BORNA und PDD

Diskutiere BORNA und PDD im Für Vögel mit Krankheiten wie PBFD und Polyoma Forum im Bereich Vogelkrankheiten; Am 19.Oktober 2013 fand im Frankfurter Zoo die 17. Tagung des "Fonds für bedrohte Papageien" statt. Prof. Dr. Michael Lierz - Uni Giessen - hat...

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  1. #1 charly18blue, 22. Oktober 2013
    Zuletzt bearbeitet: 11. Dezember 2013
    charly18blue

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    Am 19.Oktober 2013 fand im Frankfurter Zoo die 17. Tagung des "Fonds für bedrohte Papageien" statt. Prof. Dr. Michael Lierz - Uni Giessen - hat über das Borna Virus gesprochen und was es inzwischen an Erkenntnissen gibt. Ich fasse die wichtigen Punkte hier in meinem Beitrag zusammen:

    BORNA und PDD

    Es steht zweifelsfrei fest, dass das Aviäre Bornavirus der Auslöser für die Proventricular Dilatation Disease (PDD) ist.

    Betroffen davon sind bisher 50 verschiedene Papageienarten und 5 weitere Vogelfamilien.

    Typische Symptome sind Gewichtsverlust trotz Nahrungsaufnahme, unverdaute Körner im Kot, Erbrechen, Zentralnervöse Ausfallerscheinungen, Blindheit!

    Und typisch dafür ist die Erweiterung des Drüsenmagens, eine Ausdünnung der Drüsenmagenwand. Bedingt durch Veränderungen der Nerven des Magen-Darmtraktes (des Drüsenmagens), dadurch verliert der Drüsenmagen seine Beweglichkeit, er dilatiert, er verstopft. Das Futter wird nicht mehr verarbeitet, deswegen unverdaute Körner im Kot. Im schlimmsten Falle nicht mehr weitertransportiert.
    Anmerkung: Das habe ich bei einer jungen Blaustirnamazone erlebt, dort war nicht nur der Drüsenmagen betroffen, sondern der Kropf arbeitete ebenfalls nicht mehr und hat den Brei, mit dem der Vogel beim TA per Sonde gefüttert wurde, nicht mehr weitertransportiert, er leerte sich nicht mehr. Das Tier wurde euthanasiert.

    Abgeklärt werden sollte immer, ob nicht eine andere Erkrankung vorliegt. Wie z.B. ein Hefepilzbefall, ein Fremdkörper, Endoparasiten, Vergiftungen durch Zink oder Blei. Auch bei diesen Erkrankungen kann sich ein erweiterter Drüsenmagen darstellen (der sich nach erfolgreiche Behandlung wieder verkleinert), Körner und/oder Blut im Kot vorhanden sein, ZNS auftreten.
    In der Röntgenaufnahme sieht man dann - im Gegensatz zum dilatierten Drüsenmagen mit dünner Magenwand - eine normal dicke Magenwand – entsprechende Technik (digitale Röntgendiagnostik) vorausgesetzt.

    2008 hatten 2 unabhängige Arbeitsgruppen den Nachweis eines neuen Virus bei an PDD erkrankten Papageien anhand einer neuer gentechnischen Methode nachgewiesen. Dieser Virus hat eine 60%ige Ähnlichkeit im Erbgut zum Virus der Bornaschen Erkrankung beim Pferd und Schaf. Eine Erkrankung des Nervensystems bei diesen Tiergruppen.

    Benannt wurde dieses neue Virus “Aviäres Bornavirus” - “Vogel Bornavirus”.

    Anfangs hat man das Virus nicht bei allen an PDD erkrankten Vögeln nachgewiesen.

    Bekannt sind mittlerweile 8 verschiedene Stämme, die scheinbar weltweit vorkommen. Nachgewiesen auch bei Gänsen und Schwänen und ein nicht infektiöser Stamm bei den Kanarienvögeln. Das Virus vermehrt sich nur auf Vogelzellen, hat also eine ganz klare Beziehung zum Vogel.

    Nachgewiesen wird die Erkrankung per PCR aus Kropf- und Kloakentupfer und Serologie aus Blut. Nur der PCR-Nachweis ist ein unvollständiger Test, da nicht geklärt wird, ob der Vogel Virusträger ist!

