Wildgräser: Raygras - Lolium

Diskutiere Wildgräser: Raygras - Lolium im Ernährung Forum im Bereich Allgemeine Foren; Hallo nachdem ich an den von meinem Mann mitgebrachten Raygräsern nen auffälligen Pilz entdeckt habe (s. Foto unten), und nachdem mein...

  1. #1 owl, 30. August 2007
    Zuletzt bearbeitet: 30. August 2007
    owl

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    Hallo

    nachdem ich an den von meinem Mann mitgebrachten Raygräsern nen auffälligen Pilz entdeckt habe (s. Foto unten), und nachdem mein Nymphenmännchen vorgestern abend brechen musste, wollte ich das viel gepriesene Raygras mal etwas genauer unter die Lupe nehmen. Vorweg: meinem Nymph geht es seit gestern zum Glück wieder gut, die Gräser habe ich selbstverständlich nicht angeboten. Trotzdem kann ich nicht ausschliessen, dass er dran geknabbert hat, obwohl sie noch gar nicht gebündelt inner Küche lagen. Dann fiel mir noch ein, dass mein Wellimännchen letzten Sommer auch mal brechen musste, auch er hatte zuvor Wildgräser, u.a. Raygras gefuttert.

    Dieser Pilz ähnelt in seinem Erscheinungsbild sehr stark dem Mutterkorn, an welchem früher sehr viele Menschen krank geworden oder sogar gestorben sind, nachdem er im Brotteig verarbeitet worden ist. 1938 gelang es dem Chemiker Albert Hofmann aus dem im Mutterkorn enthaltenen Alkaloid das LSD herzustellen, welches ja nun nicht gerade tödlich ist. Soviel nur zur Einleitung... jetzt zu meinen Suchresultaten:

    zunächst habe ich nur dieses hier gefunden, wobei ich mich mit den Rostpilzen Uredo- und Teleutosporen noch lange nicht zufrieden gab.

    Also weitergesucht... und bei der mikroökonomie folgendes gefunden:

    Lolch (Lolium)
    - Taumel-Lolch (L. temulentum.L): Die Pflanze ist oft vom endoparasitischen Pilz Acremonium coenophalium (ein Verwandter des Mutterkornpilzes) befallen, der u. a. neurotoxische Indolalkaloide bildet, wodurch die gesamte Pflane giftig wird. Da der Taumel-Lolch früher häufig in Getreideäckern wuchs, gelangten oft Samen in das Mahlgut und in das Mehl. Durch den Genuss des so verunreinigten Mehles kam es zu Vergiftungserscheinungen wie Schwindel (Taumeln, daher der Name) und Sehstörungen, in seltenen Fällen sogar zum Tod. Heute kommt dies durch Pestizide und Getreidereinigung nicht mehr vor.
    - Lein-Lolch (L. remotum Schrank.)
    - Steif-Lolch (L. rigidum)
    - Italienisches Raygras, Welsches Weidelgras, Vielblütiger Lolch (L. multiflorum Lamk.)
    - Deutsches Weidelgras, Englisches Raygras, Ausdauernder Lolch (L. perenne L.)
    - Oldenburgisches Weidelgras, Bastard-Lolch (L. x hybridum)


    noch immer nicht zufrieden, bei der Uni Zürich weiter gesucht:

    Hauptwirkstoffe:
    Lolin, Lolinin (Pyrrolizidin-Alkaloide); Perlolin, Perlolidin, (früher nachgewiesenes Temulin wurde gemäss neueren Studien nicht gefunden); toxische Glycolipide (Corynetoxine) in den Samenkörnern nach Infektion mit Nematoden (Anguina agrostis) und Corynebakterien; Mycotoxine.

    Wirkungsmechanismen:
    Die Alkaloide erwiesen sich im Tierversuch als nur schwach toxisch, die Corynetoxine jedoch führten zu den charakteristischen ZNS-Störungen (zentrale Depression und Muskellähmung).



    als ob das nicht schon genug wäre, um zu überdenken, ob ich meinen Geiern weiterhin Raygras anbieten werde, macht sich jetzt auch noch die Agro-Gentechnik dran zu schaffen. Von massgeschneiderten Hybriden mit Festuca-Arten, las ich hier auf Seite 23 und 24.

