Über Vogelhaltung und die Ethik

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  1. Boreas

    Boreas Neues Mitglied

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    Guten Abend,

    Ich habe mir die letzten Tage viele Gedanken darüber gemacht, und zwar speziell über die Haltung von Vögeln.

    Ich hatte in der Vergangenheit schon diverse Tiere, wie Hasen und Hunde, und in meiner Kindheit hielten meine Eltern vereinzelt Wellensittiche.

    Ich habe mich, als ich mir die Nymphensittiche zugelegt habe, vor allem darüber gefreut, den Sittichen singen beizubringen, sowie ihre Neugier zu genießen, denn vor dem Kauf der Beiden habe ich gelesen, dass Nymphensittiche sehr neugierig sind, wie ich das öfters las. Als ich mich jedoch über die Haltung informierte, las ich auch, dass die Sittiche niemals einzeln gehalten werden sollten, was mich erstmal ernüchtert hat. In der Zeit informierte ich mich auch über andere Vögel wie Sonnensittiche Pfirsichköpfchen, Kakadus und Grau Papageien und Co.
    Nach wenigen Wochen verzweifelte ich bei der Suche und wir überlegten uns, vielleicht doch wieder zu Wellensittichen zurück zu greifen, für die es scheinbar mehr Züchter zu geben scheint, auch hatten wie ich anfangs glaubte, bereits Erfahrungen mit Wellensittichen.
    Auf der Suche traten wir mit Haltern und Züchtern in Kontakt, von denen uns eine nachdrücklich sagte, dass sie Wellensittiche nur paarweise verkauft und sich sogar vehement weigerte, einen Sittich einzeln zu verkaufen. Das war für uns ungewohnt, denn alle Wellensittiche, die ich in meiner Kindheit hatte, hielten meine Eltern einzeln. Dann kam ich allerdings etwas ins Grübeln.
    Damals hatten wir mehrere traurige Schicksale unserer Wellensittiche zu beklagen. Einer stürzte sich in ein volles Glas, nachdem meine Mutter für einen Tag nicht zu Hause war, und ertränkte sich. Sie hat ihn handzahm gemacht und sehr viel Zeit für ihn genommen. An einem Tag waren wir alle bis abends weg, und als wir zurück nach Hause kamen, mussten wir die ganze Wohnung nach ihm suchen, bis wir ihn beleidigt in einer Ecke fanden.

    Ein anderer Sittich ließ sich nicht zähmen, bis wir einer Nachbarin für eine Woche auf ihre Sittiche aufpassen mussten. Auch wenn sich die Sittiche nicht für unseren interessierten, so schien er sich so sehr an sie gewöhnt zu haben, dass er ebenfalls einen Tag danach starb.

    Nachdem ich mich lange Zeit über das Verhalten und der Haltung von Vögeln informiert habe, kam ich zunehmend ins grübeln, und riet meinen Eltern davon ab, nochmal einen Wellensittich einzeln zu kaufen. Selbst der Züchter, von dem wir am Ende die Nymphensittiche bekamen, sagte, dass Wellensittiche unter den Sittichen die Emotionalsten sind und verglich die Einzelhaltung eines Wellensittichs mit Einzelhaft.

    Leider schien sich auch er nicht so für die Nymphensittiche zu interessieren, denn als wir ihn über unsere Lage aufklärten, den Käfig und Co., bot er uns trotzdem das männliche Paar an und ignorierte völlig, was ich später noch alles erfahren sollte.
    Die erste Woche mit den Sittichen hat mich eher besorgt als amüsiert. Ich hatte bei der Haltung eines Haustieres das erste Mal keine Spaß, sondern ein schlechtes Gewissen. Mich kümmerte es längst nicht mehr, ob ich den Sittichen singen oder tanzen beibringen kann, oder handzahm machen kann. Ersteres tun die Sittiche primär beim Balzen, das heißt, was uns eher eine Unterhaltung bedeutet, ist für die Sittiche eine höchst intime Bemühung um eine Henne. Sowas kann ich von einem Tier doch nicht verlangen. Damit war ich von diesen "Kunststücken" desillusioniert. Das bedeutet, dass Vögel so emotionale und soziale Tiere sind, dass man sie niemals in einer Weise züchten und domestizieren werden kann, wie es bei einem Hund, einem Hasen oder einem Meerschweinchen der Fall wäre. Ist es demnach wirklich richtig, einfachen Haustierhaltern Vögel anzuvertrauen?

    Dazu kam auch die Haltung im Käfig. Ich bekam einen Käfig geschenkt, der damit beworben wurde, dass er für Nymphensittiche geeignet ist. Augenscheinlich zeigt sich aber, dass Nymphensittiche in diesem enorm eingeengt sind. Die Käfige für unsere Wellensittiche damals waren auch nicht viel größer, aber keiner bei uns schien sich Gedanken darüber zu machen. Jetzt, wo ich kein Kind mehr bin, kann ich nur sagen: egal ob gezähmt oder nicht, Vögel in Plätzen zu halten, in denen sie nicht einmal fliegen oder ihren Alltag führen können, ist reine Quälerei, und wenn ich darüber nachdenke, wie viele in meinem Bekanntenkreis solche Gefängnisse für ihre Vögel bereitstellen, und vor allem, wie Züchter und Händler unerfahrenen Besitzern so etwas auch noch nahelegen, kommen mir die Tränen! Wir empören uns über Boden- oder Käfighaltung von Legehennen, aber es gibt viele, die mit ihren Haustieren nicht viel besser umgehen, und das Schlimmste ist, dass sie von angeblichen Experten dazu auch noch ermutigt werden, das heißt sich nicht einmal eines Fehlers bewusst sind. Ich dachte, vielleicht wird anfangs dann eben eine größere Voliere für die Sittiche genügen, aber mittlerweile glaube ich, dass nicht einmal ein großer Garten ein angemessener Platz für die Haltung von Vögeln sein kann, denn schaut man sich an, was freie Vögel haben, ist das, was wir Menschen ihnen bieten können, fast nichts.

