Die Meldung einer Brieftaube

Diskutiere Die Meldung einer Brieftaube im Stadttauben Forum im Bereich Tauben; Hallo Taubenfreunde, wie schon geschrieben, ich bin Brieftaubenzüchter mit Leib und Seele. Eine kleine "lustige ?!" Geschichte, die vor etwa 14...

  1. Lurch

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    Hallo Taubenfreunde,

    wie schon geschrieben, ich bin Brieftaubenzüchter mit Leib und Seele. Eine kleine "lustige ?!" Geschichte, die vor etwa 14 Tagen ihren Anfang nahm. Von mir wurde eine Brieftaube südlich von Hannover von einer älteren Dame gemeldet. Meine Telefonnummer konnte sie dem Fußring entnehmen.
    Der Ablauf der Meldung verlief wie folgt.
    In meinem Garten sitzt eine Taube, die hat ihre Telefonnummer am Bein. Auf meine Frage, ob sie die Taube greifen kann, damit ich sie dann abholen kann, antwortet sie, ich habe sie schon gestreichelt, aber anfassen mag ich sie nicht. Sie könnte mich ja beißen.
    Nachdem sie mir ihre Adresse gegeben hat, habe ich mich mit etwas Futter und einem Transportkorb sofort auf den Weg gemacht. Bei der Dame angekommen, saß die Taube auf dem Hausdach. Als Entschuldigung sagte mir die tierfreundliche Frau. Das hat so geregnet, da wollte ich sie mit einem Regenschirm abdecken. Dabei ist sie aber auf das Dach geflogen.
    Das Ende der Geschichte, ich habe etwa 2 Stunden (auch bei Regen) im Garten gestanden, und mit dem Futter geschüttelt. Ich habe in allen Tönen gepfiffen, bis mir die Spucke ausgegangen ist. Alles ohne Erfolg. Das Tier hat sich nicht einmal bewegt. Mir blieb nichts anderes über, als mich artig bei der freundlichen Frau zu bedanken und die Rückfahrt anzutreten. Gute 200 Km gefahren, und alles umsonst. Um ehrlich zu sein, ich habe auf der Rückfahrt an meinem Hobby gezweifelt.
    Aber die meisten Geschichten nehmen ja ein gutes Ende. Als ich heute Morgen beim Aufstehen aus dem Fenster schaute, wer saß auf dem Taubenschlag, als wäre nichts gewesen? Die Taube, die mich an das schönste Hobby der Welt zweifeln ließ.

    Gruß
    Lurch
     
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  2. #2 Gast 20000, 17.07.2020
    Gast 20000

    Gast 20000 Foren-Guru

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    Geschichten die das Hobby interessant machen und keine Langeweile aufkommen lassen.
    Gruß
     
  3. Lurch

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    Ja Gast 20000, da hast du sicher recht. Nur, ich schreibe jetzt nur für mich, es kommen auch zweifelhafte Gedanken auf. Welche? Ein anderes Thema!!!!
     
  4. Thea

    Thea Stammmitglied

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    Mir kommen die zweifelhaften Gedanken immer, wenn die 30. Brieftaube hier verletzt und entkräftet strandet, die Telefonnummer nicht stimmt, der Züchter die Taube nicht mehr haben will oder ich mich frage: was macht er damit, wenn er sie wirklich wieder abholt?
     
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  5. Lurch

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    Ja Thea
    da hast du genau den Punkt getroffen, an dem ich mit meinem Hinweis " das ist ein anderes Thema" gedacht habe. In jeder Branche gibt es "schwarze Schafe". Und jedes, aber auch wirklich jedes Hobby mit Tieren, geht auf Kosten der Tiere. Das fängt beim Kuscheltier für unsere Kinder an, und hört beim Galopprennsport, oder meinetwegen auch beim Hundesport, Brieftaubensport, Ausstellungshobby von Geflügelhaltung, bis hin zur Einzeltierhaltung von Kanarienvögel auf. Wenn ich denke, was ich aber nicht sage, wenn meine Oma sagt, oh mein Kanarienvogel, der singt so schön, den möchte ich nie missen. Dann weiß ich aber, er singt nicht so schön, weil er der Oma einen Gefallen tun möchte, sondern er vermisst sein Weibchen, welches er ohne Unterbrechung ruft. Und wenn ich dieses einmal an das Bedürfnis der Menschen anlehne, dann muss ich sagen, der Brieftaubensport ist nicht der Gipfel der Tierquälerei. Diese sage ich einfach auch auf die Gefahr hin, dass ich einige Menschen mit dieser Einschätzung/Erkenntnis "auf den Schlips trete". Aber, ich gestehe ein, auch wir Brieftaubenzüchter/-halter, müssen aufpassen, dass wir uns in einem Rahmen bewegen, der die Tierachtung, wie in den vorgenannten Beispielen, nicht in Frage stellen.

