Zuchtfähigkeit bei Ziervögeln

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  1. #1 Werner_Krieger, 9. August 2009
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 12. August 2009
    Werner_Krieger

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    Dieses Thema wurde abgetrennt aus "Wie lange sind Kanarien zuchtfähig ?"

    Meines Erachtens und nach meiner Erfahrung hängt die Zuchtfähigkeit älterer Vögel sehr stark von den Haltungsbedingungen ab. Sicherlich spielt auch die Vererbung ein wenig mit hinein. So gibt es ja auch bei den Menschen oft Familien, bei denen ein sehr hohes Alter die Norm ist.
    Dass die Ernährung eine große Rolle spielt, ist auch beim Menschen festzustellen. So hat man verschiedene Lebens- und Essensgewohnheiten von Völkern studiert, die sehr alt werden und festgestellt, dass diese Menschen sich sehr gesund und abwechslungsreich ernähren.
    Das ist eigentlich sehr logisch und sollte nicht extra erwähnt werden. Aber offensichtlich ist diese Binsenweisheit doch nicht überall durchgedrungen. Sowohl nicht bei der Vogelhaltung wie auch bei unserer eigenen Ernährung.

    Ich halte meine Vögel so naturgemäss wie möglich. Also viel Grünfutter, viel halbreife Sämereien und Keimfutter, laufend Kalk. Auch verwende ich als Bodenbelag frische Erde aus meinem Garten, um den Vögel auch ausreichend Mineralien zur Verfügung zu stellen. Außerdem viel Bewegung in der Freivoliere, somit auch viel Sonne etc.
    Ich besitze ein altes Paar, Hahn 7 Jahre und Henne 6 Jahre. Sie haben dieses Jahr noch 10 gesunde, kräftige und auch sehr schöne Jungvögel erbracht. Und sie werden ohne Frage auch noch einmal mit dabei sein.
    Wenn ein Vogel nur 3 bis 4 Jahre zuchtfähig ist, dann würde ich mal sowohl die Ernährung sowie auch die Unterbringung etwas hinterfragen. Ich halte dies nicht für normal.
    Auch Inzucht kann die Fruchtbarkeit sehr beeinträchtigen. Leider wird in Hinblick auf schöne Schauvögel in dieser Beziehung nicht immer auf ausreichend frisches Blut geachtet. Auch ist die einseitige Zucht auf bestimmte Schönheitsideale nicht immer sehr förderlich. Denn man übersieht dann oft zu Gunsten der anderen erwünschten Eigenschaft, auf die Gesundheit der Vögel, Langlebigkeit und gute Zuchterfolge weniger Wert zu legen. Auf diese Weise wird durch negative Zuchtauswahl in Bezug auf Gesundheit und Fruchtbarkeit eine nicht mehr so leistungsfähige Population herangezüchtet.
    Wir sollten diese Dinge als Warnzeichen betrachten und uns etwas mehr Gedanken über die Gesundheit unserer Vögel machen!

    Ich kann mich auch noch sehr gut erinnern an meine ersten Jahre im Verein. Das waren die 50er Jahre. Ich lernte viel von meinen alten Vogelfreunden damals. Ein besonderen "Freund" (er hätte mein Großvater sein können!) wohnte gleich um die Ecke und ich besuchte ihn regelmäßig und konnte nicht genug bekommen von seinen Erfahrungen. Damals wurden die Zuchtvögel alle mindestens 7 Jahre eingesetzt und manche sogar noch länger. Aber damals gab es auch noch gesundes Futter, das auf natürliche Weise ohne Kunstdünger und all die vielen giftigen Spritzmittel hergestellt wurde. Ich glaube, dass hier eine Antwort auf diese Fragen zu finden ist.

    Erlaubt mir nebenbei noch einen kleinen Hinweis für unsere eigene Fruchtbarkeit. Warum brauchen heute so viele Männer Viagra und andere Mittelchen? Warum haben 40-Jährige Probleme damit? Es geht uns offensichtlich nicht viel anders als unseren Vögeln! Sollte uns allen eine ernste Warnung sein! Schon immer waren Vögel die Indikatoren für Umweltprobleme! Wir sollten auf die Warnzeichen hören!

