Vereinfachte Farbschlagvererbung beim Wellensittich

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Lemon

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Hauptsächlich angeregt durch diverse Diskussionen in den Farbschlagthreads ;) habe ich mir gedacht es kann bestimmt nicht schaden, an dieser Stelle mal die grundlegenden Regeln für die Farbschlagvererbung zu erklären.

Später werde ich noch ein Paar Beisspielberechnungen posten, damit das ganze auch klarer wird.

Wenn ihr Fragen zu diesem Thema habt oder ich irgendwas vergessen haben sollte, macht doch bitte einen separaten Thread im Allgemeinen Welliforum auf.

Fertig? Dann los! :)

_____________________________________________________________

1. Die Regel über die Farbstufen

Beim Wellensittich wird die Körperfarbe in die 2 Farbreihen, die Grün- und die Blaureihe unterteilt. Zur Grünreihe zählen auch Graugrüne und Lutinos, zur Blaureihe auch Graue und Albinos.

Innerhalb jeder Farbreihe gibt es beim Wellensittich 3 Farbstufen: Hell – Mittel – Dunkel
In Verbindung mit den Farbreihen gibt es also insgesamt 6 Grundfarben (die Farbstufe steht in Klammern davor):

(Hell) Hellgrün, Hellblau
(Mittel) Dunkelgrün, dunkelblau
(Dunkel) Olivgrün, Mauve

Bei Grau, Graugrün und Violett wird nicht zwischen Hell, Mittel und Dunkel unterschieden.

Die Verpaarung zweier Wellensittiche ergibt aufgrund dieser Regel folgendes Ergebnis:

Hell x Hell
= 100 % Hell

Hell x Mittel
= 50 % Hell, 50% Mittel

Hell x Dunkel
= 100 % Mittel

Mittel x Mittel
= 25 % Hell, 50 % Mittel, 25 % Dunkel

Dunkel x Mittel
= 50 % Dunkel, 50 % Mittel

Dunkel x Dunkel
= 100 % Dunkel

WICHTIG: Diese Regel ist unabhängig von der Farbe oder Mutation des Vogels, es geht nur um die Farbintensität.


2. Die Regel über die Farbreihen

Wie oben schon erläutert unterteilt man die Grundfarben in die beiden Farbreihen, wobei Grün dominant über Blau ist.
Daraus ergeben sich folgende Verpaarungsergebnisse:

Grün x Grün
= 100% Grün

Grün x Blau
= 100 % Grün/blau (Grüne, die spalterbig* in blau sind)

Grün x Grün/blau
= 50 % Grün, 50 % Grün/blau

Grün/blau x Grün/blau
= 25 % Grün, 50 % Grün/blau, 25 % blau

Grün/blau x Blau
= 50 % Grün/blau, 50 % Blau

Blau x Blau
= 100 % Blau

* spalterbig bedeutet, dass das Tier eine genetische (hier auf die Farbe bezogene) Eigenschaft zwar im Erbgut trägt, sie aber nicht sichtbar ist. Auf den Wellensittich bezogen kann z.B. ein optisch grüner Sittich bei geeigneter Verpaarung blaue Nachkommen zeugen, sofern er Spalt in blau ist.



3. Die Regel über die rezessive Vererbung

Wie genau die rezessive Vererbung funktioniert, erkläre ich an dieser Stelle wie gesagt nicht genauer.
Aber für spätere Ausführungen hier mal eine Auflistung darüber, welche Farbschläge beim Welli rezessiv gegenüber nichtrezessiven weitergebenen werden:

  • Grauflügel
  • Hellflügel
  • Falben
  • Schwarzaugen
  • Gelbe und Weiße
  • Rezessive Schecken

Beispiele für Verpaarungen:

Normal x Rezessiv
= 100 % Normal/rezessiv

Normal/rezessiv x Rezessiv
= 50 % Normal/rezessiv, 50 % Rezessiv

Normal/rezessiv x Normal/rezessiv
= 25 % Normal, 50 % Normal/rezessiv, 25 % Rezessiv

Normal/rezessiv x Normal
= 50 % Normal/rezessiv, 50 %Normal


4. Die Regel über die geschlechtsgebundene Vererbung

Folgende Farbschläge werden geschlechtsgebunden vererbt:

  • Inos (Albinos und Lutinos)
  • Zimter
  • Opaline
  • Lacewings
  • Clearbodys
  • Schiefer

WICHTIG:
Anders als bei uns trägt beim Wellensittich das Männchen 2 X-Chromosome, die Henne dagegen X und Y. Eine Henne kann also niemals spalterbig in eine geschlechtsgebundene Eigenschaft sein!


