Wie häufig sind helle Mäusebussarde? Habe ich einen gesehen?

Diskutiere Wie häufig sind helle Mäusebussarde? Habe ich einen gesehen? im Forum Vogelbestimmung im Bereich Allgemeine Foren - Auf einer Feldflur nahebei wohnt ein Greifvogel, der mir Kopfzerbrechen bereitet. Leider komme ich nie nahe genug an ihn heran, um ihn ganz sicher...
Bachstelze

Bachstelze

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Auf einer Feldflur nahebei wohnt ein Greifvogel, der mir Kopfzerbrechen bereitet. Leider komme ich nie nahe genug an ihn heran, um ihn ganz sicher zu erkennen.

Er wirkt hell und kontrastreich braun-weiss, insbesondere die hellen "Schultern" - Deckfedern fallen auf. Die Arm-und Handschwingen sind aber braun - nicht deutlich abgesetzt, sondern "schmutziger" Übergang. Auch am Kopf gibt es weiße Partien. Der Bauch ist hell, es scheint aber ein dunkler Brustlatz vorhanden zu sein.

Er fliegt wie ein Mäusebussard, er ruft wie ein Mäusebussard, also ist es wohl eine helle Mäusebussard-Variante? So einen habe ich noch nie gesehen. Wie häufig oder selten sind die hellen Varianten in Deutschland?

Oder könnte es auch ein Rauhfussbussard gewesen sein? Die Füße sieht man halt nie.

Danke!
Susanne
 
Hallo

Auch wenn ich nicht alle von dir aufgezählten Merkmale überprüft habe, tippe ich auf einen Mäusebussard.

Ob MäBu's mit heller Morphe in Deutschland häufig sind, kann ich dir nicht abschliessend beantworten, ich zumindest habe in der Schweiz nicht allzu selten einen hellen MäBu gesehen. Auch hatten wir hier im Forum schon des Öfteren helle Mäusebussarde, daher gehe ich davon aus, dass die Hellen auch in DE nicht selten sind.

VG Birderswiss
 
Danke! Ich war echt überrascht, weil der Vogel halt durch die kontrastreiche Färbung vom ersten Gesamteindruck nicht wie ein Mäusebussard wirkt. (Habe ihn beim Vorbeifahren auf der Landstrasse aus den Augenwinkeln gesehen und gedacht "huch was ist das?!", sofort auf die Bremse und gewendet. Als Vogelfreund Auto fahren ist echt manchmal gefährlich.) In der Gesamtheit der Einzelmerkmale deutet doch alles auf den MäBu, wie er von dir nett genannt wird, hin.
 
Hallo Bachstelze,

kommt darauf an, wo Du den Vogel gesehen hast. Die hellen Morphen des Mäusebussards sind im Norden normalerweise häufiger als im Süden. Allerdings ziehen sie gerne im Winter in den Süden - deshalb kann man sie um diese Jahreszeit auch oft bei uns beobachten. Ich habe schon fast komplett weiße Exemplare beobachten können. Ausgesprochen schöne Tiere...

MfG,
Steffi
 
Hallo

Helle Mäusebussarde sind in D im Winterhalbjahr sehr oft zu beobachten (zumindest im Norden). Die Vögel kommen zumeist aus Skandinavien und überwintern bei uns.

Grüße
 
Ich möchte die Frage hier noch einmal aufgreifen, weil ich den Eindruck habe, dass die helle Morphe in den letzten Jahren deutlich häufiger auftritt als noch vor 5 oder 10 Jahren. Täuscht mich mein Eindruck??
 
Ob die generell häufiger geworden sind könnte ich nicht sagen, aber habe heute einen sehr hellen (fast weiss) im Breisgau gesehen und in der Schweiz gibt es auch einzelne fast weisse Tiere die man ab und zu sieht. Das gab es aber auch vor 10 Jahren schon. Ansonsten eben je weiter nach Norden umso mehr, an der Ostsee z.B. sah ich die schon regelmässig.
 
Also nach meiner persönlichen Einschätzung sind sie in Baden-Württemberg keinesfalls häufiger als früher, vielleicht sogar seltener. Wirklich helle Vögel tauchen hier aber sowieso nur im Winterhalbjahr auf.

VG
Pere ;)
 
Es gibt mittlerweile einige Projekte in Deutschland, die das erfassen.
Für Niedersachsen und Schleswig-Holstein würde ich sagen: 45% mittlere, 45% helle, 10% dunkle Morphe. Potenziell mit Verschiebung zur hellen. Diese Zahlen gelten für Brutvögel. Und so war es auch schon vor 20 Jahren mein Eindruck.
Die Einteilung ist grob - "mittel" kann heller braun sein, rötlich oder auch schwarz-weiß gescheckt, es gibt da alles.

Mit dem Alter hat die Farbe nur geringfügig zu tun. Man kann die Morphe den Nestlingen schon ansehen. Bussarde der hellen Morphe haben ein weißes Dunenkleid, helle Krallenspitzen und einen hellen Schnabel, die mittleren/dunklen schwarzes Horn und ein graues Dunnenkleid mit hellem Fleck im Nacken. Es geht auch noch weißer als der JV hier, mit komplett hornfarbenem Schnabel.
Ich habe bisher nur selten einen intermediären Nestling gesehen, meist ist es wirklich grau oder weiß.
(Die wurden übrigens für genanntes Projekt beringt)

bild1.jpg
bild2.jpg
 
Zuletzt bearbeitet:
Mit dem Alter hat die Farbe nur geringfügig zu tun. Man kann die Morphe den Nestlingen schon ansehen. Bussarde der hellen Morphe haben ein weißes Dunenkleid, helle Krallenspitzen und einen hellen Schnabel, die mittleren/dunklen schwarzes Horn und ein graues Dunnenkleid mit hellem Fleck im Nacken.
Das wird im Werk von Manfred Melde, der Mäusebussard, bestätigt: "Aus den grauen Dunenjungen entstehen nach Wendland (1933) dunkle, aus den weißen Jungen helle Farbvarianten".