    Schönen Gruß
    Werner
     
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  3. Hans C

    Hans C Guest

    Hallo Werner Krieger,
    leider wieder einmal ein Thema, an dem du gewaltig irrst. Ich erinnere mich an einen Vortrag von Mainzer Ornithologen, die klar und deutlich heraus fanden - an frei lebenden Vogelarten - dass jede erfolgreich aufgezogene Brut bei der zu erwartenden Lebenslänge reduziert.
    Das Hinterfragen der Fütterung oder der Untervringung bringt absolut keinen Wissensgewinn. Genauso die Mutmaßung über eventuelle Inzucht ist nicht zielführend.
    Auch zu rInzucht gibt es gute Untersuchungen. Meine eigenen Erfahrungen sind hier zwar in einem anderen Bereich bei Wirbeltieren, gehen aber über die Zahl von sage und schreibe 21 Inzuchtgenerationen. Und das einzige wahre Problem ist dann sichtbar, wenn die Auslese nicht fachgerecht durchgeführt wurde.
    Das genannte Beispiel (6 und 7 Jahre) ist ein Einzelfall, den jeder Züchter kennt. genauso wie jeder auch einzelne Tiere hat/gehabt hat, die bis 10 Jahre alt wurden.
    daaus aber abzuleiten, alle anderen Züchter füttern falsch und machen grobe Haltungsfehler, ist schon fast unverschämt.

    Es gibt ja auch noch einen anderen Aspekt. In der Farbenkanarienzucht ist zur Zeit viel Bewegung, Tiere die vor 5 Jahren noch als Spitzentiere angesehen wurden, sind heute für die Zucht nicht mehr brauchbar. Setzt ein Züchter einen solchen Vogel noch ein? Höchstens, wenn er vermehren, aber nicht züchten will.

    Schöne Grüße
    Hans C

    ps: Die Hinweise auf den Menschen lassen mich nun doch etwas schmunzeln. Auf unsere Vögel bezogen: machen wir unseren Zuchttieren vielleicht zuviel psychischen Druck ("du musst dich jetzt fortpflanzen!") ?
     
  4. #3 Werner_Krieger, 11. August 2009
    Zuletzt bearbeitet: 11. August 2009
    Werner_Krieger

    Werner_Krieger Stammmitglied

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    Wer nicht fragt, bekommt auch keine Antworten. Man kann sich natürlich auf ein paar Fakten beschränken und alles so lassen wie es schon immer war. Und damit ist jede weitere Entwicklung auf den Status Quo beschränkt.
    Kann man natürlich machen.
    Aber man kann auch hinterfragen. Manchmal bekommt man Antworten, manchmal nicht. Aber das Fragen würde ich niemals aufhören. Denn wie gesagt, wer überhaupt nicht fragt wird auch niemals etwas Neues erfahren.
    Und wer nur solche Fragen stellt, die man von vornherein schon als eine für sich stimmende Antwort kennt, wir auch nichts Neues erfahren. Nur wer kritisch ist, auch mit sich selbst und sich und seine Vorgehensweise hinterfragen wird, wird echte Antworten finden und nicht nur solche, die man gerne hören will, weil sie in das selbst erstellte Lebenskonzept hineinpassen.

    Zu meinem Zuchtpaar, das ich nun schon so lange habe, möchte ich noch sagen, dass sie jedes Jahr reichlich Nachkommen hatten. Es ist mein bestes Zuchtpaar überhaupt. Einmal hatten sie sogar 15 Junge in einem Jahr.
    Es ist also keineswegs so, dass eine reiche Nachzucht die Vögel schwächt. Das sind Märchen, die leider auch oft noch in wissenschaftlichen Kreisen von einer Generation zur nächsten weitergetragen werden.