    Gruß
    Lurch
     
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  6. Lurch

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    Hallo Thea,

    ich kenne diese Frechheiten/Unverschämtheiten einiger meiner Hobbyfreunde auch.
    Es gibt Möglichkeiten von dem Melder, aber auch von dem Besitzer der Taube, eine Rückführung zu organisieren. Ich will diese Möglichkeiten hier einmal aufzeigen.

    1. In jeder Landesregion gibt es sogenannte Vertrauensleute, die der Besitzer der Taube anrufen kann, damit dieser die Taube beim Melder abholt.
    2. Der Besitzer der Taube hat die Möglichkeit, aus einem Anschriftenverzeichnis, oder mit Unterstützung des Verbandes, einen nahe liegenden Taubenverein um
    Hilfe zu bitten.
    3. Wenn von diesen zwei Möglichkeiten keine greift, muss er, wohl oder übel, die Taube selber abholen. Dazu ist er verpflichtet. Die Taube ist sein Eigentum,
    und kein Mensch kann sein Eigentum irgendwo entsorgen, bzw. entsorgen lassen.
    Ziel eines jeden Taubenzüchter muss sein, eine gemeldete Taube von einem Nichttaubenzüchter unverzüglich zu entlasten. Er kann nicht erwarten, dass die Taube dort versorgt wird. Und er kann auch nicht davon ausgehen, dass bei dem Melder ein Möglichkeit der Unterbringung vorhanden ist.
    Soweit die Möglichkeiten einer Rückführung durch den Besitzer.

    Aber auch der Melder hat eine Möglichkeit, die Abholung zu beschleunigen. Die Androhung, die Taube einem Tierschutzverein zu übergeben, macht diesen Leuten, die unser Ansehen leichtsinnig in den Dreck ziehen, Beine.
    Jeder Tierschutzverein kann anhand der Ringnummer mit einem Anruf beim Verband Deutscher Brieftaubenliebhaber den Besitzer ermitteln.
    Und was dann auf den Besitzer zukommt, können viele nicht einmal erahnen. Tierarztkosten, Verpflegung, Unterkunft, Telefonkosten, Transport usw.
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Besitzer diese Abwicklung der Rückführung favorisiert.
    Trotzdem, es sollte die letzte Möglichkeit bleiben. Oft hilft schon die Androhung. Und in den meisten Fällen klappt es auch mit den Punkten 1 bis 3

    Wenn eine Taube bei einem anderen Züchter zufliegt, sieht die Regelung zu 90% so aus, dass telef. vereinbart wird, die Taube einige Tage dort zu versorgen,
    um dann die Heimreise fortzusetzen. Diese Unterbrechungen passieren in der Mehrzahl aus nicht vorhersehbaren Witterungsveränderungen. Da wird nach dem Motto "eine Hand wäscht die Andere" gehandelt.
    Gruß
    Lurch
     
  7. #7 SamantaJosefine, 18.07.2020
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    Wie recht du hast.
    Wir wissen auch nicht, wo bei einem Tier die "Qual" anfängt. wir sprechen von Tierquälerei und wissen nichts über ihre wirklichen Empfindungen.
    Wir machen uns gern den Fatalismus der Tiere zu unserem Vorteil und handeln entsprechend.
    Tiere werden eingesetzt aus kommerziellen Gründen, indem man sich ihre angeborenen Instinkte in die Brietasche wirtschaftet.
    S.
    Da ist es in meinen Augen nicht zu verdammen, wenn sich eine Omi einen Kanarienvogel hält welcher singt,
    Das weiß die Omi nicht besser, sie kassiert auch nichts dafür, sondern versorgt ihren Liebling, welcher es nicht anders kennt.
    Lieber einen einzelnen Kanarienvogel gut halten und pflegen, als eine Voliere voller Kanarienvögel im Dreck und mit wenig Futter "artgerecht" halten.
    Jedes Tier ist auf uns angewiesen, es ist uns ausgeliefert, ganz gleich was wir mir ihm anstellen.
    Meine Tiere sind meine Freude, aber bin ich auch eine Freude für meine Tiere????
    Das frage ich mich jeden Morgen wenn ich sie mit frischem Futter und Wasser versorge.
    Sie müssen mich akzeptieren weil sie nur dieses Leben, welches ich ihnen zugestehe, kennen.
     