    Der nächste Punkt ist der Freiflug. Das ist wohl das mit Abstand Schönste für einen jeden Vogelhalter. Ich meine was gibt es Schöneres, als endlich mit dem Vogel, für das man Zeit und Geduld aufgewendet hat, es zu zähmen, und mit dem man jetzt die ganze Wohnung oder das Haus teilen kann? Doch irgendwie wird mir mittlerweile auch bei diesem Punkt mulmig. Je nach dem, was für einen Vogel man hält, haben sie in der Wildnis doch eine riesige Freiheit genossen, und Nymphensittiche beispielsweise können ja mit einer Hochgeschwindigkeit fliegen, das heißt ja, dass sie wohl damals eine Menge Freiraum nutzen konnten, und sich so entwickelt haben. Das heißt, als Mensch kann man machen was man will, selbst ein riesiger Garten wäre für solche Vögel zu klein. Wie soll man einen Vogel glücklich halten, wenn dieser am Ende so viele Freiheiten opfern muss? Es gibt sogar Halter, die versuchen, ihre Vögel in Wäldern oder auf Feldern frei fliegen zu lassen. Auf den ersten Blick eine nette Überlegung, aber wenn man bedenkt, dass Vögel Gewohnheitstiere sind, werden sie über die vorige Lage in der Wohnung weniger glücklich sein. Und der Halter kann ja auch nicht jeden Tag mit dem Vogel nach draußen, und ihn die ganze Zeit seine neue Freiheit ausleben lassen.

    Am Traurigsten macht mich jedoch das teilweise selbstzerstörerische Verhalten von Vögeln. Ich habe wirklich bei noch keiner domestizierten Tierart erlebt, dass sich diese selbst beißt, das Fell abzieht, oder aus Frust seine Kameraden attackiert und verletzt, wenn es nicht glücklich ist. Aber Vögel können bei Unbehagen ihre Federn rupfen, bis hin zu sich selbst, oder ihre Artgenossen blutig beißen. Das heißt, dass Vögel so empfindlich sind, dass es einem Menschen doch nicht gelingen wird, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, wenn selbst die Gefahr besteht, dass sie von Ihresgleichen gefährdet werden können.

    Ich habe den Eindruck, je mehr ich mich über Vögel und ihr Verhalten informiert habe, desto unsicherer bin ich mir, ob man Vögel einfach so leichtsinnig jedem verkaufen sollte, der einen will. Vor allem die Vogelmesse, auf der nicht nur "Heim"Vögel, sondern noch richtige Wildvögel präsentiert und verkauft wurden, hat mich negativ geprägt. So etwas habe ich bisher eigentlich nur aus solchen Ländern gekannt, in denen Tierschutz ein Fremdwort ist, und man Tiere mit Sachen gleichsetzt. Ich meine, das sind Lebewesen und keine Dekoration! Aber dort wurden in kleinen Käfigen Vögel in Massen gehalten und präsentiert, schlimmer noch der Transport von ihnen erfolgte in dunklen Taschen. Züchter und Händler können doch unmöglich Vögel auf diese Weise behandeln, ohne sich selbst zu hassen, sie müssen bei der Zucht doch auch viel Zeit und Geduld dafür aufwenden, und ohne Leidenschaft dafür kann das nicht gut gehen!

    Ich bin wohl der Letzte, der nach dem Staat schreit, aber meint ihr nicht auch, dass man gerade bei Vögeln gesetzlich vorschreiben soll, ohne eine umfassende Belehrung des Käufers diesem keine Vögel verkaufen zu dürfen? Ich würde sogar so weit gehen, Halterscheine voraus zu setzen, und meinetwegen die Haltung der Vögel genauer kontrollieren zu lassen, damit diese weder bei Züchtern, die wirklich vermehrt schrecklich mit den Sittichen umgehen, noch bei Haltern solchen schlimmen Bedingungen ausgesetzt sind?
    Ich habe es mit meinen Sittichen wirklich gut gemeint, doch ich gehöre leider auch zu denjenigen, die diesem Herunterreden des Züchters auf den Leim gegangen sind. Jetzt kann man natürlich sagen, dass man selbst schuld ist, und man ja wirklich dämlich sein muss, nur auf ein paar Meinungen und Artikel zu bauen. Leider bringt das mehrheitlich den Vögeln nichts, die dann darunter leiden. Aber man muss meines Erachtens denjenigen, die sich für Vögel interessieren, erklären, dass das keine einfachen Haustiere sind und sie sich dem Alltag des Menschen nicht einfach so anpassen können, wie es andere Haustiere nach Generationen der Zucht und Domestizierung tun.