    Übrigens möchte ich entschieden darauf hinweisen, dass ich nicht von einer falschen Fütterung einzelner Züchter gesprochen habe. Ich schiebe die Schuld nicht auf bestimmte Züchter. Vielmehr wollte ich darauf hinweisen, dass die Ernährung heute von allerlei negativen Bestandteilen voll ist. Dies kommt einesteils von der einseitigen Düngung mit Kunstdünger, andererseits von den vielen Spritzmitteln und auch noch von den vielen nicht natürlichen Zutaten in der Nahrung. Letzteres betrifft weniger die Vögel, sondern die Menschen.
    Wenn wir also unser Futter einkaufen, dann haben wir schon nicht mehr das wirkliche gesunde Futter, das früher die Züchter ohne eigenes Zutun hatten. Das sind Dinge, die sich leider in unserer Gesellschaft geändert haben und darauf wollte ich hinweisen, nicht auf die Futtermethoden des einzelnen Züchters.

    Es wird schwierig sein, sich aus diesem Dilemma heraus zu halten, das ist mir absolut klar. Ich selbst versuche es so gut wie möglich und lebe schon seit Jahrzehnten so gesund wie möglich. Esse fast nur biologische Kost und bin viel in der freien Natur. Meine Gesundheit ist mit 71 Jahren noch sehr gut, ebenso die Gesundheit meiner Frau. Wir waren beide noch nie im Krankenhaus (außer meine Frau bei einer Entbindung) und wir nehmen und nahmen noch niemals Medikamente ein. Außer eine jetzt erst angefangene Einreibung mit Vitamin K. Aber dies ist erst seit ein paar Wochen.
    Aber wir, so wirst du jetzt sagen, sind eine Ausnahme, die immer wieder mal vorkommt und reiner Zufall, der mit unserer Ernährung und Lebensweise nichts zu tun hat.

    Ich will niemanden anprangern, sonder lediglich das Bewußtsein schärfen für Zustände, die ich für sehr gefährlich halte.
    Sicherlich ist es schwierig für den Einzelnen, sich hier raus zu halten. Aber wenn wir die Probleme erst gar nicht erkennen oder sie unter den Teppich kehren, wird sich niemals etwas ändern. Die Bewußtmachung ist also erst mal ein kleiner Schritt, um letztendlich doch noch etwas zu ändern zum Wohle nicht nur der Vögel, sondern auch der Menschen.

    Andere mögen ja anderer Meinung sein und jeder kann seine Meinung äußern. Dieses Recht nehme ich also auch für mich in Anspruch.

    An Hans C möchte ich, mit seinen eigenen Worten antworten: "Wieder mal ein Thema, an dem du gewaltig irrst". Auch wenn du vielleicht "wissenschaftlich" dies oder jenes "bewiesen" hast. Man kann einen Versuch so einrichten, dass man die zu erwartenden Antworten bekommt. Es kommt immer auf die Fragestellung an.
    Und wenn du, lieber Hans, auf die Hinweise auf den Menschen etwas schmunzeln lassen, so schmunzle nur weiter. Ich jedenfalls sehe, dass die Menschen immer kränker werden. Sicherlich wirst du jetzt mit den Statistiken kommen und mir sagen, dass man heute älter wird als früher. Aber doch nur, weil wir uns mit Medikamenten voll stopfen. Ohne die ärztliche Hilfe wäre wir sehr arm dran. Geh mal in ein Altersheim und schau dir an, wieviele Medikamente diese Menschen TÄGLICH und dies über viele Jahre hinweg einnehmen. Da kann man doch nicht sagen, dass diese Menschen gesund sind. Und dass es heute Kinder gibt, die Krebs haben und dass der Krebs ganz gewaltig im Vormarsch ist, das kann doch niemand übersehen.
    Aber klar, man Statistiken aufstellen, die das alles kaschieren. Wie ich schon vorher sagte, man kann auch wissenschaftlich alles beweisen, wenn man nur die entsprechende Fragestellung vornimmt und den Versuchsanordnung darauf hin abstimmt.

    Auch wenn du es nicht gerne hörst: Die Vögel wurden früher älter und züchteten auch länger. Das sind Erfahrungswerte, die du nicht einfach wegwischen kannst. Woran es liegt, dass sie älter wurden und länger zuchtfähig waren, kann man hinterfragen. Das tue ich. Du aber scheinst diese Dinge einfach weg zu wischen und willst offensichtlich die Wahrheit gar nicht wissen. Sicherlich ist es einfach so zu tun, als wären diese Fakten gar nicht gegeben oder sind nur ein Hirngespinst von einem Werner, der ohnehin nichts weiß und sich ständig nur immer irrt.