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  8. #8 Sammyspapa, 18.07.2020
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    Mach ich auch so, da ich dieses Jahr schon knapp 10 Zuflieger hatte. Leider wollen die meisten bei mir mittlerweile nicht mehr weg und so hab ich momentan noch 5 Stück hier. Eigentlich hab ich momentan keinen Platz mehr dafür, aber was soll ich machen...? :+keinplan
     
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  9. Thea

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    Das Problem ist aber: mir geht es um die Taube. Ich habe auch schonmal über den Vereinsvorsitzenden den Tauben "Besitzer" ausfindig gemacht, bei falscher Telefonnummer. Der Vorsitzende sagte mir: "Jaaa, das ist immer das Problem, die Leute wollen sich um ihre verirrten Tiere nicht kümmern, ich muss immer Druck machen, damit wir unseren Ruf nicht ruinieren". Aha: die Taube wird nicht zurückgeholt, weil man sich um sie sorgt, sondern weil man Druck bekommt und seinen Ruf nicht ruinieren will.
    Von den vielen ausländischen Tauben abgesehen, wo eine Verständigung sowieso nicht gelingt durch Fremdsprache.
    Nun könnte man dem Züchter natürlich die ganzen kosten für Arzt und Transport aufhalsen, damit er sich nächstens überlegt, wie weit er seine Tauben fliegen lässt. Aber: Ich will ja nicht die Taube loswerden, sondern ich will, dass es ihr gut geht. Und da hab ich dann meine Zweifel, wenn die Vorzeichen so sind wie oben beschrieben.
    Aber schön, wenn es die Tauben bei Dir besser haben, Lurch!

    Und dann bleiben noch die vielen Brieftauben, die in der Stadt bleiben und sich gar nicht fangen lassen. Und die uns Taubenhilfevereinen, die versuchen, die Stadttaubenanzahl durch Eiertausch zu reduzieren, immer wieder einen Strich durch die Rechnung machen. Da kann der Züchter ja noch so gutwillig sein, er kann nicht verhindern, dass die Tiere sich verfliegen.
    Wir müssten mal einen Sport aufmachen, wo Katzen 10km von zu Hause ausgesetzt werden und zurückfinden sollen - oder 20km oder 50... Da wär was los...
     
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  11. Lurch

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  12. Lurch

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    Hallo Samantajosefine,

    diesen Spaß, diese Freude und diese Aufgabe will ich auch auf keinem Fall einem Menschen streitig machen. Ob Omi, oder jedem anderen Tierfreund. Hinzu kommt ja auch noch, dass z. B. Kanarien in der Regel schon seit Generationen unter der Obhut von uns Menschen geboren wurden. Sie kennen die Freiheit nicht, und man kann auch wohl mit einem kleinen Fragezeichen davon ausgehen, dass sie diese ursprüngliche Freiheit nicht vermissen. Also mit einem Satz, ich habe unglücklicher Weise den Kanarienvogel als Beispiel genommen, weil man bei jeder Tierhaltung, wenn man sich anstrengt, "ein Haar in der Suppe findet". Ich gehe sogar soweit, dass ich behaupte, egal welche Tierart sich selbst überlassen bleibt, also ohne Unterstützung des Menschen, dieses für die Tierart in eine eine Katastrophe endet..
    Ich hatte/habe das Gefühl, dass ansatzweise dieser Gedankenaustausch in die Richtung läuft, die eine Beschäftigung mit Tieren ist zu begrüßen, während eine andere (z. B. die Brieftaubenhaltung einschl. der Wettflüge) als grobe Tierquälerei zu werten ist. Und wenn so eine Einschätzung ohne jegliches Hintergrundwissen abläuft, wehre ich mich dagegen.
    Gruß
    Lurch
     
  13. Lurch

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    Also Thea, ich habe schon bessere Beiträge von dir gelesen. Deswegen möchte ich auch nicht im einzelnen auf deine Ausführungen eingehen.
    Mit einer Ausnahme. Das ist der letzte Satz. Ich bin immer noch am überlegen, ob ich dieses Geschreibsel ernst nehmen soll, oder ob ich es in die Tonne hauen soll. Mit dieser Polemik hast du dir bestimmt keinen Gefallen getan. Oder anders gesagt, ich habe dich überschätzt.
     