    Ich hoffe, ich konnte euch meine Bedenken mitteilen. Hier wird es wohl, außer mir vielleicht, kaum Weitere geben, die ihre Vögel nicht artgerecht behandeln, im Gegenteil. Hier habe ich hauptsächlich von Leuten gelesen, die wirklich alles Erdenkliche für das Wohl ihrer Vögel opfern, was ich nicht nur bewundere, sondern was mir zeigt, dass diese Tiere keine sind, die man mal tagsüber für längere Zeit alleine lassen kann. Und gerade deshalb hoffe ich, dass wer sich überlegt, erstmals einen Vogel zu kaufen und aufzuziehen, bedenkt, dass er nicht nur viel Zeit für die Vögel braucht, sondern auch umso mehr Aufwand dafür, ihnen eine angemessene Umgebung bereit zu stellen, wobei gilt: Das Beste ist für Vögel gerade mal gut genug.
     
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  2. #2 Alfred Klein, 24.01.2019
    Alfred Klein

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    Hallo Boreas,
    Ich habe hier eigentlich noch nie eine derart ungewöhnliche und umfassende Zusammenstellung der Probleme der Vogelhaltung und dessen was man an Emotionen hineinbringen kann gelesen. Deinen Text sollte man eigentlich in Medien veröffentlichen.
    Später vielleicht mehr dazu.
    Danke für das Posting.
     
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  3. joerg

    joerg Foren-Guru

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    Guten Morgen,

    du hast dir eine Menge Gedanken gemacht und betrachtest die Situation der Vögel logischerweise durch die menschliche Brille.

    Nimm dir mal die Zeit, die Vögel in der Natur zu beobachten. Ja, sie fliegen, denn sie können es. Wir Menschen können das nicht und haben oft den Wunsch, diese unendliche Freiheit in der Luft auch selbst genießen zu können. Wenn du mal Vögel draußen beobachtest, wirst du feststellen, dass Vögel oft nur dann fliegen, wenn es notwendig ist - Schwalben, Segler, Falken zum jagen. Viele andere ebenfalls, um zu Futterplätzen zu gelangen - oder wenn sie flüchten müssen. Die Rabenkrähe und die Amseln, die ich täglich hier sehe, fliegen meist nicht davon, wenn ich mich nähere, sie hüpfen weg. Das kostet weniger Energie.

    Es gibt durchaus Vögel, denen man "Spaß" am Fliegen unterstellen kann - Alpendohlen oder gerade jetzt oft gut zu beobachten Saatkrähen, die eine teilweise tolle Flugshow vollführen.

    Die großen Schwärme von z.B. Wellensittichen in Australien, die so imposant aussehen, fliegen nicht unbedingt zu ihrem Vergnügen - sie tun das, um an Futter und Wasser zu kommen. Dazu müssen sie teilweise große Strecken überwinden - je nach dem, wo es gerade geregnet hat. Dazu können sie sich auch nicht unbedingt viel Zeit lassen, daher ist es für sie wie auch für Nymphensittiche notwendig, diese großen Strecken schnell zu überwinden.

    Das alles bedeutet nicht, die Vögel, die wir halten zum Energiesparen in den Käfigen zu lassen - nein sie sollen fliegen können, aber ob das jetzt mit Geschirr auf der grünen Wiese sein muss? Freiflug in der Wohnung, wenn die Vögel unter Aufsicht sind, ist durchaus ok.

    Der größte Teil der "bösen" Züchter (ich interpretiere deine Aussage jetzt mal so) kümmert sich bestens um die Vögel, die sie besitzen. Egal ob das jetzt "teure" Papageien oder "billige" Zebrafinken sind, ein Züchter wird seine Vögel immer so behandeln, dass sie sich wohlfühlen und dass damit gezüchtet werden kann. Nein, keiner züchtet, damit er einen Zebrafinken für Centbeträge an den Zoohandel abgeben kann. Oft werden Vögel auf "Vogelmessen" oder auch Vogelbörsen verkauft. Diese Vögel werden natürlich nicht in kleinen Käfigen in Massen gehalten, sie werden zum Verkauf darin untergebracht und dafür gibt es - wie für Käfiggrößen zur dauerhaften Unterbringung - Mindeststandards, die von Verkäufern und Veranstaltern solcher Börsen auch genau eingehalten werden müssen. Die Vögel sind nur für kurze Zeit darin untergebracht - das gilt dann auch für diese dunklen Taschen. Diese dunklen Taschen und die engen Käfige bieten Schutz für die Vögel für die Zeit der Transports, denn darin bleiben die Tiere wegen der Dunkelheit sehr ruhig, sie geraten nicht in Panik und sollten sie doch mal aufgeschreckt werden, besteht keine Verletzungsgefahr.

    Das waren jetzt mal ein paar meiner Gedanken, nicht ganz so durch die emotionale Brille gesehen...

    Gruß
    Jörg
     
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  4. #4 Tussicat, 24.01.2019
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    Boreas, ich finde, Du hast recht.
    Ich sehe das ähnlich.
    Das Vögelchen auf meinem Profilbild hat lange geheult, wenn ich auch nur Richtung Tür gegangen bin. Es hat Jahre gedauert, bis er gelernt hat, dass ich wieder komme.
    Ich erlebe die Tiere auch als sehr emotional, auch wenn ich sie in Paaren halte.

