Warum halten wir Vögel?

Diskutiere Warum halten wir Vögel? im Allgemeines Vogelforum Forum im Bereich Allgemeine Foren; Das Argument mit der "Freiheit" eines Tieres, dass ist so eine Sache. "Freiheit" definiert sich hier nicht dadurch, in wie weit ein Vogel in der...

  1. toxamus

    toxamus Foren-Uhu

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    Da ist es wieder, das Ammenmärchen, das zur eigenen Rechtfertigung gerne von vielen Haltern/Falknern kolportiert wird.

    Meine Erfahrung ist da eine ganz andere, und zwar sowohl bei meinen eigenen Tieren (Uhus und anderen Eulen) als auch bei Beobachtungen in der Natur lebender Tiere.
    Vögel fliegen bzw. wechseln den Standort aus sehr unterschiedlichen Gründen, der Nahrungserwerb ist dabei nur einer unter vielen.

    Meine Volierenvögel geniessen es, wenn sie ab und zu Freigang haben, man sieht ihnen die Freude an die sie dabei haben mal so richtig Luft unter die Flügel zu bekommen.
    Wobei ein Vogel, der sein ganzes Leben nie die Voliere verlassen hat ganz klar im Freien nur Stress hat. Da kann man dann leicht behaupten: "Sieh her, der Vogel will gar nicht raus und ist in seinem Käfig zufrieden".

    Auch in der Natur kann man grade zur Zeit schön beobachten, wie sehr die Vögel das langsam wärmere Wetter geniessen, wie z.B. Bussarde die Thermik nutzen um zu spielen usw.

    Die Aussage "ein Vogel bewegt sich nur, wenn er Hunger hat" trifft also etwa genau so wenig zu wie "ich hebe meinen Hintern nur vom Sofa, wenn ich zum Kühlschrank gehe".


    Und warum ich Vögel halte? Ganz klar aus Eigennutz, es gibt mir unendlich viel.
    Genauso könnte man aber fragen: Wozu haben Eltern Kinder? Der pure Eigennutz, sie haben Spass dran (zumindest ist das der ursprüngliche Antrieb, klappen tuts nicht immer).

    Und so lange der Vogel dabei nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile (geschütztes Dasein, medizinische Versorgung, regelmässiges Futter, ordentliche Unterbringung, ggf. Zuneigung) hat, kann ich das vor mir verantworten. Aber ich muss zugeben, dass ich mir die Frage auch immer wieder von Neuem stelle.

    Und eine Behauptung stelle ich schlussendlich auch noch auf: Beim überwiegenden Anteil der Vogelhaltungen die ich kenne bzw. im Laufe der Zeit besucht habe, stellen sich mir alle Haare auf.
    Zu wenig Platz, zu ungepflegt, Tiere als reine Dekoration oder nur aus Profitzwecken gehalten oder aus Sammelwut - all das habe ich viel öfter erlebt als gut ist.

    Grüsse,
    tox
     
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  3. #22 alfriedro, 4. März 2015
    alfriedro

    alfriedro Wildfang

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    Der Beitrag könnte auch von mir sein. :zustimm:

    Das ist dann auch der Ansporn ständig nach Lösungen zu suchen, wie man seine Haltung noch verbessern kann. Dabei stellt sich nicht die Frage: Was gefällt mir, sondern wie was würde der Vogel wollen. Damit wäre dann auch eine Antwort auf den letzten Absatz gefunden: Wenig Vogel auf viel Raum mit Biotop. Das ist viel prächtiger als ein Ara auf einem Holzgestell mit buntem Firlefanz (mal als Symbol für viel anderen Schrott). So sehe ich es.