    Schönen Grüße
    Werner
     
  5. Hans C

    Hans C Guest

    Hallo Werner,
    woher nimmst du die Sicherheit gegen Reihen von wissenschaftlichen (=nachprüfbaren und wiederholbaren) Untersuchungen mit Einzelfällen zu argumentieren? Auch in diesen wissenschaftlichen Studien gibt es solche Extremfälle (Die Gauß'sche Normalverteilung zeigt dies immer wieder - und die gilt für eine Menge von Dingen).
    Und deine Vermutung, dass früher alles anders war, ist nicht stichhaltig. In meiner Familie gab es bereits vor 1930 Kanarienzüchter (mein Großvater war in einem leider schon lange aufgelösten Verein, Gründungsjahr 1895), die ich leider nicht persönlich kennen gelernt habe, aber über meinen Onkel habe ich auch deren Zuchtgrundlagen erfahren. Und es ist bei weitem nicht so, dass deren Vögel in höherem Alter gezüchtet haben als unsere. Das Gegenteil war der Fall, Weibchen wurden nach 2, spätestens 3 Jahren aussortiert und nicht mehr zur Zucht gebracht. Dafür gab es eine "Altersheim-Voliere".
    Aucvh alte Bücher geben hier so manchen interessanten Hinweis. Selbst die Stubenvögel erreichten bei weitem nicht das Alter wie unsere heutigen Vögel. Dafür brauche ich keine Statistik. Das ist einfach so.
    Ganz im Gegenteil, keine Vogelliebhaber-Generation hat so vielseitiges und naturnahes Futter wie die jetzige. Davon künden (wenn man es schafft, über den eigenen Tellerrand zu schauen) die vielen Haltungs- und Zuchterfolge der letzten 30 - 40 Jahre. Erstes Beispiel die nektarivoren Papageien (Loris, Fledermauspapageien). Heikelste Arten sind inzwischen in stabilen Populationen in Menschenobhut. Zweites Beispiel die verschiedenen fremdländischen Zeisige und Girlitze. Drittes Beispiel die gewaltige Menge an Goulds (die ja inzwischen in ihrem natürlichen Gebiet in Mengen vorkommen, die manch ein Züchter innerhalb von 2 Jahren zusammen bringt). Ist das durch Fehlernährung erklärbar?
    Schöne Grüße
    Hans C
     
  6. #5 Werner_Krieger, 11. August 2009
    Zuletzt bearbeitet: 11. August 2009
    Werner_Krieger

    Werner_Krieger Stammmitglied

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    Hallo Hans

    Ich werde müde, dir immer wieder deine Unsachlichkeit nachzuweisen.
    Du magst ja ein Experte für alle Vogelfragen sein, aber in Bezug auf meine Aussagen bist du unsachlich und vermischt die Dinge.
    Ich habe nicht von FEHL-ernährung gesprochen, sondern von den Anbaumethoden der heutigen Zeit. Das ist etwas anderes. Ich habe auch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass nicht die Züchter schuld sind. Das Wort "Fehlernährung" impliziert ein Fehlverhalten der Züchter und ist somit in diesem Zusammenhang nicht angebracht.

    Ich widerspreche dir nicht, dass es heute viele Zuchterfolge gibt, die früher nicht möglich waren. Diese Erfolge beruhen unter Anderem auf einem besseren Wissen über die Bedürfnisse der Vögel. Und natürlich auch auf dem Zugang zu Futtermitteln, die man früher nicht hatte. Du wirfst diese Dinge alle in einen Topf und sprichst oberflächlich von "naturnahem Futter". In Wahrheit ist es ein zum Teil künstlilch zusammengestelltes Futter, das diese Vögel in dieser Weise in der Natur nicht vorfinden. Aber daran kritisiere ich gar nichts. Nur solltest du nicht diese Fakten so vermischen, wie du es tust, das ist irreführend und hilft nicht der Klärung.
    Dass gute Zuchterfolgen (z.B. bei den Goulds) nicht nur vom Futter kommen, sondern auch darin zu suchen sind, dass man durch Zuchtauswahl offensichtlich die gut brütenden Vögel ausgewählt hat und somit eine Selektion durchgeführt hat, ist sicher eine wichtige Tatsache. Gerade die Goulds sind mit recht einfachem Futter zufrieden und kein Paradebeispiel für die heutigen so guten Futtermittel.