    Beim Nachweis der Antikörper ist es bei Borna genau umgekehrt als bei anderen Viruserkrankungen:
    Je höher der Antikörpernachweis umso schlechter ist es. Normalerweise ist es so, dass Antikörper ein wesentlicher Teil der Abwehr gegen eingedrungene Fremdkörper (z.B. einen Virus) im Blut sind, sie bekämpfen die Krankheit. Je höher der Antikörpernachweis umso besser.
    Bei Borna ist es genau umgekehrt, je höher der Antikörpernachweis umso “schlimmer” ist die Erkrankung. D.h. in dem Falle unterstützt das Immunsystem die Erkrankung noch. Bislang wohl die einzige Viruserkrankung wo das der Fall ist. Man hat beobachtet, dass an PDD erkrankte Tiere häufig eine hohe Virusausscheidung haben und es wurden große Antiköpermengen nachgewiesen.

    Das Aviäre Bornavirus (ABV) wird mit Zentralnervösen Symptomen wie Bewegungs- , Gleichgewichtstörungen und Zittern in Verbindung gebracht sowie wird spekuliert ob ABV nicht auch Auslöser des Federrupfens sein kann. Versuche haben ergeben, dass ABV für PDD und weitere Symptome (ZNS) verantwortlich ist.

    Was den Übertragungsweg angeht ist man nach wie vor auf der Suche. Man hat Hinweise auf eine Übertragung durch infizierte Elterntiere auf das Ei. Man hat abgestorbene Embryonen im Ei auf ABV untersucht - Embryonen deren Elterntiere ABV positiv waren, waren ebenfalls ABV-positiv. Es ist nicht gelungen, Papageien mit der oralen Eingabe von Virusmaterial zu infizieren.

    Es sind zwei Stämme des Bornavirus bei Papageien von Bedeutung, der Stamm 2 und der Stamm 4. Da der Verlauf der Krankheit anscheinend vom ABV-Genotyp abhängig, ist es sinnvoll bei einer Neuverpaarung positiver Tiere, den Typ bestimmen zu lassen.

    ABV positiv heißt nicht, dass PDD ausbrechen muss.
    Bei Untersuchungen in Beständen wurden 30% ABV positiv getestet ohne Symptome einer Erkrankung, der Rest war ABV negativ und gesund.
    Übertragungswege und Auslöser der Krankheit PDD sind noch unbekannt.

    Der ABV Nachweis bei toten Vögeln ist am sichersten durch Auge, Gehirn und Kropf.

    Man empfiehlt, die Trennung von positiven und negativen Vögeln bestandsabhängig zu managen. Ein Privathalter, der ein positiv getestetes Tier und ein negativ getestetes Tier hat, kann diese zusammenlassen. Er verfolgt keine Zuchtabsichten. Ein Züchtern muss hier wahrscheinlich anders entscheiden. In großen Beständen sollten postiv und negativ-getestete Tiere strikt separiert werden. Jeder positiv getestete Vogel sollte wiederholt untersucht werden, um anhand des Titerverlaufs (Serologie) Erkenntnisse über ein eventuelles Fortschreiten der Erkrankung zu gewinnen.

    ABV-positive Tiere sollten NICHT euthanasiert werden und man nimmt an, dass es trotz Eiübertragung möglich ist, negativen Nachwuchs zu bekommen.

    Man hat versucht eine künstliche Übertragung zu provozieren indem man Virusmaterial oral eingab - dieser Versuch ist gescheitert - es wurde keine Infektion nachgewiesen.
    Bei Tieren, die zusammengehalten wurden, sind nicht alle positiv.
    Fazit: Die Umstände der Übertragung sind unbekannt - es scheint nicht einfach zu gehen.

    Alle Zukäufe, Neuaufnahmen sollten auf jeden Fall getestet werden bevor sie in einen Bestand integriert werden!! Dabei gibt es – je nach beauftragtem Labor – erhebliche Qualitätsunterschiede!

    Getestet werden sollte auf jeden Fall die PCR UND die Serologie!
    Professor Dr. Lierz nannte ein Beispiel:

    In 2009 wurde ein Bestand von Spix-Aras getestet:
    2 Vögel waren ABV positiv: PCR und Antikörper.
    5 Vögel waren positiv entweder mit PCR (sehr wenig RNA) oder Serologie (geringe Titer sprich niedriger Antikörpernachweis).
    Alle Vögel wurden strikt separiert.



    In 2010 wurde der gleiche Bestand, die gleichen Vögel wieder getestet:
    Die 2 positiven Vögel waren immer noch positiv (einer verstarb an PDD).
    Alle anderen Tiere waren negativ.
    Es gab keine weitere Verbreitung des Virus im Bestand.

    Anmerkung: Tiere bei denen andere Ursachen für eine Drüsenmagenerweiterung diagnostiziert wurden, können auch ABV positiv sein. Aus dem Grunde ist der ABV Nachweis nicht beweisend für PDD - muss aber unbedingt berücksichtigt werden.
     
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