    Grüße, Al
     
  4. Tobias84

    Tobias84 Stammmitglied

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    Zitat: "Meine Erfahrung ist da eine ganz andere, und zwar sowohl bei meinen eigenen Tieren (Uhus und anderen Eulen) als auch bei Beobachtungen in der Natur lebender Tiere.
    Vögel fliegen bzw. wechseln den Standort aus sehr unterschiedlichen Gründen, der Nahrungserwerb ist dabei nur einer unter vielen.
    Meine Volierenvögel geniessen es, wenn sie ab und zu Freigang haben, man sieht ihnen die Freude an die sie dabei haben mal so richtig Luft unter die Flügel zu bekommen."

    Ich habe nicht behauptet, dass der Status eines satten Vogels auf der Stange alle andere Aktivitäten ausgleicht oder ersetzt ;)

    Meine Tauben fliegen auch bei Regen oder zum sonnen auf´s Dach oder von einer Klippe zur anderen wenn sich denn dort ein Nebenbuhler oder ein begehrtes Weibchen befindet. Motivation ist hier unterschiedlich gegeben. Die Gründe dafür sind instinktmäßig vorgegeben oder haben ganz einfach: Wohlfühl-Charakter.

    Bedürfnisse die man natürlich in der Haltung nachempfinden und den Tieren ermöglichen sollte.

    Was ich meinte, war etwas grundlegender. "Freiheit" im Sinne von einem Empfinden welches Menschen verspüren und auf Tiere allzu gern übertragen. Also in etwa: Vogel hat sich satt gefressen und möchte nun hoch und weit fliegen um sich die schöne Landschaft anzuschauen und wenn er das nun nicht kann, dann ist es nicht "fair" oder er ist "unglücklich". Also das wohl eher nicht.
     
  5. toxamus

    toxamus Foren-Uhu

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    Nimm es doch mal "grundlegend".
    Ich glaube wir sind uns einig, dass Tiere in ähnlicher Weise wie wir (schlussendlich sind wir nur eine Tierart unter vielen) Schmerz, Hunger, Freude und anderes empfinden.
    "Freiheit" zu definieren ist nicht einfach, auch nicht beim Menschen. Aber sperr mal ein Wildtier in einen Käfig, Du wirst beobachten können dass es wenig glücklich ist. Gib ihm die "Freiheit", Du wirst sehen, das Tier ist bestimmt nicht unglücklicher als im Käfig. Wo hier der Unterschied zum Menschen liegen soll erschliesst sich mir nicht.
    Da musst Du "Freiheit" schon sehr abstrakt definieren, wenn Du einen Unterschied Mensch/Tier sehen willst. So abstrakt wie in den USA beispielsweise, Land of the Free, wo Du so lange frei bist, wie dem örtlichen Sheriff Dein Gesicht passt oder Dir bei der Einreise die Fingerabdrücke genommen werden wie bei einem Schwerverbrecher. Oder hierzulande, wo Du Rundfunkgebühr bezahlst auch wenn Du kein Empfangsgerät besitzst. Die Probleme hat ein Vogel glücklicherweise nicht :-)


    Grüsse,
    tox
     
  6. Tussicat

    Tussicat Foren-Guru

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    Beispiel:
    Vögel spielen gern. Es gibt unterschiedliche Spielarten. Auch das vergnügliche Baumeln einer Meise an einem Birkenzweig (habe ich mehrfach beobachtet und diente keinem erkennbaren Zweck aber schien Wohlbehagen zu bringen) ist ein Spiel. So wie Beo mich ab und an gern verfolgt und herausfordert. Meine Bourkis zeigen in ihrer Freiflugzeit ein ganz anders Verhalten als im Käfig und entwickeln eine ganz andere Neugierde.
    Insofern wage ich zu behaupten, dass die Freiheit eben auch mehr Freiraum für das Ausleben arteigener oder vogelpersönlichkeitseigener Verhaltensweisen bietet. Ein solches Verhalten kann ohne Freiheit nicht ausgelebt werden. je mehr Freiheit, desto größer der Verhaltensspielraum.
    Ich finde doch, dass Vögel auch Glücksgefühle haben und somit können Vögel durchaus unglücklich sein. Sie zeigen das auch!!
     