    @Jörg: es geht doch nicht darum, alle Züchter schlecht zu machen. Leider erlebe ich es auf Vogelbörsen und einigen Tierläden so, dass Vögel ohne Nachfrage abgegeben werden.
    Ich kenne nur einen Laden, wo wirklich nachgefragt wurde und einen, wo der Verkauf registriert wurde (was allerdings keinerlei Wirksamkeit hat).
    Wenn die Vögel in der freien Natur gut versorgt sind, dann entwickeln sie Spaß am Spielen, wozu auch das Fliegen gehört. Das ist wie bei uns Menschen. Wenn wir hungern und ums Überleben kämpfen, dann machen wir auch nicht Ausflüge nur aus Spaß.
    Im vorigen Garten hatten wir in der Mitte eine Birke stehen. Die Meisen liebten es, sich an die hängenden Zweige zu hängen und zu schaukeln. Immer wieder .. Der Amselmann liebt es, den höchsten Punkt der Umgebung anzufliegen und von dort herunterzuträllern. Die Rabenvögel (so auch die von Dir erwähnte Dohle) fliegen gemeinsam Kunststücke und die Spatzen balgen sich wie die Kinder, jedoch im Flug.
    Fliegen hat neben dem Spaßfaktor eine wichtige soziale Komponente für die Vögel, so meine Beobachtung. Sozial und emotional gehen nicht sehr weit auseinander, was sich am Bindungsverhalten und der Trauer bei Verlust / Trennung zeigt, auch wenn die Vögel es meist anders und nicht durch Tränen und Geheul ausdrücken.

    Somit darf man den Vögeln schon einiges an Emotionen unterstellen.

    Diese Erkenntis ist allerdings uns Menschen etwas unbehaglich, da wir ja unser Grillhähnchen und unsere Weihnachtsgänse weiter auf dem Tisch haben wollen und möglichst kein schlechtes Gewissen dabei. Mensch schützt sich durch mentale Entfernung von anderen Lebewesen, da viele Grausamkeiten sonst nicht aushaltbar wären.

    Wir haben uns übrigens entschlossen, dass wir, wenn irgendwann unsere Vögel mal nicht mehr sind, keine mehr anschaffen wollen ..
     
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  5. #5 Kleo@Kiwi, 24.01.2019
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    Ich habe jetzt den Vergleich zwischen meinen Zebrafinken und den Aymarasittichen. Die Finken fliegen gerne und beschäftigen sich auch ausserhalb der Voliere vornehmlich damit Nistmaterial überall hinzustopfen. Gerne übrigens auch in die Heizkörper. Aber nach so 3 Stunden verlangt man dann wieder reingelassen zu werden. Und es wird in der Voliere weitergebaut.
    Die Aymarasittiche veranstalten wahre Flugschauen und kommen mir schon mal im Tiefflug entgegen. Trotz 30qm Platz denke ich oft es ist zu wenig. Sie fliegen aus reiner Freude. Ich habe sie noch nicht lange und wurde ausdrücklich auf täglichen Freiflug hingewiesen. Ihnen würde ich noch mehr Platz gönnen.
     
  6. #6 Alfred Klein, 24.01.2019
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    Dem kann ich nicht zustimmen. Denn z.B. die welche den Zoohandel beliefern werden allgemein als "Vermehrer" angesehen und nicht als Züchter. Da geht auch keiner mit einem kranken Vogel zum Tierarzt, von wertvollen mal abgesehen. Den Vögeln wird schlichtweg der Hals umgedreht.
    Und was die Behandlung angeht habe ich schon Dinge gesehen, da kann es einem gruseln, so dreckig und ungepflegt. Zudem schon mal im Keller, kein Krümel Tageslicht. Ich weiß auch von einem, der ist vor ein paar Jahren gestorben, daß er zu den Wellis und Nymphen einen Kakadu hatte. Und weil ihm Papageienfutter zu teuer war bekam der Kakadu auch Wellifutter. So was wie Obst hatte der Vogel noch nie gesehen. Ich habe nach dem Tod des Züchters den Kakadu aufgenommen und ihm so lange er noch lebte ein anständiges Zuhause gegeben. Leider ist er nur wenige Jahre später an Krebs gestorben. Ich vermute mal daß es von der schlechten Haltung her rührte.
    Das ist jetzt nichts emotionales, das sind Fakten!
     
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  7. joerg

    joerg Foren-Guru

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    Die von dir geschilderten Fälle stellen für dich also die Majorität dar?
     
  8. jofri

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    Alfred, der Jörg sagte aber ausdrücklich : "Der grösste Teil .....".
    Klar gibt es genug schwarze Schafe unter den Vogelhaltern. Wer so mit Lebewesen umgeht, kann kein Gewissen haben und unterscheidet sich nicht von Legebatteriebetreibern und Mastbetrieben.
    Aber es sind doch Ausnahmen. In meiner langjährigen Züchterzeit habe ich sehr viele Kontakte geknüpft und viele andere Züchter besucht. Und die Anlagen waren eigentlich nie zu beanstanden. Wenns mal nicht ganz so sauber war, dann aber niemals in einem Zustand, den Du angetroffen hast.
    Muss natürlich auch gestehen : Ich hatte noch nie diese "Billigvögel" wie Zebras, Wellis usw.
    WIe es bei deren Halter aussieht, kann ich nicht beurteilen. Hoffentlich nicht überall so, wie Du
    beschrieben hast.

    Ist wohl wie überall. Geschäftemacher und "Tierquäler" bringen die anständigen Tierhalter mit in Verruf.
     
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  9. #9 harpyja, 24.01.2019
    harpyja

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    Ich sehe das nicht so subjektiv wie Boreas, aber auch nicht so sachlich wie Jörg.

