Vereinfachte Farbschlagvererbung beim Wellensittich

Diskutiere Vereinfachte Farbschlagvererbung beim Wellensittich im Wellensittich Farbschläge Forum im Bereich Wellensittiche; Hauptsächlich angeregt durch diverse Diskussionen in den Farbschlagthreads ;) habe ich mir gedacht es kann bestimmt nicht schaden, an dieser...

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. #1 Lemon, 28.05.2009
    Zuletzt bearbeitet: 16.07.2009
    Lemon

    Lemon Moderatorin
    Moderator

    Dabei seit:
    16.01.2004
    Beiträge:
    7.653
    Zustimmungen:
    210
    Ort:
    57078 Siegen
    Hauptsächlich angeregt durch diverse Diskussionen in den Farbschlagthreads ;) habe ich mir gedacht es kann bestimmt nicht schaden, an dieser Stelle mal die grundlegenden Regeln für die Farbschlagvererbung zu erklären.

    Später werde ich noch ein Paar Beisspielberechnungen posten, damit das ganze auch klarer wird.

    Wenn ihr Fragen zu diesem Thema habt oder ich irgendwas vergessen haben sollte, macht doch bitte einen separaten Thread im Allgemeinen Welliforum auf.

    Fertig? Dann los! :)

    _____________________________________________________________

    1. Die Regel über die Farbstufen

    Beim Wellensittich wird die Körperfarbe in die 2 Farbreihen, die Grün- und die Blaureihe unterteilt. Zur Grünreihe zählen auch Graugrüne und Lutinos, zur Blaureihe auch Graue und Albinos.

    Innerhalb jeder Farbreihe gibt es beim Wellensittich 3 Farbstufen: Hell – Mittel – Dunkel
    In Verbindung mit den Farbreihen gibt es also insgesamt 6 Grundfarben (die Farbstufe steht in Klammern davor):

    (Hell) Hellgrün, Hellblau
    (Mittel) Dunkelgrün, dunkelblau
    (Dunkel) Olivgrün, Mauve

    Bei Grau, Graugrün und Violett wird nicht zwischen Hell, Mittel und Dunkel unterschieden.

    Die Verpaarung zweier Wellensittiche ergibt aufgrund dieser Regel folgendes Ergebnis:

    Hell x Hell
    = 100 % Hell

    Hell x Mittel
    = 50 % Hell, 50% Mittel

    Hell x Dunkel
    = 100 % Mittel

    Mittel x Mittel
    = 25 % Hell, 50 % Mittel, 25 % Dunkel

    Dunkel x Mittel
    = 50 % Dunkel, 50 % Mittel

    Dunkel x Dunkel
    = 100 % Dunkel

    WICHTIG: Diese Regel ist unabhängig von der Farbe oder Mutation des Vogels, es geht nur um die Farbintensität.


    2. Die Regel über die Farbreihen

    Wie oben schon erläutert unterteilt man die Grundfarben in die beiden Farbreihen, wobei Grün dominant über Blau ist.
    Daraus ergeben sich folgende Verpaarungsergebnisse:

    Grün x Grün
    = 100% Grün

    Grün x Blau
    = 100 % Grün/blau (Grüne, die spalterbig* in blau sind)

    Grün x Grün/blau
    = 50 % Grün, 50 % Grün/blau

    Grün/blau x Grün/blau
    = 25 % Grün, 50 % Grün/blau, 25 % blau

    Grün/blau x Blau
    = 50 % Grün/blau, 50 % Blau

    Blau x Blau
    = 100 % Blau

    * spalterbig bedeutet, dass das Tier eine genetische (hier auf die Farbe bezogene) Eigenschaft zwar im Erbgut trägt, sie aber nicht sichtbar ist. Auf den Wellensittich bezogen kann z.B. ein optisch grüner Sittich bei geeigneter Verpaarung blaue Nachkommen zeugen, sofern er Spalt in blau ist.