  7. GuidoQ.

    GuidoQ. Agaflüsterer

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    Warum ich Vögel halte ? Ich bin einfach mit ihnen gross geworden, kann mir ein Leben ohne Vögel auch garnicht vorstellen :)
     
  8. #27 claudia k., 5. März 2015
    claudia k.

    claudia k. Moderatorin
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    Habe jetzt nicht alles gelesen, aber jeder gesunde, natürlich geprägte Vogel würde die Freiheit immer vorziehen, wenn er die Wahl hätte. (Ist kein Vorwurf! Bin ja selber Vogelhalter, sage nur meine ehrliche Meinung, die ich mir erst im Laufe der Jahre meiner Vogelhaltung gemacht habe). Die Tierhaltung in Gefangenschaft ist schon menschlicher Eigennutz. Das heißt ja nicht, dass es den Tieren bei uns schlecht geht. Aber das ideale Vogelleben ist immer noch die Freiheit unter natürlichen Bedingungen. Das kann man nicht schönreden, finde ich.
     
  9. kuhischu

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    ganz einfach: weil ich sie haben wollte und ich bin glücklich mit ihnen.
     
  10. Tobias84

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    Nicht falsch verstehen, ich bin kein Fan von einer Haltung in Form von - Vogel sitzt allein auf einer Stange im goldenen Käfig.

    Es gibt ja verschiedene Haltungsvarianten in denen man einiges aus der Natur nachempfinden kann und wo der Vogel/die Vögel es sich gut gehen lassen.

    Auch muss man unterscheiden ob domestiziert (also vom Menschen abhängig) und die Haltung von Wildvögeln.

    Jedem sollte klar sein, das Wildvögel in ihrer "Freiheit" nicht nur "spielen" können sondern das es ein knallharter Kampf ums tägliche Überleben ist! Bsp. Ich halte ein Paar Rebhühner in einer großräumigen Voliere, sie können nach belieben im Sand baden und werden durchaus älter als ihre Vettern in der Natur, durchnittlich überlebt ein Rebhuhn 1 1/2 Jahre draussen.

    Dort Draussen können sie auch im Sand baden, sich die Sonne auf das Gefieder scheinen lassen, alles im Sinne von "Freiheit" genießen, bis auf den Winter mit Schneelage, Hunger und ständig die Gefahr selbst gefressen zu werden, das ist wohl der Nachteil, Lauf der Dinge aber eben nicht in der Obhut vom Menschen gegeben (soll kein Ersatz sein aber für das Paar nicht schlechter).

    Im übrigen hangeln Meisen auf der Suche nach Futter, was wirklich nur spielerisch aussieht, sicher folgt dabei auch eine Unterbrechung mit dem ein oder anderen Kunststück aber aus reiner "Freude" ist es nicht. Zumal eine Meise im Winter mindestens einen Sonnenblumenkern gefressen haben muss um eine Frostnacht zu überstehen, wenn nicht = aus die Maus.

    Ich möchte die Haltung und die natürliche Form nicht miteinander aufwiegeln aber auch deutlich hervorheben, dass ein "sie haben es immer besser, wenn sie in Freiheit leben" so nicht gegeben ist. Zumal ja auch viele Tiere die menschliche Nähe suchen und sich angepasst haben. Egal ob Kulturfolger wie Hase, Rebhuhn, Storch im Feld in Ortsnähe oder auch Schwalben, die unter Dächern bzw. Fenstervorsprüngen ihre Nester bauen, sie profitieren teilweise von uns.
     