    Vögel trauern, das ist klar belegt - da gibts die verschiedensten Verhaltensweisen, teilweise Rituale, und das das Versterben seines Partners auch den Tod eines Vogels auslösen kann. Ich würde aber anzweifeln, dass der Welli sich wissentlich ertränkt hat oder ein Vogel nach nur einem Tag stirbt - bis der verhungert oder verdurstet ist, dauert das, und genau so wie wir Menschen können die nicht auf Kommando sterben. Vögel und gerade Papageien sind individuell sehr unterschiedlich, der eine Vogel mag sowas ignorieren und der andere hört auf zu Fressen und zu Trinken, der nächste verstümmelt sich selbst - das ist sehr unterschiedlich.

    Was den Spaß am Fliegen angeht: Auch hier spielt diese Individualität mit, denke ich. Grundsätzlich teile ich die Ansicht, dass Vögel das Fliegen nach Möglichkeit vermeiden.
    Ich denke aber, es verhält sich ähnlich wie das Laufen beim Menschen: Wenns geht, möchten wir nicht fünf Kilometer zur Arbeit gehen, wir nehmen lieber das Fahrrad oder noch lieber das Auto. Wenn es einen schnellen Aufzug gibt, benutzt keiner mehr die Treppe.
    Dann gibt es aber die, die absichtlich Laufen und Sport machen. Warum? Gesundheit, Mannschaftsgefühl - und die Gründe, die man auch auf Vögel übertragen kann: Auspowern, Befriedigung durch körperliche Erschöpfung, und vielleicht auch Spaß an der Herausforderung.

    Ich kenne einen Wanderfalken, der sehr gern fliegt. Während der Jagd setzt er sich oft vom Falkner ab und fliegt dann (teilweise einen Kilometer) zum nächsten Hochspannungsmast, wo er sich wie ein Irrer aus hundert Meter Höhe durch die Verstrebungen stürzt, wieder aufsteilt, wieder ganz knapp durch die Streben fliegt und so weiter. Wenn er "fertig ist", kommt er zum Falkner zurück, als sei nichts gewesen. Ich habe nie einen richtigen Grund für das Verhalten gesehen und fand, es sah aus, als gefiel ihm einfach die Herausforderung, da durchzufliegen.

    Haltungseinschränkungen finde ich aber allgemein prima. Wenns nach mir ginge, müsste man auch für Wellensittiche Sachkundenachweis machen und die Haltung von Einzelvögeln sollte unter Geldstrafe verboten werden. Wer die 30 oder 40 Euro dafür nicht hat, sollte keine Vögel halten - dann könnte man ja nicht mal den TA bei der kleinsten Kleinigkeit bezahlen.
     
  10. Lijana

    Lijana Foren-Guru

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    Ich bin eigentlich gegen Vogelhaltung. Es bietet sich natürlich die Frage, warum ich welche halte? Weil es Menschen gibt, die sich einen Vogel kaufen und dann wie eine Sache herzlos abgeben, weil er Dreck macht, weil er krank wird, weil er schreit, undundund.....und solche Vögel nehme ich auf.
    Ich bin der Meinung, das Vögel gehören nicht in die Wohnung oder Außenvolieren und schon mal gar nicht in den Käfig, sondern in freie Natur. Bei meinen ersten Schönsittichen, die ich vor 20 Jahren im Zooladen gekauft habe, habe ich mir auch keine Gedanken gemacht, ob es richtig ist. Dann habe ich mir noch einen Wellensittich zugelegt, welchen ich vom Züchter gekauft hatte. Oh Gott, wenn ich drann denke, wie sich die Wellensittiche draußen bei minus Grad, Schnee und Wind in einer Kugel zusammen gedrückt haben, weil sie gefroren haben......wird mir schlecht. :traurig: Heute weiß ich, dass es falsch war, vom solcher Züchter einen Vogel zu kaufen. Mir tat die Wellis so leid, am liebsten hätte ich sie alle gekauft.

    Meine Vögel machen mir viel Spaß und ich liebe sie, würde sie nie mehr hergeben. Andersrum, wenn es nicht Züchter geben würde, hätte ich heute keine Vögel gehabt.
    Trotzdem.....ich würde in der Zukunft lieber auf Vögel verzichten, auch wenn es mir sehr schwer fallen würde, als die ganze Züchterei und Geldmacherei mit Vögel zu unterstützen. Vor allem, weil es so viele Käufer gibt, die keine Ahnung über Vögel haben oder die Vögel werden als Spielzeug gekauft und dann weggeworfen.
    Dann gibt es nur viel zu wenige VK Tierärzte. Dazu kommt noch, dass nur die wenige Halter wissen, wie wichtig ist mit einem kranken Vogel zum VK TA zu gehen. Dann landen die arme Tiere bei falschen Tierärzten, die den Vogel falsch, bzw. zu Tode behandeln, was für die Vögel eine Quällerei bedeutet.
    Ich kann nicht mal nachdenken, weil es mir mein Herz zerreißt, wieviele Vögel habe ich dank den nicht VK Tierärzte verloren. Und nicht nur verloren.....ich habe schreckliche Fälle erleben müssen. Zbsp. Ein TA hat mein Schatz Tweety, die ich wie Ei gepflegt habe, mit einer Spritze ins Herz getötet!8o:heul: Ich habe sie in meiner Hand gehalten. Es war grausam, möchte und kann es nicht näher beschreiben. Es liegen so viele Jahre her und mich verfolgt es immer wieder, hatte sogar Alpträume gehabt.....ich kriege es nie mehr aus meinem Kopf raus, nie mehr. 0l:heul:

    Ich denke, nach dem, was ich schon alles mit Vögel,Tierärzte und Züchter erlebt habe, ist es kein Wunder, dass ich schließlich gegen züchten bin. Denn wenn nicht gezüchtet wird, wird es auch kein unnötiges Vogelleid geben.
    Ich glaube schon, dass es auch Verantwortungsvolle Züchter gibt, die sogar mit Liebe Vögel züchten, aber...... Hand aufs Herz.... wieviele sind das? Und wieviele Halter geben den Vögeln das, was sie wirklich brauchen, inklusive tierärztliche Versorgung?
     