    Über das Alter und die Zuchtfähigkeit der Kanarien früherer Jahre magst du anderer Meinung sein und dein Wissen aus Büchern beziehen oder von einem Onkel. Mein Wissen ist eine eigene Erfahrung und dazu brauche ich auch keine Statistiken oder Bücher. Ich habe dies selbst miterlebt. Ich trat in unseren Verein als 14-Jähriger ein, das war Anfang der 50er Jahre. Ich war sehr wissbegierig und besuchte laufend meine alten Vogelfreunde und erlebte aus dieser eigenen Erfahrung, wie damals die Vögel gehalten wurden und wie lange die Züchter mit ihren Vögeln gezüchtet haben. Wenn du mir das nicht glauben willst, weil du angeblich andere Quellen hast, dann ist dies deine Meinung. Aber meine Erfahrung ist anders. Übrigens spreche ich nicht von allen möglichen Vögeln, sondern nur von Kanarien. Und hier insbesondere von Gesangskanarien, denn andere gab es damals in Deutschland kaum. Ein Gesangszüchter, der einen gut vererbenden Hahn hatte, hielt diesen für die Zucht so lange wie nur möglich. Ein 6- oder sogar 7-jähriger Hahn war damals keine Seltenheit. Wenn du mir das nicht glauben willst, dann glaube es nicht. Die Tatsache, dass damals die Vögel länger züchteten, bleibt davon unberührt.
    Es mag auch sein, dass in noch früheren Jahren die Vögel tatsächlich noch nicht so langlebig waren. Wenn du aus Bücher dein Wissen beziehst, solltest du auch angeben, von welcher Zeit diese Bücher sprechen. Sicher hat man vor 100 Jahren noch sehr wenig über die Biologie der Vögel gewusst und die Hatungsbdingungen (kleine Käfige z.B.) waren auch nicht gerade die besten. Ich spreche nicht von der Zeit vor 100 Jahren, sondern von von der Zeit, die ich selbst noch erlebt habe. Und damals gab es bei fast allen Bauern noch keinen Kunstdünger und Spritzmittel. Und deshalb war das Futter damals besser. Nicht naturnäher, sondern in der Qualität besser. Ich lege großen Wert darauf, dass man diese Dinge auseinander hält und nicht einfach nur von "früher" zu reden. Denn wenn man noch weitere 100 Jahre zurückgeht, dann wird man herausfinden, dass Kanarien fast mit Gold aufgewogen wurden, weil sie so selten waren. Aber das lag am geringen Wissen und nicht am Futter. Denn damals nannte man die Kanarien "Zuckervögelchen", weil man sie mit Zucker fütterte, weil sie diesen so gern hatten. Also das Wissen spielt schon eine große Rolle.

    Zu deiner Aussage über Inzucht möchte ich auch noch etwas sagen, denn so wie du es schreibst ist es irreführend und sogar unrichtig.
    Du sagst:
    "Genauso die Mutmaßung über eventuelle Inzucht ist nicht zielführend.
    Auch zu rInzucht gibt es gute Untersuchungen. Meine eigenen Erfahrungen sind hier zwar in einem anderen Bereich bei Wirbeltieren, gehen aber über die Zahl von sage und schreibe 21 Inzuchtgenerationen. Und das einzige wahre Problem ist dann sichtbar, wenn die Auslese nicht fachgerecht durchgeführt wurde."


    Du schreibst zwar, dass es an der Auslese liegt, jedoch erörterst du dies nicht ausreichend. Deine Darstellung kann Züchter dazu verleiten, Inzucht zu betreiben und zwar nach deiner Aussage über viele Generationen. Ich kann davor nicht genug warnen.