  11. Tussicat

    Tussicat Foren-Guru

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    Hallo Tobias,
    bei der Meise in unserem Garten wage ich zu behaupten, dass es aus Spass war. Futter hatten "unsere" Draußenvögel reichlich, so dass mit der Zeit auch immer mehr Vögel kamen. Die Meise hat es wiederholt gemacht, damit sie immer wieder baumelte. Auch wenn es ein instinktives Bewegungstraining wäre, ähnlich wie manche Menschen mit Freude Joggen gehen, wäre es wohl ein vergnüglicher Akt der Meise.
    Bei unseren Drinnevögeln bemerke ich auch, dass sie Dinge nur aus Freude machen. Auch der Neugier nachgehen hat ja etwas mit Freude und Spiel- bzw. Lerntrieb zu tun und nicht etwa mit Überlebenskampf und Notwendigkeit.
    Ich wage zu behaupten, dass die Tiere ein weitaus breitgefächerteres Gefühlsrepertoire haben, als viele Menschen ihnen zugestehen möchten.
     
  12. #31 claudia k., 5. März 2015
    claudia k.

    claudia k. Moderatorin
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    Hallo Tobias84,

    ich verstehe das nicht falsch und gebe Dir ja auch Recht. Ich wage zu behaupten, dass die meisten Tiere (gute Haltung vorrausgesetzt) in Gefangenschaft in menschlicher Obhut viel älter werden, als in Freiheit.

    Aber das wissen die Tiere ja nicht. Und der Freiheitsdrang ist da. :zwinker:
     
  13. Tobias84

    Tobias84 Stammmitglied

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    Dass halte ich für richtig.
     
  14. Mephitis

    Mephitis Guest

    Tierhaltung ist so alt wie die Menschheit und die Beweggründe zur Haltung von Tieren sind von Egoismus geprägt: Nahrung, Kleidung, Unterhaltung

    Die von uns, die jetzt Vögel halten, tun das in den meisten Fällen nicht, um ihre Lieblinge zu verspeisen sondern um sich mehr oder weniger mit ihnen zu beschäftigen. Da sehe ich zwei Fraktionen, einmal die, die ihnen Tricks beibringen wollen und Vögel als "Partner" ansehen, dann die anderen, die ihre Tiere als Tiere sehen und ihnen ein tier- und vor allem artgerechtes Dasein bieten. Dazu gehören Unterbringung, Beleuchtung, Fütterung, gute Vorbereitung auf die Tierhaltung und letztendlich die Bereitschaft, permanent dazu zu lernen.

    Ich zumindest gehörte nicht zu denen, die ihre Tiere vermenschlichten, sie als Partner ansah oder ihnen Tricks beibrachte. Mein Anspruch bestand darin, meine Tiere so zu halten, dass sie in ihren Volieren oder Zuchtkäfigen, in denen sie nur zur Zucht paarweise untergebracht waren, ein möglichst artgerechtes Leben führen konnten. Wie sah das aus? Egal ob Voliere oder Zuchtkäfig standen ständig frische Zweige als Sitzgelegenheiten oder Sichtschutz zum Nisten zur Verfügung. Körnerfutter, sowie Grünzeug je nach Jahreszeit (und nicht nach Angebot im Bio- oder Supermarkt), Keimfutter, Grit, Sand, Erde, Wasser waren selbstverständlich. Logisch, dass ich auch die Vögel in der Natur beobachtet habe, was sie an Futter aufnehmen, denn das konnte ich dann auch anbieten - egal ob Grünes oder z.B. auch Blattläuse.
    Deswegen habe ich mir auch nie die Frage gestellt, ob ich jetzt unbedingt Cashews, Apfelsine oder irdendetwas anderes exotisches an z.B. Kanarien verfüttern müsste...
    Fragen, die ich mir gestellt habe, waren z.B. ob die Tiere so geräumig und gut untergebracht sind, dass sie erfolgreich Nachwuchs aufziehen und ob sie gesund sind und wie sie gesund bleiben können. Kranke und schlecht untergebrachte Tiere ziehen nämlich nicht erfolgreich Nachwuchs auf.

    Klar fehlte den Vögeln die "Freiheit". Sie konnten nicht frei durch die Luft fliegen und "spielen"... Es gibt übrigens nur wenige Arten, die spielen. Nämlich die intelligenteren Vögel wie z.B. Rabenvögel oder auch Papageienarten. Meisen oder andere Kleinvögel spielen höchsten mal als Jungvögel, indem sie Dinge ausprobieren.

