Vogelhaltung und Zucht, wohin geht der Weg?

Diskutiere Vogelhaltung und Zucht, wohin geht der Weg? im Allgemeines Vogelforum Forum im Bereich Allgemeine Foren; Liebe Vogelfreunde, ich mache mal wieder einen Versuch. Es ist ja nicht das erste mal hier im Forum, glaube ich, dass man sich Gedanken über die...

  1. alfriedro

    alfriedro Wildfang

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    Liebe Vogelfreunde, ich mache mal wieder einen Versuch. Es ist ja nicht das erste mal hier im Forum, glaube ich, dass man sich Gedanken über die Zukunft von Haltung und Zucht der exotischen Vögel machen kann und sollte.
    Verschiedene Gedanken dazu möchte ich gerne mal ansprechen, hier mit Euch, und Fragen klären, die mir immer dringlicher erscheinen. Denn ich habe in meiner "Karriere" als Vogelliebhaber doch signifikante Veränderungen in Punkto Avikultur wahrnehmen können, weiß sie aber nicht recht einzuordnen.

    In der "Gefiederten Welt" kann man ganz aktuell den Trend wahrnehmen, zumindest kommt mir das so vor, dass Vogelhaltung und Zucht zu einem Nischendasein zusammenschmilzt, dass die Bestände in den Volieren anscheinend immer kleiner werden, dass die Zuchtziele immer mehr auf die Vermehrung und Kreation neuer Mutationen setzen und immer weniger auf die Erhaltung der Geschöpfe, die uns die Natur beschert hat. Darüber wurde hier schon trefflich diskutiert.

    Im Editorial der GW hat Dietmar Schmidt den Vorsitzenden des VZE, Herrn Dr. Günther zitiert, der auf seiner Rede zum 60-jährigen Bestehen des Vereins Stellung bezog zur Tradition der Vogelhaltung, zur Vogelhaltung als Kulturgut und insbesondere als Notwendigkeit in der heutigen Zeit um die Menschen daran zu erinnern, dass wir Menschen Teil der Lebensgemeinschaft auf unserem Planet sind. Gewiss kann man sich auch ohne Vogelhaltung als Naturliebhaber fühlen und die Natur mit all den Tieren dort suchen, wo sie ist. Also wäre das für mich eine erste Frage, ob Vogelhaltung und Zucht ein Beitrag zum Naturschutz und für die Naturkunde nützlich ist.

    In einem weiteren Artikel der seit Jahren immer magerer werdenden Fachzeitung für Vogelliebhaber und Ornithologen kann man in einem Beitrag über die Gründung eines neuen Grassittich-Projekts entnehmen, dass sich die Meldungen der Nachzuchten von 3 Grassitticharten allein bei der AZ von 2010 bis 2012 halbiert, beim Feinsittich sogar auf 10% verringert hat. Ob es an der Vereinspolitik liegt oder einem allgemeinen Trend nicht mehr zu deklarieren oder gar nicht mehr zu halten, lässt der Artikel offen.

    Das Grassittich-Projekt setzt vor allem auf die Erhaltung der Wildformen, wofür sich ja vor einigen Jahren eigens eine Initiative bildete, um Interessenten der Erhaltung der einzelnen Vogelarten als Wildformen zusammen zu führen. Das Interesse an einer Beteiligung war sehr verhalten und ist schließlich eingeschlafen. Ein zentrales Zuchtregister z.B. für Gouldamadinen wurde begonnen und wird anscheinend nicht (?) weitergeführt, weil die Kommunikation nicht recht in gang kam, weil das Interesse an einer Zusammenarbeit von Vereinen und Verbänden nicht recht aufkommen will. Ich bin gespannt auf den neuen Vorstoß für den Erhalt der Grassittiche. Wäre also meine zweite Frage: Wie bekommt man die Interessenten an der Erhaltung einer Vogelart in ihrer ursprünglichen Erscheinung zu einer institutionalisierten und semiprofessionellen Erhaltungszucht zusammen an einen Tisch? Wie kann der Austausch gefördert werden auch ohne zwangsweise Mitglied in einem Verein oder Verband zu werden? Ist es überhaupt sinnvoll nicht in einem Verein aktiv zu sein?

    Die Kultivare der Vogelzucht werden in Ausstellungen präsentiert und prämiert. Der züchterische Ehrgeiz und der mit der Schaffung neuer Farben oder Formen verbundenen "kleinen Aufwandsentschädigung" geht verstärkt in diese Richtung. Meine dritte Frage: Die große Nachkommenschaft der nicht nachzuchttauglichen Exemplare - wo verbleiben sie? Denn der Zoohandel - zumindest in meinem Aktionsbereich - setzt immer weniger Vögel ab und halten fast nur noch die stark domestizierten Arten in ihren Beständen.

    Von einigen älteren Herren, die sich der Vogelhaltung verschrieben haben, bekam ich berichtet, dass die lokalen Vereine immer weniger werden und sich auch immer weniger Nachwuchs Interesse an Vogelhaltung und am Austausch von Erfahrungen zeigt. Noch so eine Frage: Findet das Vereinsleben jetzt in den Foren statt?

    Vogelhaltung und Zucht ist in den letzten Jahren immer wissenschaftlicher geworden. Dank der Erfahrungen der Halter und Züchter, dank der immer besser werdenden Erkenntnisse aus Naturbeobachtungen und auch der gezielten Forschung über Ernährung hat sich die Vogelhaltung verbessert, immer mehr heikle Arten lassen sich vermehren und erhalten. Auf Naturentnahmen, so die Hoffnung, kann man beizeiten verzichten, das ist eine Annahme von mir. Ich behaupte, dass man durch die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Tieren, auch andere als Vögel, ein tieferes Verständnis über verborgene Zusammenhänge in der Natur erlangt. Ist jetzt mal wieder eine Frage: In welchem Umfang fließen diese Erkenntnisse in die allgemeine Naturkunde ein?

    Meistens ist die Beschäftigung der Menschen mit den Tieren mit einem Nützlichkeitsaspekt verbunden. In der Landwirtschaft wird vor allem Energie in die Steigerung von Leistungsfähigkeit gesteckt. Worin liegt die Nützlichkeit bei der Haltung und Zucht exotischer Vögel, wenn diese ketzerische Frage erlaubt ist? Hat die Vogelhaltung einen sozialen, pädagogischen oder therapeutischen Aspekt auf ganz bestimmte Gruppen? Welche Rolle spielt sie dann in der heutigen Zeit der Rationalisierung aller Lebensbereiche? Wenn darin ein positiver Sinn zu finden ist, wie kommt es, dass die Beteiligung einer solchen Kulturform rückläufig ist? Liegt der Grund in einer vermeintlichen Egoisierung der Menschen in der heutigen Zeit? Das heißt zuweilen Abgrenzung vom Anderen, Hervorheben der eigenen besonderen Qualitäten um jeden Preis, Streben nach Gewinn oder Renommee. Oder kriegen die Jungen - Verzeihung - den Arsch nicht hoch? Oder ist ein Vogelhalter schrullig, altertümlich und zu belächeln?

    Letzte Frage: Ist es den Tieren nicht eigentlich egal, was wir Menschen wollen und nicht viel wichtiger, was sie selber wollen? Darin versteckt sich jetzt die Naturschützerrethorik, die teils berechtigt, teils romantisierend die Tierhaltung im Allgemeinen und die Vogelhaltung im Besonderen bekämpfen will. Wie muss Vogelhaltung und Zucht in Zukunft gestaltet werden, wenn sie diesem ethischen Grundsatzaspekt gerecht werden will und auch muss? Auf einem für mich anschaulichen Pfad ist der VZE gegangen, der Ausstellungen gestaltet, in denen Tiere in einem natürlichen Umfeld präsentiert werden und der Standards für eine ethisch vertretbare Haltung der Tiere erarbeitet.

    Bitte bitte, seid mir nicht böse über soooooo viel Text. Seid fleißig und antwortet bitte bitte auf die vieeeelen Fragen. Es würde mich schon sehr freuen, wenn das Interesse an diesen grundlegenden Fragen zu einem ernsthaften gesellschaftlichen Disput würde. Denn ich bin der Meinung, dass die Vogelhaltung und Zucht ein wertvolles Kulturgut ist, egal jetzt ob mit Schauzucht oder Erhaltung der Wildformen, denn beides sollte selbstverständlich mit großem Gewissen betrieben werden.

    Grüße, Al
     
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  3. Nils

    Nils Foren-Guru
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    Hallo,

    ich habe gerade deinen Artikel gelesen und muss sagen viele Punkten die du angesprochen hast finde ich richtig und kann sie voll kommen nachvollziehen.
    Auch einige der Fragen habe ich mir selbst schon gestellt und weißt leider keine Antwort darauf...
    Meine Meinung zu einigen Fragen,

    1. Ja Vogelhaltung/zucht ist ein Beitrag zum Naturschutz und zur Naturkunde der Halter. Man kann aus keinem Buch, dem Internet oder anderen Medien so viel lernen wie von der Natur direkt. Erst wenn man Sachen selbst sieht, eigene Erfahrungen macht und selbst "neues" entdeckt hat man es oftmals wirklich Begriffen.

    2. Zum Thema der Verbände und dem Austausch. Ich selbst (19Jahre, 6Jahre in der Vogelzucht) habe Ende des letzten Jahres meine Mitgliedschaft in "meinem" Ortsvogelverein gekündigt. Das hat den einfachen Grund das ich dort niemanden gefunden habe der meine Ansichten der Vogelzucht unterstütz hat. Ich wurde lediglich belächelt mit meinen Vögel die zum größten Teil keine Ausstellungstiere sind sondern viel zu Scheu, uninteressant oder anderes sind um sie auf eine Ausstellung zu lassen. Auch störte mich als einziges Jugendliches Mitglied das keinen Elternteil im Verein hat, das in etwa 5 Jahren Mitgliedschaft ich nie bei einem Vereinskollegen war und auch nie jemand bei mir. So viel zu Thema Zusammenarbeit und Unterstützung. Da kann ich verstehe wenn den Vereinen der Nachwuchs "ausstirbt". Für mich ist dieses Forum hier ein viel wichtiger Punkt für Informationen als der Verein, auch habe ich hier Kontakt zu viele die eine Vogelhaltung ähnlich sehen wie ich.

    Zur dritten Frage kann ich nichts sagen, außer das in meinem Umkreis von etwa 30km keine Zoohandlung mehr lebende Vögel verkauft, was für mich Vor- und Nachteile hat.

    Zur nächsten Frage habe ich mich schon geäußert.

    Die Erkenntnisse fließen bei mir stark in die Naturkunde ein. Ich mache gerade mein Abitur und ich kann durch mein Hobby immer wieder neue oder andere Aspekte z.B. im Biounterricht oder im Fach Ernährungslehre einbringen. Das bringt mich persönlich und auch andere weiter.
    Ich bin sogar Momentan am Überlegen ob ich nicht ein Biologiestudium anstreben sollte. Ich weiß nicht ob mein Interesse an Natur und Umwelt auch ohne die Vogelhaltung/zucht so wäre wie es jetzt ist. Außerdem je besser man Natur und Umwelt kennt desto eher schütz man diese oder hat überhaupt Interessen daran!


    Die nächste Frage ist sehr interessant, in wie weit hat die Vogelhaltung einen positiven Einfluss?
    Meiner Meinung hat sie das definitv, Vogelhalter selbst müssen zuverlässig, interessiert und lernbereit sein wenn sie ihr Hobby richtig ausschöpfen, sie sind daher eine Bereicherung für die Gesellschaft. Jeder kann Vögel halten, aber wer wirklich Interesse hat möchte seinen Tiere eine gutes Umfeld schaffen, was einiges an Aufwand erfordert. Auch fördert meiner Meinung ein früher Umgang allgemein mit Tieren das Verständnis für die Natur und beeinflusst Menschen positiv.

    Zur letzten Frage:
    Eigentlich sollte man sich diese Frage meiner Meinung sparen können, denn wenn jeder Vogelhalter/züchter einen Verantwortungsvollen Umgang mit seinen Tieren hat, gibt es für Naturschützer nichts auszusetzen. Die Bedürfnisse der Tiere sollten sich in diesem Fall mit Kenntnisstand und dem Arbeitsaufwand der Halter decken, sodass immer möglichst optimale Bedingungen für die Tiere herrschen. ich weiß selbst das das ein Wunschdenken ist, aber wenn jeder sich bemüht und sein bestes gibt kann man dem wenigstens Nahe kommen!

    @ Al, ich hoffe ich konnte damit einen Beitrag zu einem ernsthaften Disput leisten. Und möchte noch einmal bekräftigen das ich deinen Ansatz hier sehr gut finde!
     
  4. Joerg

    Joerg Guest

    Welche waren das denn?
    Einstellung des Verkaufs von einheimischen Wildfängen, weil man sich erhoffte, dass sich die Bestände der verschiedenen Arten erholen mögen?
    Nachweispflicht?
    Importstopp, wegen Vogelgrippe?
    Weg von der Haltung und Zucht von wildfarbenen hin zu „besser“ verkäuflichen Mutationen?
    Meinen PC schalte ich ein und wenn ich nicht mehr spielen will, schalte ich ihn aus … das geht bei den Tieren nicht. Interessensgebiete verlagern sich. Das ist egal, ob das die Modelleisenbahn, Vögel oder Handball ist. Alles was mit Verpflichtungen verbunden ist, ist Mist!
    Als Vogelhalter bin ich nicht von vorneherein ein Naturschützer aber ich habe, Interesse vorausgesetzt, einen besseren Zugang dazu! Wenn ich mich nämlich bemühe, mein Tier kennen zu lernen und zu verstehen (und nicht auf meine Bedürfnisse zu konditionieren), dann lerne ich viel über das Tier und seinen Lebensraum, seine Lebensweise und Lebensumstände. Dann weiß ich, dass z.B. Ausfliegen aus dem Nest etwas Natürliches ist und dass die Natur keinen Profi-Päppler braucht, um Jungvögel aufzuziehen! Dann sehe ich, welche Pflanzen z.B. ein Girlitz anfliegt, um davon zu fressen. Ich weiß dann, dass ich meinem Kanarienvogel dieses Futter eben auch anbieten kann. Dann werde ich im Sinne des Naturschutzes z.B. die Giftspritze im Keller lassen und den Löwenzahn lieber verfüttern als zu vergiften… Dann lasse ich meine Mieze während der Brutzeit im Haus und freue mich daran, Jungvögel und andere Jungtiere im Garten zu haben.
    Natürlich geht das alles auch ohne eigene Tiere, aber mein Blick auf die Natur schärft sich, wenn ich einem Tier, das ich in meiner Obhut habe, etwas Gutes bieten will – nämlich ein möglichst an natürliche Verhältnisse angelehntes Dasein.
    Ich habe hier gelernt, dass Gut und Gut nicht immer das Gleiche ist …
    Computer an: In Foren kann ich schreiben, ohne Punkt und Komma, ich hole mir Informationen ohne Bitte und Danke und irgendwann bin ich wieder weg - und …Computer aus!
    Warum sollte ich in einen Verein gehen, um mich zu irgendetwas zu verpflichten? Vielleicht werde ich zu Arbeitseinsätzen herangezogen (Nistkästen reinigen, Ausstellungen auf- und abbauen). Im Internet dagegen bekomme ich, was ich brauche, und ich verpflichte mich zu NICHTS!
    Ich kann hier so richtig DICK auftragen, man kennt mich ja nicht. Ich kann meine Fachkenntnisse bei tollen Projekten einbringen und muss trotzdem keinen Handschlag für’s Projekt tun – ist ja alles virtuell!
    Nur weil viele Züchter ihre eigenen Ärzte und Apotheker geworden sind?
    Ich glaube ich nicht, dass das wirklich so ist. Es gibt einige Menschen, die sich ernsthaft mit der Tierhaltung beschäftigen, aber es sind eher weniger als früher (zahlenmäßig) aber der Anteil der „ernsthaften“ ist größer. Unsere medizinischen Kenntnisse sind besser geworden, auch haben wir mehr Medikamente, die im Krankheitsfall gegeben werden können. Arten, die von Jahren als hinfällig galten, können jetzt gehalten und gezüchtet werden, weil Futter- und Haltungsansprüche besser bekannt sind und im Notfall Hilfe da ist… Ob davon jetzt was in die allgemeine Naturkunde hineinfließt, wage ich zu bezweifeln – aber wir haben gelernt und das ist wichtig!
    Zu jeder Freizeitbeschäftigung muss man einen „Zugang“ bekommen… Beim Sport in der Jugend passiert durch Klassenkameraden, bei der Haltung von Tieren mag es andere Zugänge geben (der erste Wellensittich von der Tante). Entweder ist das die Initialzündung oder eine kurze Verpuffung! Wenn es zündet, dann ist die Entwicklung nicht vorhersehbar…
    Vogelhaltung ist nicht gleich Ausstellungswesen. Ausstellungen nehmen nur einen kleinen Teil des Jahres ein und können unvoreingenommenen Leuten einen kleinen Einblick vermitteln. Standards für z.B. eine ethisch vertretbare Haltung sind ja eher Mindestanforderungen, die es zu übertreffen gilt, oder?

    Gruß
    Jörg
     
  5. #4 IvanTheTerrible, 27. Februar 2013
    IvanTheTerrible

    IvanTheTerrible Guest

    War doch mal eine gute Zusammenfassung.:beifall:
    Ivan
     
  6. Ingo

    Ingo Herpetophiler Geierfreund

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    Gilt übrigens alles 1:1 auch für Reptilien
     
  7. Raphael

    Raphael Vogelverrückter

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    Zum drittletzten Absatz:
    Dass das allgemeine Interesse an der Vogelhaltung und Vogelzucht rückläufig ist, trifft sicher zu, jedoch sollte man auch nicht die Relationen vergessen. Letztendlich ist die Vogelhaltung ein Hobby wie jedes andere auch und lebt - wie es bei einem Hobby üblich ist - vom Interesse der Personen, die das Hobby ausüben. Betrachtet man die Geschichte der Vogelzucht und bedenkt man, wie lange Menschen in der Zukunft noch diesem Hobby nachgehen können werden, ist diese "Entwicklung" meiner Meinung nach nicht besonders bedenklich. Die Veränderung in der Motivation zur Vogelzucht sowie der Rückgang des Interesses - sofern man überhaupt von einem Rückgang sprechen kann - sind vor allem, wie bei allen gesellschaftlichen Entwicklungen, durch bestimmte (historische) Hintergründe begründet. So glaube ich z.B., dass die Rückläufigkeit beim Interesse auch an Gesetzesänderungen oder allein der Tatsache liegen, dass wir bereits eine Fülle an gehaltenen Arten haben. Denn gerade bei exotischen Tieren scheint den Menschen das Besondere zu faszinieren und er scheint stets auf Erfolg aus zu sein. - Die seltensten Arten sind schon immer am begehrtesten und die wahrscheinlich meisten Züchter, die einem Verein zugehören, möchten ihre Jungvögel möglichst erfolgreich auf Ausstellungen präsentieren, - ja jeder Züchter (mal ganz unabhängig vom Arterhaltungsaspekt) strebt nach einer erfolgreichen Zucht. So fällt z.B. seit einigen Jahren die Möglichkeit, eine Welterstzucht "zu schaffen" oder einfach eine ganz spezielle Art, die bisher noch unbekannt ist, zu halten und züchten, durch Gesetzesänderungen bei der Einfuhr etc. weg. (-positive Wissensgier des Menschen) Dies könnte z.B. auch den stärkeren Fokus auf der Wissenschaft bei der Vogelzucht erklären.
    Außerdem sorgt die vielfältige Medienentwicklung, wie bei anderen Hobbys auch, für Alternativen, die dem Hobby Vogelzucht konkurrieren.
    (nur mal mögliche Erklärungsansätze)
    Ich bin selbst erst 16 Jahre alt und bin mit meiner Vogelzucht ziemlich allein, da stimme ich dir zu. Aber war es denn überhaupt früher anders, ich weiß es ja nicht?

    Gruß Raphael
     
  8. #7 IvanTheTerrible, 27. Februar 2013
    IvanTheTerrible

    IvanTheTerrible Guest

    Sicher nicht nur die seltenen Arten, die Begehrlichkeiten wecken...
    Hast du aber gut geschrieben!!!
    Ivan
     
  9. #8 Holger Günther, 28. Februar 2013
    Holger Günther

    Holger Günther Foren-Guru

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    Wenn man keine Gleichgesinnden hat,die auch dieselbe Art halten,wird man auch eine Welterstzucht(Bruder und Schwester) nicht los.Es sollte in dem Land schon zumindest andere Halter der Vögel geben,oder eben die Möglichkeit an solche Vögel zu kommen.Holger
     
  10. Joerg

    Joerg Guest

    Das beschreibt jetzt aber nicht wirklich ein Grundproblem in der Vogelhaltung.


    Es gibt Ländergrenzen, die sich überqueren lassen und manchmal wird man in anderen Regionen auch fündig...
     
  11. #10 supernicky, 5. März 2013
    supernicky

    supernicky Foren-Guru

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    Wobei bei "uns" denke ich der Wandel bereits dahingehend stattgefunden hat, dass die "ernsthaften" Menschen in D bereits ausgezeichnet vernetzt sind (ich schau gleich mal, ob ich dich bei Facebook finde ;-) ) und man sich halt nur noch ein, zwei mal jährlich persönlich trifft, z.B. nächstes Wochenende in Hofheim. Also, ich jetzt nicht direkt, aber viele, viele Leute.

    Zum Ursprungspost :
    "Die Jugend und ihr Arsch" - das würde ich mal auf den Wandel in der Arbeits- und Schulwelt schieben. Die Kinder verbringen heutztage viel mehr Zeit in der Schule als zu meiner Zeit. Da bleibt kaum noch Zeit für Hobbies. Und sie sollen sich auf einen flexiblem Arbeitsmarkt vorbereiten, wo sie kaum noch etwas verdienen, bis sie ca. 40 sind, wenn überhaupt. Wie soll man da ernsthaft Vogelzucht betreiben ? Wie bereits erwähnt kann man Tiere eben nicht an- und ausschalten, wie es einem gerade passt. Und wenn die Folgerung dann "keine Tiere" lautet, finde ich das nur vernünftig.
    Ich habe alleine in den letzten 2 Monaten 2 Schildkröten von jungen Menschen übernommen, die auswandern.
     
  12. Nils

    Nils Foren-Guru
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    @ supernicky wenn man Tsich mit der Vogelhaltung/zucht beschäftigen möchte kann man das auch als Schüler, längere Schulzeiten würde ich nicht als Grund sehen um deswegen Hobbies darumter leiden zu lassen.
    Ich kann aber nicht beurteilen wie es "früher" mit den Schulzeiten war...

    Aber ich weiß, wer wirklich Vögel halten möchte, der schafft das auch, und da kann ich aus eigener Erfahrung sprechen;)

    Viel größeres Problem ist meiner Meinung nach das kein Interesse besteht und wenn es besteht kaum jemand sich arbeit machen möchte Tiere zu versorgen, und erst Recht nicht wenn es Tiere sind wie Vögel die man nicht mal "streicheln" kann :)
     
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  14. #12 geier-004, 5. März 2013
    geier-004

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    Glücklicherweise haben wir die "neuen" Medien um uns auch über größere bzw. große Entfernungen zu vernetzen.

    Das heute mehr Zeit in der Schule verbracht wird, sehe ich ich nicht so als das große Problem. Es ist dann wohl eher so, dass die Erwachsenen "Vorbilder" auf Grund der Flexiblität des Arbeitsmarktes fehlen.

    Wobei es auch heute noch Jobs gibt, die nicht so die Flexibilität erfordern. Allerdings müssen dann natürlich 2 Dinge zusammen kommen:

    Ein "ortsfester" Job und eben das Interesse an der Vogelzucht oder zumindest Haltung (entweder nur oder als Vorstufe zur Zucht).

    Darüber hinaus ist es auch sicherlich hilfreich, wenn dann auch noch erfahrene Züchter, die neuen Ideen gegenüber offen sind, den angehenden Züchter unterstützen bzw. unterstützten können.
     
  15. #13 geier-004, 5. März 2013
    geier-004

    geier-004 Sittich-Dompteur

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    Ich hoffe mal, dass die Zahlen nicht die tatsächlichen Nachzuchten reflektieren, sondern dass es mehr und mehr Züchter gibt, die einfach ihre Nachzuchten nicht mehr melden.

    Denn ich würde es sehr traurig finden, wenn diese wirklich wunderbaren Sittiche aus den Volieren verschwinden würden.

    Sofern sich meine berufliche Entwicklung soweit "beruhigt" hat und ich ggf. auch noch ein geeignete Wohung bzw. ein geeignetes Haus mit Garten finden kann, würde ich diese Initiative gern - soweit möglich - als aktiver Züchter von Wildformen unterstützen. Bis dahin kann bzw. könnte ich die Initative nur mit "Werbung" unterstützen.

    Denn als Züchter benötigt man - wie in dem anderen Beitrag bereits geschrieben - einen "ortsfesten" Job und der ist bei mir derzeit leider nicht gegeben.


    Generell hat die Tierhaltung und -zucht und somit auch die Vogelhaltung und -zucht auch soziale, pädagogische und therapeutische Aspekte. Aber diese sind halt nur eine "Nischenfunktion" und somit nicht für alle Menschen "nützlich" oder gar "sinnvoll".
     
Thema:

Vogelhaltung und Zucht, wohin geht der Weg?

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