    Bei Inzucht werden ähnliche Erbanlagen doppelt vererbt. Das trifft für gute und schleichte Anlagen zu. Mit anderen Worten: Es können bestimmte gute Eigenschaften sehr stark hervortreten, aber auch dasselbe kann bei schlechten Eigenschaften vorkommen.
    Wenn man nun eine ganz bestimmte Zuchtrichtung anstrebt, dann wird Inzucht NUR IN DIESER BEZIEHUNG hilfreich sein. Man könnte zum Beispiel als Zuchtziel anstreben, gesunde, starke und fortpflanzungsstarke Nachkommen zu erzielen.
    Aber das ist in aller Regel nicht das Ziel der Züchter, die Schauvögel züchten wollen. Denn sie zielen ein bestimmtes Zuchtziel im Aussehen an. Zum Beispiel die Farbe einer neuen Mutation, die Größe, die Federstruktur etc. Oft kann eine neue Mutation nur über Inzucht erhalten und weiter gezüchtet werden. Aber nun kommt die Gefahr: Im Bemühen dieser genannten Zuchtziele kann man nicht auf alle anderen Eigenschaften gleichzeitig achten. So wird meistens die Gesundheit oder die Fruchtbarkeit nicht mit gleichem Masse berücksichtigt. Und dann werden böse Rückschläge in dieser Beziehung auftreten.
    In aller Regel treten bei Inzuchten in der Hälte der Nachkommen sehr gute und sogar überdurchschnittliche Eigenschaften auf, die andere Hälfte jedoch hat schlechte oder unerwünschte Eigenschaften und dies auch wieder oft in überdurchschnittlicher Weise, wie z.B. die Gesundheit oder die Fruchtbarkeit. Was tut man mit diesen unerwünschten Tieren?
    Wenn sie die gewünschten anderen Eigenschaften haben, welche man als Zuchtziel anstrebt (z.B. Farbe), dann ist die Gefahr groß, dass man auch Vögel weiter zur Zucht verwendet, die ansonsten keine idealen Zuchtvögel wären. Was soll man auch mit den unerwünschten Vögeln tun? Wenn sie kränklich und schwach sind, wird man sie nicht einmal verschenken können! Aber wer will seine Vögel schon töten?
    Man sieht, Inzucht kann zwar in Ausnahmefällen und als Notlösung von verantwortungsbewussten Züchter Anwendung finden, aber Vorsicht ist auf jeden Fall immer geboten.
    Dass Inzucht immer mehr zu unbrauchbaren Ergebnissen führt in Bezug auf Gesundheit und Fruchtbarkeit habe ich selbst aus leidvoller Erfahrung in meinem Bestand hinnehmen müssen nach zehn Jahren Inzucht und die Konsequenz daraus gezogen.

    Auch in meinem Berufsleben habe ich viel Erfahrungen mit Inzuchtschäden selbst erlebt.
    Dort ging es allerdings um Pflanzen. Aus verschiedenen Gründen zog ich von einigen Gemüsesorten selbst den Samen. Wegen Platzmangel (ich brauchte den Platz für meine kommerziellen Anpflanzungen) konnte ich nur wenige der Pflanzen für die Samenzucht stehen lassen. So kam es, dass ich z.B. beim Fenchel oft nur 3 Pflanzen hatte. Einige Jahre ging es ganz gut und ich hatte schöne Fenchelknollen. Aber allmählich wurden die Pflanzen immer kleiner bis ich schließlich überhaupt keine brauchbaren Pflanzen mehr hatte. Da ich immer nur sehr wenige Pflanzen hatte, waren schließlich alle verwandt. Der genetische Pool hatte sich erschöpft und typische Inzuchtschäden waren die Folge.
    Dieselben Probleme hatte ich mit Zuckermais, Bohnen, Sojabohnen und auch mit dem Vogelfutter, insbesondere der Kolbenhirse. Obwohl ich sogar von dieser immer große Mengen anbaute und den Samen von vielen Pflanzen nahm. Aber die Ursprungspflanzen, die ich vor 20 Jahren in einem Glücksfall groß ziehen konnte (wegen der Einfuhrbestimmtungen werden die Samen behandelt, sodass sie nicht mehr keimfähig sind) waren nur drei Pflanzen und somit war die gesamte Nachzucht verwandt. Heute baue ich zwar immer noch Kolbenhirse an, aber sie ist inzwischen nicht mehr die schöne Kolbenhirse von damals.
    Bei Zuckermais gibt es wissenschaftliche Untersuchungen die bewiesen haben, dass man mindestens 60 Elternpflanzen braucht, um auf Dauer den genetischen Pool zu erhalten. So viel zum Thema Inzucht.