    Ich habe gerne die Schwalben beobachtet, wie sie frei durch die Luft flogen. Dabei ist mir, wie auch bei den Spatzen aufgefallen, dass sie einen relativ eng begrenzten Radius rund um ihre Neststandorte haben. Ausserdem ist mir bei beiden Arten auch noch aufgefallen, wie hoch der Feinddruck ist, und wie oft Warnrufe zu hören waren, um vor Turmfalken, Baum- und Wanderfalken oder dem Sperber zu warnen.

    Es gibt übrigens auch Halter und Züchter, die ihren Tieren vollständigen Freiflug gewähren und die Vögel kommen immer wieder zurück. Freiheit kann auch Stress bedeuten - aber der gehört zum Leben dazu! Freiheit ist nicht das, was wir romantisch verklärt darin sehen - Feinddruck, Krankheiten, die unweigerlich zum Tode führen, extrem kurze Lebenserwartung können aber dennoch keine Rechtfertigung sein, ein Tier einzusperren...

    Eine Rechtfertigung gibt es nun mal nicht, ich kann nur versuchen, den mir anvertrauten Tieren ein gutes Leben mit der Erfüllung all ihrer Bedürfnisse zu bieten.

    M!
     
  15. Tobias84

    Tobias84 Stammmitglied

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    @Mephitis

    Deine Einstellung klingt sehr gut ;)

    In der Wohlstandsgesellschaft hier in Deutschland macht man sich sowieso über Alles und Jeden einen Kopf, oft auch mit viel Bürokratie verbunden. Ich denke ein gesundes sich entwickelndes Verhältnis zu der Tierhaltung ist durchaus gerechtfertigt und auch mit einer ethnischen Einstellung eines jeden verbunden.

    Wenn es doch auch so in der kommerziellen Tierhaltung, sprich Massentierhaltung auch nur annährend so aussehen würde, dann wären wir ein großes Stück weiter.

    Ich möchte nicht eine Diskusion über Fleisch essen oder auch nicht entfachen (obwohl letzendlich der Endverbraucher entscheidet, wie viele Tiere und auf welcher Art und Weise dort gehalten werden), doch ist es ein krasser Gegensatz zu den hier statfindenen "Mindestgrößen" einer Voliere etc. und man könnte durchaus eine Doppelmoral erkennen.
     
  16. #35 Stephanie, 6. März 2015
    Stephanie

    Stephanie Foren-Guru

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    Dann kommt der weit verbreitete Fehler, sich auf eine provokante Frage mittels Rechtfertigungen einzulassen.

    Es scheint heute jede Menge solcher provokanter Fragen zu geben, auf die man mMn nicht mehr antworten sollte.
    Jedenfalls nicht mit Rechfertigungen, sondern lieber mit Gegenfragen:
    Warum hältst Du denn die Katze in der Wohnung?
    Okay, wenn sie keinen Freigang haben kann, warum hast Du als Städter überhaupt eine Katze?
    Warum muss Dein armer Hund ein Halsband tragen und in der Stadt an der Leine geführt werden?!
    Du reitest? - Das arme Pferd!
    Du isst Fleisch?! Trinkst Tiermilch? Isst Eier?!8o
    Du kaufst bei (hier Laden oder Kette einsetzen, die durch diverse Missstände in Verruf geraten ist)?
    Du isst Schokolade, die nicht "Fairtrade ist"?!
    Wie engagierst Du Dich denn für Menschen, denen es schlechter geht als Dir?

    etc.pp.