    Durch die Möglichkeit der beliebigen Übertragbarkeit von Genen der Lolium- und Festuca-Kulturarten
    durch konventionelle Züchtungsmethoden sowie der Herstellung „maßgeschneiderter" Sorten mittels genomischer
    in situ-Hybridisierung (GISH) ist die gentechnische Veränderung dieser Arten etwas in den
    Hintergrund getreten (HUMPHREYS et al. 1997, ZELLER 1999). Demgegenüber wird jedoch auch die Meinung vertreten, daß die Fortschritte der konventionellen Züchtung bei Gräsern im Vergleich zu Getreidearten
    geringer sind und daher gentechnische Methoden genutzt werden sollten (WANG & POSSELT 1997).



    rein äusserlich und optisch dürften sie für nen Laien kaum zu unterscheiden sein.
    Hier das Lolium perenne und Lolium temulentum

    meine Konsequenzen die ich daraus ziehe... dass ich meinen Räubern kein Raygras mehr sammeln werde. Es gibt genügend andere interessante, leckere und vor allem ungefährliche Wildgräser. Das Risiko einer Verwechslung -> Raygras -> Taumel-Lolch ist mir zu gross, zumal meine Geier möglicherweise wegen des Raygras brechen mussten.
     

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  3. AnjaR

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    Ups, wie gut, dass ich meinen Vöglein soeben nach einen Spazierganz Raygras in die Voliere gehängt habe. :nene: Wurde sofort wieder entfernt, nachdem ich das gelesen habe.

    Danke, für die Info! :zustimm:
     
  4. owl

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    Hallo Anja

    oh je, es liegt mir eigentlich fern, Panik zu verbreiten. Dass das "richtige" Raygras gefährlich ist, glaube ich nachdem was ich gelesen habe gar nicht einmal so sehr. Vielmehr denke ich, dass die meisten Risiken vom Taumel-Lolch, der allerdings auch zur Loliumgruppe gehört, ausgehen könnten. Desweiteren denke ich, dass Raygras und Taumel-Lolch zumindest für mein ungeübtes Auge nur schwer zu unterscheiden sind. Muss also nicht zwangsläufig so sein, dass Raygras bei unseren Pipsern zu Vergiftungen führt. Meine Sittiche haben den auch schon oft gefressen. Nur nachdem am Dienstag mein Nymph erbrochen hat, letzten Sommer mein Welli.... beide nachdem sie Wildgräser u.a. Raygras gefressen haben, und nachdem ich auch noch diesen Pilz gefunden habe... haben bei mir die Alarmglocken geläutet.

    Ich wollte mit meinem thread nur sensibilisieren, damit VogelhalterInnen speziell das Raygras evtl. genauer inspizieren bevor's den Geiern angeboten wird. Es liegt mir fern, ganz vom Raygras abzuraten. Andererseits gibts tatsächlich viele andere leckere Wildgräserarten, so dass wir bzw. unsere Vögel nicht unbedingt aufs Raygras angewiesen sind :zwinker:
     
  5. AnjaR

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    Hallo Sonja,
    ich glaube ich hatte dich da schon richtig verstanden, dass du nur darauf aufmerksam machen wolltest. Und das finde ich gut!

    Ich bin einfach der Meinung, dass man Sachen die umstritten sind oder bei denen es Verwechslungen bei der Bestimmung (wie in diesem Fall) geben kann einfach besser nicht füttern sollte, deshalb habe ich es lieber wieder weggenommen.
    Es gibt, wie du schon sagtest, genug andere Gräser und Grünfutter, die man bedenkenlos füttern kann und die den Kleinen schmecken. :+popcorn:

    Und das Forum ist ja auch schließlich dafür da, dass man solche Erfahrungen miteinander austauschen kann. :bier:
     
  6. Tierfreak

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    Das sehe ich auch so, es gibt ja auch noch genug Alternativen :zwinker:.

    Und danke an Sonja, für den Hinweis :prima: .
     
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Wildgräser: Raygras - Lolium

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