  11. jofri

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    Lijana, Du hast ein grosses Herz und liebst Tiere. Deine Sicht, bezüglich Vogelhaltung ist sehr
    anklagend. Der grössere Teil der Vogelhalter behandelt seine Pfleglinge aber anständig. Das siehst Du zu pessimistisch. Ausnahmen und Missstände wurden ja schon angesprochen.

    Wenn Du schon so radikal denkst ( "alle in die freie Natur"), dann musst Du auch gegen jegliche Tierhaltung sein. Hunde, Katzen, Rinder, Kaninchen, Hühner, usw., usw., alle eingesperrt.
    Alle Tiere nur in freier Natur ? Denkst Du nicht etwas zu naiv ? Und dann müsstest Du ja auch Veganierin sein.

    Wenn Du jetzt mit dem Argument kommst, das sind doch domestizierte Haus- und Nutztiere, dann schau Dir mal einen Wellensittich oder Kanarienvogel an, die haben mit einem Wildvogel auch gar nichts mehr gemein.
    Und : Verglichen mit Schweinemästereien, Legebatterien, u.a., sowie z.B. Qualzuchten bei Hunden und Katzen - da haben die meisten Vögel in unseren Volieren noch ein schönes Leben.

    Glaube mir, die meisten Vogelhalter sind auch Tierfreunde und gehen pfleglich mit Ihren Gefiederten um. Bitte nicht alle über einen Kamm scheren.
    Diese heile Welt, die Dir vorschwebt gibt es nicht.
     
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  12. jofri

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    Lijana, ich hätte da noch einen Gedankenanstoss bezüglich Deiner Gedanken zum Tode Deiner Lieblinge.
    Man kann nicht jedes kranke Tier retten. Und die (von Dir gepriesene) Natur ist viel grausamer.
    Fressen und gefressen werden. Zeigt ein Vogel eine Schwäche, fällt er unweigerlich einem Greifvogel zum Opfer. Und das ist gut so. Die Stärksten müssen überleben. Draussen gibt es keine Tierärzte. Alle Tiere, die Du wieder hochpäppeln willst oder zum Tierarzt bringst, haben dort gar keine Chance.
    Du darfst sehr gerne um Deine Lieblinge trauern, aber Du musst auch den Tatsachen in die Augen schauen.
    Was ich grausam finde, und was mir das Herz zerreisst : Der gedankenlose Umgang mit Pestizieden, Verödung durch Monokulturen, Zermähen von Rebhuhn- oder Braunkehlchen- und
    Lerchengelegen mit Agrarmonstern und die weitere Duldung von Vogelmord in grossen Teilen Südeuropas. Das ist leider alltäglich in der freien Natur.
     
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  13. #13 Alfred Klein, 24.01.2019
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    Man könnte fast Ja sagen. Das Problem liegt jedoch mehr bei den Behörden. Ich weiß daß solche Hobbyzüchter eigentlich nur einmal im Leben kontrolliert werden wenn sie eine Zucht anmelden. Wobei ich gar nicht weiß ob Hobbyzucht überhaupt angemeldet werden muß, denke aber schon. Und wegen fehlender Kontrollen gibt es eben Mißstände. Das dürfte bei gewerblicher Zucht nicht anders sein, es war ja in der Presse daß Nutztierzüchter im Schnitt nur alle 50 Jahre kontrolliert werden, in Bayern sogar nur alle 70 Jahre. Das ist kein Witz, das ist erwiesen.
    Tja, wenn die Alle praktisch sicher sein können daß sie machen können was sie lustig sind dann kommt es zu den von mir beschriebenen Zuständen.
    Ich habe nur zwei herausragende Vogelzüchter erlebt. Einer mit Papageien, da hatte jedes Paar man kann sagen einen Palast, sprich ein ca. zimmergroßes massives Gartenhaus welches täglich gereinigt wurde. Er hatte nur fünf solcher Gartenhäuser.
    Der Zweite züchtete Wellis mit Inbrunst. Seine, er hatte ungefähr 30, waren allesamt handzahm und wenn er die Riesenvoliere betrat saß der gesamte Verein ihm auf den ausgestreckten Armen, auf Schultern und Kopf. Das waren unvergessene Erlebnisse für mich.
    Im Gegensatz gibt es hier in der Region einen gewerblichen Papageienzüchter der die Tiere verkauft bevor sie futterfest sind, angeblich damit sie schneller zahm werden, die Käufer bleiben alleine gelassen. Im Endeffekt kommen die welche das überleben zu Tierschützern welche die halbverhungerten Vögel mühsam wieder aufpäppeln. Ich habe die Vögel bei einem Tierschützer gesehen, ich hätte heulen können.
    Manchmal denke ich, ich hätte zuviel gesehen.
     