    Warum jeder Vögel hält und warum jeder gerade die Haltungsart gewählt hat, die er anbietet, hat sicher ganz unterschiedliche Gründe von "bin da reingewachsen" über "wollte einfach gern Vögel halten, weiß nicht warum" über "ich wollte bewusst die und die Aspekte erleben, die mit nur Vogelhaltung bieten kann" über "habe einen Vogel gerettet" oder "wollte mich für den Tierschutz engagieren und suchte nach Vögeln aus schlechter Haltung" bis hin zu "habe mein ganzes Leben umgekrempelt, um Vögel aus schlechter Haltung zu 'retten'".
    Wenn es nichts mit "Rettung" zu tun hat, wird man immer Gegenargumente finden, selbst bei der "Rettung" findet man ggf. noch das Argument, "die hätten es aber bei X oder bei Bedingungen Y besser als bei Dir" und so kommt man dann zu Haltern, die ernsthaft sagen, sie würden ihre geliebten Vögel sofort abgeben, wenn jemand käme, der bessere Haltungsbedingungen bieten könnte, z.B. einen größeren Schwarm, Innen-/Außenvoliere, mehr Platz.

    Ein nur kr... ähm, komisch.:traurig:

    Fazit:
    Lieber nichts rechtfertigen!!





    Seltsam finde ich, dass in unserer immer narzistischeren Gesellschaft - alles muss im Internet irgendwie geteilt werden und viele legen ihr ganzes Leben teils minutiös mit Videos und Selfies etc. offen - eine Parallelentwicklung verläuft, nach der nur derjenige, der sich selbstlos "aufopfert" und einsetzt oder sich für "das Richtige" verbiegt und verleugnet, gefeiert und teilweise gefordert wird.
    Da gibt es Vogelhalter (und Halter anderer Tiere) die stolz berichten, auf was sie alles für ihre Tiere verzichten (unter anderem Urlaub, Komfort bis hin zu vielen Menschen, die stolz berichten, wie wenig sie sich im Alltag gönnen, weil alles Geld für die Tiere drauf geht), Vegetarierer, die jeden Tag ihres Lebens Fleisch vermissen, sich aber für den guten Grund weiter quälen (auch mit dem Gedanken, dass sie eigentlich noch schuldig sind, bis sie Tiermilch und Eier weggelassen haben) und die weit verbreitete Haltung zu fragen, was man denn noch alles falsch mache (such die Fehler, niemals das gute Gefühl von Erleichterung, Stolz, Begeisterung, Befriedigung etc.).

    Meiner Ansicht nach ist diese immer stärker verbreitete Haltung im Wortsinne krank (machend), ungesund und müsste mal zurück gefahren werden.
    Auch die Haltung, dass man andere Menschen für etwas wie Tierhaltung (oder Essverhalten etc.) bewundern müsse und sich möglichst stark einschränken müsse, um die gleiche Bewunderung zu erhalten, geht in die falsche Richtung.
    Ständig wird gefragt und geschaut, ob jemand es besser macht als man selbst, damit derjenige sich brüsten und man selbst sich wieder schlecht fühlen darf. ("Ich hatte ja so ein schönes großes Vogelzimmer, aber dann kam X mit seiner Innen-Außenvoliere und jetzt muss ich mich schämen und auf eine solche hin sparen." - überzogen formuliert, aber immer wieder in abgewandelter Form nachlesbar.)
    In immer kürzeren Abständen werden die Forderungen an eine "perfekte" Haltung, die als "Mindestanforderung" beschrieben wird, erhöht bzw. geändert, so dass man eigentlich halbjährlich wieder alles umwerfen müsste und sich für seine vorherige Haltung schämen müsste.


    Warum wird immer wieder die Egoismusdebatte aufgeworfen und warum springen so viele darauf an?
    Grundgedanke solch einer Debatte ist mMn, dass man im Leben nur logische Entscheidungen trifft - alles Gute an dieser Stelle für Mr. Spock! :) - und es richtig sei, seine Gefühle zu verdrängen oder verleugnen. Gleichzeitig soll man etwa Haustieren ein "liebevolles" zu Hause geben, man "darf" sie aber nicht halten, weil man sich dann "besser fühlt" (was ich mal als allg. Motivation beschreiben würde).
    Im Extremfall las ich dann einmal, jemand wollte sich den hässlichsten Wellensittich kaufen, den er finden könne, um ihn so im Vorfeld schon zu retten, weil den ja sowieso niemand würde haben wollen.:?