    Schönen Gruß
    Werner
     
  7. Hans C

    Hans C Guest

    Hallo,
    . . .und hier blende ich mich aus. Gegen missionarischen Eifer kann man mit sachlichen Argumenten nichts ausrichten.
    Einen schönen weiteren Monolog
    Hans C
     
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  9. #7 Guer@y, 12. August 2009
    Zuletzt bearbeitet: 12. August 2009
    Guer@y

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    Hallo

    Habe die Beiträge abgetrennt, und hierher verschoben, da ich denke, das dieses Thema allgemeine Gültigkeit hat.


    @ Lemon und Geierhirte, ich hoffe das ist okay für Euch :~
     
  10. #8 Werner_Krieger, 12. August 2009
    Werner_Krieger

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    Hallo alle

    Ich finde es gut, dass dieses wichtige Thema nochmals aufgegriffen und in diese Rubrik verschoben wurde. Nachdem bereits über 100 Hits für diesen Thread vorliegen, wird deutlich, dass es von großem Interesse ist.

    Dieser Thread beeinhaltet eigentlich zwei Fragen:

    1) Wie lange sind Käfigvögel zuchtfähig

    2) Die Folgen (oder Nicht-Folgen???) von Inzucht.

    Besonders diese zweite Frage finde ich extrem wichtig und es liegt mir sehr daran, dass man hier keine Falschinformation verbreitet.

    Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich Züchter - egal welcher Vogelart - zu diesem Thema melden würden.

    Meine eigene Erfahrung bei Kanarien hat gezeigt, dass man mit Inzucht nicht sehr weit kommt. Ich hatte 10 Jahre ein bestimmtes Zuchtziel angestrebt (und darüber auch hier im Forum ausführlich berichtet), musste aber wegen Mangel an Zukauf von passenden Vögeln, diese Richtung aufgeben, denn die Gesundheit und Fruchtbarkeit der Vögel hatte so gelitten, dass ich fast keine Nachkommen mehr erzielen konnte.
    Jetzt habe ich neu angefangen und wieder kerngesunde Vögel, die mich mit guter und gesunder Nachzucht erfreuen, so wie ich es von früher her gewohnt war.

    Das Thema 1) und 2) gehören natürlich in Bezug auf die Inzuchtfrage zusammen. Man müsste also das Thema 1) sowohl unter der Frage nach den Inzuchtschäden und als Folge eine schlechte Gesundheit und somit auch eine schlechte Fruchtbarkeit behandeln sowie auch unter der Fragestellung, wie lange Käfigvögel zuchtfähig sind bei bester Haltung und auch natürlich ohne Inzucht.
    Inzucht ist möglich, wenn man sie nicht übertreibt und immer auch gleichzeitig neben einem bestimmten angestrebten Zuchtziel (z.B. Farbe etc.) auf Gesundheit und gute Zuchtfähigkeit die Vögel auswählt. Aber das ist schwierig, denn zwei total verschiedene Zuchtrichtungen sind nicht einfach zu verfolgen, insbesondere wenn man einen relativ kleinen Bestand an Vögeln hat.

    So viel mal mein weiterer Beitrag zu diesem Thema, das eigentlich jeden Vogelzüchter interessieren müsste!

    Schönen Gruß und vielen Dank an den Admin für die Verschiebung dieses Threads.
    Werner
     
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Zuchtfähigkeit bei Ziervögeln

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