  14. #14 Alfred Klein, 24.01.2019
    Alfred Klein

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    Doch, exakt das machen die Vermehrer. Die verkaufen einen Welli für drei bis fünf Euro. Und wenn im Zooladen, bei weitem nicht bei jedem, einer krank wird nimmt der Vermehrer ihn zurück. Du wirst ja wohl nicht annehmen daß so einer mit dem Vogel dann zum Tierarzt geht`? Einfach mal hinter die Kulissen blicken, ja?
    Wegen Zooläden, da muß ich die Dehner-Märkte loben. Sauber, ordentlich und wenn ein Tier krank wird, egal welches, vielleicht nicht bei kleinen Fischen, dann kommt der Tierarzt. Das weiß ich definitiv. Und die kaufen die Tiere auch nicht von jedem ein.
     
  15. #15 mäusemädchen, 24.01.2019
    mäusemädchen

    mäusemädchen -

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    Michael Reynolds (Gründer des World Parrot Trust) hat vor vielen Jahren das Schreiben eines WPT-Mitglieds veröffentlicht:

    "Das Wohlergehen als Heimtiere gehaltener Papageien und einige Hinweise zur Rettung von Papageien

    Aus dem Englischen übersetzt von Franziska Vogel

    Die Auswilderung von Papageien in deren ursprüngliche Habitate, die Regenwaldgebiete, stößt zunehmend auf Probleme, weil die Habitate in ihrer ursprünglichen Ausdehnung kaum noch vorhanden sind, Rodungen die Wälder zerstören und Wilderer unter oft grausamen Begleitumständen die Bestände dezimieren und die gefangenen Tiere in alle Welt verschifft werden. Sobald im Zusammenhang mit Papageien monetäre Aspekte (Geld) eine Rolle spielen, werden stets Kompromisse und Zugeständnisse gemacht und die Papageien werden die Verlierer sein - und dies unabhängig davon, wie ambitioniert und wohlmeinend die Organisation, wie prominent die "Sammler", wie "besorgt" die Züchter sein mögen.

    Warum züchten wir sie? Um die Art zu erhalten? Wozu? Um mehr Nachzuchttiere zu produzieren, die dann in mehr Zoohandlungen, mehr Sammlungen oder Privathaushalten, in denen die Eigner sie den ganzen Tag in einem, meist zu kleinen, Käfig mit der hinlänglich bekannten Schale Körnerfutter halten, bevor sie ihrer überdrüssig werden und sie in einer dunklen Garage (sehr üblich) in den "Ruhestand" zu verfrachten, oder sie dem nächsten "Papageien-Fan" zu verkaufen. Sollten Sie Zweifel an dieser Darstellung haben, lesen Sie die Inserate unter der Sparte "Vögel" oder "Suche, verkaufe" in den entsprechenden Seiten Ihrer Zeitung, oder besuchen Sie Auktionen mit unerwünschten Vögeln, die mit ähnlich viel Mitgefühl wie für einen Gebrauchtwagen verkauft werden.

    Wir möchten aus den Papageien "gefiederte Mitmenschen" machen, die unsere Stimmen nachahmen. Wir berauben sie aller "Papageienhaftigkeit", wenn wir ihnen die Möglichkeit des Fliegens vorenthalten und sie strafen, wenn sie schreien, beißen oder Schmutz und Unordnung verursachen. Wahrscheinlich wird kaum eine andere Kreatur so der natürlichen Elemente ihrer Umgebung beraubt wie ein Papagei in Gefangenschaft.

    Papageien hätten niemals in Gefangenschaft (unter Menschenobhut) gehaltene Heimtiere werden sollen! Papageien, die derart konstante Zuneigung benötigen, reagieren extrem empfindlich auf Stress und Veränderungen und sind daher so oft gerupft und verstümmelt. Federrupfen und Selbstverstümmelung sind Zustände, die in der Wildnis eigentlich unbekannt sind. Diese Zustände gibt es nur in Menschenobhut.

    Ein bekannter amerikanischer Vogel-Tierarzt hat gesagt, dass es ca. .......... unerwünschte Vögel gäbe - wahrscheinlich eine sehr vorsichtige Schätzung. Zoos werden überhäuft mit Angeboten von Papageien, deren Eigner ihrer überdrüssig geworden sind, weil sich beispielsweise an ihren Lebensumständen etwas geändert hat. In Holland gibt es zur Zeit eine Papageien-Aufnahmestation, in der viele geschädigte Vögel untergebracht sind. Warum züchten wir noch mehr?

    Wir sollten lieber für die Vögel Sorge tragen, die bereits da sind. D. h.: Wiedereingliederung der schlimmsten Fälle und eine bessere und liebevollere Betreuung der vorhandenen Vögel! Ein durchschnittlicher Papagei muss 15 - 20 Mal in seinem Leben ein neues Zuhause finden. Stellen Sie sich den Stress jedes einzelnen Vogels bei jedem Wechsel vor. Diebstahl, der heutzutage ja alltäglich ist, ist unerhört traumatisch für die Vögel und könnte oft vermieden werden. Große "Freiflug"-Volieren, die ordentlich gegen (menschliche und tierische) Räuber gesichert sind, bieten wahrscheinlich die einzig logische Lösung für Papageien in Gefangenschaft und im Besitz einfühlsamer Eigner. Käfige, welcher Größe auch immer, sind oft nicht mehr als einsame Gefängnisse.