    Meines Erachtens müssten wir wieder weit weg vom Perfektionsgedanken - auf vielen Gebieten! - und uns eingestehen, dass wir erstens Gefühle und Wünsche haben, die wir befriedigen wollen und dass zweitens auch das Machbare, Normale, Durchschnittliche völlig ausreicht und nicht jeder Vorbild sein muss und ein "Ideal" verwirklichen, dass dadurch nur immer weiter hinausgeschoben wird, und dass man nicht immer nach mehr streben muss, besonders nicht, sich in seiner Freizeit dafür ein Bein ausreißen.
    Den meisten Vögeln, die freiwillig gehalten werden, geht es gut. Wenn das nicht der Fall ist, könnte man Hilfe anbieten auf der Basis, eine bessere Haltung für den Halter als machbar und attraktiv darzustellen, statt mit Drohungen und schlechtem Gewissen Forderungen zu stellen.
    Man muss sich bewusst sein, dass vermutlich unsere Haltung in 20 Jahren sehr veraltet sein wird, wobei ich mich frage, ob es dann gar keine Vogelhaltung mehr gibt oder nur noch Leute mit Villen und privatem Vogelpark Vögel halten werden.
    Als ich in der Grundschule war, hatte eine Freundin von mir einen Wellensittich. Okay, schade, dass es keine zwei waren.
    Dieser Vogel hatte einen Käfig von der Größe einer Transportbox, vielleicht 20 cm lang, da passte eigentlich nur eine Schaukel und der Napf rein.
    Meine Vögel hatten einen deutlich größeren Käfig von 60 mal 80 cm :zwinker: - bekamen aber nur in meinem Zimmer Freiflug. Ihr Vogel durfte den ganzen Tag die gesamte 3-Zimmer-Wohnung ausnutzen, bis hin zur Wohnungstür. Objektiv gesehen (Käfiggröße) hätte man ihr auch den Vogel "wegnehmen"* können (den fehlenden Partner lassen wir mal außer Acht, der war damals noch in den Köpfen der meisten Halter "ein unnötiges Extra"). Tatsächlich hatte der Vogel natürlich deutlich mehr Flugmöglichkeiten als meine drei.

    * Im verlinkten Artikel fehlt mir z.B. auch das Angebot, mit der Halterin mal zu besprechen, wie man einen Partnervogel am besten aussucht, einführt, verpaart, - sprich, ihr die Ängste zu nehmen, Mut zu machen und die Sache ggf. zu begleiten (vielleicht ehrenamtlich durch andere Vogelhalter) - aber stattdessen wird nur von Forderungen und Standpunkten geredet. Wie es zu dem Standpunkt der Halterin kam und wie man ihn so ändern könnte, dass sie sich auf einen Partnervogel freut, wurde evtl. gar nicht bedacht.
    Womit wir wieder beim Thema sind:
    Jetzt muss also jeder Halter von Einzelvögeln wieder Angst vor der Entnahme haben und hat dann im schlechtesten Falle drei Möglichkeiten:
    1. Seinen Vogel abgeben.
    2. Sich schnell einen Partnervogel besorgen, komme was da wolle, und sich ggf. überfordert fühlen. Oder
    3. Hoffen, dass es keiner merkt.:traurig:

    Womit wir auch wieder bei der Rechtfertigung wären: Warum man denn nur einen Vogel hält. Bitte keine subjektiven emotionalen Gründe nennen, sondern aus Sicht des Vogels arguementieren!
    So wird das nur leider in den meisten Fällen nichts mit der verbesserten Haltung - entweder, der Vogel bleibt allein, der Halter überfordert sich oder der Vogel wird abgegeben und der Halter bleibt traurig zurück.
    Und das alles nur, weil man nicht offen über seine Motive, Ängste und mögliche - langsame! - und begleitete Änderungen reden darf!
     