  14. #14 SamantaJosefine, 18.07.2020
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    @Lurch
    Das ist doch Pumpaklack. ich dachte, ich hätte mich klar ausgedrückt,
    Es sind halt zwei Paar Schuhe, so einfach ist das.
    Ich war tatsächlich der Meinung. dass ich deutlich zum Ausdruck brachte, was Sport oder Hobby von einander unterscheidet.
    Ich wollte lediglich, dass man erkennt, was man den Tieren zumutet, und wieso diese Zumutungen von den Tieren brav nach unseren Maßstäben und unserem gusto erfüllt werden.
    Ich habe sogar meine eigene Vogelhaltung in Frage gestellt und ich habe auch erklärt wieso.
    Tu` mir bitte einen Gefallen, Lurch, binde deinen Schlips etwas höher, dann tritt niemand drauf, denn das lag mir wirklich fern. :D :gott:
     
  15. Thea

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    Ich habe so eine Reaktion erwartet. Tut mir leid, dass Du das als unangemessen empfindest! Wobei ich nicht ganz verstehe, warum. Wenn Du ein Züchter bist, der seine Tiere liebt, dann brauchst Du Dich ja nicht angesprochen zu fühlen...
    Aber es ist einfach nur meine Erfahrung. Sag einfach, wenn was daran nicht stimmt!

    Das mit den Katzen ist keine Polemik, sondern ein Vergleich. Katzen sind auch dafür bekannt, dass sie von weit her zurückfinden. Und Tauben sind auch Haustiere wie Katzen, die nicht allein in unserem Klima klarkommen, wenn sie verloren gehen. Das ist einfach so. Mal davon abgesehen, dass sie z.T. nicht mal drauf vorbereitet sind, klarzukommen. Habe schon eine Brieftaube aus einem Teich retten müssen, in den sie geflogen war, weil sie offenbar Durst hatte und nicht wusste, dass Wasser auch tief sein kann (ich habe das selbst beobachtet - die saß auf dem Baum und guckte immer runter zum Wasser, und dann flog sie einfach auf die Wasserfläche und ging unter). Der Teich hatte ein Betonufer, wo sie ohne mich ertrunken wäre. Aber das nur nebenbei.
    Jedenfalls ist es schon interessant, wieso man das mit Katzen nicht macht, mit Tauben aber schon. Sinnvolle Begründung außer Tradition gibt es nicht, oder hat jemand eine?
     
  16. Lurch

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    Hallo Thea,

    Entschuldigung, dein Vergleich Katzen/Brieftauben habe ich nicht zu Ende gedacht. In der Tat sind auch Katzen in der Lage, viele Km zurück zu legen, damit sie ihre Heimat wieder erreichen. Damit muss ich dein Beitrag als "passend" anerkennen.
    Doch ein kleiner??? Unterschied besteht doch. Die Brieftaube hat sich aus der Felsentaube entwickelt. Diese Felsentaube ist im arabischen Raum beheimatet, und muss für die Eigenernährung einschl. Wasser, und die der Jungtauben, viele Km (100 bis 200 Km) zu den Oasen in der Wüste fliegen. Und das täglich mehrmals. Dieses Leistungsvermögen schlummert immer noch in den Adern der heutigen Brieftaube. Ich will gar nicht darauf eingehen, welche Art von Anforderungen an die Tiere in Kriegszeiten gestellt wurden. Aber erwähnen möchte ich, dass unsere Ureltern keine anderen Möglichkeiten der Nachrichtenübermittlung kannten, als die Brieftaube. Daher bin ich der Meinung, dass wir heutigen Menschen den Brieftauben nichts abnormales abfordern. Sie leisten etwas, was in ihren Genen verankert ist. Genau so, wie sich kein Tierfreund über die Leistung unsere Zugvögel aufregt.