    Ich fragte einmal einen ausgewiesenen, gut beleumundeten Züchter: "Machen Sie sich niemals Sorgen darüber, was mit ihren schönen Papageien-Babys am anderen Ende der Straße passiert, sobald sie einmal verkauft sind?" Seine Antwort lautete: "Daran können Sie nicht mehr denken, wenn Sie im Geschäft sind!" Dies ist für mich und zumindest für die Papageien inakzeptabel. Ich vermute, dass ich darum niemals Papageien verkaufen oder mit ihnen Geld machen können würde. Wenn ich nicht mehr für sie sorgen könnte, würde ich ihnen ein bestmögliches neues Heim suchen - aber verkaufen würde ich sie eben so wenig wie meine eigenen Kinder.

    Vergessen wir niemals die tatsächliche Lebensqualität, die wir Papageien im glorreichen Namen von "Tierschutz", "Rettung gefährdeter Arten" etc. bieten - alles noble Phrasen. Befassen wir uns mit der Realität jener Papageien, die diesen Planeten bereits mit uns teilen!

    Ich bete inbrünstig um eine freundlichere Zukunft für alle Papageien und speziell in ihrem Interesse um eine Erleuchtung der menschlichen Rasse, von der sie in allem abhängig sind. Wir fangen sie ein, also schulden wir ihnen das Beste von uns selbst."
     
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  16. joerg

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    Nein, das Problem liegt nicht bei den Behörden! Es muss doch nicht alles und jeder vom Amt kontrolliert und überwacht werden. Lebensmittelerzeuger nehme ich explizit davon aus.
    Du hast nicht wirklich Ahnung wovon du schreibst
    meldest dich aber mit "Fakten" zu Wort. Nein, jeder der sich ein Pärchen Kanarien zulegt, kann damit eine Hobbyzucht betreiben, ohne von Behördenvertretern besucht zu werden.

    Gruß
    Jörg
     
  17. joerg

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    Ich sehe, du kennst dich aus. Ich kenne keine Vermehrer, diesen Begriff kenne ich nur aus den Vogelforen. Ich kenne aber eine ganze Menge Züchter, die mit sehr viel Idealismus und Sachverstand die ihnen anvertrauten Vögel pflegen und ja, auch züchten. Da sind Leute dabei, die verschiedene Farbschläge von Zebrafinken züchten oder Kanarien, sowie eine Menge Leute, die Cardueliden und Weichfresser halten. Es wird hier den einen oder anderen geben, der bestätigen kann, dass die Haltung und Zucht von Mexikanischen Zeisigen oder Schwarzkopfkernknackern oder Hüttensängern nicht geht, wenn man seine Tiere in dreckigen, kalten Kellerlöchern bei Billigfutter und ohne intensiven Einsatz hält. Diese Tiere wirst du auch in keinem Dehner Zooladen finden.

    Und was deinen "5,- Euro" Wellensittich angeht, ich gehe auch mit einem solchen Tier zum Doc, wenn es krank ist. Manchmal denke ich, du bist sehr in der Vergangenheit verblieben, wo manche mit ihren Tieren nicht zimperlich gewesen sind, aber das hat sich zumindest in den Kreisen, in denen ich verkehre, grundlegend geändert.

    Gruß
    Jörg
     
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  18. jofri

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    Alfred, Du musst schon wirklich schlimme Sachen erlebt haben, um so gefrustet zu sein.
    WIe schon geschrieben, ich habe dies in über 40 Jahren Vogelhaltung, -züchtung, -vermehrung
    so krass noch nie erfahren. DIe wahrscheinliche Erklärung, es kommt wohl auch auf die jeweilige Vogelart an. Die Vögel, die ich habe, brauchen z.B. eine ganz andere Pflege und Unterbringung, als mancher Krummschnabel, der sein Leben in einem Käfig oder einer Zimmervoliere fristen muss. Auch sind mir 80cm Zuchtboxen, überfüllte Behausungen oder Massenhaltung, um Vögel zu "produzieren", ein Greul.
    Und wegen Behörden : Bei mir war noch nie jemand vorstellig. Einer Zuchtgenehmigung hat es auch nicht bedurft. Aber schon aus Liebe und Respekt zu meinen Vögeln werden die so versorgt, dass jederzeit ein Besuch kommen könnte - auch von Dir !
     
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  19. jofri

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    Danke Joerg.
    Das hätte ich nicht besser ausdrücken können. Bekanntlich züchte ich ja Weichfresser. Und bei einer, wie von Dir angeführten Versorgung, bräuchte ich nicht mal an Nachwuchs zu denken.

    Das ganze Problem, über das wir uns jetzt streiten ist doch diese verdammte "BILLIGHEIMER"-Mentalität. Sehr schade für unser Hobby und schlimm für unsere Vögel.
     
  20. joerg

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    Ich hatte die besagten Mexicozeisige, Schwarzzeisige, Trauerzeisige und viele andere Arten. Aktuell habe ich aus beruflichen Gründen keine Tiere mehr, denn ich kann mich nicht so darum kümmern, wie es für die Tiere gut wäre. Deswegen wehre ich mich auch so vehement gegen die Pauschalisierungen der Wohnzimmerhalter.
    Bevor ich mir z.B. die Mexikaner zugelegt habe, standen diverse Züchterbesuche auf dem Programm, um mich über alles rund um diese Art zu informieren. Hier glauben viele, reichte eine Frage in einem Vogel"fach"forum, um erfolgreich irgendwelche Vögel halten zu können. Ich glaube, ich könnte mir jetzt gerade die Finger wund schreiben, aber das wäre wohl nicht so gut :D
     
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