  17. Tobias84

    Tobias84 Stammmitglied

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    @Stephanie

    Besser hätte man es nicht formulieren können.
     
  18. -AH-

    -AH- Weichfresser & Exoten

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    im Westen von NRW,
    Warum halten wir Vögel?

    Arterhaltung, Platz, Freude, Egoismus, Ansporn, Anerkennung?
    Für mich steht seit Jahren die Arterhaltung im Vordergrund.Toll, wenn die Futterkosten gedeckt werden.
     
  19. #38 Winterurlauber, 7. März 2015
    Winterurlauber

    Winterurlauber Stammmitglied

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    Damit gehe ich 100% konträr. Toll geschrieben.
    Alle Foren sind ein Treffpunkt subjektiver Gedanken, welche dann auch minutiös und teilweise unter der Gürtellinie ausgetragen werden. Menschlich halt.

    Für mich ist eindeutig schöner und natürlicher, wenn ich gestern wieder einen Kranichflug beobachten konnte. :zustimm:

    Schönes sonniges Wochenende
     
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  21. Tussicat

    Tussicat Foren-Guru

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    Mal was anderes:

    Der Vogelmann, der Vogelmann
    der singt so schön, wie er nur kann.
    Er singt so schön, er singt so laut,
    er sichert sich die schönste Braut.
    Durch jedes seiner Pieppieppiep
    weiss sie: Er hat mich dolle lieb.

    Ich wünsche eine schöne Woche.
     
  22. Ingo

    Ingo Herpetophiler Geierfreund

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    Und wie trägst Du als Vogelhalter und Vermehrer zur Arterhaltung bei?
    Es wäre sträflich, Vögel aus üblicher Hobbyzucht jemals auszuwildern.
    Alles, was nicht unter wissenschaftlicher Kontrolle über Zuchtprogramme mit mindestens etlichen Dutzend nicht verwandter Gründertiere läuft, ist vom Heimtierhalter für den Heimtierhalter und hat mit Arterhalt im biologsiche Sinn erstmal nichts zu tun.
    Die so gezüchteten Vögel sind aus biologischer Sicht lediglich ein bildhaftes Modell für die ursprüngliche Art.
    Das sollte jedem Züchter glasklar sein.

    Aber BTT: Warum ich Tiere halte?
    Weil ich mich am Lebendigen als solchem ebenso erfreue, wie an nachgebildeten Naturausschnitten in meinem Lebensbereich.
    Weil ich tierisches Verhalten faszinierend finde und gerne immer neues erlebe und lerne.
    Weil mich das langfristige Verfolgen des Lebensablaufs von Tieren fasziniert, nicht nur, aber ganz bersonders die Vermehrungszyklen udn die Verfolgung über Generationen.
    Weil ich das meistern von Herausforderungen als befriedigend empfinde und gerne staune.
    Soweit also alles rein egoistisch.
    Aber:
    Ich lerne über meine Tierhaltung viel über biologische und ökologische Zusammenhänge. Es stimuliert mich, mich in dieser Hinsicht weiterzubilden und hat auch meine Berufswahl (Biologe) geprägt
    Weil ich im Detail - nicht zuletzt durch meine Tierhaltung und das dadurch motivierte Biologiestudium- oft zeimlich genau weiss, worum es geht, engagiere ich mich für sinnvollen (!!!) Natur- und Artenschutz im Lande und in den Herkunfstländern meiner Pfleglinge in Wort Schrift ...und mit Banknoten.
    Ich habe ein geschultes Auge für Misstände beim Zusammenleben von Tieren und Menschen und bewirke immer mal wieder Milderung von Tierleid oder Förderung von Tierwohl durch aktive (oft angefragte) Hilfe, aktives eingreifen (wenn nötig ungefragt und unerwünscht) und das Verfassen von Artikeln und Büchern.
     
Thema: Warum halten wir Vögel?
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  1. adler vogel entspannt

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