    Aber jetzt kommt der Punkt, wo ich zu 100% bei dir bin. Unsere Tauben müssen nicht nur das ganze Jahr sehr, sehr gut versorgt werden. Sie müssen permanent unter tierärztlicher Aufsicht stehen. Und sie müssen eine Unterkunft haben, in der sie sich wohl fühlen (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Platzangebot usw.) Und da behaupte ich, einfach schon weil es bei unserem Hobby auch um "Gewinnen und Verlieren" geht (Wettflüge), dass annähernd 99% meiner Hobbyfreunde ihre Tiere so versorgen/behüten/um sie Angst haben. Eine überflüssige Bemerkung, aber trotzdem schreibe ich sie einmal, ich habe schon mehrmals in meinem Taubenschlag gehockt, und mir sind die Tränen runtergelaufen, weil eine Taube nicht nach Hause gekommen ist, oder sie verletzt es doch noch geschafft hat. Das sind für mich mit vielen Anderen schmerzliche Erlebnisse. Und verheimlichen will ich auch nicht, dass sich dann auch mein Gewissen bemerkbar macht.

    So, und nun noch eine Anmerkung zu den 1% (Liebhabern????), die unser Hobby und ihre Tauben "durch den Dreck ziehen". Wir möchten die nicht unter uns haben, wir möchten, dass sie wegen Tierquälerei bestraft werden, und wir möchten auch, dass sie von Nichttaubenzüchtern kritisch beäugt werden. Nur alle in einen Topf zu werfen, weil man evtl. einmal mit so einem Kontakt gehabt hat, oder einen kennt, der wiederum von einem gehört hat, dass es solche Schweinereien gibt, ist nach meiner Meinung nicht fair. Zu den letzten im Schlusssatz möchte ich aber ausdrücklich erwähnten, dazu gehörst du natürlich nicht. Ich denke, dass du unser/mein Hobby sachbezogen bewertest.
    Gruß
    Lurch
     
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  17. Thea

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    Hallo Lurch,
    Ich habe da nicht so viel Einblick aus erster Hand. Kenne bis jetzt keinen Züchter persönlich - es ist hier bei uns nicht so verbreitet. Ja klar, man muss immer gucken, wie der Einzelne drauf ist.
    Mich würde interessieren, falls Du es mir sagen willst, wie viele Tauben prozentual so ungefähr bei Dir nicht zurückkommen. Hängt ja sicher auch von der Entfernung ab.
    Ich sehe halt immer nur die vielen gestrandeten. Wir atmen immer auf, wenn die Saison zu Ende ist, weil es echt krass ist, wie viele bei uns als Verein von Findern gemeldet werden, die man dann alle abholen, aufnehmen und versorgen muss. Ich glaube, diese Seite der Medaille sehen viele Züchter wiederum gar nicht so. Einer sagte mal: manche kommen auch nicht zurück - naja, der Habicht will ja auch was fressen. Aber es ist eben doch oft nicht der Habicht, sondern sie liegen irgendwo entkräftet oder verunglückt herum. Und dazu die, die man eben auf den Straßen herumlaufen sieht. Weil wir die auch langfristig beobachten (nach kranken usw.), sehen wir, wie lange die bleiben - oft Monate. Bei uns sind es hauptsächlich polnische, wo sicherlich auch die Ansichten und Haltungsstandards noch andere sind als in Deutschland.
    Ich könnte meinen Tauben, die ich liebe, gar nicht so ein Risiko absichtlich aufladen. Wenn sie fliegen wollen, können sie ja von zu Hause aus ne Runde fliegen. Das reicht mir völlig aus, ihnen dabei zuzusehen.
    Wir haben übrigens einen jungen Mann im Verein, der vom Brieftaubenzüchter zum Stadttaubenhelfer mutiert ist. Der hat jetzt über 100 Fundtauben bei sich, oft welche, die kleine Behinderungen haben und geschützte Unterbringung brauchen. Er trauert seinem Sport nicht nach. Aber es gibt ja wohl auch Züchter, die Fundtauben aufnehmen.
    Ich freu mich über jeden, ob Züchter, Halter oder sonstwas, der im Umgang mit den Tieren seinem Herzen folgt!
     