Bei dieser Regel spielt bei den Berechnungen also auch das Geschlecht eine Rolle. (1,0 = Hahn, 0,1 = Henne)

1,0 Opalin x 0,1 Normal
= 1,0: 100 % Normal/opalin, 0,1: 100 % Opalin

1,0 Normal x 0,1 Opalin
= 1,0: 100 % Normal/opalin, 0,1: 100 % Normal

1,0 Normal/opalin x 0,1 Normal
= 1,0: 50 % Normal, 50 % Normal/opalin, 0,1: 50 % Opalin, 50 % Normal

1,0 Normal/opalin x 0,1 Opalin
= 1,0: 50 % Opalin, 50 % Normal/opalin, 0,1: 50 % Opalin, 50 % Normal

1,0 Opalin x 0,1 Opalin
= 100 % Opalin


5. Die Regel über die Faktoren

Faktorigkeit ist eine Eigenschaft, die vom Welli entweder einfach (1F) oder doppelt (2F) getragen werden kann. Ihr müsst euch das Vorstellen wie einen zusätzlichen genetischen Baustein. So kann ein Welli z.B. nur optisch Violett erscheinen, wenn er gleichzeitig die Gene für Dunkelblau + Violettfaktor trägt. Würde ein hellgrüner Vogel zusätzlich einen Violettfaktor tragen, würde er für uns optisch einfach aussehen wie ein dunkelgrüner.
Alle Faktorigen sind dominant!

Faktorigkeit spielt eine Rolle bei folgenden Farbschlägen/Farben:

  • Grau/Graugrün
  • Violett
  • Gelbgesicht
  • Spangle
  • Australische Schecken

Daraus ergeben sich wieder folgende Verpaarungsmöglichkeiten (wobei keine Rolle spielt, ob der Hahn oder die Henne den Faktor trägt):

2F x Normal (also ohne Zusatzfaktor)
= 100 % 1F

1F x Normal
= 50 % 1F, 50 % Normal

2F x 1F
= 50 % 2F, 50 % 1F

1F x 1F
= 50 % 1F, 25 % 2F, 25 % Normal

2F x 2F
= 100 % 2F
 
Zuletzt bearbeitet:
Und wie berechnet man jetzt damit, was bei einer Verpaarung rauskommen kann? Am einfachsten ist es, wenn man die Regeln nach und nach betrachtet und das Ergebnis dann wieder zusammensetzt.
Vorraussetzung ist natürlich, das man die Farbschläge der potentiellen Elterntiere und im besten Fall auch deren Spalterbigkeiten kennt.

WICHTIG: Hält man sich nur an das, was man auch sehen kann, können die Ergebnisse der Berechnung natürlich vom tatsächlichen Ergebnis abweichen.


Beispiel 1

Mal angenommen, man hätte zwei Normal hellgrüne Wellis von denen man weiß, dass sie in blau spalten. Das sieht dann so aus:

1,0 Normal hellgrün/blau
0,1 Normal hellgrün/blau

Betrachtet man diese Paar nach Regel 1 sieht man, dass beide Eltern eine Grundfarbe aus der hellen Farbstufe haben. Also:
Hell x Hell = 100 % Hell

Alle Küken werden also ebenfalls eine helle Grundfarbe haben.

Nach Regel 2 werden 25 % der Küken reinerbig grün, 50 % grün/blau und 25 % blau.
Insgesamt liegt die Wahrscheinlichkeit für optisch grüne Vögel also bei 75 %, die für blaue bei 25 %.

Die anderen Regeln greifen hier nicht, da wir keine rezessiven, geschlechtsgebundenen oder von Faktoren abhängigen Farbschläge verpaaren.


Und wenn man das jetzt alles weiß, kann man errechnen, welche Kombinationen fallen können:
Möglichkeiten aus Regel 1: 1 Stück
Möglichkeiten aus Regel 2: 3 Stück

=> 1 x 3 = 3

Es können also 3 verschiedene Kombinationen fallen:

25 % hellgrün
50 % hellgrün/blau
25 % hellblau

Alle Nachkommen werden die normale Gefiederzeichnung ihrer Eltern bekommen, da nichts anderes im Spiel war.
 

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Und noch eine, weils so schön war. Und bei dieser kann ich das Ergebnis zumindest teilweise beweisen... :D

Zur Zeit sitzen bei mir Rico und Eve in einer Zuchtbox. Rico ist ein Normaler in hellblau, Eve eine dunkelgrüne, spalterbig blaue Spanglehenne

Die Verpaarung würde also wie folgt aussehen:

Normal hellblau x Spangle (1F) dunkelgrün/blau

Nach der Farbstufenregel fallen 50 % Hell und 50 % Mittel und aus Regel 2 können wir schließen, dass 50 % grün/blau und 50 % blau fallen werden.

Da Eve ein einfaktoriger Spangle ist, greift bei dieser Verpaarung auch die Faktorenregel. Und die besagt, dass 50 % 1F (in dem Fall also Spangle) und 50 % Normale fallen.

Zusammengerechnet macht das 2 x 2 x 2 = 8 mögliche Kombinationen:

Normal dunkelblau
Normal hellblau
Normal hellgrün/blau
Normal dunkelgrün/blau
Spangle (1F) dunkelblau
Spangle (1F) hellblau
Spangle (1F) hellgrün/blau
Spangle (1F) dunkelgrün/blau
 

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