    3. Die Regel über die rezessive Vererbung

    Wie genau die rezessive Vererbung funktioniert, erkläre ich an dieser Stelle wie gesagt nicht genauer.
    Aber für spätere Ausführungen hier mal eine Auflistung darüber, welche Farbschläge beim Welli rezessiv gegenüber nichtrezessiven weitergebenen werden:

    • Grauflügel
    • Hellflügel
    • Falben
    • Schwarzaugen
    • Gelbe und Weiße
    • Rezessive Schecken

    Beispiele für Verpaarungen:

    Normal x Rezessiv
    = 100 % Normal/rezessiv

    Normal/rezessiv x Rezessiv
    = 50 % Normal/rezessiv, 50 % Rezessiv

    Normal/rezessiv x Normal/rezessiv
    = 25 % Normal, 50 % Normal/rezessiv, 25 % Rezessiv

    Normal/rezessiv x Normal
    = 50 % Normal/rezessiv, 50 %Normal


    4. Die Regel über die geschlechtsgebundene Vererbung

    Folgende Farbschläge werden geschlechtsgebunden vererbt:

    • Inos (Albinos und Lutinos)
    • Zimter
    • Opaline
    • Lacewings
    • Clearbodys
    • Schiefer

    WICHTIG:
    Anders als bei uns trägt beim Wellensittich das Männchen 2 X-Chromosome, die Henne dagegen X und Y. Eine Henne kann also niemals spalterbig in eine geschlechtsgebundene Eigenschaft sein!


    Bei dieser Regel spielt bei den Berechnungen also auch das Geschlecht eine Rolle. (1,0 = Hahn, 0,1 = Henne)

    1,0 Opalin x 0,1 Normal
    = 1,0: 100 % Normal/opalin, 0,1: 100 % Opalin

    1,0 Normal x 0,1 Opalin
    = 1,0: 100 % Normal/opalin, 0,1: 100 % Normal

    1,0 Normal/opalin x 0,1 Normal
    = 1,0: 50 % Normal, 50 % Normal/opalin, 0,1: 50 % Opalin, 50 % Normal

    1,0 Normal/opalin x 0,1 Opalin
    = 1,0: 50 % Opalin, 50 % Normal/opalin, 0,1: 50 % Opalin, 50 % Normal

    1,0 Opalin x 0,1 Opalin
    = 100 % Opalin


    5. Die Regel über die Faktoren

    Faktorigkeit ist eine Eigenschaft, die vom Welli entweder einfach (1F) oder doppelt (2F) getragen werden kann. Ihr müsst euch das Vorstellen wie einen zusätzlichen genetischen Baustein. So kann ein Welli z.B. nur optisch Violett erscheinen, wenn er gleichzeitig die Gene für Dunkelblau + Violettfaktor trägt. Würde ein hellgrüner Vogel zusätzlich einen Violettfaktor tragen, würde er für uns optisch einfach aussehen wie ein dunkelgrüner.
    Alle Faktorigen sind dominant!

    Faktorigkeit spielt eine Rolle bei folgenden Farbschlägen/Farben:

    • Grau/Graugrün
    • Violett
    • Gelbgesicht
    • Spangle
    • Australische Schecken

    Daraus ergeben sich wieder folgende Verpaarungsmöglichkeiten (wobei keine Rolle spielt, ob der Hahn oder die Henne den Faktor trägt):

    2F x Normal (also ohne Zusatzfaktor)
    = 100 % 1F

    1F x Normal
    = 50 % 1F, 50 % Normal

    2F x 1F
    = 50 % 2F, 50 % 1F

    1F x 1F
    = 50 % 1F, 25 % 2F, 25 % Normal

    2F x 2F
    = 100 % 2F
     
  2. #2 Lemon, 28.05.2009
    Zuletzt bearbeitet: 29.05.2009
    Lemon

    Lemon Moderatorin
    Moderator

    Dabei seit:
    16.01.2004
    Beiträge:
    7.653
    Zustimmungen:
    210
    Ort:
    57078 Siegen
    Und wie berechnet man jetzt damit, was bei einer Verpaarung rauskommen kann? Am einfachsten ist es, wenn man die Regeln nach und nach betrachtet und das Ergebnis dann wieder zusammensetzt.
    Vorraussetzung ist natürlich, das man die Farbschläge der potentiellen Elterntiere und im besten Fall auch deren Spalterbigkeiten kennt.

    WICHTIG: Hält man sich nur an das, was man auch sehen kann, können die Ergebnisse der Berechnung natürlich vom tatsächlichen Ergebnis abweichen.