Melde bemerkt in seinem Werk, dass in der Oberlausitz "in neuerer Zeit" (wir reden hier von Ende 1950er/Anfang 1960er Jahre) "in zunehmendem Maße sehr helle, oft weißbäuchige Bussarde" aufträten.

Eine mögliche Erklärung könnte eine Anpassung an die heutige Landwirtschaft sein. Die hellen Vögel haben ein signalreduziertes Gefieder, was ein Beutemachen nebeneinander auf derselben Fläche erleichtert. Ursprünglich gab es keine großen bis riesigen Felder und Grünländer, der Bussard musste ein Revier behaupten, um genügend Nahrung zu finden. Das ist mit der Umstellung auf die moderne Landwirtschaft nicht mehr erforderlich bzw. am Ende gar hinderlich. Wie gesagt, ist eine Theorie. :~

Ich sehe hier im Süden gefühlt zunehmend ganz dunkle Bussarde von fast einheitlich schokobrauner Färbung. Auch die könnte man als signalreduziert betrachten, weil auch hier die Querbänderung reduziert ist.

Auf jeden Fall interessante Beobachtungen, die eine nähere Analyse wert sind! Brütet hell mit hell, dunkel mit dunkel und mittel mit mittel oder ist kein Muster erkennbar? Ist bei den mittleren Bussarden eine Tendenz von Quer- zu Längsstreifung zu erkennen? Oder kristallisieren sich langfristig gar zwei Ökotypen (territoriale und nicht territoriale Bussarde) heraus und spalten sich zunehmend voneinander ab (Artbildung)?

VG
Pere ;)
 
Auf jeden Fall interessante Beobachtungen, die eine nähere Analyse wert sind! Brütet hell mit hell, dunkel mit dunkel und mittel mit mittel oder ist kein Muster erkennbar? Ist bei den mittleren Bussarden eine Tendenz von Quer- zu Längsstreifung zu erkennen? Oder kristallisieren sich langfristig gar zwei Ökotypen (territoriale und nicht territoriale Bussarde) heraus und spalten sich zunehmend voneinander ab (Artbildung)?
Wir haben im Untersuchungsgebiet viele Mischpaare. Die Reviere sind recht klar abgesteckt, aber die Landschaft ist auch sehr abwechslungsreich und kleinstrukturiert.

Quer- und Längsstreifung sind altersbedingt. Wie beim Habicht quasi: Unterseits längs ist Jugendkleid, ab der ersten Mauser sind sie quergebändert. Stark gescheckte oder helle Altvögel haben mitunter auch Flecken statt Querbinden.
 
Quer- und Längsstreifung sind altersbedingt. Wie beim Habicht quasi: Unterseits längs ist Jugendkleid, ab der ersten Mauser sind sie quergebändert. Stark gescheckte oder helle Altvögel haben mitunter auch Flecken statt Querbinden.
Na das ist schon klar! :zwinker: Aber Querzeichnung ist nicht gleich Querzeichnung und Längszeichnung nicht gleich Längszeichnung. Es könnte sich eine Tendenz über Scheckung hin zu einer Längszeichnung auch bei Altvögeln entwickeln, über einen Zeitraum von einigen Jahrzehnten bis Jahrhunderten, wohlgemerkt. So oder so ähnlich könnte es sich auch zugetragen haben, dass der Westliche Saker seine Querzeichnung verloren hat. Oder der Östliche sie auf entsprechendem Wege sich zugelegt hat. Mir geht es hier um die Frage, ob evolutive Prozesse erkennbar sind, die m. E. ohne Zweifel ablaufen.

VG
Pere ;)
 
Naja, der Rotschwanz in Amerika macht ja das gleiche... Bei dem muss der Prozess dann ja schon weiter fortgeschritten sein.
 
Wie meinste? Was macht der Rotschwanz?
Du hattest diese Theorie:
Eine mögliche Erklärung könnte eine Anpassung an die heutige Landwirtschaft sein. Die hellen Vögel haben ein signalreduziertes Gefieder, was ein Beutemachen nebeneinander auf derselben Fläche erleichtert. Ursprünglich gab es keine großen bis riesigen Felder und Grünländer, der Bussard musste ein Revier behaupten, um genügend Nahrung zu finden. Das ist mit der Umstellung auf die moderne Landwirtschaft nicht mehr erforderlich bzw. am Ende gar hinderlich.
Mir geht es hier um die Frage, ob evolutive Prozesse erkennbar sind, die m. E. ohne Zweifel ablaufen.
Da müssten die genau so variablen Rotschwanzbussarde in Nordamerika ja schon weiter sein.
Wie dem auch sei, Färbungsvarianten bei MäBus sind ein spannendes Thema!

farbmorphen_bussard.jpg
 
Da müssten die genau so variablen Rotschwanzbussarde in Nordamerika ja schon weiter sein.
Sorry, aber ich versteh's immer noch nicht. Rotschwanzbussarde haben ja im Grunde genommen das gleiche Schema, jung längs- und alt quergestreift (wobei die Jungvögel gröber gezeichnet sind und vor allem auf den Schenkeln Querzeichnung haben). Nur haben die Altvögel keine sonderlich auffallende Querzeichnung, dafür den roten Schwanz. Wahrscheinlich wirkt das distanzierend.

VG
Pere ;)
 
Thema: Wie häufig sind helle Mäusebussarde? Habe ich einen gesehen?

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