  18. #18 Sammyspapa, 19.07.2020
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    Ich glaube das hängt auch stark von der Umgebung ab wo der Züchter ansässig ist. Ein Freund von mir verliert jährlich ca 20-25 Tauben an Greifvögel in 2km Umkreis vom Schlag. Ich dagegen hab bis jetzt (vermutlich) eine eingebüßt an Greife und 5 die mir einfach nicht bleiben wollten.
    Bei den 250km Flügen ist die Ausfallquote wohl ziemlich gering und bei 400km auch. Alles darüber finde ich muss auch einfach nicht sein. Gibt ja noch 800-1200km Derbys teilweise über Wasser und so Scherze, da ist die Ausfallquote ziemlich übel.
    Trainings- und Jungtaubenflüge bis 250km find ich voll okay und die Tauben brauchen eine gewisse Forderung auch. Man merkt wenn man sie entsprechend füttert und sie schon im Training sind brauchen sie mehr Bewegung, dann sind sie um den Schlag herum unterfordert und fliegen Grütze zusammen und dann wird es gefährlich. Viele meiner Tauben lassen sich sogar freiwillig einsammeln in der Transportkiste für Trainingsflüge. Die nächsten drei Tage danach sind sie viel ausgeglichener. Eine gewisse Forderung ist mMn notwendig und gut für sie, das ist vermutlich auch über tausende Generationen von Brieftauben so genetisch verankert mittlerweile. Ich merk das vor allem im Winter bei Flugpause, dass sie alle Mann zappelig und unleidlich werden, wenn sie nicht raus können. Sie wollen wirklich fliegen und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie auch irgendwie Spaß dran haben.
     
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  19. Thea

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    Ich war mal an der Ostsee, im Urlaub, und da kamen 2 Brieftauben mit letzter Kraft übers Wasser, landeten keinen Meter vom Wasserrand und blieben einfach sitzen. Die saßen dort stundenlang. Um sie der Badetrubel, sie völlig apathisch. Am Abend sind wir gegangen, die saßen immer noch. Wollten nicht fressen, nicht trinken. Waren fix und fertig. Weiß nicht, was draus geworden ist.
    Aber wenn die nicht ausgelastet sind, wieso fliegen sie dann nicht von selbst? Wieso muss man sie irgendwo hinbringen? Das haben die wilden Tauben doch auch nicht gebraucht...

    Ich habe eine behinderte Taube von einem Burgturm. Die mussten 2x täglich ca. 10km bis in die nächste Stadt fliegen, um Futter zu finden. Die Strecke fand ich angemessen. Und die waren auch so aufgewachsen. Aber eine, die im Schlag groß geworden ist und das Leben draußen und die Gefahren nicht kennt? Klar, wenn sie ankommt, geht es ja - aber wenn sie eben verloren geht, sich verirrt?
    Ich meinte nicht, wie viele um den Schlag von Greifvögeln geholt werden, sondern wie viele nicht von Wettkämpfen zurückkommen. Weil: was mit denen passiert ist, das weiß man eben nicht. Naja, wie oben schon gesagt.

    Aber schön, dass die Taube vom ersten Beitrag wieder heimkam! :)
     
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  20. #20 Sammyspapa, 19.07.2020
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    Das tun sie ja, aber dann teilweise unkontrolliert. Sie schließen sich anderen Stichen an, kommen dann völlig zerstreut zurück über einen Nachmittag verteilt etc. Immer wenn ich das Gefühl hab sie sind unterfordert, gab es irgendeinen Murks. Einige blieben aus, andere kamen 1-2 Tage später wieder oder völlig kaputt vom Himmel gefallen, weil sie vermutlich 3 Stunden mit einem fremden Stich mit sind. Kurz gesagt sie fangen an zu verwildern finde ich. Grade wenn man es dann mit dem Futter noch etwas zu gut meint oder die falsche Mischung gibt Wandern einem schnell mal welche ab.
    Darauf wollte ich ja hinaus, es sind eben keine Wildtauben mehr. Seit Beginn der Brieftaubenzucht sind bestimmt schon 1000 Generationen Tauben darauf selektiert worden genau das möglichst zuverlässig zu tun, was sie heutzutage eben tun. Nämlich eigenständig über weite Strecken schnell nach Hause zu finden.

    Der Vergleich mag zwar vielleicht etwas hinken, aber ein Husky muss auch laufen, da er drauf gezüchtet ist. Er müsste es nicht und natürlich ist es für ihn auch nicht, da es für ihn keinen nutzvollen Zweck erfüllt stumpfsinnig ohne erkennbares Ziel stundenlang zu Rennen bis zur völligen Erschöpfung. Wenn sie es nicht können, werden viele unausgeglichen und unleidlich.
    Nebenbei bemerkt sind 10km für eine voll trainierte Brieftaube mit entsprechender Fütterung Peanuts. Das machen sie bei Rückenwind in 5 Minuten und anschließend noch voll Speed eine Stunde rund ums Haus bzw rund ums Wohngebiet.
     
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