias "Riguez", meinem Tauber.
     
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