    Beispiel 1

    Mal angenommen, man hätte zwei Normal hellgrüne Wellis von denen man weiß, dass sie in blau spalten. Das sieht dann so aus:

    1,0 Normal hellgrün/blau
    0,1 Normal hellgrün/blau

    Betrachtet man diese Paar nach Regel 1 sieht man, dass beide Eltern eine Grundfarbe aus der hellen Farbstufe haben. Also:
    Hell x Hell = 100 % Hell

    Alle Küken werden also ebenfalls eine helle Grundfarbe haben.

    Nach Regel 2 werden 25 % der Küken reinerbig grün, 50 % grün/blau und 25 % blau.
    Insgesamt liegt die Wahrscheinlichkeit für optisch grüne Vögel also bei 75 %, die für blaue bei 25 %.

    Die anderen Regeln greifen hier nicht, da wir keine rezessiven, geschlechtsgebundenen oder von Faktoren abhängigen Farbschläge verpaaren.


    Und wenn man das jetzt alles weiß, kann man errechnen, welche Kombinationen fallen können:
    Möglichkeiten aus Regel 1: 1 Stück
    Möglichkeiten aus Regel 2: 3 Stück

    => 1 x 3 = 3

    Es können also 3 verschiedene Kombinationen fallen:

    25 % hellgrün
    50 % hellgrün/blau
    25 % hellblau

    Alle Nachkommen werden die normale Gefiederzeichnung ihrer Eltern bekommen, da nichts anderes im Spiel war.
     

    Anhänge:

  3. Lemon

    Lemon Moderatorin
    Moderator

    Dabei seit:
    16.01.2004
    Beiträge:
    7.653
    Zustimmungen:
    210
    Ort:
    57078 Siegen
    Und noch eine, weils so schön war. Und bei dieser kann ich das Ergebnis zumindest teilweise beweisen... :D

    Zur Zeit sitzen bei mir Rico und Eve in einer Zuchtbox. Rico ist ein Normaler in hellblau, Eve eine dunkelgrüne, spalterbig blaue Spanglehenne

    Die Verpaarung würde also wie folgt aussehen:

    Normal hellblau x Spangle (1F) dunkelgrün/blau

    Nach der Farbstufenregel fallen 50 % Hell und 50 % Mittel und aus Regel 2 können wir schließen, dass 50 % grün/blau und 50 % blau fallen werden.

    Da Eve ein einfaktoriger Spangle ist, greift bei dieser Verpaarung auch die Faktorenregel. Und die besagt, dass 50 % 1F (in dem Fall also Spangle) und 50 % Normale fallen.

    Zusammengerechnet macht das 2 x 2 x 2 = 8 mögliche Kombinationen:

    Normal dunkelblau
    Normal hellblau
    Normal hellgrün/blau
    Normal dunkelgrün/blau
    Spangle (1F) dunkelblau
    Spangle (1F) hellblau
    Spangle (1F) hellgrün/blau
    Spangle (1F) dunkelgrün/blau
     

    Anhänge:

Thema: Vereinfachte Farbschlagvererbung beim Wellensittich
Besucher kamen mit folgenden Suchen
  1. wellensittich

    ,
  2. wellensittich grün

    ,
  3. vererbungslehre wellensittiche

    ,
  4. wellensittich farbschläge vererbung,
  5. wellensittich vererbung,
  6. wellensittich gelb,
  7. wellensittich grün gelb,
  8. grüner wellensittich,
  9. wellensittich spangle vererbung,
  10. gelb grüner wellensittich,
  11. grüne wellensittiche,
  12. vererbung wellensittich,
  13. wellensittich vererbung gelbgesicht,
  14. wellensittich farben lila,
  15. wellensittich hellblau,
  16. wellensittich dunkelgrün,
  17. vererbung wellensittiche,
  18. gelber wellensittich,
  19. wellis was sind spalter,
  20. Wellensittich Zucht und vererbung,
  21. normal blau X spangle dunkel grün,
  22. Wellensittich farbschlag Vererbung spalter,
  23. geschlechtsgebundene vererbung wellensittich,
  24. Wellensittiche grün gelb,
  25. wellensittich henne grün gelb
Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. Diese Seite verwendet Cookies um Inhalte zu personalisieren. Außerdem werden auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Mit dem weiteren Aufenthalt akzeptierst du diesen Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden