Wissenswertes über Stadttauben

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soay

soay

28.11.2000 - 08.06.2015
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Hallo

Nachdem sich einige bereit erklärt haben daran mitzuarbeiten, stelle ich dieses Thema hier ein und werde es oben festmachen.

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Mit freundlichen Grüßen
 
1. Stadttauben sind Haustiere,und keine Wildtiere.

2. Sie sind sehr standorttreu und menschenbezogen.
Das erklärt ihre geringe Scheu gegenüber uns Menschen,wenn wir
ihnen in der Fußgängerzone begegnen.

3. Verletzte Tiere sollten zum nächsten Tierarzt gebracht
werden,und nach Genesung nicht einfach ausgesetzt
werden.
Bitte im Tierheim,beim Tierschutz oder hier nach Hilfe fragen!!!
Manche Städte haben betreute Taubenschläge!

4. Sie bauen kein regelrechten Nester,da sie von der Felsentaube
abstammen.Diese nistet in Felsvorsprüngen.das erklärt
ihre Vorliebe in Städten an Gebäuden zu nisten.

5. Ihre Ernährung besteht nur aus der Not heraus aus den Abfällen
der Menschen.

6. Muß man eine aufgefundene Taube ernähren,sollte man unbedingt
Taubenfutter besorgen.Brot ist keine Nahrung für Tauben!

7. Eine Taube braucht auch Grit zur Verdauung der Körner.
Es ist zerstoßener Muschelkalk,der es der Taube erst ermöglicht,
die Körner auch zu verwerten,die sie aufnimmt.
 
Hier einige Textstellen aus "Ein Beitrag zur Ökologie der Stadttaube" von Haag-Wackernagel (1984). Ich versuche wichtige Passagen herauszunehmen, ohne sie aus dem Kontext zu reissen. Auf Grund der Ähnlichkeit europäischer Städte bzw. historiser Stadtkerne, sprechen die Ergebnisse durchaus auch für Tauben in anderen Städten. Zudem wurden ähnliche oder die selben Ergebnisse auch von anderen Forschern bestätigt.

"...
Vorübergehend Bestandessenkungen können durch Tötungsaktionen wohl erreicht werden, stellen aber keinesfalls eine tierschützerische und ökologisch vertretbare Lösug dar.

Die wahllose Tötung von Statdttauben stellt einen massiven Eingriff in die Sozialstruktur der Schwärme dar. Bei Paaren, welche mit Fortpflanzung beschäftigt sind, bleibt jeweils ein Partner beim Nest, sodaß bei Bekämpfungsaktionen meist nur ein Elternteil erfaßt wird. Nach Heinroth (1949) wird die Brut aufgegeben wenn ein Partner ausfällt - sodaß Eier und Nestlinge verlassen werden.
..."

"Wie schon von anderen Autoren belegt wurde, haben sich Stadttauben völlig an das Nahrungsangebot der Stadt angpaßt. Der reine Körnerfresser adaptierte zum Allesfresser. Bemerkenswert ist vor allem die unnatürliche Aufnahme von Grünstoffen und Fleisch, die von Felsentauben in freier Natur ungern oder gar nicht aufgenommen werden. Dieses Verhalten deutet auf ein Mineralstoff- und Vitamindefizit hin, das durch die teilweise sehr einseitige Ernährung in der Stadt verursacht wird."

"...
Eher überraschend war der Befund, daß Tiere aus der Stadtperipherie signifikant höhere Gewichte aufwiesen als solche aus dem Stadtzentrum. Die verbreitete Meinung, zentrale Tiere seien durch die Fütterung durch „Taubenfreunde“ besonders gut ernährt und das Stadtzentrum biete Nahrung im Überfluß, muß verworfen werden..
...
Daß periphere Tiere durchschnittlich einen besseren Ernährungs- und damit auch Gesundheitszustand aufweisen, liegt in der geringeren Abhängigkeit vom Menschen und den vielfältigeren Möglichkeiten, Nahrung aufzunehmen.
Die großen anonymen Schwärme des Stadtzentrums wirken trotz der mangelhaften Ernährungssituation sehr attraktiv auf Tauben. Entflohene und verirrte Brieftauben schließen sich ausschließlich den zentralen Schwärmen an.
Wie schon von Murton belegt, nimmt das Körpergewicht von Stadttauben gegen den Winter zu, um im Sommer seinen tiefsten Wert zu erreichen.
...“

Mehr dazu später!
 
Stadttaube

Stadttauben sind ungefähr 33 cm lang und ihre Flügelspannweite beträgt 63-70 cm. Sie wiegen im Schnitt etwa 330 g. Das Federkleid ist sehr variabel, aber ein beträchtlicher Teil der Stadttauben sieht der Stammform sehr ähnlich. Häufig sind auch jedoch recht dunkle Tiere. Darüber hinaus kommen unzählige Farbvarianten vor.

Der Ruf ist ein typisches hohles Gurren.Der Lebensraum der Stadttauben sind die Städte auf der ganzen Welt.Stadttauben ernähren sich von Körnern und allem, was sie an Abfällen finden und für fressbar halten.
Stadttauben sind eigendlich HARMLOS, wenn sie jedoch zu zahlreich auftreten, können sie verschiedene Probleme bereiten. Die Beseitigung von Taubenkot von Fassaden und Dachstühlen erfordert erheblichen materiellen Aufwand.
Klasse: Vögel(Aves)
Ordnung: Taubenvögel (Columbiformes)
Familie: Tauben (Columbidae)
Gattung: Feldtauben (Columba)
Art: Felsentaube (C. livia)
 
Tauben haben (wie Pferde) keine Gallenblase.

Sie haben (wie alle Vögel) nur einen Eierstock; den linken.
 
Straßentauben
Gerade gelesen--(Quellenangabe Home Page Stadttauben NRW)

Trotz großer genetischer Unterschiede zwischen Felsentauben und Straßentauben--
scheint nach heutigem Stand der Diskussionen jedoch Einigkeit darüber zu bestehen,daß die meisten der mitteleuropäischen Straßentaubenpopulationen,
ursprünglich auf die Felsentaube zurückzuführen sind !

Durch die Vermischung mit entflogenen Brief-und Zuchttauben erreichen sie eine große genetische Variablität,die sich letztendlich zu Spezialisten im Überleben auf den Straßen und Plätzen unserer Städte machte!!
(Ende des Zitat's)

Ohne jeden weiteren Kommentar

Michael

Die Diskussion zu diesem Thema findet man hier soay 05.02.08
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Ich möcht aber doch nocnmals gern an den Anfang der Diskussion zurückkehren. Auch möcht ich eine kleine Korrektur zu meiner Aussage betreffs Felsentaube anbringen.
Hab mal ein bisschen in meiner Literatur geblättert.
Die Haustaube scheint etwas vor 6500 v Chr im Vorderasiatischen Raum entstanden zu sein. ( älteste Darstellung aus dem Irak).
Bekantermassen ist sie aus der Felsentaube entstanden. Nach Deutschland scheint sie in römischer Zeit mitgebracht worden zu sein. Sie war und ist immer Haustier oder verwildertes Haustier.

Eine Wiedereinkreuzung mit der Felsentaube dürfte in Deutschland nie stattgefunden haben, da es diese hier nicht gibt.
Felsentauben sind im Mittelmeerraum, Vorderasien sowie an den Steilküsten Irlands, Schotlands, den Shetlandinseln , Orkney etc vorkommend. Somit war ein weiterer Kontakt Haustaube zu Felsentaube in Deutschland nicht möglich.

Bereits 1397 gab es in Prag einen Taubenhändler. 1555 Beschrieb Gessner bereits eine ganze Anzahl verschiedener Typen und um dieselbe Zeit entstanden in den Niederlanden erste Taubenzuchtvereine.
Seit dieser Zeit leben sie auch in unseren Städten. Entwichene und anderweitig freigekommene Tauben bildeten die Basis für den heutigen Bestand. Aus den Städten haben sie sich nie gross entfernt weil diese als Felsersatz dienen und die Tauben durch die Domestikation ihre Scheu verloren haben.Sie sind sozusagen Gefangene in einem für diese Art fremden Gebiet.

Zu vergleichen ist das Ganze z.T. mit diversen Sittichpopulationen in verschiedenen Städten Deutschlands heutzutage..
 
1. Stadttauben sind Haustiere,und keine Wildtiere.

2. Sie sind sehr standorttreu und menschenbezogen.
Das erklärt ihre geringe Scheu gegenüber uns Menschen,wenn wir
ihnen in der Fußgängerzone begegnen.

3. Verletzte Tiere sollten zum nächsten Tierarzt gebracht
werden,und nach Genesung nicht einfach ausgesetzt
werden.
Bitte im Tierheim,beim Tierschutz oder hier nach Hilfe fragen!!!
Manche Städte haben betreute Taubenschläge!

4. Sie bauen kein regelrechten Nester,da sie von der Felsentaube
abstammen.Diese nistet in Felsvorsprüngen.das erklärt
ihre Vorliebe in Städten an Gebäuden zu nisten.

5. Ihre Ernährung besteht nur aus der Not heraus aus den Abfällen
der Menschen.

6. Muß man eine aufgefundene Taube ernähren,sollte man unbedingt
Taubenfutter besorgen.Brot ist keine Nahrung für Tauben!

7. Eine Taube braucht auch Grit zur Verdauung der Körner.
Es ist zerstoßener Muschelkalk,der es der Taube erst ermöglicht,
die Körner auch zu verwerten,die sie aufnimmt.

Stadttauben sollten keineswegs gefüttert werden. Nach den Erfahrungen mit Wanderfalken (seit 1993) im Siedlungsbereich und Stadttauben und nach unserer Ablehnung der Antibabypille für Stadttauben (Dr.-Arbeit von Müller, TiHo Hannover) leiden die meisten Göttinger Stadttauben auch an einem sogen. Reizdarm, vergleichbar den Menschen, die die Toilette im Laufschritt aufsuchen müssen. Wilde Felsentauben benutzen ihren Kot natürlicherweise, um damit ihre Nester festzukleben. Werden Stadttauben nicht aktiv gefüttert und fegt die Stadtreinigung morgens frühzeitig die Nahrungsreste der Nacht und die Krümel, die bei den Bäckereianlieferungen herunterfallen, weg, suchen die Tauben auch natürliche Nahrung auf Rasenflächen und unter Bäumen. Mit natürlicher Nahrung werden sie auch fit und schnell, so dass einige davon sogar die ruhenden Wanderfalken provozieren und mit schnellen Flügen Scheinangriffe auf die Falken fliegen.

Diskussion zu diesem Beitrag: HIER
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Neue Testergebnisse mit Tauben<.
Gemälde-Beurteilung wie Menschen
Tauben mit Sinn für Schönes
Auch Tauben können nach Ansicht japanischer Wissenschaftler zwischen "schönen" und "schlechten" Gemälden unterscheiden und dabei nach menschlichen Kriterien urteilen lernen. Die Forscher der Keio-Universität von Tokio zeigten den Vögeln Gemälde von Grundschulkindern und belohnten ihre Reaktion.
http://www.n-tv.de/wissen/weltall/Tauben-mit-Sinn-fuer-Schoenes-article382072.html
 
Stadttauben-Spezial - Einleitung

Kaum eine andere Vogelart erhitzt die Gemüter so sehr wie die Stadttaube. Einst als Friedenssymbol verehrt und wegen ihrer phantastischen Navigationsleistungen geschätzt, gilt die Taube heute für viele nur noch als "Luftratte" und "Bazillenschleuder". Egal, wen man auf der Straße anspricht, jeder glaubt genau zu wissen, dass Stadttauben die Wurzel allen Übels in den Städten sind. Meinungen, die von "alle abknallen" über "zu viele sind es ja schon ..." bis hin zu "die wollen doch auch bloß leben" reichen, spiegeln die volle Bandbreite dessen wider, was sich in den Köpfen der Menschen festgesetzt hat.

Quelle und weitere Informationen -> klick
 
Tauben, Pillen und Raketen

In diesem Experiment ersetzten Tauben die Frauen an einem Fließband. In einem pharmazeutischen Betrieb waren etwa 10 % aller Pillen „Ausschuss“. Die Firma hatte deshalb Frauen beschäftigt, die am Fließband diese unbrauchbaren Pillen aussortieren mussten. Um die Frauen von dieser monotonen Arbeit zu befreien, brachte Verhave (1966) Tauben bei, diese Qualitätskontrolle zu übernehmen. Erschien eine beschädigte Pille, so pickten die Tauben auf eine Scheibe und erhielten dafür eine Futterverstärkung; erschien eine nicht-beschädigte Pille, pickten die Tauben auf eine andere Scheibe, das Picken wurde nicht verstärkt, und das Fließband brachte die nächste Pille zur Überprüfung. Bei Fehlern wurde die Taube ebenfalls nicht verstärkt, sondern mit einer 30sec andauernden Dunkelheitsperiode bestraft. Innerhalb einer Woche lernten die Tauben eine 99% sichere Diskrimination.

Skinner zeigte während des zweiten Weltkrieges, dass Tauben sogar fähig sind Raketen auf bestimmte Ziele zu lenken. Während des Diskriminationstrainings wurde nur das Picken auf das Zentrum eines Zieles (Schiffssilhouette) verstärkt. Wenn eine am Schnabel der Taube angebrachte Gold-Elektrode die Scheibe berührte, so bestimmte eine elektronisches Steuergerät die genaue Position der einzelnen Schnabelhiebe auf die Scheibe. Die Rakete blieb auf Kurs, wenn auf den Mittelteil der Scheibe gepickt wurde, änderte aber ihren Kurs nach der Position der Schnabelhiebe.
http://209.85.129.132/search?q=cach...n+Qualitätskontrolle&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de
 
Durch Taubenzecken geht eine besondere Gefahr für Allergiker und immunologisch Vorgeschädigte aus und für Personen, die nach wiederholten Taubenzeckenstichen sensibilisiert sind.

MfG
 
Durch die Aussendung von Ultraschallwellen bestimmter Frequenz, Intensität und Häufigkeit sollen Tauben von bestimmten Plätzen vertrieben werden. Für Menschen sind die Schallwellen wegen der hohen Frequenzlage nicht zu hören. Die Anlagen sind teuer, je nach Standort schwierig zu installieren und sehr wartungsintensiv. Zumeist sind sie nur im Anfangsstadium wirksam,
weil sich die Vögel möglicherweise an die Frequenz gewöhnen. Erfahrungsgemäß sind sie auf Dauer nur in geschlossenen Räumen wirksam, in denen ein konstanter Druckaufbau möglich ist.
Es ist dabei nicht auszuschließen, dass es bei den Tauben wegen Zerstörung von Hirn- und Gehörzellen zu Gehör- und Gleichgewichtsschäden kommen kann. Hunde und Katzen, u.U. auch einzelnen Menschen können diese Anlagen ebenfalls zu schaffen machen.
Abschließend kann festgestellt werden, dass lokale Abwehrmaßnahmen erforderlich sein können, um etwa Gebäudefassaden, Kunstwerke oder Balkone vor Taubenkot zu schützen. Alle
Maßnahmen müssen fachmännisch angebracht werden. So können Spanndrähte ohne Unterflugschutz wirkungslos sein, weil die Tiere unter die Drähte schlüpfen oder falsch vernetzte Räume zu tödlichen Fallen werden. Der Schutz der Tiere muss Priorität haben. Einrichtungen, die
den Tieren vermeidbaren Schmerz zufügen, sind ebenso abzulehnen wie unüberlegtes Vorgehen gegen Nestlinge und flugunfähige Jungtauben, die beim Vernetzen von Räumen eingesperrt werden und verhungern müssen.
Bei allen lokalen Maßnahmen muss man sich im Klaren sein, dass man Probleme mit Tauben nur damit verlagert, nicht aber löst.
 
Donnerstag, 8. April 2010 02:39
Anführer wechseln regelmäßig
Im Taubenschwarm geht es recht demokratisch zu


Fast schon demokratisch geht es bei Tauben hoch in der Luft zu: Wie Forscher herausgefunden haben, wechseln die Anführer eines Taubenschwarms regelmäßig.

Dabei hat so gut wie jedes Tier die Chance, einmal der Vogel zu werden, der die Richtung vorgibt. Allerdings besteht eine Rangordnung. Vögel, die näher an der Spitze des Schwarms fliegen, werden auch eher zum zeitweisen Anführer.

Für die Studie, die in der neuen Ausgabe von "Nature" vorgestellt wird, wurden Tauben kleine Rucksäcke mit einem Mini-GPS-System aufgesetzt. Jeder Apparat wog 16 Gramm. Alle 0,2 Sekunden wurde die Flugrichtung jedes Vogels gemessen. Dadurch konnte festgestellt werden, welche Taube den Ausschlag für einen Richtungswechsel gab, schreiben die Wissenschaftler von den Universitäten Oxford und Budapest.

"Wir kennen alle die unglaublichen Kunstflüge, die Vogelschwärme vollführen; aber wie solche Schwärme entscheiden, wohin sie fliegen und ob Entscheidungen von einem dominanten Anführer oder der ganzen Gruppe getroffen werden, das war immer ein Mysterium", sagte Dora Biro von der Uni Oxford. "Diese dynamische, flexible Aufteilung von Individuen in Anführer und Mitläufer - wobei sogar die Meinung der am niedrigsten stehenden Mitglieder eine Rolle spielen kann - stellt vielleicht eine besonders effiziente Form der Entscheidungsfindung dar."dpa
http://www.morgenpost.de/printarchi...benschwarm-geht-es-recht-demokratisch-zu.html
 
Die lästigen Vögel können Menschen unterscheiden und vergessen niemals ein Gesicht
Tauben sind die Elefanten der Lüfte
06. Juli 2011 23.40 Uhr, BZ
Sie gurren und flattern und sorgen mit ätzenden Hinterlassenschaften für Ärger. Fast jede Großstadt hat Problem mit ihren Tauben, den so genannten Ratten der Lüfte. Mancher Taubenhasser legt sich deshalb auch gern mit den Tieren an. Aber Vorsicht! Die Vögel merken sich ganz genau, wer es nicht gut mit ihnen meint - und zwar anhand des Gesichts.
Das haben französische Forscher jetzt mit einer Versuchsreihe herausgefunden. In einem gewöhnlichen Pariser Park ließen sie zwei Frauen mit ähnlichem Körperbau, aber unterschiedlich farbigen Mänteln die dort ansässige Taubenschar füttern. Während die eine Frau die Vögel in Ruhe fressen ließ, störte die andere die Tiere immer wieder, indem sie sie aggressiv aufscheuchte.Die Frauen gingen immer wieder in den Park, um die Tiere zu füttern. Die Tauben schienen sich aber an die Unruhestifterin zu erinnern - und mieden sie. Selbst wenn sie sich ganz ruhig verhielt. Und auch eine Veränderung des Äußeren beeinflusste die Reaktion der Tauben nicht: Selbst durch einen andersfarbigen Mantel ließen sie sich nicht in die Irre führen."Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Tauben die Frauen anhand ihrer Gesichter wiedererkannten", interpretiert Wissenschaftlerin Dalila Bovet das Verhalten. Schließlich hätten sich die Frauen hinsichtlich des Alters, des Körperbau und der Hautfarbe stark geähnelt. Doch warum orientieren sich die Vögel ausgerechnet am Gesicht und nicht etwa an der Kleidung, die 90 Prozent des Körpers bedeckt? Die These der Forscher: Das lange Leben in Städten habe die Vögel gelehrt, dass nicht allein Klamotten einen Menschen ausmachen.Jetzt wollen sie klären, ob dieses Wissen über die Gene von Generation zu Generation weitergegeben wird.
http://www.bz-berlin.de/archiv/tauben-sind-die-elefanten-der-luefte-article1220126.html
 
25.05.2012 - 13:44
Tauben in der Stadt : Sie wollen nur turteln
von Sebastian Leber
Besser als ihr Ruf: Die Taube.Die Stadttaube hat ein Imageproblem. Dabei ist das meiste, was wir über sie zu wissen glauben, blanker Unsinn. Ein Plädoyer für eine Außenseiterin.

Samstagmittag am Nollendorfplatz, auf der Mittelinsel unter dem U-Bahnhof. Plastiktüte in der Hand, dies ist ein Experiment. Zwei Fragen gilt es heute zu klären: Wenn hier einer in aller Öffentlichkeit Brotkrumen vor sich auf den Boden wirft, wie lange dauert es, bis die erste Taube kommt und frisst? Und wie lange dauert es, bis der erste Passant motzt? Brot raus, Stoppuhr an.

Die zwei gemessenen Zeiten: 110 Sekunden bis zur Taube, knapp vier Minuten bis zur ersten Beschwerde. Die Frau schiebt einen Kinderwagen vor sich her, in ihrem Blick steckt mehr Verachtung als Vorwurf. „Sie wissen schon, dass das verboten ist, oder?“ Im Vorbeigehen grummelt sie noch einen Satz, aus dem sich das Wort „widerlich“ heraushören lässt.

Unklar, ob sie die grauen Vögel oder den Brotwerfer meint.

Sicher ist: Tauben haben ein Imageproblem. Sie sind nicht niedlich wie Blaumeisen, nicht bunt wie Eichelhäher und nicht selten wie Eisvögel. Tauben nerven, jedenfalls die meisten Stadtmenschen – manchmal auch solche, die sich ansonsten für konsequente Tierschützer halten. Die Gründe der Ablehnung sind zahlreich. Und die meisten davon sind Quatsch. Denn kaum eine der vermeintlichen Gewissheiten, die über Tauben verbreitet werden, hält der Realitätsprüfung stand.

Die meckernde Frau mit dem Kinderwagen hatte unrecht. Taubenfüttern ist in Berlin nicht verboten. Die Tiere werden vom Senat auch gar nicht als Schädlinge eingestuft. Die zehntausenden Tauben, die angeblich die gesamte Stadt belagern und sich unaufhaltsam vermehren, gibt es nicht. Der Naturschutzbund hat eine aufwendige Zählung durchgeführt, es sind bloß 9000 Vögel. Schätzungen reichen bis zu 13000.

Auch Klaus Lüdcke, der Tierschutzbeauftragte des Landes Berlin, beruft sich auf das Ergebnis der Zählung. Angesichts der Fläche Berlins fällt sie extrem niedrig aus. Auf jeweils 389 menschliche Einwohner Berlins kommt damit eine einzige Taube. Zum Vergleich: Im historischen Zentrum Venedigs kommen auf 389 Menschen statistisch gesehen unfassbare 622 Tauben.

Die Population der Berliner Schwärme hat in den vergangenen Jahren spürbar abgenommen. Dass die Tiere im Stadtbild überhaupt noch auffallen, rührt allein daher, dass sie Grünflächen eher meiden und sich an belebten öffentlichen Plätzen wie Bahnhöfen versammeln, wo sie auf Abfälle des Menschen hoffen können. Es gibt eine effektive Methode, diese Schwärme mit Futter wegzulocken und langfristig in sogenannten betreuten Taubenschlägen anzusiedeln, wo man ihre Eier gegen Gipsimitate austauschen kann. Es ist die einzige erwiesenermaßen wirkungsvolle und gleichzeitig tiergerechte Maßnahme, um Populationen langfristig zu regulieren. Leider wird sie – trotz erfolgreicher Umsetzungen in ganz Deutschland – bis jetzt erst in den wenigsten Bezirken angewendet. Ein Berlin ganz ohne Tauben wäre schlecht. Zum Beispiel für die 160 Habichte in der Stadt, die jedes Jahr bis zu 19000 Tauben als Nahrung benötigen.

Es heißt: Tauben sind gefährlich, weil sie Krankheiten übertragen. Auch das ist ein Mythos. Bereits vor 30 Jahren hat das Bundesgesundheitsamt bestätigt, dass lediglich Taubenhalter ein erhöhtes Infektionsrisiko haben – für den normalen Stadtbewohner ist der Vogel nicht gefährlicher als Amsel, Drossel, Fink oder Star. Beziehungsweise jeder andere Wild- oder Ziervogel oder, so hat es das Gesundheitsamt ausgedrückt, überhaupt jedes „Nutz- oder Liebhabertier“.

Das Bundesministerium für Gesundheit teilt diese Ansicht. Bloß in der Bevölkerung ist das nicht angekommen, und daran sind leider vor allem die Medien schuld, die unbeirrt am Schmähbegriff „Ratten der Lüfte“ festhalten. Der Essener Tierarzt Ludger Kamphausen, einer der versiertesten Taubenexperten des Landes, hält die Warnungen für maßlos überzogen. Wesentlich größer sei die Gefahr, sich etwa durch das Berühren eines Blumentopfs mit Pilzen zu infizieren.

Es heißt, der Kot der Tauben verdrecke die Stadt und zerstöre sogar Gebäude. Richtig ist: Berlins Tauben hinterlassen 27 Tonnen Trockenkot pro Jahr. Klingt nach viel, aber Berlins Hunde produzieren 55 Tonnen Kot – und zwar jeden einzelnen Tag. Das macht pro Jahr mehr als 20000 Tonnen.

Die Technische Universität Darmstadt hat bereits vor acht Jahren die Wirkung des Taubenkots auf unterschiedliche Materialien zum Hausbau getestet. Sie fand heraus, dass die Ausscheidungen keinerlei Schäden anrichten, weder bei Buntsandstein, Granit oder Zementmörtel noch bei Vollklinker, Vollziegel oder unbehandeltem lasierten Nadelholz. Lediglich bestimmte Bleche können, wird der Kot nicht binnen wenigen Wochen entfernt, zeitiger rosten. Dies gilt allerdings auch für jeden anderen Vogelkot. Bis heute gibt es keinen ernst zu nehmenden Wissenschaftler, der das Ergebnis der Uni Darmstadt anzweifeln würde. Tatsächlich werden inzwischen vor allem Industrie- und Autoabgase für Schäden an der Gebäudesubstanz verantwortlich gemacht. Ironischerweise weist allerdings das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege darauf hin, dass Taubenansammlungen indirekt sehr wohl zu Gesteinsschäden führen können – wenn Menschen Löcher ins Mauerwerk bohren, um Netze zur Taubenabwehr anzubringen.

Unbestreitbar bleibt das ästhetische Problem. Der weiße, schlierenförmige Kot der Stadttauben ist eklig anzusehen. Dabei handelt es sich jedoch um den Kot solcher Tiere, die kein artgerechtes Futter, sondern überwiegend Müllreste von Imbissbuden fressen oder eben alles, was auf der Straße liegt, von Dönerresten bis Süßigkeiten. Eigentlich sind Tauben Vegetarier, bevorzugen Körner. Die Ausscheidungen gesunder Tauben sind fest und dunkel. Wer einmal einen betreuten Schlag besucht hat, in dem die Vögel Zugang zu Körnerfutter erhalten, wird den Unterschied leicht erkennen.

Ein weiteres Vorurteil lautet: Wer Tauben füttert, bewirkt automatisch, dass die Vögel verstärkt brüten. Ein solcher Zusammenhang wurde tatsächlich bei verschiedenen Wildtieren beobachtet. Haben sie Nahrung, vermehren sie sich stark, in Hungerzeiten passen sie sich an und drosseln die Reproduktion. Das Problem besteht aber darin, dass Stadttauben keine Wildtiere sind, sondern ausgesetzte oder entflohene und dann verwilderte Haus- oder Brieftauben –beziehungsweise deren Nachkommen.

Sie wurden einst dazu gezüchtet, sich ganzjährig zu paaren, bis zu sieben Mal pro Jahr mit je ein bis zwei Eiern, unabhängig vom Nahrungsangebot. Der einzige wissenschaftlich belegte Effekt einer Nahrungsverknappung ist daher, dass weniger Jungtiere die ersten Wochen überstehen – weil sie verhungern. Man darf hier niemandem böse Absicht unterstellen, und sehr wahrscheinlich meinen es die meisten, die eine solche Verknappung fordern, wirklich nur gut. Richtig ist trotzdem: Wer die Taubenpopulation in Gegenden, in denen noch keine betreuten Schläge eingerichtet wurden, durch ein radikales Fütterungsverbot senken möchte, ruft zwangsläufig dazu auf, mehr Vogelbabys und deren Eltern verhungern zu lassen.

Aber auch Füttern kann unverantwortlich sein. Tauben gewöhnen sich nämlich sehr schnell an einzelne Menschen, verlassen sich dann schon nach wenigen Malen darauf, dass diese tatsächlich erscheinen. Wer also an einem bestimmten Platz regelmäßig füttert, muss das 365 Tage im Jahr tun, sonst ist das ebenfalls Quälerei, sagt Klaus Lüdcke, der Tierschutzbeauftragte.

Die Natur wird es richten, könnte man nun einwenden. Aber es ist eben nicht die Natur, die das Taubenproblem geschaffen hat, sondern der Mensch. Die erste große Vogelplage begann Ende des Zweiten Weltkriegs, als ganze Schwärme durch Berlins Straßenruinen flogen. Ihre Schläge waren entweder zerstört oder die Besitzer mussten um ihr eigenes Überleben kämpfen und hatten kein Geld übrig, um Haustiere zu ernähren. Die Nachkommen dieser Tauben bilden den Grundstock der heutigen Population.

Hinzu kommen ständig neue Brieftauben, die von ihren Haltern bei Wettkämpfen hunderte Kilometer vom Schlag entfernt ausgesetzt werden und nicht genug Kraft für die gesamte Strecke haben. Eine traditionsreiche, beliebte Wettkampfstrecke ist die Route aus dem Ruhrgebiet bis nach Polen. Entkräftete Tiere landen dabei bevorzugt in Berlin. Brieftauben tragen zwar Ringe, ihr Besitzer ist leicht identifizierbar. Doch der will sie oft gar nicht zurück. Weil eine Taube, die ihre Distanz nicht zurücklegen konnte, als Verliererin und unbrauchbar für die Zucht gilt.

Nein, die Taube ist keine Heilige. Ihre Verklärung als Friedensbringer war ebenso unangebracht wie die Annahme, Tauben blieben lebenslang monogam. Auch sie neigen zu Seitensprüngen, wenn auch nicht so häufig wie der Mensch, das haben Forscher herausgefunden. Die einzige Tierart, die hundertprozentig monogam lebt, ist nach derzeitigem Kenntnisstand Peromyscus californicus. Die kalifornische Maus.

Auffällig ist, dass selbst viele Natur- und Tierschützer wenig Elan aufbringen, sich ausgerechnet für die Taube einzusetzen. Der Naturschutzbund vergibt seit 1971 den Titel „Vogel des Jahres“, und so ziemlich alles, was in Deutschland zwei Flügel besitzt, wurde bereits geehrt: der Wendehals, die Dohle, diverse Falken.

Sogar der Singvogel mit dem unschönen Namen Neuntöter, er gehört zur Familie der Würger, bekam die Auszeichnung. Der Neuntöter heißt so, weil er Mäuse, Insekten und andere Vögel als Futterreserve auf spitzen Zweigen aufspießt. Die Taube dagegen war nie Vogel des Jahres. Glaubt man der Sprecherin des Nabu-Bundesverbands, sind die Chancen auch für 2013 eher dürftig.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/tauben-in-der-stadt-sie-wollen-nur-turteln/6678608.html
 
Thema: Wissenswertes über Stadttauben

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